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5.11.1932 Erstes Blatt
 
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Ur. 26( Zweites Blatt

Siebener Anzeiger iseneral-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 5. November 1952

Gvünberger Gallusmarkt 1Q3S2

3tim dleÄSHvlgeu GaUusmaekt lade« wiv bie Duvsevschaft von Gietzen und dev umliegenden Gemeinden hevrliib ein!

Programm:

Sonntag, den S.November: 11 bis 16 Uhr Ausstellung der Gewinne der Gallusmarkt-Derlosung im 1. Stock desNaihauses 20 Uhr Heimatabend in derTurnhalle

Dienstag, S.Nov: 2oUhrplatzkonzertvor demNathaus, Ansprache desÄürgermeistersu.Hissung d.Marktfahne, anschl.: Anfeiern des Marktes in den Lokalen der Stadt Mittwoch, den 9. November: 9 Uhr Marschmusik durch die Straßen der Stadt, Pferde-, Rindvieh-, Schweine- und Krämermarkt, Volksbelustigung

Donnerstag, den 10. November: Ab 9 Uhr bis abends Krä'mermarkt, Volksbelustigung - 9 30 Uhr Abmarsch mit Musik vom Marktplatz aus zum Frühschoppen 9.30 -11.30 Uhr Frühschoppen i Wirtszelt auf d. Markt Donnerstag: 14 Uhr Ziehung der Gallusmarkt-Ver­losung in der Turnhalle

Don Gießen und den umliegenden Ortschaften werden am 9. und 10. November 1932 Sonntagskarten nach Grünberg ausgegeben

GeMGe Bürsermeiftevet Gründers: Ov. LNildnev

Oie Bedeutung -es Gattusmark.es

Roch hat man hier den vorjährigen Gallus­markt, der aus Anlaß des 450jährigen Be­stehens als Jubiläumsmarkt besonders festlich begangen wurde, in sehr guter Erinne­rung, und schon wiederum gilt es für Grünberg, die letzten Vorbereitungen für den diesjährigen, am 9. und 10. November stattsindenden Gallus­markt treffen. Ein Markt von einem solchen ehrwürdigen Alter ist nicht zu vergleichen mit den gewöhnlichen Märkten, wie sie an manchen Orten bestehen oder sogar erst in der Scheinblüte­zeit der Rachkriegsjahre eingerichtet worden sind, von deren Existenz meist nur die nächste Um­gebung Kenntnis hat: nein, er ist eine jahrhun­dertalte Einrichtung, die weit und breit im Hessenlande und darüber hinaus bekannt ist. Seine Anziehungskraft hat sich noch jedes Jahr bewährt und ihn zu einem Stelldichein des vorderen Vogelsberges, der Ra­benau, der nördlichen Wetterau, des Busecker Tales, ja sogar des Ebsdorfer Grundes werden lassen.

Gallusmarkt in Grünberg, das heißt, den Schwerpunkt des oberhessischen Wirtschaftslebens für zwei Tage in diese beschaulsich-fleihige Klein­stadt verlegen, heißt für ein halbes Hundert Dörfer und Städte ein einziges -Ziel haben, wohin zu pilgern man sich das ganze Jahr über ge­rüstet hat, heißt für Grünberg selbst, das große Fe st des Jahres feiern, das nach der zu einem Worte gewordenen Antwort eines Grün­berger Schulbübleins mit zu denhohen christ­lichen Festtagen" zu rechnen ist. Vielleicht ist dies nur eine Sage, dann aber gewiß von jemand erdacht, der die große Bedeutung kennt, welche die Märkte für Landstädkchen haben, die sonst gegenüber den größeren Städten etwas zurück­treten und nur durch solch ein Ereignis mit einem Male der Mittelpunkt einer Welt werden.

Und ein solch wichtiges Ereignis ist dieser Gallusmarkt. Das weiß man in Grünberg und schon lange vorher scheint die Stadt von jener Unruhe erfaßt zu sein, die den großen Festen vorauszugchen pflegt. Besonders die Grün­berger Geschäftswelt trifft eifrig Vorbereitungen, um für den Markt ge­rüstet zu sein und den Marktbesuchern mit allem dienen zu können. Gerade für sie sind die Markt­tage in wirtschaftlicher Hinsicht von großer Be­deutung. Hauptsächlich Gastwirtschaften, Mötzge- reien und Bäckereien müssen an den beiden vor­hergehenden Tagen mit Hochbetrieb arbeiten, um Vorräte zu beschaffen und neben ihrem eigenen Personal müssen sie an den Markttagen noch Hilfskräfte einstellen, um allen Anforderungen genügen zu können.

Interessant ist ein Gang am Dienstagabend dem Vorabend des Marktes, durch die Stadt, da erblickt der Beschauer in den Mehgerläden kunstvoll gelagerte Berge von Fleisch- und Wurst­waren (alles e Griewe") und bei den Bäckern in großer Menge die als Marktstück so beliebten Eierweck.

Diese großen Vorbereitungen sind nötig, um die Wünsche der Lausende nach vorsichtigen Schät­zungen oft 12 000 bis 15 000 Besucher befrie­digen -zu können, für die der Gallusmarkt das große Fest des Jahres bedeutet. Das ist ein unaufhörliches Zuströmen von Menschen vom frühen Morgen an, zu Fuß, mit Rad, Auto oder mit der Bahn kommen sie herbei. Läßt doch die Dahn außer den verstärkt fahrenden fahrplan­mäßigen Zügen noch Extrazüge zur Bewältigung des Massenverkehrs laufen, sie hat sogar in ent­gegenkommender Weise für dieses Jahr die Be­nutzung von Sonntagsrückfahrkarten an den bei­den Markttagen eingeführt. Unaufhörlich ergießt sich ein Menschenstrom durch die Straßen der Stadt, in den Geschäften drängt sich die Menge der Käufer und der Markt auf der Käswiese ist

bis in die späten Abendstunden stets mit einer dichten Menschenmenge bevölkert.

Für viele freilich geht es um sehr reale Dinge, die sie ihre Schritte zum Markte lenken läßt. Hier geht es um das rote Vogelsberger Rind, pm Pferde, um das grunzende. Ferkel oder um Winterkleidung und warme Schuhe. Diese Dinge bringen den Landmann nach beendeter Herbst­arbeit zum Gallusmarkt, ihr Absatz oder Ankauf wird hier vorgenommen und nach glücklich be- endetem Geschäft ergibt sich alles andere von selbst. Daneben sind jedoch viele andere, besonders die Jugend, die einmal den Marktrummel miterleben wollen. Dazu bietet ja gerade der Gallusmarkt mit seinen vielen Schaubuden undden Vergnügungen aller Art gute Gelegenheit. Das ist der Tag, an dem selbst der sonst zurückhaltende Landmann es sich auch ein­mal was kosten läßt. Lockerer als sonst sitzt das Geld in der Lasche und mit den das Gewissen beschwichtigenden Wortens eas nur emol Gall- mährt" wird es leichter als sonst ausgegeben. Es wird gut gegessen, dazu manches Glas in lustiger Runde mit Freunden und Bekannten geleert, alte Freundschaften werden erneuert und neue ge­schlossen, die Jugend huldigt eifrig dem Tanze, wozu an mehreren Plätzen Gelegenheit geboten ist, ganz abgesehen von Len vielen Vergnügungen, welche Die Schaubuden, Karussells, allerlei Künst­ler, Sänger und Musikbanden bieten.

Wer selbst einmal das Leben und Treiben auf dem Marktplätze, in den Straßen, Läden und Gasthäusern der Stadt und auf dem Markte vor der Stadt beobachtet hat, der wird verstehen, was gerade dieser Markt für Grünberg bedeutet und warum er sich bei den Bewohnern der Um­gegend einer solchen Beliebtheit erfreut, dem ist auch ferner begreiflich, daß die Stadtverwal­tung und die Markttommission alles tun, um ihrenGallrnarkt" in seiner Bedeutung zu er­halten und weiter auszubauen suchen.

Wenngleich der eigentliche Markt heute nicht mehr -die Beschickung aufzuweisen hat wie in früheren Jahrzehnten, eine Erscheinung, die ja bei allen Jahrmärkten zu beobachten ist, so ist der Gallusmarkt wohl neben dem Ortenberger Kalten Markt" doch der größte Markt in Oberhessen. Eine Vorbedingung dazu ist auch in der günstigen Lage Grünbergs gegeben, da es durch seine Bahnverbindungen der wirt­schaftliche Mittelpunkt im Berührungsgebiet der drei oberhefsischen Kreise Gießen, Alsfeld und Schotten ist. So war beispielsweise der vorjährige Schweinemarkt mit über 1 0 0 0 Ferkeln be­fahren und der Krämermarkt wies an­nähernd 15 0 Stände auf, beides stattliche Zah­len in der heutigen Zeit, wo die modernen Ver­kehrsmittel. vor allem das Auto, eine leichte und bequeme Belieferung selbst der kleinsten Dörfer mit allen möglichen Dingen gestatten.

Der Verlauf des diesjährigen Gallusmarktes spielt sich in folgender Weise ab: Am Sonntag­abend ist unter Mitwirkung der Grün erger Ver­eine ein Heimatabend in der Turnhalle vorgesehen. Dienstagabend findet nach einem Platzkonzert der Feuerwehrkapelle auf dem Marktplatz und einer Ansprache des Bürgermeisters auf dem Rathause die Hissung der Marktfahne in den Stadtfarben (blau-weiß­rot) statt. Dieser alte Brauch besagt, daß die Stadt drei Tage unter Marktrecht steht, ü. a. bedeutet dies, daß auf dem Markte den Anord­nungen des Marktmeisters und seiner Gehilfen, deren Amtswürde durch das Tragen eines langen Säbels gekennzeichnet ist, Folge zu leisten ist, ferner, daß die Polizei st unde für die Dauer des Marktes aufge­hoben ist. Ter Mittwoch, der Hauptmarkttag, bringt am Morgen Pferde-, Rindvieh- und Schweinemarkt, außerdem ist an diesein Tage und

auch am Donnerstag Krämermarkt und Volks­belustigung. Auf ein ganz besonderes Ereignis des diesjährigen Gallusmarktes sei noch hinge­wiesen. Der Marktkommission ist es gelungen, den Frankfurter Rundfunk für den Grünberger Gallusmarkt zu inter­essieren. So sollen besonders wirkungsvolle Szenen von dem Leben und Treiben auf den: Markte auf Schallplatten ausgenommen werden, die in einem geplanten großen hessischen Heimat­abend, den der Rundfunk zu Beginn des nächsten Jahres durchzuführen gedenkt, sich sicherlich wir­kungsvoll einfügen werden. Erwähnt sei auch, daß die Stadt während der Markttage, wie dies schon seit einigen Jahren üblich ist, reichen Flaggen- und Wimpelschmuck tragen wird. Selbstverständlich fehlt auch nicht die all­jährlich übliche Gallusmarkt-Lotterie, deren Lose in diesem Jahre zu einem viel billige­ren Preise zu haben sind und bei der die Ziehung am Sonntag danach erfolgt, an welchem Tage auch als Ausklang des Marktes auf dem Jux­platze die Abschiedsvorstellungen gegeben wer­den. K. W.

Krastpost Sonderfahrten zum Gallusmarkt.

Die Reichspost läßt zum Grünberger Gal­lusmarkt am Mittwoch, 9. November, mit gro­ßen Personenkraftwagen nachstehende Sonder­fahrten ausführen:

Preis

Ab Weitershain

8.45

10.00

0,80

Bernsfeld

8.52

10.07

0,70

Atzenhain

9.06

10.21

0,40

Lehnheim

9.16

10.31

0,25

An Grünberg

9.26

10.41

Ab L a u b a ch

11.40

12.45

0,70

Wetterfeld

11.52

12.57

0,50

Kreuz (b. Münster)

12.00

13.05

0,40

An Grünberg

12.10

13.15

Zur Rückfahrt halten die Wagen in Grünberg auf dem Marktplatz in der Stadt. Die Rückfahrt wird jeweils nach Bedarf angetreten.

Außer auf vorstehenden Strecken werden nach Bedarf auf der Strecke Ulrichstein Mücke und zurück Mehrfahrten mit Bahnanschluß eingelegt.

Wahlkampf-Ausklang in Gießen.

Christlich-sozialer Dolksdienst.

Man berichtet uns: Am Donnerstag fand im Saale des Vereinshauses Mestanlage eine sehr gut besuchte erweiterte Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Gießen des Christlich-sozialen Dolks- dienstes statt. Prof. Koch und Postassistent Rorth sprachen über:Die Aufgabe der evan- gelischen Christenheit für unser Volk bei der be­vorstehenden Reichstagswahl."

Professor Koch führte u. a. aus, bei aller Un­klarheit der politischen Verhältnisse und bei aller Verwirrung der Begriffe sei es doch so weit ge­kommen, daß etwa zwei Drittel aller Parteien in irgendeiner Form das Christentum für sich in Anspruch nehmen. Das geht jedoch neben einer noch nie so stark wie heute hervorgetretenen öffent­lichen Christentumsseindschaft her. Als stärkste Ausbreitung dieser Tendenzen könne man auf der einen Seite die Gottlosenbewegung, auf der an­deren Seite den Tannenbergbund anführen. Dem­gegenüber sei erfreulicherweise ein Erwachen von ehrlichem christlichem Delennermut auf Seiten der heutigen Reichsregierung sestzustellen. Doch könne man hier das Bedenken haben, daß es sich z. T. um ein nur traditionelles Christentum handele, sonst hätte die Regierung nicht in sozialwirtschaft­licher Hinsicht versagen formen. Was wir brau­chen, sei ein neues, treibendes und drängendes, wieder Urchristentum-gemäßes Christentum. Ur­christentum als Aufgabe, das sei der tiesste Sinn und Ruf desVolksdienstes". Es gebe keine Tren­nung zwischen Christ und Staatsbürger. Cnkschei- dunngen, die ein Christ treffe, fielen sehr oft an­ders aus, als wenn sie von einem Richt-Christen getroffen würden. Dem öffentlichen Leben könne heute nur geholfen werden, wenn christlicher Glaube in es hineingetragen würde.

Zum Schluß beleuchtete Postassistent Rorth die heutigen außen-, innen- und wirtschaftspoli­tischen Verhältnisse und ermahnte, am 6. Rovem- ber zusammenzuhalten als solche, die wissen, was sie ihrem Vaterlands schuldig sind.

Wahlkundgebung der Eisernen Front.

Die Ortsgruppe Gießen der Eisernen Front ver­anstaltete gestern abend im Cas6 Leib eine Wahl­kundgebung. Als erster Redner sprach Wilhelm Eggert vom Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerk schaftsbundes. Er führte u. a. aus: Noch sei das kapitalistische System am Ruder, dessen Vertreter die Meinung vertreten, daß die gegen­wärtige Not eine Folge der hohen Lasten der deut­schen Wirtschaft sei. Dem müsse entgegengehalten

werden, daß die Krise eine Weltwirtschaftskrise und Krise des privatkapitalistischen Systems grundsätz­licher Natur darstellt. Das Ende dieses Zustandes könne vom konjunkturwissenschaftlichen Standpunkt aus nicht abgesehen werden. Die Forcierung der Produktion sei lediglich Belastung des Wirtschasts-

Wählt alle!

Die wichtigste Forderung des morgigen Wahltags ist, daß sämtliche wahlberechtigten ihr Wahl recht als Wahl pflicht ansehen und trotz der häufigen Folge von Wahlen nicht wahlmüde werden. Ent­scheidungen von größter Tragweite haben die wahl­berechtigten morgen durch den Stimmzettel zu fällen, verantwortungsbewußte Wähler wer­den sich deshalb vornehmen:

Llnbedingt wählen!

lebens, wenn der Absatzmarkt nicht gestärkt werden könne. An den vier Millionen Arbeitslosen, die seit zwei Jahren ohne Beschäftigung seien, dürfe keine Regierung vorübergehen. Die Kontingentierungs­politik müsse als Unmöglichkeit angesehen werden. Um Wandel zu schassen, müsse wieder eine arbeits­fähige Mehrheit im Reichstag fein. Der deutsche Ar­beiter müsse sich einigen. Die organisierte Arbeiter­schaft müsse wissen, um was es gehe. (Beifall.)

Sodann sprach Oberregierungsrat Ritzel. Er be­faßte sich zunächst mit der Rede des Reichskanzlers, die unmittelbar vor der Versammlung im Rund­funk zu hören war. Der Kanzler habe von natio­naler Sammlung gesprochen. Die SPD. lehne es ab, sich nationale Gesinnung bestreiten zu lassen. In der Verfassung stehe, daß die Regierung des Vertrauens des Reichstages bedürfe. Eine autoritäre Regierung, wie die Regierung sie wolle, wider­spreche der Verfassung. Hitler habe, so führte der Redner u. a. weiter aus, die Lauen aufgerüttelt, die eines Tages in das Lager des Marxismus ab­wandern würden. Der Marxismus wolle nicht Klas­senkampf, sondern Klassengleichheit. Die autoritäre Regierung sei nicht die Vertretung des Volkes. Der Reichstag sei als Vertretung berufen und die Re-

Viele erkälten sich...

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Leitung:Tanzlehrer Schneidt,Laubach Eintritt: Herren Mk.1.00, Damen Mk.0.75 Musik: Reichswehrkapelle, lnk. Regt.15 Im Restaurant ersklassige Stimmungs­kapelle. Beste Humoristik.Zivile Preise 7197D Es ladet freundlichst ein: HERMANN EIERTÄNZER

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