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Salz« Lurch die fortgesetzte Bewässerung gelöst und nach oben gezogen werden. Der Llmschlag ist so plötzlich gekommen, dah die vorletzte Ernte nodj normal war und zu keinen Besorgnissen An­latz gab, während die letzte von 1931 schon eine völlige Fehlernte gewesen ist. Salzaus­blühungen bedecken weit und breit die Felder, und di« Daumwollpflanzen haben sich nicht ent­wickeln können.

Bei der Sudanregierang und beim Syndikat ist man ratlos. Bei den Aegyptera herrscht be- greisliche Schadenfreude. Da keine Aussicht zu fein scheint, Len Schaden zu bessern, so hat für England ohne Frage eine Wertverminderung des Sudans stattgefunden. Aber man wird kaum an- nehmen dürfen, datz darum Aegypten im Sudan schon Aussicht auf englische Rachgiebigkeit hätte. England ist auch in bezug auf den Zugang zum Su­dan nicht abhängig von Aegypten. Der Handel von Cbartum und dem ganzen oberen Rilgebiet geht schon jetzt nicht über Aegypten, sondern er geht von Derber, das unterhalb von Chartum am Ail liegt, nach dem modern ausgebauten Hafen Port Sudan am Roten Meer: eine Eisen­bahnstrecke von wenigen Hundert Kilometern. Port Sudan war auch das Tor für den großen Baumwolle-E^port aus der Dschcsire nach den Spinnereien von Manchester.

DoS eigentlich wertvolle Stück des Sudan liegt zwischen Ehcrrtum und Faschoda, und von dieser Region ist wiederum die Dschesire das Kernstück. Der blaue Ril oder Bahr el-Asrak, der sie öst­lich begrenzt, kommt aus dem großen Tana-See im Herzen Abessiniens. Auch hier sollte mit eng­lischen Mitteln ein großer Damm gebaut wer­den, um durch die Regulierung des Seeabflusfes dos Dcwässerungsareal in der Dschesire noch zu vergrößern, ^leberraschenüerweise tauchte aber, als der Plan sich verdichten wollte, eine Kon­zession der abessinischen Regierung an Amerikaner auf und zugleich ein ameri­kanischer Protest, verschärft durch Mitteilungen an die abessinische Adresse, daß die unausbleib­liche Folge eines englischen Dammes am Tana- Se? eine englische Garnison zu seinem Schuh sein werde. So unterblieb die Aus­führung des Planes, der bautechnisch einer der großartigsten der Welt zu werden versprach. Man form sich denken, warum gerade das Baurn- Wvlle-Land Amerika sich für den Tana- See interessierte. Jetzt ist diese Sorge der Amerikaner gegenstandslos geworden.

Mrs Staatsangehörigkeit.

Zeitunqsschau.

Sn einem Aussatz von W. Weiß in der Ratio- nalsoziali stischen Parteikorrespon- Lenz heißt es u. a.: Adolf Hitler ist auf deut­schem Boden hundert Meter von der baye­rischen Grenze im österreichischen Brau­nau geboren. Er hat den Krieg vier Jahre lang in vorderster Front in einem baye­rischem Infanterieregiment mitge- kämpft. Damals frag ihn niemand ob er auch die bayerische Staatsangehörigkeit besitzt. Auch Adolf Hitler hotte damals keine Zeit, sich darum zu kümmern. Die Ehre, seine Verbundenheit mit dem deutschen Vaterland als Soldat, als Front­kämpfer täglich von neuem unter Beweis stellen zu können, galt ihm höher wie ein von irgendeiner Behörde gestempeltes formales Ausweispapier. Vielleicht war er der Meinung, daß der deutsche Soldatendienst eine Verpflichtung auf Gegenseitigkeit von selbst in sich schließt. Eine Verpflichtung für den Staat nämlich, für den es Ehrensache fein müßte, die Männer, die für ihn Blut und Leben im Kriege einsetzten, zu den ersten Bürgern des Staates zu ernennen. Es gibt kein vornehmeres und ehren­volleres Staatsbürgerrecht wie den Dienst am

Von Geld und Liebe.

Vornan von Grete von Saß.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle

3. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Ihre hellen Augen lachten zu ihm auf. Er drückte ihr schnell einen Kutz auf die Wange. Sie hielt ganz still. Aber hinterher sagte sie: »Pfui!' und rieb sich die Stelle, die seine warmen Lippen berührt.

Nachher bekomme ich einen mitten auf den Mund, Lina nicht wahr?"

»Wollen mal sehen", sagte sie lachend und lief ihm voraus. Die Hand auf die Klinke der Wasch- haustür legend, blieb sie stehen, sah zu ihm auf und flüsterte:

»Das gnädige Fräulein is drin!"

Er schob seine Mühe ins Genick, kraute sich hinterm Ohr. Lina öffnete die Tür. Eva Tönnies stand über einen Zuber geneigt und spülte Wäsche. Das Licht der elektrischen Birne fiel über ihr blondes Haar und lieh es silbrig schimmern. Ihr weißer, zarter Racken und die schlanken, wohl- geformten Arme leuchteten in dem matten Licht.

Wie schön sie war! Friedrich Schadow empfaick) ihre Schönheit wie eine Offenbarung. Sein Blick sog sich förmlich fest an ihr.

Eva sah auf. Lleberrascht traf ihr Blick den seinen. Gr vergah den Grutz, sagte: »Lina hat mich gebeten, die Wäsche auf den Boden zu tragen."

»Ach, davon wußte ich gar nichts! Lind Sie wollen uns helfen? Das ist sehr freundlich von Ihnen"

Sine Helle Röte stieg in ihr zartes Gesicht. Sie ließ ihre Arbeit ruhen, trocknete sich ihre ent­blößten Arme ab. Es war doch sehr peinlich, daß die Lina den jungen Schadow um diesen Dienst gebeten hatte.

Eva sah zu chr hin. Lina war damit beschäf­tigt, die Wasche in den Korb zu packen.

»Ich bin mit dem Spülen fertig, Lina. Viel­leicht kann man diese Wäsche auch noch heute auf die Leine bringen?"

»Ra, wenn ich die alle aufhängen soll, wird es wohl Rächt werden."

»Ich helfe Ihnen, Lina."

»Muh es denn heute sein?" murrte Lina. »Morgen is ja auch noch 'n Tag!"

Es vsrchrvß sie, daß Fräulein TönnieS mit- kommen wollte auf den Boden. Die störte sie nur.

»Ich will schon zusehen, allein damit fertig zu werden", sagte sie und legte einen Arm voll Wäsche auf den Korb. Dann kommandierte sie: »So! Fertig - ab!"

Friedrich Schadow hatte seinen Rock abgelegt. Er hob nun mit Schwung den schweren Korb

Staate mit der Waffe in der Hand. Dah der Staat in dieser Gesinnung seiner Dankbarkeit für die, die ihn verteidigten, Ausdruck geben würde, war eine Illusion, wie so manche andere auch, der sich ehemalige deutsche Frontsoldaten hingegeben hatten. Der bayerische Staat dachte nicht daran, dem bayerischen Frontkämpfer Adolf Hitler die Staatsangehörigkeit zu verleihen. Obwohl das einschlägige Gesetz von 1913 bestimmt, dah »Ausländer" durch einjährigen Dienst ttn deutschen Heere auf die deutsche Staatsangehörig­keit Anspruch haben. Adolf Hitler hat nicht ein Jahr, sondern vier Jahre in der bayerischen Armee Dienst getan, und zwar an der Front! Oder will jemand Hitler zum Dorwurf machen, dah er nicht selbst ausdrücklich um et­was nachsuchte, was er als mindestes Zei­chen des »Vaterlandsdankes" erwarten durfte, und was ihm von selbst zu verleihen der Staat nicht übers Herz brachte?

Die »Leipziger Reuesten Rach rich­ten" schreiben zum gleichen Thema u. a.: »Die politische Kinderstube Deutschland hat ihr Fest! Was kümmert sie der Kanonendonner in Ostasien! Was der Uebcrgang Englands vom Freihandel zum Schutzzoll! Was die Abrüstungskonferenz, Die dem französischen Liebermilitarismus dazu dienen soll, Deutschland neue Ketten anzulegen! Das alles sind für die deutsche Republik Reben- dinge. Hohe Politik für die deutsche Republik ist die kleine Schiebung, die der weiland thü­ringische Innenminister Dr. Frick im Sommer 1930 versuchte und die im Sande verlief, weil der, dem sie nützen sollte, klug genug war, nicht darauf einzugehen. Frick wollte seinem Herrn und Meister Adolf Hitler die deutsche Staatsangehörigkeit verschaffen, indem er ihn zum Gendarmeriekommissar für das thüringische Städtchen Hildburghausen ernannte. Lieber diesen Plan ist seinerzeit allerlei gemunkelt worden. Er war aber schließlich über anderen, nicht ganz unwichtigen Ereignissen in Vergessenheit geraten. Dah die beteiligten Beamten gerade jetzt das dringende Bedürfnis verspüren, ihr Schweigen zu brechen, ist natürlich reiner Zufall! Wer da von Absicht sprechen wollte, würde einen Sturm sittlicher Entrüstung gegen sich aufbringen. Reiner Zufall ist es natürlich auch, dah die »Frankfurter Zeitung" den Stein ins Rollen gebracht hat.

Von Hitlers Berater Frick kann man weder in dieser noch in anderen Fragen behaupten, dah er eine glückliche Hand und einen freien Blick gehabt habe. Mit um so gröherer Befriedigung darf man zur Kenntnis nehmen, dah Hitler den Weg, den ihm sein Berater zu gehen emp­fohlen hatte, diesmal von vornherein abgelehnt hat. Er hat wohl das richtige Gefühl gehabt, die­ser Weg sei seiner ebensowenig würdig wie der deutschen Republik. Hitler war schon 1930 der Führer einer Millionenpartei, die man mag zu ihr stehen, wie man will für die inner- politische Entwicklung an erster Stelle kam. Er konnte sich in die deutsche Staatsangehörigkeit unmöglich über die Hintertreppe einschleichen.

Hitler ist, wie er selbst in Leipzig vor dem Reichsgericht bekundet hat, staatenlos. Er ist nicht Oesterreicher, er ist nicht Reichsdeutscher. Lind hat doch vier Jahre lang im reichsdeutschen Heere Frontdienst getan, ist verwundet, ist für bewiesene Tapferkeit mit dem E. K. I. ausgezeich­net worden! Wer sich mit Einsatz seines Lebens an der Verteidigung der deutschen Heimat be­teiligt hat, für den war es sonst selbstverständlich, daß er sich damit ein Anrecht auf die deutsche Staatsangehörigkeit erworben hatte. Soll nun für Hitler eine Ausnahme gelten?

Das ist doch widersinnig. Wem der Wider­sinn noch nicht genügt, der erinnere sich ge­fälligst, was die deutsche Republik und beson­ders ihr gröhtes Land Preußen inzwischen alles

auf seine Schulter. Eva staunte. Was der Mann I für Kräfte hatte! Lind während er über den Hof ging, lauschte sie seinem festen Schritt noch lange.

Dann fiel ihr Blick auf seinen Rock, der aus emem Berg trockener Wäsche lag. Sie dachte: die Lina hätte ihn mitnehmen sollen. Wenn Schadow nachher über den kalten Hof zurückgeht, wird er sich erkälten.

Sie nahm den Rock, an dem noch die Wärme feines Körpers haftete, an sich. Dann schaltete sie das Licht aus, verschloß die Waschküche und ging über den Hos zum Hause hin. Langsam stieg sie die vier Stockwerke zum Boden hinauf.

Der Dorraum des Bodens lag in Dunkelheit. Sie tastete sich mühsam vorwärts, fand aber die Tür nicht. Aergerlich dachte sie: Wag will ich denn? Ihm den Rock nachtragen? War das nicht dumm von mir? Natürlich war eS das. Sie sagte es sich und tastete dennoch weiter. Ein Flüstern drang zu ihr. Sie blieb stehen, lauschte hinein in die Dunkelheit.

Ein Lachen leise, geheimnisvoll jagte sie von der Tür zurück.

In der Dunkelheit stieß sie gegen einen Gegen­stand, der polternd zur Erde fiel.

Eine Tür wurde geöffnet. Licht fiel in den Gang.

«Wer ist denn da?" Friedrich Schadow fragte es, trat in den Dorraum.

»Ach, Sie, gnädiges Fräulein!"

Er richtete die Leiter auf. Eda stand unschlüssig dabei.

»Ich wollte helfen!" sagte sie.

Lina rief von der Tür her: »Richt nötig, gnädiges Fräulein die Wasche hängt bis auf ein paar Stücke: damit werde ich allein fertig!"

Eva wandte sich zum Gehen.

»Dorficht!" mahnte Friedrich und trat neben sie. »Daß Sie nicht stürzen!"

Seine Stimme klang unsicher. Er ließ das Licht seiner Taschenlampe aufflammen. Dann legte er stützend die Hand unter EvaS Ellbogen. Ein Schauer rieselte durch sie hin. Einen Moment schlossen sich ihre Augen öffneten sich wieder Ihre Finger hatten sich in den Rock verkrampft, der noch über ihrem Arm lag. Sie reichte ihn Schadow. Dabei trafen sich ihre Augen, hafteten für den Bruchteil einer Sekunde ineinander. Eva fühlte, wie alles Blut zu ihrem Herzen strömte ...

Herrgott, bin ich denn wahnsinnig!, dachte Eva Tönnies. Es kann doch nicht Liebe fein, das auf einmal wie ein Rausch nein, wie ein Schmerz über mich gekommen ist?

Sie dachte daran, wie Friedrich Schadow sie angesehen hatte im Halbdunkel des Treppen­hauses. So ernst so seltsam ernst. Lind aus seinem Gesicht war alle Farbe gewichen. Sie sah es vor sich, sah die ernsten Augen. Ihr Herz schlug rasend: sie hatte die Hand darauf gepreßt, und ihre Augen starrten in die Dunkel- hett ihres Zimmers, in das sie sich geflüchtet

bereitwilligst eingebürgert Hai. Leute mit vier Jahren Frontdienst ©fernem Kreuz I. Klasse und mehrfacher Verwuv^ ng werden dabei nicht so leicht betroffen toc-^n!

Immer vorausgesetzt, daß Hitler seine Einbürgerung ernstlich erstrebt hat. Ist das bisher nicht geschehen, so sollte es geschehen, gerade jetzt. Es wäre die beste Antwort auf den Feldzug, der in der deutschen Presse die­weil wir so gar keine anderen Sorgen haben! jetzt mit besonderer Hingebung gegen Hitler ge­führt wird. Der Führer der zweitstärksten, viel­leicht schon der stärksten Partei kann auf die Dauer nicht staatenlos bleiben. Mag sein, daß Hitlers Staatenlosigkeit für die nationalsozia­listische Agitation bisher sehr ergiebig gewesen ist: das hat aber seine Grenzen. Lind

daß es Lagen gibt, in denen sie den Gegnern mehr nützen als der eigenen Partei, wird Hitler inzwischen wohl eingesehen haben. Lim ähnliche Lagen für die Zukunft zu vermeiden, sollte Hitler seine Einbürgerung offen fordern. Wir können es uns nicht denken, daß heute noch irgendein deutscher Einzelstaat dem Führer der RSDAP. die Einbürgerung durch einen Einspruch un­möglich machen wird. Adolf Hitler wird bei sei­nem Gesuch alle anständigen Deutschen auf seiner Seite haben, ohne Rücksicht auf ihre Pcirteistellung. Richt weil es sich um Hitler handelt, sondern weil es sich um einen deutschen Frontkämpfer handelt, der vier Jahre lang redlich und mit Auszeichnung seine Pflicht und mehr als feine Pflicht ge­tan hat.

Der Flughafen Gießen im Jahre 1931.

Erfolgreiche Zliegerausbildung Reger Sportflugbeirieb. Erhöhte Frequenz der Verkehrsfliegerei. Weiterer Ausbau der Jlughafeneinrichtung.

Während der Flughafen Gießen in den ersten Jahren feines Bestehens fast ausschlietzlich von Verkehrsflugzeugen angeflogen wurde, ist gerade in den letzten Jahren ein erfreulicher Aufschwung des Verkehrs mit Sp o r t f l u g - zeugen festzustellen. Mit einem stärkeren Ein­setzen des Sportfluges konnte auch in den ersten Jahren nicht gerechnet werden, weil auf dem Flugplatz in Gießen eine Flugzeughalle fehlte. Erst mit dem Dau einer Halle, die Raum für 8 bis 10 Sportflugzeuge bot, war die weitere Doraussetzung geschaffen, um einen erhöhten Flug­betrieb mit Sportflugzeugen zu ermöglichen. 2m übrigen konnte der Flugplatz Gießen infolge seines weiträumigen, auf allen Seiten offenen Anschwebegeländes, der ebenen und guten Gras­narbe, der weitläufigen Entwässerungsanlagen und infolge seiner technischen und räumlichen Einrichtungen als ideales Fluggelände angespro­chen werden. Die Erwartungen, die die Leitung des Flugplatzes durch den Dau der Halle erhoffte, haben sich in erfreulichem Maße erfüllt.

Der S p o r t f I u g hat in den letzten Jahren in Deutschland eine besonders günstige Auf- wärtsbewegung gezeigt. Insbesondere ist die Ausbildungstätigkeit von den im Deut­schen Luftfahrt-Verband zusammengefchlossenen Luftfahrtvereinen in besonders hohem Maße gefördert worden. Es lag deshalb der Ge­danke nahe, auch in der Universitätsstadt Gie­ßen eine Möglichkeit zum Erlernen des Flie­gens zu schaffen und eine Flugüb ung S ft eile einzurichten, um dadurch den Flugplatz besser aus- zunuhen und seine Bedeutung zu erhöhen. Die Ausführung dieses Gedankens erschien zunächst nicht leicht, weil für die Einrichtung einer Flug­übungsstelle Mittel nicht zur Verfügung standen und weil bei der allgemein schlechten wirtschaft­lichen Lage auch nicht damit zu rechnen war, Zu­schüsse zur Errichtung und zum Betrieb der Llebungsstelle von irgendeiner Seite zu erhalten. Der Gedanke konnte nut dann in die Tat um» gesetzt werden, wenn eS gelang, eine von Zu­schüssen unabhängige Flugübungsstelle zu schaffen. Es wurden Verhandlungen mit dem Fluglehrer Maier eingeleitet, der bisher auf dem Flugplatz Mainz-Wiesbaden eine Flugübungsstelle unter­hielt. Die Verhandlungen kamen bald zu einem günstigen Abschluß, die Liebersiedlung des Be­triebes von Mainz-Wiesbaden erfolgte im Mai, die

FlugübungSstelle de- Vereins für Luftfahrt in Gießen e.D.

war damit geschaffen und wurde behördlicherseits genehmigt. Der Flugübungsstelle Gie­

ßen stehen 4 Flugzeuge zur Verfügung. Auch die Fliegergruppe FriedbergPoly­technikum" hatte im Mai auf einem Flug­zeug in Gießen den SchulbetriebbLL.onnen, im August folgte ihr die F l u g ü b u n g s st e l l e des Wetzlarer Vereins für Luft­fahrt e. V. mit ebenfalls einem Flugzeug, so daß auf dem Flugplatz Gießen drei F l u g - übungs stellen mit insgesamt sechs Flug- zeugen beheimatet sind. Der Llmstand, daß auf einem Flugplatz drei Flugübungsstellen Vorhang den sind, dürfte einzigartig dastehen. Daß infolge/* dessen reger Sportflugbetrieb auf dem Flugplatz Gießen einsetzte, ergibt sich von selbst. Täglich, werktags wie Sonntags, fanden Schul- unb Llebungsflüge statt, die immer eine große Zahl von Zuschauern auf den Platz lockten. Reben den eigentlichen Schulflügen wurde eine große Zahl von Llebungsflügen ausgeführt, die man­ches Sehenswerte boten. Insbesondere sind hier­bei die R ü ck e n f I ü g e des Flugzeugführers Moog zu erwähnen, der es zu Rückenflü- gen bis zu einer Dauer von f a st 30 Minuten brachte. Für die Ausmaße des Flug­betriebes sprechen am augenscheinlichsten hie nach­folgenden Zahlen. Während des Jahves 1931 wurden folgende Flüge vom Flugplatz Gießen aus ausgeführt: Schulflüge 1848, Llebungsflüge 639, Platzflüge 148, Rundflüge 306, Lbeberland- flüge 310, Prüfungsslüge 66, Kunstflüge 31, ins­gesamt 3318. *

Die Zahl der Flugschüler betrug im Jahre 1931 bei der Flugübungsstelle. Gießen 11 Flugschüler, Flugübungsstelle Friedberg 6 Flug­schüler, Flugübungsstelle Wetzlar 4 Flugschüler, insgesamt 21 Flugschüler. Don diesen 21 Schülern haben 8 die vorgeschriebenen Prüfun­gen abgelegt und den Flugzc/ugführerschein erworben. Besonders muß hervo'tgehoben wer­den, daß bei dem Schulbetrieb nicht ein einziger Unfall vorgekommen ist, es sind weder die geringsten Persor/en-, noch Sach­schäden entstanden, ein Beweis, mit welcher Ge­wissenhaftigkeit die Ausbildung durch die Flug­lehrer erfolgt.

Gleichzeitig mit der Flugüburigsstelle ist von Mainz-Wiesbaden auch

Me Sudwestdeutsche Sportf'/legerdereinigung nach Gießen überp/efiebdt;

sie steht in engster Fühlungncrhme mit dem Der- ein für Luftfahrt in Gießen, e. D. Die Sport­fliegervereinigung hat im Laufe des Jahres 1931 41 Flugtage veranstaltet, davon fünf größere Flugtage in Holland. In der Provinz Ober­hessen allein wurden neun Flugtage veranstaltet,

Rur jetzt niemanden mehr sehen mit nie­mandem mehr sprechen müssen!

Aber sie war erst wenige Minuten in ihrem Zimmer, als Doktor Fahrenkrug kam. Die Mutter ließ sie bitten. Es blieb ihr weiter nichts übrig, als ins Wohnzimmer zu gehen.

Doktor Fahrenkrug war sichtlich erfreut, alS sie das Zimmer betrat.

Er fragte nach ihrem Ergehen und Netz seinen scharfen Arztblick für einen Augenblick auf ihrem Gesicht ruhen, als müsse er sich davon über­zeugen, daß es ihr wirklich gut ging.

Sie lachte und dachte: Wie gut, dah auch Aerzte uns nur in die Augen, nicht aber in die Seele sehen können!

ES kam keine rechte Llnterhaltung zwischen den Tönnies' und ihrem Gast auf.

Der Geheimrat war merkwürdig still. Zuweilen versank er ganz in seine Gedanken. Ebenso Eva. Frau Ottilie hatte Mühe, die Llnterhaltung in Fluß zu erhalten.

Alle atmeten erleichtert auf, als Doktor Fahren­krug sich endlich verabschiedete.

Beim Abschied erkundigte sich Eva nach dem Ergehen seiner Kinder.

Er dankte für ihre Rachfrage. Sein hageres, fahles Gesicht hellte sich auf.

»Sie haben sie lange nicht gesehen, gnädiges Fräulein?"

»Ja, leider, Doktor!"

Run erzählte er: »Die haben sich in letzter Zeit gut herausgemacht. Rita ist nun bald mit der Schule fertig nächstes Jahr schicke ich sie in ein Schweizer Mädchenpensionat. Sie freut sich daraus. Rosemietz möchte auch am liebsten, daß ich sie in ein Pensionat steckte. Aber ich kann mich noch nicht dazu entschließen. Das Mädel ist erst zehn Jahre alt. Lind gebe ich eS fort, so bleibt der Heinz ganz allein. Das wäre zu traurig für daS Bürschchen. Lind für mich auch!" fügte er hinzu.

Eva sah Fahrenkrugs Kinder vor sich und dachte: Ob ich ihnen wohl etwas fein könnte? Fünfzehn Jahre alt ist Fahrenkrugs Aelteste, Rosemietz zehn und Heinz sechs Jahre alt. Kluge Kinder sind es. Richt ganz leicht lenksam, wie der Doktor ihr einmal selbst gestanden hatte. Diesen Kindern Mutter werden? Eine herrliche Aufgabe, gewiß: aber die rechte Liebe müßte man dazu haben.

.Bitte, Doktor Fahrenkrug, schicken Sie mir doch morgen nachmittag Ihre Kinder her!"

Ihre Ditte überraschte alle.

.Gern, gnädiges Fräulein, aber ich kann im Moment nicht sagen, ob Rita und Rosemietz mor­gen nachmittag frei sind. Ich werde morgen früh mit ihrem Fräulein sprechen und gebe Ihnen da­nach telephonisch Bescheid. Ist'S Ihnen recht so?"

Sie bejahte. Lind nun bereitete die Mutter ihr auch noch eine Verlegenheit.

»Dva, verzeihe, du hast wohl im Moment nicht |

daran gedacht, daß du morgen noch sehr in An­spruch genommen sein toirfc?

Lind zum Doktor gewandt: »Wir haben nämlich große Wäsche." Mit einem Lächeln sagte sie es.

Rein, Mama, daran hab' ich wohl nicht ge­dacht."

Sie wurde dunkelrot, sah Doktor Fahrenkrug mit verlegenem Lächeln an. »Was machen wir da?"

»Da wird nichts c/ndereS übrigbleiben, gnä­diges Fräulein, als den Besuch aufzuschieben."

Ja, das tut mir Leid."

Der Doktor verabschiedete sich nun. Sie trug ihm Grütze für die Kleinen auf. DaS ließ eine fast begrabene Hoffnung neu in ihm aufleben. Auch dem Geheimrat gab PvaS Interesse für deS Doktors Kinder Hoffnung.

Am Ende wird sich doch noch mein Wunsch erfüllen, dachte er. Er ersehnte mehr denn je, die Tochter gut versorgt zu totff en. Als FahrenkragS Frau wäre sie gut. untergebracht.

Lim fünf Llhr y-ar man schon aufgestanden. ES gab vor der Reife noch allerhand zu tun. Ottilie instruierte das Mädchen. Kein Ende fand sie damit. Ihrem Manne fing es an peinlich zu werden.

Ich habe (t*> viel Fürsorge gar nicht nötig, Tilli wünsche sie absolut nicht. Wenn ihr fort seid, will ich meine Rühe haben weiter nichts", sagte er.

Lind dann, forderte er Hans-Achim auf, mit ihm in fein Arbeitszimmer zu kommen. Da saßen sie sich in den großen Ledersesseln gegenüber. Es war gerade/ so, wie an dem schrecklichen Tage, an dem Hans,-Achim den Vater seine Spielschuld eingestand em.

»Hans-Achim, ich muh dir, bevor du fortgehst, noch etwas auf die Seele binden." Er lächelte. Das matte Licht der Schreibtischlampe fiel auf sein verbrämtes Gesicht.

»Es x^.'ht schon nicht anders, mein Junge. Also: nutz' hte Zeit, in der du täglich, ja, wohl stündlich mit Fräulein Münchrneyer zusammen sein v-irst, gut. Sieh zu, Hans-Achim, die freund­schaftlichen Beziehungen, die dich mit ihr ver­binden, zu vertiefen. Du begreifst wohl, auf was ich hinaus will?! Ja, natürlich! Ja, was frag ich da noch?! Hans-Achim, du brauchst mir nicht zu sagen, daß dein Herz nicht mehr frei ist, auch nicht, daß du Rose Münchrneyer nicht liebst rch weih das. Das ist leider sehr traurig, denn du. kannst das Mädchen, das du liebst, nicht hei­raten. Das wirst du dir nach ernsthafter Er- toägung auch selbst sagen. Was hattest du für fane Zukunft? Was könntest du deiner Frau für dlne Zukunft bieten? Rein, Achim, tue dir und ihr das nicht an. Bedenke, dah in einem Leben voll Mühsal und Entbehrung das Glück selten ist. Dah in einem solchen auch leicht eine Ehe in die Brüche geht, wenn die Liebe auch noch so heiß ist." (Fortsetzung foIgQ