Ausgabe 
1.12.1932 Frühausgabe
 
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Die Ruhrhilsegelder der Sandwerkskammer

Oie Verhandlungen im Landtags-Untersuchungsausschuß.

WHP. Darmstadt, 29. Hob. Der Unter- f uch u n g s a u s f ch des Hessischen Landtages über die Verwendung von 750000 Mark Ruhrhilfe-Gelder an die Hess. Handwerkskammer trat heute zur Beweis- aufnahme unter dem Vorsitzenden des Finanzaus­schusses, Dr. Müller, zusammen.

Von der Regierung ist dem Ausschuß erne Denkschrift zugegangen. Als Zeugen smd der seitherige Handwerkskammerpräsident R o h l, der Direktor der Handwerkskammer, Schüttler, und der Direktor der Handwerker-Zentral-Ge- nossenschaft (HZG.), Paech, erschienen. Als Re- gierungsvertreter ist Ministerialrat H e ch l e r an­wesend.

Oie Darstellung des früheren Präsidenten Aohl.

Der Vorsitzende vernimmt zunächst den Zeugen R o h l, der mitteilt, daß 1925 der Handwerks­kammer aus der Ruhrhilfe ein Betrag von 570 000 Mark zur Verfügung gestellt worden sei. Die Kammer habe ein Programm vorgelegt, das von der Regierung gebilligt worden sei. Der Gesamtbetrag sollte in kleinen Beträgen zu 2000 Mark durch die HZD. als 4prozentiger Kredit gegeben werden. Bei der Handwerks­kammer wurde eine Kreditkommission gebildet, die über die eingeganenen Kreditgesuche entschied. Insgesamt seien an Einzelkrediten 330 000 Mark gegeben worden: 80 020 Mark wurden zur Ab­lösung von hochverzinslichen Kreditverpflichtun­gen an Genossenschaften im ehemals besetzten Gebiet verwendet. Einen Betrag von 30 000 Mark hatte die Regierung zur Unterstützung vordring­licher Fälle abgezwe.gr. Bis 1929 waren 120 000 Mark zurückgezahlt, die erneut hinausgegeben wurden.

Abg. Kunz (RS.) kritisiert, das; seinerzeit im Widerspruch zur Absicht der Reichsrcgierung die Gelder von der hessischen Regierung nicht ä fonös perdu, sondern als Darlehen weiter­gegeben wurden und später sogar die Lieber­schreibung eines Betrages von 325 000 Mark dieser Kredite aus die HZG. vorgenommen wurde.

Zeuge Rohl erklärt auf Besragen, das) die Duhrhilfe-Gelder sämtlich zu 4 Prozent begeben wurden, die Mittelstandskredite zu höherem Zins- fuß. Da alle Kreditgesuche bis 1927 befriedigt worden waren, habe die Handwerkskammer gegen die Liebertragung des Aktivpostens von 325 COO Mark an die HZG. nichts einzuwenden gehabt. Die HZG. sei damals in finanziellen Schwierig­keiten gewesen und habe saniert werden müssen. 41m die Rückflüsse an die HZD. habe er sich nicht gekümmert. 3n Einzelfällen seien später notlei­denden Handwerkern die Kredite niedergeschlagen worden. Der Zeuge gesteht heute die Gefahr zu, das) durch die Äeberschreibung der Kredite an die HZG. im Falle eines Zusammenbruches der HZG. ein Teil dec Ruhrhil egeldrr hatte verloren gehen können. Wegen der Ruhrkredite feien ihm keine Zwangsvollstreckungen bekannt geworden. 3n allen Deschwerdefällen habe die Kammer bei der HZG. eingegrisfen. An die Kreditnahme aus der Duhrhilfe sei niemals die Bedingung geknüpft worden, das) gleichzeitig Beträge aus anderen hochrerzinslichen Fonds oder Anteile der HZG.

genommen werden muhten. Heute sei die HZG. Gläubigerin gegenüber den Kreditnehmern. Rach Meinung des Zeugen ist bei der ganzen Ruhr- hilfeaktion fettend der HZG. korrekt gehandelt wor­den. Der Widerspruch, daß 1927 der Betrag von 325 000 Mark zur Verfügung der HZG. übertragen wurde, trotzdem bereits eine Llnterbilanz vorhan­den war, wird von dem Zeugen damit motiviert, daß keine Zweifel in die Bonität der HZG. ge­setzt wurden, da die seinerzeitigen Verlustquellen verstopft werden sollten.

Oie Aussagen des Handwerkskammer­direktors Schüttler.

Don den Aussagen Les Handwerkskammerdirek­tors Schüttler »ft bemerkenswert, daß die Un­terbilanz der HZG. im Jahre 1925 erst im Juni 1926 dem Aussichtsrat und der Handwerks­kammer bekannt wurde. 3m Jahre 1930 sei eine Bewegung unter den Kreditnehmern inszeniert wor­den, die Darlehen nicht zurückzuzahlen, weil sie angeblich <im Widerspruch zu den Absichten der Reichsregierung begeben wurden. Heute stünden etwa 330 000 Mark 4prozentige Darlehen noch aus. Der Zeuge erklärt, er sei gegen die Ueberweisung des Aktivpostens an die HZG. gewesen. Auch der damalige Kammerpräsident N o h l habe Bedenken gehabt: doch die R e g i e r u n a als Aufsichtsbehörde und Eigentümerin des Fonds habe die Kammer vor eine gewisse vollendete Tatsache gestellt. Man habe geglaubt, daß die HZG. den ihr über­tragenen Betrag bald wieder werde ersetzen können. Von wem der Anstoß zur Ueberschreibung der 325 000 Mark ausging, weiß der Zeuge nicht. Lediglich ein Mitglied der Kreditkommission habe ein Darlehen in Höhe von 2000 Mark erhalten. Beim Zusammenbruch der HZG. wäre für das hes­sische Handwerk der Schaden viel acößer, als der Verlust aus der Übertragung des Aktivpostens an die HZG. 3n diesem Fahre seien aus Rückflüssen etwa 40 000 Mark neue Ruhrhilfe-Kredite hinaus- gegangen, 11000 Mark seien niedergeschlagen worden.

Oie Vernehmung des Direktors paech.

3n der Nachmittagssitzung folgt zunächst die Ver­nehmung te-> früheren Direktors der HZG. Paech. Aus seiner Darstellung der Entwicklung der ganzen Ruhrkreditaktion ergibt sich nichts Neues. Noch sei­ner Auffassung handelte die HZG. lediglich als Treuhänderin der Handwerkskammer. Die Hand- werkskommer verfüge heute aus den Ruhrkrediten bei der HZG. über ein Guthaben von etwa 180 000 Mark. Daß seinerzeit der Betrag von 325 000 Mark als Aktivposten an die HZG. von der Regierung überwiesen worden sei, motiviert der Zeuge mit den schwereü Schäden, die der HZG. wahrend der Besatzungszeit zugefügt worden waren. Zum Schluß betonte der Zeuge, daß die auf Ersuchen der HZG. eingeleitete staatsanwaltschaftliche Untersuchung ein­gestellt worden fei und die zahlreichen Verleumdun- gen und Unterstellungen als erlogen festgestellt wer­den mußten.

Der Ausschuß vertagt sich dann auf Dienstag kommender Woche zur Fortsetzung der Zeugenver­nehmung. Zu dieser Sitzung wird auch der neue Präsident der Handewerkskammer Kunke l-Worms geladen.

Aus der provinzialhaupistadt

Vorstandstagung des Kreises M ttelheffen im OHV. Der Vorstand des Kreises Mittelhes­sen im Deutschnationalen Hand­lungsgehilfen-Verband, der Kreis umfaßt das g?samte Oberhessen, das Lahn- und Dillgebiet, tagte wie man uns berichtet in Gießen in Anwesenheit des Gauvorstehers des Gaues Main-Weser im DHV, Auerbach (Frankfurt). Zur gegenwärtigen Lage, vor allem auf sozial- und grwerkschaftspolitiscyem Gebiet, wurde eingehend Stellung genommen.

Kreisvorsteher Reuter (Gießen), unter dessen ßettung die Tagung stand, konnte feststellen, daß auf allen Gebieten der Verbandsarbeit sich ein erfreuliches Fortschreiten zeigte und daß in den 19 zum Kreise gehörigen Ortsgruppen reges Leben herrs^e. Kre saeschäftsfüh.er Schroeder gab Auskunft über die schwebenden Tariffragen und entwarf ein Bild über die allgemeine Lage des Kreises, wobei er besonders hervorhob, daß trotz der Krise die Mitgliederzahl im Steigen begriffen sei. Er legte sodann die Richtlinien für die Arbeit in der kommenden Zeit fest. Der stellvertretende Kreisvorsteher Essel (Fr^d- berg) ergänzte den Bericht. Zu organisatorischen Fragen sprach Rühl (Herborn). Einen erfreu­lichen Bericht über die Zugendarbeit erstattete Beppe rling (Gießen), während Schwarz (Gießen) über die Bildungsarbeit sprach. L e - clerc (Friedberg) berichtete über die ersten Er­folge des neuoroanisierten Betriebsdienstes.

Gauvorsteher Auerbach gab seiner Befrie­digung über die geschlossene Haltung der Be­wegung im Kreise Mittelhessen Ausdruck, er faßte das Ergebnis der Tagung zusammen und wünschte, daß die günstige Entwicklung auf allen Gebieten der Verbandsarbeit anhalten möge. Die nächste Zeit müsse die Kaufmannsgehilfen beson­ders auf dem Posten sehen in der Arbeit zum Wohle des Standes und Vaterlandes.

Einstimmig wurde folgende Entschließung angenommen:Der Kreisvorstand des Kreises Wittelhessen im D.H.V., dessen Gebiet Oberhessen, das Lahn- und Dillgebiet umfaßt, nahm in einer Sitzung am 27. Rovember zu den laufenden po­litischen und organisatorischen Fragen Stellung. Von einer kommenden Regierung erwartet er, daß sie in sozialpolitischer H'-nsicht eine Haltung einnimmt, die den breiten Schichten der deut­schen Arbeitnehmer das teilweise verlorengegan­gene Vertrauen zur Staatssührung zurückgibt. Der D.H.V. ist für «ine autoritäre Staats­führung, die getragen ist vom Vertrauen möglichst breiter Schichten des deutschen Volkes und deren Maßnahmen eine gerechte Bewertung aller Staatsbürger erkennen läßt. Die Kaufmanns- gehilfen im D.H.V. fordern eine Sozialpolitik, die den Beteiligten weitgehendstes Recht auf. Selbstverwaltung gibt. Rur ein weitgreifendes Arbeitsbeschaffungsprogramm kann der Arbeits­losennot Einhalt gebieten. Der tarifliche Schutz muh für die Arbeitnehmer durch das Schlich­tungswesen unter allen Llmständen erhalten blei-

ben. Die im D.H.V. vereinten männlichen Kauf- mannsgehilsen des Kreises Mittelhessen bewei­sen durch ihre Arbeit im Standesverbande, d:e sowohl rein zahlenmäßig, wie auch organisato­risch und geistig Fortschritte aufweist, daß h:er Kräfte lebendig sind, die sich selbst in der Krisen­zeit erfolgreich auswirken. Einer durch ein ziel­klares Regierungsprogramm ausgezeichneten und von sozialem Ee.echtigleitsgefühl getragenen Re­gierung werden sich diese Kräfte nicht versagen. Rur wenn zur Staatsführung Vertrauen in den weitesten Kreisen des Volkes vorhanden^ ist, kann eine Besserung unserer Lage erfolgen."

** Sitzung des Provinzialausschuf- se s. Am nächsten Samstag, 8.33 Llhr beginnend, f intet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzial­ausschusses der Provinz Oberhessen statt mit fol­gender Tagesordnung: 1. Klage der Hess. Hand- werkskanrmer in Darmstadt gegen die Entschei­dung des Kreisamts Friedberg vom 30. August 1932 wegen Eintrags des Betriebs der Firma Heinrich Schudt, Görbelheimer Wühle, in die Handwerksrolle. 2. Klage des Alfred Haardt in Frankfurt a. W. gegen den Beschluß des Kreis­ausschusses des Kreises Friedberg vom 7. Wal 1932 betreffend Ersatz von Wohlfahrtsunter- stühungen. 3. Klage des Dezirksfürsorgeverbandes ter Stadt Frankfurt a. W. gegen den Dezrrks- fürsorgeverband des Kreises Friedberg auf Er­stattung von Fürsorgekosten für Marie Eller geb. Schneider aus Vilbel. 4. Klage des Dezir.s- fürsorgeverbandes Biedenkopf jetzt D.llenburg gegen den Bezirksfürsorgeverband der Stadt Gießen auf Erstattung von Llnterhaltskosten für Anna Friederike Koch aus Fulda. 5. Klage des Dezirksfürsorgeverbandes der Stadt Hanau gegen den Bezir^sfürsorgeverband des Kreises Büdingen auf Erstattung von Fürsorgeaufwen­dungen für Heinrich Weinel aus Mittel-Gründau. 6. Verkündung des Urteils in Sachen: Klage des Dezirksfürsorgeverbandes Oberlahn in Weil­burg gegen den Landesfürsorgeverband Dolks- staat Hessen, vertreten durch den Bezirksfürsorge­verband Kreis Friedberg, auf Erstattung von Fürsorgekosten für 3osef Weber aus Landau.

** Jubiläum. Herr Ludwig Selember, wohnhaft Schützenstroße 15, ist heute 25 Jahre als Rockschneider bei der Firma Gebr. Stamm tätig.

** DerDienenzüchtervereinGießen und Llmgegend hielt am Sonntag im Hotel Hopfeld eine ordentliche Versammlung ab, zu ter sich über 53 Mitglieder eingefunden hatten. Rach der Begrüßung gab ter Vorsitzende G. D o d en­den de r (Gießen) einen Rückblick auf das abge­laufene Dienenwirtschaftsjahr, wies auf die Zu­sammenarbeit mit dem Hausfrauenverein hin und bedauerte, daß es in Gießen nicht zur Durch­führung einerDeutschen Woche" gekommen fei. Den Höhepunkt ter Tagung bildete ein Vorttag von Obectelegravhensekretär L R. Pfeiffer (Launsbach) überReue Wege bei ter Bekamp- fung ter Dienenkrankheiten". Auf Grund praktt- jcher Erfahrungen als amtlicher Seuchenwart des

Kreises Wetzlar war der Redner mit dieser Ma­terie besonders vertraut und gab den aufmerksam lauschenden Zuhörern Richttinien für die vorbeu­gende Bekämpfung der leider immer mehr um ich greifenden Dienenseuchen. Reicher Deifall lohnte die klaren Ausführungen. Lehrer Runk (Ridda), der Obmann des Oberhessischen 3mker- buntes, gab nähere Erläuterungen über die be- tehenden gesetzlichen Bestimmungen bei Faulbrut und wies auf die Schäden hin, die durch den dau­ernden Rückgang der deutschen Volkswirtschaft im allgemeinen und dem Obst- und Gartenbau und der Pflanzenzucht im besonderen entstehen. Dei dem PunktReklame für deutschen Honig" wurde beschlossen, ausgiebig den Anzeigenteil des .G i e - jener Anzeigers" als des größten, ober-

hessischen Heimatblattes, zu benutzen. Der Plan des Hauptvorstandes, für den Oberhessischen, Kur- hrssischen, Rassauischen, Starkenburger, Mittel­deutschen und Rheinhessischen 3mkerbund die in Wabern stilliegende Zuckerfabrik in Betrieb zu nehmen, sand nicht die Zustimmung der Mitglie­der und soll deshalb nicht weiter verfolgt werden. Mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen -Verhältnisse in der Bienenzucht wurde eine Ermäßigung deS Beitrags von 5 auf 4 Mark jährlich beschlossen. Rächten noch innere Vereinsangelegenheiten er­örtert worden waren und Herr R u n k Ausschluß über die Tätigkeit des Deutschen 3mkerbundeS ge­geben hatte, schloß der Vorsitzende die anregend verlaufene Versammlung.

Allerlei Doppelgänger.

Merkwürdige Aehnlichkeiten und Zwillingsbildungen bei Menschen und Tieren.

Der Doppelgänger spielt nicht nur im Leben, son­dern auch in der Dichtung eine große Rolle. Zahl­lose Theaterstücke sind auf solchen zufälligen Aehn­lichkeiten aufgebaut, und diese geheimnisvolle Gleichheit der Erscheinung hat zu abergläubischen Vorstellungen geführt, die dann besonders in den Doppelgänger-Geschichten der Romantik ihren ge- penstischen Ausdruck fanden. Im wirklichen Leben haben nicht selten Betrüger und Erpresser ich die Aehnlichkeit zu Nutzen gemacht, die ihnen das Spiel der Natur mit berühmten Persönlich­keiten beschert hatte. Es gibt kaum eine Persönlich­keit, die in das Scheinwerferlicht der Geschichte ge­treten, die nicht Doppelgänger in irgendwelchen ganz unbedeutenden Menschen gehabt hätte.

Da war z. B. in Wien vor dem Kriege ein Hut- fabrikant, der dem Kaiser Franz Josef so täuschend glich, daß er oft mit kaiserlichen Ehren begrüßt wurde. Der österreichische Herrscher mußte sich diese Verwechslungen wohl ober übel gefallen lassen, er hatte nicht die absolute Macht wie Lud­wig XIV. von Frankreich, von dem man behaup- tet, er habe einen solchen Doppelgänger ins Ge­fängnis werfen lassen, nachdem er für immer diese frevelhafte Gleichheit mit demSonnenkönig" durch das Anlegen einer eisernen Maske bestraft hatte.

Die Habsburger, deren Nasen und Lippen so charakteristische Familienmerkmale aufweisen, sind überhaupt von Doppelgängern verfolgt gewesen. Auch der frühere König Alfons von Spanien besaß mehrere solcheZwillinge", mit denen er nicht das geringste zu tun hatte. Die Aehnlichkeit mit einer Berühmtheit kann auch geschäftlich ausgebeu- tet werden. So erregte es vor einiger Zeit Auf­sehen, daß ein Pariser Varietö-Direktor, der sich mit der berühmten Mistinguette verkracht hatte, eine Frau ausfindig machte, die ihr wie ein Ei dem andern glich und beinahe fo schöne Beine hatte wie die unvergleichlichen Beine der Chansonette: er ließ sie unter dem NamenMismarguette" auftreten, und ganz Paris strömte herbei, um sich diese Ne­benbuhlerin änzusehen. Das Original war zwar wütend, konnte aber nichts dagegen unternehmen. Der Amerikaner Edward Carrell, der früher eine Wirtschaft zu Lawrenceville zu Illinois be­trieb, hat diesen Berus wegen seiner fabelhaften Aehnlichkeit mit Abraham Lincoln aufge­geben. Er reift jetzt in den Vereinigten Staaten herum und tritt auf, um zu zeigen, wie Lincoln wirklich aussah.

Das Problem des Doppelgängers ist aber nicht nur Anlaß zu seltsamen Verwechslungen, zu Ko­mödien und Tragödien, sondern es birgt auch ein biologisches Geheimnis, das überaus schwer zu er« klären ist. Der amerikanische Naturforscher Dr. Her­bert Friedmann, der die Vogel-Abteilung des Smithsonian-Jnstituts in Washington leitet, hat neuerdings einige Tatsachen zusammengebracht, die dieses Rätsel in einem neuen Licht zeigen. Zu sei­ner Theorie wurde er durch einige Beobachtungen in der Vogelwelt geführt. Im fernen Afrika lebt ein kleiner Vogel des Pieper-Geschlechtes, dessen Brust mit einem leuchtenden gelben Fleck geziert

ist; ganz denselben Schmuck weist eine Art der amerikanische Feldlerche aut der afrikanische Pie­per und die amerikanische Lerche haben ihrer Ab­stammung nach nicht das geringste miteinander zu tun. Die gelben Brustflecken dieser beiden in nichts miteinander verwandten Tiere auf zwei entfernten, Erdteilen, die unter ganz verschiedenen Bedingungen (eben, sind ein Zufall, der ebenso geheimnisvoll ist wie der des Amerikaners, der dem längst verstorbe­nen Präsidenten Linvoln wie aus dem Gesicht ge­schnitten ist. , .

Friedmann hat auf andere Beispiele dieser Er­scheinung in der Tierwett hingewiesen. In seiner Sammlung hat er nicht weniger als 200 Vogelarten entdeckt, die in keiner Weise miteinander verwandt sind und doch die gleichen farbigen Zeichnungen in ihrem Federschmuck aufweisen. Das sind also Doppelgänger des Vogelreiches.

Aber diese Aehnlichkeiten erstrecken sich nicht nur auf das Kleid, sondern auch auf den Gesang. So bringt z. B. eine afrikanische Kuckucksart dieselben eigentümlichen Töne hervor, wie der amerikanische §iegenmelter. Dasselbe ist ja auch beim menschlichen rgan zu beobachten, denn es gibt Personen, die in keiner Weise miteinander verwandt sind und doch so erstaunlich gleiche Stimmen haben, daß selbst die nächsten Angehörigen dadurch getäuscht werden können. Solche Doppelgänger-Erscheinungen will der Gelehrte auch bei den Eidechsen erkannt haben: er verweist auf die nahen Verwandten des Känguruhs und Opossums in Australien, die das Aeußere von Wölfen und Bären angenommen haben. Der sog. Tasmanische Wolf z. B. ähnelt seinem Namensvetter vollkommen und hat nur wenig gemein mit seinem nächsten Verwandten, dem friedlichen Opossum.

Für die Erklärung des Doppelgänger-Geheim­nisses läßt sich die Schutzmaßnahme der Mimi­kry, wie sie z. B. daslebende Blatt" zeigt, eben- sowenig verwenden wie die Theorie, daß unter ähnlichen Lebensbedingungen sich ähnliche Wesen entwickeln. Der Doppelgänger hat nicht im Laufe der Entwicklung feine Aehnlichkeit mit einer ande­ren Naturform herausgebildet, und er ist fast immer unter ganz andern klimatischen und sozialen Ver­hältnissen ausgewachsen als seinZwilling".

Dr. Friedmann glaubt, daß nach den modernen Vererbungsgesetzen nur die Annahme eine Erklä­rung gibt, daß die vererblichen Eigenschaften in den Zellen durch einen Zufall bei Doppelgängern die­selben sind. Er nimmt an, daß es nur eine be- grenzte Zahl dieser Eigenschaften gibt, die in Tau senden und Millionen verschiedenen Kombinationen m der menschlichen Erbmasse auftreten können. Er vergleicht sie mit der ebenfalls begrenzten Zahl von farbigen Glasstückchen in einem Kaleidoskop. Auch hier kann es einmal Vorkommen, daß sich beim Durcheinanderschütteln die entstehenden Formen wiederholen, ohne daß der geringste ursächliche Zu­sammenhang besteht. So ist es auch bei den Dop­pelgängern, denen der Zufall der Vererbung das gleiche Aussehen verleiht, ohne daß irgendein Zu­sammenhang besteht.

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Handball um die Hochschulmeisterschast.

Die Handballmcmnschast der Universität Gießen trat gestern nachmittag zum ersten Spiele um öle Südwestdeutsche Hochschulmeisterschast im Handball gegen die Mannschaft der Universität Marburg an. Nach hartem Kampfe siegten die hiesigen Studenten mit 9:5 Toren.

Handball im Gau Hessen (O. T.)

To. Grüningen To. Lang-Göns 5:0 (3:0).

Am Sonntag trafen sich in Grüningen eine kombinierte Mannschaft der 1. und 2. Handball- elf Dom TV. Lang-Göns mit einer kombinierten Mannschaft des TV. Grüningen zu einem Freund­schaftsspiel. Trotzdem ter Gastgeber nur zehlr Mann im Feite hatte, übernahm er gleich die Führung. Dem ersten folgte bald das zwette Tor. 3eder Angriff der Gäste wurde dagegen immer wieder von der Hintermannschaft zunichte gemacht. Der Sturm setzte sich bis zur Halbzeit noch einmal durch. 3n ter zweiten Halbzeit wur­den di« Gäste energischer, sie muhten sich aber trotzdem noch zwei Treffer gefallen lassen. Dec Schiedsrichter leitete zur beiderseittgen Zufrie­denheit. Vorher: Grünberg (Schüler) Lang- Göns (Schüler) 0:3.

KV.Teutonia" Laubach.

Laubach I Daubringen I 4:2 (3:0).

Beite Mannschaften ftonten sich am Sonntag­nachmittag in einem Gesellschaftsspiel auf dem hie­sigen Platz gegenüber. In ter ersten Halbzeit waren die Teutonen überlegen und konnten 3 Tore für sich buchen. In der zweiten Halbzeit kamen die Gäste auf und lieferten eine gleichwertige Partie. Sie erzielten 2 verdiente Erfolge, denen die Platz- tesitzer nur einen Treffer entgegensetzen konnten. Das Spiel wurde fair ausgetragen.

Tischtennis.

TL. Großen-Linden TL. Rokweiß Jriebberg 1:8.

Der Tifchtennisklub Großen-Linden trug am Sonntag feinen 2. Klubkampf aus. Als Gegner hatte man diesmalRotweiß" Friedberg verpflich­tet. Friedberg, spielerfahrener, konnte einen hohen Sieg landen. Nachstehend bringen wir die Resul­tate der Spiele (Großen-Linden wird jedesmal zu­erst genannt):

Einzels piele:

Volk, K. Scharmann: 22:20, 18:21, 14:21, 21:15, 21:17; Luh, W. Södel: 15:21, 21:11, 21:18, 15:21, 20:22; Weinandt Sprengel: 14:21, 17:21, 19:21; Luh, H. Thüry: 14:21, 21:19, 7:21, 18:21; Seipp, A. Stumpfig: 14:21, 17:21, 21:17, 15:21; Junker Thylmann 18:21, 13:21, 15:21.

Einzels piele außer Konkurrenz: Mehl Staubach: 12:21, 21:13, 21:14, 10:21, 21:17; Hankel, Ludw. Kurr: 21:10, 21:12, 21:9.

Doppelspiele: Luh, H. I Luh, W. gegen Thüry/Stuwpfig: 9:21, 7:21, 13:21; Volk / Seipp gegen Jäckel / Scharmann: 16:21, 20:22, 21:7, 18:21. Mehl / Junker Sprengel / Thylmann: 18:21,15:21, 14:21.

Arbeiter-Turn- und Sportbund.

Handball. I1

Gießen I Gambach 9:3.

Auf dem Trieb standen sich am Sonntag dies« beiten Mannschaften gegenüber. Der Anwurf brachte ein flottes Spiet. Auf beiten Seiten gab es Torchancen, die aber Gießen besser auszu- nützen verstand und bald in Führung ging. Dis Schluß konnten die Gießener noch acht Tore wer- fen, denen die Gäste nur drei entgegensetzen konnten.

wieseck I Holzheim I 8:2.

Das Spiel fand am Sonntagvormittag auf dem Platz Wieseck statt. Auch hier sah man ein flot­tes Spiel, bei dem Wieseck in Führung ging, die Gäste aber bald ausglichen. 3n der Folge wurde Wieseck merflich überlegen und errang einen siche­ren Sieg.

Kurze Sportnotizen.

In Berlin muß Süddeutschland am 8.Januar in der Zwischenrunde um den DFB.-Pokal gegen Brandenburg spielen. Südostdeutschland fpielt am gleichen Tage in Breslau gegen Norddeutschland.

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Die deutsche Studentenelf, die in Ca­tania (Sizilien) am 25. Dezember das akademische Fußball-Länderspiel gegen Italien bestreitet, trägt am 17. Dezember in Worms und am 18. Dezember in Saarbrücken Probespiele aus.

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