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Br. 102 Erster Statt
182. Jahrgang
Montag, 2. Mai 1952
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter ßeimat im Bild • DieScholle
Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.S5 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Vberheffen
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Dr. Frtedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Dolitik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton vr.H.Ttmriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen.
Oie Kammerwahlen in Frankreich.
Eine klare Entscheidung erst im zweiten Wahlgang. — Bisher ein Ruck nach links spürbar. Das bisherige Ergebnis.
Paris, 2. Mai. (IDIB. Junffprud).) Um 6 Uhr lag das Ergebnis aus 607 wahlbezir - k e n vor. vier wahlresultatc stehen noch aus. Die im ersten wahlgang endgültig gewählten Abgeord- nclen verteilen sich nach der ftavas-Slalistik wie folgt: Rechtsstehende 3 Mandate, Gewinn 0, Verlust 1: Marin-Maginot parteien 72 Mandate, Gewinn 6, Verlust 8;
Linksrepublikaner 33 Mandate, Gewinn 2, vertust 10;
Rechtsstehende Radikale 23 Mandate, Gewinn 4, Verlust 1;
Radikale 60 Mandate, Gewinn 4, Verlust 0;
Sozialrepublikaner 17 Mandate, Gewinn 2, Verlust 1;
Sozialisten 40 Mandate, Gewinn 3, Verlust 2; • Kommunisten 2 Mandate, Gewinn 1, Verlust 1.
Zum Verständnis der Statistik seien folgende Parteibenennungen von rechts nach links angegeben, soweit möglich sind auch die Zahl der Mandate ausgeführt, die die im übrigen sehr losen Gruppen in der letzten Kammer inne* hatten:
1. Unter der Bezeichnung Rechtsstehende sind zu verstehen: die Reaktionären, Royalisten und Bonapartisten.
2. Alsdann folgt zusammengenommen die Partei Marin und die Partei Magi- not, zu welcher Gruppe auch die Katholischen Demokraten hinzugezählt werden (85).
3. Unter der Vezeichnung Linksrepublikaner ist die Fraktion Tardieu zu verstehen (63).
4. Unter der Vezeichnung rechtsstehende Radikale sind vereinigt: die Radikale Linke (ehemalige Fraktion Loucheur), die Gruppe der Unabhängigen Linken und Gruppe Franklin-Vouillon (93).
5. Die Radikalen (Herriof) (109).
6. Sozialrepublikaner, zu denen auch die rechtsstehenden Sozialisten (Chabrun) gerechnet werden (13).
7. Die Sozialisten (13).
8. Die Kommunisten (11).
Oer erste Eindruck.
Mistcrfolg der Frnltion Tarbicu.
pari», 2. Mai. (ERB. Funkspruch. Eigene mdbang.) Die französischen Kammerwahlen haben eine außerordentliche Anzahl von Entscheidungen i m zweiten Wahlgang notwendig gemacht. Der zweite Wahlgang spielt sich nicht zwischen zwei Spihenkandidaten ab. sondern wird ein neuer Kampf, bei dem sogar neue Kandidaten austrelen können. Ls werden also die Kombinationen entscheidend sein, die getroffen werden. Rach dem bisherigen Ergebnis läßt sich folgendes fcftstcllen: Die Lxtremen Links und Rechts scheinen starke vertu st e erlitten zu haben, besonders die Rechtsstehenden. Außerdem hat im ersten Wahlgang die Fraktion Tardieu den stärksten Mißerfolg erlitten. Sic bucht bereits einen Verlust von nicht weniger als 8 Mandaten. Auffallend ist, daß die Radikalen bis fehl nur G e - winne und keine Verluste zu verzeichnen Haden, während bei den Sozialisten sich das Absonderliche zeigt, daß im ersten Wahlgang 40 ihrer Kandidaten durchgekommen sind, während sie 1928 im ersten Wahlgang nur 15 Mandate an sich brachten. 3m ganzen genommen, läßt sich, soweit der erste Wahlgang einen Ucberblitf gestaltet, anscheinend ein Ruck nach Links feststellen. Ob dieser Linksruck im zweiten Wahlgang noch so stark ausgeweitet werden kann, daß er eine Konstellation der Linksparteien ober eine Konzentration mit ben Radikalen, unter Aus- schtuh der Marin-Gruppe, ermöglicht, stehl dahin.
Erste preffestimmen.
Widersprechende Meinungen.
Paris. 2. Mai. (MTV. Funstpruch.» ..Ma- tin“ glaubt nach dem allgemeinen Eindruck der bisher bekannt gewordenen Wahlergebnisse c i n ziemlich ausgesprochenes Abgleiten nach links feststellen zu können. Die Stichwahlen dürsten für die Linksparteien noch viele Gewinne bringen. — „Q uot.id i e n" (radikal) ist davon überzeugt, daß der zweite Wahlgang einen vollen Sieg der Linksparteien bringen werde. — ..O euere" (radikal) will zwei Tatsachen feststellen, k den beträchtlichen Stimmenverlust. den die Rechte erlitten habe, und 2. die starke Anzahl von Wahlbezirken, in denen ein zwei- ter Wahlgang erforderlich sein wird. Das Vlatt meint, daß die Radikalen, wenn He Disziplin zu wahren wissen, am kommenden Sonntag einen eklatanten Erfolg würden feiern können.
Der sozialistische „Populaire" stellt fest, daß die Sozialisten bereits im ersten Wahlgang eine viel größere Anzahl von Kandidaten durchgebracht haben, als ün Jahre 1928. Man könne schon jetzt
behaupten, daß die sozial! st ische Fraktion in der neuen Kammer stärker vertreten sein werde, als in der alten. — „F i g a r o" dagegen will den Eindruck gewonnen haben, daß die S o - zialisten und die Kommunisten stark verloren hätten, halt es aber für notwendig, daß d i e Rechtsparteien sich gewaltig zusammennehmen, wenn sie wollen, daß die nationale Einigung am kommenden Sonntag nicht in Gefahr gerate. — ,,'Bictoire" meint feststellen zu können, daß imElfaßdie Regionalisten einen eklatanten Erfolg davongetragen hätten. — Hingegen glaubt ,,O u e v r e" einen Rückgang der autonom! st ischen Stimmen finden zu können.
Wiedergewähtt wurden:
Don früheren Abgeordneten sind u. a. wieder- gewählt worden Francois P i e t r i, der Minister für nationale Verteidigung, der Sozialist A u r i o l. Der bekannte Deutschenseind Francois- Do u i l l o n muß dagegen sein Mandat i m zweiten Wahlgang verteidigen. 3n Telfort ist Ministerpräsident Tardieu mit 12178 Stimmen wiedergewähtt worden; fein ernstester Gegenkandidat, ein Radikaler, erhielt 2852 Stimmen. Bemerkenswert ist von den bisher vorliegenden Ergebnissen die Riederlage des Generalsekretärs der Sozialistischen Porter. Paul Faure, in Creusot. In Rantes und Bordeaux haben die Sozialisten zwei Linksrepublikanern 'Fraktion Tardieu) Eitze abgenommen. In Lyon sind außer Herriot noch zwei Radi-
Straßburg, 2. Mai. (TU.) Funkspruch. Die Wahlen zur französischen Kammer haben erst in fünf von 16 elsäfsischen Krei - s e n eine Entscheidung gebracht. Unter den Gewählten befinden sich vier bisherige Abgeordnete der zur sogenannten Volksfront zählenden Elsässischen Volkspartei (Zentrum), während die Gegner dos Autono rnismus zunächst nur in dem teilweise französisch-sprachigen Kreis Sch leit st ad t das Mandat des früheren Unterstaotsfekretärs Dr. Oberkirch retten konnten. Der hier in letzter Stunde ausgestellte Autonomist Hauh. der b.sher Abgeordneter von Colmar war, hat ihn jedoch stark bedrängen können. Auch in den Kreisen, in denen es zu einem zweiten Wahlgang kommt, ist ein Rückgang der Heimatbewegung nicht eingetreten. Vemerkenswert ist. dah jetzt auch im Wahlkreis Straßburg I trotz der großen Zahl eingewanderter Franzosen die Wiederwahl eines Sozialisten von der Wahlhilse der bürgerlichen Rationalisten abhängig geworden ist. 2n Straßburg II ist dagegen die Wiederwahl des Heimattreuen Kommunisten Maurer kaum gefährdet. In Straßburg- Land stehen den 8000 Stimmen des bisherigen demokratischen Abgeordneten, des früheren Unter- staats'ekrelärs Frey, jetzt 5400 Stimmen des Autonomistenführers Dr. Roos gegenüber. Im Ober - Elsaß ist der zahlenmäßige Erfolg des im Autonomistenprozeß von 1928 verurteilten Heimatrechtlers Rosse beachtenswert. Er steht mit rund 8900 Stimmen weit über drei autono-
Oie Dorsiandssitzung der Ienlrumspariei.
Tic letzten Entscheidungen bleiben der Rcichspartcileitung Vorbehalten.
V e r l i n . 30. April. (CRV. Eigene Meldung., Ueber die heutige Sitzung des geschäftsführenden Vorstands der Zentrumspartei, über die bereits kurz berichtet wurde, wird parteioffiziös folgendes mitgctcilt:
..Der gcschäftsführende Vorstand der Deutschen Zentrumspartci hat am Samstag unter dem Vorsitz des Prälaten Kaas im Reichstag eine mehrstündige Sitzung abgehalten, die vollzählig besucht war. Zur Erörterung standen die sachlichen Fragen, die die deutsche Politik in der nächsten Zeit zu bewältigen hat vor allem die außenpolitischen Ziele. Stärkung der Vinnenwirtfchaft. die Frage der Arbeitsbeschaffung. der Siedlung und des freiwilligen Arbeitsdienstes. In der Lötung dieser sachlichen Aufgaben lieht die Zentrumspartei allein die Gewähr für eine Ueberwindung der wirtschaftlichen Krise und für einen außenpo li tischen Erfolg, der die Freiheit und volle Gleichberechtigung des deutschen Volkes in sich schließen muß.
Dem Reichskanzler, der für kurze Zeit der Sitzung beiwohnte, wurde der Dank für feine tatkräftige Vertretung des deutschen Rechtsstand- punftes in Genf zum Ausdruck gebracht.
In einer Rachvrüfung derErgebnilse der Länderwahlen wurde mrt großer Ge-
fale und ein Sozialist gewählt In Provins ist der radikale Abgeordnete Auge wiedergewählt worden.
Der bisherige Abgeordnete Lorin (Fraktion Maginot) ist heute abend, während er in seinem Wahlbureau auf die Verkündung der Wahlergebnisse wartete, plötzlich gestorben.
3n Paris wurde ferner der ehemalige Finanzminister Lasterey als Mitglied der Gruppe Marin, sowie der ehemalige Luftfahrtminister D u m e s n i l und der blinde Abgeordnete S c a» pini gewählt (Gruppe Tardieu». Der Ersatzkandidat für den aus der Kammer ausgeschie- denen französischen Dotschafter in Berlin, Francois Poncet, der Chefredakteur des ..Echo de Paris", Henry de Kerrelis, ein schlimmer Dcutschenfresser, kommt in die Stichwahl. Wieder- gewäylt wurden u. a. Finanzminister Flandin, der sozialistische Abzeo.dnete Renaudel, ferner der radikale Abgeordnete C h a u t e m p s, der fozialistische Abgeordnete Leo Blum in Rar- bonnc. (Dlum 6226 Stimmen, der nächstfolgende Kandidat, ein Radikaler, erhielt 2926 Stimmen, der darauf folgende Kandidat der Marin-Gruppe 1344 Stimmen.) Der Bürgermeister von Roubaix, L e b a s (Sozialist) und der Bürgermeister von Lille. S a I c n g r o (Sozialist), der ehemalige Ministerpräfident Painleve. der Abgeordnete Louis Marin, der Kammerpräasident und sozia- listifche Abgeordnete Fernand D o u i f f o n, der Abgeordnete Tai11inger in Paris, der Abgeordnete General de Saint-Iust (Fraktion Marin).
mistenfeindlichen Gegenkandidaten, die mit 2500 bis 3600 Stimmen hinter ihm zurückstehen. Besonders bemerkenswert ist. daß der bisherige Abgeordnete von Mülhausen, der Sozialist Grumbach. in gefährliche Rachwahl gegen einen Demokraten und einen katholischen Heimatrechtler geraten ist. In 3 a b c r n ist der Autonomist Dahlet seinem national-französischen Gegenkandidaten um 600 Stimmen überlegen. Eine Gefährdung seines Mandates bedeuten hier 1000 Stimmen eines nicht zur Volksfront zählenden Kommunisten.
Wiedergewählt wurde der regionalistische Abgeordnete Sturmci, und zwar in Altkirch, ferner der reaionaliftifdje Abgeordnete Heck in Holsheim. In Thann wurde ebenfalls der regionalistifche Kandidat Brom gewählt. In Stichwahl stehen in Erstein der Regionalist Seltz, in Hagenau der Regionalist Michel Walter. Ferner stehen zur Stichwahl in Straßburg der sozialistische Abgeordnete Georges Weill (ehemaliger Reichstagsabgeordneter), in Mühlhausen der regionalistifche Abgeordnete Progly, in (9 e b ro c i • I e r der regionalistische Kandidat Bilger. In günstiger Position für die Stichwahl befinden sich der schon erwähnte regionale Kandidat Rosss in Colmar mit 8894 Stimmen, während der ihm am nächsten stehende .Kandidat 3630 Stimmen erreicht hat. In aussichtsreicher Stichwahl steht in Weißen- bürg der regionalistische Kandidat Elsässer gegen den ehemaligen Abgeordneten Weydmann von der Fraktion Marin, einen der Führer der antiregio- nalistifchen Bewegung.
nugtuung scstgestellt. daß die Anhänger der Zen- trumspartci in vorbildlicher Treue die fachlichen Ziele der Partei erkannt und gewürdigt haben. Dafür der gesamten Wählerschaft zu bauten, betrachte der Vorstand als (eine besondere Pflicht. Das Zentrum ging aus den Wahlen verstärkt hervor und wird damit auch fernerhin die Fortführungeiner aufbauenben nationalen Realpolitik gewährleisten.
Die im Einverständnis mit dem Re ich spart ei- sichrer verösfentlichte Erklärung der preußischen Zentrumspartei am Wahltag fand die einstimmige Billigung des Vorstandes, und die in ihr niedergelegten Richtgedanken sind auch von den Vertretern der übrigen Landesverbände der Zentrumsvartei als maßgebend anerkannt worden Auf Grund dieser einmütigen Auffassung wurde festgestellt. daß die letzte Entscheidung über alle notwendigen Entschließungen der Reichsparteileitung Vorbehalten bleibt.
Der Vorsitzende konnte am Schluffe der^ Verhandlungen m;t Stolz hcrvorheben. daß Führer und Wählerschaft, in einheitlichem geschloffenen Willen verbunden, die großen vaterländischen Aufgaben in dem Glauben an Deutschlands Kraft erfüllen werden."
Zu der parteiamtlichen Mitteilung verlautet von unterrichteter Seite ergänzend, daß Reichskanzler Drüning in einer fast einstündigen Rede di« zur Zett brennenden außenpolitischen Fragen behandelt hat. Man geht daher nicht febl in der Annahme, dah bei der Entscheidung deS Zentrums über die Folge
rungen. die aus dem Ergebnis der Länderwahlen zu ziehen sind, auch diese außenpolitischen Fragen eine nicht unerhebliche Rolle spielen werden, wobei sich das Zentrum nach wie vor bereiterklärt, im Sinne deS bekannten Aufrufs des Vorsitzenden der Preußischen Zentrumspartei mit allen den Gruppen jufammenjuarbeiten, die sich auf den Boden der Verfassung zur Mitarbeit bereitfinden. Der Ton der amtlichen Verlautbarung liegt auf dem Schlußsatz, wonach die letzte Entscheidung der Reichsparteileitung Vorbehalten bleibt, weil die Verhältnisse in Preußen nicht ohne Rückwirkung aus die Reichspolitik bleiben würden und im übrigen die Dinge in anderen Ländern ganz ähnlich liegen, wie in Preußen.
Or. Goebbels über Genf.
Nationalsozialismus und Außenpolitik.
V e r l i n, 30. April. (XU.) In einem Artikel mit der Ueberschrift ..Genfer Abgesang" stellt der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Dr. Goebbels fest, daß die Genfer Abrüstungskonferenz aus ihrem toten Punkt äuge langt fei. Er schreibt dann u a. folgendes' Auch Herr Dr. Brüning wird mit uns der Meinung fein, daß mit den Organisationen des Pazifismus. die in Deutschland das große Wort reden, auf dem Kampsseld internationaler Entscheidungen nicht viel Staat gemacht werben kann. Dr. Brüning konnte in Gent mit Recht darauf verweisen, daß Deutschland nicht nur toaffen- mäßig. sondern auch seelisch und moralisch abgerüstet habe. Er hatte soeben die SA. und die SS. verboten. Damit war einer der wenigen Faktoren des deutschen Widerstandes zerschlagen. Soweit der deutsche Widerstand in Menschen und Organisationen in die Waagschale der Entscheidungen hineingelegt werden konnte, hatte Brüning selbst ihn durch Machtspruch des 8 48 lahmgelegt Das war sein verhängnisvoll st er Fehler. Auch wenn er den Rationalsozialismus innenpolitisch nicht gebrauchen tonnte, auch wenn bet ihm seine parlamentarischen Positionen zerschlug — er hätte sich niemals dazu herbeilalsen dürfen, ihn außenpolitisch als letzte Rückendeckung aufzugeben .. Ts wird erzählt, daß der Herr Reichskanzler sich nicht mehr des uneingeschränkten Vertrauens des Herrn Reichspräsidenten erfreue Brüning hat sich nicht nur feine Parlamentsmajorität, sondern auch den Herrn Reichspräsidenten selbst immer wieder gefügig gemacht durch den Hinweis auf die schwebenden großen außenpolitischen Probleme. Run stehen wir trotz aller Opfer auch außenpolitisch wieder vor verschlossenen Toren Wäre es nicht angebracht, daß der Herr Reichspräsident es nun einmal ausurn- gekehrtem Wege versuchte, daß er Herrn Dr. Brüning fein Vertrauen entzöge, den Reichstag auflöste, bas Parlament in ilcbcrcinftiinmung mit dem Dolkswillen brachte und von dieser Position aus mit neuen Männern und neuen Ideen das deutsche Schicksal in Angriff nehmen ließe?
Ein Arbeiisbeschaffungs» Programm des Reiches.
Kinauzierung durch Prämicuanlcihc.
D e r l i n. 30. April. (TU.) Rach der Rückkehr des Reichskanzlers werden Anfang nächster Woche die durch die Genfer Reise Brünings unterbrochenen Beratungen des Reichskabinetts über eine Reihe wichtiger finanz- und wirtlchastspolitischer Fragen fortgesetzt. Die ersten drei Tage der Woche werden Haushaltsfragen gewidmet sein. Im Mittelpunkt der Kabinettsberatungen wird ein umfangreiches Arbeitsbeschaffungs- Programm stehen, das von den zuständigen Ressorts in der Zwischenzeit kabinettsreif /gemacht worden ist. Um die für die Durchführung der Pläne erforderlichen Mittel herbeizuschaffen, ist die Auflegung einer großen Prämienanleihe geplant, die ähnlich wie die seinerzeitige Reichsbahnanleihe mit besonderen Vorzügen ausgestattet werden soll. Der Vorzug soll nach den bisherigen Absichten im wesentlichen in einer möglichst weitgehenden Steuerbefreiung liegen. Einzelheiten über den Gewinnplan liegen noch nicht fest, doch soll mit derRückzahlung bereits nach verhältnismäßig kurzer Zeit begonnen werden.
Unter Hinweis auf den Erfolg der seinerzeitigen Reichsbahnanleihe ist man in amtlichen Kreisen auch hinsichtlich des Ergebnisses dieser Anleihe guter Hoffnung. Im Zusammenhang mit dieser Frage wird (ich das Reichslabinelt dann weiter mit dem Problem der Arbeitsdienst pflicht oder, wie man an unterrichteter Stelle sich auszudrücken vorrieht, des Freiwilligen Arbeitsdienstes beschäftigen. Inwieweit eine Ausdehnung des freiwilligen Arbeitsdienstes an- gestrebt werden kann, ist naturgemäß in der Hauptsache einefinanzielle Frage Wenn den Schulentlassenen die Möglichkeit gegeben werden soll, sich im Rahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes zu betätigen, so wird die Regierung nicht umhin können, ihnen vielleicht über die für die Arbeitslofenauszahlungen festgesetzte Frist hinaus ein Existenzminimum zu gewährleisten.
Das Wahlergebnis im Elsaß.
(SünNiger Stand der Heimatbewegung.
Wie wird die Eniwillwng in Preußen gehen?


