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1.12.1932 Frühausgabe
 
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Oer russisch-französische Pakt.

Scharfe Kritik der französischen Hechten.

Paris, 30. Nov. (TU.) Nach der nunmehr er­folgten Veröffentlichung des Wortlauts erfährt der französifch-ruisjrfche Vertrag von der Rechten eine neue scharfe Kritik. Pertinax nennt imE cho de Paris" den Wortlaut nöch ungünstiger als den vor einigen Tagen bekanntgewordenen Auszug. Die beiden Ziele, -die bei den Verhandlungen vorge- fchwcbt hätten Herstellung des Gleich­gewichts im französisch-russischen Warenaustausch, der bisher für Frankreich passiv ist, und Trennung derRoten Armee von der'Reichswehr (!) durch die Feststellung, daß ein von der Reichswehr unternommener An­griff von der Roten Armee nicht unter­stützt werden dürfe, feien nicht erreicht worden. Die russischen Bestellungen an die franzö­sische Industrie blieben wahrscheinlich von Kre­diten abhängig, die niemand bewilligen werde und Rußland habe volle Handlungs­freiheit behalten für den Fall, daß Frank­reich angegriffen werde, da der Vertrag keine Auslegung des BegriffsAngriff" ent­halte. Die Russen hätten andererseits erreicht, daß Frankreich praktisch keine Maßnahme mehr gegen das russische Dumping ergreifen könne. Der Schieds- aerichtsvertrag enthalte keine Ergänzung des üb­lichen diplomatischen Verfahrens.

Im3 ournal" stellt Saint Brioe fest, daß eine Durchführung des Nichtangriffsoertrages eine völlige Umstellung der fowjetrussischen Methoden und Grundlagen ooraussetze. Um die im Rapallo-Vertrag und den Militärverträgen (?) zwischen Berlin und Moskau hergestellte Uebereinstimmung zu parieren,

seien andere Dinge als ein Nichtanariffsver- trag norwendia. Auf handelspolitischem Gebiet wür­den alle Versprechungen lediglich auf dem Papier bleiben.

Litwinow befriedigt.

ZndcrLiniedcrHerriotschenLicherlieitsthese

Moskau, 30.Nov. (Telegraphenagentur der Sowjetunion.) 3n einem Interview mit dem Moskauer Vertreter desPetit Parisien" äußerte sich der Volkskommissar Litwinow über den Nichtangriffspakt zwischen Sowjetrußland und Frankreich. Die Llnterzeichnung des Abkommens mit Frankreich, erklärte er, erhöht die De- deutung der Ratifizierung des Paktes mit Po­len und umgekehrt. 3n dem Abschluß des Nicht- angriffsvertrages mit Frankreich sehen wir einen bedeutenden Schritt vorwärts auf dem Wege, das gegenseitige Vertrauen zu erhöhen und Miß­verständnisse und Vorurteile, die die Beziehun- hungen zwischen den beiden Volkern erschwert und kompliziert haben, zu zerstreuen. Die Vorurteile und die Voreingenommenheit gegenüber Sowjet­rußland seien auf die sowjetfeindliche Propa­ganda zuruckzusühren, die in Frankreich nicht allein von den Franzosen betrieben worden sei, um die französische Republik dem sowjetfeindlichen Vlock einzuverleiben. Der Pakt müsse den Weg zur Lösung der dringend notwendigen wirt­schaftlichen Beziehungen zwischen bei­den Ländern frei machen. Es unterliege keinem Zweifel, daß die 3dee des Vichtangriffspaktes sich auf der Linie der Bestrebungen Herriots be­wege. Seine 3dee von der Sicherheit ist uns durchaus nicht fremd; wir begrüßen seine letzte Erklärung, daß die Garantierung der Sicherheit aller Staaten anzustreben sei.

3m Zeichen der Abrüstung.

Herriot und Macdonald fahren nach Genf.

Paris, 30. Vov. ($11.) Ministerpräsident Herriot erklärte am Mittwochabend französi­schen Pressevertretern, daß er endgültig am Frei­tag nach Genf abreisen werde. Auch Minister­präsident Wocdonald hat jetzt endgültig be­schlossen, zusammen mit dem Außenminister Sir 3ohn S i m o n am Donnerstag um 15 Uhr MEZ. von London nach Genf abzureisen.

Eine Verlautbarung hierzu besagt, daß Ame­rika durch Vorman Davis und auch 3 t a - lien bereits in Genf vertreten seien. Der Zweck der Reise Macdonalds nach Genf bestehe darin, einen erschöpfenden, wenn auch inoffiziellen Mei­nungsaustausch zu ermöglichen, um eine Grundlage für die Rückkehr Deuts chlands zur Abrüstungskonferenz zu finden. Es bestünden zwar noch viele Schwierigkeiten, die noch überwunden werden müßten, aber man sei in den zuständigen Kreisen der Ansicht, daß schon genug gemeinsamer Boden vor­handen sei, um hierauf die Hoffnungen auf eine Rückkehr Deutschlands zur Abrüstungs­konferenz stützen zu können.

Amerikas Seerüsiung.

RooseveltfürK rrzung desMarinehaushalts

V e u y o r k, 30. Vov. (TU.) Aus Warmfprings im Staate Georgia, wo sich augenblicklich der neu- gewählte amerikanische Präsident Roosevelt aufhält, verlautet zuverlässig, daß sich Roosevelt für drastische Kürzungen des Ma­rinehaushalts ausgesprochen hat, wobei aber die Kampffähigkeit der amerikanischen Flotte nicht beeinträchtigt werden soll. 3n einer Be­

sprechung mit dem Abgeordneten Vinson, dem Vorsitzenden des Marineausschufses des Reprä­sentantenhauses, befürwortete Roosevelt eine jährliche Einsparung von 100 Mi l- lionen Dollar durch Umbildung des Der- waltungsapparates, Abschaffung überflüssiger Flughäfen und Werften, sowie durch Schaffung eines Zentralbeschaffungsamtes für sämtliche Bundesbehorden. Dagegen trat Roosevelt für die Beibehaltung getrennter Ministerien für die Armee und Marine ein. Vinson, der als Befür­worter einer amerikanischen Grotzflotte bekannt ist, erklärte, daß er im 3ntereffe der Aufrecht­erhaltung des Friedens und im Hinblick auf die augenblicklichen Wirtschaftsbedingungen gegen den Hoovers chen Fünfjahresplan sei. Dieser Fünfjahresplan sieht bekanntlich vor, dje amerikanische Flotte auf die in den Verträgen vorgesehene volle Stärke zu bringen. Seine Durchführung würde 600 Millionen Dollar ver­ursachen.

England wartet aus die anderen.

Keine einseitige Flottcnabrüstung.

London, 30. Noo. (TU.) 3m Unterhaus er­klärte der Erste Lord der Admiralität, daß England darauf vorbereitet fei, auch nach dem Jahre 1936 noch einige überalterte Kreuzer, Zer­störer und U-Boote zu besitzen. Aber man müsse auch Wert darauf legen, daß das Ersatz­bauprogramm eine gewisse Stetigkeit habe, und wenn man hierzu die Klauseln des Lon­doner Flottenvertrages hinzunehme, die eine Um­änderung des Bau Programms im 'Falle eines Nichtbeitrittes anderer Länder vorsehe, so brauche das Unterhaus nicht zu befürchten, daß die englische Flotte ihre Pflichten nicht erfüllen könne. Die eng­lische Flotte müsse als der Schützer der

Gießener Stadttheater.

Grillparzer:Weh' dem, der lügt!"

.Die Leute benahmen sich dumm und roh, ohne allen Respekt. Böotiern kann man kein literari­sches Lustspiel au,tischen", schrieb Dauernfeld in sein Tagebuch, als Grillparzers Lustspiel .Weh dem, der lügt" am 6. März 1838 im Wiener Burgtheater eine scharfe und eindeutige Ableh­nung erfahren hatte. Das Publikum wußte nichts mit dem Stück anzufangen, das überdies unzu­länglich besetzt war und gespielt wurde. Man nahm vor allem Anstoß an der Figur des Ata- lus, auch an Galomir; die Kritik, verständnislos und stellenweise geradezu gehässig, tat ein Uebri- ges, um die Niederlage vollkommen zu machen.

Dieser Premiörenmißcrfolg, den Grillparzers Werk mit einem anderen berühmten deutschen Lust­spiel. gemein hat, mit dem Zerbrochenen Krug" von Kleist, wäre an sich nicht das Aergste ge­wesen: das österreichische Stück hat wie das deutsche am Ende doch den Sieg davongetragen, sich beim Publikum durchgeseht und seine Qua­litäten erwiesen. Schlimmer war, daß Grill­parzer.lebtet Dichter einer prosaischen Zeit", die verspätete Anerkennung nicht mehr erlebte; emp­findlich, verletzt und verbittert zog er sich von der Öffentlichkeit zurück und hat die Enttäuschung nie ganz verwinden können.Hätte ich nie etwas an­deres geschrieben, als wobei es sich darum han­delt, ob Hans seine Grete bekommt oder nicht be­kommt, ich wäre der Abgott der Staatsgewalten gewesen; kaum aber ging ich über diese engen Ver­hältnisse hinaus, so fing die Verfolgung von allen Seiten an.

Freilich steckt auch in Laubes Urteil, es handle sich um eine geistvolle literarische Arbeit, aber kein wirksames Theaterstück, der nicht zu unter­schätzende Hinweis des erfahrenen Praktikers, daß dieses Lustspiel gewisse Ansprüche an sein Publi­kum stelle und so ernst genommen werden müsse, tote es die geistige Haltung und die ethische Pro- blematik seiner Fabel verlangt.

Der Fabel liegt, wie man weih, eine Erzäh- hing Gregors von Tours in der Geschichte der Franken zugrunde. Grillparzer hat den Stoss ver. edelt, gehoben, konzentriert. Er hat die Gestal­ten bereichert, individualisiert und in eine Welt- vrdnung eingefügt dergestalt, daß die an sich hei- tere und eben lustspielmähige Begebenheit dazu dient, den kategorischen 3mperativ einer sitt­

lichen Forderung durch die Handelnden freiwillig aiterfermen und sinnfällig bestätigen zu laffen.

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Die historische Quelle liegt so tief im Schatten eines frühen Mittelalters, daß die Handlung, wie sie vor uns abrollt, schon fast ins Mythische, ins Zeitlose und Gleichnishafte gewendet erscheint. Der Bischof Gregor ist ein Fanatiker der Wahrheit, wie der Kleistsche Kurfürst -ein Fanatiker der Staatsidee. Gregors Wahlspruch lautet: Weh dem, der lügt! Dabei bleibt er und hält daran fest, noch wenn es um Tod und Leben geht: der Küchenjunge Leon, der sich erbietet, des Bischofs geliebten Neffen Malus aus der Ge­fangenschaft des barbarischen Rheingrafen Katt­wald au befreien, darf nur unter der Bedingung zu diesem Wagnis ausziehen, sich keiner List und Lüge dabei zu bedienen. Das kompliziert die Aus­gabe natürlich gewaltig.

Doch kommt es weniger auf die (glückliche) Lö­sung an, als auf die Erkenntnis, die sowohl Leon als auch der Bischof aud dem Abenteuer ziehen. Diese Entwicklung den Zuschauer mi ter'eben und nachdenken zu lassen, ist der Sinn des Werkes. Mit der durch mancherlei Widerstände und Hem­mungen immer neu genährten Spannung der von Flucht und Verfolgung handelnden Szenen und auch mit der echt lustspielmäßigen Belohnung des eigentlichen Helden zum Schluß wird dem Zu­schauer das Mitgehen erleichtert und erhält die ge­dankliche Belastung der fünf Akte im naiv Spie­lerischen ihr gesundes und notwendiges Gegen­gewicht.

Die Aufführung unter der Spielleitung von H e y s e r erwies zunächst und wohl für man­chen überraschend, wie viel aus dem beim Lesen stellenweise etwas spröde anmutenben Stück bei gutem Willen rein theatralisch herauszuholen ist. Die Regie hatte gestrichen, was ohne Schwierig­keit fallen konnte (so die Szene am Strom im vierten Akt) und ließ sich im übrigen die Heraus- arbeitung der gegensätzlichen Elemente des Lust­spiels angelegen sein: die Szenen bei Kattwald, Flucht und Verfolgung ganz realistisch in die ideenmähige Rahmung des ersten und letzten Ak­tes hineingestellt; die von christlichem Denken und Fühlen getragene Wett am Bischofshofe war von dem heidnisch-barbarischen Treiben im rheinischen Germanenlager wirkungsvoll abgehoben. Hier ging es laut und lärmend zu; die Szenen im Ärautgarten, im Schlafgemach und im wilden Walde waren von derber Komik; stellenweise hätte die Tonstärke des heidnischen Dialogs immerhin eine Dämpfung vertragen, und es ist nicht einzu-

Menschheit bei allen Schwierigkeiten in der ganzen Welt angesehen werden. England habe die Führung in der Abrüstung übernommen. Der Lord forderte bann, daß England auf keinen Fall mit der einseitigen Abrüstung weiter­gehen könne und daß alle zukünftigen Vorschläge davon abhingen, wieweit sie v o n de n anderen Mächten angenommen würden. Die eng­lischen Vorschläge zielten auf eine Herabsetzung der Große der Schiffe und des Ge­schützkalibers hin.

Fliegergasboniben trotz Rüstungsfeierjahr.

Wien, 30. Vov. (TU.) Seit Tagen gehen hier Gerüchte um, wonach sich die militärischen Stel­len der Tschechoslowakei trotz aller von den Regierungen zur Schau getragenen Abrüstungs­bereitschaft einer sehr lebhaften Aktivi­tät befleißigen. So wird in militärischen Krei­sen Prags ganz offen darüber gesprochen, daß die Tschechoslowakei ttoh der Abmachung des Rüstungsfeierjahres die Herstellung von Fliegergasbomben in beträchtlichem Um­fange fortsetzt. Die Bomben werden zur Zeit in Vyrsany bei Pilsen bei den Skodawerken her- gestellt. Die Gasfüllung wird in Tystrowani bei Olmütz vorgenommen. Es ist bemerkenswert, daß nicht einmal der Versuch gemacht wird, diese im Widerspruch zu allen Abrüstungsbeteuerungen stehenden Maßnahmen genügend geheim zu halten.

OerneueHungermarschausWashingion

Washington, 30. Vov. (TH.) Die amerika­nischen Erwerbslosen marschieren aus allen Tei­len der Vereinigten Staaten nach Washing­ton, um dort bei der Eröffnung des Kongresses am Montag zu demonstrieren. Aus Ohio, Texas, Kalifornien ^und Minnesota wird gemeldet, daß Tausende ton Männern und Frauen, zumeist auf Lastwagen, diese Staaten durchfahren. Die ört- lichen Erwerbslosenräte sorgen für ihre Unter­bringung und Ernährung. Aus Veuyork ist der erste Schub von 650 Erwerbslosen nach Washing­ton unterwegs. Die Bundeshauptstadt Washing­ton bereitet den Hungermärschiern einen küh­len Empfang vor. Die Polizei gibt bekannt, daß die Hungermärschier keine Quartiere und keine Vahrung erhalten würden, auch sei das Betteln verboten. Die Washingtoner Polizei wird die Erwerbslvsenzüge an der Di- striktgrenze empfangen und in kleinen Abteilungen nach der Bundeshauptstadt hinein- laffen. Die Washingtoner Polizei ist nach den letzten Erfahrungen mit den Hungermärschiern für alle Fälle vorbereitet. Sie hat u. a. eine große Sendung von Tränengas erhalten. Die benach­barten Garnisonen sind in Alarmbe­reitschaft gesetzt worden.

Kleine politische Nachrichten.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, haben die Kommissare des Reiches in Preußen in einer Sitzung am 29. November eine Reihe von Personalveränderungen in der preu­ßischen Verwaltung beschlossen.

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Der sozialdemokratische Abg. Rückert hat in einem Schreiben an den Badischen Landtag sein 2(mt als Staatsrat und stellvertretender 3nnen» min.fter niebergelegt. Damit ist die Sozial- d e m o k r a t i e endgültig aus ber badischen Regie­rung ausgetreten.

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Wie berVorwärts" mitteilt, -hat ber Parteioor- ftanb ber SPD. beschlossen, dem Parteiausschuß vorzuschlagen, daß ber Pa rteitag vom 12. bis 19. März in Frankfurt a. M. ftatt- finben soll.

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Der neue deutsche Untergeneralsekretär des Völkerbundes, Staatssekretär z. D. Dr. Iren« delenburg hat sein Amt übernommen. Dr. Iren« delenburg wird auf der zu Montag einberufenen

sehen, warum der fromme Pilger (mit dem Herr D i eten sich viel Mühe gab) stottern muh. Die Bühnenbilder von Löffler waren mit märchen­hafter Phantasie erdacht; Kattwalds Hof, die Kurze Gegend" und der wilde Wald sind ihm besonders geraten. Die Kostüme (Huber) aus der Garderobe unserer Mtvordern erschienen von urtümlicher Echtheit.

Ten Leon spielte Kurt Peter Hamel. Er war hier zum erstenmal vor eine große, aber auch dankbare Aufgabe gestellt und gab eine erfreu­liche Talentprobe. Mit dem recht umfänglichen und schwierigen Text Gourde er, von ein paar kleinen Schwankungen abgesehen, touragiert fer­tig, und er brachte auch sonst alles mit, was die Volle braucht: jugendlich-unbetummertes Tem­perament, Beweglichkeit, Mutterwitz und Charak­ter. (Man muß nämlich spüren, daß im Ablauf des Spiels vom ersten bis zum fünften Akt in diesem Menschen eine innere Entwicklung bor­gegangen ist.)

Elisabeth Wielander gab die Edrita als eine junge blonde Germanin, als naives und heiteres Vaturkind, dem zwar die Herkunft aus dem väterlichen Hof immer anzumerken ist, das aber über einen sehr sicheren weiblichen 3nstinkt verfügt; sonst fände sie weder im Wald auf der Flucht, noch später vor den Wällen von Metz den richttgen Weg.

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Jochen Hauer gab den Kattwald: das war ein wilder rotbärtiger Rübezahl und brüllender Schlagetot mit ausladenden Gebärden, dennoch vom überlegenen Geist und beweglichen Witz der jungen Leute schnell befänfHgt oder übertölpelt. Herr Hehser hatte die gefährliche Rolle des dummen Galomir, den Grillparzer selbst gegen heftige Angriffe in Schutz genommen hat; hier fab man einen in zottige Pelze gehüllten Wald­menschen von gutmütiger Tollpatschigkeit, mit erstaunlich komischen Vaturlauten und einer Ra­sierpinselfrisur ausgestattet. Herr Kühne gab mit ruhiger Würde den weisen und milden Bischof Gregor; Herr Druck: ein sanfter blonder Page Atalus, der aus den Bezirken shakespearescher Märchcnkomödien zu stammen schien. 3n kleineren Aufgaben wirkten Geiger und Volck ver­dienstlich.

Das Publikum folgte mit Vergnügen und An­teilnahme und bereitete der Neuinszenierung einen freundlichen Empfang. hth.

Sitzung des Völkerbundsrates offiziell in seinem Amte bestätigt werden.

Papst Pius XL hat Kardinal Frühwirth, dem ehemaligen Nuntius in München, zu seinem Läjährigen Brschofssubiläum ein sehr herzlich gehal­tenes Handschreiben mit seinen Glück- und Segens, wünschen zugehen lassen.

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3 a p a n hat die Herausforderung des chinesischen Befehlshabers in der Mandschurei, des Ge­nerals Supingwen, angenommen und eine allge­meine Offensive in Richtung auf Hailar ve- gönnen.

Aus aller Welt.

Schweres Sprengunglück bei Trier.

3n einem Steinbruch in der Nähe von 3rsch bei Trier, in dem Sprengungen vorgenommen wurden, lösten sich plötzlich von der 20 Meter hohen Steinwand große Massen Geröll und Sand, die den Sohn des Steinbruchbesitzers, den Schießmeister, Vater von elf Kindern, und einen Arbeiter, Vater von sieben Kindern, unter sich begruben. Wäh­rend der Sohn des Steinbruchbesitzers nur als Leiche geborgen werden konnte, wurden die beiden Familienväter lebend aus den Steinmassen befreit; sie haben aber lebensgefährliche Verletzungen erlitten.

Drei Fischer ertrunken.

Nordwestlich von Warnemünde ist ein Fischkutter gesunken. Drei Personen aus Ribnitz haben dabei den T o d in den Wellen gefunden. Zwei von ihnen waren Schiffsoffiziere der Handelsmarine und seit längerer Zeit ohne Anstellung. Sie hatten sich ein offenes Boot gekauft, um durch Fischerei einigen Verdienst zu finden.

Schweres Autounglück bei Meß.

Der Kraftwagen dreier Metzer Kaufleute, bi« einen 3agdausflug gemacht hatten, verun­glückte in der Nähe des Metzer Friedhofes. Der Wagen verbrannte. Einer der 3nfaffen kam in den Flammen ums Leben, ein zweiter 3nsasse wurde herausgcschleudert und ebenfalls tödlich verletzt. Der dritte ringt mit dem Tode.

Kältewelle in Mexiko. Hitzewelle in Argentinien.

Wie aus Mexiko Stadt gemeldet wird, ist dort eine große Kälte eingetreten. Das Thermometer steigt bis zu 15 Grad Celsius unter Null. Auch ist ein starker Schneefall nredergeaangen. Die Kälte forderte bereits fünf Todesopfer. Dagegen wird aus der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires eine große Hitzewelle gemeldet, wobei Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius ge­messen worden sind.

EineRiesen"-hochzeit in Hamburg.

3n der Michaeliskirche in Hamburg fand eine Trauung statt, wie sie in einer Hamburger Kirche noch nicht vorgenommen worden ist. Es handelt sich um ein Riesenpaar, das zurzeit auf dein HamburgerDom" (der Hamburger Dom ist ein großer Weihnachtsmartt) in einer Märchenschau auftritt. Der junge Cchemann ist 2,24 Meter groß, die angetrante Gattinnur" 2,19 Meter. Zur Trauung hatte sich eine zahlreiche Menschen­menge eingefunden, die die Kirche und den Platz um die Kirche füllte. Die Polizei sah sich zu W- sperrungen genötigt, die jedoch an verschiedenen Stellen durchbrochen wurden. Aus dem Wege zum Altar folgten dem Riesenpaar drei Liliputaner, paare. Nach etwa einer halben Stunde war die Zeremonie beendet und das junge Ehepaar begab sich mit dem Zwergengefolge wieder zur Märchen- schau nach dem Hamburger Dom zurück. Aus bi« zahlreichen Zuschauer, namentlich die Kinder, wirkte dieser Hochzeitszug selbst wie ein Märchen.

Vergwerksunglück in Südslawien. Sechs Tote, drei Schwerverletzte.

3m Stollen eines Bergwerks in Hrasnik bei Lai- bad) explodierte der Motor einer Lokomobile. Sechs Personen wurden getötet, drei schwer verletzt.

FestschriftTheater in Gießen^.

Die zum 25jährigen Bestehen des Stadttheaters im Auftrage der 3ntendanz vom Dramaturgen Wolfgang Kühne herausgegebene, stattliche und gut bebilderte FestschriftThea t e r in Gie­ßen" (Druck: Drühl'sche älniversitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, Gießen) stellt, tote in den Ansprachen der 3u6iläumd.eier mehrfach be­tont wurde, ein bleibendes und aufschlußreiches Dokument Gießener und hessischer Kultur dar. Das 80 große Seiten umsassende Heft beginnt mit einem Geleitwort des Herausgebers, der Sinn und An­laß seiner Arbeit umschreibt. Der Vorspruch von Oberbürgermeister Dr. Keller,älnferm Thea­ter zum Gruß", erinnert an die vorbildliche Opfer­bereitschaft der älteren Generation, die das Werk zustande brachte. Walter Voll gibt einen gründ­lichen, kulturhistorisch sehr interessanten Aufriß der Entwicklung des Gießener Theaterlebens von den weit zurück liegenden ersten Anfängen bis zur Mitte des vorigen 3ahrhunderts. Chronologisch anschließend schildert Geheimrat Fromme den üebergang vom alten zum neuen Hause und gibt gleichzeitig Bericht über die Entstehung des Neu­haus und über die verdienstvolle Tätigkeit des ersten 5irektors Hermann ©teingoetter. Es folgen Gießener Theater-Erinnerungen des hessi­schen Landtagspräsidenten Dr. Werner und eine Heberolle Würdigung des Regisseurs Dr. P rasch durch den früheren Dramaturgen Dr. Ritter. Eine lange Liste verzeichnet alle seit 1907 am Stadttheater aufgefuhrten Dühnen- toerfe. lieber die auswärtige Gastspieltätigkeit deS Theaters referieren die Bürgermeister und Kur- direktoren der regelmäßig besuchten Städte. Meh­rere Seiten füllen die Glückwünsche der Behörden undunserer Gäste", unter denen die besten Na­men der deutschen Schauspielkunst zu finden sind. Eine grundsätzliche Betrachtung des Gießenex Li­terarhistorikers Professor V i e t o r über das ThemaTheater in Deutschland" haben wir un­fern Lesern bereits im Feuilleton zur Kenntnis gebracht. Ferner: Glückwünsche und literarische Beiträge etlicher bei uns aufgeführten Autoren; eine denStiefkindern des Theaters" gewidmete Plauderei von Eduard W e s e n e r ; zum Schluß ein verantwortungsbewußtesFacit" des 3nten- bauten Dr. P r a sch. Die Festschrift ist mit inter­essanten Bildern der alten und neuen Gießener Theaterstätten, der beiden Intendanten, des En­sembles, der berühmten Gäste und der Arauffüh- rungdautoren, sowie mit zahlreichen Szenenbil- bern geschmückt, die ben Text lebendig begleiten. Druck, Bilbreprobuktion und Ausstattung sind ta­dellos und geben ber wertvollen Festschrift ein ge­schmackvolles Gewand» -y-

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