Ausgabe 
2.12.1932 Frühausgabe
 
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noch in Kaufkraft, während ihre Verwendung zur öffentlichen Arbeitsbeschaffung durch die Ge­meinden und anderen öffentlichen Körperschaften eine wirksame Bekämpfung der Arbeitslosigkeit voraussehen lassen. Die vom ADGD. angeregten Maßnahmen würden etwa 1,75 Milliarden Mark ohne geringste Inflationsgefahr für die vom ganze Volke ersehnte Arbeitsbeschaffung frei ma­chen und die Wiederbeschäftigung von einer Million Arbeitsloser unverzüg­lich ermöglichen.

4. D:e durch die früheren Verordnungen her- be:geführten Verschlechterungen derSo- zialleistungen müssen im Rahmen der Möglichkeit rückgängig gemacht wer­den. Die Versorgung der Arbeitslosen muß namentlich in dem bevorstehenden Winter ausreichend verbessert werden: jeder weitere An­griff auf die Löhne und die Rechte der Arbeiter muß unterbleiben; die Llnabdingbarkeit der Tarifverträge, die durch die Ver­ordnung vom 5. September aufgehoben war, muß für die Zukunft unangetastet bleiben."

Oer Gtädtetag kündigt cm Arbeits­beschaffungsprogramm an.

Berlin, 1. Dez. (CNB.) In einer Besprechung zwischen dem Präsidenten des Deutschen Städte­tages Dr. M u l e r t und den Gewerkschaftsführern L e i p a r t und Otte kam die Ansicht zum Aus­druck, daß die bisherigen Maßnahmen zur Wieder­belebung der Wirtschaft nicht ausreichten, weil die öffentliche Hand nicht ge­nügend eingeschaltet sei. Infolgedessen müsse eine Beteiligung der öffentlichen Wirt­schaft an den Steuergutscheinen gefor­dert werden. Der Vorstand des Deutschen Städte­tages will der Reichsregierung Pläne für ein ganz konkretes Arbeitsbeschaffungsprogramm vorlegen, dessen Durchführung und Finanzierung alsbald möglich sei, so daß mit den dringlichen Arbeiten noch vor Einsetzen des Winters be­gonnen werden könne.

Oer Deutsche Landwirtschastsr-at dringt auf Kontingente.

Berlin, 1. Dezember. (ERB./ Der stän­dige Ausschuß des Deutschen Land- wirtschaftsrates beschäftigte sich erneut mit dem handelspolitischen Schutz landwirtschaftlicher Produkte und stellt fest, daßdas Reichskabinett seine festen und bindenden Zusagen hinsichtlich der Drosselung unnötiger Auslands- einfuhr durch umfassende Kontin­ge ntierungsmahnahmen bisher nicht ein­gelöst habe." Der ständige Ausschuß weist darauf hin, daß dieEmpörung in allen Kreisen der deut­schen Landwirtschaft deshalb aufs höchste gestiegen sei", und kündigt an, daß die deutsche Landwirt, schäft in ihrer Gesamtheit zu jedem Reichs- kabinett in scharfe Opposition treten werde, das nicht unverzüglich den Schutz der bäuerlichen Wirtschaft durch wirk­sam eDrosselung unnötiger Einfuhr durchführt. Die Landwirtschaft stehe zu jedem Reichsernährungsminister in schar em Gegensatz, der nicht feilten Eintritt in das Kabinett von der vorherigen Sicher st ellung schleu i ec Durchführung dieser Maßnahmen abhängig macht.

Oie Oeutschnationalen zur Kabinettsknsis.

Berlin, 1. Dez. (TU.) Zu Blättermeldungen über die Haltung^ der Deutschnationalen gegenüber einem Kabinett Schleicher wird von deutschnationaler Seite erklärt, daß es sich um eine Kombination handele, für die positive Unterlagen fehlen. Die DNVP. habe zu der neuen Lösung über­haupt noch keine Stellung genommen und habe stets betont, daß sie mit der Fort­dauer eines Kabinetts von Papen, das wirtschaftlich im Gegensatz zu den Erfahrun­gen der letzten Monate eine klare und ein­heitliche Politik gewährleistete und personal gegen die gemachten gehler gesichert, also ent­sprechend umgebildet fei, einverstanden gewesen wäre und die Gesamtdemission des Kabi­netts stets für unnötig gehalten habe.

Die Mmeichmma des rMch-sranzöMeiipM.

Der Sowjetbotschafter in Paris Dowgalewjki unterzeichnet den Vertrag: rechts der französische Ministerpräsident Herriot.

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Die Neuordnung der preußischen Zentralverwa>tuns.

Berlin, 2.Dez. (VDZ.) Die umfassenden Re- formmanßahmen in der preußischen Zentralver­waltung, die durch die Sparverordnung der kom­missarischen Regierung vom 29. Oktober dieses Oahres verfügt wurden, sind mit dem 1. Dezem­ber wirksam geworden. Da die Sparverord­nung sich auf die sogenannte Dietramszeller Rotverordnung des Reichspräsidenten stützt, jene Verordnung, in der die Länder ermächtigt wur­den. Sparmaßnahmen zur Herstellung ihres Etatsgleichgewichts durchzu ühren, ist das Par­lament oder eine andere Stelle nicht in der Lage, die jetzt in die Praxis überführten Re­formen in der preußischen Zentralverwaltung zu beseitigen. Mit dem 1. Dezember hat da­her in Preußen das bisherige Ministerium für Volkswohlfahrt aufgehört zu existieren. Mit dem gleichen Termin führt das bisherige preußische Hande'sministerium den RamenMi­nisterium für Wir s haft und Arbeit". In den beteiligten Fachressorts wird über die Einzel­heiten vor allem der Reuverteilung der Auf­gaben der Zentralinstanz noch weiter verhandelt werden.

Annahme Der Kirchenverträge im badischen Landtag.

Bei Stimmengleichheit entschied der Präsideirt.

Karlsruhe, 1. Dez. (ERB.) Im badischen Landtag wurden heute abend nach zweitägiger lebhafter Auseinandersetzung in erster Lesung die Kirchenverträge verabschiedet. Bei der Abstimmung waren alle 88 Mitglieder des Hauses zugegen. Das Ergebnis der Abstimmung war die Annahme des Konkordats und des evangelischen Kirchenvertrages. Für die Verträge stimmten geschlossen nur das Zentrum, die Deutsche Dolkspartei und die Wirtschaftspartei, im ganzen 44 Abgeordnete. Gegen die Kirchen­verträge stimmten die Kommunisten, Sozialdemo, traten, Demokraten, Rationalsozialisten, der Evgl. Volksdienst und die Deutschnationalen, ebenfalls

44 Abgeordnete. Den Ausschlag gab nach der Landtagsverfassung die Stimme des Präsidenten, der für die Kirchenverträge stinunte.

In der Aussprache waren Kommunisten, So­zialdemokraten und Rationalsozialisten so heftig aneinandergeraten, daß der Präsident die Aus­schließung von drei Kommunisten anordnete und die übrigen streng verwarnte und ihnen Ord­nungsrufe erteilte. Die Deutschnationalen hatten einen Antrag auf Vertagung der ganzen Ver­tragsmaterie eingebracht, da der jetzige Landtag, der im vorigen Jahre gewählt worden ist und dessen Tagungszeit im Herbst 1933 abläuft, in keiner Weise mehr dem Volkswillen entspreche. Dieser Vertagungsantrag wurde mit erheblicher Mehrheit abgelehnt, da im Hause dc r Wunsch bestand, unter allen Umständen das Schicksal der Verträge zu klären. Die Rationalsozialisten machten vor allem geltend, daß sie als größte Partei in Baden überhaupt nicht gehört worden wären. Landtagspräsident Duffner, der den Aus­schlag bei der Abstimmung gab, geh^.M,dem Zentrum an. In acht Tagen erfolgt di^^Weite Lesung. § £?

Aus alter Welt

Der Deuischlandsender.

Laut M't e lung der Rei-)scundsunkgesellschaft wird die Deutsche Welle GmbH, ab 1. Januar 1933 unter der Bezeichnung Deutschland- sender GmbH, den Reichssender in Königs» wusterhausen unter eigener Verantwortung be- dienen. Die Programmgestaltung dieses Senders liegt in Zukunft allein in den Händen der Lei­tung des Deutschlandsenders, dessen wesentliche Aufgabe darin besteht, die für die Stammeskultur besonders bezeichneten und anderen repräsen­tativen Programmieile der Landesfender durch Llebertragung in ganz Deutschland und über Deutschlands Grenzen hinaus zu Gehör zu brin­gen. Intendant wird Professor Dr. Schub oh, sein Stellvertreter und Programmdirektor wird Dr. Hans Roeseler.

Max Sletiogts Witwe gestorben.

Im Ludwigshafener Städtischen Krankenhaus starb in einer der letzten Rächte Frau Antonie Slevogt, die Gattin des berühmten Malers

Max Slevogt, im 68. Lebensjahre. Ein schwe­res Leisen hatte sie schon längere Zeit ans Bett gefesselt: sie hat ihren am 20. September d. I. verstorbenen Gemahl nur um etwas über zwei Monate überlebt.

Beraubung eines fiaffenboten.

In Halle roure der 17jährige Kassenbote einer Fabrik in der Reideburger Straße von zwei Män­nern im Alter von etwa 25 Jahren überfallen und niedergeschlagen. Die Räuber schnitten die an dem Rade des Ueberfallenen befestigte Geldtasche, in der sich 16 0 0 Mark Lohngelder befan­den, ab und flüchteten auf ihren Radern. Der Kas­senbote hat erhebliche Verletzungen davonge­tragen, konnte aber eine Beschreibung der Täter geben, so daß die Polizei hofft, sie in kurzer Zeit ermitteln zu können.

Banbifenüberfall auf ein Postamt. Zwei Tote, sieben verletzte.

Auf das Postamt der ostgalizischen Stadt Grodek bei Lemberg wurde von Banditen ein Raub- Überfall verübt. Zwei Personen wurden dabei getötet und sieben verletzt. Der Ueberfall hatte folgenden Verlauf: Acht maskierte und mit Re­volvern bewaffnete Männer drangen in das Post­amt, in dem sich zwei Beamte und ein Postdiener sowie vier weitere Personen befanden, ein und er­öffneten sofort das Feuer. Die Beamten setzten sich mit der Schußwaffe zur Wehr, und es entspann sich ein regelrechter Nah kämpf, in dessen Ver­lauf zwei Banditen getötet wurden und sämtl che Anwesenden auf dem Postamt Derletzungen da- oontrugen. Die beiden anderen Banditen flüchteten mit einer Deute von etwa 4000 Zloty Bargeld.

Reichswehrauto verunglückt. (Ein Toter, zwei Schwerverletzte.

In der Rähe von Kicker im Kreise Raugard kam ein Kraftwagen der Stettiner Fahrschule der Reichswehr ins Schleudern und raste gegen einenDaum. Don den Insassen wurde ein Un­terfeldwebel getötet; der Führer des Autos, ein Oberleutnant, und ein Leutnant erlitten schwere Verletzungen.

Gemeine Vogeldiebe.

Eine unglaubliche Gemeinheit wurde von ge­wissenlosen Einbrechern in Kassel verübt. Die Vogelzüchterei von Löhrmann in der Hafenstraße war das Ziel der Diebe, die bei Rächt in das Gartenhaus, wo die Zucht untergebracht war, eindrangen und die wertvollsten Tiere (es handelt sich um blaue Wellensittiche) Mitnahmen. Aber nicht genug damit, töteten die Eindringlinge die übrigen Vögel, indem sie die Tiere auf die Erde warfen oder in der Hand zerdrückten. Am anderen Morgen bot sich dem Züchter beim Be­treten des Vogelhauses ein herzzerreißender An­blick. Ueberall lagen seine toten Lieblinge umher. Richt ein einziger Vogel wurde noch lebend vorgefunden. Die Ermittlungen der Polizei, die sofort auf genommen wurden, haben leider noch nicht zur Auffindung der Täter geführt. Durch die rohe Tat ist der Züchter um die Früchte langjähriger Zuchtversuche und um seine Existenz gebracht worden.

Gasexplosionen in Montreal.

Eine Reihe von Explosionen hat die Devöl- kerung der Stadt Montreal (Kanada) in Angst und Schrecken versetzt. Die Straßen waren plötzlich in Dunkelheit gehüllt. Feuersbrünste brachen aus, die Fensterscheiben zahlreicher Häuser sprangen entzwei. Beinahe die ganze Garnison und die gesamte Feuerwehr wurde auf geboten, um der Brände Herr zu werden. 20 Personen wurden mit Brand- und Schnittwunden in. die Krankenhäuser eingeliefert. Die Explosionen waren in den Kanali­sationsleitungen entstanden, aus denen plötzlich lange Stichflammen hervorschossen.

Schwere Wolkenbrüche über Toskana.

In Toskana sind in den letzten Rächten schwere Wolkenbrüche niedergegangen. Der Bahn­hof von Livorno steht vollständig unter Wasser, so daß die Züge auf der Linie RomGenua umgeleitet werden muhten. Zugverspätungen und schwere Schäden auf den Feldern wer­den aus der ganzen Gegend gemeldet. Auch in der älmgegend von Cortona stehen Felder und Siedlungen unter Wasser.

Am Kamin.

Don Sofie von Llhde.

Copyright 1932 by I.L.A. Wien.

Nun kommen schon die Tage der knisternden Ka­minfeuer und der rieselnden Nebel, Tage, erfüllt vom Duft nachreifender Aepfel und vom Liede heim­lich fallender Blätter diese unnennbaren Tage, die halb Wehmut sind und halb Glück und in denen man nie so recht weiß, ob man sich positiv oder ne­gativ entscheiden soll.

Am besten, man schließt Fenster und Tür vor der grauen peuchte des Tages und dem mißmutigen Erstaunen der unerfüllten Bäume im Parke, die schon verwelkt find, ehe sie noch so recht in Gold und Bläue geflammt haben. Ja, das ist das Beste: und dann streckt man die Beine vor dem lodernden Kaminfeuer, das nach Wald und Harz und Wärme duftet unfeine so wunderbar heimliche Atmosphäre verbreitet von englischem Landleben und frohem Iagdgetriebe hinter den Hunden. Ein bißchen Phan­tasie, und alle Meuten Irlands bellen um die lo­dernden Scheite.

Zunächst sitzt da allerdings nur ein einziger, klei­ner, einschichtiger Hund, aber der ist allein zehn Kennels wert. Ein goldorauner Spaniel, Aristokrat bfs in die Löckchen zwischen seinen Zehen, doch nicht ohne einen kleinen, liebenswerten proletari­schen Charaktereinschlag, der ihn wärmer und um­gänglicher macht, als sein nobles Blut es eigentlich gestattet. Ich bin leider keineswegs seine Mama, sondern nur seine Tante, aber auch dies erfüllt mich mit berechtigtem Stolz, wie ich ihn da so sitzen sehe. Sehr aufrecht und gerade sitzt er vor dem Kaminfeuer mit der selbstverständlichen Vornehm­heit eines englischen Lords und gibt sein seidenes Hälschen genießerisch der ftrömenben Wärme hin.

Sein lockiger Behang hängt ernst zu beiden Sei­ten des geraden Näschens, und ernst ist die Falte auf seiner Stirn und der gedankenvolle Blick, mit dem er in die Flammen schaut. Was träumt er wohl, der kleine, liebe Leu? Er wird, denke ich, von wilden Häschen träumen und von den heißen, er­regenden Freuden der Jagd, wie sich das gehört für solch einen edlen Spaniel. Er wird das strup­pige Fell der Heidekaninchen zwischen seinen damp­fenden Lefzen spüren und wird seine schlagenden ö Ian Fen wohlig an der Kühle der tropfenden Büsche reiben ach, schöne Sache, so ein Traum!

3d) mach s nicht anders wie er, ich hab auch so meine Kaninchen zwischen den heimlich huschenden ulainmen springen. O Herbst, o Stunden vor dem

Kamin, wo aus grauer Nebelfeuchte die Erinne­rungen reifen wie edle Weine in dem Dunkel der Keller, klar und golden und frei vom Leid!»

Schön war der Sommer, blau und hell, voll Liebe und Sonne und gestirnten Nächten, schön war der frohe Schritt in seinen jungen Morgen. Hat er Trä­nen gekannt? Achl was sind Tränen in der Erinne­rung! Perlen und Tau und Glanz. Welches Er­leben märe reich ohne sie, welche Liebe wäre wert­voll, ehe wir sie nicht mit Leid und Tränen könig­licher gestaltet hätten?

Mir scheint, wir wollen ein wenig über die Liebe philosophieren, hier am Kammfeuer des Herbstes, wie mein kleiner ernsthafter Leu? Aber mit der "iebe ist es nicht so einfach wie mit deinen Kanin- djen, mein Freund, die man einteilt in erwischte und nicht erwischte und allenfalls noch in solche, von denen einem nur ein bißchen struppige Wolle zwi­schen den Zähnen bleibt, wie das bei dir, Gott sei Dank, meistens der Fall ist; da ist es ja dann ganz einfad) und angenehm, mit gefalteter Stirn und ernst und aufredjt sitzend, darüber zu philosophieren, ob der scent was taugte.

'2lb«r über die Liebe, weißt du, da soll man nicht allzu viel grübeln, nicht im Herbst und nicht vor einem Staminfeuer; es könnte dann leicht passieren, daß man irre roüre an ihr. Und wozu wäre das gut?

Immer und überall im Leben aber das wol­len wir stets zunächst nicht glauben kommt es einzig darauf an, daß man nabel genug ist zum Verschwenden und hochmütig genug, nicht zu sehen, ob es vielleicht nur etwas Armseliges ist, was uns dafür in die Hand gedrückt wird, dann geht alles gut aus. Laß dir nur niemals sagen, kleiner Leu, es fei das verdammtnochmal ein mageres Kanin- Ken, was du da endlich erwischt hast mit keuchenden Flanken und hängender Zunge; es ist dein Kanin­chen, und wenn du nur willst, dann ist es das fet­teste Kaninchen der Welt. Das ist die einzig richtige Haltung jmr einen Spaniel von edlem Blut. Und bei uns Menschen sieht's nicht viel anders aus. Wo bliebe das Glück, wenn wir nicht guten Willens wären, es zu erleben?

Sieh, nun sind wir doch ein wenig ins Philo­sophieren gekommen. Ja, diese Kaminfeuer im Herbst, die hab en's in sich. Immer fragt das Vöglein Nimmerwiederkehr in ihröm Schein, und das macht zum wehmütigen Zurückschauen geneigt und ein wenig zur Traurigkeit. Aber hol doch der Teufel alle Wchmut und alle Kleinmut und all diese Un-Mute, die den Sd)ritt des Lebens so hemmen! Hol sie doch alle der Teufel, mein kleiner Leu! Ver­schwendung und Hochmut ich fyab's dir schon ein­mal gesagt; aber davon trägst du eigentlich ganz

genug auf deiner goldbraunen Nase. Ich habe dich um einen lächerlichen Brummer einen Auftritt ver­anstalten sehen, daß dir beinahe dein kleines Herz zersprang vor Jagdrausch, und ich habe dich dann die erlegte Nichtigkeit verspeisen sehen mit der Würde eines Peers von England die Seele im Leih hat mir gelacht.

Sollte ich kleinmütiger fein als du? Oh, nein sch ö n^roar der Sommer und warm war sein Ge- sicht! Schön und warm sind die Erinnerungen im Schein der lodernden Scheite. Niemals bejaht man das Leben so tief wie vor einem herbstlichen Ka­minfeuer, nur das Grübeln muß man lassen. Ein Glas voll roten Weins und ein Herz voll roter Erinnerungen, so einem tfies Gott beschert was gehen uns dann die Nebel auf den Feldern an? Wir wollen unsere Kaninchen jagen, edler Spaniel!

Oas deutsche Adventspiel.

Zu den schönsten Bildern in Gustav Freytags im 13 Jahrhundert spielenden RomanDie Brüder vom deutschen Hause" gehört die Schilderung einer Adoentsfeier im Thüringer Walde. Ein festlicher Zug schreitet durch die schneebedeckte Dorfgasse, voran Ruprecht im umgewendeten Rock, nut Flachs­bart und abenteuerlicher Kappe, auf dem Rücken den schwarzen Sack, und neben ihm die Jungfrau Maria im langen weißen, von Sternen glänzenden Mantel, hinter ihnen ^zwei Mägde, mit Geschenken reich be­laden, eine Schar von Dorfgenossen wandelt mit, und so geht es von Haus zu Haus. Ruprecht fragt in lustigen Reimen nach Fleiß und Zucht der Kin­der; dann läßt die Jungfrau die Kinder beten und spendet ihnen süße Gaben ... Das deutsche Advent­spiel, das die heilige und geweihte Weihnachtszeit einleitet, ist hier anschaulich dargestellt. Es nimmt im Streife der Weihnachtsspiele feinen besonderen Platz ein und wirft in der Vorführung vonChrist­kindls Einkehr" gleichsam schon im voraus einen lichten schein auf die Feier seiner Geburt. Die Ent­stehung und geschichtliche Entwicklung des Advent - spiels gibt ein besonders klares Bild von der Ver­bindung christlicher und heidnischer Züge im deut­schen Volksglauben und wird in der jetzigen Ad- oent^eit manchen Blick auf die unvergänglichen Schätze unserer volkstümlichen Ueberlieferung lenken. Es ist kein Zweifel, daß das deutsche Adventspiel sich nicht nur an das kirchliche Nikolausspiel, son­dern auch an alte heidnische Umzüge der Weih- nachtszeit anlehnt, die wieder Zusammenhängen mit römischen Kalender- und Saturnaliengebräuchen. Der Ruprecht verschmilzt mit der Gestalt des Bi­

schofs Nikolaus, der volkstümlich zum Klos oder in Niederdeutschland zum Ruklas, d. h. rauhen Klaus, wird. Die uns heute noch geläufige Verbindung des Ruprecht mit der Bezeichnung Knecht ist ebenfalls uralt; sie findet sich schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in dem Gedicht vom Sängerkrieg auf der Wartburg. Diese altheidnischen Züge, die auf altaermanische Opferfeste und die mit dem Seelenglauben zusammenhängende Vermummung in Dämonen- und Tiermasken zurückgehen, treten klar hervor in den durch mündliche Ueberlieferung er» chaltenen volkstümlichen Adoentspielen, die in statt­licher Anzahl von Gelehrten gesammelt worden sind.

Die ursprüngliche Form des Spiels vonChrist­kindls Einkehr", wie sie sich in Schlesien noch nach­weisen läßt, zeigt nur das Christkind und einen Engel. Sie treten in die Stube, fragen, ob die Kin­derfleißig in die Schule gehen und sittlich vor dem Tische stehen". Der Engel klagt über die große Un­gezogenheit der Kinder; aber das gute Christkind verzeiht und sagt:

Nein, nein, mein lieber Engel mein, Man muß nicht gleich so zornig sein, Die Kinder sind wie ein Zweiglein grün. Man kann sie biegen her und hin ..."

Dieses eigentliche Adventspiel wurde bann später zu einemJesus-Geburtsspiel" ausgestaltet, in dem die ganze Szenenfolge der heiligen Geschichte von der Geburt bis zum bethlehemitischen Kindermord vor» geführt wurde. Solche Adoentsspiele sind noch bis heute, besonders auch bei den Auslanddeutschen, so z. B. in Ungarn, in Brauch. Die anmutige Jdyllik und die kindliche Heiterkett des eigentlichen Advent-- spiels ist erst durch die neuere volkskundliche For­schung ins rechte Lickst gerückt worden.

Aod>fd>ulnod>rid>fen

Professor Dr. Walter Uffe norde, der Direk. tor ber Marburger Klinik für Ohren-, Nasen» stnd Halskrankheiten, ist von der Karserlich Leopol- dinisckstn Karolinischen Deutschen Akademie der Na­turforscher in Halle in Anerkennung feiner her­vorragenden Arbeiten auf den verschiedensten Teilen seines Fachgebiets zum Mitglied gewählt worden.

Die freigewordene leitende Stelle an der Profok- tur des Deutschen Instituts für Frauenkunde und der FrauenklinikCecilienhaus" in Berlin ist dem a. o. Professor und Dberarjt des Universitäts- Instituts für pathologische Anatomie in Frank­furt a. M. Dr. Tannenbero angeboten wor­den; er hat die Berufung angenommen.