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Nr. 31 Sroeites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesien) Samstag, 6. Sebruar 1952
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Frankreich und die Frage der Reparationen.
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französische Zeitungen.
Es ist erstaunlich, wie unzulänglich der Deutsche über die französische Prelle unterrichtet ist. Aach der Art ihrer Zitierung in deutschen Zeitungen allerdings kann er sie nur schlecht kennen. D.nn diese Zitierung ist mangelhast und sehr oft irreführend. Je nach ihrer eignen politischen Einstellung bedienen sich die deutschen Zeitungen gerade nur derjenigen Zitate, welche ihren eignen Zielen dienlich sind, sei eS in positivem, sei eS in negativem Sinn. Wa« dabei herauSlommt, liegt auf der Hand. 3n jedem Fall eine Unzulänglich- feit. 3n Frankreich selbst ist es natürlich nicht anders. Aur wenige Blätter — hier wie dort — machen eine rühmliche Ausnahme. Aber die breite Masse deS Volkes lieft diese Blätter nicht. Die auSgleichende und heilsame Wirkung, welche eine solche Lektüre haben könnte, ist also so gut wie nicht vorhanden. Gerade dasjenige Instrument, daS durch gewissenhafte tägliche Kleinarbeit wirklich eine verbindende und überbrückende Stolle spielen könnte, bleibt aus beiden Seiten zu halber Ohnmacht verurteilt. 11 nb wer - hier wie dort — hat die Zeit und die Fähigkeit, die fremden Leitungen aufmerksam au studieren? Aur der Xtann der Presse selbst. Wer eben diesem schreiben ja Richtung und Tendenz seines BlatteS auf ba3 genaueste vor. wovon er offiziell Aotiz zu nehmen hat unb wovon nicht. Circulus vitiosus ohne Gnbc. Weit eher natürlich lieft ber gebildete Deutsche noch ein französische- Blatt alS ber gebildete Franzose ein deutsche«. Schon beshalb. weil er die fremde Sprache besser beherrscht und einen flrö";eren Dildunzshorizont besitzt. Da- Bedürfnis de- Franzosen, sich über Aichtsranzö- fische- sachlich zu unterrichtetr. ist erschreckend gehn], DaS Wort eines ungewöhnlich gebildeten und koSrn p:litischen französisch.n P li i e »daß die sranzösisiche Einsicht da au,hört, wo die Grenze des Auslandes beginnt", ist nur zu wahr und auch heute nod) in vollster Geltung. ES ist natürlich fein Grund vorhanden, daß es ihm der Deutsche rum darin gleichtue. Ganz im GegenteilI Mehr wie je ist gerade heute Wilsen Macht. Mehr wie je auch ist eS Wasfe. Diese Wasse ist heute unentbehrlicher denn je. Um so mehr, alS der Franzose der geriebenste Dialektiker ist, den man fid't denken kann.
Gerade angesichts der augenblicklichen politischen Hochspannung wird es wieder mit unzweideutiger Klaubett ersichtlich, welche- gefährliche Instrument d.'e fran-öische Presse darstellt. ES genügt ein moi1. d’ orarc, eine Parole, vom Außenministerium: und die journalistische Maschinerie funktioniert mi.i der Präzision eine- Uhrwerks. Selbstverständlich sind die Aüancierungen verschieden: aber bür Grundlinien bleiben überall bie gleichen. Wenn gerabe in ber heutigen Lage auch bie deutsche Presse einmal eine austergewöhizliche Einheitlichkeit in der Unterstreichung des (Standpunktes ber deutschen Regierung bekundet: so ist daran da- ungeheure Elend schuld, da- in Deutschland herrscht, unb die unbedingte Gewißheit, daß — selbst bei ehrlichstem Wollen - eine Zahlung der Stebara- tionslummen nicht möglich ist. Lange nicht haben sich die Meinungen der französischen und der deutschen Presse fo unvereinbar gegenüberge- ftanben. Lange nicht haben sie eine solche Kongruenz mit der Hast'ung der jeweiligen Regie« rungSausfassung au^gettiefen.
Welches die Auffassung der französischen Regierung ist, weiß man bei uns so gut, wie man es hier weiß. Interessant und aufschlußreich ist
eS für den geübten Fachmann, zu verfolgen, wie die verschiedenen sranzösischcn Zeitungen diese Auffassung spiegeln.
Fangen wir mit der ausgesprochen deutschfeindlichen Presse an, unb zitieren wir alS erstes Blatt die berühmte unb berüchtigte .Ac tion f r a n t a i l e“. baS von Leon Daudet und EharleS M a u r r a - her au-gegebene Organ ber französischen Royalisten: also ber Feinde deS republikanischen System- unb ber Parteigänger ber Dourbonendynastie. Diese Zeitung ist — von ihrem Standpunkt auS gesehen -- hervorragend gut geleitet, in einem vorzüglichen Französisch geschrieben unb in ihren kulturellen, gciflcSgc- schichllichen unb künstlerischen Aus ätzen ost von einem erstaunlich hohen Aiveau. Leon Daudet unb EharleS MaurraS sinb Schriftsteller großen Formate-, geborene Handhaber unb oft Reu- schöpfer beS Wortes. Dem Volk, ber Masse jedoch, ist ihre Sprache, sei sie noch io lebenbig. noch so drastisch, noch so pamvhtetistisch (Daudet- Spezialität) nicht zugänglich. Bor allem natürlich de-wegen, well die royalistische Idee keinerlei Boden in Frankreich hat und ihre Vertreter noch nicht über einen einzigen Abgeordneten im Parlament verfügen.
Dieser .Action francaife“ ist schlechthin alle«, wo- man da- deutsche Prinzip, bie beutsche Idee, bie deutsche Mission nennen könnte, rote- Tuch Richt die einzelne deutsche Individuallcistung auf geistigem Gebiet: sondern die volk-mäßige, allo in erhöhtem Sinn politische Gesamtleistung. Sie verlangt den Rhein alS Grence und erkennt die Koordination von Deutschland unb Frankreich niemals an. Augenblicklich verlangt fit als Sanktion gegen bie Zahlungsverweigerung bie Aeu- besehung von Main; unb behauptet außerdem, baß ber chauvinistische Kriegsminister Maginot, ber vor kurzem an Typhus gestorben ist. von Deutschland ermordet worden fei: man habe ihn durch Typhu-b z Nen, welch man in f ii e Auste n mischte, Uvtgiftei, sowie man auch seinerzeit den (mit Recht) verhaßten CLu>ation«jcncral Mangin habe beseitigen lallen. Die Probe genügt
Das im Riveau niedrigste Hetzblatt ist der „Ami du Peuple", das für 15 Centimes, d h für 2,5 Pf-, verkauft wird. ES gehört zum Coty-Konzern — unb erfreut sich schon wegen seines Dumping- bei ber übrigen Presse einebegreiflichen Halle-. E- erübrigt sich, biefe Zeitung einer Kritik zu unterziehen. Sie wirb viel gelesen — aber sie hat keine eigentliche Wirkung. Sie ist zu plump
Der „Figaro", ebenfalls Coty gehörig, ist — auf gehobenem, sozialem Aiveau — ihr Gegenstück, sofern es sich um Dinge ber politischen Gesinnung handelt Der gute Aame, den diese Zeitung vor dreißig Jahren hatte, ist besudelt worden durch einen Chauvinismus, der Ekel erregt Ein geistig kultivierter Franzose kompromittiert sich heute, wenn er sich aus diesem Blatt unterrichtet.
Eine andere, im Grunde deutschfeindliche Zeitung ist der „3ntranf igeant". Es ist nötig, ihn von Zeit zu Zeit zu lesen. Denn er spiegelt die Meinung eines gewissen bourgeoisen Durchschnitts, der nicht außer Rechnung zu lassen ist.
Das (langweilige) „Journal desDebatS" bemüht sich, ein hohes politisches Aiveau aufrecht zu erhalten. Es ist oft ausfällig, aber es kennt Beherrschung und hat seine besondere, etwas akademische Aote.
Die großen Boulevardblätter „M a t i n", „3 o um al", „Petit Parisien" (oft offiziös) sind nicht alS deutschfeindlich zu bezeichnen. Es hat Zeiten gegeben, wo sie deutschfreundlich waren und den Gedanken der Annäherung kräftig unterstützten. Daß sie im Augenblick der Parole der Regierung folgen, versteht sich von selbst. Gehässigkeiten aber liegen ihnen fern. Ebenso dem vielgelesenen Mittag-dlatt „Pari s- M i d i" und dem Wendblatt „P a r i s - S o i r", welches früher prodcutsch war.
1 Die größte und wichtigste Pariser Zeitung
Gießener Konzeriverein.
Crgcl-ÄDinen Günther Ramin.
War der vorjährige Orgelabenb Günther R a - mins ausschließlich Werken 3ohann Sebastian Bachs gewidmet gewesen, fo wurde diesmal ein Ausschnitt aus dem Orgelstpafsen des Dachschen Zeitalters vermittelt. Man tonnte somit Einblicke in Musikerpersönlichkeiten gewinnen, bie mehr ober minder von Einfluß au? Johann Sebastian BachS musikalische Entwicklung geworden sind.
Während seine- Aufenthaltes auf der Michae- liS-Schule in Lüneburg erhielt der junge Dach bedeutsame Anregungen durch den borligen Organisten an ber Johannis-Kirche Georg Böhm. Aus Thüringen ftammenb, hatte sich biefer die Errungenschaften nordischer Or^elmeifter ebenfo zu eigen gemacht, wie bie ber französischen Klaviermeister. Insbesondere in seine n Choralpartiten wurde er zum Vorbild für den hingen Johann Sebastian: eine Tatsache, auf die |d)on gelegentlich des vorjährigen Konzertes verw'iesen werden konnte. Georg BöhmS Choralparliten wollen weniger das zu Grunde liegende Choralthema subjektiv intensivieren, als day er auS dem vorliegenden Thema neue musikalische Gebilde herauswachsen läßt. ES gelingt ihm meisterhaft, ander Choralmelodie durch Verzierungen, melodische Umschreibungen neues thematisches lÜaterial zu gewinnen und in einer Weise durchzuführen, die sich dem damaligen Klaviersah stark annäbert (in jener Zeit waren die Grenzen zwischen Klavier- unb Orgelsatz noch verhältnismäßig fliefjeub).
So konnten wir in der von Günther Ramin bargebotenen Partita „Ach, wie flüchtig, ach, wie nichtig" eine Reihe von überaus reizvollen musikalischen Stimmungsbildern kennenlernen, die in ihrer Spielfreudigkeit zwar fast an die Grenzen des kirchlichen Drgelfpicls führen, dafür aber durch musikalische Feinheiten entschädigen.
Nicht minder wegweisend für Joh. Seb. Bach wurde Joh Pachelbel. Während seiner Wirksamkeit in Eisenach unb später in Erfurt trat btefer in persönliche Beziehung zu der Familie Bach ('So übernahm er die Patenstelle bei einer Schwc ster Joh. Sebastians und unterrichtete dessen ältesten Bruder.) Pachelbel wurde uim Vermittler des ssib- deutschen wie auch des südlichen Orgelftils. Die damals herrschende Form der Toccata, die alle Er« rungenschaften ber Orgelfunft, glanzvolles Laufwerk, breite Akkordfolgen, imitatorische Technik in bravouröser Anwenbung brachte, sand durch ihn Festigung, Straffung durch Aereinheitlichung des zfufbaus. Hierbei soll nicht unerwähnt bleiben, daß er durch seine Charalbearbeitungen ganz besonderen
Einfluß auf den Stil Joh. Sebastian Bachs gewann
Bon Arnstadt aus war Bach yi Fuß nach Lübeck gewandert, um den größten Meister des Orgelspiels ber Hell, den „dafigen berühmten Organisten an ber Marienkirche, Dietrich Buxtehude, zu behorchen". Es ist ja bekannt, daß Bach durch die Künstlerschaft dieses Meisters so gefesselt wurde, daß er feinen Urlaub erheblich überschritt. Der Lübecker Aufenthalt war für ihn überaus fruchtbringend hier konnte er das technische Rüstzeug für seine spätere Wirksamkeit gewinnen und weitestgehende Forderung für sein künftiges Schassen erfahren. Buxtehude war durchaus eine romantische Musiker- natur, erfüllt von einer Stärke des Gefühls unb einem Streben ins Unenbliche, die in der Geistigkeit ihres Schaffens über das hinausführte, was da- Instrument als Klangmaterial bot.
Die Passacaglia in D-Moll ist von starker fub- jektiver Wärme erfüllt. Das Kontrapunktische dieser großen Folge von Variationen über dem ständig wicderkehrenden Grundbah wird durch ihn erfüllt von einem Zug zum Ueberlinnlichen, Symbolischen. Das Werk gliedert sich in verschiedene Gruppen, die nur durch kurze Ueberleitungcn miteinander verbunden sind, und die in ihrer überaus großen Ausdruckskraft einer dunklen Grund- ftimmung Raum geben, die sich im zweiten Teile aullichtet.
ES würde zu weit führen, fo verlockend es auch wäre, hier zu untersuchen, wie weit sich der Einfluß der Vorbilder im einzelnen bei Joh. Sebastian Dach nachweisen läßt. Sicher aber steht fest, daß wir in Dach den Vollender der von den verschiedensten Seiten zusammenlausenden Etll- c le mente zu sehen haben, indem er durch die Größe seines musikalischen Ichs überkommene Formen mit neuen geistigen Werten erfüllt. Das bestätigte sich sowohl bei der Toccata und Fuge m b-Dur, ine mit ihrer Fuge sicherlich vor der Zett der leipziger Wirksamkeit anzusctzen ist: da- gegen entstammt das bl-Moll-Präludium mit Fuge der Leipziger Periode.
Daß die einzelnen Werke sich so ticsgehend aus- wirken konnten, da- muh man Günther Harn i n danken. Man kann sich nicht genug darüber verwundern, mit welch hoher Genialität er jede- Werk anfaht, jedem Stilcharakter das Seine gibt. Wo es gilt, baut er großzügig auf. läßt die Ar. chitektur de- Werkes in lichter Klarheit erleben, so bei der gewaltigen Toccata in FvShir und der gegensätzlichen Thematik der darauf folgenden Fuge: so m dem feinen Gewebe des kl-Moll- Präludiums. so in dem Herauswachsen der bt-Moll-Fuge au« sinnender Entrücktheit.
Dei Döhm« Choral-Partita rollte Ramin jedes einzelne Bild in seiner intimen Individualität auf; bei Pachelbel lieft « da
nach wie vor der .T e m p -". ein Blatt großen Stiles, dellen tägliche Lektüre für jeden politisch ernsthaft interdherten Menschen unerläßlich ist Stil und Haltung entsprechen den diplomatischen Derlehrsformen. bei deutlicher Betonung des nationalen und kapitalistischen Elementes. Der ..Temps" vertritt unbedingt b i e herrschende französische Ordnung Er ist konservativ, gemeffcn und distanziert
L-nksstehende Zeitungen wie ..P o p u l a i t e“, „Oeuvre", „O u o t i o i e n“ und „Öre nou- belle“, welche oft von der deutschen Presse wegen ihrer verständni-vollen Ha.tung deutschen Problemen gegenüber zitiert wurden (und werden). haben nicht die ausschlaggebende Bedeutung, die man ihnen bei uns zuzuschreiben geneigt ist Sie sind als Gegengewichte gegen die chauvinistischen Blätter natürlich unentbehrlich.
Eine Zeitung wie die .,D i c t o i r e“ Gustav Hervc«. welche die radikale Revision de« Versailler Vertrage- verlangt, die Rückgabe des Korridors und die Allianz PariS-Dersin fordert, wird nicht ernst genommen, weil Herv6 kein moralische- Vertrauen genießt. Er hat zu oft die Fahne gewechselt, als daß man sich auf ihn verlassen könnte In Deutschland wird man klug tun, zu bedenken, daß eine Schwalbe, zumal wenn sie einmal ein Geier war, noch keinen Sommer macht.
Was läßt sich nun — zusammensassend — über die Haltung der sranzösischen Presse — die
ä tout pnx chauvinistische ausgenommen — bet deut chcn Ab.ch mng w. ic er R parat onszahlun« gen gegenüber lagen? Zwei Dinge Der französische Standpunkt, daß ein Vertrag wie der Voungplan n.chl e.nfeihg du.ckr den Partner Deutlchland gcl-nbigt werden könne, wird unbedingt vcr.e.dlgt, aber eine hetzerische, auf- peitschende Sprache w.rd bis zum heutigen Tage wenigstens nicht geführt Die auslchlag- gcb.nbe Zeitung, der ..T e in p s". bewahrt fogat eine auffallend ruh ge Haltung, was zu der Hoffnung berechtigt, daß bei d^n Regierungsstellen mehr Einsicht vorhanden ist. als man nach außen jugeben zu dürfen glaubt
Die entm.dlung der nächsten Wochen wird uns darüber Auf>chluß geben, was in den Kulissen gespielt wird- Seit langem hat über der gesamten europäischen Politik nicht ein solche« Dunkel gelastet, wie gerade nun Und seit langem nicht konnte man — sei man noch so geübt in dieser Kunst — zwischen den Zeilen der Presse so wenig von den wirklichen Vorgängen herauSlesen. well die Behandluna der schwersten außenpolitischen Probleme sowohl in Frankreich al« auch in Deutschland, erst recht aber in Amerika, ganz durch innenpolitische Rücksichtnahmen de st im in t wird: nämlich durch bie bevorstehenden Wahlen in diesen Ländern. Schlimm genug aber unabänderlich In England hat man — im Augenblick höchster Rot — gerade umgekehrt ver- fobren.
Die Vamnwoll-Kalaslrophe im Sudan.
politische Eindrücke von einer Weltreise.
Don Or. Paul Rohrbach.
Kairo. 10. Januar 1932.
Seit Jahren ist England bemüht, mit Aegypten ein Abkommen zu schließen, da« der bei KriegSausoruch gegebenen Zusage, bie ägyptische Selbständigkeit zu erhöhen, irgendwie entspricht, und da- doch kein selbständiges, sondern ein in das englische imperiale System dauernd eingeordnetes Aegypten schasst. England hat sich bereit erklärt, Jeine Garnisonen aus Kairo unb Alexandrien zurückzuziehen und seine mttitärische Position auf die Suezkanal- Zone, ja sogar auf das östliche User des Kanal«, einzuschränken. E« tocre auch damit einverstanden. daß ber Oberbefehlshaber der ägyptischen Armee kein englischer General mehr ist (in der Uniform eine- ägyptischen MarschallsI). und daß die Kontrolle über das Verkehrswesen, die es jetzt aus- übt, ganz an Aegypten zurückfällt — wenn Aegypten dafür zwei Bedingungen erfüllt: er. stens einen englisch-ägyptischenDünd- niSvertrag, durch den die ägyptische auswärtige Politik den englischen Interessen bauern!) an- gepaßt wird, unb zweitens — vollen äghp - tischenVerzicht auf den Sudan. An dieser letzteren Forderung ist das Abkommen, das die Regierung des Königs Fuad sonst wohl geneigt gewesen wäre, abzuschliehen, bisher gescheitert.
Man kennt die Geschichte des Sudan. Die weiten Gebiete nilaufwärts vom ersten und zweiten Katarakt bis an den Ausfluß de« All aus dem Viktoria-See, wurden in den 60er und 70er Jahren von Aegypten aus okkupiert und in eine ziemlich willkürliche, aber einträgliche Autzung genommen. Khartum wurde die Hauptstadt des Sudan: in der südlichsten, der sogenannten Aegua- torialprovinz. war der deutsche Arzt Dr. S )niher, bekannt unter dem Aamen E m i n P a s ch a , lange Jahre Gouverneur. Aach der Besetzung Aegyptens durch die Engländer brach im Sudan ber
Ausstand de« Mahdi au«, der die ägt)p- tische Herrschaft hinwegsegte. Der Versuch, den Mahdt mit einer ägyptischen Armee unter dem Befehl eines Engländers. Hick« Pascha, unschädlich zu machen, führte zu einer vernichtenden Niederlage. Auch General G o r d o n « tragifches Schicksal in dem von den Mahdisten eingeschloffe- nen Chartum ist bekannt. Wiedereroberer bo8 Sudan wurde Kitchener, ebensall« mit dem ägyptischen Paschatitel und an der Spitze ägyptischer Truppen. Auch die gesamten Kosten des Unternehmen« wurden von Aegypten getragen. Die Definition de- englisch-ägyptischen Verhältnisses im Sudan lautete damals auf ein .Kondominium' d. h. einen gemeinschaftlichen Besitz. E« sollten auch beide Flaggen. die englische und die ägyptische, nebeneinander auf den öffentlichen Gebäuden und bei offiziellen Gelegenheiten im Sudan wehen.
Don diesem Stand der Dinge hat England die Aegypter konsequent zurückgedrängt und sich im Sudan zur faktisch allein maßgebenden Autorität gemacht. Das geschah von da an, wo man sicher zu fein glaubte, daß der Sudan eine große, für Englands Bedürfnisse unschätzbare Zukunft a l - Produktionsgebiet für Baumwolle besitzen würde. Durch die Sudanbaumwolle gedachte England von der Versorgung durch die Vereinigten Staaten unabhängig zu werden. Vorbedingung für die Daumwotte^ultur im Sudan war die Erbauung eine« gewaltigen Aildamme« zur Regulierung der Bewässerung in der sogenannten Dschefire. oberhalb ChartumS, im Winkel zwischen dem blauen und dem weißen All.
Einige Jahre lang ging alle« aufs beste. Da« Sudan Cotton Plantation Syndicate" in London wurde gegründet und bekam eine hohe, von der englischen Regierung garantierte Anleche zur Erbauung de« Dammes und der Dewässerungs- werke. Der Boden schien sehr geeignet, bie Baumwolle gedieh gut, die Anbaufläche toud).v Da plötzlich geschah etwa« völlig Unerwartete« Es zeigte sich, daß unter der Schicht fruchtbarer Erde, die die Baumwolle trug, eine salzige Bodenschicht liegt, unb daß deren schädliche
Thematische sich organisch entwickeln und gewann dem Werk besondere Reize durch die Wirkung des Echospiels ab. Buxtehudes Passacaglia erstand in ihrer Gegensätzlichkeit mit ausdrucksstarker Kraft der Impression. Als ein besonderes Moment ber Größe Raminfchen Orgelspiels wird man immer wieder feststellen müssen, daß es ihm gelingt, die scheinbar über dem Persönlichen stehende Orgelmusik jedem Einzelnen so zu eigen zu machen und ihn so daran teilhaben zu lassen, al« wäre e« fein ureigenste« Erlebnis.
Händels Orgelstil weist ein völlig anderes Wesen auf. In ihm schwingt südliche Gelichtetheit mit. Er kennt nicht die schwere, symbolgebundene Polyphonie des Aordens: er kämpft nicht mit grübelnden, inneren Spannungen, bei ihm bricht die Freude am Klang und Musizieren durch. Sein Orgelkonzert in si-Dur steht dem Concerto grosso überaus nahe. 3m Sinne de« Konzert- begriffe« bietet et klangliche, musikalische und technische Möglichkeiten auf. um das Soloinstru- ment dem Stre.chkörper gegenüberzustellen.
Man muhte immer wieder erstaunen über bie unermeßlichen Feinheiten, die Günther Ramin dem Solopart gab; wie er immer wieder neue musikalische Werte ans Licht zog und ihnen immer wieder neue Bedeutsamkeit zu verleihen vermochte. Dabei wurde das Collegium musicum der Universität unter der Leitung von Dr. Stefan Teme-vary zu einem wesentlichen halsenden Faktor. Dr. H.
Eine neue britische Südpolar-Expediiion
Ein Versuch, die noch vorhandenen Geheimnisse des Südpolarkreises zu enthüllen, wird demnächst von einer britischen Expedition unternommen werden Der Führer dieses Unternehmens ist der 24jährige Polarforscher H. G. Watkins, der die britische Luftweg-Erpedition von 1930 31 in Grönland geleitet hat, unter feinen Gefährten befindet sich der ebenfalls noch jugendliche Courtauld. der im Mai vorigen Jahres unter dramatischen Umständen nach seiner einsamen Ueberwinterung in Grönland gerettet wurde. Die Hauptaufgabe der neuen Expedition soll darin bestehen, herauszufinden, was auf der mehr als 2000 Kilometer langen Strecke zwischen den beiden gefrorenen Südpolar-Meeren liegt. ..Wir hoffen, zu entdecken", erflärt Watkins, „wieweit die Gebirge vom Victoria-Land reichen, und festzustellen, ob das Roß-Meer mit dem Wcddel-Mcer zusammenhängt oder nicht, ob die Antarktis in zwei große Kontinente zerfällt. Der Südpolarkreis besteht aus einer ungefähr kreisrunden üandmafse mit dem Pol um Mittel
punkt. Auf den entgegengesetzten Seiten diese« Kontinents sind zwei große Zugänge, daS Roß- Meer und daS Weddel-Meer. Scott, 6 b adle t o n und Amundsen wählten da« Roß- Meer zur Basis für ihre Angriffe auf den Südpol. Aachdem dieser erreicht war, ging Shack- leton nach dem Weddel-Meer, um von dort au« den Kontinent zu durchqueren Aber fein Schiff wurde vom Ei« zermalmt, und er war nicht imstande, auf dem Kontinent zu landen. Die deutsche Ekpedition unter Fi 1 chner versuchte, eine Basi« an der Eisbarriere am Eingang de« Weddel- Meeres zu errichten, konnte aber ihre Ausgabe nicht erfüllen. Wir haben nun geplant, einen Weg von dem Eingang deS Weddel-Meeres zu erzwingen und feine West-Küste kartographisch auszunehmen. Dann soll die Reise über den Südpolar-Kontinent folgen." Von den Teilnehmern werden auf diesem noch völlig unerforschten Gebiet geographische, geologische, magnetische und meteorologische Arbeiten durchgeführt werden.
Belagerung eines Trappers.
3m hohen Horben Kanada« machte man verzweifelte Anstrengungen, um einen wahnsinnigen Trapper zu verhaften, dem die kanadische berittene Polizei feit einiger Zeit auf ber Spur war.Lllbcrt 3ohnson, ein einsam lebenber Trapper, hatte am letzten Tage bes vorigen Jahre« seinen ersten Zusammenstoß mit ber Polizei, wobei er einen Schutzmann verwundete. Daraufhin wurde eine Patrouille gegen ihn ausgesandt die ihn in einer festen Erdverfchanzung antraf. Hier wurde er 15 Stunden belagert: man feuerte 700 Schüsse gegen ihn ab unb nertoenbete 30 Pfund Dynamit in Bomben, um ihn ..auszuräuchern". Es gelang ihm bann, aus biefer Verschanzung an der Mündung deS Rattenflusses, 140 Kilometer von Aklavik entfernt, zu entkommen, und fetzte sich nun an einer Stelle fest, die 50 Kilometer am Rattenfluß auswärts lag. Hier wurde er von bem Schutzmann Millen und drei Kameraden angegriffen. 3ohnson feuerte, als die Patrouille nahte, darauf gaben auch die Schutzleute Feuer unb glaubten, ihn getroffen zu haben. Als er nach zwei Stunden kein Lebenszeichen gab, ging Millen an die Schanze heran, wurde aber mit einem Schuß empfangen, der ihn sofort tötete. Daraufhin wurde mit Hundeschlitten Verstärkung aus Allavik geholt. Auch verschiedene Freiwillige schlossen sich der Jagd an. unb fo gelang e« schließlich, den Trapper zu überwältigen, der sich al« ein Geisteskranker erwie«.


