Ausgabe 
5.11.1932 Erstes Blatt
 
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8 Fortsetzung.

Nachdruck verboten.

Es ist besser so, Lachte er, gewaltsam Lie Weiche Stimmung abschüttelnd: Wir leben in zu ver- sch iedenen Welten, sie und ich es könnte kein Gluck zwischen uns geben.

Deiner Hände Werk

Vornan von Klothilde von Stegmann-Stein.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)

Ich Lenke nicht daran, etwas zu verbieten, Melanie und ich würde dir dringend raten, k^eses Thema nicht mehr zu berühren. Wenn Kurt einer dieser geschniegelten Nichtstuer wäre, wie sie zu Dutzenden bei euch jetzt auf Bremerschloß herumlaufen, darm wäre deine Sorge vielleicht begründet. Aber so?

Da kenne ich meinen Jungen denn doch viel zu gut der wird sich nie zu etwas hinreiben lassen, was ein ordentliches Mädel ins äknglück bringen konnk. Die Erie ist seine Spielgefährtin, solange die beiden denken können, und außerdem ein prachtvolles Mädel I Ich denke gar nicht daran, die Unbefangenheit dieser beiden jungen Men­schen zu stören. Für meinen (Zungen lege ich die Hand ins Feuer. Hast du mir sonst noch etwas Erfreulicheres mitzuteilen, Melanie? Sonst ent­schuldigst du mich wohll Oder willst du viel­leicht mitkommen? Mer die Arbeiten des Bremer- Werks interessieren dich ja leider nicht", fügte et leise seufzend hinzu.

Frau Melanie hatte mit steigender Verwunde­rung die energischen Worte des Gatten angehörig Einen Augenblick war sie unsicher geworden. Er hatte seit einiger Zeit oft einen so energisch abwehrenden Ton, als wäre ihr Einfluß auf ihn geschwunden.

älnd da sie wieder eine größere Forderung an ihn hatte für eine Spielschuld, die ihr Hans Egon vor ein paar Tagen gebeichtet, so war es ihr fester Vorsatz gewesen, ruhig zu bleiben und ihren Mann nicht zu reizen. Aber Lie herbe Kritik, die ihr Gatte indirekt an ihr und ihrem Sohne Hans Egon geübt, ließ ihr herrisches Temperament überschäumen.

»Gut", sagte sie, »mache nur weiter so, sieh zu. wie Kurt seinen vulgären Neigungen nachgibt. Vielleicht bringt er dir auch einmal die Tochter eines deiner Angestellten als Schwiegertochter ins Haus nun ja, er hat diesen Zug eben im Blut, kein Mensch kann gegen seine Kinderstube an und"

Sie wollte weitersprechen; aber sie fühlte sich Plötzlich an der Hand gefaßt. Das Gesicht ihres Gatten hatte einen erschreckenden Ausdruck von Zorn und Schmerz angenommen.

Tu hast schon mitunter darauf angespielt. Melanie, daß Kurts Mutter aus einfachem Stande gewesen ist. (5ch habe bisher derartige Bemerkungen schweigend hingenommen, weil ich keinen Winfrieden im Hause haben wollte. Aber einmal reißt auch dem ruhigsten Menschen die Geduld. Las eine aber laß dir heute gesagt sein: noch einmal eine solche Anspielung auf die Her­kunft meiner ersten Frau und unsere Wege trennen sich. Meine unvergeßliche Margarete an Herzenstakt und seelischer Vornehmheit nahm sie es mit allen Menschen auf. Sie hätte es nicht fertig bekommen, mich in einer mir hei­ligen Erinnerung so zu kränken, wie du es soeben getan hast."

(Fortsetzung folgt.)

Am nächsten Tage stand Kommerzienrat Bre­mer mit dem Betriebsingenieur Moeller in dem Schuppen, in dem Kurt seine Werkstatt hatte. - rotem Kopf und glänzenden Augen sah Kurt m den Mienen des Ingenieurs wie in denen des Vaters ein immer stärkeres Interesse.

Jetzt beugte sich Moeller noch einmal über die -Zeichnung, die auf dem Werktisch mit Reiß­zwecken befestigt war und neben der eine Tabelle ein Messungsverzeichnis enthielt.

Im Hintergrund der Werkstatt stand Erika mit vor Aufregung eisigen Händen. Endlich sagte Moeller:

Ich muß gestehen, Herr Kommerzienrat, daß Ihr Sohn da eine fabelhafte Verbesserung an der Zündung des Motors herausgeknobelt hat. Wenn diese neue Zündung sich in der Praxis so bewährt, wie sie mir hier theoretisch ein­leuchtet

»Sie hat sich schon Lewährtl" sagte Erika aus ihrer Ecke impulsiv, und dann wurde sie rot. Der Kommerzienrat Bremer drehte sich lachend zu ihr um.

»Fräulein Ingenieur...!" neckte er und streifte das blühende Mädchen mit einem wohlwollenden Blick.Woher weiht du denn das?"

Erika, immer noch feuerrot, warf einen bilfe- suchenden Blick auf Kurt.

Kommerzienrat Bremer lachte gutmütig. »Ach so weiß schon, ihr habt's schon ausprobiert! Du bist wohl Steuermann gewesen, Erika?"

Sie nickte erglühend.

Na, na!" meinte Bremer.Du brauchst doch nicht rot zu werden bistne fixe kleine Dirn', nicht so zimperlich wie andere Mädels, machst die Augen auf das gefällt mir! Nun aber los, Moeller! Wollen uns doch mal das Doot in Fahrt besehen, was unser Filius dg zusammen­gebraut hat!" °

Er wandte sich der Tür zu.Naim, wer kommt Denn da?" rief er erstaunt. »Hoher Besuch! Guten Tag, Melanie! Was willst du denn hier an der Stätte der Arbeit?"

Aber Frau Melanie ging nicht auf den heiteren Ton des Gatten ein. Sie nickte dem Betriebs­ingenieur, der sich verneigte, von oben herab zu und übersah Len Gruß von Erika vollkommen.

Ich möchte dich einen Augenblick allein spre­chen", sagte.sie betont.

Na also, lieber Moeller" der Kommerzien­rat machte ein gottergebenes Gesicht, er kannte diesen Ton und wußte, daß hinter ihm wieder einmal eine unerquickliche Auseinandersetzung stand,dann gehen Sie mal mit den beiden Kücken vor an den Bootssteg ich komme bald nach!"

Melanie warf einen scharfen Blick auf Erika, die unbefangen neben Kurt ging.Meinst du mit den beiden Kücken auch Liese Erika?"

Bremer sah seine Frau verwundert an.Na, wen denn sonst, Melanie?"

Frau Melanie antwortete nicht. Indessen nun der Betriebsingenieur mit den beiden jungen Menschen schon durch den sonnenhellen Hof zum Flusse hinunterging, wo Kurts kleines Motorboot wartete, meinte Bremer gutmütig:

»-Na also, Melanie, wo brennt's? Schieß mal los! Muß ja was sehr Wichtiges sein, wenn du uns hier besuchst!"

»Etwas sehr Wichtiges allerdings!" wiederholte Frau Melanie.Es handelt sich darum, daß du drinem Sohn Kurt etwas mehr auf die Finger sehen mußt. Er macht Dummheiten!"

»Inwiefern, Melanie? Ich habe noch nicht viel von Dummheiten bei Kurt bemerkt. Im Gegenteil! Ich konstatiere mit Unbehagen, Laß er über seine Jahre hinaus ernst und gesetzt ist."

Du hast keine Augen im Kopfe, Friedrich! Ober ist es vielleicht keine Dummheit, wenn sich dein Sohn, der Erbe vom Dremerwerk, abends mit Töchtern deiner Angestellten herumtreibt? Du bist wirklich blind, Friedrich, schickst diese kleine Schmitt noch mit hinunter zum Doot, anstatt ihr das Betreten der Werkstätten ener­gisch zu verbieten. Was sucht sie hier, wenn nicht die Gelegenheit, eine Liebschaft mit deinem Sohne anxufangen?"

Skemec sah seine Frau mit ernstem Gesicht an. 3ft das alles, Melanie, was du mir zu sagen hast? Zu diesem Zweck hättest du dich nicht hier­her zu bemühen brauchen. Diese alte Kinder­freundschaft zwischen Kurt und der kleinen Erika ist vollkommen harmlos."

»So! Ist es vielleicht auch harmlos, daß die beiden gestern spätabends im Motorboot in der dunklen Nacht zusammen herumfahren? Wer weiß, was sie da treiben!"

»Nun hör aber auf, Melanie!" Bremer er­widerte es gegen seine sonstige Gewohnheit ziem­lich scharf. »Was die beiden treiben, kann ich dir zufällig genau sagens der Kurt hat eine neue Motorverbesserung herausgeknobelt und die kleine Erika, die ist ja ein halber Ingenieur, die macht feste mit, weiß genau mit der ganzen Ma­schinerie Bescheid und hat gestern die sogenannte Probefahrt mitgemacht. Das ist alles, wenn's dich beruhigt!"

Und du glaubst im Emst, daß nichts anderes zwischen Len beiden ist? Für so naiv hätte ich dich nicht gehalten! Ein Junge von achtzehn Jah­ren und ein Mädel von sechzehn Jahren zusam­men abends im Mondschein, das schickt sich nicht und ich wünsche, daß du öiefe Dinge verbietest! 3d> habe nicht Lust, hier auf dem Werk einen Skandal zu erleben durch deinen Sohn und diese Person, die nichts anderes will, als den reichen Erben einfangen.

Mit einem Ruck blieb Olaf Erikson stehen. Mein gnädiges Fräulein", sagte er eisig,ich will nie wünschen, daß Sie einmal in die Lage kommen, so ohne den Schatten eines Beweises wegen ganz harmloser Dinge verdächtigt zu wer­den. So, wie ich Ihren jüngeren Bruder kenne und beurteile, ist er wirklich der Mensch, der eine Freundschaft mit einem jungen Mädchen in aller Reinheit und Sauberkeit aufrechterhalten kann. Bei uns in Schweden jedenfalls findet man gar nichts dabri, wenn junge Menschen kamerad­schaftlich und harmlos miteinander beisammen sind. Arm oder reich spielt bei uns feine Rolle. Qlber nun gestatten Sie, Aaß ich Sie hinüber­begleite! Ich hätte zwar gvoße Lust, mir einmal die Rückkehr Ihres jungen Bruders anzusehen und über seinen Motor mit ihm zu sprechen aber ich möchte es vermeiden, daß man auch an unser abendliches Beisammensein hier unfreund­liche Folgerungen knüpfen mochte."

Hibhud war bkaß geworden. Eine wilde Em­pörung stieg in ihr auf. Was fiel diesem Men­schen ein? Doch nie hatte ein Mann gewagt, in Diesem Ton mit ihr, der reichen Erbin, zu sprechen. Oh, er sollte sich nichts einbilden noch hatte er sie nicht so sicher, daß er sich diesen an­maßenden Ton gestatten durfte. Sie wußte allein was sie zu tun und zu lassen hatte.

Alle Weichheit war aus Hiltruds Empfinden geschwunden. Sie fühlte nichts als die Kränkung, die in Olafs Worten gelegen hatte die Gleich stellung zwischen ihr und dieser kleinen Ange­stelltentochter. Nun, wenn er sie auf eine Stufe mit solch einem kleinen Mädel stellte, sie war nicht gesonnen, sich das gefallen zu lassen. Das sollte er sofort merken, damit ihm ein für ° Die Lust zu derartigen Vergleichen verging.

Brüsk blieb sie stehen.

Ihre Schlußfolgerungen, Herr Baron, sind denn doch wohl falsch. Wenn ich etwas tue, so ist es über alle Mißdeutungen erhaben. Da Sie aber so ängstlich zu sein scheinen, bitte ich Sie, mich nicht zu begleiten. Gehen Sie ruhig zurück, Damit Sie die Ankunft meines Bruders und seiner sogenannten Freundin nicht versäumen! Ich finde meinen Weg auch allein und mir geschieht nichts. Ich weiß mich und meinen Ruf durchaus zu schützen!"

Sie neigte kurz den Kopf und ging mit schnel­len Schritten davon. Olaf sah ihr nach, bis die zarte, lichte Gestalt um den Brückenweg ver­schwunden war. Ein Gefühl von Trauer beschlich ihn und doch zugleich von Erleichterung.

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