Ausgabe 
4.7.1932 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Das imposante Hagen-Denkmal, das jetzt am Rhein­ufer in W o r m s enthüllt wurde. Es stellt den Recken Hagen dar, wie er den Nibelungen-Schatz in den Rhein versenkt.

kanzler in Lausanne und der deutschen Ab­rüstungsdelegation in Genf folgendes Telegramm:Wir vom Vierten Deutschen Reichs- kriegertag in Dortmund sprechen vertrauensvoll die Erwartung aus, daß unbeirrt an den ver- brtesten Rechten und Forderungen des deutschen Volkes fe st gehalten wird. Die alten Soldaten wollen keine klei­nen Zugeständnisse: sie fordern eine Lö­sung, die der Ehre und der Würde der deutschen Ration entspricht, auf der Grundlage völ­liger Gleichberechtigung. Sie wollen das Recht jedes freien Volks: das Vaterland in Rot und Gefahr schützen und verteidigen zu kön­nen."

Aus aller Welt.

Oie Flieger Bertram und Clausmann lebend ausgefunden.

Rach einem Funkspruch aus Wyndham (Austra­lien) sind die beiden Flieger Bertram und (Haus­mann, die seit dem 15.2Hai vermißt wurden, von Eingeborenen unweit des Kaps Vernier lebend aufgefunden worden. Die beiden Geretteten befanden sich in vollkommen er­schöpftem Zustande.

Die Flieger wurden etwa 12 Meilen von der Stelle, wo sie ihr Flugzeug zurückgelassen hatten, aufgefunden. Die Eingeborenen gaben ihnen Kän­guru h f l e i s ch zu essen, bis am 22. Juni wei­tere Eingeborene aus Drysdale kamen, die einen Läufer zu der Hilfsexpedition des Polizeikommissars Darschall schickten. Darschall suchte damals das Ge­lände in der Nähe des Flugzeuges ab. Er kam mit den Eingeborenen zurück und traf Bertram und (Hausmann am vergangenen Mittwoch. Bertram konnte kaum noch gehen. Als er den austra­lischen Beamten sah, rief er:Brot! Brot!" Mehr konnte er nicht herausbringen. Nachdem er etwas Nahrung zu sich genommen hatte, berichtete er kurz über seine Schicksale. Die Flieger hatten in einem schweren Sturm über dem Ozean voll­kommen die Orientierung verloren und waren am 15. Mai auf dem australischen Kon­tinent gelandet. Ihre ganzen Borräte waren einige Pakete Zwieback und Obstkonserven. Nachdem diese Vorräte erschöpft waren, lebten sie von Schnecken und von dem Wasser des Motorküh­lers. Von Wyndham ist ein Motorboot abgegangen, das die Flieger und die Rettungsexpedition abholen soll. Dos Boot wird am Mittwoch zurückerwartet.

Wieder in Friedrichshafen.

Nach einer Rundfahrt über London und Südeng- land nahm derGraf Zeppelin in Henworth die Fahrgäste für dieRückreife nachFried- richshafenan Bord und startete kurz nach 21 Uhr in südöstlicher Richtung. Er überflog noch einmal von mehreren englischen Flugzeugen begleitet ziemlich niedrig und mit großer Geschwindigkeit die Lon­doner City und fuhr dann dem Laufe der Themse folgend nach Deutschland davon. Als das Luftschiff langsam in die Höhe stieg, spielte die Kapelle die deutsche und englische Nationalhymne, die von der Menge mit entblößten Häuptern angehört wurde. Als derGraf Zeppelin" am Horizont verschwand, wurde die deutsche Flagge, die während des ganzen Englandfluges des Luftschiffes auf dem Flugplatz von Henworth aufgezogen war, wieder eingeholt. Das Luftschiff ist heute früh zurückgekehrt und um 6.32 Uhr glatt gelandet.

Schon wieder zwei Schulbrände.

Die Serie der Berliner Schulbrände fand ihre Fortsetzung in einer neuen Brandstiftung, die in dem ehemaligen Kleist - Lyceum im Rord- westen Berlins verübt wurde. In dem Gebäude befindet sich jetzt ein der Stadt Berlin gehöriger Kinderhort. Das Feuer war in der Kochküche in einem Gerätefchrank angelegt worden. Eine zweite Brandstiftung wurde im Schrank des Kü­chenraumes des städtischen Dorotheen - Ly - ceums in der Wilhelmshavener Straße entdeckt. Der Schuldiener konnte den Brand rechtzeitig mit dem Handlöschgerät ersticken. Einen Anhalt für die Art der Brandstiftung sowie für die Brand­stifter selbst konnte bisher nicht ermittelt werden, wie auch die früheren Fälle derartiger Brandstif­tungen noch vollkommen in Dunkel gehüllt sind.

Schwerer Eisenbahnzusammenstoh In der Tschechoslowakei.

Zwei Züge einer Nebenbahn sind bei Beneschau in Südböhmen zusammenge stoßen. Reun Personen wurden getötet und 30 verletzt, unter ihnen 12 schwer. Das Tlnglück ereignete sich während eines starken Gewitters, das über dieser Gegend wütete.

Schweres Faltbootunglück auf dem Oberrhein.

Zwischen Laibstadt und Schwaderloch auf schwei­zerischem Gebiet ereignete sich auf dem Rhein ein schweres Faltbootunglück. Vom User aus sah man mitten im Rhein ein gekentertes Faltboot treiben, an dem sich drei junge Männer festhielten, die langsam in den Fluten versanken. Hilfeleistung war unmög­lich. Auch das Faltboot konnte nicht sichergestellt werden. Man muß annehmen, daß die drei Insassen ertrunken sind. Ihre Identität steht nicht fest.

Bauernurutjen in Ostgalizien.

In der Gegend von L i s k o in Ostgalizien tarn es zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen ukraini­schen Bauern und der Polizei. Die Bauern sollen, wie es in polnischen Blättern heißt, durch k o m - munistische Werbetätigkeit gegen die polnischen Landbesitzer aufgewiegelt worden sein. Man redete ihnen angeblich ein, daß in Kürze bie Leibeigenschaft wieder ein- geführt werden solle. Die Bauern bewaffneten sich daraufhin mit Stöcken und allerlei Feldgeräten, zogen auf die polnischen Gutshöfe, mißhandelten deren Besitzer, vertrieben sie und begannen zu plündern. Erst einer größeren Polizeiabteilung gelang es, die Bauernrevolte durch Gebrauch von Schußwaffen zu unterdrücken und die aus einigen hundert Personen bestehende Menge zu zerstreue,. Insgesamt werden bisher fünf Tote und mehrere Verletzte, darunter zwei Polizisten gemeldet. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor.

Aschenregen in Chile.

In der Gegend von Valparaiso und C u ricoisteinoulkanischerAschenregen nie­dergegangen, der von einem Ausbruch des Vulkans P e u m o im Süden der Provinz O'Higgins her­rührt. Der Aschenregen hat bereits in den frühen Nachmittagsstunden den Himmel verdunkelt.

3n den Alpen erfroren aufgesunden.

300 Meter unter dem Zugspihgipfel im Höllen­tal wurde der in München wohnende Student Wil­helm Dauer aus Jena erfroren aufgefunden. Die

Lothringer Land.

Von Lieelbet Dill.

Das Auto fährt durch Laubwälder Lothringens. Matt schimmert die Sonne durch Dlätteralleen, der Wind der lothringischen Ebene dringt mir kräftig entgegen. Herb und breit dehnt sich das Land, fern glitzert eine Windung der schimmern­den Mosel. Ein Denkmal am Weg mit steiner­nem Helm. Ich lese im Vvrüberfahren seine Aufschrift: Ein sächsisches Garde-Regiment seinen gefallenen Kameraden, die Erinnerung an einen siegreichen Krieg ... Am Weg versinken und tau­chen morsche Grabkreuze auf, mit vom Regen ver­waschenen Romen. Hinter mir liegt die Festung. Ich fliege durch das Land auf breiten, schlecht- gehaltenen Landstraßen, mit Löchern und Regen­lachen, um mich schließt und öffnet sich der Wald. Immer dasselbe Bild. Weite, flache, manchmal leichtgewellte Ebene, von Wäldern umschlossen, rauchende Schlote großer Hüttenwerke im Tal Schlachtfelder und Grabkreuze. Leben und Tod dicht nebeneinander. Die arbeitenden Werke und die tragischen Felder mit den eingesunkenen Erin­nerungen an das, was dieses Land gelitten hot... Es scheint zum Leiden bestimmt.

Das Auto hält in einem Villenort. Freundliche Deamtenwohnungen in großen Gärten, hinter der Gartenmauer der Wald. Die Zementfabrik, die zum Werk gehört, übergießt Dächer und Gärten ein paar Kilometer weit mit einem grauweißen Staubregen. Sie sehen aus, wie eine beschneite Kolonie. Die Hütte raucht, dampft, hämmert und arbeitet. Alle Hochöfen sind in Betrieb. Wir wandern über weite Höfe, unter unseren Sohlen glühen die eisernen Stege, unter denen das rot­glühende Eisen rinnt wie ein Dach, um auf dem gefurchten, zu seiner Aufnahme vorbereiteten Acker zu verzischen und dort zu erkalten. Heißer Rebel umdampft uns, den großen eisernen Singe- heuern von Hochöfen trieft das kochende Wasser aus den Mäulern, sie reißen ihre Rachen auf, wir sehen in weihglühende Schlünde, unaufhör­lich speist man die Ungeheuer, sie fressen und wer­den nie satt. Unter uns drehen sich die eisernen Drehscheiben, die Geländer, auf die man sich stützt, glühen. Man sieht fast keine Arbeiter auf die­sen modernen Werk. Alles scheint durch Ma­schinen erseht und bewegt zu werden. Aber um 12 Uhr öffnet sich plötzlich eine unsichtbare Quelle und speit Menschen aus, und ein ganzer Strom

Mannern ergießt sich Über die leeren Höfe den-Stätten zu. Die Maler haben prachtvolle Motive hier gefunden. Dichter haben die Eisen­

hütten besungen. Und sie sind schön, diese Dil- der, plastisch, doller Reize. Diesen Weg der glühenden Cisenbäche zu verfolgen, zu sehen wie der flüssige Stahl in die großen Pfannen rinnt, wie die rasenden Maschinen ständig mit Wasser gekühlt werden, um nicht zu zerplatzen, wie die Arbeit rast, brüllt, donnert und zischt, hämmert und glüht. Wie anmutig diese eisernen Riesen­hände mechanisch immer dasselbe tun. Wie sorg­lich sie den Deckel der Pfänner aufheben und höf­lich warten, bis die Pfannen mit Erz gefüllt find, ihn bann zudecken und weiterschweben .. . 1600 Grad Hitze glühen uns aus Feuerschlünden entgegen. Ein rascher Tod für einen Menschen. Mehr als einmal kam es vor, daß sich ein Ar­beiter, der verhaftet werden sollte, vor seinem Verfolger schließlich in eine mit flüssigem Stahl gefüllte Pfanne rettete. Ein Sprung in diese weiß-glühende Hölle und ein Mensch war nicht mehr...

Auf eisernen Himmelsleitern klettert man hin­auf, hoch oben genießt man den ungeheuren Ein­druck dieses Hüttenwerkes. Ein gefährlicher Weg, nur für Schwindelfreie! Von breiten eisernen Ter­rassen überschaut man das Lothringer Land. Der Doden zittert und glüht. Um jeden Wind­erhitzer laufen Dalkons aus Eifen, wie um Aus­sichtstürme. Gefährlich ist die Gasluft, die aus den Tiefen steigt und uns plötzlich einhüllt: man kann kaum atmen lebengefährdend, giftig. Auf dem glühenden flüssigen Eisen, das in der Rie­senpfanne kocht, schwimmt bie graue Schlacke wie Rahm auf der Milch, dort lauft wieder ein gehender Dach über die vorbereitete Erde, von Männern, halbnackt, mit roten heißen Gesichtern bewacht: oben sickert eine graue Schicht Erde, wie Eis auf dem 'winterlichen Bach. Man wird taub von dem Getöse, dem Hämmern, dem Knirschen der Säge, die das Eisen schneidet im Walzwerk, blind und geblendet von den strahlenden Riesen­sonnen der eisernen Oefen. Das Gebläse­haus öffnet sich, die elektrische Ma­schinenhalle, sauber, der Boden weiß ge­glättet und gepflegt, ein Geruch nach Del schwebt in der Luft, Wir sind in ber Zentrale, dem Herz ber Hütte, das hämmert unb schlägt und alles bc- wegt, Riesenmaschinen von 2400 Pferbekräften stehen vor uns unb gehen lautlos und glatt. Sie arbeiten ohne Lärm. Auch hier sieht man nur ganz selten einen Arbeiter. Die großen, glatten, sausen­den Maschinen scheinen selbst zu denken unb zu gehen... Aus einigen steht noch ber Name des deutschen Besitzers, ber diese ungeheure Anlage schuf.Thyssen". Er wirkt wie ein Grabmal am Weg, erinnert an das, was war... Wie ein totes

Leiche wurde von der Rettungsstelle Garmisch der Deutschen Bergwacht zu Tal gebracht.

Schießerei Im Gerichtssaal.

Im Amtsgericht Charlottenburg wurde am Samstag ein Erbschaftsprozeß verhandelt. Gegen 16 Uhr zog plötzlich der 48jährige Gustav Sonnenberg einen Revolver unb schoß auf feine Gegnerin Else Doering unb ihren Rechts- anwalt. Der Rechtsanwalt Hartmann aus ber Potsbamer Straße würbe so schwer verletzt, baß er auf bem Transport zum Krankenhaus starb. Else Doering erhielt zwei schwere Bauchschüsse. Als Sonnenberg sah, bah er seine Gegner getroffen hatte, richtete er den Revolver auf s i ch selbst unb traf sich tödlich in den Kopf.

Schwere» Verkehrsunglück.

Auf ber Strecke Ungoar-Banovce (Karpatho-Ruß- lanb) stieß an einem ungeschützten Bahnübergang ein Motorzug gegen ein P f e r be­ll e s p a n n, das zehn Mitglieder einer Bauern- familie zum Gottesbien st bringen sollte. Von ben Insassen erlitten ber 70jährige Bauer, seine Tochter unb sein Enkelkind schwere Verletzungen, denen sie kurz nach ihrer Einlieferung ins Kranken­haus erlagen.

Beim Fallschirmabsprung löblich verunglückt.

In Dübendorf (Schweiz) wollte bei einer Flugveranstaltung ein Techniker aus einem Flug- zeug mit dem Fallschirm abfpringen, er verfing sichbeimAbsprunginoerAbzugsleine, die riß. Der Fallschirm öffnete sich daher nicht, unb ber Techniker stürzte aus etwa 350 Meter Höhe zu Baben und blieb mit zerschmetterten Gliedern tot liegen.

Der UcberfaU auf ben Wiener Golfklub.

Die Polizei hat wegen bes Ueberfalls auf ben Golfklub im Lainzer Tiergarten unter bem bringen­den Verdacht, ben Ueberfallplan ausgeheckt zu haben, ben nationalsozialistischen Bezirksrat Frz. W a n e k unb ben Graphiker Anton P u h r, beide Sturm­führer im Vaterländischen Schutzbund ermittelt. Wanek ist flüchtig. Puhr würbe verhaftet unb hat geftanben, ben Ueberfall geleitet zu haben. Bei Wohnungsburchsuche würben Waffen gefunden.

Schwere Zwischenfälle im Burgenland.

In der burgenländischen Hauptstandt Eisen» stabt kam es anläßlich eines nationalsozialisti­schen Aufmarsches zu schweren Zusammenstößen mit Sozialdemokraten. Das Eisenstädter Arbeiter- Heim soll gestürmt, dort sollen auch Verwüstungen angerichtet worden sein. Da die Gendarmerie nicht ausreichte, rückte Bundeswehr mit Maschi­nengewehren aus. Es werden zahlreiche Verletzte gemeldet, darunter der Landeshauptmannstellver­treter Leser.

Bekannter Münchener Brauer gestorben.

Geheimer Kommerzienrat Eugen Thomas ist im Alter von 69 Jahren gestorben. Geheimrat Thomas ist einer ber Gebr. Thomas, bie in jahre­langer erfolggekrönter Arbeit die frühere Hubinger Brauerei zur höchsten Blüte brachten. Die Brüder Thomas waren bie ersten unter ben Münchener Brauern, bie Helles Bier nach Pilsener A r t herstellten. Damit begründete sich auch ber Weltruf des Unternehmens, zu dem nicht zum ge­ringsten Teil ber Verstorbenen beigetragen hat.

Tagung de» verbände» Deutscher Bücherrevisoren.

In Bad Harzburg fand die diesjährige Tagung des Verbandes, dem beeidigte Bücherrevisoren und Wirtschaftsprüfer angehören, unter starker Be­teiligung der Mitglieder statt. Im Vordergrund der Erörterungen standen berufspolitische Fra­gen, wie insbesondere die Angelegenheiten der Be­stellung der Wirtschaftsprüfer und die Weiter­entwicklung des Berufes der beeidigten Bücher­revisoren. Ferner fand ein Vortrag des Wirt­schaftsprüfers Mundorf (Berlin) überFinan­zierung als Derufsaufgabe" statt. Die Tagung bewies erneut den Willen der beeidigten Bücher­revisoren und Wirtschaftsprüfer,' daß sie die Ziele der Weiterentwicklung des Berufes geschlossen verfolgen werden. Zum Vorstand wurde gewählt: Dr. jur. Paul D. Schourp, Essen (1. Vorsitzen­der): Dr. Wilhelm Voß, Berlin (1. stellvertr. Vor­sitzender): Rudolf Mundorf, Berlin (2. stellvertre-

Tier liegt in ber Ecke eine Dampfturbine, sie war zu alt unb hat versagt, ist krepiert, sie platzte unb zerstob...Schaufelsalat". In ben Koquillen er­starrt langsam der Stahl. Di« Wunder des Stahl­werks nehmen mich gefangen. Don diesen pracht­vollen leuchtenden Bildern kommt man kaum los. Die Rachen ber Martinsöfen mit ihren 2000 Grad Hitze sehen aus wie die Mäuler vorsintflutlicher Ungeheuer, die sich gierig öffnen und schließen, aus den Bessemerbirnen sprüht ein funkelnder Sternen­regen wie ein Opfer der Arbeit himmelan. In Dampf und sprühender Glut arbeiten die Männer.

lieber mir schweben glühende mannshohe Blöcke vorbei, bie, ohne daß sich eine Menschenhand be­müht, in die Maschine geleitet, gewalzt, zerschnit­ten, aelöscht werden und in Wärmeöfen versenkt. Bon schwebenden Maschinenhänben wird der Deckel sorglich draufgestülpt. Die Hütte hat ihre eigenen Kohlenbergwerke und ihre Erzgruben. Wir fah­ren in die nächste Erzgrube ein. Sie liegt mitten im Wald, wie ein Märchenschloß versteckt. In weißen Leinenmänteln und Mützen gehts im eisernen Kä­fig in bie Tiefe, bie gähnende finstere Unterwelt, um mich wird es dunkel, wir tragen alle Laternen. Der Weg zwischen gelben, tropfenden, nassen Wän­den leuchtet, glitzert und gleißt. Es ist warm hier unten, wie geheizt. Man zeigt mir flüssige Luft, die blau in einem Behälter kocßt. Mit ihr wird das Erz gesprengt. Eben wird am Ort eine Sprengung vorbereitet. Wir gehen hin, ein weiter, viele Kilo­meter langer, mühsamer Weg. Nichts für Helle Pelzjacken und Lackschuhe. Unaufhörlich rollen Wagen mit Erz an uns vorbei, ohne Führer, ganz still. Am Ende des langen Weges sehen wir einer Sprengung zu... Vier Arbeiter, ein dumpfdröh- nenber Knall, der bie Wände erschüttert, bie Erde birst, die gleißenden Brocken öffnen sich, stürzen unb brechen nieder. Wir sind wie betäubt von der Wucht des Donners, betropft und bestaubt. Oben in der 5)alle über Tag erwarten uns mit warmem Wasser gefüllte Badewannen, reine Handtücher frische Luft.

Dann trägt uns das Auto durch den sinkenden Tag, durch grüne Wälder, durch verlassen aus- sehende lothringische Dörfer, in denen schon um 7 Uhr alles zu schlafen scheint auf den Wiesen steigt der Moselnebel auf, und hier unb dort ragt eine Gruppe rauchender Schlote, ober ein armes, windschiefes Soldatenkreuz reckt sich am Weg: Ver­geßt uns nicht!--

Melancholisch dehnt sich unendlich weit bas Lothrin­ger Lanb. Dor einem Dorf hält plötzlich ber Wa­gen, eine kleine Panne. Wir steigen aus unb im grellen Schein ber Wagenlaternen tritt wie ein Mensch aus bem Dunkel bas steinerne Denkmal

Geheimrat Ernst Sachs, ber Erfinber ber Torpebo- Freilaufnabe ist im Alter von 65 Jahren in Schwein­furt gestorben. Er war Mitbegründer und General­direktor der Firma Fichte! & Sachs. Ernst Sachs wurde in Konstanz a. B. geboren. Er erlernte bas Mechanikerhandwerk, zeichnete sich durch besondere Begabung unb Tüchtigkeit aus und kam in Frank­furt a.M. in die Kreise des gerade aufblühenden Radrennsportes hinein. Das führte den Fein­mechaniker zu ber Erfinbung bes ersten wirklich brauchbaren Kugellagers unb zur Erfindung einer Freilaufbahn für Fahrräder, auf bie er Patente nahm. Dann gründeten er und der Schwein­furter Karl Fichte! mit zwei Gesellen unb einem Lehrling die Präzisionskugellagerwerke Fichte! & Sachs, Schweinfurt, bie er halb durch rastlose Tätigkeit und immer neue Erfindungen zu außerordentlicher Bedeutung unb Größe entwickelte. Vor Eintritt ber Wirtschaftskrise wurden 8000 Ar­beiter allein in Schweinfurt beschäftigt.

tender Vorsitzender): Konrad Bolte, Bremen: Karl Marcus, München; Ludwig Schünemann, Hamburg: Walter Westram, Halle.

Musik um Goethe.

Den zahlreichen Ausstellungen, die sich diese- Jahr mit der Persönlichkeit Goethes befassen, ist nun auch eine gefolgt, die Goethes Verhältnis zur Musik darstellt. Das Musikhistorische Mu­seum, die Musikbibliothek Paul Hirsch und das Freie Deutsche Hochstift in Frankfurt a. M. haben das Material geliefert. Das Prinzip ber Ausstellung ist die Entwicklung des Menschen Goethe und die Reihenfolge der musikalischen Einwirkungen von seiner Kindheit an. Roch in die frühere Zeit hinein gehört das Breit- kopf.che Liederbuch mit seinen Ver­tonungen Goethescher Texte. Für die Straß­burger Zeit und die Einwirkungen Herders ist bekannt, daß Goethe alten Dolksliedmelo- dien neue Texte un erlegt. Von der Weimarer Epoche findet sich das Original von einigen Goetheschen Singspielen und die Verdeutschung französischer und italienischer Opernlibretti von Goethes Schwager Vulpius. Den Abschluß bilden die Faustszenen ' von Radziwill und Hektor Berlioz und die Partitur vonMeeresstille und glückliche Fahrt", die Beethoven dem unsterblichen Goethe" gewidmet hat.

Italienische Goethe-Gebenkwoche in Frankfurt.

Die italienische Goethe-Woche in Frankfurt am Main wurde eingeleitet mit der Lieberrei­chung Johann Caspar GoethesViaggio in Italia, eine Veöffentlichung der italieni­schenKöniglichen Akademie" durch Professor Arturo Farinelli, auf dessen Ver­anlassung die Akademie zum 100. Todestag des großen Dichters zu Ehren dessen Vaters das Werk herausgegeben hat. Oberbürgermeister Dr. Landmann begrüßte im Kaisersaal des Römers die italienische Delegation- Er dankte den Vertretern Italiens, daß sie noch einmal gekommen seien, um die Stimme Italiens im Chore der Volker, die Goethe in diesem Jahre ihre Huldigung darbrächten, ertönen zu lassen.

eines als Spion erschossenen (£urd, das sich ge­spenstig am Weg erhebt wie ein Warnung---

OieSchatten^

der Großen von Lausanne.

Wenn die Premierminister der großen Staa­ten, die sich jetzt in Lausanne wieder einmal zu­sammengefunden haben, ruhig auf den Terrassen herumspazieren unb sogar lange Spaziergänge an den Seeufern unternehmen können, ohne Angst vor Attentaten oder Belästigungen haben zu müs­sen, so verdanken sie dies der vorzüglichen Arbeit der Polizei. Die Schweizer Sicherheits-Behörden wirken im engen Einvernehmen mit dem persön­lichen Schuh, den sich die einzelnen Führer bet Delegationen mitgebracht haben. Die Sicherheits­maßnahmen in Lausanne sind so vorzüglich or­ganisiert, daß kein Fremder länger als ein paar Stunden sich in der Stadt aufhalten kann, ohne daß der Chef der Lausanner Detektiv-Streitkräfte alles über ihn weiß. Die Premierminister Euro­pas sind daher aus der Konferenz so sicher, wie es nach menschlicher Voraussicht möglich ist. Wie Harold G. Cardozo in einem Londoner Blatt er­zählt, sind die meisten der ausländischen Detek­tive auf der Konferenz ebenso bekannte und ver­traute Erscheinungen wie die Staatsmänner, die siebeschatten".Jeder Kenner des Konferenz­milieus' , schreibt dieser Beobachter,weiß, daß die gedrungene Figur, die als Macdonalds Schatten" ihm immer auf den Fersen folgt, In­spektor Renshaw von Scotland Pard ist, und ebenso wenig kann man das gebräunte Gesicht, den Spitzbart und die zwinkernden blauen Augen von Mons. Sisteron vergessen, der die französischen Premierminister, mag es nun Tardieu oder Her- riot fein, überall hin begleitet, wohin sie gehen. Der italienische Außenminister Grandi hat stets Atoel Wächter bei sich, die wahre Hünen sind und Deren breite Schultern auf ungewöhnliche Körper­kräfte schließen lassen. Es ist amüsant, diese Ver­treter der Polizeibehörden der verschiedenen Län­der zu beobachten, wie sie mit unruhigen Blicken umherschauen und dabei doch ihre besonderen Schützlinge nie aus den Augen lassen. Alle Mit­glieder der Konferenz, die Sachverständigen und Sekretäre, kennen sie genau und ebenso alle Zei­tungsleute und begrüßen sie mit einem diskreten Lächeln oder einem freundlichen Kopfnicken. Aber sobald eine unbekannte Gestalt im Amkreis der von ihnen Bewachten auftaucht oder wenn ihnen irgend etwas Verdächtiges auffällt, dann malt sich sofort Llnruhe und verstärkte Aufmerksamkeit auf ihren Zügen..."