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5.7.1932 Erstes Blatt
 
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Ist Gorguloff geisteskrank?

-lm 24. Juli beginnt der Prozeß gegen den Mörder des französischen Präsidenten.

Der Termin des Prozesses gegen den Mörder des französischen Präsidenten, den Russen Gor­guloff, ist jetzt endgültig auf den 24. Juli festge­setzt worden. Die Ansichten darüber, ob Gorguloff geisteskrank oder für seine Tat verantwortlich sei, sind noch immer geteilt. Der älntersuchungsrich- ter erklärte, daß er Gorguloff vollkommen durch­schaut habe und ihn für g e i st i g durchaus normal halte. Der Verteidiger des Atten­täters dagegen behauptet, daß sein Mandant gei­stesgestört sei und ins Irrenhaus gehöre. Es liegen dem Gericht die Gutachten von drei medizinischen Sachverständigen vor. Die Urteile der Aerzte lauten übereinstimmend dahin, dah Gorguloff keinerlei körperliche oder psychische Anormalien aufweise und im Sinne des Strafgesetzbuches als für seine Hand­lungen im vollen Maße verantwortlich betrach­tet werden müsse. Der Attentäter sei ein pa­thologischer Lügner. Als man ihm die Frage vorlegte, weshalb er denn so häufig die Unwahrheit sage, gab er offenherzig zur Ant­wort, der Reklame wegen!

Ungeklärt ist noch die Frage, ob Gorguloff mit Personen in Verbindung gestanden hat, die von dem Attentatsplan vorher gewußt haben und als Mitschuldige anzusprechen wären. Auch in der Frage über die politische Zugehörigkeit Gorguloffs besteht noch älstklarheit. Wahrscheinlich wird das Gericht diesen Punkt bei der Verhandlung über­haupt mit Stillschweigen übergehen. In ber Un- tersuchungshaft wird Gorguloff vollkommen iso­liert gehalten. Sein Verteidiger besucht ihn nur

sehr selten. Der Besuch seiner Frau wurde unter­sagt, weil Gorguloff wiederholt Selbstmord- absichten geäußert hat und man befürchtet, daß seine Frau ihm Gift zustecken könnte. Gor- gulof- arbeitet an seinen Memoiren. Er will darin das Programm der russischen Fa­schisten ausführlich erläutern und eine genaue Be­gründung für das Attentat gegen den französi­schen Staatspräsidenten geben. Wie er sagte, habe er an einem Freispruch kein Interesse, er sei auch dagegen, dah sein Verteidiger versucht, ihn als geisteskrank erklären zu lassen. Er wolle möglichst bald hingerichtet werden, denn er habe den Irr­tum feiner Tat erkannt und wolle büßen.

Ein mecklenburgisches Amt meldet Konkurs an.

Schwerin, 5. Iuli. (TH.) Das Amt H a - genow hat mit seinen 4000 Seelen eine Schul- denlast von3 Millionen Reichsmark, mehr als sämtliche übrigen Aemter von Mecklenburg- Schwerin zusammen. In einer Versammlung teilte Amtshauptmann Dusch mit, daß das Amt Ha- genow seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen könne. Sämtliche Zins- leistungen müßten ab 1. Iuli eingesteIlt wer­den. Der einzige Ausweg, der sich aus der Miß­wirtschaft seines Amtsvorgängers, des sozialisti­schen Amtshauptmanns a. D. Dr. Wohlers ent­wickelt habe, sei d e r K o n k u r s. Daher habe sich der Amtsausschuh entschlossen, den entscheiden­den Schritt zu tun und beim Amtsgericht die Er­öffnung des Konkurses für das Amt zu beantra­gen. Der Antrag sei im Laufe des Montagvor­mittag dem Gericht zugeleitet worden.

Aus aller Welt.

Ein Nationalsozialist in Frankfurt erschossen.

Frankfurt a. M., 4. Juli. (WSN.) Nach Be­endigung eines nationalsozialistischen Umzuges kam es am Montagabend in verschie­denen Teilen der Stadt zwischen heimkehrenden Na­tionalsozialisten und politischen Gegnern zu Zu­sammenstößen und Schlägereien. In der Langestraße wurden Nationalsozialisten von Korn- munistenbeschossen, wobei einNational- s o z i a l i st g e t ö t et und einer verletzt wurde. Eine polizeiliche Darstellung war bisher nicht zu erhalten.

Große GuslavAdolf-Feier in Nürnberg.

Anläßlich des Gustav-Adolf-Iahres veranstal­tete die evangelische Gesamtkirchengemeinde von Rürnberg eine Massenkundgebung im Stadion, nachdem schon am Samstag eine große Gedenkausstellung im Germani­schen Museum eröffnet worden war, die eine große Zahl von Erinnerungsstücken aus der Schwedenzeit vereinigt. Die Kundgebung, die mit unabsehbaren Menschenmassen das weite Rund des Stadions fast völlig ausfüllte, stand vor­wiegend unter dem Zeichen des Sports. Zahlreiche Rasenspiele, originelle Turnübungen in Massen und vor allem ein eindrucksvoller Fahnenreigen in historischen Kostümen, der die alten Beziehungen Nürnbergs zu Schweden dar­stellte, gaben der Veranstaltung den gebührenden Rahmen. Rach einer Begrüßungsansprache des Rürnberger Dekans D. Weigel begrüßte Ober­pfarrer Dr. Klingler- Göteborg namens der schwedischen Kirche die Versammelten und wies auf die geschichtliche Bedeutung Gustav Adolfs hin, der mit seinen heldenhaften Taten den Grundstein für die deutsch - schwedische Verbun­denheit gelegt habe. Es folgten Fanfaren-Ehöre und Sprechchöre. Ein Fackelzug, der mehrere tausend Teilnehmer umfaßte, zog nach der Feier in die Stadt ein, wo mit einem gemeinsamen Choralgesang das Fest seinen Abschluß fand.

Deutsche Luftfahrt-Derbewoche.

Ein Treffen sämtlicher Flugsportvereine von Groß-Berlin auf dem Zentralslughafen in Tem­pelhof bildete den Abschluß der Deutschen Luft- fiihrt-Werbewoche 1932. Sämtliche Luftfahrtver­eine boten dem zahlreich erschienenen Publikum

interessante sportliche Vorführungen dar. Außer­dem wurden im Vortragssaal des Flughafens aufklärende Vorträge über die einzelnen Gebiete der Flugsportbewegung gehalten, die durch Laut­sprecher auch im Freien übertragen wurden. Das besondere Interesse des Publikums fanden verschiedene Schleppfahrten d er Segel­flieger des Akademischen Turnbundes und der Akademischen Fliegergruppe der Berliner Hm* versität. Lebhafte Aufmerksamkeit erregte ein Autoschleppstart: dank günstigen Aufwin­des konnte der Flieger eine Höhe von 500 Meter erreichen.

Deutsche Teilnehmer der Sowjel-polarexpedttion.

An der großen arktischen Sowjetexpe­dition, zu der die EisbrecherSibijako" unter Führung von Professor Schmidt undRussanoff" unter Führung des von der Nobile-Expedition her bekannten Professors Samojlowitsch in See gehen werden, nehmen zwei deutsche Gelehrte teil, die jetzt in Leningrad eingetroffen sind. Der For­scher Joachim Scholz wird auf dem Franz-Josef- Land überwintern, um die Erscheinungen der atmosphärischen Elektrizität zu untersuchen. Der andere Deutsche, Kurt Wolkef, ein Gehilfe des in Grönland umgekommenen Forschers Professor Wegener, wird in Nowaja Semha den Winter ^ubringen, um die Verhältnisse der dortigen Eis­schichten nach den von Wegener ausgearbeiteten Methoden zu untersuchen. Leiterin der arktischen PolarstationNordland" ist die russische Biologin Frau Rjabzewa Demme, die im Winter 1930 auf Franz-Josefs-Land wissenschaftliche Untersuchun­gen angestellt hat.

Die Italienische Goethe-Gedenkwoche in Frankfurt.

Exz. Prof. Dr. Farinelli eröffnete die Vor­tragsreihe derItalienischen Goethe- w o ch e" mit einer Vorlesung überGo e t h e und R o m", die er in der Aula der Frankfurter Uni­versität hielt. Nachdem er die Grüße Italiens über­bracht hatte, leitete er seine Betrachtungen damit ein, daß er nach Goetheschen Worten die ungeheure Wirkung charakterisierte, die Italien und besonders Rom auf den Dichter gehabt haben. Kennzeichnend für das Glücksgefühl, das Goethe auf italienischem Boden empfand, sind seine Aussprüche, daß er nur in Rom unbedingt glücklich gewesen sei, und daß er dort empfunden habe, was eigentlich ein Mensch sein

Aordpol, wohin wanderst du?

Don Bruno H. Bürgel.

Der unzugänglichste Punkt unseres Planeten, der Rordpvl, soll künftig in denBrennpunkt des Verkehrs" rücken. Cs gibt ernste wissenschaftliche Kreise, die da eine große Luftverkehrsstrahe ent­stehen sehen, denn der kürzeste Weg von Rord- amerika nach Iapan, nach den Brennpunkten des tzu neuem Leben erwachenden Erdteils Asien, führt über die eisigen Regionen.

Mit dem so merkwürdig ausgezeichneten Punkt der Erde hat es nun eine besondere Bewandtnis. Es scheint, als ob er gar nicht festliegt, als ob er wandert. Es wäre im Zeitalter der Dölkerversöh- nung nicht mehr als recht und billig, daß jedes Land einmal eine Weile in de?r Besitz des Rord- pols kommt: di« Eskimos haben ihn lange genug besessen, warum sollen ihn nun nicht einmal wir Deutschen oder die Italiener haben? Dabei ist es noch gar nicht ausgemacht, ob wir ihn nicht schon einmal hatten. Das klingt freilich sehr unwahr­scheinlich aber einmal lag unsere Heimat am Aequator der Erde, es wuchsen hier Palmen, die Sonne stand zur Mittagszeit im Zenit, und es war so heiß wie heut bei unfern schwarzen Brüdern am Kongo. Wer will wissen, ob nicht mitten in Deutschland auch einmal der Rordpvl lag? Frei­lich, es gab damals noch kein Deutschland, es gab vielleicht noch gar keine Menschen auf unserm Stern, aber die Kontinentalscholle, auf der wir heute leben, war schon vorhanden, und sie lag damals an einem andern Punkt der Erde.

Die Wegenersche Theorie von der Verschiebung der Kontinente ist eines der geistvollsten wissen­schaftlichen Gedankengebäude, vor allem deshalb, weil es schier unzählige Rätselfragen der Erd­geschichte mit einemmal und ohne Gewaltsamkeiten und Llnwahrscheinlichkeiten befriedigend beant­wortet. Es ist in höchstem Maße bÄlagenswert, daß der Forscher im Eise Grönlands, das er mehr­fach durchquerte, ums Leben kam. Rach ihm ent­wickelten sich, wie heute Wohl allgemein bekannt ist, alle Erdteile aus einem einzigen mächtigen Hr-Kontinent, einer riesigen Scholle, die sich zer­teilte.

Der große Wandlungsprozeß ist auch heute noch nicht zu Ende! Die Erdteile, die wir früher für absolut fest und unbeweglich hielten,schwim­

men" gewissermaßen weiter. Sie tauchen mit ihren Sockeln tief in noch heißeplastische" (nachge­bende) Schichten ein, sind darin einigermaßen be­weglich. Die Rotation der Erde um ihre Achse und andere Einflüsse bewirken nach Wegener auch heute noch eine fortgesetzteVerschiebung der Kon­tinente".

Man ist eben dabei, diese Fortbewegung mit Hilfe feiner Meßmethoden festzustellen. Meß« resultate aus Grönland und von einigen Stern­warten Rordamerikas liegen schon vor, und wenn sich die großen Kontinentalblöcke der Festländer nach diesen Messungen auch nur um zwanzig oder dreißig Meter un Iahr weiterbewegen und voneinander entfernen, so kann doch kein Zweifel sein, daß vor vielen Iahrmillionen Länder und Meere anders verteilt waren.

Danach müssen wir z. D. annehmen, daß zur Steinkohlenzeit" (also in jener Erdepoche, da in feuchtwarmen Urwäldern die Pflanzen grünten, die später zugrunde gingen und das Material für unsere Steinkohlen lieferten) der Aequator mitten durch Europa, ja, gerade durch die Ge­biete lief, die wir heute bewohnen. Diese (Stein- kohlenzeit liegt freilich etwa 300 Millionen Iahre hinter uns: es gab noch kein Deutschland, kein Frankreich, keine Maschinengewehre und keine Börsennotierungen, ja, nicht einmal Menschen, kurzum, es war eine idyllische Epoche.

Natürlich lag damals auch der Rordpol ganz wo anders, nämlich nicht sehr weit von Kali­forniens Küste, im Stillen Ozean. Der Südpol war der Südspihe Afrikas nahe, und so wird es erklärlich, daß wir dort, aber auch im heute heißen Australien, ja in Südamerika, im süd­lichen Brasilien, uralte Spuren langer und mäch­tiger Vereisungen finden.

Wo aber heute unser Rordpol liegt, muß es damals warm gewesen sein, denn er lag so weit vom Pol entfernt wie heute Rom von seinen Eisfeldern. Aus Spitzbergen hat man Stein­kohlenlager gefunden, in Grönland versteinerte Reste von Weinstöcken, Lorbeer- und Ruhbäumen, alles Zeichen dafür, daß in diesen heute dem Pol nahen Gebieten einst ein warmes Klima geherrscht haben muß. Es gibt bekanntlich sehr alte Berichte bei den nordischen Völkern, daß vor Tausenden von Iahren kühne See­fahrer nach Grönland und Neufundland ge­langten und dort eine üppige Vegetation, ja

könne. Prof. Farinelli ging sodann auf Goethes Verhältnis zur Antike ein. Er schilderte, wie Goethe unter der Klarheit und Reinheit des italienischen Himmels endgültig das Stürmende und Drängende seines Wesens überwand und beim Er­leben der Antike das Geordnete, Maßvolle und Ge- setzmäßige in Leben und Kunst fand.Tasso", Egmont" undIphigenie" waren schon vor der italienischen Reise konzipiert, ihren innersten Sinn und Gehalt, ihre Vollendung verdanken sie aber Rom. Namens des neuen Goethe-Instituts in Rom haben dessen Präsident Ge utile und dessen Germanist der römischen Universität, Professor G a - b e t t i, an den Oberbürgermeister der Stadt Frank­furt, Landmann, ein Begrüßungstele­gramm gerichtet, in dem sie der Stadt Frankfurt ihre aufrichtigen Glückwünsche darbrin- aen. Auch der Rektor der Universität Rom und Prä- sideut der Italienischen Akademie, Exz. Professor F o r m i ch i, haben zur italienischen Goethe-Ge- denkwoche Begrüßungstelegramme an die Stadt Frankfurt und an Exz. Prof. Farinelli als den Vertreter Italiens, gerichtet.

Das Absturzunglück im Oehlal.

Rach den am Montagnachmittag vorliegenden Einzelheiten find die drei im Acherkogel tödlich verunglückten Wiener Touristen das Opfer eines doppelten Mißgeschicks geworden. Die drei Touristen haben anscheinend im Rebel und Regen des 2. Iuli bei dem Aufstieg den Weg verloren und sind dort längere Zeit herumgeirrt, anscheinend bis zum Südgrat des Acherkogels, von dem sie wieder zurückgekehrt sein dürften, ohne die Spitze erreicht zu haben. Als sie während des Unwetters die Hoffnung aufgeben muhten, am gleichen Tage zurückzu­kehren, haben sie anscheinend auf einer Fels­nase ihr Lager aufgeschlagen. Die Leichen der Touristen waren mit allen Kleidungsstücken, die die Bergsteiger mit sich geführt hatten, umwickelt. Die Wolleibchen waren um den Unterkörper geschlungen und die Füße staken in ihren Aer- meln. So waren die Touristen offenbar die Rächt über im Freien geblieben und haben den Tag und besseres Wetter obwarten wollen. Während sie in dieser Lage aus geöffneten Ruck­säcken Rahrung zu sich nahmen, hat offenbar eine Lawine oder ein Steinschlag die Touristen gegen 22 Uhr erfaßt, und da sie aneinandergeseilt waren, wurden alle drei über die steile Wand 150 Meter in d i e Tiefe ge­rissen. wo sie mit schweren Kopfwunden tot liegen blieben. Daß dies der Hergang der Tra­gödie sein dürfte, zeigt auch der Umstand, daß auch die Rucksäcke, offen, wie sie waren in die Tiefe stürzten. Während der Bergungsarbeiten wurden die Toten noch einmal durch eine Lawine verschüttet und auch die Der- gungsmannschasten waren zweimal in Gefahr, unter eine Lawine zu geraten. In den ersten Rachmittagsstunden wurden die Leichen nach Oeh gebracht. Sie werden in Lautens bei Oetz bei- gesetzt.

135 Todesopfer des Unabhängigkeltstages in USA.

Der Unabhängigkeitstag soderte wiederum im ganzen Land viele Todesopfer. Bei Kraftwagen- und Dootsunfällen sowie beim Abbrennen von Feuerwerk und bei Schießereien kamen 125 Per­sonen ums Leben. Außerdem wurden an dem Tag in den Bergen Kentuckys mehrere Blutfehden ausgetragen, wobei zehn Personen getötet und acht verletzt wurden.

Der neue Vulkanausbruch in den Anden.

Rach Meldungen aus Santiago d« Chile sind außer dem Vulkan Quizapu auch die Vulkane Descabezado, Grand« und Dlanco in Tätig­keit getreten. Die Rauchsäulen erreichten eine Höhe von mehr als 1000 Meter und verdunkelten den Himmel. In vielen Stadien, darunter auch Santiago de Chile und Volparaiso sind hsi^e Aschenregen niedergefallen. Pin weites Ge­biet, das sich von San Fernando bis Talca erstreckt, ist von einer weihen Aschenschicht bedeckt. Die Asch« ist bedeutend gröber als die bei dem letzten Vulkanausbruch im April und riecht stark nach Schwefel. Auch Malarques auf der argen­tinischen Seite der Anden wurde mit Asche überschüttet. Viele Städte, darunter einige von den Vulkangebieten weit entfernte, wie die Kü­stenstadt San Antonio, mußten infolge der Ver­dunkelung des Himmels durch die Aschenwolken

'Wein und Getreide fanden. Trifft das wirllich zu, dann muh vor noch nicht sehr langer Zeit das Klima in diesen Breiten ein wesentlich anderes gewesen sein als heute. Ia, verschiedene Forscher, so Biedcnkapp, Tilak, Warren, ver­suchten den Rachweis zu führen, dah der Rord­pol die Urheimat der arischen Völker sei, wie aus vielen Heberlieferungen, Sagen usw. hervor­ginge. Da sich selbst in den uralten heiligen Büchern der Perser und Inder Bemerkungen finden, die auf strenge Kälte, Eis, Schnee, Polar­lichter, lange Winternächte hinzuweisen scheinen, sind solche Vermutungen nicht von der Hand zu weisen.

Wie sorgfältig die Werkzeuge und 'Methoden sind, mit denen die heutige Wissenschaft arbeitet, mag daraus erhellen, daß es gelungen ist, Ver­lagerungen des Rordpols nachzuweisen, die kaum zehn Meter betragen. Sie werden hervorgerufen durch jahreszeitliche Wettereinflüsse. Zwischen Sommer und Winter finden gewaltige Masfen- verlagerungen auf dem Kreisel Erde statt, die seine Drehungsachse ein wenig beeinflussen: die Schneebelastung der Kontinente, die großen Luft­druckschwankungen (Transporte von Luftmassen!), die Riederschlagsmengen, die bald auf der Rord- halbkugel, bald auf der Südhalbkugel größer sind, wären hier zu erwähnen.

Alte Bekannte.

Ein mecklenburgisches Städtchen hatte vor dem Krieg Garnison und daher auch einen Exerzier­platz. Seit der Boden des Platzes nicht mehr vom Stechschritt der Soldaten festgetreten wurde, hat­ten sich die Ortseinwohner den Platz als Tummel- stätte ausgewählt. Der Ortsvorstand aber hatte mit dem Platz viel weitergehend« Pläne und lieh ein Schild anbringen: Cs ist verboten, den Exer­zierplatz zu betreten: muh Wiese werden! Am Rande des Platzes stand auch eine Pappel. Diese trug eines Morgens das folgende Schild: Cs ist verboten, die Pappel abzuhauen: muß Pfirsichbaum werden! Ein Engländer hat einmal gesagt, es gebe keine neuen guten Witze, alle Witze seien schon gemacht, nur die guten erhalten sich am Leben, deswegen sei jeder gute Witz uralt. Auch dieser. Im Krieg batte sich ein i Etcppenk mm n'ant eine Wiese u a\ flügm lass»«. I Die Fronttruppen wurden mit folgendem Schild l

am Hellen Tag ble elektrische Beleuchtung etn* schalten. Ein großer Teil der Bevölkerung ist au« dem vulkanischen Gebiet entflohen. Die Vulkan­ausbrüche waren von einer heftigen Kältewelle begleitet. Die Ausbrüche haben am Sonntag Plötzlich wieder aufgehört. Rur aus dem Qui­zapu zeigt sich «ine leichte Rauchwolke.

Zwei Raubmörder zum Tode verurlelll.

Das Hamburger Schwurgericht verurteilte di« Angeklagten Gerhardt und Gerner wegen Gemeinschaftlichen Mordes in Tateinheit mit schwerem Raub zum Tode. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihnen auf Lebenszeit aberkannt. Gerhardt und Gerner hatten am 12. August des vergangenen Jahres den Kaufmann Nitze in fei­nem Büro am Steindamm überfallen, ihm den Schädel zertrümmert und bann den Gelbschrank ausgraubt. Vor Gericht hatten die beiden ange­geben, erwerbslos gewesen zu sein und wegen gro­ßer Schulden unbedingt Geld beschaffen zu müssen.

Motorrad gegen Wohnwagen: Ein Toter, zwei Schwerverletzte.

In der Rächt zmn Sonntag fuhr ein Schau­steller aus Gelsenkirchen mit einer Zugmaschine, an der vier Wagen angehängt waren, auf der Strahe von Reersen nach Krefeld. In der Rähe von Holterhof machte er Halt, um «in Rad an seinem Wohnwagen in Ordnung zu bringen. Da­bei fuhr ein mit drei Personen besetz­tes Motorrad ohne Licht in über­mäßiger Geschwindigkeit von hinten auf den Wohnwagen auf. Dieser wurde vollständig zer­trümmert. Der Führer des Motorrades war sofort tot, bie beiden Mitfahrer wurden schwer verletzt. Die Verunglückten sind drei Arbeiter des Krefelder Telegraphenamtes.

Flugzeugabsturz in Spanien.

Heber dem Flugplatz von Carabanchel ist ein Flugzeug abgestürzt. Der Pilot und zwei In­sassen kamen dabei ums Leben. Einer von ihnen hatte sich durch Absprung mit dem Fallschirm zu retten versucht, der sich jedoch wegenderzugeringenHöhe nicht öffnete.

Eine ganze Sladl durch eine Munikionsexplosion zerstört

Die Stadt T u n b e i an der Huhai-Eisenbahn in der Mandschurei soll durch die Explosion eines Mu­nitionslagers vollständig zerstört worden fein. Viele Menschen seien dabei ums Leben ge­kommen.

Das Räuberunwesen in der Mandschurei.

Ein Zug mit dem stellvertretenden japanischen Generalstabschef in der Mandschurei wurde auf der Strecke nach Mukden von 300 Räubern an- Gegriffen, die jedoch durch das Feuer des den Zua sichernden Panzervorzuges in die Flucht geschlagen wurden. Zehn Räuber wurden ge­tötet.

Religionskampfe in Indien.

Die Kämpfe zwischen Hindus und Mo­hammedanern forderten in Bombay 10 Todes­opfer und über 100 Verwundete. Es mußte erneut der Belagerungszustand erklärt wer- den. Englische Truppen wurden zum Eingreifen ge- zwungen. Englischen Quellen zufolge werden die Un­ruhen von einer äußerst gut finanzierten Organisa­tion geleitet, der bedeutende Persönlichkeiten ange­hören. Die Hindus und Mohammedaner sind gegen­seitig in ihre abgegrenzten Bezirke eingebrochen, haben mehrere Häuser in Brand gesteckt und H u n . derte von Läden geplündert. Ein Hindu­tempel wurde von den Mohammedanern erstürmt, zerstört und in Brand gesteckt. Ein englischer Polizei- Offizier wurde von einem Mohammedaner ange- schossen.

Ständige Kraftwagenverbindung FrankfurtKöln?

Die in einer Interessengemeinschaft zusammen- gefahten Kölner Rundfahrtunterneh­mer haben sich entschlossen, bei den Behörden die Genehmigung der Einrichtung einer, ständigen Kraftwagenverbindung KölnFrankfurt au errei­chen. Begründet wird dieser Schritt mit der Tat­sache, dah infolge der Wirtschaftsverhältnisse der Fremdenverkehr beträchtlich zurück- gehe, wodurch die Benutzung der Wagen zur Rundfahrt ständig weiter in den Hintergrund trete. Die zahlreichen stilliegenden Personenwa­gen, meist fast neue, hochwertige Sechs- und Sie­bensitzer, sollen ab 1. Iuli eingesetzt werden. Ge­plant ist, vormittags um 6.30 Uhr Köln zu ver-

gewarnt: Exerzieren verboten, soll Kartoffelfeld werden! Am angrenzenden Wäldchen prangt« bald darauf auch ein Schild: Richt abholzen, wird Obstgarten!

Zeitschriften.

In der Julinummer von West ermann« M o n a t s h e f ten erscheint der neue Roman von Alfred KarraschWinke, buntes Wimpelchen". Die Reize dieser schlichten warmherzigen Geschichte lie­gen in der starken Männlichkeit des Helden, in der Treue und Liebe des Sohnes, in den satten Schil­derungen des nordischen Küstenlandes am Haff, in der tiefen Heirnatlichkeit, dem wechselvollen schick­salhaften Geschehen und in dem Bekenntnis zu Volk und Heimat. Von dem übrigen reichhaltigen Inhalt erwähnen wir nur kurz: Dr. Theodor Heinrich MayerTragödien im Polarland"; Kasimir Ed- schmidDer Taunus und seine Bäder", sowie die SchilderungEin Tag auf der japanischen Eisen- bahn" von Maria Piper. Interessant ist auch die Abhandlung von Helene Voigt-DiederichsMeine Bücher suchen mich", sowie der Aufsatz von Theo NußbaumBlumengärten im neuzeitlichen Städte­bau", der die Grundsätze, Absichten und Möglichkeiten der städtischen Gartenbaupflege zeigt.

Das Iuliheft derZ e i t w e n d e" (C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München) wird eröffnet mit dem AufsatzKrisis im Rechtsleb-n" von Wilhelm Kohlhaas. Cin erfahrener Jurist untersucht unvoreingenommen die Vorwürfe, die man gegen Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung erhoben hat. Geistvoll beleuchtet der bekannte Musikwissenschaftler Hans Ioachim Moser den Weltanschauungswandel in der gegen­wärtigen Kunst, der sich in der Abkehr vom Individualismus und Subjektivismus, in der Hinwendung zum Objektiven und zu einer neuen Religiosität dokumentiert. Moser schließt mit sehr ernsten, nachdenklich stimmenden Betrach­tungen über den heutigenKulturabbau". Gar manches Wort hat Erich Walch in seinem Auf­satzDie Gefahr des Bolschewismus" unseren Salonbolschewisten aus intellektuellen Kreisen ins Stammbuch geschrieben, um zum Schluß aufzu- rufen zu der einen großen Entscheidung: Für oder wider den Bolschewismus!