Ausgabe 
5.8.1932 Erstes Blatt
 
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Orotf und Verlag: vrLHI'lcht Univ-rxlüwvuch, und LI-mdruck-r-I H. Lange in Sietzen. Lchriftiettung und Scichaf.sft-lle: rchulftratze r.

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ür.182 Erstes vlaü^d |82.Jahrgang Zreitag, 5. August 1932

GiGnerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Landnöten.

Gegen Ende der neunziger Jahre prägte der Dichter Langbehn, dessen Werke in den letzten Jahren eine Auferstehung erlebten und noch ebenso zeitgemäß sind wie vor rund 35 Jahren, den Begriff desA e m b r a n d t d e u t sch e n". In einer Zeit, die den Machtanspruch des Wil­helminischen Staates geistig keineswegs recht­fertigte, in der sich eine flache Part pour lart- Äunft ausbreitete und die äußere Form den Inhalt überflüssig zu machen schien, versuchte Langbehn mit dem Begriff des Rembrandt- deutschen den in der Kultur und der Mystik seines Bolkes wurzelnden Menschen, der aus dem Dunkel der tiefsten und geheimsten Bin­dungen an das Ewige seine Kraft zieht und selbst in den hellsten Werken des Tages noch den Schimmer seiner Tiefe und Herkunft be­kundet, zu zeigen. Man könnte versucht sein, Langbehns Wort zu variieren und angesichts der geistigen Oede und kulturellen Verflachung der heutigen Massen vomHollywo od - deutschen" zu sprechen. Denn während echte Kultur und Kunst aus dem Volkscharakter er­blüht und zu einer Vollendung gelangt, die für alle Völker der Erde gültig ist oder ihnen zumindest Ehrfurcht vor dem Werke abzwingt, hat der von Hollywood her diktatorisch be­stimmte Film innerhalb der letzten zehn Jahre versucht, losgelöst von aller volkhaften Ver­wurzelung allgemeingültige Belanglosigkeiten zu zeigen, die den Zivilisationspöbel von San Fran­zisko ebenso wie den von Kalkutta, Kapstadt, Montevideo. London oder Hamburg für ein paar Stunden von der inneren Leere und Trostlosigkeit seines Daseins ablenken.

Wer sich oom Tonfilm, der die Schauspieler immerhin zwang, in der Sprache ihres Volkes zu sprechen, eine Hebung des Filmniveaus versprochen hatte, wurde bitter enttäuscht. Das Filmgeschehen ooll,zog sich allabendlich vor vielen hunderttausend Zuschauern ganz und gar am Rande der Zeit. Don den bewegenden Fragen der Gegenwart, von den Nöten eines gedemütigten Volkes, von dem unerbittlichen Ablauf großer und überzeitlicher Schicksale war in den meisten Filmen nicht eine Spur enthalten. Dabei waren die wenige Filme, die, ganz gleich, ob ernsten oder heiteren Inhaltes, wirkliche Kunst verkörperten, ein nicht minder gutes Geschäft als der seichte Operettenkitsch und jene öden Militärschwänke, die den deutichen Sol­daten in einer Verfassung zeigten, in der er nicht drei Tage des Weltkrieges ausgehalten hätte. Jetzt aber scheint man sich auch in Deutschland auf seine kulturelle Verpflichtung besonnen zu haben. Die Ufa, Deutschlands größtes Filnrunternehmen, das die geschäftliche Macht besitzt, der Mehrzahl der an­deren Filmunternehmen ihre Linie vorzuschreiben, hat auf ihrer soeben beendeten Generalversammlung ein neues Programm verkündet, in dem es wörtlich heißt:Wir wollen im Film Menschen sehen, die posittoe und klare Ziele verfolgen, die aus charakterlicher Veranlagung den Kamps mit ihrer Umwelt aufnehmen, und die national oder in rein menschlicher Form um ein erstrebenswertes Ziel innerlich ringen und weder durch konstruierte Zufälligkeiten noch durch krumme Wege ihr Ziel erreichten. Ob das in Gestalt eines ernsten Dra­mas, eines heiteren musikalischen Lustspiels ge­schieht, ist gleich. Auf alle Fälle muß es im Zusam­menhang mit der gesamten Strömung der Gegen­wart stehen."

Man kann nur wünschen, daß es bei diesen schönen Worten nicht bleibt, sondern daß der Tonfilm in Zukunft tatsächlich jene Ausgestal­tung erfährt, die ihn zu einem Bestand­teil der deutschen Kultur macht. Das Volk in seiner überwiegenden Zahl ist längst der konstruierten Zufälligkeiten" und derkrummen Wege" überdrüssig. Es will sich im Kino weder langweilen noch gruseln. Es will weder mora­lische Erbauungen vorgesetzt bekommen, noch ein halbseidenes Laster genießen. Es genügt, an die blutvollen Dramen Shakespeares zu erinnern, die zu ihrer Zeit eine ähnliche Aufgabe er­füllten, wie sie heute der Tonfilm hat. um zu ermessen, daß der Film nichts anderes zeigen soll, als das Leben in seiner ganzen blut­vollen Wirklichkeit. Denn nicht an Verstand und wissenschaftlicher Kenntnis fehlt es heute, auch nicht an Gefühl und Tiefe des Gemütes, sondern an der Fähigkeit zu unmittel­barem Erleben, aus dem allein die Kraft 3um Bekenntnis zu absoluten Werten erwächst.

Es darf nicht verschwiegen werden, daß die Kulturkrisis, die sich im Tonfilm widerspiegelt, langst auch so ziemlich alle übrigen Zweige der Kunst ergriffen Hai. Es fehlt die Fähigkeit zur Dememschaftsbildung, es sind erst wieder Ansätze zu jenen Kunstgemeinden vorhanden, die es in Zeiten echter Kultur stets gegeben hat und die ein Kunstwerk nicht nur um seiner selbst willen genießen , sondern denen es eine Offenbarung der göttlichen Kräfte in einer diesseitigen Ge­stalt bedeutet. Wenn der Tonfllm wie auch das Theater dazu beitragen werden, an Stelle des »Massen - Publikums" innerlich mitfühlende und mitschaftende Kunstgemeinden zu bilden, dann wird der Tonfilm auch wieder, wie jede Kunst, eine Aufgabe erfüllen, die über das rein Kul­turelle hinausreicht, weil sie volksbildend ist.

In den letzten Wochen ist in Südamerika ein alter Streit neu entbrannt, der Streit z w i - schen den Staaten Bolivien undPa. raguah, um das Gran Ehaco - Ge­biet. der in seinen Anfängen bis in die Ge­burtsstunde der Selbständigkeit der südamerika- nischen Republiken zurückgreift. Der ursprüngliche Grund dieser neuen Zwistigkeiten liegt in den

Klärung der Krönten nach dem Wahlkampf.

Nationalsozialismus und Kabinett papen.-Welcher wirtschaftspolitische Kurs bestimmt die Zukunft?

Don unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 5. August. Die Katze ist nun aus dem -sack. In einer offiziellen nationalsozialistischen Korrespondenz hat der Abgeordnete K u b e den Siampf gegen Papen, Bracht und Gayl eröffnet. Ob es tatktisch zweckmäßig war, die Kampfziele schon im Anfangsstadium der Ver­handlungen ju enthüllen, wird man erst im wei- teren Verlauf der Entwicklung beurteilen können. Jedenfalls steht nunmehr auch für die Oesfentlich- feit fest, daß die Partei die Entfernung des Kanz­lers und des Reichsinnenministers fordert und daß sie andererseits den General Schleicher als den einzigen Mann in der gegenwärtigen Regierung betrachtet, der nicht zu ihren Gegnern zu zählen ist. Bisher nahm man an, daß das Zentrum gerade in Papen den Stein des Anstoßes bei der Bildung einer parlamentarischen Grundlage für die Reichs­regierung erblicken werde. Es könnte zu einem Umschwung der Stimmung führen, wenn nunmehr die Nationalsozialisten die Herren Papen und Bracht alsgetarnte Zentrumsmänner" bekämpfen. Das könnte beim Zentrum die moralische Ver­pflichtung auslösen, sich in stärkerem Maße schüt­zend vor die Angegriffenen zu stellen als das wohl ursprünglich beabsichtigt worden war.

So ist es also im Augenblick noch sehr schwer, die Kräfteverhältnisse und die Machtpositionen richtig einzuschätzen, die in dem nunmehr wohl sicher entbrennenden und für das deutsche Schicksal entscheidenden politischen Ringkampf zwischen der Gruppe Schleicher und der Gruppe Papen den Ausschlag geben werden. Nachdem die Dinge durch parteipolitiiche Kundgebungen in das Licht der Oeffentlichkeit geruckt wurden, erscheint ein Kom­promiß kaum noch möglich. Man wird also, um ZU den kommenden Ereignissen Stellung nehmen zu können, nach den Hintergründen dieser Gegensätze und dieses Kampfes suchen müssen. Sie liegen, wie wir die Dinge glauben sehen zu müs­sen, in erster Linie auf sozialpolitischem und wirtschaftspolitischem Gebiet.

Gerade zu diesem Zeitpunkt beginnt ausge­rechnet dieDeutsche Allgemeine Zeitung" mit der Veröffentlichung einer Aufsahreihe, die den -Sohn des verstorbenen Jndustrielönigs Stinnes, Edmund H. Stinnes, zum Verfasser hat. Dieser Rachkomme des letzten großen Wirtschafts­individualisten prophezeit eine neue Götterdäm- merung, wenn sich Die Menschheit nicht auf Grund geänderter Voraussetzungen von der Freiwirtfchaft zur Planwirtschaft nach Ablösung des Stimmzettelparlamentarismus durchSammlung des Volkswillens in einer mit außerordentlicher Macht ausgestatteten Zentral­gewalt" zu finden vermöge. Es ist höchst bezeich­nend. daß sich eine Zeitung der Jndustriekreise, wenn auch unter Vorbehalt, entschließen konnte, solchen staatssozialistischenGedanken- gäng-en Raum zu geben. Es sind etwa die staatssozialistischen Gedankengänge, die in den Plänen der Gruppe um Schleicher nach Erfüllung drängen. Auf der andern Seite steht die kon­servative W i r t s ch a f t s a u f f a s s u n g, die in den adligen und landwirtschaftlichen Män­nern des Kabinetts, also in Papen, Gayl, Warm- bold und Braun ihre natürlichen Repräsentanten findet. Die Kräfte, auf die sich Schleicher stützen kann, sind die Reichswehr und einflußreiche Kreise der nationalsozialistischen Bewegung, zu denen vielleicht Hilfstruppen vom christ'ichfozia- len Flügel des Zentrums stoßen könnten. Den Ausschlag in dem Kampf wird aber Hin­

denburg geben. Riemand vermag heute zu sagen, wohin sich die Entscheidung des Staatsoberhaup­tes und seiner besonderen Ratgeber wenden wird.

Koalitionsgespräche.

München, 5. Aug. (ERD. Funkspruch.) Der gestrige Leitartikel desVölkischen Beob­achter" wird heute vomBayrischen Kurier" Qufgcgriffen, der ihn in einem längeren Aufsatz, betiteltRationalsozialistischer Koalitions-Fühler" beantwortet. Darin heißt es, Zentrum und Baye­rische Dolkspartei hätten keine Ursache, heute von Koalitionen zu sprechen.Wir wollen nur feststellen" so schreibt das Blatt -daß

offenbar Der Rationalsozialismus ganz gern be­reit wäre, sich mit Zentrum und Bayerischer Dolkspartei zusammenzutun. wenn diese Parteien so naiv wären, Herrn Hitler die Steigbügel­halter zu machen. And fcftftcllcn wollen wir noch etwas anderes: Der Vorschlag Rosenbergs beweist klar und eindeutig, daß die Rational- fozialisten eine heillose Angst vor der sachlichen Arbeit haben. Die Arbeitsministerien, in Denen wirklich für Das Volk praktische Arbeit geleistet werben muß, die sollen DieSchwarzen" haben. Mit Den politischen Ministerien, welche die Ver­fügung über Die staatlichen Machtmittel bedingen, wollen Die Hitlerleute sich selber beglücken."

der Terror-Notverordnung, zum Vorhaben der Regierung

Vor Erlaß

Berliner Pressestimmen

Berlin, 5. Aug. (ENB.) Berliner Blätter bc- schästigen sich mit Den geplanten Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung Des politischen Terrors. DieD A Z." weist auf Die Tragweite Der von ocr Regierung zu treffenden Entscheidungen hin. Sollte binnen der von der Regierung gesetzten letzten Frist keine Besserung eintreten, müsse d i e Todes­strafe für unrechtmäßige Anwendung und Hand- habung tödlich wirkender Waffen verhängt werden. Nur so könne dem umsichgreifenden Bürgerkrieg Ein­halt geboten werden. Don den Bestimmungen müßten alle für dieses Treiben mitverantwortlichen Streife, ohne Rücksicht auf ihre politische Richtung, gleich­mäßig betroffen werden. Nur durch einheitliche be­schleunigte Aktionen könne die Staatsgewalt ihr schwer in Frage gestelltes Ansehen, den Schutz der friedlichen Bürger und die Staatsordnung retten. Anders als mit drakonischen Maßnahmen könne jetzt nicht mehr durchgegriffen werden.

Germania" undB. T." drücken ihre Ver­wunderung über die zögernde Haltung des Reichs­kabinetts aus. Die große Oeffentlichkeit, so meint bas letztgenannte Blatt, fei der Meinung, daß die Geschehnisse dieser Woche der Regierung soforti­ges Handeln zur Pflicht mache. DieV o s fi­sch e Z t g." bekennt, kein Freund von Sonbergerich- ten und Ausnahmeregeln zu sein, glaubt aber die Feststellung nicht unterdrücken zu können, daß die Reichsregierung sich selbst gegenüber erheblich ge­duldiger sei als gegenüber der früheren preußischen Regierung. DerV o r ro ä r t s" warnt davor, Be­stimmungen zu schaffen, die sich lediglich gegen links auswirken, und betont, daß es sich nicht um ein kriminalistisches, sondern um ein politisches Problem handele. Könne die Regierung von der NSDAP, keine sofortige grundlegende Aenderung ihres Verhaltens erzwingen, so müsse sie im Staats- interesse den Kampf gegen sie aufnehmen. Dej B ö r s e n - E o u r i e r" weist auf die Notwendig­keit hin, daß das geplanteäußerste Mittel" nur dann gerechtfertigt fei, wenn es von einer Macht angewendet werde, die versichert, daß sie keine Parteien kenne und vor der die politische Farbe Des Gewalttäters vollkommen gleichgültig sei.

Berliner Lokalanzeiger" undTag" wissen^oon neuen Erklärungen der Parteileitung der NSDAP, zu berichten, in denen Die politischen Ausschreitungen aufs schärfste mißbilligt werben. Auch wolle Die Parteileitung sich bemühen, die Angehörigen Der SA.-Formationen von solchen

Greueltaten unbedingt abzuhalten. Auf dieser Linie hätten sich Besprechungen bewegt. Die der Beauf­lagte der NSDAP., Hauptmann Göring, mit Mitgliedern der Reichsregierung gestern hatte und in denen er, wie die genannten Scherl-Blätter be­richten, entsprechende Zusagen der Par­teileitung überbracht habe.

Dr. Bracht Witt durchqreifen.

v e r l i n , 5. Aug. (WTv. Funkspruch.) Amtlich. Angesichts der ständigen politischen Ausschreitungen macht Reichskommissar Dr. Bracht erneut darauf aufmerksam, daß er alle Maßnahmen er­greifen wird, die geeignet sind, Leben und Sicherheit zu schützen und daß er unter­schiedslos gegen alle Schuldigen rück­sichtslos oorgehen wird, ganz gleich, ob sie im rechten oder linken politischen Lager stehen. Heber die Ausschreitungen in Schleswig-Holstein hat der Kieler Regierungspräsident einen eingehen­den Bericht an das preußische Innenministerium ge­sandt. Der Regierungspräsident sieht als Ursache dieser Ausschreitungen einerseits die Verhetzung durch die kommunistischen Führer und anderseits die Tatsache, daß zweifellos eine Reihe jüngerer S A.- und S S.-Le ute sich nicht in der Hand ihrer F ührer befinden.

Bombenanschlag auf die Heichsbanknebenftelle Lötzen.

Löhen, 5. Aug. (2DTB. Funkspruch.) In Der Nacht zum Freitag, gegen 1.10 Uhr, wurde auf die hiesige Reichsbank-Rebenstelle ein Bomben­anschlag verübt, vor der hauptsront, hinden- burgstraße, wurde an den Pfeilern, die einen Balkon tragen, eineBombeniedergelegtundzuc Entzündung gebracht. Der Sprengkörper explodierte mit lauter Detonation. Der untere Teil des eisernen Pfeilers wurde beschädigt, die Schei­ben des großen Fensters oom Sassen- raum zertrümmert und durch Splitter in Der Betondecke des Kassenraumes und des Balkons wei­tere Beschädigungen angerichtet, wenige Augenblicke nach der Explosion eilten Passanten und Polizei her­bei, die jedoch in den Zugangstraßen keine ver­dächtigen Personen gesehen hatten. Die Po-

ungeklärten Besihverhältnissen im Ehaco Boreal und in der Tatsache, daß man es damals versäumt hat, sich in diesem unwirtlichen Landstrich Der Mühe einer genaueren Grenzfestset. z u n g zu unterziehen. Die BezeichnungGrüne Grenze" läßt bei uns allzu leicht die Vermutung aufkommen, daß es sich um ein schmales Hoch­gebirge handelt, das die Staaten Dolivia und Paraguay voneinander trennt und daß man bei der Grenzfestsetzung hier einfach die Grenze auf den Kamm des Gebirges verlegt hat. Diese An- nähme ist irrig und gibt von den ganzen Kärnp. fen ein vollkommen falsches Bild. Der Gran Ehaco ist doppelt so groß wie Deutsch­land und liegt zwischen Bolivien, Paraguay und Argentinien. Dieses Gebiet war bis vor kurzem noch so gut wie unerforscht, doch hat man nach seiner Erschließung mit allen Mitteln versucht, hier Kolonisten anzuseyen, um dieses Gebiet, das von einzelnen Forschern als besonders fruchtbar, von anderen wieder nur zum Teil fruchtbar erllärt wird, wirtschaftlich auszubeuten.

Dieser Landstrich der jetzigen Kämpfe ist aber nicht das eigentliche Streitobjekt Boliviens, Denn Die HintergrünDe dieser neuen südamerikanischen Eruptionen sind die Gelüste Boliviens, endlich einmal einen ordnungsmäßigen Zu- gan gentwede r zum Stillen oder zum Atlantischen Ozean zu bekommen. Dis zum Anfang Der achtziger Jahre besaß Bolivien noch den Hafen Antofagasta an der pa­zifischen Küste und war mit diesem Zugang zum Meere zufrieden gestellt, bis es schließlich im Kriege zwischen Chile, Peru und Bolivien damit vom Meere vollständig abgeschnitten wurde. Auf Der Suche nach einem neuen Ausgang für Bo­livien zum Meer ist man jetzt darauf verfallen,

über die Südspihe Paraguays zumRio de la Plata vorzuprellen, um auf diese Weise Den Schiffahrtsweg nach Buenos Aires unD Damit zum Atlantischen Ozean freizubekommen. Es ist ver- stänDlich, Daß Diese Absicht Boliviens auf den heftigstenWiderstandvonParaguay stieß, das Den Ehaco als sein rechtmäßiges Eigen­tum betrachtet und nicht im geringsten gewillt ist, diesen Landstrich der Rachbarrepublik gutwillig zu überlassen. Daran konnten verschiedene Abkom­men, die im Lause der Jahre zwischen beiden Ländern über Den Verlauf der Grenze abgeschlos­sen wurden, nichts ändern. Der Kamps nahm viel­mehr immer schärfere Formen an, bis jetzt schließ­lich Die große Erplosion erfolgte.

Die eigentlichen Hintergründe dieses Konfliktes durften aber in der Tatsache liegen, daß Bolivien in Den letzten Jahren immer mehr unter den Einfluß des nordamerikanischen Ka­pitals gekommen ist und daß man es in diesen Kreisen nicht ungern sieht, wenn der Vorposten Bolivien selbständig in Südamerika Hnrutje stiftet, um dadurch den Plänen Washingtons ent­sprechende Vorarbeit zu leisten. Der Vorschlag der Vereinigten Staaten, zwischen Bolivien und Paraguay einen Nichtangriffspakt schließen zu lassen, kann danach kaum ernsthaft gemeint sein, er ist auch nicht ausgeführt worden. Bolivien fühlt sich in dem ganzen Streitfall als Der Stär­kere. hofft es Doch, daß Die narDamerikanischen Hintermänner Dafür Sorge tragen tocrDen, Den von langer Hand vorbereiteten Zwischenfall zu ihren Gunsten zu regeln. Ob daran der Völ­kerbund etwas ändern kann? Die Herren in Genf werden im Laufe Der Zeit auch hier wie im Fernen Osten sich Darin fügen müssen, Daß schließlich Die angreifende Partei doch ihr Ziel

durchsetzt und Das schwächere LandMit Hilfe des Völkerbundes" unterliegt.

Die Lage in Brasilien.

Die Bundesregierung im Kampf gegen die Ncvolntronäre von Lao Paulo.

Bremen, 4. Aug. (LU.) Das brasilia­nische Konsulat in Bremen erhielt von der brasilianischen Regierung ein Telegramm, das die Lage des Landes klarlegt. Darin wird u. a. gesagt: AlleStaaten unter st ühenent- schieden die vorläufige Regierung und arbeiten mit allen Kräften an Der Unter­drückung des Militäraufstandes in SaoPaulo, der sich die Regierung des Staa­tes gezwungenermaßen angeschlossen hat. Die Bundestruppen haben das Aufstandsge- biet erfolgreich umzingelt. Die Bun­desregierung bemüht sich weiter, Die revolutio­näre Bewegung mit den geringsten Menschen­opfern und Materialschäden zu unlerDrüden. Die finanzielle Lage hat Durch Den Ausstand einen starken Stoß erlitten, doch hofft die Bundesregierung, binnen kurzem zu siegen. Sie ist fest entschlossen, mit ihrem wirtschaftlichen Pro­gramm zur finanziellen Festigung des Bundes und der Bundesstaaten fortzusahren. Die Bundesre­gierung versichert ihren guten Willen hinsichtlich der wirtschaftlichen Rettung des StaatesSaoPaulo, der infolge Der Wir­ren schwer gelitten hat. Ter Ausstand wurde In erster Linie hervorgerufen durch Militärperfonen die ihre Disziplin vergaßen und durch Politiker' die eine Machtstellung anstrebten.