Ausgabe 
2.12.1932 Frühausgabe
 
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Aus -er Provinzialhauptsta-t

eine

Vornotizcn

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschriebene Heute Abonnementsvorstellung der Freitag.Abonnenten. -Zur Aufführung kommt Peppina". Operette von Oesterreicher und Stolz. Leitung: Wrede - Moe hl - ulke. Ope­reltenpreise. Spieldauer von 20 bis 22.30 Uhr. Zum letzten Male am Sottntag, 4. Dezember, Schönthans SchwankDer Raub der Sabinerin- nen" unter Karl Dolcks Spielleitung. Fremden­vorstellung: ermäßigte Preise. Spieldauer von 18.30 Uhr bis 21 Uhr.

Der Goethe-Bund teilt uns mit: AuS Anlaß des 75. Todestages Cichendorffs (26. No­vember) wird der Goethe-Bund unter Mitwir­kung des Sprechers Friedrich T a st e l l e (Ge­denkrede und Svrechkunst) und des Chores des GesangvereinsHeiterkeit" unter Leitung seines Dirigenten. Musiklehrer Schaettler, eine große Gedenkfeier (Eichendorff-Lieder) veranstal­ten. An Stelle des ursprünglich für diese Feier vorgesehenen Termines, Sonntag, 4. Dezember, ist nun endgültig Sonntag, 22. Januar, unbesetzt worden. Der für diesen Tag vorgesehene Dichter- abend des Dichters Felix Timmermans wird auf 7. Februar verlegt. Weiterhin kann der Goethe-Dund den hiesigen Literatursreunden die erfreuliche Mitteilung machen, daß es gelungen ist den Dichter G. G. Kolbenheyer für den

gegen die Schkachtsteuer.

WSR. Offenbach, l.Dez, Hier fand aus ollen Teilen Hessens zahlreich besuchte Pro­testkundgebung gegen die hessische Schlacht st euer statt. Aach Referaten von Obermeister H ä b e r l e i n (Offenbach), ter, die Versammlung leitete, Stadtrat 03 e d e r (Offen­bach), der wiederholt mit der Regierung ver­handelte und feststellte, daß man die Abände­rungsvorschläge der Mehgermeister, die nament­lich eine StaffelungderSchlachtsteuer- sätze verlangte, unberücksichtigt gelassen habe, und von Handwerlslammcrsyndikus Dr. Linde­mann (Darmstadt), der betonte, daß die Aus­nahmebestimmungen für die Haus­schlachtungen ungerecht seien und fallen müßten, tourte, nachdem auch zahlreiche In- nungsvcrtreter auf die schwere Belastung ter Mchgerschaft und die geringe Kaufkraft der Be­völkerung hingewiesen hatten, eine Entschlie­ßung angenommen, in ter es nach einer Pro - testerklärung u. a. heißt:Bor aller Oesfent- lichkeit wird festgestellt, daß mit dieser Steuer die Belastung des Fleischvcrbrau-Hes durch ö ent- - liche Abgaben und Steuern erheblich gesteigert, wird unö daß die Belastung durch Schlacht­gebühren, Fleischbeschaugebühren, Schlachtsteuer und sonstige gewerbliche Steuern nunmehr in Offenbach rund 22 Pf. pro Kilogramm Fleisch beträgt. 11 m jedem Mißverständnis vorzubeugen, wird ausdrücklich daraus hinaewiesen, daß son­stige Unkosten irgendwelcher Art in dieser Zahl nicht enthalten find. Weder die Lage ter großen Berbraucherschichten, noch die Lage ter Land­wirtschaft und des Metzgerhandwerks lassen eS aber zu, eine derart hohe Belastung aufrecht- -uerhalten, bei ter das ohnedies schon schwer kämpfende Metzgerhandwerk am Härtesten be­troffen wird. Die Derbrauchseinschränkung auf ter einen Seite, die Absatzkrise mit all ihren üblichen Begleiterscheinungen auf ter anderen Seite gefährden die Existenz zahlreicher Betriebe aufs äußerste. Die Schlachtsteuer muh als eine ter unsozialsten und in der heutigen Zeit auch vemunftwiLr g'tenSteuern bezeichnet werten." Die Entschließung fordert ferner mit aller Entschie­denheit, daß unverzüglich die Abänterungs- und ONilterungsmahnahmen durchgeführt werden, die erforderlich wären, um die Gesamtbelastung ei­nigermaßen zu senken und die größten Härten und Ungerechtigkeiten zu beseitigen.

Wer macht den erblindeten Kriegern eine Weihnachtssreude?

Der Bund erblindeter KriegerE. D., Untergruppe Gießen, schreibt uns:

Die Untergruppe Gießen des Bundes erblin­deter Krieger veranstaltet auch in diesem 3abrc eine Weihnachts eier. Die wirtschaftlichen Verhält- nisse sind heute außerordentlich schwer und drückend, trotzdem glaubt ter Dorstand auch dies­mal wieder vertrauensvoll die Bitte aussprechen zu dürfen, ihm für die Weihnachtsfeier eine Spende angedeihen zu lassen.

Tragt einen srohen Lichtblick in das ewige Dun­kel der erblindeten Kriegskameraden!

Gaben bitten wir baldmöglichst an die Ober­fürsorgerin Schwester Anita Hermannh (Stadthaus, Gartenstraße2, Zimmer 12) zu über­weisen. Geldspenden können an die gleiche Adresse, oder auf das Konto ter erblindeten Krieger bei ter Bezirkssparkasfe Ticß-en, oder auf das Post- Icheckkonto tes Konrad Biedenkopf. Kriegs­blinder, Grünbera (Hess.), Ar. 49 157 Frank,urt am Main eingezahlt werten.

Weihnachtsbitte für Bethel.

1 Don Pastor t. Bodelschwingh in Bethel bei Bielefeld wird uns geschrieben:

Große Freute brachte die WeihnachtSbotschast ter auf ten Heiland toartonten Welt: denn in Jesus wurde die Liebe des Daters offenbar. Mit­ten hinein in alle Rot der Erde soll auch in diesem Jahre durch daS Kind von Betlehem große Freute kommen. Allen Sorgenden und Traurigen will cs eine Freute bringen, die kein Leid zerstören kann. Ein Abglanz dieser unvergänglichen Gottesgnade sollen auch die Weihnachtsgaben fein, durch die alt und jung einander erfreuen.

Auch in den Häusern von. Bethel hebt jetzt von Tag zu Tag immer (tarier das Weih.iachtsklingen an. Elende Leute sind die Länger: kranke Kinder, Fallsüchtige. Gemüts- und Rervenkranle. Aber sie alle rüsten sich auf die Feier tes Festes, das von her großen Freude redet. Zu diesen etwa 30CO Kranken kommt noch das große Heer ter Heimat­losen und Wanderer in unseren Zweiganstalten, so daß insgesamt unge'ähr 7000 Hilksbed"'-^ick? aller Art bei uns aus eine klein? Weih.ia. tsgate teari-ert. Darum fronen wir bittend: Wer h.»ft uns, denKranten. Kleinen und Hei­matlosen von Bethel ein wenig Meihnachtsfreude zu bringen? Al es nimmt unserWeihna^tshaus" (Anschrßt: Weih- nochtshaus Bethel bei Bielefeld, Bahnstation Draclwede) dankbar an, besonder- Le- b.nsmittel, Kleidungsstücke, Strickwolle, Schuhe, Spiele, Bücher usw. Je eher das'uns Zugedachte gesandt wird, desto besser können wir verteilen. Ebenso willkommen ist uns jedes Geldgeschenk, das wir in Gaben der Liebe verwandeln können, wie Vs gerate nötig ist. (Postscheckkonto 1904 Han­nover.).

Kriegsop er-Taqung in Gießen.

Man berichtet uns: Am vorigen Sonntag fand im Katholischen Vereinshaus zu Gießen eine Zu­sammenkunft aller Funktionäre des Reichsbundes cc: Kr.egebeschä'. igten, Kr.egite lneh.ner und Kriegerhinterbliebenen aus Oberhessen, einschl. des Krei'es Wetzlar statt, um zu der gegenwär- tigen Lage Stellung zu nehmen. Die stark be­suchte Tagung wurde von dem De'.retär der ®e- schäfisstelie Gießen. Kam. Benner, geleitet.

Zunächst evftat'.ete Eauvorstandsmitglied Kam. Schirmbeck einen eingehenden Bericht über die 21. Reichskonserenz des RcichSbundes am 12. und 13. Aovember im Lanteshaus der Pro- vinz Ostvreußen in Königsberg. Dem Bericht war zu entnehmen, daß die Konferenz eine Reihe wesentlicher Beschlüsse gefaßt hat. Der einmütige Wille der Reichskonferenz ist in zwei Entschlie­ßungen zum Ausdruck gekommen, die gegen eine weitere Verschlechterung ter Kriegsovserversor- gung mit aller Schärfe Stellung nehmen und die vordringlichsten Forderungen enthalten, tee zur Beseitigung unbilliger und zahlreich aus­getretener Härten unbedingt notwendig sind. Trotz aller Zeitverhältnisse müßten die Kriegs- ovfer darauf bestehen, nicht in Vergessenheit zu geraten, weil gerade sie es gewesen feien, tee Deutschland vor einer feindlichen Invasion ge­schützt hätten.

Die Aussvrache billigte die Beschlüße der Kö­nigsberger Reichskonserenz. Man war sich dar­über einig, daß in Zukunft mehr noch wie seither ter Kamps gegen eine weitere Derschlechterung der Kriegsopferversorgung zu führen sei. Auch ter Standpunkt tes ordtl. Professors an der Universität zu Jena Dr. Paul Hermberg, eines ter Referenten aus der Re'.chskonferenz, daß es ein Gebot der Stunde sei, die höheren Einkommen zu kürzen und Hamit tee Bezüge der llnterstühungsempfänger aufzubessern, fand einmütige Zustimmung. Richt weitere Derfchlcch- terung der Kaufkraft von Millionen von Men­schen könne eine Wirtschaftsankurbelung bringen, sondern nur eine Stärkung der Kaufkraft dieses großen Personenkreises. .

Aachdem die Aussprache auch über tee übri­gen dringenden Organisationsinteressen geführt motten wat, konnte die Tagung geschlossen wer­den.

26. Januar zu einem Dortrag ..Lebenswert und LebenSwirlung ter Dichtkunst im Volke" nach Dießen zu gewinnen. Weitere Aachrichten werten noch bekanntgegeben. (Siehe heutige Anzeige.)

Weihn'achtsmärchen-Dorstellung im Lichtspielhaus. Im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, (inten am Samstag, 3. Dezember, und am Sonntag, 4 Dezember, 14.15 bzw. 14 Uhr Weihnachtsinärchen-Dorstellungen statt, die den Kindern sicherlich viel Freude machen werten. Es werten aufgeführt ein deutscher Märchenfilm unter dem TitelDas Wunder auf der Burg Sonnenstein", ein Film in zwei Akten ..Das Märchen von ter Zauberkrone' und ein Kultur­film, auS dem die Kinder Land und Leute aus dem Wunderland Indiens kennenlernen sollen. Auf ter Bühne werden außerdem Ramona und Pola zu sehen sein, die mit ihren fünf dressierten Foxterriers zur Unterhaltung beitragen werden. Aäheres ist aus dem gestrigen Anzeigenteil er­sichtlich.

** Studentische Abendandacht. In der Kapelle des Alten Friedhofs findet heute um 20 Uhr eine studentische Abendandacht statt, zu der auch Nichtangehörtge der Universität herzlich eingeladen find.

* Das Eissporthaus z u r Besichti­gung freigegeben. Born Gießener Eisverein wird uns mitgcteilt: Das neue Eissporthaus, an der überschwemmten Eisbahn gelegen, steht am nächsten Sonntagnachmittag dem allgemeinen Verkehr offen. Es wird pon einer Gießener Gaststätte bewirt­schaftet. Der schmucke Gaftraum mit dem herrlichen Ausblick über das weite Wiesecker Tal wird sicher­lich manchen Gießener Gast anlockcn. Man beachte die heutige Anzeige.

"Re ise durch den Spreewal d". Der Goethe-Bund hatte in Gemeinschaft mit dem Kaufmännischen Verein und dem OrtSgewerbe- verein Professor Walter aus Lund zu einem Dortragsatend übet eineReise durch den Spree­wald" verpflichtet, ter am Dienstag in der Reuen Aula ter Universität stattfand. In um­fassender Weise behandelte ter Dortragente das interessante Thema. Zunächst machte er seine Zu­hörer mit ter geographischen Lage und der geo­logischen Struktur tes S'-reewaldgebietes ver­traut. Insbesondere schilderte er das Zustande­kommen tes Kanalsystems im Svreewald in an­schaulicher Weise. Noch vor 200 Jahren sei, so führte der Redner u.a. aus, der Spreowald zum großen Teil noch Urwald gewesen, ja, noch heute könne man Teile als Urwald betrauten. 300 Kanäle und Wasserarme durchziehen das Gebiet. Die Bevölke­rung sei wendisch und habe sich durch die Unzu- gäng ichkeit des Gebietes bis auf den heutigen Tag ihre Stammeseigenart gewahrt, wenn auch in letz­ter Zeit mancherlei Gebräuche, Tracht usw. auf­gelockert wurden und die eigene Sprache fast völlig verlorenging. Interessant sei die Anlage der Härrscr, die alle auf aufgeworfener Erde stehen und so vor der alljährlichen Uederschwemmung geschützt stehen sollen. Der Redner beschäftigte sich noch mit vielen Einzelheiten der wendischen Siedlungen und gab dann in einer großen Reihe ausgezeichneter Licht­bilder einen vollständigen Eindruck von dicsem Lande, von seiner Bevölkerung und den mancherlei Eigentümlichkeiten, die dem Fremden auf den Häuserinseln zwischen den Kanälen begegnen. Der anregende Vortrag wurde von der großen Zuhörer­schaft ban'.bar ausgenommen.

* D i e Hessische Bereinigung für Volkskunde, unter Leitung von Oberstudien­direktor Dr. Faber- Friedberg, veranstaltet am 5. De'.ember in Darmstadt ihre diesjährige Iah esvrrsammlung. Die dabei ftatlfintente Aus- fchußsihung und ordentliche Mitgliederversamm­lung erledigt die inneren Angelegenheiten ter Vereinigung. Don allgemeinem Interesse wird ter offentliebe Vortrag mit Lichtbildern fein, ten am Abend älniversitätsvrofessor Dr. Mau­re r - Erlangen, früher in Gießen, in der Tech­nischen Hochschule halten wird überZeitliche, räumliche und schich'mäßige Betrach'.ung in ter neueren Sprach- und Vrl skundesorschung". Der Eintritt dazu ist frei. Man beachte die heutige Anzeige.

Protest der Metzger

Ein Geldbnesirüger in Frankfurt erschossen.

Der 19 Jahre alte Mörder noch gestern nachmittag verh aftet

Frankfurt a. 2TL, 1. Dej. (ÖSJl.) heute kurz nach 13 Uhr wurde am Stiegctschlag Jlr. 5 im Stadtteil Bornheim der Geldbriefträger Hofsmann erschossen. Als Täter kommt ein am 29. April 1913 in Wiesbaden geborener junger Mann namens knirsch In Frage, der in dem srogiichen Hause bei seiner Mutter wohnte und am 1. Oktober 1931 mit seiner Mutter von Wiesbaden nach Frankfurt a. M. übergesiedelt war. Der er­mordete Geldbriefträger ist 48 3ahrc alt, verhei­ratet und hinterläßt eine Frau und zwei Kinder.

Der Geldbriefträger Hoffmann halte der Rentnerin und Großmutter de» Täter» eine kleine Rente ausbezahll und be­reits wieder die Wohnung verlassen, als er in diese noch einmal zurückgerusen wurde. Kaum hatte er die Tür hinter sich verschlossen, al» der junge Knirsch ihm einen Kopfschuß beibrachte, der den sofortigen Tod des 48sährigen Briefträgers, der seit dem Jahre 1907 sich im Amte befindet, zur Jolge hatte. Dann raubte der Täter au» der Geld­tasche des Beamten 2 8 0 0 Mark und ergriff da­mit die Flucht. Im Laufe des Rachmitlags konnte er aber bereits in Wiesbaden verhaftet werden. Der Mörder hatte sich zu einem Wies­badener freund, der dort eine Mansardenwohnung in der Marklstraße innehat, geflüchlet. Bei seiner verhaflung gab er sofort die Tat zu. Die Schußwaffe, mit der er die Tat begangen Halle, und 2000 Mark des geraubten Geldes konnten bei i h m gefunden werden. Seine

Uederführung nach Frankfurt erfolgte noch heute abend. Knirsch hatte vor einiger Feit schon in einer Wiesbadener Autogarage, in der er angeslellt war, Diebstähle bei den dort untergestellten wagen ver­übt. U. a. hatte er auch eine Browningpistole auf diese weise in seinen Beslh gebracht. Man nimmt an, daß er mit dieser Pistole die Tat ausgeführt hat.

Knirsch ist vorbestraft und hatte in der näch­sten Zeit In Wiesbaden einen Termin wegen eine» Raubüberfall» zu erwarten. Kurz nachdem Knirsch den Geldbriesträge nieöcrgefdjoffen hatte, wurde er von seiner Mutter überrascht. Er schlug der alten Frau einen Teppich um den Kops und flüchtete durch da» Zensier.

Oer Anschlag in Hanau.

WSR. Hanau. l.Dez. Wo dl« Polizeidirek­tion Hanau mitteilt, ist für die Ermittlung des Täters tes geftern auf die Wohnung tes Oberbürgermeisters Dr. Blau m in Hanau ber­uhten Bombenanschlags vom Regierungs­präsidenten In Kassel eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt worden.

Oer Handwerkskammer-Untersuchungs­ausschuß.

WSR. Darmstadt, 1. Dez. Die Mitteilung, daß für die nächste Sitzung tes Handwerks­kammer - Untersuchungsausschusses des Landtages am Dienstag kommender Woche ter Präsident der Handwerkskammer Kunkel (Worms) geladen sei, trifft nicht zu. Es hantelt sich vielmehr um den Direktor der Handwerler - Zentralgenossenschaft, R e u s e l (Darmstadt).

Neues für den Bücheriisch.

Handbuch dergeographi scheu Wis­senschaft. herausgegeben von Univ.-Pros. Dr. Fritz Klute-Gießen unter Mitwirkung einer Reihe anderer Gelehrten. Etwa 4000 größere Tertbilder und Kärtchen, gegen 300 Farbenbilder, viele Kar­tenbeilagen. In Lieferungen zu je 2,40 Mk. Aka- d.mische Verlagsgesellschaft Athenaion m. b. h., Pots­dam. Die bisher erschienenen sechsunddreißig Liefe­rungen geben einen deutlichen Begriff vom Wesen und Wert dieser schönen Bucherstheinung. .Weite Strecken unserer Erde sind bereits in diesen 36 Lie­ferungen behandelt: große Lcile von Afrika, Süd- uinerita, Europa und Asien. Dazu ist jetzt der erste Baud abgeschlossen: Australien, Ozeanien, Antarktis. Pros. Dr. Geisler- Breslau schildert Austra­lien das Land grotesker Gegensätze mit seinen end­losen Wüsten und Wüstensteppen, der entsetzlichen Plege der Dürren, vielfach kaum noch erschlossen und doch ein Land unbegrenzter Zukunftsmöglich- teilen. Dazu die meerburdjträntte Landschaft der ozeanischen Inselwelt ip der fesselnden Schilderung Professor Walter B e h r m a n n s - Frankfurt. Der dritte Teil dieses Bandes ist der Antarktis gewid­met und hat Prof. Dr. E. o. Drygalski - Mün­chen zum Verfasser. Vom unbekannten Europa handeln die jüngst erschienenen Lieferungen 3 7 bis 4 0 desHandbuchs. Denn als unbekannt darf man in mancher Hinsicht auch heute noch weite Strecken der südöstlichen Halbinsel, des Balkans, bezeichnen. Ueberall sind in diesem Wetterwinkel neue Konfliktsstoffe aufgespeichert, überall aber auch neue, z. T. mit großer Tatkraft betriebene Ansätze zu wirtschaftlichem und staatlichem Wiederaufstieg. Das geographische Handbuch erweitert und vertieft mit seiner mustergültigen, lebendigen und fesselnden Art der Darstellung durch Wort unu Bild das Welt­bild des Lesers.

Mathematisch-Physikalische Bib­liothek. Vom periodischen Dezimalbruch zur Zah­lentheorie. Von weil. Pros. A. Ceman. 2. Aufl. Start. 1,08 Mk. Ionentheorie. Von weil. Prof. Dr. P. Bräuer. 2. Aufl. Mit 9 Fig. i. T. Kart. 1,08 Mk. Riesen und Zwerge im Zahlenreich. Von Ober studiendir. Dr. W. Lietzmann. 3. Aufl. Mit 17 Fia. i. T. Start. 1,08 Mk. (284) Verlag von B. G. Teubner, Leipzig. Die originelle Einführung in die Zahlentheorie sucht durch einen glücklichen Gedanken die Schwierigkeiten zu beseitigen, auf die der An­fänger wegen der allzu abstrakten Form der Lehr­bücher zu stoßen pflegt. Der Verfasser kommt, aus­gehend von dem Satz von Fermat und der Euler- schen Verallgemeinerung, durch zahlreiche Beispiele und Aufgaben zu den Grundlagen der Zahlen- theorie, die dadurch konkreten Inhalt gewinnt. Die Darstellung der ebenfalls für weitere Kreise be- stimmtenIonentheorie" geht aus von den Vor- längen, die sich bei der Elektrizitätsleitung in Üb­ungen zeigen. In der 2. Auslage wurden ein Ab- chnitt über starke Eleklrolyte eingefügt und die Be­merkungen über Ionen in Gasen etwas weiter aus­geführt. Das Büchlein von Lietzmann erzählt im frischen Plauderton vom Zählen und Messen, vom Schätzen großer Zahlen, der Sandrechnung des Archimedes und der Entstehung des Zahlensystems, von der größten Zahl, die mit drei Ziffern geschrie­ben werden kann, endlich von Primzahlen, Zahlen­gruppierungen und Gesellschaftszahlen.

In der im Verlag Gerhard Stalling^AG. in Oldenburg erscheinenden Bücher-ReiheSchrif­ten an die Ration" sind einige neue Bande erschienen. Die Umwälzung der Anschauungen, die wir auf allen Gebieten des Lebens gewahren, <ft auch in der Erziehungslel>-e wirksam geworden. Welche bedeutsame Rolle das Volkstum im Er- Ziehungsprozeß spielt, und wie die ganze Erziehungs- lehre heute umgcftaltet werden muß, das zeigt Wilh. f) ö p e r in seinerR evolution der Er­ziehung". (442) Gefordert und in den Grundlinien geboten wird eine auf Erziehungs­wissenschaft sich gründende praktische Erziehungs- lehre, die von deutscher Art ausgeht, und die mundet inVolkserziehung von innen heraus", die also über bie Enge von Schule und Kinderstube weit hinaus-

Daß zu den ausbauenden Kräften unserer Zeit auch die Dichtung gehört, das zeigen die Er- Zählungen Will V e s p e r s , die in dem Bändchen Die Weltenuhr" (441) gesammelt smd: kleines Sinnbild des Menschlichen eine jede. In alle Winkel der deutschen Seele leuchten sie und klingen wie oer- traute Märchen aus der Kindheit. Im Zusammen- Hann mit der konservativen Bewegung unserer Tage gewinnen auch die sozialen Umwälzungen der Gegen­wart eine neue Bedeutung und fordern neue Ent­scheidungen. So die Frage der Großstadt, die unseren Volkskörper biologisch und seelisch bedroht. Eugen Sch mahl schildert dieMenschen in der großen Stadt". (439) Berlin cor allem, die Wellstadt, ist das Sorgenkind der Ration ge-

worden. Wie die Großstadt entstand, wie ihre Ent- feelung sich vollzog, wie im Umschwung der Entwick­lung die Ueberfättigung und die große Landsehnsucht des modernen Menschen die Städte zu entvölkern beginnt, schildert Schmäh! mit Anschaulichkeit und dem durchdringenden Blick des Sozio!ogen.

Graf Westarp : A m Grade der Parteiherrschaft, Bilanz des deutschen Par­lamentarismus. Verlag Georg Stilke, Berlin NW.7. (409.) In der Schicksalsstunde «des deutschen Parlamentarismus und 'ßarteireqlments brinat das Buch «ine Darstellung tes Versagens der Partei­regierung und seiner Gründe als Beitrag ,}ur B.l bung eines auf Tatsachen gestützten Urteils über die bisherige und die weitere Entwicklung. Jetzt frei von jeder Parteibindung gibt Gras Westarp, der im letzten Jahrzehnt des Kniise-'rrelchs die Entwick­lung zum parlamentarischen Regiment an vorderer Stelle bekämpft und von 1918 bis 1930 das Partei­regiment in feiner vollen Herrschaft tätig miterlebt hat, einen Abriß aus ter Geschichte der Kabinette und Koalitionen, chrer Fehler und Fehlschläge, von denen auch die eigene politische Arbeit tes Verfas­sers in diesem System nicht verschont bleiben konnte. Seit 19.30 folgen die Ansätze einer neuen Entwick­lung. Parteiendämmerung ist eingetreten. Wie stets in ter Geschichte wird ter tatsächlichen Aenderung der Machtocrhältnrsse die Reform der Verfassung folgen. Erst wenn -sie die Parteien von der Aufgabe befreit hat, hie sie nicht erfüllen können, selbst und absolutistisch zu regieren, wenden sie wieder ihre unentbehrliche Arbeit im Dienste am Vaterland lei­sten können.

Helene Chri st aller: Weihnachts­geschichten. Acht Erzählungen. Hübsch kartoniert 1, Mk. Druck und Verlag von Friedrich Rein­hardt in Basel. (389.) Acht Weihnachtsge­schichten, jede von ganz besonderer Art. Helene Christaller beschreibt,'wie ein Vater seinen Kindern zu Weihnachten eine neue Mutter zuführt, oder wie eine Pfarrfrau am Weihnachtstag ein verlassenes Kind aufnimmt. Legendären Charakter hat die schöne Erzählung, wie Franziskus zu Weihnachten das Christlind in seinen Armen hält. Jeder, der gerne eine Weihnachtsgeschichte lesen ober erzählen möchte, wird in diesem hübsch ausgestatteten Bänd­chen sicher etwas Geeignetes finden.

Felix Riemkasten: Der Götze. Ro? man. Brosch. 4 RM. Leinen 6 RM. Brunnen-Ver­lag, Willi Bischoff, Berlin SW 68. (320) In drei Abschnitten, die betitelt sindDas Trümmer­feld",Der Götze",Sammlung und Ordnung" durchlebt der Held des Buches, Georg Hallbau, die Zweifel, den Versuch am falschen Ort und ten be­ginnenden Glauben. Ihm ist es Schicksal, nick)» vor­beileben zu können am Vaterlande, an der Gerech­tigkeit und an dem Verlangen, stets hn Einklang zu sein mit einer Idee, die alles umfaßt und be­leuchtet: ihn und fein Volk.

Schröders Qlllgem. De u ts che r Hochschul-Führer für das Wintersemester 1932.33. Brücke-Verlag Kurt Schmersoto, Kirch- Hain R.-L..704 Seiten, Taschenformat. Preis drosch. 6,80 Mk. (388.)

Rach mehrsemestriger Pause liegt ter bekannte und beliebte Führer durch das gesamte deutsche Hochschulwesen wieder vor. Seine Berichterstat­tung erstreckt sich auf einen kurzen geschichtlichen Ueberblick über die Hockischulen, die Aufnahme­bedingungen, Rektor, Senat und Verwaltung, die Besuchsziffern im SS. 1932 und das vollständige Dozentenverzeichnis mit Angabe tes Lehrfaches und Geburtsdatums der einzelnen Hochschul­lehrer. Hierauf folgen Bibliothek, Seminare und Institute mit Anschrift. Den Schluß bitten die akademischen TLohlfahrtseinrichtungen und An­gaben über die Vertretungen. - Wie bisher fast jede Reuausgabe tes ^Schröder", erfuhr auch die vorliegende eine Umsangvermehrrmg. In einem ausführlichen Kapitel wird die Ausbildung ter Dolksschullehrer in den einzelnen Ländern behan­delt und daran anschließend die 14 Pädagogischen Akademien und Institute.

Latein für Mediziner. Ein praktisches Lehrbuch von Dr. M. Hen k e und G. Trojan unter Mitarbeit von Studien rat E. Frick. 142 Sei­ten. Kart. 2,80 Mk. Mar Hueber Verlag, München 1933. (414.) Das handliche Büchlein ist der neueften Prüfungsordnung angspaßt, es enthält eine kurzgefaßte Grammatik, die Grundclemente ter Formen, und Satzlehre, anschließend daran zusam­menhängende Lesestücke, besonders aus ter Ana- tomie tes menschlick-en Körpers. Das Lehrbuch ist tn Anlage und Ausbau auch tm angebängten Bo» tabularium ganz auf den Gebrauch tes angehen, den Mediziner» zugeschnitten und wird tem jungen Studenten (besonders dem Nichthumanisten) in ten oorkliniichen Semestern gute Dienste leisten.