Samstag, 3. Dezember 1952
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheften)
Kr. 285 Dritter Blatt
Wirtschaft
IC,
Nachdruck verboten.
31 Forttetzung
schon öfters Gelegenheit gehabt, sich über die Verhältnisse der Kasse zu informieren, und er könne nur tagen, daß das Vertrauen, welches die Einwohnerschaft des Bezirks der Kasse und ihrer Verwaltung entgegenbringe, in vollem Mähe gerechtfertigt sei. Daß die Kasse das schwere Jahr 1931 so verhältnismäßig günstig habe überstehen können, zeuge, wie auch die Mrlagepolitik, von einer umsichtigen und vorsichtigen Geschäftsführung. Er freue sich, der Verwaltung und den 'Beamten die volle Anerkennung der Aufsichts- behörde aussprechen zu können.
Direktor Henkel sprach über die Ereignisse des Jahres 1931 innerhalb der Derbandsorgani- sation, sowie über die derzeitige Zinsfestsehung.
Der Direktor konnte hierauf feststellen, daß die Versammlung mit dem Geschäfts- bericht einverstanden sei.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Kaufmann Ehr. Schweißguth, berichtete über die sachliche Prüfung der Jahresrechnung, sowie über eine vorgenommene Revision der Darlehen und Kredite durch den Aufsichtsrat. Beanstandungen hätten sich nicht ergeben. Er teilte weiter mit, daß er als Vorsitzender des Aufsichtsrats an einer Vorstandssihung teilgenommen habe, in welcher die gesamten Kredite im Kontokorrent darauf hin nachgeprüft worden seien, ob die geleisteten Sicherheiten auch heute, unter den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen, als ausreichend gelten konnten. Dies konnte nach der Prüfung bejaht werden.
Die hierauf beantragte E n t l a st u n g für Vorstand und Rechner wurde von der Versammlung widerspruchslos erteilt.
Die aus dem Reingewinn vorgenommenen Abschreibungen, sowie die Zuführung des verbleibenden Iahresüberschusses an die Sicherheitsrücklage wurde einstimmig genehmigt.
Die vom Minister des Innern angeordneten Satzungsänderungen wurden von der Versammlung zur Kenntnis genommen.
Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete die Reuwahl des Aufsichtsrats, der für die Folge aus nfeun, anstatt bisher zehn Mitgliedern besteht. Hiervon wird ein Drittel, das aus Personen bestehen muh, die nicht den Ortsvorständen der beteiligten Gemeinden angehören, vom Kreisamt berufen, während zwei Drittel, die den Ortsvorständen von Mitgliedsgemeinden angehören können, von der Mitgliederversammlung zu wählen sind. Rach kurzer Aussprache erfolgte gemäß einem Vorschlag des Aufsichts-- rats die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder: Bürgermeister Weber- Göbrlnrod, Bürgermeister Aff- Lauter, Bürgermeister Sch ult- heiß- Lumda, Bürgermeister R a ch t i g a l l - Odenhausen und Beigeordneter Philippi- Ruppertenrod, und an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Jochim- Stockhausen die Reuwahl des Bürgermeisters Dr. M i l d n e r - Grünberg. Der Aufsichtsratsvorsitzende gab noch bekannt, daß das Kreisamt außer rhm selbst noch Fabrikant Gg. Allmendinger und Direktor Trautmann in den Aufsichtsrat berufen habe.
Berlin freundlich.
Berlin, 3. Dez. (WTB. Funkspruch.) Die günstige Beurteilung, die das Kabinett Schleicher im In- und Auslände findet, hatte Mr Folge, daß auch heute zum Wochenschluß die freundliche Grund st immung an den Aktienmärkten anhält, obwohl die Auslandsbörsen allgemein schwächer lagen und auch die Pfundbewegung für die deutschen Exportmöglichkeiten als nicht gerade fördernd zu bezeichnen ist. Das Hauptaugenmerk richtete sich aber auf die fortschreitende in»
Deiner Hände Werk
Vornan von Klothilde von StegmanmStein.
Copyright by Martin Feuchtwangrr, Halle (Saale)
Frankfurt a. M., 3. Dez. (WTB. Drahtmel- düng.) Auch die Wochenschlußbörse bewahrte eine recht feste Grundtendenz, obwohl von der Kundschaft keine nennenswerten Kauforders eingetroffen waren und auch die erneute Pfundschwachc, sowie die matten Auslandbörsen von gestern eher retardierende Momente darstellten. Wegen der noch offenen innen- und außenpolitischen Fragen bestand auch zunächst gewisse Zurückhaltung, und verschiedentlich wurden auch kleine Abgaben vorgenommen. Die Kursgestaltung war zunächst nicht ganz einheitlich, später setzte sich aber, vom Montanmarkt aus- gehend wieder eine allgemeine Befestigung durch. Die in Aussicht genommene Verwendung Dr. Gerekes als Reichskommissar für Arbeitsbeschaf-
ßaben von Herrn Moser, gab in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und in nieten anderen Sprachen Auskunft über. Reiseverbindungen, Autotouren, Ausflüge. Dank ihrer Weltgewandtheit und ihrer eigenen großen Reisekenntnis fand sie sich sehr schnell in allem zurecht, und Herr Moser strahlte über die neue Kraft.
Das schöne und vornehm aussehende junge Mädchen war bald eine AnziHungskraft geworden, die das Büro mit zahlreichen eleganten jungen Leuten aus aller Herren Länder füllte. Diese Dame der besten Gesellschaft, die hier tagsüber hinter dem Tische stand, Auskunft gab, Der- bindnngen nachsah, sich über bunte Reiseprospekte beugte, war eine Sensation für den Kurort.
Aber die Hoffnung der jungen eleganten Männer, die mit Hiltrud eher einen kleinen Flirt anfangen zu können glaubten, seitdem sie hier als Angestellte hinter der Ladenschranke stand, wurde enttäuscht. Hiltrud wußte haargenau die Grenze zu ziehen zwischen der Höflichkeit, die man einem Kunden schuldig ist, und der Abwehr der großen Dame.
Als ein siegessicherer junger Franzose sich einmal erlaubte, sie zu einer Autofahrt mit einem von Herrn Moser gemieteten Wagen nach Venedig einzuladen, sah sie ihn groß an und wandte sich mit ruhiger Stimme zu Herrn Moser: „Bitte, wollen S i e vielleicht den Herrn abfertigen? Ich tarm mich nicht mit ihm verständigen."
Dann wandte sie sich gelassen einem anderen Kunden zu, indessen der junge Franzose mit rotem Kopf hinausging. Der andere Herr, ein junger Amerikaner, hatte mit einem erst empörten und dann belustigten Gesicht die Unterhaltung zwischen der jungen Dame und dem Franzosen mit angehört. Run wandte er sich ehrerbietig an Hiltrud — und bald hatte sie ihm geschickt und schnell eine gute Tour zusammengestellt. Während sie sich eifrig über die Karte beugte und rhm tn ihrem tadellosen Englisch die Vorzüge dieser und jener Autofahrt auseinandersetzte, hatte er ihr feines edles Profil, ihr duftendes hellblondes Haar dicht vor sich — es ging ein Hauch von Vornehmheit von diesem Mädchen aus, der ihn entzückte.
Archibald Failwoth verlängerte seine Beratung mit Hiltrud, solange er konnte, um immer wieder die ruhige und wohltuende Stimme der jungen Dame zu hören, ihre langen, schmalen Hande zu sehen Die vor ihm Prospekte aufschlugen, Zahlen notierten. Endlich war beim besten Willen aber nichts mehr zu fragen.
Thank you very muchl" sagte Archibald und verneigte sich ehrfurchtsvoll vor Hiltrud, indessen seine grauen, offenen Augen mit respektvollem Wohlgefallen auf Hiltrud ruhten. Draußen vor dem Laden ging er noch lange auf und ab sah durch die Scheibe die Silhouette des schlanken, blonden Mädchens, das, über Bucher gebeugt, schon wieder arbeitete.
Wer mochte sie sein? Was. für Schicksale mochten ihr beschieden gewesen sein? Daß sie nicht von Anbeginn an dazu bestimmt gewesen, in einet kleinen Touristen-Ofsice zu sitzen und jedermann Auskunft zu geben, der es für sein Geld verlangen konnte, das war ihm sofort klar geworden, als er die unnachahmlich überlegene Art sah, in der sie diesen jungen Franzosen abgefertigt hatte.
Wenn Archibald Failwoth irgend etwas erreichen wollte, so erreichte er es. Er ging schnurstracks zu dem Portier seines Hotels, des „Meraner Hof", des größten Hotels des Kurortes: „Hören Eie", sagte er und steckte ihm eine Zehn- Dollar-Rote in die Hand, „ich mochte wissen, wer die junge Dame ist, die in der kleinen Touristen-Office da drüben Auskunft gibt, wo sie wohnt und dergleichen. Bitte, machen Sie es ganz unauffällig!“
Bereits am Abend wußte Archibald Hiltruds Ramen und Heimat. Wenige Tage später hatte ein Institut aus Berlin Mister Archibald Failwoth alles Wissenswerte über Hiltrud von Stüb- ben mitgeteilt. Archibald wußte nun, was für schwere Schicksale hinter Hiltrud lagen; er wußte von dem Skandal um Jvarsen und die finanziellen Gründe, die sie vermutlich dazu bewogen, eine Stellung anzunehmen. _
Es war merkwürdig, was für ein Bedürfnis Archibald auf einmal nach Ausflügen aller Art hatte. Ünb zwar sonderbarerweise immer nach Ausflügen, die nicht länger als einen Tag dauerten — und nach denen man sich alle Sage, in der kleinen Touristen-Ofsice erkundigen mußte. — Hiltrud war der junge Amerikaner mit seinem offenen, freimütigen und dabei doch zurückhaltenden Wesen sympathisch. Sie bevorzugte ihn als besten Kunden bei der Bedienung — und in arbeitsstillen Stunden plauderten sie wohl auch ein wenig miteinander. Sie hörte interessiert zu, wenn er ihr von dem Leben drüben erzählte, von dem Tempo, in dem sich dort die Arbeit abspielte — und den breiteren Lebensverhältnissen, die man bei Klugheit und Fleiß sich schaffen konnte. , ___
„Sie sollten Amerika einmal sehen, Miß von Stübben", meinte er eines Tages. „Ich denke, Sie wären das Richtige für Amerika, um dort voranzukommen. Geschickt, entschlosseii, überlegen — man kann dort viel Geld machen, wenn man geschickt ist. Hätten Sie nicht Lust, einmal hinüber- zufahren?"
Ein trüber Schein kam in Hiltruds Augen: „Luft schon, Mister Failwoth; aber ich kann hier nicht fort, ich habe eine Mutter, die durch schwere Schicksale gebeugt ist, die kann ich nicht verlassen — sonst — ich ginge gern aus Deutschland fort — um vieles hinter mir zu lassen", setzte sie leise hinzu.
„lind warum tonnen Sie Ihre Mutter nicht mitnehmen?' fragte Archibald. „Ist sie zu alt, die UeberfieMung mitzumachen?"
(Fortsetzung folgt)
Eines Vormittags ging Hiltrud in das Der- kehrsbüro, um sich über eine Autoverbindung für eine Ausflugstour in die Dolomiten zu erkundigen. Es war ein kleines Büro, das einzige, das noch in deutschen Händen war. Dort sand sie den Inhaber in heller Verzweiflung Zwm holländische Herren versuchten vergeblich, sich mit ihm wegen eines Ausfluges zu verständigen.
Hlltrud, die ein besonderes Sprachtalent besaß, hatte einmal bei einer Reise mit ihrer QRutter und ihrem Stiefvater Holland besucht und dabei die Sprache so ziemlich erlernt Jetzt griff sie in das Durcheinander ein und spielte in freundlicher Weise den Dolmetscher. Rachdem die Holländer mit ihren Billetts für die Autofahrt das Büro verlassen hatten, wandte sich der Gefchästs- inhaber mit warmem Dank an Hiltrud.
„Ich bin Ihnen so sehr verpflichtet, mein gnä- diges Fräulein", sagte er. „Ohne Are gütige Hilfe wäre mir diese Reisegesellschaft facher zur Konkurrenz gegangen. Es ist wirklich ein jpeä). daß meine langjährige Assistentin jetzt so schwer erkrankt ist. Ich habe mich schon um Ersatz bemüht, aber alle tüchtigen Kräfte mit guten Sprachkenntnissen sind jetzt in der Saison langst vergriffen."
Ein Gedanke kam Hiltrud: „Wie wäre es, wenn Sie mich als Vertretung einstellen würden, Herr Moser?"
Der Geschäftsinhaber sah die elegante junge Dame ungläubig an: „Sie, mein gnädiges Fräi^ lein? Sie machen einen Scherz. Sie würden doch niemals eine Stellung annehmen, die nicht übermäßig bezahlt wird, und dazu eine in einem immerhin kleinen Büro!"
„Hören Sie, Herr Moser", sagte Hiltrud entschieden, „lassen Sie das meine Sorge fein. Mir liegt daran, erst einmal eine Stellung zu haben, damit ich ein Zeugnis aufweifen kann, lieber das Gehalt werden wir uns einigen. Vorausgesetzt, daß meine Schwägerin mich jetzt schon am Tage entbehren kann, möchte ich die Stellung bet Ihnen gern übernehmen. Sind Sie einverstanden? Ich gebe Ihnen heute mittag Bescheid.
Herr Moser sah der jungen Dame nach — die Welt wurde immer verrückter. Alles hätte er vermutet, aber das nicht. Daß dieses elegante junge Fräulein den Ehrgeiz hatte, Auskunftsdame in seinem Reisebüro zu werden — was mochte hinter dieser Marotte stecken? Rg, ihn ging es ja nichts an — aber er war überzeugt, daß er eine Absage bekommen würde.
Doch er hatte sich getäuscht. Hlltrud war sofort
fung fand beifällige Aufnahme.
Anfangs niedriger eröffneten Siemens mit minus VA Prozent, AEG., Licht und Kraft, IG. und die Mehrzahl der Montanwerte. Bon XA bis 1 Prozent fester lagen von vornherein Gelsenkirchen, Reichsbank, Schiffahrtswerte und Schuckert, die bis zu % Prozent anzogen. AG. für Verkehrswesen und Zellstoffaktien lagen herüber hinaus bis zu VA Prozent höher. Rach den ersten Notierungen konnte sich die Mehrzahl der Papiere um bis zu 1 Prozent befestigen, die Umsatztätigkeit war etwas größer.
Don Deutschen Anleihen lag die Allbesitzanleihe zunächst etwas fester, bröckelte aber später wieder ab. Späte Reichsschuldbuchforderungen zogen etwa Prozent an. Von fremden Werten blieben Bagdad-Bahn, Serie 2, behauptet, während 4proz. Einheitsrumänen und Zolltiirken leicht nachgaben. Jndustrieobligationen waren nur wenig höher. Der festverzinsliche Markt lag still. Goldpfandbriese bröckelten eher leicht ab, wogegen Liquidations- pfqnbbricfe und Kommunalobligationen gut gehalten waren. Stadtanleihen fanden kaum Interesse.
Im Verlaufe wurde das Geschäft wieder sehr klein, und auf Realisationen der Kulisse bröckelten die Kurse etwa % bis Prozent ab, die Grundstimmung blieb aber durchaus freundlich. Der Satz für Tagesgeld erfuhr heute eine Entspannung, so daß sich der Satz aus 4 Prozent stellte.
bis 2 Mark nach, da die Dualität der Tiere nicht die beste gewesen sei, und auch Färsen bröckelten um 1 Mark ab. Dagegen waren Bullen, trotz des Mehrauftriebs von 22 Stück, gegen die Vorwoche aut behauptet, während bei Kühen der Preis für Spitzentiere 1 Mark anzog, in den unteren Dualitäten aber im gleichen Ausmaß nachließ. Der Auftrieb betrug 1463 Stück. Ochsen a) 28 bis 30, a2) 24 bis 27, bl) 20 bis 23. Bullen a) 26 bis 28, b) 22 bis 25. Kühe a) 24 bis 26, b) 21 bis 23, c) 18 bis 20, d) 12 bis 17. Färsen a) 28 bis 30, b) 24 bis 27, c) 21 bis 23.
Das Kälbergeschäft brachte auch in dieser Woche einen neuen Preisverlust von 1 Mark, obwohl der Auftrieb von 1457 Stück um über 300 Tiere schwächer war. Das Geschäft war während der ganzen Woche schleppend, der Markt konnte jedoch geräumt werden. Kälber b) 31 bis 34, c) 27 bis 30, d) 22 bis 26.
Arn Schafrnarkt war das Kaufinteresse noch geringer als an den übrigen Märkten, so daß selbst bei 510 (gegen 519) Stück der Handel schleppend war und die Preise für gute und geringe Schafe 1 Mark einbüßten, während mittlere Mastlärnrner um 1 Mark besser bezahlt wurden. Schafe al) 20 bis 23, b) 16 bis 19, c) 13 bis 15.
Oie Bezirkssparkasse Grimberg im Geschäftsjahr 1931.
4- (Brünberg, 1. Dez. Dieser Tage fand im Sparkassengebäude die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung derDe- zirkssparkasseGrünberg statt. Die Versammlung leitete der Direktor der Kasse, Dekan Schmidt, Grünberg. Die Aufsichtsbehörde war -durch Oberregierungsrat Ritzel- Gießen, der Hessische Sparkassen- und Giroverband, sowie die Landeskommunalbank-Girozentrale für Hessen durch Direktor H e n k e l - Darmstadt vertreten. Ferner waren außer dem Vorstand und dem Aufsichtrat 40 Gemeindevertreter anwesend.
Zu dem in Druck vorliegenden Geschäftsbericht für das Jahr 1931.gab der Direktor einen kurzen äleberblick. Die Kasse hat die Zahlungskrise im vorigen Jahre verhältnismäßig günstig überstanden. Da sie über be- trächtliche flüssige Mittel verfügte, konnte nach Aufhebung der Einschränkungen im Zahlungsverkehr den Wünschen der Einleger Rechnung getragen werden. Das Vertrauen, das die Sparer der Kasse bewahrt hatten, wurde hierdurch noch wesentlich gestärkt, und so konnte für das Jahr 1931 sogar noch einZuwachsanSvar- cinlagen von rund 42000 Mark nachgewiesen werden. Mit diesem Betrag und weiteren 270 000 Mark, die aus Aufwertungseinlagen '''berschrieben wurden, ist der Bestand an Spareinlagen auf 2 150 284 Mark an gewachsen. Die täglich greifbaren Mittel haben sich im laufenden Jahr beträchtlich erhöht. Der Gesamt-Ilms ah hielt sich mit 11 677 188 Mark ungefähr auf der Höhe der Vorjahre. Zur Z i n s p o l i t i k bemerkte der Direktor, daß es schon immer das Bestreben der Kaffe gewesen sei, die Spanne zwischen Soll- und Haben-Zinsen so gering als möglich zu halten, um für die Darlehnsnehmer erträgliche Zinssätze herbeizuführen. Die Kasse habe es daher auch begrüßt, daß vom 1. Januar 1932 ab durch Rotverordnung eine allgemeine Senkung der Zinssätze angeordnet wurde, wenn auch diese Regelung nicht allen Erwartungen entsprochen habe. _
Oberregierungsrat Ritzel erklärte, er habe
Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt.
Am B r v t q e t r e i d e m a r k t war das Angebot in Weizen großer als bei Roggen, zumal auch das Roggenmehgeschäft wesentlich besser als das von Weizenmehl war. Der Weizenpreis ftel um rund 6 Mark auf 205 bis 206,50 RM. per Tonne, wahrend Roggen um 2,50 RRk. auf 162,a0 RM. per Tonne nachgab. ,, ,
Das Hafergeschäft vermochte sich trotz mehrmals ermäßigter Forderungen nicht zu beleben, well die Ansicht vertreten wurde, daß bei der dies- iähriaen großen Ernte die Preise später noch niedriger seien. Die Notiz stellte sich mit 135 bis 138 RM. um 4 Mark per Tonne niedriger.
Der Futtermittel markt neigte ebenfalls *ur Schwäche, da die für diese Jahreszeit erwarteten Frosttage nicht eingetreten sind. Die Preisrückgänge betrugen jedoch nur etwa 10 bis 15 Pf. je 1Ö0 kg. Weizenlleie 8 bis 8,10, Roggenkleie 8,50, «oya- schrot 11, Palmkuchen 8,75 bis 9, Erdnußkuchen 12,75, Treber 10,75 RM.
Das Mehlgefchäft blieb auch in dieser Woche enttäuschend, während sonst um diese Zeit die Voranschaffungen für die Weihnachtstage im Großhandel bereits deutlich spürbar waren. Für Weizenmehl kommt erschwerend hinzu, daß infolge der schwachen Kaufkraft der Bevölkerung weitgehendste Enthaltsamkeit von Weizengebäck geübt, wird, wäh- rend bei Roggenmehl der erhöhte Brotgenuß den Absatz immer noch einigermaßen befriedigend gestaltet. Die Preise für Weizenmehl gingen um j Mart zurück, bei Roggen um i Mark. Weizenmehl südd. Spez. 0 mit Austauschweizen 29 bis 29,75, do. Niederrhein. Spez. 0 mit Austauschweizen 29 bis 29,50, Roggenmehl, 60prozentige Ausmahlung, 23,25 .bis 24,50 RM. je 100 kg.
Am Kartoffel markt war das Geschäft wsi- terhin sehr ruhig, doch blieb der Preis für Jndu- striekartoffeln hiesiger Gegend mit 1,75 RM. per 50 kg bei Waggonbezug unverändert.
Am , Ro uhfuttermittelmarkt traten keine Veränderungen ein. Heu südd., gut, gesund und trocken 4 60 bis 4,80 RM., Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt oder gebündelt 2,25 bis- 2,50 RM.
Wochenbericht
vom Frankfurter Scblachiviebmarkt
Der Frankfurter Schlachtviehmarkt stand in der abgelaufenen Woche unter dem Einfluß der gegen das Monatsende hin geschwächten Konsumkraft. Ein stärkeres Abgleiten der Preise wurde dadurch verhütet, daß die Zufuhren erheblich geringer waren, so daß sich die Preise einigermaßen auf dem ermäßigten Borwochenstand behaupten konnten. Das Geschäft verlief wiederum bei fast allen Viehgattungen schleppend, teilweise verblieb auch lleberstand.
Nur der Schweinemarkt konnte einen Teil seines in der Vorwoche eingetretenen Verlustes wieder aufholen. Die Beschickung war mit insgesamt 4951 Stück um rund 240 Stück geringer, trotzdem verblieb nach schleppendem Handel etwas lieber« stand. Die Schweinepreise konnten sich um 1 bis 2 Mark per Zentner Lebendgewicht bessern und notierten wie folgt: Schweine b) 39 bis 43, c) 38 bis 42, d) 36 bis 42, e), f) und g nicht notiert.
Am Rindermarkt war die Preisbildung ungleichmäßig, obwohl auch hier die Zufuhr etwas geringer war, wenn auch nur um 98 Stück. Das Geschäft war zwar ruhig, doch konnte der Markt nahezu ausverkauft werden, ohne daß stark fühlbare Preisnachläsie eingetreten wären. Ochsen gaben 1
nerpolitische Beruhigung, wobei man auf eine Vertagung des Reichstags hofft und ein energisches Anfassen des Arbeitsbeschaffungsprogramms ermattet.
Störend wirkte der frühe Bürsenbeginn zum Wochenschluß, denn die Orders des Publikums, dessen Kauflust im großen und ganzen ^anzuhaiten scheint, trafen nur zögernd ein. Die Spekulation, die gestern vorgekauft hatte, schritt daher teilweise zu Gewinnmitnöhmen. Die hohen Kurse von gestern abend behaupteten sich nicht, gegen gestern mittag gesehen waren aber doch noch überwiegend Besserungen'bis zu 0,50 v.H. fostzusteller.. Spezialwerte, wie AG. für Verkehrswesen, Allgemeine Lokal und Kraft, Akkumulatoren, Aschafsenburger Zellstoff. Waldhof, Holzmann ufw. waren 1,50 bis 2 v.H. gesteigert, Eifenbahnverkehrsmittel zogen bei einem Umsatz von 4 Mille sogar uni 4,25 v. H. an. Der 2prozentige Rückgang der oiemensattien traf auf ganz geringes Angebot ein. Im Verlaufe bröckelten die Kurse bann infolge des geringen Geschaltes zunächst etwas ab, später, hatten aber eintreffende Orders doch wieder überwiegend Kurserholungen zur Folge. Störendes Moment blieb aber immer wieder die schwache Haltung des Pfundes.
Der R e n t e n m a r 11 lag dagegen weiter v e r° n a d) t ä f f i g t. Als Folge von Tauschoperationen gegen Aktien kam eher wieder Ware heraus. Reichs- schuldbuchforderungen waren wenig verändert, die 2lltbesitzanleihe war nach anfänglichem Verlust ebenfalls behauptet, Jndustrieobligationen konnten sich bis zu 0,50 v. H. bessern.
Feste Grundtendenz in Frankfurt.
ins Hotel gegangen, wo Erika ihre allmorgendliche Liegekur auf der herrlichen Sonnenterrasse des Hotels absolvierte. Rosig und blühend lachte ihr Gesicht unter dem bunten Sonnenschirm der Schwägerin entgegen.
„Wie geht es dir, Erie?" fragte Hiltrud und setzte sich auf einen bunten Korbsessel neben sie.
„Gut, sehr gut!“ rief Erika. „Ich wünschte nur, ich könnte dir von meinem Gutgehen etwas abgeben. Ich glaube, wir müßten jetzt einmal die Rollen tauschen. Du siehst so elend aus, daß du dir meine Pflege gefallen lassen solltest, nicht ich die deine!"
„Rein, Erie!" entgegnete Hiltrud mit fünfter Bestimmtheit, „das wäre das verkehrteste Rezept! Mir bekommt nur das Richtstün nicht. Wenn ich eine Beschäftigung hätte, würde ich bald wieder frisch und vergnügt sein, älnö da wir gerade bei diesem Thema sind, möchte ich einmal etwas mit dir besprechen. Kurt hat dir sicherlich davon erzählt, daß ich gern eine ernsthafte Tätigkeit übernehmen möchte — nicht wahr?"
„Ja. Hiltrud, das hat er! Und ich kann dich in diesem Wunsche durchaus verstehen. Ich selbst fühle mich, nun es mir besser geht, schon so unnütz wie eine Drohne und möchte wieder arbeiten."
„Du wirst bald eine andere und schönere Lebensaufgabe bekommen, kleine Erie, wenn du erst verheiratet bist. Ich aber sehe keinen Lebenszweck vor mir — und ich muß mir einen schaffen. Etwas hat sich mir heute geboten —“ Und sie erzählte von dem Erlebnis in dem Reisebüro.
„Aber Hiltrud, du wirst dich doch nicht in so einem kleinen Laden anstellen lassen?" fragte Erika entsetzt.
Hiltrud lächelte resigniert: „Die großen Stellungen warten nicht gerade auf mich, Erie, wenigstens vorläufig nicht. Ich habe ja leider außer meinen Sprachkenntnissen nichts, was ich in die Waagschale zu werfen hätte; aber vielleicht, wenn ich erst einmal die erste Stellung hatte, findet sich langsam etwas Besseres. Ich bin fest entschlossen, anzunehmen, vorausgesetzt, daß du glaubst, tagsüber ohne mich auskommen zu können. Abends und Sonntags können wir natürlich immer beisammen sein." e
Hiltrud trat mit Beginn der neuen Woche in dem Reisebüro von Herrn Moser ein. Den Bekannten im Hotel erklärte sie auf deren erstauntes Befragen sehr ruhig, daß sie das Richts- tun satt hätte und sich für eine größere Stellung einarbeiten wolle. Allgemein hielt man diese Betätigung Hiltruds für eine Marotte, wie sie wohlhabende ju ge Mädchen m tur ter haben, denn die beiden jungen Schwägerinnen galten hier in bem Hotel als reiche Mädchen. Kurt hatte dafür gesorgt, daß es ihnen in der Zeit ihres Meraner Aufenthaltes an nichts fehlte, was für ein behagliches Leben nötig war.
Tag für Tag stand nun Hlltrud in dem Heinen


