Plante Polen einen Handstreich ans Danzig?
Sensationelle Nachrichten englischer Blätter sprechen von einem Lleberfall der polnischen Flotte auf Danzig, der {yr Sonntag beabsichtigt gewesen sei.
London, 2. Mai. (IBIB. Funkspruch.) Daily Expreß veröffentlicht in sensationeller Aufmachung einen Bericht seines Sonderkorrespondenten in Danzig, indem es u. a. heißt, Polen habe seine Pläne für die v e s ihergreisung des Freistaates Danzig fcrtiggestellt. Nur ein in letzter Stunde erfolgter Schritt Frankreichs habe verhindert, daß die polnische Flagge gestern abend über Danzig mehle.
Der Korrespondent sagt: Die maßgebendste Persönlichkeit an Ort und Stelle — kein Pole oder Danziger — habe ihm erklärt: „die Polen haben den Kopf verlöre n". Die Behörden hätten befürchtet, daß die polnische Flotte in den Danziger Hasen einfahren und wie im Falle der Wegnahme von Wilna sie selbst vor eine vollendete Tatsache stellen würde. Der Oberkommissar
Gras Grawina habe sich dringend mit dem Generalsekretär des Völkerbundes in Verbindung gesetzt und habe ihm warnend von dieser Gefährdung des europäischen Friedens Mitteilung gemacht.
Der Danziger Korrespondent des Arbciterblattes „Daily Hera ld" sagt in einer nicht ganz so sensationell gehaltenen Meldung, die radikalen Elemente in Deutschland und Polen warteten nur dar- raf, daß die andere Seite die Feindseligkeiten eröffne. Eine Katastrophe sei gestern vermieden worden. Aber die Lage bleibe ernst und bedürfe einer sorgfältigen Behandlung. Der Sonderkorre- fpondent der „Daily Mail" berichtet ebenfalls, daß eine neue internationale Verwicklung mit knapper R o t vermieden worden fei.
Die Völkerbundsversammlung schließt ihre China-Aktion ab.
Genf, 30. April. (WTB.) Die außerordentliche Völkerbundsversammlung für die Erledigung des chinesisch-japanischen Konflikts trat heute vormittag unter dem Vorsitz des belgischen Außenministers Hymans zusammen. Der Präsident erläuterte den Bericht über den Verlauf der Verhandlungen in Schanghai und Genf, wobei er seiner Genugtuung darüber Ausdruck gab, daß die ^Unterzeichnung des Wafsenstillstandsablommens zu einem sehr baldigen Zeitpunkt in Aussicht stehe. Gleichzeitig legte der Präsident eine Entschließung vor, die die Einsetzung einer gemischten Kommission in Schanghai vorsieht, die aus den Vertretern der in Schanghai besonders interessierten Mächte sowie Chinas und Japans besteht und gegebenenfalls mit Stimmenmehrheit über die Durchführung der von beiden Teilen übernommenen Verpflichtungen entscheiden soll. Die Völkerversammlung hat unter Stimmenthaltung Japans einstimmig die Entschließung über die Schanghaier Wasfenstillstands- verhandlungen angenommen und sich sodann bis zu einer neuen Einberufung vertagt.
Nie Entschließung.
Die Entschließung regelt auf Grund der Schanghaier Waffenstillstandsverhandlungen die Zurückziehung der japanischen Truppen innerhalb kürze st er Frist und die Vollmachten des gemischten Ausschusses der vier Mächte in Schanghai. Die Entschließung setzt jedoch keinen festen Termin für die Zurückziehung der japanischen Truppen fest und läßt somit diese für China entscheidende Frage offen. Der Vertreter Chinas nahm die Entschließung im Rainen seiner Regierung an, forderte jedoch die vollständige Zurückziehung der japanischen Truppen in die internationale Z o n e.. in allerkürzester Frist. Der japanische Vertreter Ragaoka erklärte, die japanische Regierung könne die Entschließung nicht annehmen, da sie an ihrer grundsätzlich ablehnenden Haltung gegenüber der Anwen
dung des Artikels 15 des Völkerbundspaktcs in dem Streit festhalte. Der japanische Botschafter betonte, er müsse sich daher der Stimme bei der Abstimmung enthalten. Inwieweit der heute angenommenen Entschließung praktische Bedeutung beizumcsscn ist, muß- vorläufig abgewartet werden, da der endgültige Abschluß der Wafsenstillstandsvcrhandlungen noch nicht ein- getreten ist und erst die vollständige Zurückziehung der japanischen Truppen als eine Beilegung des Streitfalles angesehen werden kann.
Keine politischen Folgen des Attentats von Schanghai.
Tokio, 30. April. (WTB.) Eine Ministerkonferenz, an der der Minister des Auswärtigen, der Kriegs- und der Marineminister teilnahmen, beschloß, die Fragen des chinesischjapanischen Waffenstillstandes und des Anschlages im Honkew-Park vollkommen voneinander zu trennen. Es wurde ferner beschlossen, bei der bisherigen Haltung in der Frage des Waffenstillstandes zu bleiben und sogar den Abschluß der Verhandlungen zu beschleunigen. Amtliche Kreise erklären, daß das Bombenattentat von Schanghai als gewöhnliches Verbrechen behandelt werden wird. Da es von einem japanischen Staatsbürger aus einem von der japanischen Armee besetzten Gebiet begangen worden sei, würden internationale Fragen dadurch nicht aufgerollt. Man rechnet mit weiteren Verhaftungen, da eine Anzahl belastender Schriftstücke beschlagnahmt wurde. Fünf der bei dem Attentat Verletzten befinden sich auf dem Wege der Besserung. Generalkonsul M u r a i veröffentlichte von seinem Krankenlager aus einen Brief an die Bevölkerung der japanischen Konzession. Er gibt darin der Hoffnung Ausdruck, daß sich alle in Schanghai ansässigen Japaner zu irgendwelchen unüberlegten Handlungen nicht hin- reihen lassen werden.
Die Einsichtnahme in den Religionsunterricht in Preußen. Protest des Evangelischen Kirchensenais gegen die Verschleppungspolitik
MinisterGrimmes.
Berlin, 30. April. (CNB.) Der in Berlin versammelte Kirchensenat der evangel'ischen Kirche der 2Ntpreußischen Union befaßte s'ch mit dem Stand der Verhandlungen mit dem Unterrichtsminister über eine Neuregelung d e r Einsichtnahme in den evangelischen Re l i g i o n s u n t e r r i ch t. Er nahm davon Kenntnis, daß dem evangelischen Oberkirchenrat ein im Ministerium ausgearbciteter Entwurf für einen M i n i st e r i a l e r l a ß zugesandt worden i|i, der den evangelischen Kirchen die von ihnen seit Jahren erstrebte Möglichkeit schafft, anstelle der Geistlichen staatliche Schulaufsichtsbeamte mit der Einsichtnahme zu betrauen, und dem die evangelischen Kirchen auf Ersuchen des Ministers zu gestimmt haben. Zugleich nahm der Kirchenjenat davon Kenntnis, daß der Minister trotz wiederholter dringender Vorstellungen seine endgültige Entschließung in einer Weise hinaus- zogert, die für die Kirche nicht mehr trag- b.0 r ist. Da hiernach die evangelische Kirche vorläufig nicht in der Lage ist, die von ihr erstrebte Betrauung von staatlichen Schulaufsichtsbeamten mit der Einsichtnahme durchzuführen, sah sich der Kirchensenat nunmehr gezwungen, die Regelung dieser Angelegenheit auf dem Boden des geltenden Rechtes in die Hand zu nehmen und hat den evangelischen Oberkirchenrat beauftragt, die erforderlichen Maßnahmen vorzubereiten.
Hierzu wird aus evangelischen Kreisen mitgeteilt: Der aussehenerregende Beschluß der obersten Kirchenleitung hat eine lange und unerfreu - l'che Vorgeschichte. Lor 1% Jahren nahm bie evangelische Kirche zum ersten Male mit Kultusminister Grimme wegen der dringenden Neuregelung der Einsichtnahme Fühlung. Durch ein Schreiben, das der evangelische oberste Kirchenrat Ende Februar d. I. an den Minister richtete, wurde bekannt, welch ungewöhnlich verletzende Behandlung die größte deutsche Kirche und ihre oberste Behörde seitdem erfahren hat, b i s z u r plötzlichen Absage einer, nach immer neuen Berzögerungen endlich von dem Minister angeräumten Verhandlung, zwei Tage vor dem festgesetzten Termin. Dank der energischen Geltendmachung des Rechtes der Kirche, die in der öffentlichen Meinung nachhaltig Unterstützung fand, kam die Verhandlung doch zustande. Aber schon bald machten sich neue Verschleppungstendenzen sichtbar, die anscheinend mit den herannahenden Wahlen zusammenhingen. Die kirchlichen Instanzen zeigten ein Höchstmaß von Früch»»^>er»Ujchast, indem sie
u. a. auch auf Wunsch des Ministers auf eine nochmalige Anhörung der Lehrerverbände eingingen, obwohl die Vertreter der Religionslehrerschaft an der Lösung der Aufgabe von Anfang an verantwortlich mitgewirkt hatten. Die von der Kirche geforderte endgültige Entscheidung wurde immer wieder h i n a u s g e s ch o b e n' und es trat deutlich zutage, daß anscheinend aus politischen Gründen, der Wille, diese Entscheidung herbeizu- führen, nicht bestand. Dieses ganze Verfahren ist um so unbegreiflicher, als sichtliche Meinungsverschiedenheiten in der Frage der Einsichtnahme zwischen Staat und Kirche überhaupt nicht mehr vorhanden sind, wie am besten die Tatsache zeigt, daß aus den kirchlichen Vorschlägen ein staatlicher Entwurf für eine ministerielle Verfügung hervorgegangen ist, der die vom Minister erbetene Zustimmung aller preußischen Landeskirchen gefunden hat. Die Kirche zieht nunmehr aus der völlig unhaltbar gewordenen Lage die einzig möglichen Folgerungen,
Das ländliche Siedlungswerk
Was bis zum Jahre 1931 geleistet worden ist.
Berlin. 30. April. (WTB.) Die ländliche Siedlung hat nach der Veröffentlichung des Statistischen Reichsamts in .Wirtschaft und Statistik' in den Jahren 1929 bis 1931 di eSiedlungs- ergebnisse der früheren Jahre bei weitem übertroffen. Die Zahl der im Deutschen Reich errichteten Reusiedler st eilen betrug 1929 insgesamt 5545. Sie stieg 1930 auf 8008 und 1931 auf rund 9000 Stellen an. Im Vergleich zu den Jahren 1919 bis 1928, in denen durchschnittlich 2600 Stellen errichtet wurden, ist die jährliche Zahl der Reusiedelungen somit a u f mehr als das Dreifache angewachsen. Mehr als die Hälfte der in den letzten Jahren errichteten Reusiedelungen waren größere Bauernwirtschaften mit 10 und mehr Hektar Fläche, etwa ein Drittel waren kleinere bäuerliche Stellen von 2 bis 10 Hektar und ein Fünftel der Stellen war kleiner als 2 Hektar. 3m ganzen sind seit 1919 im Deutschen Reich 490 0 0 Reusiedler st ellen mit einer Gesamtfläche von 500 000 Hektar errichtet worden. Das seit Bestehen des Reichssiedlungsgesetzes geleistete ländliche Siedlungswerk hat einen Umfang, der nach Zahl und Flache der neuerrichteten Betriebe annähernd der gesamten Landwirtschaft
des Landteils Oldenburg entspricht oder nach der Fläche der Reusiedlungen annähernd so groß ist wie diebayerischeRheinpfalz. Außerdem haben seit 1919 rund 85 000 landwirtschaftliche Betriebe, die eine Erweiterung ihrer Betriebsfläche benötigten, im Wege derAn l i e g erst edlung insgesamt 121 000 Hektar als Landzulagen zu Eigentum erhalten. Das zur Besiedlung erworbene und bereitgestellte Land hatte bis Ende 1930 eine Gesamtfläche von rund 750 000 Hektar, wovon 635 000 Hektar oder 85 v. H. aus großen Gütern mit 100 und mehr Hektar landwirtschaftlich benutzter Fläche stammen. Damit war bis Ende 1930 das im Reichssiedlungsgesetz bestimmte Landlieferungssoll, d. i. die von großen Gütern zu Siedlungszwecken überhaupt bereitzustellende Bodenfläche im Gesamtgebiet des Deutschen Reiches zu mehr als einem Drittel (36,3 v. H.) erfüllt.
Reichsvertretertagung des Nationalverbandes Deutscher Offiziere.
Berlin, 2. Mai. (211.) Anläßlich der Eröffnung des Reichsvertretertages des R. D. O. fand im Landwehr-Offizierskasino ein Begrüßungsabend statt, zu dem Vertreter des Verbandes aus dem" ganzen Reich und Abgesandte der befreundeten Organisationen erschienen waren. Der 1. Vorsitzende des Verbandes, Generalleutnant W a e ch t e r, begrüßte die Erschienenen, unter denen man Prinz Ettel-Friedrich von Preußen, den Ehrenvorsitzenden des Verbandes, Admiral v. Schröder, und den Vorsitzenden der Vereinigten Vaterländischen Verbände, Generalmajor Graf v. d. Golz, bemerkte. Von der Versammlung wurde einstimmig folgende Entschließung angenommen: „In politisch hochbedeutsamer Zeit tritt der Rationalverband Deutscher Offiziere in diesem Jahr zur Reichsvertretertagung zusammen und erklärt in voller Einmütigkeit mit den zur Begrüßung erschienenen Gesinnungsgenossen, daß nach dem Erfolg des 2 4. April der nationale Kampf unentwegt weitergehen wird, bis das Hochziel des R. D. O. und vieler getreuer Deutscher, die Wiederherstellung der monarchischen Staatsform unter Füh- rung der angestammten Fürstenhäu- s e r, die allein die politische Freiheit von Volk und Reich verbürgt, errungen sein wird." — An den Kaiser und die ehemaligen Bundesfürsten wurden Huldigungstelegramme gesandt. Begrüßungstelegramme waren u. a. eingegangen vom Kaiser, vom deutschen und vom bayerischen Kronprinzen, sowie von Herzog Albrecht von Württemberg.
Kleine politische Nachrichten.
Reichspräsident von Hindenburg empfing Samstag den Reichskanzler Dr. Brüning zum Bericht über die Genfer Besprechungen. Ferner empfing der Reichspräsident den Reichs- finanzminister Dietrich zum Vortrag.
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Bad Reichenhall hatte den Reichspräsidenten eingeladen, seinen diesjährigen Sommerurlaub auf dem Besitztum des Landrats v. Martins bei Bad Reichenhall zu verbringen. Runmehr ist vom Reichspräsidenten ein außerordentlich herzlich gehaltenes Dankschreiben eingelaufen. Es heißt darin, daß der Reichspräsident in diesem Sommer zunächst einige Wochen auf seinem Stammgut Reudeck in Ostpreußen zu verleben gedenkt und daß es sehr zweifelhaft sei, ob er in diesem Jahre überhaupt nach Süddeutschland bzw. Bayern komme.
Zum Semesterbeginn fand in der Berliner Dreifaltigkeitskirche ein Gottesdienst der Studentenschaft statt, an dem auch Reichspräsident von Hindenburg teilnaym. Zu dem Gottesdienst waren die Rektoren der Berliner Hochschulen und die Chargierten der Korporationen mit ihren Fahnen erschienen. Dor dem Gotteshaus hatte sich ein großes Publikum angesammelt, das den Reichspräsidenten ehrfurchtsvoll begrüßte.
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Der bereits vor einigen Tagen angekündigte Rücktritt des Staatssekretärs im Reichsfinanzministeriums D r. Schäf - f e r wird mit Beginn des neuen Monats Tatsache werden. Staatssekretär Schäffer hat sich bereits von seinen Beamten verabschiedet.
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In den Verhandlungen zwischen der Reichsbahn und den Gewerkschaften ist eine Einigung über die Frage der Feierschichten erzielt worden. Um umfangreiche Entlassungen zu vermeiden, ist man übereingekommen, in Ausbesserungswerken bis zu 13 Feierschichten im Vierteljahr durchzuführen, in den Werk- slättenteilen der Bahnbetriebswerke und Bahnbetriebswagenwerke können bis zu drei Feierschichten im Monat eingelegt werden. Ebenso bis zu drei Feierschichten im Monat können für die Arbeiter auf den Güterböden in den Ilmlagehallen und Werfthallen eingelegt werden.
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Der Zechenverband hat die L o h n o r d n u n g für denRuhrbergbauzum31. Mai gekündigt. Als Ziel dieser Kündigung betrachtet der Zechenverband nicht die tarifliche Festlegung einer generellen Lohnherabsehung, sondern eine ■ Auflockerung desbestehcndenLohn- systems, die den Schachtanlagen in gewissen Grenzen die Anpassung ihrer Lohnhöhe an ihren besonderen Verhältnissen ermöglichen soll.
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Der Arbeitgeber-Verband für die „Nordwe st"- Gruppe derEisen- u n d S t a h l j n d u st r i e hat von der Möglichkeit einer Kündigung des Lohn- tarifes zum 31. Mai keinen Gebrauch gemacht. Das gellende Lohnabkommen bleibt also weiter bis zum 30. Juni 1932 in Kraft und kann erstmalig zu diesem Zeitpunkt am 31. Mai gekün- digt werden. Auch bas Gehaltsabkommen jur die Angestellten in der Gruppe Nordwest wird unverändert verlängert.
In Freiburg ist eine am Freitag in der Kaiserstratze eröffnete Ehape - Filiale aus Grund der Rotverordnung des Herrn Reichspräsidenten vorn 9. März 1932 betreffend Sicherung der Wirtschaft durch die Polizeidirektion geschlossen worden. Die Ehape-Gesellschaft hat gegen diese Schließung Protest eingelegt
Aus aller Welt.
Iahrestagung des Deutschen Auslandinftituls.
Unter dem Vorsitz von Botschafter a. D. Dr. S o l f fand im Haus des Deutschtums in Stuttgart ein# gemeinsame Sitzung des Ausschusses und des Verwaltungsrats des Deutschen Auslandinstituts statt. Gesandtschaftsrat Dr. R ö d i g e r (Berlin) überbrachte die Grüße der Reichsregierung und des Auswärtigen Amts. Kapitän z. S. Böhm (Berlin) sprach dem Deutschen Auslandinstitut den Dank des Chefs der Marineleitung für die 'Mitwirkung bei der Vorbereitung der Auslandfahrten der deutschen Kriegsschiffe aus. Der Vorsitzende, Generalkonsul Dr. Wanne r, konnte fest- ftellen, daß das Institut in der Krise seine Arbeiten erfolgreich habe weiterführen können. Auf das freudigste begrüße das Institut die Absicht der Reichsregierung, die Siedlung im deutschen Osten ingang zu bringen. Die höchste Auszeichnung, der Deutsche Ring, wurde in diesem Jahre nicht verliehen; dagegen erhielten Ehrenurkunden der Dichter Hans Grimm, Titularerzbischof Keßler (Rußland), Pater Stanislaus Schälte (Brasilien), Pastor Frank (Australien), der Arzt Dr. Meyerhof (Kairo)," Friedrich Samson- Himmelstjerna (Baltikum), Konsul Dr. Ahrens (St. Louis) und S t a a t s r a t Dr. B l o ck (D a r rn- stad t). Die Festansprache hielt Dr. Eckener (Friedrichhafen) über „Das Luftschiff' als-Pionier"<
Goethe-Feier in der Pariser Universität.
Die Pariser Universität hat im Großen Amphitheater der Sorbonne eine offizielle Goethe-Gedenkfeier veranstaltet. Der Feier wohnten der Prä« sident der Republik, Doumer, der deut-« sche Botschafter v. H o e s ch, fast sämtliche Professoren der Universität und eine große Anzahl von Mitgliedern der Akademie und des Instituts de France bei. Die erste Rede hielt der Rektor der Pariser Universität, Professor Cha riet y, der die Macht des Genies Goethe analysierte und auf die literarischen Rückwirkungen seiner Werke einging. Das Mitglied der Akademie Paul Valery würdigte den weltumfassenden Geist Goethes. Im Rahmen der Feier spielte das Pariser Symphonieorchester die Egmont-Ouvertüre. Es wurden von Franz Schubert vertonte Goethe-Gedichte und Passagen aus Schumanns Oratorijchem Werk, Hauptszenen aus Goethes Faust gefangen. Zum Vortrag gelangte weiter eine Hymne an Goethe, gedichtet, von der Comtesse de Noailles.
Normales Gehirn des Massenmörders kürten.
Die Deutsche Forschungsan st alt für Psychiatrie bei dem Kaiser-Wilhelm-Jnstitut in München, der das Gehirn des am 2. Juli 1931 in Köln Hingerichteten Düsseldorfer Massenmörders Peter Kürten zur wissenschaftlichen Verwertung überwiesen worden war, hat nach dem Abschluß der Untersuchung mitgeteilt, die Untersuchung habe in allen Teilen des Gehirns normale Verhältnisse ergeben. Es fehlten jegliche Anhaltspunkte für das Bestehen irgendeines Krankheitsprozesses. Ebenso finde sich nicht der gering st e Verdacht für irgendeine anatomische Störung, die etwa auf eine angeborene ober erworbene Geisteskrankheit hindeuten könnte. Das Anatomisch-Biologische Institut der Universität Berlin hat hierzu mitgeteilt, daß das Ergebnis der von ihm vorgenommenen Untersuchung mit diesem Befund überein st imme.
Eine rabiate Amerikanerin.
Das Geräusch einer Rasenmähmaschine, die die Bewohnerin eines Landhauses in Los Angeles, Mrs. Pohl, in ihrem Garten zur Anwendung brachte, erwies sich als zuviel für die Rerven ihrer R a ch b a r i n Mrs. Alger, die auf die friedlich in ihrem Garten arbeitende Frau Pohl aus einem Armeerevolver das Feuer eröffnete. Auf telephonischen Hilferuf erschien die nächste Polizeistreife; ein Polizeibeamter zog die Klingel bei Mrs. Alger, worauf diese den P o l i z i st e n durch einen Schuh durch das obere Glasfenster der Tür auf der Stelle tötete. Ein darauf herbeigerufenes Heberfall- kommando muhte vor den Schüssen der wütenden Frau Deckung nehmen und war schließlich gezwungen, Tränengasbomben in das Haus zu werfen. Die Frau flüchtete und brach schließlich unter dem auf sie gerichteten Geschotzhagel der Polizei tot zusammen.
Riesiger Waldbrand in der Mark.
In einem Privatwald am Schwielowsee (westlich von Potsdam) brach Feuer aus, das sich außerordentlich schnell ausbreitete. Bei dem Feuer, das wahrscheinlich von Ausflüglern verursacht worden war, handelte es sich um Boden- und Wipfelfeuer, das besonders schwer zu bekämpfen ist. Etwa 30 Feuerwehren der Umgebung und zahlreiche Ausflügler beteiligten sich an der Bekämpfung des Brandes, doch konnte nicht verhindert werden, dah etwa 100 Hektar des Waldgeländes, das zu den reizvollsten Ausflugsgebieten in der Rähe Berlins gehört, vernichtet wurden.
Lin Erdrutsch begräbt einen Bauernhof.
Ein folgenschwerer Erdrutsch ereignete sich in Südfrankreich. Etwa 300 Kubikmeter Erde rutschten plötzlich ab und begruben einen Bauernhof mit feinem lebenden und toten Inventar unter sich. Die Hofbesitzern, ihr sechsjähriger Sohn und eine auf Besuch befindliche 16jährige Nichte wurden lebendig begraben und konnten nur noch als Leichen geborgen werden.
Wettervoraussage.
Die Störung westlich von England und Irland ist sehr rasch nach der Nordsee gezogen und hat dabei mit großer Schnelligkeit Einfluß auf unsere Wetterlage gewonnen. Vorerst wird sich der Druckfall noch auswirken, und zwar erfolgt durch seine Rückseite Abkühlung mit mehr schauerartigen Niederschlägen. Gleichzeitig wird die Wolkendecke durch- biochen und Aufheiterung tritt ein. Die folgende Besserung dürfte aber nur für kurze Zeit in Erscheinung treten, denn über dem Atlantik bewegt sich bereits eine Störung in Richtung auf die Britischen Inseln vor.
Aussichten für Dienstag: Kühleres, wechselnd wolkiges Wetter, auch aufheiternd, zeitweise noch Niederschlag.
Aussichten für Mittwoch: Nach anfänglich teils wolkigem, teils aufheiterndem Wetter wie- der wärmer mit Anzeichen abermaliger Wetterverschlechterung.
Lufttemperaturen. Am l.Mai: mittags 22,6 Grad, abends 22,20 Grad; am 2. Mai: morgens 11,7 Grad Celsius. Maximum 22,8 Grad, Minimum 11,5 Grad. Niederschläge 2,0 mm. Sonnenscheindauer 41/: Stunden. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe. Am 1. Mai: abends 16,2 Grad; am 2. Mai: morgens 12,8 Grad Celsius.


