nr.284 Avübaussabe
182. Jahrgang
Zreitag, 2. vezember (952
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für denAn- zeigenteil i. V. Th.Kümmel sämtlich in (ßieyen.
Oer 15. Dezember.
Don unserem ^.-Berichterstatter.
(Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten?)
London, 30. Rov. 1932.
Kann der Engländer überhaupt nervös werden? Dun, wer das nicht glauben wollte, wird durch die Ereignisse der letzten Tage eines besseren belehrt. Die Gerüchte darüber, was die Regierung in der Schuldenfrage zu t u n beabsichtige, überstürzten sich, an der Börse fielen die Papiere und auch das Pfund wackelte wieder. Projektemacher, die sich sonst im seriösen England stark zurückhielten, waren überall und sind noch immer an der Arbeit und niemand weih im Grunde genommen, wie das Ganze ausgehen soll. Wird England am 15. Dezember bezahlen, oder wird es statt dessen sich für zahlungsunfähig erklären? Darauf hat es bisher jedenfalls keine Antwort gegeben, da die Engländer wahrscheinlich weder das eine noch das andere tun werden, sondern nach einem Kompromiß suchen, das nicht nur ein Mittelding zwischen Zahlen und Dicht- zcchlen ist, sondern nach Möglichkeit auch noch den amerikanischen Wünschen irgendwie Dcchnung trägt.
Man muh nämlich wissen, worum es bei d.eser Frage für die Engländer geht. Sie wissen genau, dah ihre Entscheidung nicht nur eine politische, sondern auch eine ungeheure wirtschaftliche Bedeutung hat, weil ja von der englischen Entscheidung in der Kriegsschuldenfrage nicht nur ihre Beziehungen zum Kontinent abhängen, sondern weil auch klar ist, dah jede Zahlung die sie leisten, auf die englische Währung zu - r ü ck w i r k t und möglicherweise das Pfund gefährdet.
Die Engländer haben seinerzeit in Lausanne nicht ohne tieferen Grund sich dafür eingesetzt, dah die Reparationen voll und ganz gestrichen werden sollen. Sie sagten sich mit Recht, dah eine Streichung der Reparationen notwendig sei, weil ohne Streichung der Reparationen es auch keine Streichung der Kriegsschulden geben würde. Jeder Engländer, der auch nur etwas zu sagen hatte, predigte, dah man rein enTisch machen müsse, weil man nur dann in Amerika durchsetzen könne, deh auch Amerika die Kriegsschulden streicht. Diese Haltung Macdonalds wurde jedoch dadurch durchkreuzt, dah Herriot sich in Lausanne darauf berief, Hoover habe bei seinem Besuche in Washington Laval eine Ermähigung zugesagt, wenn Laval eine Restzahlung bei den Reparationen durchsetze. Denn für eine Streichung würde der amerikanische Kongreß nie zu haben sein, während er eine Herabsetzung nicht ablehnen könne, wenn auch eine Herabsetzung der Reparationen erfolgt sei. Infolgedessen hat Herriot es nicht geduldet, dah es in Lausanne zu einer Streichung der Tribute kam — und der Erfolg ist, dah wir in Deutschland statt einer endgültigen Beseitigung der Reparationen nur das vorläufige Abkommen von Lausanne erhalten haben. Immerhin glaubte Macdonald seinerzeit, dah er sich auf die Angaben von Herriot verlassen könne, weil ja Hoover bekannt dafür ist, dah er sein Wort zu halten pflegt. Er hat daher die französische Lösung der Reparationen angenommen, weil er annahm, dah Amerika England dafür entgegenkommen werde, — und hat wohl überhaupt nicht mehr damit gerechnet, dah es noch ernsthafte Schwierigkeiten in dieser Frage geben würde.
Dun ist aber in Amerika der Wind völlig umgeschlagen. Hoover hat nichts mehr zu sagen und hat zum Erstaunen des englischen Auswärtigen Amtes überraschenLerwe'.se erklärt, er wisse nichts von irgendeinem Abkommen, das einen Zusammenhang zwischen den Reparationen und den Kriegsschuloenzahkungen an die Amerikaner her stellt. Ein derartiges Abkommen hätte ja vom Kongreß genehmigt werden müssen; die übrigen Argumente der englischen und französischen Roten seien aber nicht geeignet, im Kongreß eine Stundung oder Streichung der Kriegsschulden aussichtsreich erscheinen zu lassen. Mit anderen Worten: Hoover hat die Grundlage der Reparationsabmachungen in Lausanne glatt geleugnet und hat damit durch alle englischen und französischen Pläne in dieser Frage einen Strich gemacht. England muh also, so bitter das auch empfunden wird, entweder glatt bezahlen, oder sich für bankerott erklären — oder muh andernfalls sich von Frankreich in dieser Frage ganz und gar trennen, also eine Aktion unternehmen, die mit Sicherheit über kurz oder lang zu den schärfsten Gegensätzen zwischen der englischen und französischen Politik führen muh. (Hnd das in einem Augenblick, in dem man sich sowieso mit den Franzosen wegen ihres unmöglichen Ab- rüstungsplanes in den Haaren liegt!)
Am liebsten würde man ja hier bezahlen. Die Summe, die zu zahlen ist, ist ja schließlich nicht groß; vielleicht läßt es sich auch erreichen, dah man die Summe nicht ganz auf einmal zu bezahlen braucht — weil eine Zahlung bedeutet, daß man Zeit gewonnen hat, und zwar Zeit bis zum nächsten Sommer. Bis dahin, so hofft man, kann man alles regeln oder doch einen Ausweg aus der fatalen Situation finden.
Die Partei, die für Zahlung eintritt, übersieht aber nach der Ansicht der anderen Partei, die für Nichtbezahlung ist, wie schwerwiegende Folgen eine Zahlung hat. Denn wie soll England zahlen? Es kann selbstverständlich in Gold zahlen. Aber damit wird der schon stark geschwächte Koldvorrat der Bank von England wieder vermindert und man kehrt zum Grundsatz der Berschis-
Zwischen Popen und Schleicher.
Lieber ein sachliches Regierungsprogramm einig.-In der Personalfrage noch keine Entscheidung.
Berlin, 2. De;. (111.) Die Beratungen, die beim Reichspräsidenten am Donnerstagabend stattfanden, haben zweifellos einen Abschluß der B e- f p r e d) ungen gebracht, die zur Lösung der He- gierungskrise geführt wurden. Die Entscheidung liegt nunmehr beim Reichspräsiden- t e n, der allein den letzten entscheidenden Entschluß fassen wird. Mit seiner Bekanntgabe ist in den Mittags st unden zu rechnen. In den Mittagsstunden des Donnerstag hatte eine abschließende Besprechung zwischen Papen und Schleicher statt gefunden, in der sich die beiden Kanzlerkandidaten darüber verständigt haben, was sie dem Reichspräsidenten als Lösung Vorschlägen wollten.
Die Antwort der Rationalsozialisten ist vollkommen negativ ausgefallen, so dah nicht mehr die geringste Wahrscheinlichkeit einer Unterstützung oder Tolerierung eines Kabinetts von Schleicher bestehl. Ein neuer Brief Hitlers an den Reichsprä fiöenten ist eingegangen. (Er enthält jedoch keine Reuigkeiten, sondern bezieht sich nur auf die Vorschläge, die Hitler dem Reichspräsidenten innerhalb des bekannten Briefwechsels gemacht hat und lehnt jede weiteren Verhandlungen ab. Rach Auffassung unterrichteter Stell 5 sieht der Brief in keinem direkten Zusam- menhlchg.mit den Bemühungen des Generals von Schleier-
Darav- ergibt sich, daß nun General von Schleicher nicht mehr allein im Vordergründe ist, sondern die Aussichten sich auf ihn und Herrn von Papen gleichmäßig verteilen. Es steht schon jetzt fest, daß die neue Reichsregierung eine Politik macht, die nicht mehr davon abhängig ist, welche der beiden Persönlichkeiten an ihrer Spitze stehen wird. Daraus darf man wohl schließen, daß auch das Regierungsprogramm des Herrn von Papen sich f a st ausschließlich auf die wirtschaftlichen Fragen konzentrieren dürste, heute mittag wird nun noch Geheimrat hugenberg vom Reichspräsi- denten empfangen werden, und bann soll endgültig die Entscheidung auch in der Personenfrage fallen.
Der Reichspräsident hat bisher immer den Stand- punkt vertreten, daß er einen Anlaß, sich von Papen zu trennen, nur bann hätte, wenn ein anbe- rer Kanzler eine günstigere parlamentarische Lage mitbrächte. Ob bie Versuche Schleichers, bie Lage ber Regierung gegenüber bem Reichstage zu verbessern, vom Reichspräsibenten als ausreichenb angesehen werben, um eine Betrauung Schleichers mit ber Kabinettsbübung als gerechtfertigt erscheinen zu lassen, ist offen. Ob bie Entscheidung bes Reichspräsidenten für die Bildung eines neuen Kabinetts unter Führung des Generals von Schleicher fallen wird, ober ob er sich nun boch, nachbem alle anberen versuche gcfdjeilerf sinb ober sich als aussichtslos erwiesen haben, bafür entleibet, es bei einer Betrauung bes Herrn von Papen zu belassen, muh abgewartet werben. Die Chancen für Papen unb Schleicher stehen wie 1:1. Man hält es in politischen Kreisen nicht für aus- gefd)lo',cn, baß bie letzte Entscheibung bes Präsi- benten erst fallen wirb, wenn feststeht, was für Persönlichkeiten bereit wären, in ein
Kabinett Schleicher ober ein Kabinett Papen einzutreten.
Berliner Stimmen zur Krisis.
Berlin, 1. Dez. (TU.) Die anhaltende Ungewißheit über den Stand ber Regierungskrise spiegelt sich auch in den Berliner Abendblättern beut- lich wieder. Die „DAZ." meldet, daß die Fortdauer der Krise im Reich z u zahlreichen Telegrammen und 'Briefen aus dem Lande geführt haben, die den Reichspräsidenten bestürmen, endlich eine rasche Entscheidung zu treffen. Die Fühlungnahme nach der Seite der NSDAP, sei aber nicht der ausschlaggebend e^ Faktor für die Verzögerung. Die eigentlichen Schwierigkeiten beträfen sehr heik.e Fragen der internen Kräfteverteilung innerhalb der maßgebenden Reichsinstanz. Das Blatt bezweifelt, ob bie Absicht, das Reichswehrministe- rium bei einer Kanzlerschaft Schleichers nur kommissarisch verwalten zu lassen, die Genehmigung der obersten Reichsstelle gefunden habe. Parallel mit den Besprechungen des Reichswehrministers habe Reichskanz.er von Papen ebenfalls eine Reihe von Verhandlungen über die Umbildung des Kabinetts geführt, die sich auf den Fall einer Wiederkehr des bisherigen Präsidialkabinetts erstrecken. In diesem Zusammenhang seien auch Besprechungen mit bem Stahlhelm gepflogen worden, bei denen der Gedanke, dem Stahlhelmfuhrer S e l d t e den Poften eines Vizekanzlers im Kabinett Papen einzuräumen, eine erhebliche Nolle gespielt habe. (Don anderer Seite wird übrigens von dem Posten eines Reichs- t o m m i f 1 a r 5 für bie Arbeitsbeschaffung für Seldte in diesem Falle gesprochen, d. Red.) Bei den sozialpolitischen Verhandlungen der letzten Tage habe weiter das Streikproblem eine große Nolle gespielt. Auch bie mit den Nationalsozialisten geführten Besprechungen hätten zu einem erheblichen Teil dieser Frage gegolten.
„Der Deutsche" ist bezüglich der Erwartung eines Kabinetts Schleicher optimistisch und meint,
ber Reichswehrminister nehme sich Zeit zu einer gründlichen Klärung. In diesem Zusammenhang habe er gestern die Führer der d)riftlidjen Gewerk schäften empfangen. Der „Vorwärt s" verwaht t sich besonders scharf gegen die verschiedentlich gemeldete Absicht einer Betrauung Brachts mit dem Reichsinnenministerium. Eine Reichsregierung mit diesem Manne als Innenminister märe nichts als eine Neuauslage der Regierung Papen. Sein Name und seine Taten hätten d:e gle chen provokatorischen Wirkungen.
Scharf fordert der „I u n g ö c u t i d) e" eine schnelle Entscheidung des Reichspräsidenten. Es gehe u m Hindenburgs Autorität. Durch weiteres Zögern rufe man im Volke den Eindruck hervor, daß nicht nur bie Parteien, sondern auch die maßgeblichen Stellen des Reiches vor einer klaren Entscheidung z u r ü ck s ch r e ck e n. Unter vollem Bewußtsein der damit verbundenen Verant Wartung fordert das Blatt ausdrücklich in diesem Augenblick die Bildung eines K a m'p f Kabinetts, das ohne Rücksicht auf die Parteien das deutsche Volk über den Winter hinwegbringe. Schleicher vermöge dabei als Vertreter der Wehrmacht wertvollere Dienste zu leisten, als wenn man ihn mit dem Kanzleramt betraue. Deshalb sei es, weil eine andere Persönlichkeit m Augenblick gar nicht zu sehen sei, durchaus richt'g, wenn Herr von Papen als Kanzler eines Kampfkabinetts nun endlich ernannt werde.
Die Nationalsozialistische Korrespondenz schreibt in einem Berliner Artikel, die Tatsache, daß Hitler am Mittwoch nicht zur Aussprache mit Herrn von Schleicher nach Berlin kam, habe bie Verwirrung ins Unermeßliche gefteigert. Alle Augen hätten sich nach Thüringen gerichtet, nach dem Mann, der in der Tat zur Zeit alle Trümpfe in der Hand habe. Von ihm und seinen Entschlüssen hänge allein das Gedeihen der Herren von Papen, von Schleicher und Meißner ab, nicht zuletzt das des Herrn Reichspräsidenten s e l b ft.
Die ZorderiWen der freien GkwäMsten.
Ein Schreiben Leiparis an General von Schleicher.
Berlin, l.Dez. (SH.) Dieser Tage hat bekanntlich eine Besprechung des Reichswehnnini- sters von Schleicher mit Vertretern des Vorst andes des ADGB. stattgefunden. Auf Wunsch des Ministers hat später L e i P a r t im Rainen des Bundesvorstandes die Forderungen des ADGB. schriftlich bargelegt und begründet. Das vom 29. Rovember datierte Schreiben an den Reichstvehrminister enthält im wesentlichen folgende Punkte:
1. Die Verordnung des Reichsarbeitsministers vom 5. S plember 1932 ist außer Kraft zu sehen. Die in der Verordnung vo.n 4. September für ReueinstellungSprämien zur Verfügung gestellten 700 Millionen Mark sind unverzüglich zur Finanzierung öffentlicher Arbeiten zu verwenden. Rach den Erhebungen d's ADÄB. seien die Reueinstellungen nicht so zahlreich, daß die Ausgabe der Prämiensteuer- gu.scheine gere-)herligt werden könne. In 943 erfaßten Betrieben, di» vorher 191 669 Arbeitskräfte beschäftigt hätten, seien nach der Verordnung vom 5. S plembcr 42 218 Arbeitskräfte neu 1 eingestellt worden. Das in der Verordnung des
Reichsarveitsministers vom 5. September vorgesehene Recht der Hnternehmer, dieLöhnefür die 31. vis 4 0. Stunde zu kürzen, hebe eine große Beunruhigung in den Betrieben und zahlreiche Streiks verursacht, obwohl ein großer Seil der Hnternehmer auf die Ausnutzung dieses Rechts von vornherein verzichtet habe. In der Praxis habe sich dieser Seil der Verordnung als undurchführbar erwiesen.
2. Die Verkürzung der Arbeitswoche auf 4 0 Stunden muh unverzüglich als gesetzliche Maßnahme durchgeführt teerten. Das hierfür angeführte Zahlenmaterial beweist nach Ansicht des ADGB., daß trotz des Qrn» reizes, den die Verordnung vom 5. September für die Verkürzung der Arbeitswoche a. f 40 S unden gegeben habe, in sehr vielen Betrieben hiervon nicht Gebrauch gemacht worden sei.
3. Das Sy st em der Steuergutscheine ist dahin umzugestalten, daß entsprechende Steuerscheine als Grundlage für die Finanzierung öffentlicher Arbeiten verwendet werden können. Der größte Teil der jetzigen Steuerscheine verwandele sich weder in Kapital
fung von Gold zurück, den fämttiche Wirtschaftler in England auf das erbittertste bekämpfen, da sie ja mit Recht predigen, daß wirksame Zahlungen nur in Waren erfolgen können, und daß man die Amerikaner zwingen muß, Waren entgegenzunehmen. Durch eine Goidzahlung gefährdet man also das Pfund unb gibt seine b efte Waffe aus der Hand. Zahlt man aber in Devi - s e n oder in Papierpfund, so legt man einen Haufen Geld nach Amerika, der den Pfundkurs erneut auf das schwerste drückt und den Ausgleich der Zahlungsbilanz gefährdet, von dem die Aufrechterhaltung des Pfundkurfes abhängt. Die Leute, die für die Zahlung in Pfunden eintreten, fürchten allerdings diese Folge fast garnicht, im Gegenteil, sie meinen, wenn bas Pfund erneut fiele, «der Schaden für die Amerikaner so groß wäre, daß sie schließlich einsehen müßten, daß man die Kriegsschulden streichen müsse, wenn die Weltwirtschaft nicht zum Teufel gehen soll. Das heißt also, daß man hier eine Politik vorschlägt, die bewußt zu neuen wirtschaftlichen Schwierigkeiten führt, die also nichts anderes ist, als eine Kampfpolitik. Die, nebenbei gesagt, auch noch die unangenehme Wirkung hat, daß sie E n g l a n b von Frankreich trennt unb Gegensätze zwischen den beiden Staaten aufrcißt, die auch die Weltwirtschaftskonferenz als aussichtslos erscheinen lassen.
Die englische Politik befindet sich also in einer Sa ckgaIse, wie sie schlimmer kaum gedacht werden kann, und die obendrein noch den Nachteil hat, daß sie der englischen Neigung zu Kompromissen so ganz widersteht. Denn es muß eine klare Lösung so oder fo gefunden werden, weil es sich um einen ganz klaren Komplex handelt: Zahlen oder Nichtzahlen. Mit leisem Schmunzeln muß man dabei
feststellen, wie sehr die öffentliche englische Meinung dabei sich bereits ber Propagandamethoben bedient, mit denen Deutschland seinerzeit seinen Reparationskampf führte. Die Sinnlosigkeit der Kriegsschuldenzahlungen ist so zum Axiom geworden, baß niemand mehr darüber lächelt, wenn auch die w Idesten deutsch-feindlichen Zeitungen in England jetzt entdecken, daß diese Zahlungen die Weit ruinieren. Eine Angelegenheit, über bie man lächeln könnte, wenn sie nicht auch für Deutschland so ernst wäre.'
Oer Mandschureikonfl.ki im Genfer Instanzenweg.
China d üngt erfolglos auf eine Cnt chcidung.
Genf, 1. Dez. (WTB.) Der Reunzeh- nerausfchuh der außerordentlichen Dölker- bundsversammlung ist heute vormittag unter dem Vorsitz des belgischen Außenministers Hymans zusammengetreten. Der Ausschuß billigte die vom Vorsitzenden bereits veranlaßte Einberufung deraußerordentlichenVersamm lang auf den 6. Dezenrber. Der Vorsitzende verlas sodann ein Schreiben des chinesischen Delegierten Dr. Ben, worin dieser gegen eine weitere Verzögerung des Verfahrens Bedenken ausspricht und mitteilt, daß gegenwärtig in der Mandschurei wiederum schwere Kämpfe zwischen japanischen Truppen und patriotischen Chinesen, die sich gegen die militärische Fremdherrschaft auflehnien, im Gange seien. Es wurde beschlossen, dem chinesischen
Delegierten mitzuteilen, daß di^. Frage der Verlängerung der Frist für den Abschluß des Verfahrens erst entschieden werden könne, wenn sich die Absichten der Versammlung überblicken ließen. Zunächst soll die am 6. Dezember beginnende Vollversammlung zu dem Lytton-Bericht Stellung nehmen. Der 19er Ausschuß soll nach Abschluß der Aussprache einen Cntschlle- hungsentwurs über die Stellung der Völkerbundsverhandlungen ausarbeiten, der dann in der außerordentlichen Vollversammlung weiter behandelt werden soll. Durch dieses außerordentlich verwickelte und umständliche Verfahren wird ;r- densalls bis Weihnachten keine Entscheidung getroffen werden.
Oie japanische Offensive in der Mandschurei.
Schanghai, l.Dez. (Reuter.) Nach schnellem Vormarsch längs ber Ostchinesischen Bahn haben die Japaner die Stabt Tschalantun eingenommen. Man glaubt, baß bie Offensive, an ber rund 20 000 Japaner teilgenommen haben sollen, weniger den Zweck hat, bie starken Gebirgsstellungen ber Chinesen bei Cingan zu nehmen, als vielmehr den chinesischen Befehlshaber in ber Mandschurei, General Supingwen, zu Verhandlungen zu zwingen. Supingwen hält 2 50 japanische Zivilpersonen ajs Gei sein gefangen unb verweigert ihre Freilassung. Supingwens Hauptquartier metbet, daß sechs japanische Flugzeuge den Westbahnhof von Tschcllan- tun mit Bo mb en belegt unb den Bahnhof und einige Kasernen zerstört hätten. Zwölf Zivilisten sollen bei dem Luftangriff ums Leben gekommen fein.


