Nr. 105 Zweites Blatt
Sreilag, 6. Mai 1952
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Aus der Provinzialhauptstadl.
Sieben, den 6. Mai 1932.
Landgenchispräfibeni Treuenhagen.
Am 1. Mai trat Landgenchispräsident Neuen Hagen auf Grund des Gesetzes über die Alters- {renze der Staatsbeamten in den Ruhestand, nach- cm er am 25. Januar d. I. sein 65. Lebensjahr vollendet hatte.
Präsident Ludwig R e u e n h a g e n ist ein Sohn der Provinz Oberhessen. Seine Wiege stand im nahen Heuchelheim, dem damaligen Dienstsitze seines dort als Oberförster lebenden Paters. Im Frühjahr 1885 bestand er die Reifeprüfung am Gymnasium zu Gießen, besuchte dann die heimische alma mater Ludoviciana, sowie die Universität Göttingen uNd bestand nach nur^jechssemestrigem Studium die Za lultätsprusung, Seinen juristischen Pordercitungs dienst begann er am Amtsgericht Alsfeld, setzte ihn dann bei dem Amtsgericht und dem Landgericht Gieften, ferner bei dem bekannten Rechtsanwalt. Reichs- und Londtagsabgeordnetcn Dr. Gut fleisch als dessen Stellvertreter fort, den er auch wahrend seiner häufigen und lange währenden Abwesenheit von Gießen selbständig vertrat. Den Schluß seines Vorbereitungsdienstes bildete seine : Tätigkeit am Kreisamt Gießen.
Nach gut bestandener Staatsprüfung wurde Ludwig Neuenhagen zum Gerichtsassessor ernannt, be- ; schastigte sich dann bei der Staatsanwaltschaft Gie ßen, war als Amtsonwalt in Alsfeld tätig, ebenso als stellvertretender Amtsrichter in Herbstein, später wieder, wie damals üblich, als Hilfsgerichtsschreibcr om Landgericht Gießen. Nach Bcrwendung als Amtsonwalt in Friedberg, Gießen, Bingen und Offenbach versah er erneut das Richteramt bei den I Amtsgerichten Beerfelden und Darmstadt II und vom Frühjahr 1895 an erstmals bei dem Amtsgericht Gießen Nach weiterer Verwendung am Obcrlan- hesgcricht Darmstadt, wurde Gerichlsossessor Neucn- hagcn durch Dekret vom 12. Juli 1895 zum Amts- richler bei dem Amtsgericht Gießen ernannt, um on diesem Gericht bis zu seiner Ernennung .zum Landrichter im Februar 1904 zu wirken. Im No vember 1907 trat Landgerichtsrat Neuenhagcn in den Rrcisausschuß des Kreises Gießen ein, im Mai 1916 in den Provinzialausschuß der Provinz Ober- Hessen. Als Vorsitzender der Kammer für Handelssachen wurde er im November 1920 zum Land- gcrichtsdircktor beförbert und am 12. März 1924 , als Nachfolger des in den Ruhestand tretenden Ge- I hcimerats Dr Güngerich zum Präsidenten des Land- * xenchts der Provinz Oberhessen ernannt.
In voller körperlicher und geistiger Frische tritt Landgcrichlspräsident Äeuenhagen, dem Gesetz folgend, jetzt von seinem ihm lieb gewordenen hohen richterlichen Amte zurück, das er im Bewußtsein feiner großen Verantwortlichkeit in vorbildlicher Pflichttreue, die den Grundzug seines Wcsens bildet, nnd — wie alte ihm vorher übertragenen Acmtcr - in unermüdlicher Schaffensfreude verwaltet hat. Ausgestattet mit hervorragenden Kenntnissen auf allen Gebieten des Rechts und der Rechtsprechung erfreute er sich bei seinen richterlichen Kollegen und Rechtsanwaltschaft. sowie bei den Derwaltungsgerichten hohen Ansehens, dieses nicht zum wenigsten auch bei der Bürgerschaft Gießens und der Provinz, - die ihm zahlreiche Ehrenämter übertrug. 11. a. ist , er auch Kirchenvorsteher der Mathäusgemeinde | und Mitglied des Gesamtkirchenvorstandes, sowie des Landeskirchentags. Bei der kirchlichen Gc> setzgebung der letzten Jahre hat er in hervorragender Weise mitgewirkt.
Landgerichtspräsident Reuenhagen sieht der hessische Iuristenstand nur mit tiefstem Bedauern aus dem aktiven Dienste scheiden. Dies kam in einer kollegialen Feier zum Ausdruck, die chm zu Ehren die Richter des Amts- und Landgerichts. sowie die Staatsanwaltschaft, die Rotare
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Naturgeschichte des Geldes.
Robert Reumanns Roman „Die Macht".
„Dieses Buch ... ist dos zweite des Kreises „Sint- > flut" — handelnd von der Naturgeschichte des Geldes." Ein mit Zolas „L’argent“ berühmt gewordenes, allezeit aktuelles und eigentlich unerfchöpsliches Thema. Robert Neumann, der Wiener, bemal, tiflt es auf knapo 600 Seiten* — in einem virtuosen Stil und einem rapiden Tempo, ohne einmal i nachzulassen oder den Faden zu verlieren, so daß man das Buch wie einen Kriminalschmöker am ir liebsten an einem Abend auslesen möchte.
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Neumann fängt die Sache auf seine Weise an: mit der Geschichte des ritterlichen, unzeitgemäß rc- i rnantischen und etwas naiven Georgierfürsten Ka- rachan, der mit zweiunddreißig Edlen seines Volkes die russischen Sowjetstaaten mit Kriea überziehen f wollte: natürlich wird der Einfall abgeschlagen, und i'. die Welle der Flucht schwemmt den Karachan über Konstantinopel nach Europa. Dort würde man seine ■ unbedeutende Spur schnell aus den Augen verloren h: haben, wenn er nicht zwei Druckplatten aus dem Zusammenbruch gerettet hätte — die erobernden Geor- | gier hatten wahrend ihrer nur etliche Tage dauernden Herrschaft eigene Banknoten fabriziert —: auf Grund dieses Besitzes gerät der kindliche und ein - wenig hinterwäldlerische Reiterfürst aus dem Kau- kasus alsbald in den verwirrenden Wirbel derer, die in Europa erbittert, offen ober versteckt, um „die Macht" kämpfen.
Unb nun knüpft der Roman an bas an, was schon in der „Sintflut", bem Epos vom Fegefeuer der Inflationszeit, mit einer oft erschreckenben Hell- . schtigkeil geschildert worden war. Der Karachan wirb in bas unendlich verzweigte Aufgebot von Einzel- Personen und Gruppen verstrickt, für welche der Besitz der Macht, des Geldes und also unter Um- - siänben auch [euer beiden harmlos aussehenden Kupferplatten lebenswichtig werden kann.
Die überaus komplizierte Handlung ist meisterhaft ’ ausgebaut: die Vorgänge greifen wie die Glieder : emer Präzisionsmaschine ineinander. Der Schauplatz wechselt über ganz Europa: in Wien, München, Genf Paris, Berlin liegen die Brennpunkte. Die Fäden spannen sich in vielsacher Ueberschneidung vom Völkerbund zur Börse, von den Sowjets zu einer politischen Geheimorganisation, von der Bank zum Anwaltsbureau und von da in die Klinik, ins
♦ Robert Neumann: „Die Macht". Roman. 585 Seiten. Paul Zsolnay Verlag, Berlin, Dien, Leipzig 1932. — (72) —
Robert-Koch-GedenkfeierinGießen
Am Dienstag fand im Überfüllten Drohen Hörsaal des Physiologischen Instituts eine Festsitzung der Medizinischen Dcsell- schatt Gießen zur Erinnerung an die Entdeckung deS Tuberkelbazillus durch Robert Koch statt. Die Feier bestand darin, daß einige Herren aus ihrem Sonder- gcbict über Ausschnitte des TuberkuloseproblemS berichteten
Der Borfihende. Professor Gg Herzog, hob zunächst die Bedeutung der Entdeckung hervor Am 24. März waren es 50 Jahre, seit Robert Koch über seine Entdeckung des Tuberkelbazillus in der Berliner Physiologischen Gesellschaft berichtet hat. Angesichts dieser Tat dürfen wir Deutsche heute, wo man uns unbezahlbare Schulden in Gold und Geld errechnet hat, mit Rach- druck Darauf Hinweisen, daß in dem Kampf gegen die Seuchen das Wohl der Menschheit unbestreitbar von keinem 'Solle mehr gefördert wurde, als von deutschen Männern. Hierin sind die andern unsere Schuldner geblieben! Die Leistungen eines Robert Koch in ihren Auswirkungen für das Wohl der Bölker übertreffen jedenfalls bisher weit die Bemühungen der Staatsmänner im Bölkerbund um dieses Wohl
Als erster Vortragender sprach bann Professor Gg Herzog unter Demonstration entsprechender Präparate über die Erscheinungsformen der Lungentuberkulose und betonte namentlich die neue Rankesche Einteilung in drei Stadien, die zum ersten Male eine kausal befriedigende Erfassung der fo wechselvollen Bilder der Tuberkulose brachte: sie beruht auf der Zusammenfassung pathologisch - anatomischer Beobachtungen. klinischer Erfahrungen und immun- obiologischer Kenntnisse. Das erste Stadium ist nach Ranke gegeben durch den Primäraffekt, den Ort der ersten Auseinandersetzung des Körpers mit den Bazillen, und den von da aus mehr oder weniger weit infizierten, regionären Lymphknoten. In der Regel tritt diese Erstinfektion bereits im Kindesalter ein In etwa 80 von 100 Fällen sitzt diese Erstinfektion in der Lunge. Das zweite Stadium betrifft die Verallgemeinc- rung der Tuberkulose im Körper < Miliartuberkulose ufto.) Das dritte Stadium stellt die isolierte Organtuberkulose dar. In der Lunge geht Diese häufig vom sogenannten Frühinsaltrat aus und ist charakterisiert durch eine Ausbreitung von der Spitze zur Basis. Dieses dritte Stadium ist die Tuberkuloseform der sog. Lungenleidenden. Zum Beweis, daß auch dieses Stadium selbst wenn es weit fortgeschritten ist. noch heilbar ist. wies Herzog auf die Tatsache hin. daß eine Frau 96 Jahre alt wurde, bei der die obere Hälfte der Lunge nach fast vollständiger Zerstörung in narbige Ausheilung übergegangen war. Am Schlüsse
feiner Ausführungen betonte Gg Herzog, daß besonders die Geschichte der Tuberkulose-gelehrt hat. daß der Bazillus allein nicht die Krankheit macht, sondern daß beim Zustandekommen der Krankheit und der Krankheitsformen D'.e Reak- tionSlage des lebenden Körpers und seiner Organe eine wesentliche Rolle spielt, wobei unter Reaktionslage die Summe aller zu einer bestimmten Zeit gegebener, durch Allgemein- und Organkonstitution durch Resistenz und Immunität. durch Ernährung. Klima ulw. bedingter Abwehrkräste verstanden werden. Die Rcaknons» läge verbessern, heißt heilen'
Als zweiter Redner sprach Prosessor Iefio- n e k über Beziehungen des Haut- organes zum tuberkulösen Krank- heitsprozeß und zog aus den Ergebnissen crperimentcllcr Untersuchungen den Schluß, daß die natürlichen Abwehrkräfte pcs Körpers gegen den Tuberkelbazillus dem Hautorgan entstammen
Professor Dr Brügge mann besprach sodann die therapeutischen Erfolge. die bei Patienten mit Lungen» und Kehlkopftuberkulos? in der Heilstätte Selter sberg erzielt werden konnten. Bei guter Heilungstenden; der Lungencrkrankung konnten bei der Kehlkopstuber- kulose sehr besriedigende Teilerfolge erreicht werden. Auch bei zweifelhafter Prognose der Lungentuberkulose waren die Erfolge noch recht gut. Selbst bei ausgesprochen schlechter Prognose wurde die Kehlkopftuberkulose in einzelnen Fällen so weit noch gebessert, daß ein krankhafter Befund im Kehlkopf klinisch nicht mehr nachzuweisen war. Es wurden Dann die therapeutischen Ergebnisse an Kehlkopfbildern demonstriert, sowie eine Reihe von Patienten, die Wochen- und monatelang heiser waren, und mit ihrer klaren Stimme den Erfolg der Behandlung selbst bezeugen konnten.
Den letzten wissenschaftlichen Bortrag an diesem Abend hielt Professor Z w i ck über den derzeitigen Stand der Beziehungen der tierischen Tuberkulose zur menschlichen. Außer der ilebertragung von tierischen Tuberkelbakterien auf den Menschen durch den Fleisch- und Milch- genuh. wobei namentlich Kinder und solche Per- sonen gefährdet feien. Die in nähere Berührung mit tuberkulösen Kühen kommen, (Melker. Schweizer). komme die Infektion durch Tuberkelbaktenen vom Typus gallinaceus durch tuberkelbazillenhaltige Eier in Betracht. Die Gefahr einer solchen Ansteckung des Menschen sei jedoch nicht so groß, wie dies in letzter Zeit von anderer Seite dar- gestellt werde. Zur Verhütung der Insektions- gesahr durch die tierische Tuberkulose für den Men- sch en dienen verschiedene gesetzgeberische Maßnahmen. namentlich auch das neue Milchgesetz. Ferner bieten die modern geleiteten Geflügelzucht- und Farmbetrieve die Gewähr für die Lieferung einwandfreier Eier.
und Rechtsanwälte Gießens bei einem Zusammensein im nahen Annerod veranstalteten. In noch niemals gesehener Einmütigkeit und Doll- zähligkeit brachte die Iuristenschaft dem scheidenden Präsidenten durch Den MunD des Land- gerichtsdirektors S ch m a h 1, Des Rotars Justiz» rats Dr. Rosenberg, des Rechtsanwaltes Mendelsohn und des Gerichtsreferendars Harnisch ihre unumschränkte Anerkennung für sein allzeit objektives Wirken zum Ausdruck, ebenso für sein allzeit hilfsbereites Wesen gegenüber allen, mit denen er dienstlich oder außerdienstlich, als Vorgesetzter und als Mensch in Berührung kam. Dankbare Verehrung und Liebe aller. Denen er bisher Helfer. Freund. Berater und Richter war. werden ihn durchs fernere Leben geleiten und ihm für sein gesegnetes Wirken danken.
Vornotizeri.
— Tageskalender für Freitag: Stadt- theater, 20 bis 22.45 Uhr, „Der Graue". — Oberhesi. Sunftoerein, Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr, Jubiläums - Ausstellung. — NSDAP., 20 30 Uhr, Cafs Leib, öffentliche Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Kriminalreporter Holm". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Straften Der Weltstadt".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute. Freitag, 6. Mai, als 29. Vorstellung im Freitagabonnement zu gewöhnlichen Preisen Wiederholung Der Schüker- tragödie „Der Graue" von FrieDrich Forster. Mit diesem Stück wurde ein neues, aufstrebendes Talent der Bühnendichtung entdeckt. In der Titelrolle Raimund Schelcher. Für den erkrankten Karl Heyser spielt Peter Fasfvtt die
Cafs, in Hinterhäuser und Fremdenpensionen — kurz, von der graften und der kleinen Politik, vom Schlachtfeld der Kurse und des Wirtschaftskrieges ins private und allerprivateste Leben der Alltäglichkeit hinein. Und gerade hierin, in der Verknüpfung von Einzelschicksalen mit dem rasenden Ablauf eines europäischen Machtkampfes, beruht eine der stärksten Anregungen dieses Romans.
Auf Seite 437 erklärt der Autor selber, sein Buch sei ein gutes Buch, und wir haben keinen Anlaft, dagegen Einspruch zu erheben: wir wissen, daft Neu- mann unter anderem einer der gerissensten Techniker und eine der glänzendsten Formbegabungen in dcr modernen Literatur ist. Wir deuteten bereits an, daß dieser Roman, rein handwerklich und kompositionell, ausgezeichnet geschrieben sei. Neumann arbeitet mit all Den raffinierten Mitteln, die wir schon bei ihm kennenlernten. (Man fühlt sich des öfteren an Früheres erinnert: an seine literarischen Parodien, an die „Hochstaplernovelle", an die „Karriere" zum Beispiel). Er montiert Zeitungsausschnitte, Börsenberichte, Briefstellen und Telegramme in feinem Be- richt, er wendet Die moderne Filmtechnik der Gleichzeitigkeit und der Uebcrblenbungen an.
Aber feine erzählerische Sicherheit ist so groß, daft sie stellenweise Gefahr läuft, Manier .zu werden: abgesehen von einer gewissen Nonchalance im vielfach österreichischen Provinzialismus feines Vortrags — der Autor rückt oft über Gebühr in den Vordergrund, ins Gefüge des epischen Ablaufs ... mit kleinen Ansprachen an den Leser, mit Einschaltung, Vorschau, Rückerinnerung, mit ironischen Marginalien, wie sie uns ebenfalls schon früher bei Neumann begegnet find.
Uebrigens wird man auch im Laufe der Lektüre gewahr, Daft er Juristerei und Medizin durchaus studiert hat: er weift da unheimlich Bescheid, und seine Kenntnisse «flammen offenbar mehr aus Der Praxis des täglichen Lebens als aus Kolleg und Seminar. Er unterbricht beispielsweise den breiten Fluß der vielschichtigen und verzweigten Handlung mit einem akademisch satirischen Zwischenspiel, dessen schonungslose Deutlichkeit deprimierend wirkt . . und mit einem anderen Zwischenspiel noch, welches in die geheimsten Kammern menschlichen Daseins hineinführt.
Aber alles — auch die zarte und traurige Liebes- geschichte jener Mirjam Feuerbach, die wir schon aus der „Sintflut" kennen — alles bleibt immer im großen Zusammenhang eines überpersönlichen, schicksalhaften Lebensganges, alles fügt sich an irgendeiner Stelle hinein in das verwirrend und beklemmend ineinanDcrgrcifenbe Getriebe Der wirt
schaftspolitischen Maschinerie von Europa, in Den erbarmungslosen und allgegenwärtigen Kampf am Die Macht.
Der Epilog kehrt mit Der Rundung einer romantischen Lebenskurve wieder zum Vorspiel zurück: das rasende Räderwerk Der westlichen Zivilisation hat Den Fürsten Karachan, wie oorauszusehen war, bald aus Der Bahn gefdfleuDert; cs hat,ihn ein wenig mit- laufen lassen, dann ausgeschaltet, mattgesetzt und schließlich betäubt und geschlagen wieder an den Aus- gangspunkt zurückkehren lassen. Zuletzt ist alles wieder wie am Anfang — als ob nichts gewesen wäre —: abermals reitet Der Karachan mit zweiund- dreißig Fürsten aus dem Kaukasus in die Täler hinunter, um Die Sowjets mit Krieg zu überziehen, unD aus diesem Kampf wird es keine Flucht und keine Heimkehr geben. —
Nicht jeder wird dieses Buch (von dessen Fülle und Vielgestaltigkeit wir hier nur eine kleine Andeutung geben können) in allen seinen Teilen anerkennen und bejahen: aber jeder, der sich ihm überläßt, wird von dem stürmischen Ablauf seiner Ereignisse in eine Spannung hineingezwungen, die ihn bis zuletzt gc> fangenhält. Und auch wer sich sträubt gegen manches ober vieles was der Roman als Wirklichkeit fchil- Dert mag betroffen fein von der Energie und der erzählerischen Leidenschaft, mit der diese Wirklichkeit künstlerisch geformt und Dargeboten wird, »y-
Tonfilm: „^riminafreporfer Holm".
Das ist eine nicht übel angekurbelte, interessante und spannend ausgemachte Sache: ein Kriminalfilm, aus Realistik, Romantik und Der zur Entlastung Der Nerven stets angebrachten Dosis Humor bekömmlich und unterhaltsam gemischt. Das Manuskript von Erich Philippi hat ein paar ocr bläffende Tricks und hübsche Ueberraschungen in die flüssig ablaufende Handlung eingebaut: die Regie von Erich Engels arbeitet, besonders zu Anfang, mit allerlei Montagen und Uebcrblenbungen und Den ficht im übrigen das Milieu eines vornehmen Gebirgshotels auch landschaftlich und skisportlich geschickt auszunutzen. Die Hauptperson. Kriminalreporter Peter Holm (mit kaum überhörbarem Anklang an den berühmteren Kollegen Sherlock» wird von Hermann S p e e I m a n n s gegeben; das ist ein netter, handfester Junge vom besten reichshaupt- städtischen Typ, Dem trotz einem merklichen Kunst- fehler alle Sympathien des Zuschauers sicher sind. Auch sonst eine mit richtiger Auswahl verteilte Besetzung; F a 11 e n ft e i n als Komiker von ausregen- Der Ahnungslosigkeit. Harry Hardt, guter Bekannter aus vielen Geiellschafts- und Kriminalstücken,
Rolle Des alten Meyer Stelleitung Peter Faf- sott. Beginn 20 Ubr. Ende 22 45 ilbr. — Schon jetzt fei binqerotdcn auf Die günstige Gelegenheit, Dtc große Schlageroperette ,Morgen gedtS uns gut" mit Der köstlichen Musik von Ralph Benatzkv am Sonntag als Fremdenvorstellung zu gewöhnlichen Schaulpielpreisen zu sehen. Die Aufführung steht unter Leitung von Heinrich Hub, Der auch Die Hauptrolle spielt unD singt
•• Der Himmeliahrtstag hat — entgegen alles Erwartungen, die man am Mittwochabend angesichts Der Regenfallc hegen konnte — doch noch seinem guten Ruse als Ausslugstag erster Ordnung alle Ehre gemacht. Schönes, wenn auch etwas kühles Fruhlingswettcr, lockte Tausende von Wanderer'» hinaus in die herrliche Gottcsnatur und bracht« allen Ausflugsgaststätten das langersehnte flott« Geschäft. UeberaU herrschte Hochbetrieb, ganz beton« ders aber in Den Mittags- und frühen .stactzmittagr- stunden auf dem Schisfcnberg, wo anläßlich dcS Sternwanderung — über die mir besonders berichten — große AiZanderscharen au» der engeren uni weiteren Umgegend zu Gast weilten. Mu Beiriedi« gung können heute die Wanderer und die Ausflugs« gaftroirte auf den schonen Tag zurückblicken.
• • Universitäts-Gottesdienst. Am Sonntag, b. Mai, 11.15 Uhr, findet in der Neuen Aula ein Universitäts Gottesdienst statt. Die Predigt hält Studentenpfarrer Privatdozent D. Brunner.
• • M a i e n b I a s e n. Bei dem am Samstag, 7. Mai. vorn Turme der Iohanneskirche um 19 Uhr ftattfinbenben Maienblasen werden folgende Stücke zu Gehör gebracht; 1. Wie groß ist des Allmächtigen Güte: 2. Abenddämmerung (Idylle) von Rub: 3. Wenn's Mailüfteri weht.
• • Schützt Die Anlagen! Das städtische Hochbauamt verössentltcht in unserem heutigen Blatte eine Bekanntmachung, in Der eindringlich ermahnt wird, untere stäDtischen Anlagen mehr als bisher vor Verunreinigung Durch Wegwersen aller möglichen Gegenstände zu bewahren und vor Der Zerstörung oder Beschädigung Durch Mensch und Tier zu schützen. Dieser Tlppell an Den Gemeinsinn aller Burger verdient nachDrück- lichste Unterstützung. IeDermann sollte bedenken, daß gut gepflegte unD sorgsam erhaltene Anlagen auch ihm eine Quelle Der FreuDe sein werden. Aus Dieser Erkenntnis ergibt sich von selbst Die Schlußfolgerung. Diesen wertvollen Besitz zu schonen unD zu schützen.
* Rechtzeitig Platzmachen für gemeinnützige Fahrzeuge! Das Polizeiamt teilt mit: Gs wird oft beobachtet, Daß Den Fahrzeugen Der Polizei und Der Feuerwehr, sowie Den Fahrzeugen des Kranken- und Rettungsdienstes und den Spreng- und Kehrmaschinen von anderen Wegebenutzern nicht rechtzeitig und genügend Platz gemacht wird, so Daß sie in ihrer Bewegung gehemmt werDen. Es toirD Darauf aufmerksam gemacht. Daft nach § 25 Der VerorD- nung über Krastsahrzeugverkehr vom 15. Juli 1930 Diesen Fahrzeugen rechtzeitig und genügend Platz gemacht werden muß. Die Polizeibeamten sind angewiesen, streng auf Die Befolgung Dieser Bestimmung zu achten.
•’ Iahresfeste der evangelischen Kirchengesangvereine. Es sei auch an dieser Stelle auf die Iahresfeste der evangelischen Kir- chengesangvereine Des Dekanats Gießen hingewicß die am Sonntag, 8. Mai, in ® r o ft e n • 2 i n D e n und in L i ch gehalten werden sollen. Die Teilung wurde durch Die große Zahl der Sänger veranlaßt, für die fast keine Kirche genügend Rcuun zur Aufstellung bot. In Großen-Linden beginnt der Gottesdienst um 14 Uhr (Festprediger Pfarrer Reu Ich- Leihgestern), in Lich um 13.30 Uhr (Festpredigcr Pfarrer L e n z-Münzenberg). Die Nachfeiern fin- den nach der Kaffeepause in den Turnhallen statt. Mit dem Fest in Großen-Linden ist die Feier d> s 25jährigen Bestehens des dortigen Vereins verbunden. (Siehe heutige Anzeige.)
Elga Brink, aus der amerikanischen Produktion; Eric Wirk von der Berliner Staatsoper (früher in Frankfurt), als Neuerscheinung beim Film: Anny Schwarz und Beierle, der seinen Kriminalkommissar schon nachgerade zu einem Typus entwickelt hat. — Alles in allem: eine angenehm prickelnde Abendunterhaltung im Lichtspielhaus. —r—
Kompliziertes Verfahren.
Don Hans Webau.
Eduard ist kein Charakter Im Gegenteil. Eduard ist unsicher. Eduard ist schüchtern. Eduard ist zerstreut. Eduard schwankt wie ein Rohr im Winde
Einerseits will er sich verloben. Mit Fräulein Ruth. Anderseits ist er befreundet mit Fräulein Inge. Was tun? ,
„Aber das ist doch furchtbar einfach", schlagt ihn Oskar auf die Schulter. „Wenn du zu feige bist, dcr Inge zu sagen, daß du die Ruth heiraten willst, Dann schreibst du es ihr."
Eduard denkt nach. „Schreiben ?" murmelt er, und seine Augenbrauen ziehen sich zu schwarzen Büschcn zusammen. „Nein. Dann mache ich schon lieber die Sache mit.den Grammophonplatten."
„Grammophonplatten?" fragt Oskar. „Wieso?"
„Was meinst du", fahrt Eduard fort, „wenn ich Der Ruth Die Platte schicke: Dein ist mein ganzes Herz ... Weift sic Dann Bescheid?"
„Allerdings", nickt Oskar, „dann weift sie Bescheid
'„Und wenn ich Der Inge Die Platte schicke: Weh, Daft wir Icheiden müssen ... und auf Der Rückseite steht: Laß alle Hoisnung fahren —
„Ra ja", seufzt Oskar, „zwei Briefe hätten cs auch getan. Aber wenn Du Die Sache Durchaus kompli- yeren willst: es geht auch fo."
„Also gut", freut sich EDuard, macht sich auf Den Weg und kauft Grammophonplatten ein.
Drei läge später treffen sie sich roieDer. „Nun^* fragt Oskar. „Wie ist es?"
„Verlobt!" flüstert EDuard.
„Gratuliere", lacht Oskar, „und wie hat sich Ings abgefunden?"
„Wieso Inge " zpckt Eduard die Achsel. „Inge ist meine Braut."
„Aber was Denn? Wie Denn?" erschrickt Oskac. „Tu hast Doch nicht etwa —?"
„Natürlich", murmelt EDuarD, „ich habe Die Gram, mophonplatten, als ich sie zur Post gab, verwechselt *
„Na ja", neckt Oskar, „hab' ich es Dir nicht gleich geiagt. Die Sache mit Den Grammophon platten bedeutete nur eine unnötige Komplizterung. Wievi?! einfacher und billiger wäre es gewesen, wenn Du Die Briefe verwechselt hättest."


