Ausgabe 
7.1.1932
 
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Nr. 5 Zweites Blatt

Landnöten.

Die latente Krise, die schon seit langem über Jugoslawien lag, ist jetzt zum offenen Ausbruch ge- kommen mit dem Rücktritt oder man kann ichon sagen, mit dem Sturz des Kabinetts Ziwk 0 witsch. Fast genau auf den Tag drei Jahre hat der General-Diktator die Macht in Hän« den gehabt. Aber der Erfolg ist ihm versagt ge­blieben, so völlig versagt geblieben, daß nicht nur er selbst abgewirtsckaftet hat, sondern daß auch der König vor der Gefahr steht, die Zeche zahlen zu müssen genau so wie Alfons von Spanien die Rech, nung Primo de Riveras begleichen mußte. Immer- hin allerdings mit dem Unterschiede, daß in Iugo- slawien derKönigderTragerdesganzen Experimentes gewesen ist.

Er war wohl mit Recht davon über* -eugt. daß der serbo-kroatisch-slowenische Staat, wie er aus den Pariser Verträgen hervorge* gangen war, auf parlamentarischer Grundlage nie lebensfähig gemacht werden konnte. Dazu waren die kulturellen und nationalen Gegensätze zwischen den drei Völkern diel zu groß. Es hätte nur einen Weg gegeben, um hier Abhilfe zu schaffen: Die Vildung eines Bundes st aates, der in feine drei natürlichen Teile sich gliederte, den Völkern tul- ' turelle und sprachliche Autonomie lieh unb sich damit begnügte, die Außenpolitik wie das Heeres- Wesen zunächst zu vereinheitlichen. Aber die Ältserben waren durch den Kriegsausgang ctrvhenwahnsinnig geworden: obwohl sie in dem Lande Jugoslawien nicht einmal die Mehrheit bildeten, wollten sie die Herrschaft für sich allein, die Kroaten und Slowenen waren für sie gerade gut genug zum Steuerzahlen.

Der Erfolg war natürlich, daß die andern Völker sich das nicht gefallen lassen wollten, die Kroaten unter RaDitsch drohten mit dem Auf* rühr, im Parlament fielen Schüsse, und der König glaubte daher, die Krise nut durch einen Derfassungssturz zwingen zu können. Er tft zwar die Parteien los geworden, das alt* serbische System aber hat er fortgesetzt, er hat das Land neu gegliedert unter Dergewolti* gung der Rationalitäten, hat sich da* durch die Feindschaft der Kroaten und Slowenen erhalten, aber auch die Ältserben nicht befriedigt, so daß es immer einsamer um ihn wurde.

Es war also schon ein Verzweiflungsstreich, daß Ansang September dem Land eine neue Ver­fassung oufoktroyiert wurde. Die auf Grund die- ser Verfassung ausgeschriebenen Wahlen wurden fast von der gesamten Bevölkerung boykottiert, das neue Parlament hängt daher völlig in der Luft. Immerhin wäre es vielleicht möglich gewesen, über diese politischen Schwierigkeiten Hinwegzukommen, wenn sie nicht von der Gefahr des wirt- ichaftlichen Zusammenbruches überschat­tet wurden. Jugoslawien fteht heute unmittelbar vor dem Konkurs, hauptsächlich deshalb, weil es die wirtschaftlichen Wege nach Deutschland nicht be­nutzen wollte, um Frankreich nicht zu verstimmen. Frankreich aber kann auch nur schwer Geld noch flüssig machen. Der letzte Bittgang des Kö­nigs nach Poris scheint ziemlich ergebnislos gewesen zu sein, der Rücktritt des Kabi­nette und feine Wiederbetrauung in etwas veränderter Form ist also schon beinahe ein Vaban­quespiel, und es ist mehr als fraglich, ob der bereits beginnende Absturz Jugoslawiens überhaupt noch aufgehalten werden kann.

*

Die Reichsregierung hat in ihrem Kampf gegen die Kapitalflucht unverkennbare Erfolge zu verzeichnen. Zahlen lassen sich darüber ja schwer geben. Aber die Viertelmilliarde, die für die Reichsbahnanleihe gezeichnet ist und die ja schließlich die Amnestie für die Kapital­flucht bedeuten sollte läßt doch erkennen, daß von den vielen Milliarden, auf die noch vor einem Ilahr das deutsche steuerslüchtige Kapital im Auslande geschäht wurde, das meiste zurück- gekehrt ist. Allerdings, es gibt zwei Formen von

Weltrekord 1885.

Von Hans Riebau.

Der alte Herr Gostroff redet nicht viel. Wenn er aber schon einmal das Wort ergreift, bann hat er auch etwas Besonderes zu erzählen.

Kinder", sagte er neulich, als das Gespräch auf Sport, Höchstleistungen und Weltrekorde tarn,alle heutigen Rekorde sind bereits gebrochen und über­boten worden, als man das Wort Weltrekord noch gar nicht kannte. Entweder das ist schon sehr lange her nannte man solche Leistungen »Helden­tat , oder das ist noch gar nicht so lange her grober Unfug"."

Aber erlauben Sie mal", widersprach Kannerau, erstens hat eine Heldentat nichts mit grobem Un­fug, und dieser nichts mit einem Rekord zu tun, und zweitens erinnere ich mich nicht, daß zum Bei­spiel der Aerrnelkanal vor 1900 von einem Menschen durchschwommen wurde."

Sie haben genau das richtige Beispiel gewählt", sagte Gostroff und strich sich den Bart.Zwar: Der Aerrnelkanal ist schon kurz vor der Jahrhundert­wende durchschwommen worden. Aber es hätte nicht viel gefehlt, und man hätte den Amerikaner, der diese Tollheit unternahm, ins Irrenhaus gesperrt. Und weiter bin ich in der Lage, meine Behauptun­gen an einem besonderen, exakten Fall zu beweisen. Der Aerrnelkanal hat an der schmälsten Stelle eine Breite von vierzig Kilometer. Die Entfernung von Helgoland aber nach der dänischen Insel Fanö be­trägt hundertzwanzig Kilometer. Run, meine Herr­schaften, im Sommer 1855 bin ich von Helgoland nach Fanö geschwommen."

Hoho!" schrie die Tafelrunde, und das Zimmer wurde von einer Lachsalve bis in die Grundfesten erschüttert.

Gostroff aber blieb ernst.Sie lachen", fuhr er fort,und Sie finden vermute ichdie Tatsache lächerlich, daß ein so unsportlich aussehender Mensck wie ich eine solche Leistung vollbrachte haben soll. Was ich aber beweisen will, ist nicht meine persön­liche Schwimmkunst, sondern ganz etwas anderes. Aber lassen Sie mich erzählen. Im Sommer 1885 war ich zur Kur in Helgoland. Jeden Tag fuhr ich mit dem Segelboot zur Düne hinüber, um zu baden. Da aber das Reglement in der eigentlichen Bade­anstalt recht streng und das Schwimmen überhaupt verboten war, ging ich stets zur Südspitze der Düne, zog mich aus und schwamm dort ganz allein in der See herum. Aber das Schwimmverbot war nicht ohne Grund erlaßen. Eines Tages, ich war nur etwa dreißig Meter vom Strand entfernt, wurde ich von

Glehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheflen)

Donnerstag, 7. Januar 1932

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Kapitalflucht, öle eine ist die Abwanderung des Gelbes, die andere ist die Abwanderung des Kapitalisten, der sich irgendwo jen- feils unserer Grenze häuslich niederläßt, nur um die dort vorhandenen günstigeren Steuermög­lichketten auszunutzen.

Don dieser andern Form ist in den letzten wahren in steigendem Umfange Gebrauch gemacht worden. Es ist uns bekannt, daß zumal die Schweizer Kantone eine sehr eifrige Propa­ganda getrieben haben. Sie machten deutschen Millionären geradezu Angebote, die prakttsch darauf hinausliefen, daß bei einer Riederlassung in der Schweiz nur ein Einkommen von etwa 30 000 Mark jährlich zu versteuern sei. Alles was darüber hinausging, fiel dann unter den Tisch. Di« einzig« Bindung war. daß solche Steuerzahler in der Schweiz feine Geschäfte treiben könnten, sie behielten deshalb ihr Geschäft in Deutschland bei. Lind seitdem waren die Schlafwagenzüge aus Basel und Konstanz nach Berlin immer überfüllt von Leuten, die aus Gründen der Steuerersparnis sich nach der Schweiz verzogen hatten, ihr Geschäft in Deutschland aber Wochen* endmähig noch nebenher weiterführten.

Die Reichsvegierung hat recht, wenn fie diesem groben Unfug mit allen Mitteln ein Ende ma­chen will. Sie hat dazu den Steuer st eckbrief erfunden. Wer nach dem 31. März 1931 be­dauerlich nur, daß der Termin nicht noch mehr zurückdatiert ist seinen Wohnsitz aus volks­wirtschaftlich nicht gerechtfertigten Gründen ins Ausland verlegt hat und nicht in absehbarer Zeit zurückkehrt, muß zunächst eine Reichsflucht* steuer von ein Viertel seines gesamten steuer­pflichtigen Vermögens zahlen. Tut er das nicht, dann wird fein gesamtes inländisches Vermögen beschlagnahmt und ein Steuersteckbrief gegen ihn erlassen, abgesehen von einer Gefäng* nisstrafe, die noch gegen ihn verhängt werden kann. Sein Vermögen verfällt bann zugunsten des Reiches, das dadurch gleichzeitig Gläubiger aller derjenigen Personen wirb, die dem Eteuer- fiüchtigen noch etwas schulden, und Urnen eine Zahlung unmittelbar an den Steuerflüchtling ver­bietet. Eine ausgesprochen konfiskatorische Maß­nahme also, die aber fachlich begründet und not* wendig ist. Es handelt sich, da für die Reichsflucht* steuer nur Personen mit einem Vermögen von mehr als 200 000 Mark in Frage kommen, um einen verhältnismäßig kleinen Kreis von Personen, die meisten werden den Steuerbehörden jetzt schon betauet fein, und sie werden gut daran tun, schleunigst nach Deutschland zurückzu* kehren. wenn sie nicht enteignet werden wollen.

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Auch im vergangenen Jahre hat fich d i e Reichsmarine zahlreichen Beschränkungen unterwerfen müssen, die ihre durch den Dersail* ler Vertrag ohnehin schon oft auf ein Minimum zurückgeschraubte Bewegungsfreiheit noch weiter eingeengt haben. Die im Haushaltsplan ange* setzten, aber inzwischen zusammengestrichenen De* träge konnten infolgedessen nur der allernotwen­digsten Aasbildungs* und Llnterhaltungsarbeit zugeführt werden. Am stärksten haben das die Marinewerften zu spüren bekommen, die einen nicht unerheblichen Anteil ifjrer Delegschaf* ten entlassen mußten. Hinzu kam. daß es sich nicht mehr lohnte, immer neue Summen in das stark überalterte Schifssmaterial hineinzustecken, das zu einem nicht unerheblichen Prozentsatz außer Dienst gestellt wurde. Zwar hat der Reichs­tag ein Schiffsbauprogramm verabschiedet, das eine vollkommene Erneuerung derFlotte vorsieht. Die Baufristen sind aber aus finanziel­len Gründen so auseinandergezogen, daß viele 2 a h r e ins Land gehen werden, bis auch das letzte alte Schiff ausgedient haben wird. 3m Augenblick liegen bei der Reichsmarine die Dinge so, daß durch das Ausscheiden einer Reihe von Einheiten dieKampfkraftweiterge- schwächt worden ist, während erst nach Ablauf einer größeren Pause das Soll an Schiffen wie­der vorhanden sein wird.

einer derart starken saugenden Strömung ergriffen, daß ich nicht mehr dagegen an schwimmen konnte. Ich trieb ins offene Meer. Eine Stunde lang kämpfte ich gegen Dünung und Strom. Dann fühlte ich, wie meine Kräfte zu erlahmen begannen!"

Die Tafelrunde lauschte, halb amüsiert, halb ge­spannt.Und bann", lächelte Kannerau,schwam­men Sie noch die kleine Strecke bis nach Däne- mark."

Dann", fuhr Gostroff fort, ohne auf den Zwi­schenruf zu reagieren,legte ich mich auf den Rücken, um mich zu erholen. Meine Lage war verzweifelt, das wußte ich. Rur ein Zufall konnte mich retten.

Der Zufall kam. Roch während ich auf dem Rücken lag, fühlte ich, wie mich etwas streifte. .Ein Fisch', dachte ich. Aber wie ich instinktiv zugriff, mich an dem fcstzuhalten, das wenigstens etwas anderes als Wasser war, hatte ich ein Tau in der Hand, ein faseriges, etwas glitschiges Tau. Und das merkwür­digste: das Tau bewegte sich, glitt durch meine Hände. Natürlich klammerte ich mich fest. Sofort bildete sich vor meinem Hals eine kluge Bugwelle. Ich wurde mit ziemlich großer Geschwindigkeit durch das Wasser gezogen. .Gerettet', dachte ich, ohne zu­nächst zu wißen, um was es sich handelte. Und erst Stunden später merkte ich, daß es die Trosse eines Schleppnetzes war, an der ich mich festhielt, und daß ein kleiner, heftig schaukelnder Fischdampfer mich und das Schleppnetz durch die Dünung der Nord­see zog."

Donnerwetter", sagte Kannerau,und dann?" Das weitere ist kurz erzählt", fuhr Gostroff fort. Nach drei Stunden etwa wurde das Netz einge­zogen. Ich stand, halb erstarrt, umgeben von Tausen­den von silbernen, zappelnden Fischen, auf dem Deck des Dampfers. Die Besatzung musterte mich, als wäre ich ein Meeresungeheuer.

.Was nun?' sagte der Kapitän. .Nach Helgoland kann ich Sie nicht zurückbringen. Aber ich komme ganz nahe an der Insel Fand vorbei, und wenn Sie sich zutrauen, noch eine Viertelstunde zu schwimmen ..."

Ich nickte, bekam einen Grog und einen Teller voll Essen, ruhte mich aus, und als wir auf der Höhe von Fanö waren, sprang ich über Bord.

Als ich das Ufer erreicht hatte und durch das seichte Wasier watete, gab es am Strand ich schwamm gerade auf die Badeanstalt von Rindby zu einen Auflauf. Badegäste, Fischer, Strand- roärter, Frauen und Kinder liefen zusammen. Ich ging mitten in das Menschenknäuel hinein. Dann taumelte ich und fiel um. Das Meer hatte mir doch zuviel Blutwärme entzogen.

Die mehr als ungünstigen Verhältnisse der Reichsmarine von den etwa sünszehntausend Mann dürfen überhaupt nur achttausend an Bord verwendet werden haben die uns feindlich ge­sinnte ausländische Presse nicht abgehal­ten. ihre alte Hetze gegen unsere bescheidenen und durch die Siegermächtc selbst bestimmten Reu­bauten fortzusetzen, vornehmlich aber das im vergangenen Jahre von Stapel gelaufene Pan­zerschiff .Deutschland" zu einem Wunder- schisf mit überirdischen Eigenschaften zu stempeln. Wir hoffen, daß das neue Jahr unserer Marine keine weiteren Erschwerungen bringen wird und daß die vorgesehenen Ersatzbauten programmähig zu Ende geführt werden können. Ratürlich ist es die Sorge um unseren Küstenschutz, die uns zwingt, nicht mehr länger mit Schiffen zu arbeiten, deren ehrwürdiges Alter Geschwindig­keit und Kampfkraft aus das ilngünftigftc beein­flußt. Aber unsere Motte hat auch noch eine an­dere Ausgabe: sie muh die deutsche Flagge in ausländischen Häfen zeigen, muß fremde Völker auf uns aufmerksam machen und propa­gandistisch wirken. Das ist Denn auch im ver­gangenen Jahr durch die Schul- und Ausbil­dungskreuzer geschehen und hat zur Folge gehabt, daß unsere Marinemannschaften in Den angelau­fenen Häfen nicht nur begeistert empfangen wür­ben, fonDern auch Durch fremDc Schiffe in Deut­schen Häfen Gegenbesuche erhielten.

3n einer Denkschrift des Reichsministers des Snnem über Die gesundheitlichen Verhältnisse Des Deutschen Volkes ist ein besonderer Abschnitt Der Frage Des BevölkerungsstanDes unD Der Bevölkerungsbewegung getoiDmet. Heber Den Be­völkerungsausbau im Deutschen Reich. Das ohne Das Saargebiet eine Einwohnerzahl von 64,48 Millionen hat, sagt Die Denkschrift, daß infolge Der überaus starken Geburtsjahr­gänge von 1890 bis 1910 Die Altersklassen um Das übliche Heiratsalter besonders stark sind, die höheren Altersklassen Dagegen verhältnismäßig sehr schwach besetzt. 2m Vergleich zur Vor-

kriegszett sei infolge Des im Kriege gestiegenen Frauenüberschusses von den Männern cm größerer, von Den unter 45jährigen weiblichen Personen jedoch ein geringerer Anteil ver he i- ratet Die Heiratshäufigkeit hatte sich in Den Jahren 1925 und 1926 aus Dem letzten Vorkriegs­stand von 7,7 Eheschließungen auf 1000 Einwoh­ner gehalten: Tic stieg 1927 aus 8.5 und erreicht« in Den 3abren 1929 30 einen Höchststand von 9.2 und sank Dann im Jahre 1930 «bis 8.7 auf 1000. Diese Entwicklung, Die erst im zweiten Halbjahr 1930 einsetzte, hat sich im ersten Halb­jahr 1931. wenigstens in Den Großstädten, deut­lich fortgesetzt

Trotz Der zahlreichen jungen Ehen hält Der Geburtenrückgang, abgesehen von einet unwesentlichen Geburtenvermehrung im zweiten Halbjahr 1928. unnerminDcrt an. Die Zahl Der Lebendgeborenen betrug im Deutschen Reich gegen 1900 mit 35,6 und 1913 mit 27,5 im ersten Jahr« nach der Inflation 20,5 auf 1000 Einwohner, stieg 1925 aus 20,7 und ist seither mit Der geringfügi­gen Ausnahme 1928 regelmäßig gefallen; sie er­reichte 1930 nach Den vorläufigen Angaben Di« Zahl von 17,5 auf 1000 Einwohner.

Damit ist die Zahl Der auf 1000 Der 15- bis 44jährigen weiblichen Bevölkerung berechneten GebenDgeborenen, Die 1913 noch 116,5 betrug, auf 67,2 zurückgegangen. Die Bevölkerung hat sich mehr unD mehr an Die KinDerlosigkeit oder Die KinDerarmut gewöhnt; ein großer Teil Der jungen Ehepaare, besonders in den Städten, will völlig kinderlos bleiben oder höchstens ein Kind haben. Die zahlenmäßige Erhaltung des Dolksbestandes wird aber nur bei etwa drei Lebendgeburten je Ehe gewähr­leistet. Der Mangel an Rachkommen ergibt sich besonders deutlich, wenn man die heutigen Ge- burts- und Sterbeziffern, um die eine solche Be­rechnung störenden Einwirkungen des gegenwärti­gen, ungewöhnlichen Altersaufbaus auszuschatten, für eine Bevölkerung mit seit vielen Jahrzehnten unverändertem Altersaufbau und völlig gleich­mäßiger Bevölkerung umrechnet.

Eine bemerkenswerte Reisebilanz.

Die ersten Erfahrungen mit Sonntags-Rückfahrkarten über weite Strecken.

Die Deutsche Reichsbahn hatte für die Weih- nachts- und Neujahrsfesttage durch die Ausgabe von S 0 n n t a g s r ü ck f a h r k a r t e n nach den meisten Orten des Reichs mit erwei­terter G ü ltigkeitsdauer eine Maßnahme getroffen, die die uneingeschränkte Anerkennung der Bevölkerung fand.

Die Fahrgeldersparnis in höhe von 33; Prozent hat viele Leute veranlaßt, eine Reise zu unter­nehmen, die vielleicht nicht gemacht worden wäre, wenn die normalen Tarife der Reichs­bahn Geltung gehabt hätten.

So aber herrschte während der Weihnachtsfeiertage und zwischen den Jahren auf den Bahnhöfen allent­halben lebhafter Betrieb: auf verschiedenen Strecken mußten sogar Vorzüge gefahren werden.

Die Ausgabe der Sonntagsrückfahrkarten für wei­tere Strecken erforderte, wie jetzt nach dem Ablauf der Ausnahmeregelung zutage tritt, umfangreiche Vorbereitungen. Es galt meist, eine ganze Anzahl Fahrkarten zu beschaffen, da naturgemäß die üblichen Sonntagskarten ausgegeben wurden und diese nicht über ihren üblichen Aktionsradius hinaus Geltung hatten. Von besonderem Vorteil war bei dieser Son­derregelung

die Möglichkeit der Benützung von tkit- und v-Zügen,

für die natürlich die üblichen Zuschläge bezahlt wer­den mußten. Es war notwendig, Starten, die über den Bereich der Sonntagskartengültigkeit von Gie­ßen hinaus gebraucht wurden, vorherzubestellen, wenn man nicht gezwungen sein wollte, während

der Reise vom Zuge aus nachzulösen. Die Karten­bestellungen waren bei der Fahrkartenausgabe der Reichsbahn und bei den Reisebureaus (in Gießen im Hapag-Reisebureau am Seltersweg) vorzuneh­men. Die Beschaffung bzw. der Austausch der Kar- ten vollzog sich völlig reibungslos. Allerdings konnte man sich der viel geäußerten Ansicht nicht verschlie­ßen, daß man die Ausgabe der Starten durch die Ausfertigung von Blankofahrscheinen Hotts erleichtern können.

Born Bahnhof Gießen aus wurden über 1000 Sonntagsrückfahrkarten-Bestellungen erledigt.

Das Hapag-Reisebureau am Seltersweg wurde da­bei sehr stark in Anspruch genommen. Don Arbei­terrückfahrkarten, die unter bestimmten Voraussetzungen ausgegeben wurden, machte man ebenfalls viel Gebrauch. Es wurden in Gießen sehr viele Fahrkarten nach Berlin und Hamburg gelöst. Auffällig stark war auch der Absatz an Fahrkarten für Reisen in das rheinisch-westfälische Industriege­biet. Die Wintersportter ließen sich die billige Reise­gelegenheit ebenfalls nicht entgehen. Nach dem Schwarzwald, nach Winterberg und nach anderen Sligebieten wurden viele Fahrkarten verlangt. Ver­schiedene Gießener verbrachten ihren Weihnachts­urlaub in den Alpen.

Interessant sind ferner einige besondere Feststel­lungen Der Reichsbahn in Gießen. Obwohl Der Verkehr (gemessen an Der geringen Frequenz, Die bei normalen Fahrpreisen zu erwarten gewesen wäre) eine beDeutenDe Steigerung aufwies, liegt

die Berkehrszifser doch 20 Prozent unter der der Deihnachtsfelertage des Borjahres.

Als ich die Augen wieder aufschlug lag ich im Zimmer des Strandvogtes. Ein paar Leute redeten auf mich ein. Nun, ich verstehe nicht dänisch. Ich nickte, sagte ja und nein, wie es gerade kam. Je­mand radebrechte deutsch. Auch das verstand ich nicht recht. .Ich komme von Helgoland', sagte ich schließ­lich. Das wurde verstanden. Der Strandoogt trampte mit dem Fuß auf. Dann schlief ich ein.

Als ich zwei Tage später, nachdem Telegramme zwischen Helgoland und Fanö hin und her ge­gangen waren, die Insel verließ, hatte ich" Gostroff griff in die Tasche und legte ein vergilbtes Blatt Papier auf den Tischdieses Dokument bei mir. Es lautet in deutscher Uebersetzung: Herr Wil­helm Gostroff, wohnhaft in Potsdam-Deutschland, wird wegen Badens bei Ebbe und an unerlaubter Stelle in eine Höchstpolizeistrafe von vierzig Kronen genommen. Herr Gostroff, der in leichtsinniger Weise von Helgoland nach Rindby geschwommen ist, wurde der Helgoländer Polizeibehörde zwecks weiterer Be- ftrafung namhaft gemacht. Herr Gostroff wird auf Anordnung des Provinzialpräsidenten von Aarhus aus Dänemark mit sofortiger Wirkung ausgewiesen. Die Kosten der Ausweisung, insbesondere seiner Polizeidetachierung bis zur Grenze, hat Herr Gostroff zu zahlen. Das deutsche Konsulat in Esbjerg ist verständigt worden.

Sehen Sie", lächelte Gostroff und hob sein Glas, so verfuhr man im Jahre 1885 mit Weltrekorden. Zu Ehren der preußischen Gendarmeriestation auf Helgoland aber muß gesagt werden: sie hat mangels einwandfreier Klärung des Tatbestandes" von meiner Bestrafung abgesehen."

Filmbilariz 1931.

Wie glljährlich, so werden auch Dieses Llahr wie­der Umfragen über Die 10 besten Filme Des Jah­res veröffentlicht. Eine Berliner Zeitung hat aus einem gewalfigen Material, Das ihre Rund­frage lieferte, als Den meistgenannten Film Mädchen in Uniform an Die Spitze ihrer Liste gestellt Dann folgen:Ser Kongreß tanzt",Ci- marron,Kameradschaft",Berge in Flammen", Der Weg ins Leben",Sfippy",M,Ma­rokko" (.Herzen in Flammen") undDer Mör­der Dimitri Karamasoff". Diese Auswahl scheint nur in wenigen Titeln mit Der übereinzustimmen, Die in amerikanischen Filmkreisen seit langem er­örtert toirD. Dort hat Die meiste Aussicht auf Die erste Stelle Der FilmDer öffentliche Feind. Diel genannt sind als Anwärter auf Den Ru^n, zu Öen 10 besten zu gehören:Cimarron",

Skipph",Der blaue Engel",Tabu,Zwei Herzen im Dreivierteltakt". AuchMarokko". Lichter Der GroßstaDt",Trader Horn",Der lächelnde Leutnant" werden viel genannt. Dazu kommt Der französische Film ..Die Million unö Der neueste Densationserfolg Greta GarbosSu­san Cenof. Auch Die eben erst Dem amerikani­schen Publikum vorgeführten Filmwerke Franken­stein" nach dem Schauerroman Der Frau Shelley unDArrowsmith" nach Dem Roman von Sin­clair Lewis werDen genannt. Heber Die Frage: Welcher Filmschauspieler hat in Diesem Jlahr Den größten Eindruck gemacht? besteht aber in Ame­rika kein Zweifel. Da wird fast einstimmig Der neue Stern, das Wunderfind Jackie Cooper, ge­nannt, in dem Die Amerikaner einen neuen Lieb­ling entdeckt haben. Erst nach ihm kommen so erfolgreiche Filmstars wie Sarnes Cagney, Lio­nel Barrymore, Wallace Beery unD Leo Earrillo. Unter den beliebtesten Filmdiven des LlahreS stehen neben Den bekannten Romen Greta Garbo, Marion Davies unD Rorma Shearer, Marlene Dietrich unD Marie Dreßler an erster Stelle, währenD nach ihnen noch Ioan CrawsorD, Ann HarDing unD Sallh Eilers genannt werden.

Preise, die noch zu holen sind.

Es gibt einige Stiftungen, Deren Summen noch niemate verteilt werden konnten, weil Die gestell­ten Bedingungen bisher nicht erfüllt wurden. Einige dieser Preise, Die noch zu holen sind, wer­den in Der Frankfurter WochenschriftDie Um­schau" zusammengestellt. So liegen bei Der Göt­tinger Gesellschaft Der Wissenschaften seit Dem 2ohre 1908 100 000 Mk. für Denjenigen bereit. Der eine Der schwersten Aufgaben Der Mathema­tik, das Fermatsche Problem, löst. 100 Pfund Sterling erwarten Denjenigen, Der eine so starke magnetische Kraft in feinem Körper nachzuweisen vermag. Daß seine Annäherung Die MagnetnaDel eines Kompasses ablenkt. 3n Paris ist ein Preis von 100 000 GolDsronken für Denjenigen Forscher ausgesetzt werDen, der imstande ist, eine Verbin­dung von unserer Erd« mit den Bewohnern an­derer Planeten herzustellen.

Lochschulnachn'chten.

Amtlich wird die Versetzung Des ord. Professors Dr. jur. Friedrich Klausing in Frankfurt am Main in gleicher Eigenschaft nach Mar­burg bestättgt. Er übernimmt hier Den Lehrstuhl für deutsches bürgerliches Recht.