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earL hat für Vie weitere Annäherung zwischen Rom und Paris selber das Stichwort gegeben, indem er an eine Unterredung zwischen ihm, Mussolini und dem damaligen britischen Auhen- rninister Lord Lurzon in Territet am Ufer des Genfer Sees erinnerte und unverblümt eine ähn­liche Zusammenkunft zwischen Tardieu und dem Duce vorschlägt, wobei auch die Kolonialfrage er­neut erörtert werden könnte, die ja bis heute wie eine hemmende Mauer zwischen beiden Nationen liegt. Aber wenn man auch in Paris alle Künste der Verführung spielen lassen wird, um die wie- derentdecltelateinische Schwester" liebevoll ans Herz zu gieren, so sind doch praktisch die Mög­lichkeiten für einen Ausgleich der Interessen vor­erst nicht sehr groß, wenigstens nicht ohne er­hebliche Konzessionen Frankreichs. Das trifft na­mentlich für die Abrüstungsfroge zu. Ob Italien sich einer von Frankreich angestrebten Schuldner­front gegen Amerika einreihen liehe, hinge wohl in erster Linie von der Stellungnahme Englands ab, auf dessen politische Linie Italien ja ohnehin in allen großen weltpolitischen Fragen cinzu- schwenken geneigt ist.

Tardieus jüngste auhenpolitische Aktion soll vielleicht eine erste Probe auf das Exempel sein, wie weit die noch in den Kinderschuhen steckende Annäherung an Italien und England schon greifbare Resultate zu zeitigen vermag. Viel­leicht ist der Schlag zu früh erfolgt, vielleicht aber ist die weltpolitische Situation Tardieus Plänen günstia^ Sie laufen auf die Verwirklichung der alten Idee hinaus, durch eine wirtschaftliche Do - naukonföderation Oesterreichs, .Ungarns und der Staaten der Kleinen Entente (Tschecho­slowakei, Rumänien und Südslawien) der deut­schen Politik den Gedanken einer Zollunion mitOe st erreich, die der deutschen Wirtschaft das Tor nach dem Südosten öffnen sollte, für immer aus der Hand zu schlagen. Rach der mih- glüdtcn deutschen Zollunionsaktion im vergangenen Frühjahr muhte man mit dem französischen Gegen­stoß in dieser Richtung rechnen, um so mehr, als die wirtschaftliche Lage Oesterreichs sich seitdem zu­sehends verschlechterte, und damit Wien für die sranzösischen Absichten reif wurde. Der öster­reichische Bundeskanzler Dr. Bure sch hatte den für die gescheiterte Zollunion mitverantwortlichen Auhenminister Schober ausgeschifft und ist dann mit der Erklärung an die Mächte heran- getreten, daß Oesterreich mit allen Staaten, die dazu bereit seien, in Verhandlungen über eine wirtschaftliche Annäherung einzutre en wünsche, bisher seien alle solchen Versuche an politischen Schwierigkeiten gescheitert, nun sei es aber eine Lebensnotwendigkeit für Oesterreich, daß solche Verhandlungen zu positiven Ergebnissen führten. Die Antwort darauf ist Tardieus Vor­schlag in Genf. Oesterreich möge mit den sog. Nachfolge st aaten der ehemaligen habsbur­gischen Doppelmonarchie, also mit Ungarn und der Tschechoslowakei, im ferneren Verlauf auch mit Rumänien, Südslawien und Polen auf Grund von Vorzugszöllen ein Wirtschastsbündnis schließen, das der Wirtschaft der beteiligten Völker einen großen zusammenhängenden Vetätigunasraum schaffen würde, der ihnen heute fehle. Das ist also der Versuch mit derselben These von der Lebensunsähigkeit Oesterreichs in der durch die Grenzziehung der Friedensdiktate geschaffenen Wirtschaftsenge, mit dieser selben These, mit der wir bisher hüben wie drüben die Forderung des Anschlusses begründet haben, nun den Ruf nach der Donaukonföderation zu erheben, die dem Anschluß gedanken natürlich für alle Zeiten den Garaus machen soll.

Französische Blätter wollen wissen, daß Tar- bieu die Außenminister Englands und Ita­liens von seinem Vorschlag unterrichtet habe und diese ihr Einverständnis erklärt haben sollen. Letzteres ist unwahrscheinlich, denn abgesehen da­von, daß ein solcher Zusammenschluß unter fran­zösischer Aegide eine grundlegende Machtverschie­bung auf dem Balkan bedeuten würde und damit den italienischen Interessen in Südosteuropa dia­metral entgegenstehen würde, haben England so­wohl wie Italien erst im Januar bei der Erörte­rung des österreichischen Gesuchs um Finanzhilfe im Völkerbund die Abänderung eines französischen Antrags dahin verlangt, daß Österreich e. i Wirt­schaftsbündnis nicht mit denNachfolge- staaten". wohl aber mit denNachbar staaten" zu empfehlen fei. Aber mögen auch England und Italien noch nicht so sicher mit von der Partie fein, wie es die französische Presse heute schon glauben machen möchte, eins steht sest, Deutsch­land soll ausgeschlossen werden, ja Tar- vieus Plan läuft geradezu auf den Versuch hinaus, durch die Schaffung eines großen Wirtschafts­gebiets im unteren Donauraum Oesterreich, die Tschechoslowakei und die südosteuropäischen Staa­ten von Deutschland fernzuhalten, das allein ihnen den wirtschaftspolitischen Aus­gleich zu bieten vermag, den sie brauchen, um leben zu können. Ein Ersah für diesen natur- notwendigen Ausgleich kann die Donaukonf^dera- tion den Staaten, deren Beteiligung vorgesehen ist, nicht bieten. Weder können Rumänien, -Un­garn und Südslawien in den selbst stark agrarisch orientierten Ländern Oesterreich und der Tschecho­slowakei einen genügenden Markt für ihre Ge­treideüberschüsse finden, noch vermögen Oesterreich und die Tschechoslowakei die Produkte ihrer hoch­entwickelten Fertigindustrie in den agrarischen Donauländem in ausreichendem Maße abzusetzen. Sie alle bedürsen des deutschen Marktes, nur unter Einbeziehung Deutschlands wird eine solche wirtschaftliche Donaukonföderation, die dann Mit­tel- und Südosteuropa verbinden würde, sinnvoll. Das hat man in Prag auch erkannt und sich da­her den französischen Plänen widersetzt bis die Bewilligung einer Anie he den tschechischen Wider­stand aus der Welt schaffte.

Deutschland hat nun seinerzeit Rumä- nien und Ungarn Vorzugszölle für öie Getreideeinfuhr angeboten, ohne für sich ent­sprechende Vorzugszölle industrieller Art zu ver­langen. Cs hat nun auf Bureschs Hilferuf An auch Oesterreich Zugeständnisse für seine Ausfuhr zugesagt. Aber alle diese Entgegen- kommen der deutschen Handelspolitik setzen die Zustimmung der vertraglich meistbegünstigten Länder voraus. Das Recht der M e i ft 6 e g ü n - ft i g u n g gewährt dem meistbegünstigten Lande in allen Vertragsländem in bezug auf Zölle Kontingente. Riederlassungsrecht die gleiche Be­handlung mit demjenigen Staate, der sich die größten handelspolitischen Vorteile gesichert hat. Es hat also ohne eigenes Entgegenkommen auf keinen Fall einen höheren Zoll zu entrichten als dasjenige Land, das für seine Waren eine besondere Zollermäßigung erwirkt hat. Der Vorzugszoll dagegen wird nur dem Lande gewährt, das ihn vereinbarte, ohne daß daraus andere Länder einen Anspruch auf gleiche Zoll- ermäfjigungen erheben können. Die meisten

Handelsverträge unterliegen dem System der Meistbegünstigung, während Vorzugszölle nur wenige politisch eng verbundene Staaten wie z. B. Dänemark, Schweden und Norwegen, Spa­nien und Portugal untereinander und mit den lateinamerikanischen Staaten, die baltischen Rand­staaten und neuerdings die Staaten des Briti­schen Weltreiches miteinander vereinbart haben. Diese Gegenüberstellung der beiden Formen gegen­seitiger Zollbehandlung zeigt die Schwierigkeit der Situation für Deutschland bei feinen handels­politischen Angeboten an Oesterreich und die anderen Donaustaaten. Ohne Zustimmung der meistbegünstigten Mächte kann es diesen keine Dorzugsbehandlung einräumen, da ein Verzicht auf die Meistbegünstigung nach Kündigung der

betreffenden Handelsverträge der deutschen In­dustrie bei der Vielseitigkeit der Ausfuhr und der hohen Qualität der ausgeführten Fertig­waren solange schweren Schaden zufügen müßte, als nicht allgemein das System der Meistbegün­stigung durch ein anderes erseht wäre. So ist es Deutschland äußerst schwer gemacht, dem fran­zösischen Vorstoß in Südosteuropa erfolgreich ent­gegenzutreten und zu verhindern, daß mitten durch Mitteleuropa eine Mauer gezogen wird, die unter dem Vorwand wirtschaftlicher Flurbereinigung rein politische Zwecke verfolgt, durch den Riegel im Donauraum Deutsch­land von seiner natürlichen wirtschaftlichen Ex­pansionssphäre im Südosten hermetisch abzuschlie- ßen und damit seine Einkreisung zu vollenden.

Oer Wahlkampf.

Mehr Macht

-em Reichspräsidenten."

Minister Trcvira.us für Hindenburg gegen die Parlamentsherrschaft.

Lüneburg, 4. März. (TU.) Reichsverkehrs­minister Treviranus sprach am Freitag vor einer Versammlung der Deutsch-Hannoverschen Partei und dem Hindenburg-Ausschuß in Lüne­burg zur Reichspräsidentenwahl. Don Sturmund Regen zerfetzt, so führte er aus, kleben an man­chen Wänden im Deutschen Reich noch Plakate mit der Aufschrift:Mehr Macht dem Reichspräsidenten!" Aufrecht und erhaben ist auf ihnen die Gestalt des Reichspräsidenten von Hindenburg abgebildet. Zu seinen Füßen streiten sich die Parlamentarier der Parteien klein und häßlich. Dieses Plakat hat vor weni­gen Jahren die DRVP. angeschlagen. Mehr Macht dem Reichspräsidenten? Hinden­burg hat sie sich geschaffen. Hindenburgs ragende Gestalt ist geblieben. Aber die Deutschnationalen und ihre intim befreundeten Feinde, die Na­tionalsozialisten sind es, die mit geschwungenen Fäusten und sich überschlagendem Stimmaufwand gegen öie Machtanwendung durch den Reichspräsidenten zu Felde ziehen: Gegen die Notverordnungen, fidr Parlamentsherrschaft.

Dazu ist ein offenes Wort nötig: Niemand hält die Notverordnungen für angenehm. Wer glaubt, daß ohne diese Notverordnungen Deutsch­land über die Krise des vergangenen Jahres hätte gerettet werden können, der verkennt von Grund auf die deutsche Lage. Es ist Hin­denburgs ungeheures nationales Verdienst daß er den Reichskanzler Brüning mit dem Auftrag er­nannte, eine rücksichtslose Bilanz der deutschen Lage aufzumachen. Das war die alte Forderung der Nationalen Opposition. Hindenburg und sein Kanzler bekannten sich a u r Wahr­heit und zur Klarheit. Und diese Klarheit mußte zu den furchtbaren Opfern führen, die dem deutschen Volk durch die Notverordnungen auferlegt wurden. Wer also heute die Aufhebung der Notverordnungen verlangt, der fordert nicht mehr und nicht weniger als eine neue Politik der Selbsttäuschung, der Illusionen, der Bilanz- Verschleierung, der -verlangt den Staatsbankerott. Höchstens über d i e Art der Verteilung der Opfer kann eine sachliche, ruhige Aussprache möglich sein. Offen und klar muß festgestellt werden: Wer Hindenburg und seinem Kanzler die Schuld für die wirtschaftlich-politische Lage zuschiebt, die die Notverordnungen notwendig gemacht hat, der belügt bewußt das Volk. Das wird unter vier Augen vom radikalsten Propheten zugestanden.

Die Behauptung, daß Hindenburg nach seiner Wiederwahl durch Notverordnung die Länderwahlen vertagen lassen werde, ist eine nichtswürdige Unter- stellung. Die Preußenwahlen werden spä - testens am 8.Mai stattfinden. Dort soll um das System in aller Klarheit und Schärfe ge­rungen werden. Es ist eine Verfälschung des Sinnes der Wahl des Staatsoberhauptes, wenn man mit

niederer Parteidemagogie dem Volke diese Wahl nach seinem besten und innersten Empfinden un­möglich machen will.

Oüsierberg-Dersammluug im Berliner Sportpalast.

Berlin, 4.März. (TU.) Die für Freitag­abend nach dem Sportpalast einberufene W a h l - kundgebung des Kampfblockes schwarzweihrot war schon Stunden vor dem Beginn überfüllt. Viel beachtet wurde die An­wesenheit des früheren Kronprin­zen. Unter Öen Stahlhelmern befanden sich auch Prinz Eitel Friedrich, Prinz Oskar und der älteste Sohn des Kronprinzen. Düsterberg und Hugenberg wurden zahlreiche Blumensträuße überreicht. Dr. Hugenberg führte u. a. aus: Ich wende mich an die Vielen, die heute einsehen, daß zweierlei miteinander vereinigt fein muß: unbeugsamer Nationalismus und klareFeind- schaft gegen die unheilvollen Ein­flüsse jeder Art von Sozialismus oder Marxismus. Gemeinsam mit dem Stahl­helm wollen wir unserem deutschnationalen Preu­ßenblock eine entscheidende Stellung erobern. Jetzt kämpfen wir gemeinsam als treuer Teiltrupp der Harzburger Front um die Schlüsselstellung der Reichspräsidentschaft. Was nach dem 13. 3. zu geschehen hat, bitte ich frundlichst mir zu überlassen. Wir wollen das System, das uns zugrunde gerichtet hat, in Formen und mit Mitteln stürzen, bei denen fein unvermeid­licher Sturz nicht in einem ungezügelten Augen­blick auch das noch mit sich reißt und entzwei­schlägt, was noch aufrecht steht. Aber gestürzt werden muh und wird es.

Duesterberg gab dann einen Ueberblick über das innen- und außenpolitische Schicksal Deutschlands in der Zeit feit dem Weltkriege und der Revolu­tion. Ich bin mir, so schloß er. aller Widerwärtig­keiten meines Auftrages bewußt und bin mit meiner Kandidatur in die Bresche gesprungen. Es ist für mich keine Zcibl-, sondern eine Ueberzeugungskandi- datur. Es geht um Deutschland, das endlich eine feste .und entschlossene Führung braucht, wenn es nicht zugrundegehen soll.

General Hoefer für Hindenburg.

Oppeln, 5. März. (WTB.) Auch in Oberschle­sien hat sich ein überparteilicher Ausschuß für die Wiederwahl des Reichspräsidenten von Hindenburg gebildet, der mit einem Aufruf vor die Oeffentlichkeit tritt, in dem es zum Schluß heißt: Oberschlesien stebt geschlossen und treu zu Hindenburg als- dem Schirmherr der Heimat im großen Weltkampf, als dem Symbol deutschen Lebens- und Aufbauwillens. Oberschlesien kämpft und stimmt für Hindenburg. Der Aufruf ist von folgenden Persönlichkeiten unter­zeichnet: Generaldirektor Dr. h. c. Brennecke- Gleiwitz, Generalleutnant a. D. H o e f e r, Führer des deutschen Selbstschutzes in Oberschlesien, von Hauenschild-Tscheid, Kr. Gosel, Marco Graf B a lle str e m-Puschine (Kr. Falkenberg) und Prälat Nathan -Branitz, erzbischöflicher Gene- raloikar.

Rußland und der Feme Osten.

Moskau fürchtet einen javanischen Angriff.

Moskau, 5. März. (WTB.)Is westi ja" betont, die Sowjetunion sei durch die fortgesetzten antisowjetrussischen Provokationen gezwungen, ihre Grenzen vor Heberfallen zu schützen. Eine Verstärkung der Verteidigungs­kräfte in den Garnisonen an der fernöstlichenGrenze sei das Mindeste, was die russische Regierung im Augenblick zu tun ge­zwungen sei. DieIswestija" weist dabei auf die verstärkte Weihgardistische Tätigkeit in der Mandschurei seit deren Besetzung durch Japan, ferner auf Partei- und Pressestimmen in Japan selbst hin, aus denen hervorgehe, dah es nach japanischer Auffassung Zeit sei, auch die Streit­frage der russisch-japanischen Fischereikon­ventionen zur Lösung zu bringen. Japan habe den vor zwei Monaten ergangenen russischen Vorschlag über den Adschluh eines Nicht­angriffspaktes unbeantwortet gelas­sen. Ferner werden von derIswestija" Doku­mente zitiert, die aus der Feder hoher japanischer Militärs stammen sollen und in denen f ü r einen f ofartigen Krieg gegen öie Sowjetunion plädiert wird. In diesen Do­kumenten wird die Besetzung des fernöst­lichen Küstengebiets und der Baikal­see l i n i e gefordert und die Hoffnung ausge­sprochen, daß auch die westlichen Nach­barn Rußlands sich an einem Krieg beteiligen würden.

Frankreich will keinen Rüstungsausgleich dulden.

Tardieus Programm für die Abrüstungs­konferenz rein negativ.

Paris, 4. März. (TU.) Ministerpräsident Tardieu erklärte vor dem Auswärtigen Aus­schuß, dah die französischen Vorschläge auf der Genfer Abrüstungskonferenz nur eine Fortsetzung der französischen Politik im Rahmen des Völker­bundes sowohl in bezug auf die Sicherheit, wie auch aus die Rüstungseinschränkungen sei. Seit der Rückkehr des französischen Heeres auf den normalen Friedenshand, der im Jahre 1921 erreicht worden sei, habe man die Effektiv­stärke und die Dienstdauer stark herabge­setzt. Der französische Heereshaushalt für 1932 weise ferner eine Herabsetzung um 13. v. H. ge­genüber dem ursprünglichen Pro­

gramm auf. Frankreich habe also s e i n e n A b- ft ungeteilten bewiesen. Wenn an­dere Nationen sich ebenso wie Frankreich bereit- erklärten, an der Schaffung einer inter­nationalen Armee mitzuarbeiten und Ma­terial und Truppen zur Verfügung zu stellen, so würde die französische Regierung neue Rü­stungseinschränkungen prüfen für den Fall, dah die Völkerbundsarmee eine Erhöhung der Sicherheit auf dem Wege der gegenseitigen Unterstützung gewährleiste. Frankreich kenne keine Rüstungseinschränkung ohne die Organisierung des Friedens. Es werde weder einer allgemeinen Ab­rüstung 8uft Immen, noch einen Aus­gleich der sichtbaren Bewaffnung annehmen, die geradezu eine Prämie auf dem Detrug sowohl hinsichtlich der Anzahl wie des Kriegspotentiels" darstellen würde. Die 2lb» rüstungskonserenz werde zwischen den verschiede­nen Systemen zu wählen haben, von denen das eine sich auf den Völkerbundspakt stütze, das an­dere micht in Zusammenhang mit diesem Pakt stehe und wieder andere ihm zuwiderliefen. Die fran­zösischen Thesen würden, soweit sie sich hierauf bezögen, im Laufe der kommenden Woche öffent­lich dargeleat werden. Auf eine Frage des Ab­geordneten deBergerie erklärte der Ministerprä­sident, dah niemals, ganz gleich unter wel­chen Umständen ober Vorwänden, von der Wiederaufrüstung irgendeines Lan­des die Rede fein könne.

Entspannung in Finnland.

Der Lappovrnsch zusammen ebrochen.

Riga, 3. März. (TU.) Wie der Sonderkor­respondent derSevodnja" aus Finnland berich­tet, der noch am Donnerstag im Kraftwagen öie Gegend von Mäntsälä besucht hat, ist öieses Hauptgebiet des Ausstandes von regie­rungstreuen Truppen eingekreist, während Mäntsälä selbst noch in den Händen der Lappoanhänger ist. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dah der Putsch der Lappo­anhänger zusammengebrochen ist. Ob­gleich es nirgends au ernsteren Zusammenstößen der angesammelten bewaffneten Kräfte gekommen ist feine der beiden Parteien wollte mit dem Angriff beginnen, haben die Mahnahmen der finnländischen Regierung und besonders die Rund­funkrede des Staatspräsidenten Svinhufvud zahlreiche Lappoanhänger veranlaßt, a u S e i n - anderzugehen.

Um Komplikationen zu vermeiden, enthält sich

die Regierung jeder bewaffneten Einmischung. Sie hat auch die Führer der Aufständischen nicht verhaften lassen, die noch immer versuchen, alle ihnen, zur Verfügung stehenden Kräfte oufzu- bieten, dabei aber wenig Erfolg haben. Es wird einige Zeit dauern, bevor die Lage wieder ruhig ist. Das Geschäftsleben geht wie­der seinen gewohnten Gang. Die Neu­bildung der Regierung hat ebenfalls beruhigend gewirkt.

Aus aller Welt.

Verhaftungen in der Lntführungsaffäre Lindbergh.

Ein gewisser Patsy Orlando aus Hopewell ist in Brooklyn verhaftet worden. Gr hatte Hopewell am Abend der Entführung des Kindes Lindberghs verlassen und hielt sich unter falschem Namen in Brooklyn auf. Die Behörden messen ferner der in der Freitagnacht in Hartford (Connecticut) erfolgten Verhaftung einer der Bekannten der Pflegerin des Soh­nes Lindberghs die größte Bedeutung zu. Man erwartet stündlich weitere Entwicklungen der An­gelegenheit. Lindbergh ist bereit, jederzeit nach Hartford abzufliegen.

Dreißig falsche van Goghs.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft I Berlin ist das Hauptverfahren gegen den Kunsthändler Otto Wacker wegen fortgesetzten Betrugs und wegen Pfandbruches eröffnet worden. Der Angeklagte hat in den Jahren 1925 bis 1928 dreißig Gemälde mit dem Namenszugvan Gogh" zu einem Durchschnittspreis von mehr als 10 000 Mk. ver­kauft. Diese Gemälde sind sämtlich nicht von van Gogh gemalt. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, diese Gemälde in Kenntnis ihrer Unechtheit als echte van Goghs veräußert zu haben, und zwar zu Preisen, wie sie nur für Werke van Goghs bezahlt werden.

Schweres Üohlenoxydgas-Unglück.

In einer großen Gärtnerei in Hasle bei Aar­hus (Dänemark) wurden neun Gärtner- schüler in ihrem Schlafraum durch Kohlen­oxydgas vergiftet auf gefunden. Drei Schüler waren tot, drei schweben in Lebens­gefahr; die übrigen hofft man retten zu können. Unter dem Schlafraum befand sich die Dampf­heizung für ein Treibhaus. Man nimmt an, dah Rauch aus der Heizungsanlage, der in­folge völliger Windstille nicht durch den Schorn­stein abziehen konnte, in den Schlafraum ein­gedrungen ist.

Schweres Explosionsunglück beim Tanken.

Durch die Unvorsichtigkeit eines Kraftwagen­besitzers verbrannten in Niort (Frankreich) zwei Kinder im Alter von 7 bzw. 2 Jahren. Beim Ausfällen der Benzinbehälter seines Wagens hatte der Besitzer einem Nachbarn eine bren­nende Kerze übergeben, um Licht zu haben. Plötzlich erfolgte eine furchtbare Explosion. Die beiden Männer, sowie die drei Kinder des Kraft­wagenbesitzers, die um den Wagen herumstanden, glichen im Nu lebenden Fackeln. Nachbarn gelang es schließlich, das Feuer zu löschen. Zwei Kinder star- ben kurz nach Einlieferung in das Krankenhaus. Der Vater, das dritte Kind und ein Nachbar liegen mit schweren Brandwunden darnieder.

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Wettervoraussage.

Immer noch bewirkt nächtliches Aufklaren Strahlungsfröste, Die nach Ort und Lage ver­schiedene Werte annehmen. Auch in der kommen­den Nacht werden die Temperaturen noch unter Null zurückgehen. Da aber durch die Störung über Island jetzt die britischen Inseln in den Bereich ozeanischer Luft gelangen, ist anzuneh­men, dah auch über Deutschland allmählich mari­time Luft Platz ergreift, die zu langsamer Mil­derung führen wird.

Aussichten für Sonntag. Nachtfrost, einsetzende Milderung, neblig-wolkig, zeitweise auch aufheiternd, trocken.

Aussichtenfür Montag: Weiterer Tem­peraturanstieg, wechselnd wolkiges Wetter, Nei­gung zu vereinzelten Niederschlägen.

Lufttemperaturen am 4. März: mittags 5,1 Grad Celsius, abends 0,6 Grad; am 5. März: morgens minus 6,2 Grad. Maximum 5,3 Grad, Minimum minus 7,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. März: abends minus 0,4 Grad; am 5. März: morgens minus 0,4 Grad Celsius. Son­nenscheindauer 6/4 Stunden

Amtliche wintersportnachrichlen.

Vogelsberg, Hoherodskopf: Klar, mi­nus 5 Grad, Schneedecke durchbrochen und ver­harscht, Sportmöglichkeit nur stellenweise im Walde.

Schwarzwald, Feldberg: Bewölkt, minu» 2 Grad, 30 cm Schnee, gekörnt, Sportmöglichkeit gut.

Alpen, Garmisch - Partenkirchen: Klar, minus 2 Grad, 10 cm Schnee, verharscht, Sportmöglichkeit gut