Bon Geld und Me.
Vornan von Grete von Saß.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Hall«
27. Fortsetzung Nachdruck verboten.
Heinicke errötete wie ein junges Mädchen, dem man eine unpassende Geschichte aufgetischt hatte.
„Herr Kommerzienrat! Verzeihung! — Die Dame —“
„Ich bin nicht zu sprechen!" brüllte Münchmeher noch lauter als vorher.
„Hängen Sie ab! — So — und nun los, Heinicke! Wir fahren zuerst zu Liebrach. Wissen Sie, das Maklerbureau Unter den Linden?"
Heinicke bejahte.
„Und dann zu Wolf und Hefterding, Genthiner Straße."
„Jawohl, Herr Kommerzienrat!"
Münchmeher lehnte sich in die Polster seines Packards zurück, schloß die Augen und rechnete: Wenn Liebrach mir dann dreihunderttausend Mark vorstrecken kann und Wolf und Hefterding zweihunderttausend Mark, dann bin ich gerettet. Damit laviere ich mich schon so durch. Wenn nicht? 3a, dann... Er riß den Hut vom Kopfe, strich mit der linken Hand über seine heiße Stirn.
Helene Schadow verdiente in der Tat ein Vermögen.
Aber so leicht sie ihr Geld verdiente, so leicht gab sie es weg.
Dem blonden Stubenmädchen im Hotel „Los Angeles" hatte sie das Geld zur Ueberfahrt nach Europa gegeben.
Sie hatte für Gina Lucke eine Unmasse von Schulden bezahlt. Für einige andere dasselbe getan. Ihre Kollegen und Kolleginnen, die weniger gutgestellt waren wie sie, wußten: Zu ihr brauchte man bloß zu gehen, wenn man Geld benötigte. Sie hatte eine offene Hand für jeden.
Auch die Ihren versorgte sie, die Mutter und Taubes. Aur der Friedrich nahm nichts von ihr. Und er hätte es gewiß gebrauchen können. Die Elli hatte ihr geschrieben, daß Friedrich und Eva es schwer hatten. Friedrichs Verdienst reichte kaum für den nötigen Lebensunterhalt aus. Eva müsse das ihrige dazu tun, um zurechtzukommen.
Diese gab einigen Verkäuferinnen in den Abendstunden Sprachunterricht. Was sie dadurch verdiente, ging aber restlos für den Haushalt drauf. Und Elli hatte ihr nahegelegt: Hilf dem Friedrich doch! Wenn du ihm so viel geben würdest, daß er sich selbständig machen könnte!
Sofort hatte Helene einen Brief an Friedrich geschrieben, worin sie ihn bat, von ihr ein kleines Kapital anzunehmen, um sich mit Hilfe dieses selbständig zu machen. Und nun wartete sie auf seine Antwort.
Sie dachte es sich herrlich, daß Friedrich durch sie zu einer gesicherten Existenz kommen sollte.
Eines Tages kam sie nach einer Aufnahme in Begleitung Doktor Hahns in ihr Hotel zurück, als ihr vom Portier ein Brief überreicht wurde.
„Von meinem Bruder!" sagte sie, während eine helle Röte über ihr Gesicht flutete.
„Erlauben Sie, Doktor, daß ich meinen Brief gleich lese?!"
„Ditte, nehmen wir hier Platz!"
„Run, gute Rachricht?" fragte Hahn.
Sie schüttelte den Kopf.
„Rein, leider verdrießliche!"
Sie sah einen Augenblick versonnen vor sich hin: dann hob sie den Blick zu Hahn auf und sagte:
„Doktor, ich möchte heim!"
Er fuhr erschrocken auf.
„Warum das? — Wir haben hier noch viel vor. Sie können mir jetzt nicht davonlaufen I Rein, auf keinen Fall! Warum wollen Sie denn jetzt heim?"
Er sah sie fast böse an.
„Ich habe Heimweh!"
Er lachte kurz auf.
„Das kommt schon mal vor. Aber es geht vorüber. Sicher! Sie müssen nur nicht daran denken. Dann ist es eines Tages weg. Schaffen Sie sich Zerstreuung — um so leichter werden Sie mit der Sache fertig! Eben haben Sie ein paar Tage Urlaub — benutzen Sie den zu einem Ausslug aufs Land!"
Helene zog die Achseln hoch.
„Wohin sollte ich? — Ich habe hier niemanden, zu dem ich mich für ein paar Tage flüchten könnte."
Er brannte sich eine neue Zigarette an.
„Hören Sie mal", sagte er, das Streichholz in eine Aschenschale werfend, „da fällt mir ein: die Luckö erzählte mir da einmal etwas von einem alten reichen Farmbesitzer, von dem Sie doch vermuten, daß er der Bruder Ihres Vaters sei..."
Helene errötete.
„Die gute Gina ist eine Schwätzerin —"
„Das ist sie!" gab Hahn lächelnd zu. „Aber einerlei! Ich mache Ihnen den Vorschlag: suchen Sie den alten Herrn auf. Man kann nicht wissen — vielleicht stellt es sich wirklich heraus, daß er der Bruder Ihres verstorbenen Vaters ist. Das wäre doch herrlich! Dann hätten Sie einen von den Ihren ganz in Ihrer Rähe."
Er redete ihr weiter zu: „Wenn Sie es wünschen, begleite ich Sie!?"
„Ja, dann! Es wäre ja ganz interessant." „Ra, also!"
„Bestimmen Sie, wann wir ausfahren sollen! Ich denke, die Gina nehmen wir mit. Als gute Bekannte des alten Herrn kann sie uns bei ihm einführen."
Helene war auch damit einverstanden.
„Wenn es Ihnen paßt, fahren wir morgen früh!?"
„Gut!"
„Ich werde meinem Chauffeur Bescheid sagen. Und nun will ich mich von Ihnen verabschieden. Sie wollen jetzt Ihre Ruhe haben."
In ihrem Zimmer angekommen, las Helene noch einmal Friedrichs Brief. Er lautete:
„Dein Anerbieten war mir wieder einmal ein Beweis Deiner schwesterlichen Liebe, die mich tief gerührt hat, und dennoch muß ich es ablehnen, und zwar aus dem Grunde, weil mir der Mut dazu fehlt, mit geliehenem Kapital ein Unternehmen zu gründen. Cs wäre doch möglich, daß das Unternehmen mißglückte. Dann wäre dein Geld verloren. Du mußt begreifen, daß ich dieses Risiko nicht auf mich nehmen kann.
3a, Lene, wenn Du sehr reich wärst, dann nähme ich skrupellos von Deinem Reichtum: aber von dem, was Du Dir in den zwei Jahren, die Du fern von uns bist, erworben und erspart hast, nehme ich nichts. Wozu sollte ich auch? Ich verdiene so viel, daß wir sorglos leben können. Und den Ehrgeiz, mich selbständig zu machen, habe ich nicht — wohl aber den innigen Wunsch, Dich bald wiederzusehen. Es würde mich unsäglich glücklich machen: Du kämst bald nach Europa zurück, kauftest Dich in Deutschland an.
Weißt Du, Lene, ein Häuschen im Grünen, wie Du es Dir so oft gewünscht hast! Das uns allen gelegentlich eine Zuflucht wäre. Stelle Dir vor, wie Mutter und Elli und Kurt das genießen würden! Und ich nicht minder!
Eva und unseren Jungen brächte ich Dir — unseren Jungen, auf den wir vorerst nur
hoffen, der aber bald da sein wird. Vielleicht wird es auch ein Mädchen: das wäre uns ebenso lieb. Das soll dann Lene heißen. So hat es Eva bestimmt, die Dich sehr, sehr lieb hat..."
'-Rührung überkam Helene und zugleich Heimweh — brennendes Heimweh, das ihr Tränen in die Augen trieb.
Es war am späten Rachmittag, als Münchmeher heimkehrte.
„Ist mein Schwiegersohn zu Hause?" fragte er den Diener.
„Ich glaube nicht, Herr Kommerzienrat."
„So gehen Sie mal hinauf und fragen Sie nach ihm! Und wenn Herr Tönnies da tft, möchte er sofort zu mir kommen!"
Er ging in sein Arbeitszimmer.
Als er sich eben vor seinem Schreibtisch niedergelassen hatte, erschien Rose.
„Hans-Achim ist noch nicht zu Hause, Papa — aber Maria ist eben bei mir. Willst du nicht mit hinauf kommen?"
„Rein!" sagte er schroff.
Rose legte ihre Arme um seinen Hal-, sah ihm lächelnd ins Gesicht.
„Ich gratuliere dir, Papa!"
„Ach, laß mich doch mit dieser Dummheit in Ruhe!"
Er streifte ihre Arme von sich?" —-
„Dummheit? — Aber Papa, du hast dich doch mit Maria verlobt! Run komm und begrüße sie, wie es sich gehört!"
„Schwatze keinen Unsinn!"
Er wies auf das Tischtelephon.
„Klingle mal in der Dank an und frage, ob Hans-Achim noch dort ist!"
Sie nahm das Schallrohr aus der Gabel, und während sie die Anschluhnummer in den Apparat hineinrief, hielt sie ihren Blick auf des Vaters Gesicht gerichtet.
Es zeigte einen grimmigen Ausdruck. Der hatte gewiß nichts Gutes zu bedeuten.
„Ist Herr Tönnies dort? — Ja? — Bitte, sagen Sie ihm, Herr Kommerzienrat wünscht ihn zu sprechen!"
Sie gab das Schallrohr dem Vater in die Hand.
„So — bitte!"
„Du kannst gehen, Rose!"
„Ich bleibe — ich muß doch hören, was du mit Achim zu sprechen hast."
Er zuckte mit den Achseln.
„Achim, du?"
lFortsetzung folgt.)
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Kaulh.u.HAHSA-6le0en
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Auf Grund Urteils des Amtsgerichts Gießen sind zwei verdiente Mitglieder unseres Vereins, die das Spiel B.f.B.- Iriedberg—Spv. 1900 telephonisch abbestellt haben, zu Geld- strafen verurteilt worden.
Der Vorstand des Vereins für Bewegungsspiele erklärt hiermit vor aller Oeffentlichkeit, daß er an vieler rein Person- lichen Handlung derselben völlig unbeteiligt ist.
Die Vereinsleitung muß jede Unterstellung, die den Ge- samtvorstand und den Verein in Verbindung mit der Tat bringt, in aller Form zurückweisen.
Der Vorstand kann nicht umhin, vielmehr erachtet er es als seine Pflicht, zu betonen, daß die Tat nicht zur periön- lichen Bereicherung begangen, sondern geboren wurde aus der leider herrschenden Atmosphäre deS Konkurrenzkampfes beider Gießener Sportvereine. 1720 d
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