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llr. 52 Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch. 2. März syZ2

Aus dem Reiche der Frau.

Oer Frühling naht mit Hüten

Eine kletnc Modcvorfchau

ES ist ein eigene- Modegefetz, daß sich die ersten Frühjahrshüte in einzelnen Eremplarcn bereits im Januar zeigen und gleichsam die Stimmung vorfühlen, die für die neu beabsich­tigten Formen mastgebend werden wird. Dast die Frauen gewillt find oder eS sein müssen den Zcitverhällnissen, auSgedrückt durch den Geld­beutel des Gatten oder daS eigene Arbeitsein­kommen, Rechnung zu tragen, deutet der sehr praktisch gewählte Allerweltshut an, den die groben Modehäuser bereithalten: das schräg ge- oaute Barett aus dicken, glänzenden Dorten des Cellophanstrohs, für die ticbergangshute ver­bunden mit gleichfarbigem Filz. Dieses Barett in seinen vielen Abwandlungsmöglichkeiten ist eigent­lich für alle Zwecke zu gebrauchen: für den Dor­mittag wie für den Dachmittag, für das Trotteur- wie für das Nachmittagskleid. Flott gearbeitet, steht es jungen Gesichtern ausgezeichnet, etwas gemästigter kleidet es auch die Frau mittleren Alters. Man sieht diese Hüte sehr viel in Schwarz, daneben auch in Dunkelgrün und in Braun. Ge­wöhnlich werden der stark nach rechts herab­gezogene Barettzipfel und die ganze schräge Kapp« aus Stroh gearbeitet, während die dem Hute den guten Sitz verleibende Passe au8 Filz ist. Gin anderes Modell zeigt nur die obere Platte aus glänzendem Stroh, alle- übrige aus Filz und als Garnitur zwei winzige abstehende Stroh- slügelchen. Oder: zwei horizontal gelegte seitliche flache Filzmaschen bilden die Garnitur einer ganz auS Cellophan gearbeiteten Kappe. Die steil auf- ragenden Federposen, die man an Winterhütchen ähnlicher Form oft sehen konnte, geben sich an den neuen Hüten etwas bescheidener: man steckt sie flacher und seillicher an als bisher.

Neben den Baretts sieht man dem Stil der Kleidermode angevastt, die ja auch gern in Groß- mutters Zeiten flüchtet Formen, die vorn glockenartig niedergebogen, hinten dagegen hoch aufgestellt sind also eine Art Schute. Der rück­wärts steil aufgeklavvte Nand der Krempe wird durch bochgehende Schleifengrudpen bis über den Hutkopf hinausgeführt. Auch in diesen Formen verbindet man gern Stroh, Filz und Seidenband zur Einheit.

Im Material. daS zur Herstellung der Früh­jahrshüte gebraucht wird, zeigt sich viel Phan­tasie. Da gibt e-s eine neue Art ä jour gearbei­teter Nipsbandbörtchen. die gekniffen und plis­siert den Kopfteil mancher Hüte bilden, während die Krempe aus Ccllovban ist. Eine besondere Neuerung ist lackierter Filz, der das matte Aus­sehen nubierten Metalls zeigt. Da man für diese- Material nicht die Kapve. sondern Glockenformen bevorzugt, wirken solche Hüte ein wenig wie Helme.

3m allgemeinen werden die kommenden Hüte reicher garniert sein als die bisherigen. Bänder alter und neuer Art. opalisierend, aus Satin- silz, Metal'bänder. Leinen mit gezacktem Nand. «^rgandibänder werden viel zu leben sein. Ebenso Blumen, Federphantasien. Knoten und genähte Figuren aus dem D'roh des Hutes. Auch Ga­lalith- und Metalllchmuck wird reichlich ver­wendet.

Rohkost im Mar?.

Empfl hlenswcrle Reichte.

Für den Nohkost-Tisch sind nicht nur die all­seits bekannten Salate, wie Kops-, Feld-, En» divien-Salat, Kresse usw. zu verwenden, der Roh- kost-Tisch nimmt auch einen Teil der Blatt-, Wurzel- und Blütengemüse für sich in Anspruch. Ebenso die jungen Hülsenfrüchte, Erbsen und Bohnen. tinb diese Fülle, diese Abwechllung der täglichen Ernährung macht die Rohkost wert­voll und verhütet den ticbcrbruft und den Ab­scheu, den man bei einem langweiligen, sich fast gleichbleibenden, Küchenzettel empfindet.

Die gärtnerische Kultur ist auf einer solchen Höhe, dast sie unS in jedem Monat mit frischen Salaten und Gemüsen aufwartet. Was bringt unS der März? Spinat, Tlohrrübcn, Chicor^, Blumenkohl, Fenchel, Feldsalat, Weih-, Rot- und Wirsingkohl, Äreffc, Kopssalat, Tomaten, Sel­lerie, Löwenzahn, Rettiche, Radieschen, Schnitt­lauch. tinb die Zubereitung: Dor allem, ein sorgfältiges Derlesen und Reinigen aller Salate und Gemüsearten, nicht- tinsrisc^S, Verdorbenes darf Derwendung finben. Die Gemüse müssen in reichlichem Wasser sehr aufmerksam gewaschen werden und später in einem Salatschwenker auS- aeschwungen werden. Kohlarten werden ebenso behandelt. Zur Rohkost verwende man aber nur die zarten Teile. Mohrrüben, Sellerie, Radies­chen, Rettiche wasche man vor dem Schälen unter fliehendem Wasscr, und lege den Sellerie, wenn man ihn zerschnitten hat. in mit Zitronen­saft angesäuertes Wasser, damit er nicht schwarz wird. Blumenkohl, Mohrrüben, Kovfsa at. Ret- tich, Radieschen sollen für die Rohkost sehr fein geschnitten, am besten geraffelt werden. Das Zerkleinern nur durch Kauen ist zu mühsam und dehnt in unserer schnellebigen Zell die Mahlzeit zu lange auS. Sine schlecht gekaute Rohkost bläht und macht allerlei Beschwerden.

Run kann man die Rohkostfalate und Gemüse auf die verschiedenste Art, je nach Geschmack, zubereiten. Entweder man macht eine einfache Salatsohe von etwa 3 Löffeln Olivenöl, l1/« Löffeln Zitron nsast, wenig Salz, gehackter Zwie­bel oder Schnittlauch und gewiegter Petersilie.

Oder eine schmackhaftere von etwa 3 Löffeln Olivenöl, 2 Löffeln Zitronensaft, etwas Salz. 2 Löffeln Rahm, gehackier Zwiebel und der Jahreszeit entsprechender Gewürzkräuter, wie Schnittlauch, Petersilie, Estragon, Kerbel. Dann gibt es noch eine Mayonnaise, zu der man pro Person ein Eigelb rechnet, das man in einer runden Schüssel, unter langsamen Hinzugeben von Olivenöl, mit einet groben Silbergabel gut rührt. In die sämige, dickliche Masse mischt man etwa- fein geraffelte Zwiebel, fein gewiegte Petersilie, 2 Teelöffel Zitronensaft und ein wenig Salz.

Salz ist bei diesen Sohen nicht unbedingt nötig, beim durch den Zitronensaft, durch die Zwiebeln und durch die seingcwiegten Kräuter und nicht zuletzt durch das Gemüse, das in die Sohen hin­einkommt. erhält das Ganze einen hohen Wohl­geschmack, und ist ohne Salz nicht farblos und lasch. Mohrrüben, auch mit geraffeltem Rettich vermischt, ebenso die Kohlsalate. Kohlrabi und Blumenkohl finb für die Zubereitung mit Mayon- naisensohe sehr geeignet. Während man die Roh­kost erst vor dem Gebrauch fertigstellen soll, empfiehlt es sich, den Kohlsalat schon ein bis zwei Stunden vor der Mahlzeit zuzubereiten.

DaS Garnieren einer Rohkostplatte wird jeder Hausfrau überlassen. Tomatenscheiben mit Mayonnaisen tupfen, ein gelblich-grüner Kohl­salatsleck, ein Derglein loser, grüner Kresse, ein Beet hellroten Mvhrrübensa lates, ein paar saftig grüne Spinatblätter ... Die Hausfrau sei er­finderisch!

Das Mittagessen des Kindes.

Was der Arzt dazu zu sagen hat.

Don Stadtmedizinalrat Or. K. Marloth.

Diese Ausführungen sind dem im Verlag von B. (9. Teubner in Leipzig und Berlin erschienenen BucheWie erhalte ich mein Kind gesund?" (kart. 2 Mark) entnommen, das unter dem Leitwort des Frohsinns den Eltern eine Reihe praktischer Handhaben zur Kräftigung des Körpers, der Seele und der Nerven des Kindes gibt.

Das Mittagesien soll zwar im allgemeinen die Hauptmahlzeit sein, doch läßt sich nicht jede Men- schentonstitution, besonders in der Kindheit, dazu zwingen. Man wird aber natürlich bei den Kindern die Versuche nicht unterlassen, sie langsam an die Hauptkosl am Tage zu gewöhnen. Blutarme und nervöse Kinder, deren Frühstücksmahlzeiten oft ge­nug recht unregelmäßig verlausen, die häufig ihr Butterbrot in der letzten Pause oder auf dem Heim- roege verzehren, wird man am besten kurz vor der Tischzeit erst eine Viertelstunde hinlegen. Durch die Körper- und Nervenentspannung werden oft Span­nungen und Adwehrmomente gegen das befoh­lene Mittagessen beseitigt, wodurch die- lüft des Kindes gesteigert werden kann. So aus- geruht werden sich unsere Kinder genau wie wir Erwachsenen froher an den Tisch setzen. Diesen Frohmut brauchen wir unbedingt, damit uns das Essen schmeckt und bekommt. In jede Familie ge­hört ein Hauch von Lebenslust, in der wir uns trotz der Alltagssorgen üben müssen. Gerade als Aus­gleich für die nervös machende Hast und Unruhe, besonders der Großstadt, bedürfen wir in unser aller Interesse gerade für die Hauptmahlzeit einer gewissen behaglichen heiteren Ruhe. Lehre dein Kind nicht nur froh, sondern auch bewußt essen!

Wie weitgehend eine Förderung des Appetites durch seelische Beeinflussung schon bei den Klein­

man diese Maßnahme grausam, jetzt heißt sie: be­raubter Anreiz zur Förderung der Speichel- und Magendrüsen. Noch bekannter ist die Erscheinung, daß beim Anblick z. B. einer sauren Gurke ober eines anderen leckeren Lieblingsgerichts, das man vor sich liegen hat oder an das man nur denkt, die Speicheldrüsen fließen, schon ehe man davon gekostet hat.Es läuft einem das Wasser im Munde zusammen.- Hieraus ist ersichtlich, wie Vorgeschmack und Freude die Eßlust und Drüsentätigkeit erhöhen, anderseits Aufregung und Aerger den Appetit und die Bekömmlichkeit der Mahlzeiten herabsetzen.

Auch der Widerspruchsgeist mancher Kin­der spielt bei ihrer Appetitlosigkeit oft eine gewisse Rolle, zumal wenn sie die Autorität und den Zwang der Eltern beim Aufessen einer Mahl­zeit zu stark empfinden. Hier lassen sich diese ver­meidbaren Hemmungen oft dadurch beseitigen, daß die Mutter, wie das meist geschieht, nicht mehr den Teller ihres Kindes in bester Absicht vollegt, son­dern daß man das Kind selbst sich nehmen läßt, soviel es will. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß Kinder durch diese Mitheranziehung zur Selb­ständigkeit besser essen lernten. Sie nahmen sich dann wenig, langten aber ein zweites Mal zu. Es gibt Kinder, deren Eßlust durch den Anblick großer Portionen stark vermindert wird.

Auch wird man, soweit als möglich, vermeiden, unmittelbar vor Tisch einHühnchen" mit seinem Kindezu rupfen", zumal wenn das Kind ein schlechter Esser ist. Kurz, man kann durch eine Reihe von kleinen psychologischen Momenten den Appetit des Kindes erhöhen. Wer unter Mitwirkung seiner Augen seine Bissen in den Mund schiebt und sich jedesmal auf den Geschmackoorfreut", der wird durch erhöhte Empfindung der Geschmackspapillen auf der Zunge belohnt. Das ist:bewußt" und mit Freude eßen, d. h. eine Mahlzeit wirklichge­nießen". Unter diesem Gesichtspunkt darf man auch nicht zugeben, daß die Kinder mit dem Buche in der Hand elfen.

kmdern möglich ist, geht aus der Erfahrung her- vor, daß der Säugling, dem man die gefüllte Milch- flasche einige Sekunden vor die Augen hält, ehe er zu trinken bekommt, besser und mit mehr Behagen trinkt, weil auch das Auge von dem bevorstehenden Genuß Kenntnis genommen hat. Früher nannte

Durch das freubebeldnte und bewußte Kauen wird man ganz zwanglos wie selbstverständlich zu

einem langsamen Durchkauen und Durchspeicheln gezwungen, cm Vorgang, auf den bekanntlich schon vor Jahrzehnten der Deutsch-Amerikaner Flei­scher besonderen Wert legte. Wer klug ist, macht rechtzeitig feine Kinder daraus aufmerksam. Ein Heiner Wettkampf unter den Kindern bei Geburts tagsfeiern und dergleichen, wobei derjenige Sieger ist, der ein Stückchen belegtes Butterbrot am läng­sten faut, gibt den Anlaß, das gute Sauen zu lernen und mehr zu pflegen.

Oie praktische Hausfrau.

Reinigung von Goldrahmen. Don Flicgenfchmutz verdorbene Gvldrahm.n rc.bc man mit weichem Brot ab. Sind die Flecken schon älter, so werden sie vorher mit einer durchgeschnittenen Zwiebel eingerieben und später mit einem angc- scuchteten Schwamm nachgewischt.

Aufbewahrung von Honig. Niemals dars Honig in Metallge'äs'en aufbewahrt werden. Müssen solche vorübergehend zum Versand benutzt werden, ist der Honig so bald wie möglich um- zugießen, da der Honig in zinn- und eisenhaltigen Vesthirren einen harzigen Geschmack annimmt.

Kartosf «Hochwasser al« Wasch­wasser. Dunkle Herren ocken, B.usen oder Kin- deranzüge werden in diesem Was:er ausgezeichnet gereinigt, wenn man es einige Tage sammelt, dann auf fünf Liter einen Teelöffel voll Salmiakgeist beifügt und in nur lauem Wasser die Sachen mehr darin durchschwenkt als reibt. In Harem Wasser mit gleichem Salmiakgeistzusatz gespült, drücke man die Socken nur auS, während man die Kleidungs­stücke ohne Wringen austropfen läßt.

Handpflege und Hausarbeit.

Eine ganze Anzahl Hausfrauen schämt sich der verarbeiteten oder von der Arbeit geröteten Hände. Das ist natürlich falsch. Sie hat durch­aus keine tirsach«. sie in Gesellschaft unter den Tisch zu stecken und etwa nur wenig zu elfen, damit sie schnell fertig ist, um niemandem Zeit zu geben, auf ihre vom Werktag gezeichneten Hände zu sehen. Jede Hausfrau hat aber ein Anrecht auf schöne und gepflegte Hände, und fie kann fie sich ohne große Müh« oder teure Mittel leicht schassen. .

Das Wichtigste ist der Schutz der Hände wäh­rend der Arbeit. Wer zum Abwaschen des Ge­schirrs zum Beispiel ätzende Mittel, wie Soda, verwendet, sollte Gummihandschuhe überziehen, sog. WirtschaftShandschuh«. Für die Teller ver­wendet man Tellerwasch- oder Porzellanbürsten, für Topfe Drahtbürsten. Beim Kartoffelschälen be­hilft man sich mit einem Schälmesser, einer Schäl­maschine, die sich besonders im ländlichen Haus­halt empfiehlt, und reibt die Hände öfter nach getaner Arbeit mit einer Z'tronenschale oder etwa« Zitronensaft ein. Dadurch wird die Haut der Hände weich und sie färben sich nicht so leicht rot, schwarz oder blau, tim den Ausguß nicht immer putzen zu müssen, kauft man ein Ausguß- Sieb, daß die hineingefallenen Rückstände sam­melt. Am Griff nimmt man eS heraus und Icrrt es über dem Müllkasten, ohne die Hände zu be­schmutzen.

Schon hart gewordene Hände reibt man abends mit Vaseline, Glyzerin oder Hautcreme ein, zieht ein Paar weite Handschuhe darüber und geht da­mit zu Bett. Morgens wäscht man die Hände in lauwarmem Wasser, reibt mit Gau de Cologne nach und mit Hautcreme ein. Besonders beim Gin­machen empfiehlt es sich, ein Paar alte Hand­schuhe überzuziehen oder wenigstens Fingerlinge aufzusetzen. Dasselbe gilt auch für die Zubereitung von Gemüse und Zwiebeln, welche letztere tage­lang einen häßlichen Geruch hinterlassen. Mit einiger Sorgfalt, etwas gutem Willen und Acht­samkeit kann sich di« arbeitsamste Hausfrau trotz schmutzigster Hausarbeit schone Hände erhalten: es kommt nur auf systematisch« und richtige Pflege an. H. O. F.

Oie Gesundheit der Hausfrau.

2on Or. meb Kurt Karlsson

Jeder Beruf hat feine besonderen Gefahren. Ein befonberer Zweig der Heilwifsenfchaft, die Ge­werbehygiene, befaßt sich mit ihnen und den Be- russkranlheiten. Nur um einen Beruf ist es in dieser Hinsicht schlecht bestellt, und das ist ge­rade der Berus, dessen Angehörigenkreis sicher- lich den größten Umfang hat. Ein Berus, dessen korrekte Ausübung vollsgcsundheitlich und volks­wirtschaftlich von allergrößter Bedeutung ist: der Berus der Hausfrau!

Bei der Dielseitigkeit der Arbeit, die mit einem Haushalt verbunden ist, gibt es für die Hausfrauen verschiedene Gefahrenquellen: nicht die unwichtigste ist der Mangel an Zeit. Das gilt namentlich für die Frauen, die noch außer dem Hause beruflich tätig find und daneben die Wirtschaft uerfargen müffen. Eile und Hast setzen die Aufmerksamkeit herab, man kommt viel eher in die Lage, sich zu schneiden, wenn die Arbeit drängt und man fürchtet, nicht fertig zu werden, tind schon sitzt das Messer im Finger.

Was macht man da? Dor allen Dingen unter­läßt man das, was die meisten tun, nämlich die Munde auszuwaschen. Ruhig etwas bluten lassen, das Blut schwemmt Infektionskeime mei­stens hinaus, tind dann ein sauberer Verband daraus, nicht mit Watte, nicht mit einem Taschen­tuch, sondern mit Verbandmull. Aber wenn die­ser Verbandmull offen und verstaubt zwei Jahre im Schrank gelegen hat, dann nimmt man doch lieber einen sauberen Leinenlappen, ticber das ganze Leukoplast, aber am Finger nicht etwa ringförmig eng angezogen, das kann unange­nehme Schwellungen geben, sondern spiralig an­gelegt. Solch glatte Schnittwunden heilen meist in kurzer Zeit, und wenn's auch etwas weh tut, sind diese Wunden doch ungefährlicher, als die kleinen, seinen, oft unsichtbaren Ritz- und Stich- verlehungen.

Erst merkt man überhaupt nicht, daß irgend­wo die Haut durchtrennt ist, aber die Infektions­keime, die Eitererreger, haben es gemerkt, haben die Lücke gefunden und bringen ein. Plötzlich

merkt die Patientin, daß ihr Finger dick wird, die Haut sich rötet, und spürt ein schmerzhaftes Klopfen an der betreffenden Stelle. Vielfach kann sie sich s nicht erklären, die winzige Verletzung ist ihr gar nicht zum Bewußtsein gekommen, aber jetzt hat fie ihr Panaritium, ihren Finger- tourm, weg. Man hat diese Verletzung und ihre Folgen direkt als .Dienstmädchenkrankheit" be­zeichnet, eben weil sie typisch ist für Frauen, die im Haushalt hantieren. Zum Schmerz, zur Rö­tung und Schwellung kommt die tinfähigkeit, den Finger zu bewegen. Die Schwellung wandert immer weiter körperwärts und in teerigen Tagen kann die ganze Hand in den Entzündungsprozeh eindezogen werden. Die Stränge der Muskeln und Sehnen geben den Leitweg für das Aus- wärtsschreiten der Entzündung an, und wir haben jetzt eine Zellgewebsentzündung roc uns. Damit ist nicht zu spaßen. Aus einer Zellge­websentzündung kann leicht eine allgemeine Blut­vergiftung entstehen. Es hat keinen Zweck, in solchem Fall, wenn eine Entzündung zutage tritt, und sei sie auch nur eng lokalisiert, tagelang auf eigene Faust herumzukurieren, man soll vielmehr ungesäumt den Arzt aufsuchen: im An­fang läßt sich mit sachverständiger Hilfe noch viel in Ordnung bringen. Die Scheu vor dem Messer ist in unserer Zeit der hochentwickelten örtlichen und allgemeinen DetäubungsmetHoden wirklich nicht mehr am Platze. Länger als eine Nacht mit dem Panaritium zuzuwarten, ist zu wider­raten. Will man am Abend den Arzt nicht mehr herausklingeln, so macht man erst einmal zwei bis drei Stunden heiße Seifenbäder der Hand und des tinterarms, legt dann um die entzün­dete Stell« einen mit Alkohol getränkten Watte­verb and, der mit durchlöchertem, undurchlässigen Stofs bedeckt ist, und lagert und hängt über Nacht den erkrankten Arm hoch. Am nächsten Mor­gen merkt man dann schon selbst, ob die Ent­zündung erledigt ist oder ob man den Arzt auf- suchen muß. Ist die Entzündung nicht fort, dann muß man sofort zum Arzt gehen.

Entzündungen der Sehnenscheiden können übri­gens auch ohne äußere Verletzung zustande kom­men. Bestimmte tieberanftrengungenfüh­ren zu dieser Erkrankung, namentlich wenn man bie betreffende Arbeit nicht getoo^n* war und

wenn sie schwer war und lange dauerte. Holz­hacken und Auswringen der Wäsche z. D. kann zu solch einer Erkrankung führen, die wegen des typischen Geräusches an der bewegten Sehne als .knirschend« Sehnenscheidenentzündung" bezeichnet wird.

Bei Sehnenscheidenentzündung geht man sofort zum Arzt. Sofortige richtige Hilfe gestaltet die Sache harmlos. Nur wenn man unnütze Zeit ver­streichen läßt, kann man unter timständen sein blaues Wunder erleben und eine Pyämie, eine allgemeine Eitervergiftung, davontragen. Kommt es erst zu Schüttelfrost und Fieber, gelegentlich zu Durchfällen, bann ist das Malheur passiert. Die Fülle der Möglichkeiten, daß im weiteren Verlaus zahlreiche innere Organe erkranken, auf die die Insektionskeime ausgesät werden, sollte jeden davon abhalten, seine eigene Kunst an dem Unfall zu probieren. Die rechtzeitige ärztliche Hilfe bei Sehnenscheidenentzündungen ist in der Regel ebenso einfach wie schmerzlos.

Wenn unverhofft Besuch kommt...

... mutz die Hausfrau sich zu helfen wissen.

Don Oildegard G. Fritsch.

tieberraschungen gibt es immer im Leben. Die Kunst, ihnen zu begegnen, auf sie gewis ermaßen gefaßt zu sein, bedeutet, fie überwinden zu können. Viele unserer lieben Bekannten machen sich oft­mals einen .Spaß", überraschend zu Besuch zu kommen. Nichts ist häßlicher als das. Aber trotz­dem: Die recht« Hausfrau ist eben auf solch« tieberraschung immer gefaßt und weih das Ge­heimnis des Tischleindeckdich!

Leider ist die Speisekammer im Stadthaushalt oft eine Nebensache. Wan kauft nur das ein, was für den nächsten oder übernächsten Tag benötigt wird; und sehr oft kommt es vor, daß am Morgen kein Brot im Hause ist und die verdienenden Fa­milienmitglieder ohne Frühstück an ihre Arbeit gehen müssen, da es die Zeit kaum erlaubt, daß noch Eßware eingeholl wird. Es gibt heute sehr viele Möglichkeiten, solchen tieberraschungen ent­gegenzutreten. Nichts aber ist unwürdiger und ge­schmackloser, als wenn die Hausfrau beim Ein­treffen unerwarteter Gäste ein verstörtes Gesicht

macht, anstatt die unverhofft Eintreffenden genau so zu begrüßen wie vorher Angemeldete!

Es ist, wie gesagt, ein Leichtes, Dorlehrungen zu treffen, um immer mit einem Mahl aufwarten zu können, tinverderbliche Gerichte und Konserven können immer vorrätig gehalten teerten. Aus dem Land« ist es allerdings einfacher: Man schlachtet selbst, hat Wurst- und Fleischvorräte genügend, bäckt vielleicht auch noch das Brot selbst und hat an jedem Sonntag fast einen Blechkuchen: Milch, Eier, Butter und Kartoffeln find ebenfalls immer da! Wie hilft sich aber nun die Hausfrau in der Stadt?

Suppenwürfel sind lange haltbar und liefern recht schmackhafte und variable Suppen. DaS Fleischgericht läßt sich gleichfalls schnell Herstellen. Man lauft Büchsenfleisch, Gemüse oder gleich ein Gericht, wie Hammelfleisch mit weißen Bohnen, Gulasch, Erbsen und Sauerkohl mit Eisbein, Nie­ren, Spinat, Schnittbohnen, Leipziger Allerlei und ähnliches, so daß ein kleiner Dorrat, ohne Gefahr zu laufen, daß er nach kurzer Zeit verdirbt, immer gehalten werden kann.

Schließlich läßt sich auch mit wenigen Mitteln für den Nachtisch Sorge tragen! Kompotte aller Art gibt es in Büchsen. Ferner kann man Pud­dingpulver und sonstige Speisen in Packungen lange aufbewahren und Fruchtsaft zur Hand haben. Schwieriger ist es schon, für das Abend­essen zu sorgen. Doch auch hier hilft es oft, wenn man ein Augenmerk auf konservierte Gerichte lenkt: Lachs in Büchsen. Oelsardinen. Hummer, Krabben, Rollmöpse, Düchsenschinlen, Büchsen- wurft, ferner Dauerwurst waren, Pumpernickel als Brot- und Brötchenersatz, Knäckebrot, Zwieback, Gänseschmalz oder Schweinefett.

So ist es leicht möglich, immer etwas vorrätig zn haben und auf unverhoffte Besuche eingerichtet zu sein. Es läßt sich alles ermöglichen! Außerdem, kann die so versehene Hausfrau von Zeit zu Zeit selbst von den Vorräten dieser Art verbrauchen und wieder für frischen Ersah sorgen.

Auf alle Fälle ist es gut, wenn die Hausfrau vorsorgt und auch ihrem Manne gegenüber all oute Hausfrau dasteht, auf die er sich vorkommen* oenfalls verlassen kann, tirniotig, daß sir ihm ihr Geheimnis verrät die Wirkung durch die T a t tft immer am überzeuge ödsten.