Aus der Provinzialhauptstadt
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Eine Festsitzung im Chemischen Institut.
, funben. Außerdem entdeckten die Beamten eine große Reihe von Fakfirnilestempeln, die die Namen maßgebender Beamten europäischer Polizeibehörden aufwiesen. Die Fälscher hatten 30 Sorten verschiedenfarbiger Tinte, mit deren Hilfe sie die in ben verschiedenen Ländern gebräuchlichen Paßnotierungen Vornahmen.
Große Hochwasserschäden am Panamakanal.
Wie aus Panama berichtet wird, hat das Hochwasser des Panamakanals große Schäden verursacht. Insbesondere wurde der in Bau befindliche Maddendamm vom Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen. Dort rissen die Fluten eine Anzahl Daukrane und Dampfbagger mit sich fort. Auch der Chagres-Fluh führte Hochwasser, das den kleinen Ort Cilibrillo vollkommen überschwemmte. Die Bevölkerung des Ortes verließ fluchtartig die Wohnungen; drei Menschen ertranken.
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Man habe sich deshalb an das Reich mit der berechtigten Forderung gewandt, diesen Betrag zur Verfügung zu stellen. Rur so könne der bayerische Etat ordnungsmäßig abschließen. Das Reich habe für Maßnahmen, über deren Zweckmäßigkeit man streiten könne, Hunderte von Millionen aufgebracht. Es müsse daher auch möglich sein, daß die öffentlichen Institute, wie es Länder und Gemeinden seien, dieselbe Gnade fänden, wie gewisse w'.rtfcheft t ;e Großbetriebe. Hinzu komme, daß die allgemeine Finanzpolitik eine A e n d e - rung des Finanzausgleichs gebracht habe. Das Reich habe einzelne Teile der Einkommensteuer mit besonderen Ramen belegt, die Ledigensteuer usw. und damit diese Teile zu 100 vom 100 für sich einbehalt e n, so daß Länder und Gemeinden heute tatsächlich nicht mehr 75, sondern nur mehr 50 v. H. der Einkommensteuer bezögen.
Bei der Reichsbahnabfindung forderten die Länder nicht, daß das Reich den Kapitalbetrag auslege, weil das Milliardenbeträge wären. Das Reich habe aber 500 Millio n en Reichsbahnvorzugsaktien, die nicht Vermögen des Reiches, sondern gemeinsames Vermögen der früheren Eisenbahnländer seien. Diese Vorzugsaktien brächten eine Dividende von 7 v. H , also von 35 Millionen Mark. Das Reich habe sich früher grundsätzlich bereit erklärt, diese 35 Millionen als Abschlagszahlung für die Zinsanfprüche der Eisenbahnländer zur Verfügung zu stellen. Das Reichs nnanzministerium habe nunmehr Bayern mitgeteilt, daß es seine gesamte Rechtsanschauung geändert habe und das Recht jeglichen Aufwertungs- und Entschädigungsanspruches der Länder überhaupt bestreiten wolle. Staatsrat Schäffer erklärte. Die Folge werde eine beschleunigte Feststellungsklage beim Staatsgerichtshof sein müssen. Für Bayern würde sich für die letzten zwei Jahre daraus «in Betrag von 4,5 Millionen errechnen.
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Jede Spende wird mit herzlichem Danke angenommen!
Spenden sürdieGießenerWiniernothilfe
Don der Geschäftsstelle der Gießener Winternot. Hilfe wird uns mitgeteilt, daß der Edeka-Derband 100 Lebensmittelscheine ä 1 Mark zur Förderung des Winternothilfswerkes gespendet hat.
<#icf;:ner -sockenMarktpreise.
• Gießen, 1. Dez. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt-. Süßrahmbutter Pfund 1,30; Landbutter 1,30: Kochbutter 1,00; Matte 25 bis 30; Wirsing 8 bis 10; 'Weißkraut 6 bis 8; Rotkraut 8 bis 10; gelbe Rüben 8 bis 10; Rote Rüben 8 bis 10; Spinat 15; Anter-Kohlrabi 6 bis 8; Grünkohl 15; Rosenkohl 20 bis 25; Feldsalat 80; Zwiebeln 8 bis 10; Meerrettich 35 bis 60; Schwarzwurzeln 25 bis 30; Kartoffeln 3; Aepfel 18 bis 35; Birnen 20 bis 35; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 bis 45; junge Hähne 70 bis 90; Suppenhühner 60 bis 80; Gänse 65 bis 75; Enten 80 bis 90; Rüsse 35 bis 40; Tauben Stück 50 bis 60; Käse 5 bis 10; Eier (ausl.) 12 bis 14; Eier (inl.) 14; Blumenkohl 30 bis 60; Endivien 8 bis 15; Ober-Kohlrabi 8 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 35; Kartoffeln Zentner 2,50; Weißkraut 3,00; Rotkraut 5,00 bis 6,00; Wirsing 4,00 bis 4,50 Wk.
•• Vonunserer Garnison. Heute und morgen weilen der Kommandeur der V. Division, Generalleutnant Liebmann, und der Kommandeur des 15. Inf.-Rgts. Oberst Kienitz in unserer Stadt, um dem Dienst bei unserem I. (Hess.) Grenadier-Bataillon beizuwohnen.
** Handelskammer . Wahlen. Bei ben Ergänzungswahlen zur Industrie- und Handels- kammer Gießen wurden im Bezirk Alsfeld Kammer- zienrat Gustav Ra m speck (Alsfeld), im Bezirk Lauterbach Fabrikant Jakob Die hm II. (Lauterbach) wiedergewählt.
** Jubiläum. Herr Ludwig Schember, wohnhaft Schützenstraße 15, ist heute 25 Jahre als Rockschneider bei der Firma Gebr. Stamm tätig.
** Zur Richtigstellung. Der Allgemeine Deutsche Fvauenoeroin bittet uns, den gestrigen Bericht über die Werkstätten der Winternothilfe, einem Zweig der Frauenhilfe, dahin zu berichtigen, daß bei der Kleiderverwaltung und -Ausgabe alle Frauenorganisationen Mitarbeiten.
wegen Unterschlagung verurteilt.
Dor dem Dresdener Schöffengericht hatte sich der langjährige Kassierer der Sektion Dresden des Deutschen und Öesterroichischen Alpenoereins, A n - foul, wegen der umfangreichen Unterschlagungen zu verantworten, die im Juli d. I. ausgedeckt wurden und damals großes Aufsehen erregten. Die Höhe der Unterschlagungen ließ sich bisher noch nicht genau ermitteln, sie wird aber auf mindestens 80 0 0 0 bis 90 0 0 0 Mark beziffert. Ansoul war Ende Juli bei Aufdeckung der Unterschlagungen geflohen, wurde aber von der Kriminalpolizei auf dem Dresdener Hauptbahnhof verhaftet. Das Urteil lautete auf drei Jahre und drei Monate Gefängnis und drei Jahre Ehrenrechtsverlust. 121 Tage Untersuchungshaft kommen in Anrechnung. D.e Zubilligung einer Bewährungsfrist wurde ab gelehnt.
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BiSher 300000 Morgen Siedlungsgebiet.
Berlin, 30. Nov. (TU.) Wie die „Landwirtschaftliche Wochenschau" erfährt, ist die Aussonderung der nicht e n t s ch u l d u n g s - fähigen Güter im Ost Hilfegebiet soweit fortgeschritten, daß jetzt bereits 300 000 Morgen für die Entscheidung über die Eignung für Siedlungszwecke vorliegt. 2sus Ostpreußen dürften etwa 180 000 Morgen aus dem Entschuldungsverfahren der Siedlung zugeführt werden, in Pommern etwa 200 000 Morgen. Dazu kommen noch die Aussonderungen in den Osthilfegebieten, besonders Schlesien, Grenzmark, Posen, Westpreußen, Brandenburg, Mecklenburg. Man kann nach den Schätzungen für Ostpreußen und Pommern und nach der jetzt bereits erfolgten Entscheidung über 300 000 Morgen damit rechnen, daß für die Siedlung im Osthilfegebiet insgesamt mindestens 500 000 Morgen zur Verfügung stehen.
Turati aller Aemter enthoben.
R o m, 30. Nov. (TU.) Der Abgeordnete T u r a 11 ist, wie parteiamtlich mitgeteilt wird, vom Parteisekretär Staraze für unbestimmte Zeit mit der Strafe der Suspension von allen Siem- tern belegt worden. Als Grund wird angegeben, daß er in einigen Privatbriefen, die der Oeffent- lichkeit bekannt wurden, Ausdrücke gebraucht habe, die besonders bei einem Inhaber faschistischer 21 e m t e r bedauernswert und unzulässig seien. Turati ist bekanntlich im Dezember 1929 als Nachfolger Farinazzis Sekretär der Faschistischen Partei geworden. Dieses Amt hatte er dis zum Oktober 1930 inne. Alle Aemter, die Turati noch in diesem Jahre bekleidete, hat er jedoch bereits zu Beginn dieses Herbstes niedergelegt, was ihm wohl infolge verschiedener Verfehlungen von höherer Stelle nahegelegt worden war.
Geldspenden für die Winternothilfe.
Die Geldsammlung für die Gießener Winternothilfe hat bisher in der Bürgerschaft erfreulicherweise rege Unterstützung gefunden. Das große Ausmaß der Not macht weitere reiche Spenden erforderlich. Es handelt sich darum, den hilfsbedürftigen Familien nicht nur die dringendsten Lebensbedürfnisse zu beschaffen, sondern ihnen auch eine kleine Freude zum bevorstehenden Weihnachtsfest zu bereiten.
Darum gebe jeder Bürger auch weiterhin opferfreudig sein Scherflein!
Wenn es auch in manchen Fällen schwer wird, von den eigenen beschränkten Geldmitteln noch etwas abzugeben, so lasse man sich doch das Opfer nicht verdrießen, man mache auch nicht — wie es leider in unangebrachter Weise vereinzelt vorgekommen ist — den freiwilligen Sammlerinnen und Sammlern Vorwürfe, sondern man denke an die drückende N o t in vielen Familien und leite daraus die Verpflichtung für sich ab, freudig und nach besten Kräften zu helfen.
Zur Hundertjahrfeier der Entdeckung des Chloroforms durch Liebig fand auf Veranlassung derGesellschaftLie- big-Museum Gießen eine Festsitzung statt, an der sich auch die Medizinische Gesell- s ch a f t und die Oberhessische Gesellschaft für Ratur- und Heil.knnde beteiligten. Im großen Hörsaal des Chemischen Instituts, der bis auf den letzten Platz gefüllt war, hielt Geheimrat Sommer, zugleich im Ramen der Vorsitzenden der beiden anderen Vereinigungen, die begrüßende Ansprache und wies auf die Bedeutung des Tages hin. Sodann gab Herr Prof. Weitz einen Einblick in
die Lntdeckungsgefchichte und Chemie des Chloroforms
und führte etwa folgendes aus: „Das Chloroform ist vor hundert Jahren vcn 2. Liebig in Gießen und etwa gleichzeitig von dem Franzosen Soubeiran entdeckt worden.' Beide Chemiker erkannten jedoch nicht die richtige Zusammensetzung; Liebig, der die org. Analyse sehr vervollkommnet hatte, glaubte eine Verbindung von Chlor und Kohlenstoff in den Händen zu haben und übersah den Gehalt an Wasserstoff, der weniger als 1 Prozent beträgt. Im Jahre 1834 stellte dann Dumas (in Paris) durch Bestimmung der Dampfdichte nach einer von ihm gefundenen Methode fest, daß die Formel des Lie- bigschen „Chlorkohlenstoffs" nicht richtig sein konnte und gab die noch heute gültige Formel an, die er durch eine Analyse belegte. Dies rief folgende Kritik Liebigs hervor: „Ich behaupte nun, daß der Wasserstoffgehalt dieses Körpers auf analytischem Wege durchaus nicht ermittelt werden konnte, und wenn Herr Dumas erklären würde (NB. tatsächlich hat er es erklärt), daß er ihn durch die Analyse, und zwar mit Genauigkeit, bestimmt habe, so halte ich oics für Charlanterie. Diese Entdeckung hat Herr Dumas allein seiner... Methode, das spezifische Gewicht der Dämpfe... auszumitteln, zu verdanken, und wahrlich, er hätte wohl kein schlagenderes Beispiel für ihre Dor- trefflichkeit... mir vor Augen bringen können; es ist dies eine Lehre, die wenigstens bei mir nicht verloren gegangen ist." Dumas stellte auch fest, daß das „Chloroform" in naher Beziehung zur Ameisensäure (acid. formicicum) steht und benannte es dementsprechend. Das Chloroform wurde von Liebig nach zwei Methoden dargestellt, einmal durch Destillation von Alkohol mit Chlorkalk (so auch Soubeiran), anderseits durch Einwirkung von Alkalilauge auf das — ebenfalls von ihm entdeckte — Chloral.
Die beiden Methoden — nach denen das Chloroform bis heute fast ausschließlich gewonnen wird — wurden erklärt und im Versuch voraeführt. Zum Schluß besprach der Vortragende, ebenfalls an der Hand von Experimenten, die wichtigsten Umwandlungen des Chlorosorms.
Anschließend sprach Prof. Hildebrand über die Entwicklung der Narkose,
deren Durchführung mit Hilfe des Chloroforms allbekannt ist, und letzte etwa Folgendes dar:
„Die hundertjährige Wiederkehr des Tages der Entdeckung des Chloroforms durch Liebig in Gießen gibt uns die Berechtigung, danach zu fragen, welche Bedeutung dieser Entdeckung zukommt. Das Chloroform führt, wie auch andere gasförmige Stoffe, zur sog. Narkose, einem Zustand, in dem gewisse Teile unseres Zentralnervensystems^ wie Bewußtsein, Schmerzempfinduna und Muskelbewegung, ausgeschaltet sind. Diese Allgemeinnarkose hat eine lange Vorgeschichte. Im Altertum und Mittelalter ließ man die Patienten zur Schmerzbetäubung berauschende Mittel, wie Opium und Hanf, trinken. Weiter hat man die sog. „Schlafschwämme" ange« wandt, die mit narkotischen Substanzen, wie Mohn, Alraun, Bilsenkraut, Hanf getränkt waren. Auch alkoholische Grtränke, die auch jetzt noch von pri- mitioen Völkern angewandt werden, wurden viel- fach benutzt. Bei all diesen Verfahren war eine exakte Dosierung nicht möglich, und sie haben sicher zu vielen Todesfällen in der Narkose geführt.
Was wir heute unter chirurgischer Narkose verstehen, ist die Errungenschaft des vorigen Jahr-
Aus aller Welt.
Raubmord an einem Stationsvorsteher in Holstein.
Der Stationsvorsteher Stollmann in Bad Schwartau ist in seinem Dienstzimmer mit schwe- ren Verletzungen ermordet aufgefunden worden. Stollmann hatte sich Donnerstag früh kurz nach 5 Uhr zum Dienst begeben. Die Tater haben aus der Kleidung des Ermordeten die Schlüssel zum Kass en sch rank entnommen und 650 Mark g e ra u b t. Bisher fehlt von den Räubern jede Spur.
Rücksichtsloses Spiel mit Erwerbslosen.
Im Berliner Bezirk Wedding — besonders in der näheren Umgebung der Arbeitsämter — wurde eine Anzahl gefälfchterAnweisungen auf Freikartoffeln für Erwerslose verteilt. Offensichtlich wollen die Urheber dieser gefälschten Anweisungen größere Teile der Erwerbslosen des Bezirks Wedding aufeinen Ort konzentrieren, um dann durch die begreifliche Erregung unter den Arbeitslosen über die Nichtverabfolgung der angeblich versprochenen Kartoffeln Unruhe in die Massen hineinzutragen. Bisher ist es noch nicht gelungen, die Hersteller und Verteiler dieser gefälschten Anweisungen festzustellen.
Eine Lisenbahnräuberbande unschädlich gemacht.
Dem Fahndungsdienst der Reichsbahndirektion Halle ist es in Zusammenarbeit mit der Landjägerei Holzweißig gelungen, eine siebenköpfige Eisenbahnräuberbande unschädlich zu machen. Die Täter stammen sämtlich aus Holzweißig. Die Bande arbeitete so, daß sie, nachdem Güterzüge vor einem Einfahrtsignal oder auf einein Bahnhof zum Halten gekommen waren, einen oder mehrere Güterwagen erbrachen und Stückgüter abwarfen. Es wurden in der Hauptsache Stoffe, Luxuszigaretten, Kleidungsstücke und Lebensmittel entwendet. Bisher sind 2 0 Zug - Überfälle aufgeklärt worden. Vier Personen aus Holzweißig wurden wegenBegünstigung und Hehlerei in Haft genommen.
Pahfälscherwerkslakl in Berlin ausgehoben.
3n Berlin-Wilmersdorf ist nach einer Meldung Berliner Blätter eine Werkftatt internationaler Dokumentenfälscher von der Kriminalpolizei ausgehoben worden. Die beiden Führer der Fälscherbande wurden von der politischen Po- Itjei fe ft genommen. Bisher haben sie jede Aussage über ihre Tätigkeit verweigert. In verschiedenen Verstecken fand die Polizei mehrere Hundert fertiger Stempel, die den Dienftftempeln vieler europäischer Polizeibehörden nachgebildet waren. U. a. wurden Stempel deutscher, tschechischer, russischer, englischer upb schwedischer Polizeipräsidenten ge-
Tleue Männermode.
Die Mode der Männerkleidung sprang vor etwa hundert Jahren aus reicher Buntheit in eintöniges Braun über. Seit dieser Zeit wurde auch jede' Rüsche, jeder Aufschlag, kurz jedes kleine Stück Rokoko entfernt, durch das man damals noch einen Mann vom andern unterscheiden konnte.
Auch heute schreitet dieser Zug zur Eintönigkeit in der Männerkleidung dauernd fort. Der Zylinder glänzt nur noch über den Tränen am Grabe und in dem Klang der Hochzeittglocken. Der Klapphut, ben unsere Väter noch Mitnahmen, wenn sie in das Theater gingen, ist, gleich dem Hochrad, endgültig in den Museen gelandet. Spazierstocke mit Elfenbeinkrücken, Knopfstiefel und Monokel an schwarzen Bändern werden nur noch von Herren getragen, die wie ein Mahnmal vergangener Zeiten langsam durch stille Villenstraßen wandeln. Der weiße Streifen an der Herrenweste, die Perle in der Krawatte, der Astrachankragen und selbst die Gardenie im Knopfloch, — alles das wird nur noch auf der Bühne getragen, wenn er gilt, Herrn Sudermann ober andere Helden vergangener Zeiten zu ehren.
Selbst der Schlitz im hinteren Teil des Jacketts ist zugenäht und in wenigen Jahren werden nur noch Umstürzler und Außenseiter Knöpfe auf den Aermel- außchlägen tragen.
Nun tauchen in allen Kulturstaaten von Zett zu Zeit Vereine und Gesellschaften auf, die sich mit der Erneuerung und Verbesserung der Männerkleidung befassen. Die Mitglieder veranstalten plötzlich an schönen Sonntagen eine Kundgebung, die darin besteht, daß sie in einer Toga oder einem „Gesundheitsanzug" mit Schillerkragen und Turnhöschen in Gruppen spazieren gehn.
„Freier Hals und freies Knie" ist der Wahlspruch, der auch meistens auf den Stammtischfähnchen dieser Herren zu finden ist. Diese kühnen und entschlossenen Abenteurer fangen die Dinge aber am verkehrten Ende an!
Ein Mann, den Oberkörper bis zum Gürtel entblößt, am Ruder oder am Amboß stehend, kann nicht nur auf Briefmarken gewaltig und eindrucksvoll wirken. Ein Mann aber in kümmerlichen Knabenhöschen und Schillerkragen, aus dem der Adamsapfel herausfordernd ins Weltall stößt, verliert den letzten Rest männlicher Schönheit.
Das Ziel dieser Verbesserer sollte nicht in der Vereinfachung, sondern in der geschmackvollen Ausgestaltung der Männermode liegen. Man könnte sich denken, daß die unter ben Schuhen burchgezogenen Hosenhalter wieberkehren. Die engeren, nach unten gestrafften Hosen aus feinem, hellerem Tuch erwecken den Eindruck der Länge und geben dem Fuß eine gefällige Linie. Auch könnte der Schnittrock, wie man den „Cut" verdeutscht, wieder getragen werden. Er müßte indessen aus gutem Tuch von einem guten Schneider gefertigt werden, und ein schlanker, kühner Mann könnte es vielleicht einmal wagen, zum Biedermeierbraun zurückzukehren und einen andersfarbigen Kragen auf dem Cut zu tragen. Auch wäre eine zweireihige Weste aus guten, selbst hellen Farben zu empfehlen. Ferner könnte man, selbstredend nur bei festlichen oder amtlichen Anlässen, an der Krawatte und aus den Aermeln heraus den Hauch oder die Andeutung einer Spitze tragen.
Hier werden selbst mutige Männer erschrecken, aber ich sehe doch heute schon Spitzentaschentücher handbreit aus den Brusttaschen der Männer flattern, und in unserm Familienalbum stehen verschiedene Herren aus dem wilhelminischen Zeitalter, die im Westenausschnitt zum Frack ein seidenes Spitzentaschentuch tragen, von dem Mutter behauptet, es sei meistens rot gewesen.
Ich könnte mir vorstellen, daß ein Mann, in der oben geschilderten Art gekleidet, ein Land regieren ober einer Friedenskonferenz vorstehen könnte, ohne eine lächerliche Figur zu machen.
Was man von einem als Wandervogel gefleibeten Neugestalter der Männermode schwerlich behaupten kann. M. A.
Vornotizen.
— Tageskalender für Donners tag: Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand- Platz, 15 bis 17 Ahr, Ausstellung. — Deutscher Sprachverein, Gießen, 20.30 Ahr, Hörsaal 54, Aniversitäts-Vorlesungsgebäude, Vortragsabend. — Bund der Lahnfreunde, 20.30 Ahr, Hotel Hopfeld, Hauptversammlung. — GRD. v. 1885, 20.30 Ahr, „Hessischer Hof", Jahres-Hauptversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Friederike". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Menschen hinter Gittern".
— Aus dem St ad t thea ter-Dureau wird uns geschrieben: Als 9. Vorstellung im Freitag-Abonnement morgen die Schlageroperette „Peppina" von Oesterreicher und Stolz. Leitung: Wrede — Moehl — BLulke. Operettenpreise. Spieldauer von 20 bis 22.30 Ahr. — Zum letztenmal gelangt am Sonntag, 4. Dezember, 18.30 Ahr, der Schwank: „Der Raub der Sabinerinnen" von Schönthan, unter Karl DoIcks Spielleitung, als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen zur Aufführung. Ende 21 Ahr. — In Vorbereitung ist das Schauspiel „Der Dieb", von Henry Bernstein, das unter Karl He Ysers Spielleitung am Dienstag, 6. Dezember, aufgeführt wird.
— Oeffentliche Adventsfeier. Man schreibt uns: Bei der diesjährigen Adventsfeier der Christengemeinschaft, Bewegung für religiöse Erneuerung, am morgigen Freitag, 20.15 Uhr, im Raum der Christengemeinschaft, Grabenstraße 11 Gartenhaus) spricht Joachim Sydow (Hannover) zum Thema „Abventserwartung in vorchristlichen Kulturen" (zugleich ein Beitrag zum Verständnis der Ausgrabungen von Ur in Chaldäa). Der Vortrag ist öffentlich und allgemein zugänglich. (Siehe । heutige Anzeige.)
Hunderts, und knüpft sich an die Namen Davy, Wells, Jackson, Morton und Simpson. Davy erkannte als erster die narkotischen Eigenschaften des Stickoxyduls, das er wegen seiner berauschenden Wirkung „Lachgas" nannte. Wells war mit der erste, der mit Hilfe narkotischer Dämpfe bei operativen Eingriffen bewußt Allaemeinnarkose an- wandte. Angeregt durch diese Versuche prüfte Jackson an sich und anderen die narkotische Wirkung des Aethers, fand aber bei der Empfehlung feines Mittels bei seinen Kollegen keinen rechten Glauben. Man hielt derartige Bestrebungen in dieser Zeit für „unsinnig" und „lächerlich". Durch die Vermittlung Mortons führte im Jahre 1846 der Chirurg Warren am 16. Oktober 1846 die erste größere Operation in Aethernarkose aus, und damit war die Bahn für die Einführung der Jnbalations- narkose endgültig freigegeben; bas Verfahren kam schnell nach Europa und wurde in den nächsten Jahren in allen Kliniken der Welt eingeführt.
Der große Fortschritt besteht darin, daß bei diesen gasförmigen Stoffen eine genaue Dosierung möglich ist. Die Narkose ist „steuerbar", sie kann durch Erhöhung ober Erniedrigung der Konzentration der Dämpse in der Atmungsluft jeweils auf den gewünschten Grad eingestellt werden. Diese scharfe Einstellung ist deswegen notwendig, weil man sich in der Narkose gewißermaßen zwischen Scylla und Charybdis bewegt: einerseits muß sie tief genug sein, damit der Patient in voller Bewußtlosigkeit und ohne jede Schmerzempfindung ist, anderseits darf sie nicht zu tief fein, weil sonst die lebensnotwendigen Zentren im verlängerten Niark, die die Atmung und den Blutkreislauf regulieren, gefährdet werden, denn wenn auch sie in Narkose kommen, erlischt das Leben.
Im vorigen Jahrhundert hat das Chloroform praktisch das ganze Feld eingenommen. Im Laufe der Jahre stellte sich aber heraus, daß das Chloroform ein schweres allgemeines Zellgift ist und daß die Chloroformnarkosen mit verhältnismäßig großer Gefahr verbunden sind. Infolgedessen ist die Anwendung des Chloroforms immer mehr zurück- gegangen, und heutzutage wird das Chloroform praktisch nicht mehr angewandt.
In steigendem Maße beschäftigt man sich in ben letzten Jahren mit dem Ausbau unserer Narkosemethoden, und man hat dabei wichtige Fortschritte gemacht. Die Stickoxydulnarkose und die Narzylen- narkose sinb hier vor allem zu nennen, weiter die Avertinbasisnarkose, bei welcher bas narkotisch wir- kenbe Avertin dem Patienten als Einlauf gegeben wird, woburch er praktisch ganz von bem psychischen Insult der Vorbereitung zur Operation befreit wirb.
Die Zuhörer dankten mit lebhaftem Beifall für die aufschlußreichen und fesselnden Darbietungen der beiden Redner.
Wie beurteilt und behandelt der Arzt Darmträgheit und Stuhlverftopfung?
In meiner langjährigen Praxis habe ich die alte ärztliche Erfahrung immer wieder bestätigen können, daß sehr viele Menschen durch unzweckmäßige Ernährung, mangelhafte Körperbewegung oder infolge anderer Einflüsse unseres Kulturlebens gelegentlich ober chronisch an Verstopfung leiden. Besonders hartnäckig sind Darmträgheit und Stuhlverstopfung bei Frauen und älteren Leuten. Gleichgültig, ob es sich nun um eine (Störung der Darmbewegungen (Peristaltik) ober um eine mangelhafte Absonde- rungstätigteit der Verdauungsdrüsen handelte, stets konnte ich feststellen, daß sich, wenn ein Abführmittel angezeigt erschien, Apotheker Richard Brandt's Schweizerpillen ausgezeichnet bewährten. Wegen der prompten, sicheren und dabei überaus milden, innerhalb von 12 Stunden eintretenden Wirkung und wegen ihrer rein pflanzlichen Bestandteile, unter denen sich keinerlei darmreizende Chemikalien befinden, bin ich Brandt's Schweizerpillen bei meinen Verordnungen stets treu geblieben. Verglichen mit anderen Methoden der Darmreinigung stellen Brandt's Schweizerpillen auch insofern ein empfehlenswertes Mittel bar, als man sie in allen Apo» theken zu dem sehr mäßigen Preis von RM. 1,25 die Normalpackung unib RM. —,65 die Kleinpackung
Dr. med. K. Heymann, Berlin.


