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Mittwoch, 7. September 1952
182. Jahrgang
llr. 210 Erster Blatt
GietzemrAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhefsen
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Die Konferenz von Sirefa.
Die Staaten zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer, auf den Dorstadtsrieden von Paris im Jahre 1919 vorschnell und zum alleinigen Zwecke gegründet oder erweitert, Deutschland niederzuhalten, stehen vor dem Zusammenbruch. 3n Serbien, Ungarn, Rumänien, Polen, Lettland und Litauen herrscht seit Jahren die mehr oder minder verschleierte Militär-Dikta- t u r. Diktaturen aber sind immer nur ein Ueber- gangszustand. Und es steht außer Frage, daß am Ende dieses Uebergangszustandes eines Tages die bis an Deutschlands Ostgrenze und bis an die Adria vorgeschobene Sowjet-Union steht, wenn es nicht gelingt, die Staatenkette des alten und neuen Balkans in einer politisch« und wirtschaftliche Form zu bringen, die den übereilt in eine staatliche Form gepreßten Völkern ihre Lebensrechte gewährt.
Das Lausanner Abkommen, von der schnell-lebi- tfen Zeit beinahe schon vergessen, enthält die Verabredung zu einer Konferenz, die sich mit den Fragen des mittel- und osteuropäischen Wiederausbaues beschäftigen soll. Mitten im Tumult der deutschen Innenpolitik hat am 5. September diese Konferenz in Stresa, dem schönen Kurort am Lago Maggiore, begonnen. Den Vorsitz übernahm der ehemalige französische Handelsminister V o n n e t, an der Konferenz sind fast alle europäischen Staaten beteiligt: Deutschland, Frankreich, England, Belgien, Holland, Italien und die Schweiz aus der einen Seite und die unmittelbar beteiligten Mächte Oesterreich, Un- ' garn. Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Süd- slawien, Tschecho-Slowakei und Polen auf der anderen Seite. Man hat die Konferenz von Stresa schon vorher mit Lorbeeren bedacht und sie mit der britischen Reichskonserenz von Ottawa verglichen. Jedoch nur in weitestem Sinne kann Stresa als Auftakt für die kommende Weltwirt- schaftskonserenz bezeichnet werden. Und während Ottawa dem briiifchen Weltreich einen offenkundigen Erfolg bescherte, kann man gegenüber den in Stresa gemachten Versuchen, der europäischen Krise allein mit wirtschaftlichen Mitteln beikommen zu wollen, gar nicht kritisch und zweifelnd genug sich verhalten.
Schon die Vorgeschichte der Konferenz beweist, daß es leichter ist, innerhalb des englischen Imperiums ein Shstem von wirtschaft^ ördernden Zollcrleichterungcn zu schaffen, als das staatliche Ehaos Europas in eine organische und natürliche Ordnung einzuspannen. Der s ogenannte Tar - d i e u p l a n, lediglich die Staaten der kleinen Entente, dazu Oesterreich und Ungarn in eine Zollunion zu pressen und sie auf Gedeih und Verderb dem französischen Hegemoniestreben über Europa anzuletten, ist am Widerstand Deutschlands und Italiens gescheitert. Erst der italienische Gegenvorschlag, alle Anlieger- und Gläubigerstaaten Mitteleuropas an der Konferenz zu beteiligen, hat die Beratungen, die soeben begonnen haben, zustande gebracht. Man wird in Stresa gewiß keine bindenden Beschlüsse fassen, aber man wird immerhin erkennen, daß es aus den alten Wegen nicht weiter geht, und daß es leichter ist, eine natürliche Gliederung zu zerschlagen, als eine neue aufzubauen. Denn alle seitherigen Konferenzen in Bukarest, Sinaya und Warschau sind ohne Erfolg geblieben. Erfolglos blieb auch der Paneuropavorstoß Briands, wie der Gegenschlag Schobers und Curtius, auf dem Weg über eine deutsch- österreichische Zollunion mit der Reugliederung Mitteleuropas zu beginnen.
Drei wirtschaftliche Probleme sollen in Stresa vornehmlich behandelt werden: Erstens das der Schulden, die auf das schwerste alle Balkan- und Donaustaatcn belasten und mehrfach im letzten halben Jahr sowohl in Belgrad als auch in Bukarest zu antisranzösischen Demonstrationen geführt haben: zweitens das der Valuten, die in einigen Staaten des Donauraumes so abgesunken sind, daß ihre Votierung ausgesetzt hat und der ganze Handelsaustausch wegen der Be- schränkung der Valutenausfuhr zum Erliegen gekommen ist: drittens das Problem der Getreidepreise und der übrigen landwirtschaftlichen Ausfuhr, auf welche die meisten der Agrarstaaten im Rahen Osten angewiesen sind. Mehr und mehr möchte man sich aus der französischen Schuldknechtschaft befreien. Auf der Warschauer Vorkonferenz der südost» und osteuropäischen Agrarstaaten ist beschlossen worden, in Stresa den Vorschlag zu machen, Schulden nur noch mit Exportwaren zu bezahlen. Der Druck der Absahkrise und der Schulden könne nur durch eine natürliche Wiederanbahnung eines geregelten Exportes und Importes gebrochen werden. Frankreich hat die Gefahr erkannt und winkt gegenüber der schon halb angedrohten Zahlungseinstellung Polens, Rumäniens und Südslawiens mit neuen Anleihen zur Stützung und Entlastung der vor dem Zusammenbruch stehenden Rotenbanken. In Stresa wird sich entscheiden, ob Frankreich noch einmal den Sieg über Mittel- und Osteuropa davonträgt, oder ob bereits jetzt die große anti« französische Front zustande kommt, die nur eine Frage der Zeit ist.
In Strese wird man geflissentlich vor allen politischen Problemen die Augen verschließen und sich auf die reinen Wirtschaftsfragen beschränken. Das Mittel- und Osteuropaproblem aber ist in ersten Linie ein politisches Prodle m, das nur von Deutschland gelöst werden kann. Sobald die Aufgaben der deutschen Innenpolitik notdürftig gelöst sind, muh Deutschland mit einem großen europäischen Aufbauprogramm hervortreten. Frankreich hat von der
Das Echo der deutschen Wehrdenkschrist.
Frankreich läßt sich mit der Antwort Zeit.
Paris, 6. Sept. Havas erklärt, man dürfe nicht damit rechnen, daß die französische Regierung in diesen Tagen der Reichsregierung ihre Antwort auf die deutsche Denkschrift in der Frage der militärischen Gleichberechtigung bekanntgeben werde. Ein Ministerrat müsse die Wendungen dieser Antwort festlegen, und der nächste Ministerrat werde erst Donnerstag oder Freitag nach dem Kabinettsrat, der alle Mittwochnachmittag m Quai d'Orsay stattfindet, zu- ammentreten. Alle Mächte, die das Ver- rauensabkommen unterzeichnet haben und bie getagt worden sind, hätten andererseits nochnicht ihre Ansicht mitgeteilt. So werde die Ansicht der englischen Regierung — trotz einiger Aufklärungen, die der englische Geschäftsträger in Paris dem Ministerpräsidenten Herriot gegeben habe — tatsächlich erst nach dem Kabinettsrat definiert werden, der am Donnerstag in London zusammentrete, ilnter diesen Umständen werde die französische Regierung nicht vor Ende dieser Woche oder Anfang nächster Woche ihre Antwort der Reichsregierung zur Kenntnis bringen können.
Französische pressefftnimen.
Paris, 7. Sept. (WTB. Funkspruch.) Ein großer Teil der Blätter veröffentlicht im Wortlaut des deutschen Resurnes über die Frage der Gleichberechtigung und teilweise auch die vorn Reichsaußenminister dazu abgegebenen ' Erläuterungen. Kommentare finden sich bisher so gut wie nicht. Lediglich „Oeuvre" erklärt, das deutsche Rcsume sei nicht im Tone einer Anklage gehalten. Es handele sich vielmehr um die Klage einer Ration, die sich gedemütigt glaube und sich nicht mehr damit abfinden könne, als eine Macht zweiten Ranges zu gelten, und die d i e Vorteile deS allgemeinen Rechts für sich beanspruche: Abrüstung aller oder das Recht für sich, zu rüsten.
Einige Bemerkungen dagegen gelten den gestern in Elbing abgegebenen Erklärungen des Generals von Schleicher. Das „Journal" glaubt, die Rede als „aggressiv" bezeichnen zu können. „Echo de Paris" meint, General von Schleicher wolle eine Miliz für Ostpreußen schassen. Wichtig sei, daß zum ersten Male eine amtliche Persönlichkeit eine Forderung vorgetragen habe, die auf die Schaffung einer Miliz na chS chwei- zer Muster abziele. Aehnlich äußert sich „Petit Parisien". Das Blatt bemerkt dazu, der Ort, an dem die Aeußerung des Generals von Schleicher gemacht wurde, gebe ihr eine ganz bes ondere Bedeutung.
Der Eindruck in Amerika.
Neu y o rk, 7.Sept. (WTB. Funkspruch.) Die Blätter bringen das deutsche Resums über die Gleichberechtigung in großer Aufmachung. ,Heralb Tribüne" veröffentlicht aus Washington ungefähr den gleichen Kommentar wie ihn das Staats
departement am 2. September gegeben hat. „T i ■ m c s" meldet außerdem, in Regierungskreisen bestehe Sympathie für Deutschlands Wunsch nach dem richtigen Platz unter den Nationen. In- dessen hege man einige Befürchtungen für den Erfolg b e r A b r ü st u n g s k o n f e r e n z. 3m wesentlichen beobachte man jedoch d i e größte Zurückhaltung und vertraue darauf, daß der weitere Verlauf der Ereignisse sich so gestalte, daß Deutschland doch an der Konferenz teilnehmen werde.
Englische Militärflugzeuge über Sylt.
B e r I i n , 6. Sept. (ERB.) Don zuständiger Stelle wird die Nachricht einzelner Blätter bestätigt, daß gestern mittag englische Militärflugzeuge die Insel Sylt überflogen haben. Nach einem Bericht des Oberpräsidiums in Kiel haben gestern um 13.13 Uhr drei englische Militärdoppel' decker, deren Hoheitszeichen deutlich erkannt wurden, das Festungsgelände von Sylt überflogen.
Die Mliiwnsgespläche wieder ausgenommen.
Brüning wird von Goering empfangen.
Berlin, 6. Sept. (TU.) Irn Reichstag wurden am Dienstagnachmittag die Besprechungen zwischen den Nationalsozialisten und dem Zentrum wieder aufgenommen. Reichstagspräsident Goering empfing nacheinander den früheren Reichskanzler Dr. Brüning und den Reichstagsabgeordneten Dr. Bell (Zentrum).
Die „G e r m a n i a" nimmt in längeren Ausführungen Stellung zu den Verhandlungen des Zen- trums mit der NSDAP, in Verbindung mit der Frage, ob eine Tolerierung der Reichs- regierung möglich wäre. Das Blatt schreibt u. a., was die Zentrumspartei will und unternimmt, das ist der ernste und ehrliche Versuch, einen Weg ausfindig zu machen, der eine verfassungsmäßige Entwicklung gewährleistet und unter möglichst geringen Risiken eine Entspannung und Stabilität unserer politischen Verhältnisse zum Nutzen der wirtschaftlichen Belebung sicherstem. Wenn jetzt dem Zentrum empfohlen wird, die Regierung Papen zu tolerieren, so geht dieser Rat an Kernpunkten der politischen Krise vorbei, denn damit wäre für die Aufräumung des Konfliktes mit dem Reichstage und die Vermeidung feirter für Staat und Volk gefährlichen Folgen gar nichts gewonnen, da auch bann eine überwältigende Mehrheit noch immer geaen bic Regierung stünde. Die entscheidende Aufgabe ist es, die negativeMehrheitin eine positive umzuwandeln, die bereit ist, der Führung durch eine von starker Autorität getragene Reichsregierung eine parlamentarische Basis zu geben. Das ist bas Ziel, bas bie Zentrumspartei nicht allein, sonbern nur i m Zusammenwirken mit anberen erreichen kann. Wenn es verfehlt wirb, dann wirb leiber Größeres verfehlt, als nur die Schaffung eines arbeitsfähigen Reichstages.
Erne Rebe Goerings zur Lage
Berlin, 7. Sept. (ERB.) Reichstagspräsident Goering führte in einer nationalsozialistischen Versammlung in einer Rede u. a. aus, man habe Hitler den Vizekanzlerposten angeboten. Das Amt eines Stellvertreters sei aber für Hitler ausgeschlossen. Reichstagspräsident Goering erinnerte sodann an das Jahr 1923, als die Rationalsozia- listen der „Reaktion" gegenübergestanden hätten. Er selbst habe damals an der Spitze der von ihm kommandierten SA. zwei Kugeln wegbekommen.
Das zweitemal würden die Rationalsozialiften der „Reaktion" nicht so bequem in die Maschinengewehre hineinmarschieren.
Zu den Meldungen über Verhandlungen mit dem Zentrum erklärte Goering, man sage mit dem Zentrum unterhandeln wäre eine Sünde wider den Heiligen Geist. „Wir unterhalten uns zunächst nur'noch", so sagte der Redner. Man habe so spekuliert: Wenn das Zentrum und die Rationalsozialisten zusammengingen und man den Reichstag dann auflösen würde, müsse das Zentrum 10 und die Rationalsozialisten 50 Sitze verlieren an die neue „Papen-Partei". Rach mehrmaligem Auflösen glaube man, eine Mehrheit für die Papen-Partei gesammelt zu haben. Damit könne man die Rationalsozialisten nicht schrecken. Sie wählten gerne noch einmal. Bei der nächsten Wahl würden die Rationalsozialisten viel Zulauf haben. Am 31. Juli hätten noch viele Millionen deutscher Arbeiter für die SPD. wählen zu können geglaubt. Man fürchtete, so fuhr Goering fort, daß Papen zu uns gehört. Jetzt ist ja dafür gesorgt, daß auch dem Dümmsten klar sein muß, wie wir mit Papen stehen. Einen etwaigen neuen Kampf werden wir mit klarer Front führen, und wie wir den „bürgerlichen Mischmasch" beseitigt und die Sozialdemokratie gesiebt haben, so werden wir auch die Reaktion zum Teufel jagen.
Oie Durchführung des Wirtschastsprogramms.
Berlin, 7. Sept. (WTB- Funkspruch.) Am Mittwochvormittag fand im Reichswirtschaftsministerium eine Aussprache zwischen den an der Durchführung des Wirstschaftsplans haupt- beteiligten M i n i st e r n, der R e i ch s b a n k und führenden Persönlichkeiten der Llnternehrner- schäft statt, die hinsichtlich der Bedeutung und des Zweckes der erlassenen Rotverordnung und die weitere Behandlung der noch bevorstehenden Ausführungsbestimmungen eine weitgehende Liebereinstimmung erzielte. Die kurze Aussprache hatte informatorischen Charakter. Lieber die Durchführung der sozialpolitischen Maßnahmen finden zur Zeit noch weitere Besprechungen mitArbeitgebern und Gewerkschaften im Reichswirtschaftsministerium statt.
Mitte des vergangenen Jahrhunderts an bis zu dem unseligen Friedensschluß des Jahres 1919 seinen überstiegenen Rationalstaatsgedanken in den europäischen Osten hineingetragen und damit nur zerstörend gewirkt. Deutschland, wirtschaftlich, politisch und kulturell gut Führung in Mitteleuropa berufen, muß den chauvinistischen Rationalstaatsgedanken durch die Idee einer europäischen Föderativgliederung ablösen. Mittelpunkt dieser Föderativ- gliederung industriell und agrarisch sich ergänzender Staaten ist d a s R e i ch. Die kulturelle Autonomie und Selbstverwaltung der heute großen- teils noch unterdrückten Völker im Rahen Osten darf nicht angetaftet werden. Deutschland war immer nur groß, wenn es Ziele verfolgte, die über die engen Staatsgrenzen hinausreichten. Sobald Deutschland wieder eine europäische Aufgabe hat, wird das Kartenhaus, der Frieden von Versailles, St. Germain und Reuilly zu- sammenbrechen.
Alfred Rosenberg über nattonalsoziaWsche Kulturpolitik
Berlin, 6. Sept. (ERB.) Die Kampfbundbuhne Berlin im Kampfbunb für deutsche fiultur veran- stattete in dem dicht besetzten großen Saal der Philharmonie ein Werbekonzert, ausgefuhrt von dem Deutschen Konzertorchester unter seinem Dirigenten Prof. Dr. h. c. Gustav Havemann und unter Mitwirkung des Tenors Fritz Willrobt- Schwenk. Alfred Rosenberg sprach über bas Thema „Der Kamps um bie beutsche Kulturerneuerung". Das beutsche Volk ringe heute um em neues mobernes unb doch in seinem Wesen verwurzeltes Funbament für sein künftiges Leben. In dieser Auseinandersetzung erkenne ein ständig wa<y- sender Teil der Nation, daß der deutsche Mensch lebe Krafterneuerung aus der W i e b e r g e b u r t bes Charakters schöpfe. Der Kampfbunb für beut- iche Kultur strebe nicht banach, an einer sogenannten Menschheitskuttur mitzuwirken, sonbern ,ehe seine Aufgabe vollkommen barin erfüllt, innerhalb bes deutschen Sprachgebietes jene Elemente unb
Gebanken a u s z u s ch a l t e n, bie bewußt ober instinktiv sich gegen ben @ r u n b ro e r t bes beutschen Wesens richteten, die der Kampfbunb zur vollen Zufriedenheit, zur vollen Entfaltung bringen wolle. Es solle seine Aufgabe sein, wenn irgend möglich, jene deutschen Schriftsteller zu Worte kommen zu lassen, die seit Jahren systematisch unterdrückt worden seien. Er wolle ferner für bie Bühnen nach unb nach aus ber deutschen Literatur jene Stücke herausgreifen unb sör- bern, bie heute fast unbekannt ein kümmerliches Dasein fristeten. Zu gleicher Zeit sei ber Kampfbunb in verschiebenen Stabten bereits an bie Bil - bung von Theatergemeinben herangegangen unb hoffe auch in Berlin eine Besucher» Organisation für Theater unb Konzerte fjtranjubilben. Auf anberen Gebieten habe ber Kampfbunb ebenfalls Fachschaften gebilbet, bie bie Probleme, bie mit Kultur unb Technik, mit ber Reformber Universitäten u. a. .Zusammenhängen, zu bearbeiten hätten. Der Kampfbunb verkenne nicht, baß eine kulturelle Erneuerung Hanb in Hanb gehen müsse mit* einer politischen Neugeburt Deutschland. Eine Kultur sei nur bann echt, wenn man bereit sei, sie bis zum Letzten auch politisch zu uerteibigen, unb eine politische Macht besitze nur eine Berechtigung, wenn sie bie Umrahmung einer großen unb starken Volksseele barfteUe.
Das Werfjahr der Akademiker.
Besprechung mit den Ländern.
Berkin, 7. Sept. (CRB. eigene Meldung.) Zwischen den zuständigen Referenten des Reichsinnenministeriums und den Hochschulreferenten der Länder hat eine Fuh- lungnahme stattgefunden über die »rage der Einführung eines Werkjahres der Akademiker. Die Einführung dieses Werkjahres hat bei den Hochschulreferenten der Länder weitestgehende Zustimmung gesunden. 3m einzelnen soll der Plan noch in seinen Grundzugen festgestellt werden und in weiteren Besprechungen mit den Hochschulrektoren, dem Reichs- konimissar für den Arbeitsdienst und
den Berufsorganisationen erörtert werden. Man nimmt in zuständigen Kreisen an, daß diese Vorbesprechungen bis Mitte nächster Woche erledigt sein können, so daß dann die offiziellen abschließenden Verhandlungen beginnen können. Das Ziel der Verhandlungen ist, das Werkjahr vom 1. April n. I. ab in Kraft treten zu lassen.
Reichskanzler a. O. Michaelis 75 Jahre alt.
Berlin, 6. Sept. (TU.) Am 8. September b. I. begeht ber ehemalige Reichskanzler, Exzellenz D. Dr. Georg Michaelis, seinen 75. Geburtstag. Michaelis entstammt einer alten Quriftenfamilie. Nach dem Assessorexamen war er Dozent an ber Schule für deutsche Rechts- unb Staatswissenschaften in Tokio. Nach vierjährigem Aufenchalt im fernen Osten würbe er zunächst Staatsanwalt in Schneibemühl, ging bann zur Regierung über unb würbe 1909 Unterstaatssekretär im preußischen Finanzministerium, nach Ausbruch bes Krieges würbe er Leiter ber Reichsgetreibestelle. Bei ber sortschreitenben Ent- Wicklung ber Ernahrungsplanwirtfchast wurde er schließlich Staatlicher Ernährungskommissar mit weitreichenden diktatorischen Vollmachten. Im Juli 1917 entschloß sich ber Kaiser, ihn als Nachfolger Bethmann-Hollwegs zum Reichskanzler zu ernennen. Da er ohne Fühlungnahme mit Den Parteien berufen worben war, würben ihm sehr bald von ber aus ber Friebensresolution im Juli 1917 bekannten Mehrheit bes Reichstages Schwierigkeiten gemacht, benen er bereits Ende Oktober zugunsten bes Grafen Herlling weichen mußte. Er würbe später Dberpräfibent von Pommern. Als er nach 40jähriger Amtszeit aus bem Staatsbienft schied, roibmete er sich bem großen akabemischen Hilssroerk, mit bem fein Name in Deutschland für immer verknüpft ist. An bem Aufbau unb bet probuktiven Entwicklung des Deutschen Studenten- Werks unb ber Darlehnskafse ber Deutschen Stu- bentenschast hat er maßgeblich mitgeroirtt. Die zentrale Wirtschafte und Fürsorge-Organisation de?


