»MlMRM!"
Vornan von Gert Gothberg.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Hall«.
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Gleich darauf stand sie vor ihm. In ihrem einfachen Mantel, schlank, dunkel, unauffällig. Doch er wußte ja nun, wie schön Aenne Ohlen war, wie bezaubernd schön.
Seine Arme hoben sich unwillkürlich, doch sie sanken sofort wieder herab, als das Mädchen leise sagte:
»Ich möchte fort. Doch zuvor bitte ich noch um das eine: Wenn Sie mich in Begleitung Ihrer Frau Gemahlin oder auch allein im Salon der Madame Endiee oder sonst einmal zufällig treffen sollten, dann bitte ich, mich nicht zu kennen."
„Ja--aber, ich..."
Groh und, wahr sah sie ihn an.
„Ich hoffe, daß ich meine Bolle gut gespielt habe. Wenigstens so, daß der Zweck des Ganzen einigermaßen erreicht wurde."
Er führte ihre kleine Rechte an seine heißen Lippe«!. Dann sagte er:
„Sie wollen für immer aus meinem Leben verschwinden? Ich soll Sie nicht mehr spielen hören?"
In ihren schönen blauen Augen lag stumme Qual. Sie wandte das Gesicht zur Seite, als sie sagte:
„Es — ist am besten. Wenigstens für mich.
„Kleines liebes Mädel, ich danke Ihnen für alles noch einmal herzlich. Ich möchte aber ernstlich, daß wir uns Wiedersehen."
Stolz und abweisend sah sie ihn an.
„Ich hätte es mir denken können, daß dieses ganze abenteuerliche Theaterstück noch etwas nach sich ziehen mußte. Wenn es auch schließlich nur Mißachtung von Ihnen ist, weil ich mich zu dieser Rolle hergab."
Mit seiner Beherrschung war es vorüber. Er riß das Mädchen an sich, bedeckte den kleinen Mund mit heißen Küssen.
„Ich liebe dich. Gehe nicht wieder aus meinem Leben, kleine, schöne, sonnige Aenne! Bald werde ich frei sein. Meine Frau hat mich heute verlassen. Wahrscheinlich kehrt sie nie mehr zurück, ünb wenn, dann habe ich Gründe, die---wozu
sprechen, Kind! Ich habe dich so lieb. Geh nicht wieder aus meinem Leben, Ol^nne!“
Aenne lag wie betäubt in seinen Armen. Sie spürte die heißen Küsse, gab sie zurück, und wußte doch, daß es etwas Anrechtes war, was sie jetzt tat, und war doch machtlos gegen das Schicksal.
Endlich wand sie sich aus feinen Armen. Tief, tief war der blonde Mädchenkopf gesenkt.
„Ich muß fort! Run erst recht muß ich fort."
Hastig, angstvoll hatte sie es hervorgestoßen. Dabei strebte sie zur Tür.
„Du gehst nicht, Aenne! Jetzt nicht! Du bist mir viel zu teuer, als daß ich dich jetzt gehen ließe. Lege dich ein paar Stunden hier auf das Ruhebett. Gegen halb acht Ußr mag mein Wagen dich zum Geschäft bringen. Der Chauffeur mag eine Straße zuvor halten, damit es nicht auffällt. Doch das nur nebenbei. Ich liebe dich, und du wirst nicht wieder aus meinem Leben gehen. Öder — liebst du bereits einen andern Mann?"
„Rein! Ich liebe den Mann, den ich vorhin geküßt habe. Ich habe noch nie einen andern geliebt. Trotzdem muß ich aus Ihrem Leben gehen, weil das andere Sünde ist. Es wäre Mutters Tod, wenn ich..."
Aenne schlug beide Hände vor das Gesicht. Sanft nahm er sie ihr wieder herunter, behielt sie in den seinen.
„Es ist keine Sünde, Aenne. Bor Gott nicht, denn die Frau, die meinen Ramen vorerst noch trägt, die wird gehen müssen für immer. Ich liebe dich. Rur dich! Ich bin fein Augenblicks- menfd) im Gegenteil, sonst recht schwerblütig. Doch das Band zwischen meiner Frau und mir ist feit langem zerrissen. Was heute geschah, ist eine logische Folge einer zerstörten Ehe, woran du nicht die geringste Schuld trägst, kleine Aenne. Willst du nun noch immer aus meinem Leben gehen?"
„Ich - fürchte mich. Sie -- sind heute einsam und verlassen. Aus diesem Grunde - glauben Sie, mich zu lieben. Selbst wenn Sie.frei sein werden, seye ich für mich kein Glück, denn es gibt genug reiche, vornehme, junge, schöne Damen in Ihren Kreisen. Das Abenteuer dieser Rächt wird gar bald vergessen fein, ilnb für mich ist es ja doch das beste, wenn ich an diesen Abend zurückdenke wie an einen schönen Traum."
„Ich liebe dich. Bleibe! Ich -- du sollst meine Frau werden, fuße, blonde Aenne. Hörst du? Weil du bist, wie ich mir die Frau ersehnte. Du wirst bleiben, Kind, weil du zu meinem ferneren Leben notwendig bist."
Er hatte sie wieder an sich gerissen, und.Aenne fühlte nicht mehr die Kraft in sich, sich gegen diese Liebe zu wehren, weil sie ihr selbst verfallen war.
Aenne Ohlen schlief nicht. Mit großen wachen Augen starrte sie ins Dämmerlicht des beginnenden Wintermorgens.
Wenn ich doch hier hätte einschlafen können und wäre nie mehr erwacht, dachte sie, und Frostschauer jagten ihr über den Rücken.
Leise erhob sie sich. Heber dem Sessel hingen ihre Sachen.
Vorsichtig zog fie sich an. Angstvoll blickte sie zur Tür. Alles blieb still.
Da wagte sie endlich, die kleine Lampe auf dem Tische einzuschalten. In ihrer Handtasche sand sie zwei Tausendmarkscheine. Da sank Aenne Ohlen in die Knie.
„Geld? Dann hat er schlecht von mir gedacht. O mein Gott!"
Sie lag eine ganze Weile regungslos auf dem weichen Teppich. Dann aber trieb die Angst sie hoch. Sie mußte fort. Fort, so schnell als möglich.
„Doch ich muß ihm mitteilen, daß ich das Geld nicht nehme. Rein, ich nehme nichts. Jetzt nicht mehr."
Suchend blickte sie sich um. Dort in der Ecke der kleine Schreibtisch. Sie huschte hinüber. Schnell schrieb sie einige Zeilen und steckte sie nebst dem Geld in ein schmales, graues Kuvert. Sie schrieb darauf: An Herrn Doktor Ansbrück. 11 nb bann legte sie den Brief auffällig auf die Ecke des Tisches.
Wie eine Diebin schlich das Mädchen zur Tür. Aus dem langen, dunklen Flur war alles ruhig.
Aenne schritt weiter. Ein mattes Licht brannte am Eingang. Würde sie hinaus können?
Da erhob sich aus einem Stuhle an der Tür ein Mann. Entsetzt wich Aenne zurück.
Der Mann verbeugte sich und legte die Hand an die Mühe.
„Der OBagelt ist bereit, gnädige Frau."
Aenne vermochte nur schwach mit dem Kopfe zu nicken. Sie ging an dem Manne vorüber, der ehrerbietig dastand und ihr weit die Tür öffnete.
Draußen half er ihr in den großen Wagen, der im Strahl der Lampe, die über dem Portal angebracht war, hell aufblihte. Dann fuhr er leise surrend davon.
Aenne warf keinen Blick zurück. So sah sie auch nicht den Mann, der an einem Fenster der Billa stand und öem Wagen nachblickte.
Ich hole dich ja doch, kleines liebes Mädel. Ich hole dich bestimmt, dachte Doktor Rudolf Ansbrück, und ein weiches Lächeln lag um seinen Mund.
In einem Abteil des Schnellzuges Dresden- München saßen ein Herr und eine Dame. Es war sehr warm, trotzdem zog die Dame den kostbaren Pelz enger um sich.
Der Mann lehnte schweigend in seiner Eck§. Sein Gesicht wurde von Sekunde zu Sekunde finsterer. Es war fein liebevoller Blick, mit dem er feine Begleiterin maß. Sie legte die Hand auf feinen Arm.
„Georges, was nun?"
„Weiß ich es? Es ist zum Verzweifeln. Du bist nicht zu gebrauchen, denn du trägst auch hier die Schuld an diesem mißlungenen Werk. Eine
ungeheure Verdienstmöglichkeit entgeht mir durch dich. Weiber sollte man bei solch ernsten, weittragenden Dingen eben aus dem Spiele lassen", schloß er roh.
Die Frau zuckte zusammen. Ihr feines, puppenhaftes Gesicht war totenblaß.
„Georges, das klingt, als ob ich dir nur ein Mittel zum Zweck gewesen sei?"
„Was sonst?"
„Du hast mir gesagt, daß du mich liebst!" Zitternde Empörung klang durch die Worte.
„Das habe ich schon viele Male einer Frau gesagt. Wenn du nun auf diesen Worten herumreiten willst, kannst du mir leid tun. Das Beste ist, du kehrst zu deinem Manne zurück. Ich bin vorerst gezwungen, wegzureisen. Zu verschwinden! Vielleicht ist es dir möglich, noch etwas in der Sache zu tun. Wenn nicht, dann brauchst du auf mein ferneres Wohlgefallen sicherlich nicht zu rechnen, mein liebes Kind. Die Sache ist schiefgegangen durch irgendeine Unvorsichtigkeit deinerseits. lind ich habe Wichtigeres zu tun, als dir jetzt irgendwelche Phrasen zu sagen."
Sein hübsches, südländisches Gesicht sah jetzt gründlich verärgert aus. Er empfand eine förmliche Genugtuung, der Frau an seiner Seite endlich zu zeigen, wie er in Wirklichkeit dachte.
Und jedes Wort traf die Frau wie ein Schlag. Jetzt erst wurde es ihr klär, was fie cwss Spiel gesetzt, als sie den Liebesschwüren dieses Mannes, der ein ganz gewöhnlicher Abenteurer war, glaubte. Der. jetzt, nachdem ein Unglückseliges Verhängnis ihnen die bereits sichere Deute entrissen, fein wahres Gesicht zeigte.
Zu Rudolf Ansbrück zurück!
Wenn er inzwischen alles erfahren hatte — was dann?
Rein. Was soll er erfahren haben? Cs weiß ja niemand. Daß uns die Tasche abhanden kam. ist ein unglückseliger Zufall. Der gute alte Herr, der im Wartesaal des Bahnhofes neben uns saß. der steht doch sicherlich in keinem Zusammenhang mit all dem. Er hat sicherlich aus Versehen die Tasche dem Dienstmann mit übergeben. Und, vielleicht, nein, wahrscheinlich wird man nach einer Anfrage an die Direktion der Eisenbahn die Tasche wiedererhalten. Rur — ich kann jetzt, selbst nicht, wenn sich die Tasche finden sollte, mit Baron Ilzenescu weiter in die Welt reisen. Ich fürchte mich vor ihm. Er ist ein ganz gewöhnlicher Verbrecher. Und um ihn habe ich Rudolf Ansbrück betrogen! Habe diesen Mann bestohlen, um den mich alle Frauen beneidet haben. War ich denn wahnsinnig?, dachte sie.
Lisa Ansbrück stand plötzhch auf. Sie konnte nicht mehr länger hier neben diesem Menschen fitjenbleiben, den ein widriges Geschick an ihre Seite verschlagen.
(Fortsetzung folgt.)
Bekanntmachung.
Betr.: Verpachtung des Wirtschaftsbetriebs auf dem Viehmarktplatz,am Güterbahnhof.
Der Wirtschaftsbetrieb auf dem Vieh- Marktplatz, auf dem etwa alle 14 Tage Zucht, und Nutzviehmärkte stattfinden, soll neu verpachtet werden. Die Verpachtungs bedingungen sind im Stadthaus, Bergstraße Nr. 20, Zimmer 12, erhältlich. Bei dieser Stelle sind schriftliche Angebote in verschlossenem Umschlag mit der Aufschrift: „Angebote zur Verpachtung der vieh- marktwirtschaft" spätestens bis zum 14. TTlai 1932 abzugeben. 3374C
Gießen, den 30. April 1932.
Bürgermeisterei Gießen.
I. V: Dr, Rosenberg.______
Holzsubmission.
Aus den Waldungen der Gemeinde Odenhaufen kommen folgende Holzsorti- mente zum Verkauf: 35420
a) Aichlenstämme.
Klasse la 7 St., 1,24 „ 1b 57 „ 19,91 „ 2a 55 „ 33,12 „ 2b 16 „ 14,86 „ 3a 6 „ 7,85
b) Buchenstämme.
Klasse 3 16 St., 10,17 „ 4 12 ., 14,49
Das Holz ist ohne Rinde gemessen. Das Fichtenholz ist geschält.
Angebote sind getrennt nach Sortiment und Klassen bis zum Samstag, dem 7. Mai 1932, nachmittags 2 Ahr, auf hiesiger Bürgermeisterei einzureichen.
Die Verkaufsbedingungen werden vor dem Termin bekanntgegeben.
Odenhausen, den 2. Mai 1932.
Bürgermeisterei: Nachtigall.
Lichtstarke
L\
Sa
Jagd- und Reiseöläser in größter Auswahl im optischen Spezial-Geschäft Optiker Magnus
Seltersweg 33 3ii7D
Bekanntmachung.
Am Freitag, dem 6. Mai 1932 14 Uhr, werden auf dem Polizeiamt, Landgraf Philipp'Platz 1 (ihi Hof), abgelieferte und noch nicht abgeholte Fundgegenstände öffentlich gegen Barzahlung versteigert.
Gießen, den 3. Mai 1932. 35350
Hessisches Polizeiamt: Wolf.
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Dr. med. vet. K. Helm
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