geben, die unter dem Ausdruck des Bedauerns seine Worte zurücknahm und die mich der Pflicht zu meiner Erklärung im Reichstage enthoben hätte.
Abgesehen von diesem Einzelfall muß ich aber doch feststellen, daß in der von Ihnen betriebenen Propaganda die unangreifbare Persönlichkeit des Reichspräsidenten von Hindenburg immer wieder durch eine völlig ent st eilte Darstel- lung der Träger seiner Kandidatur herabzusetzen versucht wird.
Ich will den Fall nicht öffentlich ausgreisen, der kürzlich zur Beschlagnahme einer von Ihnen herausgegebenen illustrierten Zeitschrift führen mußte. Aber ich bin es dem Manne, der mit seiner Kandidatur ein tieferschütterndes, persönliches Opfer gebracht hat, schuldig, die Wahrheit festzuslellen: Hindenburg ist nicht „der Kandidat Lrispiens", ist nicht der Kandidat einer Partei, sondern er ist der 6 andidat von Millionen deutscher Arbeiter genau so wie von
Millioney deutscher Volksgenossen in anderen Ständen. Cs wider- spricht den Gepflogenheiten deutscher Tradition, Männer, die ein langes Leben an der positiven Entwickelung der deutschen Geschicke mitgewirkt haben, deren positive Leistungen bereits der Geschichte angehören, ohne weiteres mit denen auf eine Stufe zu stellen, die den Beweis ihrer histo- rischen Bedeutung erst erbringen wollen.
Ich werde als Reichsinnenministcr dafür sorgen, daß niemand in seiner freien Entschließung bei der Wahl gehindert wird. Aber ich betrachte es als meine Pflicht als Staatsdiener, mich schützend vor die Person des amtierenden Reichspräsidenten zu stellen und als meine Ehrenpflicht als alter Soldat, über Ehre und Ansehen des Generalfeldmarschalls von Hindenburg zu wachen. In diesem Geiste werde ich die gesetzlichen Bestimmungen auch im Wahlkampf handhaben.
Hindenburg warnt polen.
Oie deutschen Ostlande werden bis zum äußersten verteidigt werden.
Berlin, 5.März. (WTB.) Der Landeshauptmann der Provinz O st Preußen hat der Reichsregierung folgende vom Provinzial- ausschuß der Provinz Ostpreußen in seiner Sitzung vom 19. Februar d. 3. gefaßten Entschließung mitgeteilt:
Bei einer FeierpolnischerStudenten in Danzig am 2. Februar haben Vertreter polnischer Zivil- und Militärbehörden Beden gehalten, welche unverhüllte Drohungen gegen Danzig und Ostpreußen enthalten und einen militärischen ^leberfall in nahe Aussicht stellen. Unter anderem hat der Vertreter des kommandierenden Generals in Thorn erklärt, daß er eher nach Königsberg in Uniform als zum zweiten Male nach Danzig in Zivil kommen werde. Infolge dieser unerhörten. in so herausfordernder Schärfe noch nie gewagten Drohungen und unter dem Eindruck der jüngsten Vorgänge in Memel istdieStim - mung in der Provinz Ostpreußen außerordentlich gespannt. Der Pro- vinzialausschuß hält es für seine Pflicht, die Aufmerksamkeit der Reichsregierung hierauf zu lenken und zu fordern, daß alle nur denkbaren Maßnahmen zum Schutze des bedrohten Ostens getroffen werden. Die Rcichsregierung kann sich darauf verlassen, daß
die Ostmärker, eingedenk ihrer Pflichten, d i e Heimat bis zum äußersten verteidigen werden.
Der Herr Reichspräsident hat hierauf an den Landeshauptmann der Provinz Ostpreußen nachstehende Antwort gerichtet:
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!
Der Herr Reichskanzler hat mit die Entschließung des Provinzialausschusses der Provinz Ostpreußen vom 19. Februar vorgelegt. D i e Sorgen des deutschen Ostens sind auch die meinen. Niemals kann es das deutsche Volk dulden, daß ihm weitere Stücke seines Vaterlandes entrissen werden.
Ihr Gelöbnis, die Heimat bis zum äußersten verteidigen zu wollen, erwidere ich mit dem versprechen, daß ich den deutschen Ostlanden in ihrem Kampfe gegen jede nur mögliche Drohung mit allen Kräften bel- stehen und im Verein mit der Reichsreglerung und dem deutschen Volk alle Maßnahmen zu ihrer Sicherung treffen werde.
Mit freundlichen Grüßen!
(gez.) von Hindenburg.
Frankreichs Pläne im Oonauraum.
Eine französische Oenkschrist wird in Berlin überreicht und Oeuischland zur Beteiligung an den Beratungen aufgefordert.
Berlin, 5.Mär;. (WTB.) Amtlich. Der französische Lotschaster gab heute dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Erklärungen über die französischen Absichten betreffend Hilfsmaßnahmen für die Donauländer ab und überreichte ihm ein aiäe-mämoire, in dem die Erwägungen der französischen Regierung über die Möglichkeiten einer Ueberwindung der im Südoslen Europas bestehenden wirtschaftlichen Rollage niedergelegt sind. Dieselbe Riederschrift, die ebenso wie die deutschen Erwägungen von den Vorarbeiten des Finanzausschusses des Völkerbunds ausgeht, ist auch den anderen interessierten Großmächten in diesen Tagen überreicht worden. Sie will nicht als ein fertiger Vorschlag angesehen werden, sondern als Betrachtungen über die einzuschlagenden Wege und über die gegebenen Möglichkeiten. Der französische Botschafter brachte den Wunsch seiner Regierung zum Ausdruck, daß Deutschland sich an den Arbeiten zur Herbeiführung einer besieren wirtschaftlichen Organisation für den Südosten Europas beteiligen möge.
Kein Einverständnis Englands.
Kritik in der britischen Presse.
London, 5. März. (TU.) Von zuständiger englischer Stelle wird bestätigt, daß T a r d i e u England vorher unterrichtet hätte, ehe er sich in Gens an die Vertreter Ungarns, Oesterreichs und der Kleinen Entente mit seinen Donau- bund-Plänen gewandt habe. Die Tatsache, daß die englische Regierung von dieser Absicht
Kenntnis genommen hat, sei aber noch keineswegs gleichbedeutend mit einem völligen Einverständnis mit den Tardieu- plänen in ihrer jetzigen Form.
„Manchester Guardian" schreibt, daß diese Abmachungen, die aus einen Abbau oder Beseitigung von Zollmauern hinzielten, von ungeheurem Wert für die betroffenen Länder sein müssen. Aber Frankreich habe nicht nur den Schutz seiner finanziellen Interessen im Auge, sondern es habe auch p o - litische Beweggründe. Der französischen Politik schwebten eine Reihe von Abkommen in Südosteuropa vor, die Deutschland endgül ° tig von den Vorteilen eines Donau- bunbes ausschließen sollten. Weder Wien noch Berlin seien im Augenblick in der Lage, dem finanziellen Druck Frankreichs starken Widerstand entgegenzusetzen. — „Daily Telegraph" will in einer Zollunion der Nach folge st aaten eine ernstliche Gefahr für den britischen Handel erblicken, die besonders groß wäre, wenn großeIndustrieländer wie Frankreich und Deutschland sich etwa an der Union b e - teiligten. Eine Beteiligung Englands würde bei dem Charakter seiner wirtschaftlichen Beziehungen zu den Dominions schwierig sein. Eine Gefahr liege darin, daß man vielleicht versuchen werde, den Plan im Einverständnis mit Genf in aller Eile noch vor der britischen Reichskonferenz in Ottawa durchzuführen. — „Times" dagegen begrüßt den französischen Plan mit Wärme und sagt, schon im Hinblick auf die Lage Ungarns und Oesterreichs verdiene er die freundschaftliche Erwägung. Ein A u f - schud könne zu einer Katastrophe in diesen beiden Ländern führen. Rasche Hilfe mit diesen Heilmitteln sei möglicherweise viel zweckmäßiger als die langsame Ausarbeitung des Planes.
Mowewnschiag auf dm deutschen Botschaftsrat von AvardoW in Mau.
Oer Täter, ein russischer Student, verhaftet. — Twardowskis Befinden gut.
Berlin, 5.März. (WTB.) Auf den Bolschafts- rat bei der deutschen Botschaft in Moskau, von Twardowski, wurde heute vormittag ein Anschlag verübt, Botschaftsrat von Twardowski wurde durch einen Streifschuß am halse und durch einen Steckschuß in die Hand verletzt. 3m ganzen wurden auf Herrn von Twardowski vier Schüsse abgegeben. Sein Befinden ist nach den Umständen befriedigend. Der Täter ist verhaftet. Die Motive der Tat konnten noch nicht feslgestelll werden.
Der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten, Litwinow, sprach im Ramen der UdSSR, dem deutschen Botschafter in Moskau, v. D i r k - s e n , sein Bedauern aus und sicherte st r e n g st e und schnell sie Untersuchung zu. Weiterhin Hal der russische Botschafter in Berlin, L h i n - lschuk, dem Staatssekretär v. Bülow gleichfalls das Bedauern feiner Regierung zum Ausdruck gebracht.
Wie wir erfahren, hat sich der Anschlag auf den deutschen Botschaftsrat Dr. von Twardowski in Moskau folgendermaßen abgespielt: Dr. von Twardowski fuhr in feinem Wagen von der Botschaft kommend in die Stadt. An einer Ecke des Leontjew- ski-Pereulok mußte der Wagen halten, um Kraft
wagen aus der Querstraße vorüberzulassen. Aus einem dieser Wagen sprang ein Mann heraus und gab oier S chü sse du r ch dle Scheiben des Wagens von Dr. Twardowski ab. Der Wagen des Täters fuhr unter russischem Kennzeichen, der des Botschaftsrates unter der deutschen Reichsflagge. Die Waffe des Täters versagte nach dem vierten Schuh. Der Täter warf den Revolver fort und wurde von einem Passanten ergriffen. Derselbe Passant war es auch, der dem Botschaftsrat die erste Hilfe angedeihen lieh, indem er ihm die Hand verband. Er fuhr mit ihm zur nächsten Apotheke und hierauf zum Kreml- Krankenhaus. Der bekannte russische Professor und Chirurg O t s ch k i n erteilte die erste ärztliche Hilfe. Nachdem cs sich herausstellte, daß eine schwere Handoperation notwendig war, wurde sofort der berühmte russische Chirurg R o f a - noff benachrichtigt, der in wenigen Minuten im Krankenhaus eintraf. Eine Untersuchung ergab komplizierte Brüche der drei mittleren Handknochen mit starken Splitterungen.
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Dr. v. Twardowski ist in der deutschen Presse besonders bekannt durch seine frühere Tätigkeit
Oie Parade vor Hindenburg.
Oer Reichspräsident besichtigt das Berliner Wachregiment.
Berlin, 5. März. (Priv.-Tel.) In Ergänzung unserer kurzen Mitteilung über die Besichtigung des Berliner Wachregiments durch den Herrn Reichspräsidenten Feldmarschall von Hindenburg auf dem Moabiter Exerzierplatz erhalten wir folgenden ergänzenden Bericht:
Wie ein Lauffeuer durcheilt die Kunde den ganzen Stadtteil. Hunderte strömen vor den Toren der Kaserne in der Rathenower Straße zusammen. Hunderte, die sich im Tiergarten längs des Marschweges, den die Wachtruppe seit einer Woche mittags nimmt, ausgestellt haben, zieht es mit gleicher Gewalt dorthin, wo Schuppokolonnen und Wagen von Filmgesellschaften ein außergewöhnliches Ereignis erwarten lassen. Bon Minute zu Minute wächst das Gedränge.
Der weite Exerzierplatz liegt in strahlendem Sonnenglanz. Bon allen Türmen der angrenzenden Kasernengebäude wehen die Flaggen: die Reichsfarben neben der alten, stolzen schwarz-weiß-roten Kriegsflagge. In weitem Karree hat die Truppe Aufstellung genommen. Der Blick schweift über die stolzen Reihen, deren Stahlhelme im Sonnenlicht ihre stumpfe Stahlfarbe verlieren und zu leuchten beginnen. Wehmütige Erinnerungen wollen aufsteigen, aber sie werden verdrängt durch das eindrucksvolle militärische Bild mitten in der Nüchternheit eines Berliner Bormittags.
Punkt 12 Tlhr erschallt das Kommando:
„Achtung! Präsentiert das Gewehr!"
Der Reichspräsident hat den Platz betreten.
Alle Blicke wenden sich dem Rordflügel des weiter, Exerzierplatzes zu. Bon weitem wird eins Gruppe von Offizieren sichtbar, aus deren Mitte eine hohe, mächtige Gestalt im blitzenden Helm der alten Armee hervorragt: Hindenburg. Mit weit ausholenden, kräftigen Schritten geht er an der Spitze seiner Begleitung auf die Truppe zu. Der Fridericus-Rex-Marsch weicht dem Deutschlandlied. Die zahllosen Zuschauer, die sich an den Seiten des Platzes eingefunden haben, entblößen die Häupter. 3eht hat Hindenburg den linken Flügel der Front erreicht. Gr richtet einige kurze Worte an die Mannschaften. Man sieht die roten Aufschläge seines Mantels leuchten. Dröhnend klingt der Gruß der
Truppe zurück. Langsam schreitet der Reichspräsident die Front ab. Er trägt, wie man bei seinem Räherkommen erkennen kann, den Marschall st ab in der Rechten. 3eden einzelnen Soldaten trifft sein Blick. Klar und markig klingt sein Gruß: „Guten Morgen, Schützen!" Wir aus einem Munde klingt es zurück: „Guten Morgen, Herr Reichspräsident!"
Hindenburg hat den rechten Flügel der Front erreicht. Während die Truppe zum Aordteil des Exerzierplatzes abrückt, um sich dort zum Vorbeimarsch zu formieren, bleibt der Reichspräsident, abseits von seiner Umgebung, stehen und beobachtet jede Bewegung der Formationen. Gr steht wie ein Erzbild, ganz in unmittelbarer Rahe der Zuschauer. Riemand kann sich dem Eindruck dieser Stunde entziehen, deren Ein- maligfeit sich gewaltsam einprägt. Ergriffenheit läßt jedes Gespräch verstummen.
Die Aufstellung ist beendet, schallende Kommandos, die Musik als- Spitzengruppe, seht sich in Bewegung. 3n weitem Abstand die Offiziere. Salutierend senken sich^vor dem Generalfeldmarschall die blitzenden Degelh-Rach einigen Links- und Rechtsschwenkungen nimmt daS Tambourkorps gegenüber dem Reichspräsidenten Aufstellung. Es naht die erste Kompanie. 3m Parademarsch marschieren die Kompanien an dem Reichspräsidenten vorüber.
Die Parade ist vorüber. Hindenburg, offensichtlich sehr befriedigt, richtet Worte der Anerkennung an die versammelten Offiziere. Ein Soldat mit dem Söhnchen des Kommandeurs tritt heran: der Kleine, im Ru von einer Schar Film- und Kameraleute umringt, überreicht dem Reichspräsidenten einen Strauß leuchtender Frühlingsblumen. Freundlich beugt sich Hindenburg zu dem Kleinen herunter, reicht ihm die Hand und bedankt sich für die duftende Gabe.
3nzwischen sind die Wagen des Reichspräsidenten und seiner Begleitung vorgefahren. Die Offiziere treten zurück. Hindenburg wendet sich voll den Hunderten zu, die den Kordon der Schutzpolizei zu durchbrechen versuchen. Grüßend legt er die Hand an den Helm. Ein dreifaches Hoch aus Hunderten von Kehlen gibt der allgemeinen Begeisterung Ausdruck.
Deutschland ehrt George Washington.
Eine Gedenkrede des Reichskanzlers für Amerikas ersten Präsidenten.
Berlin, 6.März. (WTB.) Aus Anlaß des 200. Geburtstages George Washingtons veranstaltete unter dem Ehrenprotektorat des Reichspräsidenten v. Hindenburg die Bereinigung Carl Schurz in Gemeinschaft mit anderen Verbänden im Plenarsaal des Reichstages eine stimmungsvolle Gedenkfeier. Der Riesenraum war rings mit Lorbeerbäumen umstellt. Auf einer hohen Säule erhob sich die mit dem Sternenbanner umwundene Marmorbüste Washingtons. Die Wand war mit der Reichsflagge und mit der amerikanischen Flagge bekleidet.
Reichskanzler Or. Brüning
würdigte ausführlich die Persönlichkeit Washingtons. „Wenn wir an Washington denken", so zitierte der Kanzler aus dem Geschichtswerk von James Trus- low Adams, „so denken wir nicht an ihn als Oberbefehlshaber oder als Exekutivbeamten oder Diplomaten. Wir denken an ihn als den Mann, der durch die bloße Stärke seines Charakters ein geteiltes und zerrüttetes Land bis zum Siege zusammenhielt, und der, nachdem der Friede errungen war, seine uneinigen Volksgenossen durch ihre Liebe, ihre Hochachtung und ihre Bewunderung für ihn weiter festhre 11, bis eine Nation zu bleibender Einheit zusammengeschweißt mar."
Das, fuhr Dr. Brüning fort, war die wahre Gröhe Washingtons und wird immer die Gröhe aller großen Staatsoberhäupter in der Geschichte bleiben. Aushalten, nicht verzagen, so klingt an unser Ohr auch heute noch seine Mahnung. Eine Mahnung an alle, die in schweren Kämpfen um den Bestand ihrer Ration an verantwortlicher Stelle stehen. Aushalten — auch gegenüber jeder persönlichen Anfeindung. Wie niemals in der Geschichte, so sind auch einem großen Staatsmanne wie Washington, wenn ihm auch bei Lebzeiten der Ehrenname „Vater des Vaterlandes" gegeben wurde, gehässige Gegnerschaft, persönliche Angriffe und Verdächtigungen nicht erspart geblieben.
Die Bande der Freundschaft, die, wie ich hoffe, nunmehr das deutsche Volk mit der amerikanischen Nation für immer verbinden werden, gehen zurück auf jene Zeit, da die Bereinigten Staaten von George Washington zusammengeschmiedet wurden. Groß ist die Zahl der Deutschen in den Reihen der amerikanischen Freiheitskämpfer gewesen. Etwa 10 Prozent der weißen Gesamtbeoölkerung der 13 Kolonien waren nach den Schätzungen eines bedeutenden Geschichtsschreibers von deutscher Geburt.
Die Festrede hielt Professor Windelband. Washingtons Geist sei es, der vor allem in den grundlegenden Bestimmungen der Verfassung zum Ausdruck komme. Bei seinem Kampf um die nationale Einheit sei Washington immer wieder zwei Feinden begegnet: dem Partiku- larismus der einzelnen Staaten und dem Parteigeist. „Wir scheinen wirklich entweder nicht fähig oder nicht willens, für uns selbst zu sorgen", so schreibt er einmal verbittert und nennt es an anderer Stelle „sinnlos, die kleinsten Teile der Uhr in Ordnung zu bringen, bevor die große Feder, die das Ganze in Bewegung seht, in Ordnung ist". 3n diesem Ruf zur Einigkeit fließen die Linien zusammen von Washing- t o n und Bismarck her. Wir können dem Gedächtnis dieser beiden Großen nicht besser dienen, als wenn wir da, wo es um Lebensfragen der Ration geht, einseitige Parteirücksichten nicht aufkommen lassen. Es ist Geist Bismarcks wie Washingtons, wenn auch der Mann, der heute unsere nationale Einheit verkörpert und zu dem wir in Verehrung und Liebe aufblicken, immer wieder mit der ganzen ihm innewohnenden Würde, Autorität und Weisheit zur Einigkeit mahnt. An uns ist es, die Flamme dieses Geistes zu erhalten, an uns wird es liegen, ob unser Volk seine segenspendende Kraft erneut an sich erfahren kann.
in der P r e s se a b t e i lu n g der Reichsregierung, deren 3nlanbreferat er als Vorgänger von Geheimrat Dr. Katzenberger leitete. Dr. v. Twardowski war noch vor 14 Tagen in Berlin. Er trug damals den Arm in der Binde, weil er sich beim Wintersport eine Verletzung zugezogen hatte. Ursprünglich ist er Marineoffizier gewesen, nach dem Kriege erhielt er bei der ilmgeftaltung der Marine seinen Abschied als Kapitänleutnant, dann trat er 1922 in den Aus» wärt igen Dien st, und zwar wurde er schon damals der deutschen Botschaft in Moskau zugeteilt. 3eht ist Dr. v. Twardowski wieder seit 1928 in Moskau tätig.
Oer Täter.
Noch keine Klärung der Motive.
Der Mann, der heute mittag an der Ecke der Leontjewstraße und der Herzenstraße auf den deutschen Botschaftsrat v. Twardowski mehrere Schüsse abgab und von Angestellten der politischen Verwaltung sofort entwaffnet und verhaftet werden konnte, nennt sich 3udas Mironowitsch Stern. Er ist Student an der Moskauer Universität und 28 3ahre alt. Er hat die Gründe, die ihn zu seiner Tat veranlaßten, bisher noch nicht gestanden.
An dem Verhör Sterns, das im Gebäude der OGPU. stattfindet, nimmt u. a. auch der Chef der OGPU., M e n s ch i n s k i, teil Der Untersuchungsrichter für besondere Angelegenheiten, Rosenfeld, hat von Stern noch keine Erklärung über die Beweggründe für den Anschlag erhalten. Zur Zeit werden die Personalien Sterns geprüft. Don russischer Seite wird behauptet, daß der Attentäter nicht Mitglied der Kommunistischen
Partei der Sowjetunion sei. Der von ihm benutzte Revolver ist gefunden worden. Wie weiter bekannt wird, sollen sich von Twardowski und Stern niemals gesehen haben. In Moskau wird weiter behauptet, daß der Attentäter nicht den Botschaftsrat, sondern den deutschen Botschafter von Dircksen treffen wollte. In russischen Kreisen meint man, daß Stern geistesgestört sei. Er soll deshalb von mehreren Fachärzten untersucht werden.
Aus aller Welt.
Das Lindbergh-Baby gesund aufgefunden.
Die Radiostation Wink verbreitet die Rachricht, daß das Lindbergh-Baby gesund aufgefunden ist. Die Reuyorker Zeitung „American" hat um 19 Uf>r amerikanischer Zeit in großer Aufmachung bekanntgegeben, daß Lindbergh mit Hilfe zweier Gangsters, Spitale und Ditz, die DerbindungrnitdenEntführern ausgenommen hat und daß die Rückgabe des Babys nach Zahlung des Lösegeldes innerhalb 48 Stunden zugesichert worden ist.
Schwere Gasexplosion.
3m Erdgeschoß eines vierstöckigen Hauses im Karlsruher Stadtteil Beiertheim ereignete sich eine schwere Gasexplosion Zwei Wände der Wohnung wurden völlig eingedrückt, Türen und Fenster total zertrümmert. Auch 3>ie Einrichtung des mit der Wohnung verbundenen Bäckerladens wurde schwer mitgenommen. Der 3nha- ber, der Bäcker 3örger, wurde durch die Schaufensterscheibe auf die Straße geschleudert und blieb bewußtlos liegen. Gr hat leichte Verbrennungen und einen Nervenschock erlitten. Das Treppenhaus und die Wohnung im ersten Obergeschoß zeigen gleichfalls Spuren der Explosion.


