Ausgabe 
5.8.1932 Erstes Blatt
 
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lizei nimmt daher an. daß die Bombe mit Z e k t - Zündung versehen war.

Oie Vorfälle in Königsberg.

Königsberg, 5. Aug. (WTB. Funkspruch.) Wie die Polizeibehörde mitteilt, ist der am 1. August beabsichtigte Anschlag gegen das Gewerkschaftshaus aufgeklärt worden. Die Akten gehen heute der Staatsanwaltschaft zu. Es sind acht Täter, die angaben, SA.°Leute vom 12. Sturm zu sein; unter ihnen befindet sich auch der Sturmführer.

Auch eine vollendete und vier versuchte Brandstiftungen am 1. August in Königs- berg°Calthof haben ihre Aufklärung gefunden. Die Akten gehen ebenfalls der Staatsanwaltschaft zu. Festgenommen sind 13 Täter, die angeben, ebenfalls dem Sturm der 12. SA. anzugehören. In der vergangenen Aacht wurden mehrere Stra- ftenviertel durch die Polizei planmäßig beobachtet. Hierbei erfolgte ein Lleberfall von etwa 40Personen auf zweiDeamte in vil. Es wurden insgesamt fünf Personen fest­genommen, die sämtliche im Besitz von Waffen waren.

OerVölkische Beobachter" verlangt Notwehrrecht für die SA.

München, 5. Aug. (CAB. Funkspruch.) Der Völkische Beobachter" fordert Standrecht gegen die ..roten Mordhorden" und Aotwehrrecht für die SA. Die verzweifelten Ausbrüche des Bolkszorns, heißt es, gegen die gei­stigen Urheber der roten Mordhehe sollten den zur Zeit verantwortlichen Trägern der Staats- gewLlt klar zum Bewußtsein gebracht haben, daß man mit »paritätischer" Behandlung in Ausnahmezeiten nicht mehr durch- kommt. Es müsse einmal festgestellt werden, daß es ein Unterschied sei, ob sich Waffen in den Händen von Nationalsozialisten oder in den Hän­den marxistischer Verbrecher befänden. Es käme aus die Gesinnung und nicht auf den Tatbestand an. Angesichts des Versagens einer schon rein zahlenmäßig nicht ausreichenden Polizei müsse die Bewaffnung deran­ständigen Elemente" verlangt werden. Allein im letzten Monat, so heißt es dann, habe die ASDAP. 28 Tote und etwa 200 Verletzte zu beklagen.

Sozialdemokratische Beschwerde bei Or. Bracht.

D e r l i n, 5. Aug. (LU., Funkspruch.) Die Vor­sitzenden der SPD. Otto We l s und Hans Vogel führten, wie derVorwärts" berichtet, am Donnerstag bei Dr. Bracht schärfste Be­schwerden über den nationalsozialistischen Terror in Ostpreußen, Schleswig-Holstein und anderen preußischen Landesteilen. Sie betonten das Recht der Notwehr im Sinne des Gesetzes und die Notwendigkeit für die repu­blikanische Bevölkerung zu Mitteln des Selbstschutzes zu greifen, wenn der Schuh des Staates versage. Der stellvertretende Reichs- kommissar habe bekannt, daß er die Gefahr sehe und erklärt, er sei bemüht, ihrer Herr zu werden.

Mord in einem Chemnitzer Caf6.

Chemnitz, 5. August. (WTB. Funkspruch.) 3m Cafs Herold, das als Verkehrslokal der NSDAP, gilt, wurde heute nacht «der 31jährige Dentist Krebeck von einem unbekannten Täter durch einen Kopfschuß so schwer verletzt, daß er kurz nach der Einlieferung in das Krankenhaus ft a r b. Wie dazu amtlich mitgeteilt wird, wur­den die Gäste in dem betreffenden Caf6 von zwei unbekannten Personen, die vorher gemütlich chr Bier getrunken hatten, plötzlich mit vorge­haltenem Revolver aufgefordert, die Hände hochzuheben. 3n dem darauffolgen, den Handgemenge erhielt der Dentist von einem der beiden Unbekannten einen Schuß in den Kopf. Die Täter, von denen einer durch einen Wurf mit einem Bierglas verletzt wurde, konnten zunächst entkommen; später aber wurde der Ver­letzte aufgegriffen und fest genommen. Die Ermittlungen über die Parteizugehörigkeit der Täter haben noch nicht zu einem Ergebnis geführt.

Aufregende Verbrecherjagd in Stettin.

Aus aller Welt.

Haftbefehl gegen Heinrich Lklar;.

3m Mai 1926 wurde Heinrich Sklarz wegen vollendeten und versuchten Betruges, wegen Un­treue und Erpressung zu einem 3ahr sechs Monaten Gefängnis, 50 000 Mark Geldstrafe und drei Jah- ren Ehrverlust verurteilt. Sklarz hat die Strafe aber bisher nicht verbüßt, obwohl ihm das Schöffenge­richt Berlin-Mitte keine' Bewährungsfrist zugebil­ligt hatte. 3n den letzten Jahren hatten die Natio­nalsozialisten und Deutschnationalen verschiedentlich Anfragen an die Regierung im Preußischen Land­tag gerichtet, warum Heinrich Sklarz seine Strafe nicht abzusitzen brauche. Wie die Telegraphen-Union erfährt, ist nunmehr Heinrich Sklarz nach sechs Fahren zum Strafantritt aufgefor­dert worden. Da er sich nicht freiwillig gestellt hat, ist jetzt Haftbefehl zwecks Verbüßung seiner Strafe erlassen worden.

Internationale Warenhausdlebe beim Saison-Schluh-Verkauf in Berlin.

Mit Beginn des Berliner Saison-Schlußverkaufes ist eine große Zahl internationalerWaren- hausdiebe in Berlin eingetroffen, die sofort ihre Tätigkeit ausgenommen haben. Der Kriminalpolizei ist es bisher gelungen, 15 Personen festzu- nehmen. Es hat sich herausgestellt, daß diese eigens zum Berliner Schlußverkauf aus anderen europäischen Hauptstädten, wie Warschau, Buda­pest, Prag, Stockholm und selbst aus Helsingfors nach Berlin gekommen sind. Der Streifendienst der Kriminalinspektion war schon vom ersten Tage des Saison-Verkaufes an verstärkt worden, da man aus der Erfahrung der vergangenen 3ahre wußte, was 311 erwarten war.

Die Anklage gegen den Aeuyorker Bürgermeister Jimmy Walker.

Nach einer Meldung aus Albany (New Verseh) hat der Richter Seaburh an den Gouverneur Franklin Roosevelt eine Erklärung gerichtet, in der er die Verteidigungsargumente des Bür­germeisters von Neuhork, Jimmy Walker, gegen die Anklagen, daß er Bestechungsgelder angenommen habe, zurückweist und ihn in allen Punkten für schuldig erklärt. Die An­klagen gegen Walker waren im Zusammenhang mit einer Omnibuskonzesfion erhoben worden. Eine Kommission hatte im vergangenen Jahre ausgedehnte Untersuchungen über die Tätigkeit

der Beamten in Neuhork Cith angestellt, von denen viele weit größere Bankkonten besahen, als ihre Einkünfte rechtfertigten. Be­sondere Aufmerksamkeit schenkt man einer Reise Walkers nach Europa und der Frage, wie sie finanziert wurde.

Verschärfung der Streiklage im belgischen Bergbau.

Der Ausschuß der belgischen Bergarbeiter in Brüssel hat die Einberufung eines außer­ordentlichen Kongresses der Bergarbei­ter beschlossen und gegen die Verwendung von Militär in den Kohlengruben protestiert. Dem bevorstehenden Kongreß kommt um so größere Bedeutung zu, als die Bergarbeiter im Zentral­revier des Bergbaugebietes ebenso wie die­jenigen in der Borinage und im Becken von Charleroi die Vorschläge des Arbeits­ministers zur Schlichtung des Konflikts im Bergbau abgelehnt haben. Während in der limburgischen Kohlenindustrie allenthalben die Arbeit wieder ausgenommen wird, beschlossen die Bergarbeiter im Zentralrevier, den Streik fortzusehen und die Verbände der anderen Arbeitnehmer aufzufordern, in einen Solidari­tätsstreik einzutreten. Außerdem richteten sie eine Aufforderung an die Eisenbahner, die Beförde­rung der vom Militär geförderten Kohle zu verweigern. Die Bergarbeiter in der Borinage haben sich ebenfalls für eine Fortsetzung des Streiks ausgesprochen.

Neue Unwetterkatastrophe an der Mosel.

Nach einem Funkspruch aus Derncastel ging über dem Gebiet der Mittelmosel wiederum ein furchtbares Unwetter nieder, das ähnlichen Schaden anrichtete, wie die Unwetter- katastrophe vor einigen Wochen. In kürzester Zeit waren Weinberge und Felder über­schwemmt. Rebstöcke und Weinbergspfähle wurden von den Wassermassen mitgerissen und die Berge ihrer Schieferbedeckung entblößt. Die Weinernte ist streckenweise bis zur Hälfte ver­nichtet. Der Schaden läßt sich noch nicht an­nähernd übersehen. Die Reichsbahndirektion Trier teilt mit, daß die Strecke Wengerohr BerncastelEues bei Lieser-Mülheim von Erd- und Wassermassen überschwemmt worden sei, so daß der Zugverkehr unterbrochen wurde. Das Gleis konnte jedoch bald wieder freigelegt werden.

Zur Auflösung des Kreises Biedenkopf.

Klagen aus dem südlichen Teil des Kreises.

'J.Wald-Girmes, 4. Aug. Im letzten Frühjahr wurde, wie erinnerlich sein dürfte, von Biedenkopf aus Propaganda dafür gemacht, daß der Kreis Biedenkopf als ein geschichtlich gewordenes Ganzes unbedingt bestehen bleiben müsse. Im Süden des Kreises ist man aber anderer Meinung. Die Bewohner der zehn Dörfer in dem südlichen Zipfel, die man 1866 dem Kreise Gießen abgenommen und künstlich dem Kreise Biedenkopf angehängt hat, haben sich niemals als Hinterländer ge­fühlt. Die meisten in den Dörfern werden zu Grabe getragen, ohne jemals ihre Kreis­stadt Biedenkopf gesehen zu haben, lind wer sie aus dem Süden geschäftlich sehen muß, der weiß, mit welchen Umständen er die 40 bis 50 Kilometer weite Wegstrecke oder die 65 bis 75 Kilometer Bahnfahrt über Gieße nM a r- burg zurücklegt. Geographisch und wirtschaft­lich gehören die Dörfer nach Gießen bzw. drei (Hermannstein, Raunheim und Waldgirmes) nach Wetzlar. Seit 1905 sind die drei Dörfer dem Amtsgericht Wetzlar zugeteilt, sie gehören dort­hin zum Steuer-, Finanz- und neuerdings zum Katasteramt. In der amtlichen Schlachtvieh­beschau ist der Kreistierarzt von Wetzlar zu­ständig, während in R e n t e n s a ch e n der Kreis­arzt in Biedenkopf maßgebend ist. Cs ist vor­gekommen, daß Invaliden ihre Arbeitsfähigkeit wieder anmeldeten, Arbeitslohn und Invaliden­

gelder über ein halbes Jahr zusammen ein­strichen, weil sie sich die weite Reise nach Bieden­kopfnicht getrauten", und die Dinge ruhig schliefen, bis im nächsten Jahre der Herr Kreis­arzt gelegentlich der 3mpfung nach dem Rechten sah.

Run kommt für die südlichen Dörfer des Kreises Biedenkopf die sehr überraschende Nachricht, daß der Kreis Biedenkopf als Ganzes dem Dill­kreis mit dem V e r w a l t u n g s s i tz Dil­lenburg zugeteilt wird. Dabei kommt der Süden des Kreises aus dem Regen indieTraufe. Wenn dann ein Ziegenböckchen im Biebertal oder in seinem Hinterland angekört werden muß, haben die drei Herren der Kör- kommission von Dillenburg gerade so weit, wie die von Biedenkopf, und die Bevölkerung.muh den umständlichen und kostspielen Weg über Gießen und Wetzlar zur Kreisstadt Dillenburg machen. Gerade so gut, wie man nach der Revo­lution Teile von Thüringen (Koburg u. a.) Bayern zugeteilt hat, so sollte man doch jetzt auch endlich bei der großen Veränderung der Preuhenkarte den südlichen Teil vorn Kreis Biedenkopf wieder an Gießen, bzw. drei Ge­meinden nach Wetzlar angliedern.

Wie aus der gestern bereits veröffentlichten amt­lichen Mitteilung heroorgeht, kommen neun Orte des südlichen Teils des bisherigen Kreises Bieden­kopf zum neuen Kreis Wetzlar, womit die Wünsche der Bevölkerung dieser Orte ihre Erfüllung finden dürften.

Ein Toter, mehrere Verletzte.

Stettiner Reichsbankbeamte beobachteten dieser Tage einen Mann, der mehrere Kassenboten von Stettiner Firmen, die Geld abgehoben hatten, auf der Straße verfolgte. Als ein Polizeibeamter den Mann festnahm, um feine Personalien festzustel­len, riß dieser sich los und gab einen Schuß auf den Beamten ab, der einen Fußgänger schwer verletzte. Der Verbrecher flüchtete in die be­nachbarte Ortskrankenkasse, von wo aus er über den Hof in eine andere Straße gelangte. Dort hielt er eine Kraftdroschke an und zwang den Chauffeur mit dem Revolver, ihn zum Bahnhof zu fahren. Inzwischen nahm das Ueber- fallkommando in einem Kraftwagen die Ver­folgung der Kraftdroschke auf, wobei es den Verbrecher beschoß. Dieser erwiderte das Feuer und verletzte einen Polizeibeamten schwer. Erst als der Verbrecher mehrmals getrof­fen war, hielt der Chauffeur an. Zur großen Ueberraschung der Polizeibeamten fand man in der Kraftdroschke noch eine Dame aus Sellin, die zum Dampfschiffbollwerk fahren wollte, als der Verbrecher die Droschke anhielt. Wahrschein­lich, um sich das Reisegeld zu beschaffen, hat der Verbrecher während der Fahrt von der Dame mit dem Revolver die Herausgabe von 2 0 0 Markerzwungen. Glücklicherweise blieb die Dame bei der Schreckensfahrt unverletzt. Gleich nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus ist der Verbrecher seinen Verletzungen erlegen.

Auch bei der endgültigen Festnahme des Ver­brechers spielten sich aufregende Szenen ab. Der Chauffeur, den der Verbrecher durch Bedrohung mit dem Revolver in seine Gewalt gebracht hatte, hielt, als er einem Fuhrwerk aus- weichen mußte, plötzlich an und flüchtete in ein benachbartes Geschäft. Der Verbrecher blieb zu­nächst im Wagen, beschoß die herankommenden Verfolger und verletzte dabei noch mehrere Fußgänger. Er flüchtete dann auf einen Hof, erkletterte dort eine Mauer und konnte erst nach abermaligem Feuergefecht überwäl­tigt werden. Bei dem Täter handelt es sich um den früher in Garsten in Oesterreich wohnhaften 32jährigen Nikolaus S t a r 0 ch. Das Ueber- fallkommando hatte während der Verfolgung auf vem Paradeplatz einen Radfahrer überfahren; anch dieser wurde schwer verletzt.

Aus der proviuzialhaupifiadt.

Gießen, den 5. August 1932.

OaS Gebot der Stunde.

Das Gebot jeder Stunde kann nur die For­derung sein: Ruhe sie! Es gibt naturgemäß Stunden, die ein gesteigertes Maß von Einsatz fordern, und andere wieder sind schon durch eine kleinere Leistung so erfüllt, wie es ihr Zweck und Ziel heischten. Aber trotzdem bleibt immer und in einem vorbestimmten Umfang jede Minute kostbar, weil sie von keiner Ewigkeit zu­rückgegeben werden kann. Sie ist mit ihrem Ab­lauf unwiederbringlich dahin, und noch so viele Vorwürfe oder Vorsätze können dem Versäum­ten nachträglich keine bessernde Hand angedeihen lassen. Langes Nachtrauern und Entschlußlosig- keit haben deshalb nicht nur keinen Wert, sie nehmen vielmehr den neuen Minuten und Stun­den die Kraft, sie zu nutzen. Denn jede Stunde hat einen anderen inneren Gehalt, der vielleicht nur ihr allein innewohnte. Man spricht dann in neuerer Ausdrucksweise unter Umständen von derChance des Lebens", die möglicherweise dasGroße Los" war, das die Götter in jedem Dasein nicht allzu häufig zweimal auf dieselbe Nummer fallen lassen.

Wie auch das Gebot einer Stunde empfunden werden mag, im Leben eines Volkes und des einzelnen, das Handeln wird in jedem Falle einem langen Hin und Her vorzuziehen fein. Denn ..Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen", selbst wennmorgen auch noch ein Tag ist". Rasche Entschlüsse, die in einer Form das Wesentliche anpacken, das sich als solches erkennen läßt, biegen meist dem Unge­heuer die gefährliche Spitze ab, die durch Zau» dem zu einem schleichenden Liebel werden kann, an dem dann ewig herumgedoktert wird, dessen Krankheitserscheinungen vielleicht auch äußerlich 3um Verschwinden gebracht werden, das aber im Mark oder im Blut weiterfrißt und einen Kräfteschwund zur Folge haben muß. Wie der Arzt manchmal mit einem sofortigen Eingriff Über Leben und Tod in günstigem Sinne den entscheidenden Schritt tut. Die folgende Stunde hätte ihm diese Entscheidung vielleicht schon aus der Hand entwunden.

Das Gebot einer Stunde wird auf den ersten Blick nicht einmal immer als das empfunden, als was es sich in seinem Enderfolg herausschält. In dieser Hinsicht gibt es eine Menge Sprich­wörter, die den Begriff desblinden Huhns, das ein Korn gefunden hat" nach den verschieden­sten Richtungen hin ausdeuten. Damit soll nicht gesagt sein, daß der Verlaß auf den Zufall das einzige Kom fein müßte, aus dem sich ein frucht­bringendes Etwas entwickeln dürfte. Die größten Erfindungen sind zwar Zufallsprodukte in ihrem Endresultat, aber ohne eine mehr oder weniger lange Reihe vorhergegangener Experimente un­denkbar. Die Ordnung aller Dinge im All ist Naturgesetz.

Das Gebot der Stunde soll in der Regel die Probe auf ein Exempel machen. Wer in allen Sätteln gerecht und in allen Wassern gewaschen ist, wird in maßgebenden Augenblicken nicht eine Sekunde Atembeklemmungen verspüren.Frisch gewagt ist halb gewonnen" ist ein Wahlspruch, der sich die Sporen im Laufe der Weltgeschichte millionenfach verdient hat.Nur dem Mutigen gehört die Welt", dec den Mut zu sich selbst

Denn das Gebot der Stunde wird immer den Einsatz der Persönlichkeit fordern. Kig.

Vom Nutzen der Wälder.

Wer im Sommer im Schatten des Waldes Kühlung und Erholung sucht, empfindet gefühlsmäßig, wie wichtig es ist, daß wir in unserem Lande genügend Wälder mit altern, gesundem Baumbestand haben. Der Waldbesitzer ist sich dagegen des Nutzens seines Waldbesitzes nicht immer genügend bewußt. Große alte Kulturländer sind teilweise deswegen zugrunde gegangen, weil man die Wälder abgeholzt und da­durch die Wasserreservoire vernichtet hat, die das nahrungbringende Kulturland im Sommer vor Dürre, im Frühjahr vor Ueberschwemmung schützten. Die Entwaldung der Berge hat dort die Ebenen unfruchtbar gemacht, und man muß heute mit großer Mühe und hohen Kosten neue Wälder anlegen, um allmählich das verödete Land wieder der Ackerkultur zu erschließen.

Der Ertrag des neu angelegten Waldes kommt freilich meist erst späteren Generationen zugute.

Darum sträuben sich die privaten Landbesitzer oft gegen die Aufforstung, und sie sind, wenn sie sich in einer wirtschaftlichen Notlage be- finden, nur allzu leicht geneigt, die ihnen ge­hörenden Walder vorzeitig abzuholzen. Der Staat muß ihnen gegenüber ost die Interessen der All­gemeinheit wahrnehmen und dafür sorgen, daß der Wald erhalten bleibt und daß geeignete, heute brachliegende oder unfruchtbare Boden- gebiete ausgeforstet werden. Denn je mehr Wald in einem ackerbautreibenden Lande vorhanden ist, desto besser entwickelt sich die Bodenkultur. Die Wälder geben dem Kulturlande Schuh gegen die den Boden austrocknenden und verwehenden Winde. Sie sammeln in ihrem Wurzelwerk das aus den Niederschlägen stammende Wasser und geben es dann in der trockenen Sommerzeit an die tieferliegenden Aecker wieder ab. Sie schützen diese aber auch in den regenreichen Jahreszeiten vor Ueberschwemmungen. Die ganze Landwirt­schaft eines Landes ist also daran interessiert, daß die Wälder erhalten bleiben und daß über­all, wo es möglich ist, neue angepflanzt werden.

Der Nutzen der Wälder ist gewiß nicht für jeder­mann leicht zu erkennen. Aber Erfahrung und Ge­schichte lehren die Menschen, wie unentbehrlich ihnen der Wald ist. Wenn man von den ungeheuren Wasterkatastrophen liest, die alljährlich in so dicht­bevölkerten alten Kulturländern wie China und In­dien viele Tausende von Menschenleben vernichten, so fragt man nach den Ursachen dieses periodisch eintretenden und mit großer Dürre abwechselnden Wasserüberflusses. Die Abholzung der großen Wäl­der in den Quellgebieten der Flüsse ist darum schuld, daß diese zu bestimmten Jahreszeiten so ungeheure Uebeschwemmungen Hervorrufen. Wer den Wald vernichtet, beraubt die menschlichen Siedlungen des Wasserschutzes, den ihnen die Natur gegeben hat. Wenn der einzelne Waldbesitzer die Bedeutung des Waldes für die Bodenkultur nicht genügend kennt oder wenn er kurzsichtig und egoistisch handelt, so muß ihn der Staat daran verhindern, den Eigennutz über das Allgemeininteresse zu stellen.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. VHC.: Monatsoersammlung bei Hopfeld. VfB.: 20.30 Uhr, Vereinsheim, Monats- und Spielerversamm­lung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Kreuzer Emden".

-- Der Kaninchenzucht-Verein @ i e- ßen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Rasfezucht zu fördern, veranstaltet am kom­menden Sonntag im Cafe Ebel eine Werbeschau, mit der gleichzeitig eine Prämiierung stattfin­den wird. Auch Züchter, die nicht dem Vereine angeschlossen sind, können ihre Tiere zur Bewer­tung mitbringen. Näheres ist aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich.

** Goldenes Doktors ubiläum. Ge­heimrat Prof. Dr. König konnte gestern sein goldenes Doktorjubiläum feiern. Die Universität Berlin (an der er 1882 promovierte) erneuerte aus diesem Anlaß sein Diplom. Prof. Dr. Äös;g war Schüler von Helmholtz, dem Altmeister der deutschen Experimentalphysik, er arbeitete in Hei­delberg, habilitierte sich in Leipzig, wirkte dann als Dozent des Physikalischen Vereins in Frank­furt, später als Ordinarius in Greifswald und wurde im Jahre 1905 als Nachfolger Paul Dru- des Leiter des Physikalischen Instituts unserer Landesuniversität. 1911/12 war er Rektor der Alma mater Ludoviciana. Fast ein Vierteljahr- Hundert hat er als Universitätslehrer und ange­sehener Bürger in Gießen verbracht. Neben seiner Lehrtätigkeit widmete er sich mancher gemeinnützi­gen Arbeit. Der Jubilar steht im 73. Lebensjahr.

Gießener Reichswehr zum Tur­nier in Siegen. Gestern abend wurden auf dem hiesigen Bahnhof 30 Mann der Maschinen­gewehrkompanie, drei schwere Maschinengewehre und die notwendige Anzahl Pferde nach Siegen verladen. Die Gießener Reichswehr wird mit diesen Mannschaften in Siegen an einem Reit- und Fahrtournier teilnehmen und dabei neben reitsportlichen Wettkämpfen auch eine große Fahr­übung bestreiten.

** Fundsachen. Das Verzeichnis über die im Monat Juli 1932 gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf-Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufge-. fordert ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Mo­naten oeim Fundbureau während der Dienststunden geltend zu machen.

Oberheffen.

Kreis Friedberg.

* Bad-Nauheim. 4. Aug. Das Ver­kehrsamt des Hessischen Staatsba­des Bad-Nauheim teilt mit, daß der Gesamt- besuchdesDadesim Jahre 1932 16 679 Gäste betrug. Unter den Gästen befanden sich 2844 Aus­länder. Am 4. August verzeichnete das Bad 3026 Gäste.

Die Sängerfahrten nach dem Sängersest.

WSN. Frankfurt a. M., 4. August. Die im Anschluß an das 11. Deutsche Sängerbundesfest statt­gefundenen Sängerfahrten in den Taunus, Spes­sart, Odenwald, die Pfalz, an den Rhein, die Mo­sel, die Nahe, durch den herrlichen Schwarzwald bis an den schönen Bodensee, und die Fahrt nach Ober­bayern bis zu unseren Salzburger Sangesfreunden, sind beendet!

lieber 8000 Teilnehmer konnte der Ausschuß teil­weise mit der Bahn, teils mit Kraftwagen der Reichspost in die herrlichsten Gegenden des deut­schen Vaterlandes schicken. Ueberall, in Hessen, Ba­den, Württemberg, Bayern und in Salzburg san­den die Teilnehmer herzliche Aufnahme, und bei allen Reisen wurden die Sänger von Stadtverwal­tungen und Derkehrsverbänden herzlichst begrüßt. Die Teilnehmer dankten mit dem Sängergruß, und viel zu schnell mußte von den gastlichen Städten geschieden werden. Der Dank für die glückliche Durchführung der Fahrten gebührt an erster Stelle der Reichsbahn-Direktion, der Oberpostdirektion Frankfurt a. M., all den Stadtverwaltungen, den Derkehrsoereinen und den unermüdlichen Führern. Mit herzlichem Dank schieden die einzelnen Grup­pen von der Reiseleitung. Jedenfalls haben die ver­anstalteten Sängerfahrten mit dazu beigetragen, unseren fremden Sängerfreundcv herrliche Teile un­teres schönen Vaterlandes zu zeigen und das deutsche Lied auch außerhalb der Feststadt erklingen zu las­sen.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Gemeinden.

Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 6. August. Vor­abend 7.30 Uhr; morgens 8.30; abends 8.15 und 8.55 Uhr,