Popen über -en 13. August.
Berlin, 31. Okt. (CNB.) Der „Lokalanzeiger" berichtet über eine deutschnationale Versammlung in Hannover, in der eine öffentliche Aussprache zwischen dem Landesinspekteur Rust von der NSDAP, und dem deutschnationalen Landesführer Oberleutnant a. D. o. F e l d m a n n stattgefunden hat. Bei Gelegenheit dieses Rededuells hat Oberstleutnant o. Feldmann einen Bries verlesen, den Reichskanzler o. P a p e n ihm über den Empfang Hitlers bei Hindenburg geschrieben hat. 3n diesem Brief heißt es u. a.: „Der Herr Reichspräsident hat Herrn Hitler gefragt, ob er sich gemäß seinem ihm früher gegebenen Versprechen nun an der Reichsre- gierung beteiligen wolle. Herr Hitler hat darauf erwidert: „Nur, wenn ich die Führung bekomme." Der Herr Reichspräsident hat dann in einer längeren Ausführung auseinandergesetzt, aus welchen Gründen er nicht gewillt sei, ihm die Führung zu übergeben. Ich habe dann persönlich in die Debatte eingegrifsen und ausgeführt, daß es eine unbedingte Notwendigkeit sei, die nationalen Kräfte zu einen, und daß das von mir an Herrn Hitler gerichtete Angebot der Nationalsozialistischen Partei einen entscheidenden Einfluß im Reich und in Preußen sichern werde. Diese Ausführungen vermochten aber keine Aenderung der Auffassung des Herrn Hitler zu erzielen. Der Herr Reichspräsident hat dann noch den Wunsch ausgesprochen, daß Herr Hitler, wenn er sich nunmehr, wie angekündigt, in die Opposition gegenüber dieser Regierung begeben werde, diese Opposition ritterlich führen möge. Er, der Herr Reichspräsident, habe große Achtung vor ihm, dem ehemaligen Mitkämpfer Hitler, dem er als altem Kameraden die Hand reiche. Damit wurde die Unterhaltung abgeschlossen. Ich darf noch hinzufügen, daß Herr Hitler den Wunsch geäußert hatte, nicht vom Herrn Reichspräsidenten empfangen zu werden, wenn es feststünde, daß er nicht mit dem Kanzleramt betraut werden solle. Ich habe Herrn Hitler darauf erwidert, daß der Herr Reichspräsident allein über d i e Kanzlerschaftzu entscheiden habe und daß er diese Entscheidung aus den Händen des Herrn Reichspräsidenten entgegennehmen müsse. Ich, der Kanzler, müsse es auch ablehnen, in einer für die politische Entwicklung so entscheidenden Frage etwa für den Herrn Reichspräsidenten sprechen zu wollen."
Der Reichskanzler hat, wie Herr o. Feldmann weiter mitteilte, Hitler noch den Vorschlag gemacht: Wenn es ihm aus Rücksicht auf seine Führerstellung in der Bewegung nicht angängig erscheine, als Vizekanzler in das Kabinett einzutreten, dann möge er als F ü h r e r einer großen nationalen Bewegung, der von sich aus immer jeden Ministerposten abgelehnt habe, außerhalb der Regierung bleiben und mit seiner Bewegung die Arbeit des Kabinetts stützen, in das er einige seiner prominentesten Mitarbeiter entsenden möge. Auch das habe Herr Hitler schroff abgelehnt.
Der Freiwillige Arbeitsdienst.
Die Einbeziehung von Frauen und Mädchen.
Berlin. 31. Okt. (DDZ.) Wie das Bachrichtenbureau Des VDZ. hört, sind die beim Deichskommissar für den Freiwilligen Arbeitsdienst, Dr. S y r up geführten Derhandlunaen mit Vertretern der Wohlfahrtsorganisationen über die Kodifizierung der Einbeziehung erwerbsloser Mädchen und Frauen in den Freiwilligen A r b e i t s d i en st zum Abschluß gelangt. Der Entwurf, der den Verhandlungen zugrunde liegt, dürfte nun auf Grund des Ergebnisses der Verhandlungen weiter überarbeitet werden. 3n absehbarer Zeit, voraussichtlich in einer Woche, kann man mit der Begründung des Entwurfs im Wege einer Rundverfügung an die maßgebenden Behörden rechnen. Hervorgehoben sei, daß die geplante Ausdehnung der Beteiligung erwerbsloser Mädchen am Freiwilligen Arbeitsdienst keine neue finanzielle Belastung zur Folge haben soll.
Postflugzeug Loudon-Berlin verschollen.
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Oben links: Der Funkingenieur der D 2017, Werner Diebes. — Oben rechts: Der Führer der Unglücksmaschine, Pilot E u n o w. — Unten: Ein Iunkers-Postflugzeug vom Typ W 33. Diesem Typ
gehörte auch das vermißte Flugzeug an.
Lreine Spur
von dem vermißten deutschen Postflugzeug.
Die Suche nach dem vermißten deutschen Postflugzeug wurde am Montag mit allen Mitteln, aber ohne Erfolg, fortgesetzt. Das englische Luftfahrtministerium stellte seine Hilfsmittel in größtem Umfange zur Verfügung. Sämtliche Küstenwachtstationen an der Südostküste Englands haben Anweisung erhalten, an der Suche teilzunehmen. Mehrere Rettungsstationen
haben ihre Boote ausgesandt. Alle Schiffe sind auf gefordert worden, nach dem verunglückten Flugzeug Ausschau zu halten. Die Lufthansa hat die mutmaßliche Unfallstelle durch ihr Fracht- flugzeug absuchen lassen. 3n London hat man nur wenig Hoffnung, daß die Besatzung des Flugzeuges noch am Leben ist. Man befürchtet, oah der Bericht, wonach sie von einem Dampfer ausgenommen worden sei, nicht den Tatsachen entspricht.
Trendelenburg im Völkerbund.
Genf, 31. Ott (TU.) Generalsekretär Drumond hat, wie amtlich mitgeteilt wird, am Montag den Staatssekretär a. D. Dr. Trendelen- burg zum deutschen Untergeneralfe» fretär des Völkerbundes ernannt. Die Ernennung bedarf noch der formalen Zustimmung des Dölkerbundsrates, die auf der am 14. Bove mber beginnenden außerordentlichen Ratstagung erfolgen wird.
Der neue Untergeneralsekretär wird, wie verlautet, seinen Posten bereits in nächster Zeit antreten und beabsichtigt, vor der Amtsübernahme zu einet privaten Unterredung mit Drumond zu- sammenzutreffen. Rach dem Beschluß der Dölker- bundsverfammlung ist dem deutschen Untergeneralsekretär die Oberleitung über die Finanz- und Wirtschaftsabteilung des Völkerbundes übertragen worden. Der bisherige Unter« generalfefretär Dufour- Feronce verläßt in diesen Tagen Genf, um feinen Posten als deutscher Gesandter in Belgrad anzutreten. Beim Eintritt Deutschlands in den Völkerbund war Deutschland lediglich die Leitung der Abteilung für die geistige Zusammenarbeit übertragen worden.
Aus oller Welt.
hauptmann-Ehrung in Hamburg.
Dieser Tage fand im Hamburger Rathaus eine außerordentlich eindrucksvolle Hauptmann- Ehrung durch den Senat statt. Man hatte den bevorstehenden 70. Geburtstag des Dichters zum Anlaß genommen, Hauptmann nach Hamburg einzuladen. In feiner Rede teilte Bürgermeister Dr. Petersen mit, daß die Aufbauschule Hoheweide in Zukunft den Namen Gerhart-Haupt- mann-Schule führen werde. Diese Mitteilung wurde von den zahlreich erschienenen ' Vertretern der Spitzen von Wissenschaft und Behörden mit lebhaftem Beifall begrüßt Gerhart Hauptmann betonte in einem launigen Dankspruch seine starke Liebe zu Hamburg. Ein Tee-Abend bildete den Abschluß des Senatsempsanges.
Drei Jahre Zuchthaus
wegen Verrats militärischer Geheimnisse.
Wegen Verrates militärischer Geheimnisse verurteilte das Reichsgericht in Leipzig nach zweitägiger Verhandlung den der KPD. angehörenden Elektriker Thiele aus Niemegk zu 3 3ahren Zuchthaus und 5 Ia-Hren Ehrverlust. Thiele hatte seine Ver
trauensstellung als Detriebsratsvorsitzender 6e3 Bitterfelder Werkes der 3G. - Far be nind ustrie mißbraucht, um einem Sowjetemisfär Fa- brikationsgeheimnisfe zu übermitteln.
Unferfdjtagungen eines kirchenkafsierers.
Bei einer Revision der Kirchenkasfe in Pulsnitz (Sachsen) wurde festgestellt, daß der Kirchenkassie- rer Peis ker Unterschlagungen in Höhe von 62000 Mark begangen hatte. P. fjat die Unterschlagungen zugegeben: er wurde in Haft genommen.
Drahtseil über die Straße gespannt.
Rach einer Wahlversammlung in Reuß (Ostpreußen) fuhr der Kaufmann Diesel den Kreis- vereinsvorsihenden der DRBP., Amtsgerichtsrat Friedrich, im Auto nach Treuburg. Kurz vorher war auf der Straße von Reuß nach Treuburg ein Motorradfahrer dadurch zu Fall gekommen, daß er gegen ein querüberd ieChaus- fee gespanntes Drahtseil stieß. Er be- feitigte das Hindernis und fuhr weiter. Als dann später Diesels Kraftwagen dieselbe Stelle passierte, war das Drahtseil wieder gespannt worden. Auch hier konnte ein ilnglüd verhindert werden. Die Spur deutete auf einen Hofbesitzer in der Rähe hin, bei dem auch noch Draht gefunden wurde. Er wurde in das Gerichtsgefängnis eingeliefert und wird sich wegen versuchten Mordes zu verantworten haben.
Räuberunwefen in Polen.
3m Dorf Zdzielowice in der Rähe von Lublin ist ein alleinstehendes Haus von einer zehn Mann starken Räuberbandeüberfallen worden, die schwer bewaffnet war. Die Banditen vergingen sich an der Frau des Besitzers, dann begossen sie sie mit Petroleum und zündeten f i e a n. Nachdem sie das ganze Haus geplündert hatten, flohen sie in den Wald. Ein Dorfbewohner, der den Heberfallenen zu Hilfe eilen wollte, wurde von den Räubern erhoffen.
Das Eisenbahnunglück bei Moskau bestätigt.
Don amllicher Seite wird das Unglück des l) - Z u g e s aus Sotschi (Mineralbäder im Kaukasus), das sich, wie bereits gemeldet, am 16. Oktober d. 3. bei Ljubino in der Rähe von Moskau ereignete, bestätigt. Es wird zugegeben, daß der Zusammenstoß mehrere Opfer gefordert habe. Die OGPäl. habe fünf Eisenbahnbeamte verhaftet, die bereits vor ein Sondergericht gestellt worden seien. Die Anklageschrift fordert für die fünf Angeklagten wegen fahrlässiger Handlungsweise die Todesstrafe. — Einem Funk- spruch aus Moskau zufolge ist als Hauptangeklagter der Stationsvorsteher von Ljubino, Bu- l a f off, wegen des Eisenbahnunglücks bei Ljubino am 16. Oktober zum Tode verurteilt worden. Zwei Angeklagte erhielten Freiheitsstrafen von acht bzw. sechs Jahren. Der Signalist wurde zu Zwangsarbeit mit löprozentiger Lohnkürzung verurteilt, während der fünfte Angeklagte freigefprochen wurde. Das Urteil ist endgültig. — Bei dem Eisenbahnunglück waren, wie jetzt bekannt wird, 3 6 Personen getötet und 51 verletzt worden.
Stapellauf
des französischen Ozeandampfers .^Normandie".
3n Anwesenheit des französischen Staatspräsidenten sowie des Handelsministers .wurde in Nantes der größte Pasfagierdampfer der Welt, die „Normandie", vom Stapel gelassen. Das Schiff hat bei einer Wasserverdrängung von 70 000 Tonnen eine Länge von 313 Meter. Cs wird mit Dampfturbinen in einer Gesamtstärke von 60 000 Pj a>ngetrieben, die ihm eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 28 Knoten geben werden. Staatspräsident Lebrun wies auf die besondere Bedeutung des Stapel- laufes der „Normandie" für das Ansehen der französischen Handelsmarine hin. Der Stapellauf ging unter den Klängen der Marseillaise ohne Zwischenfall vor sich. — 25 Architekten und 250 Zeichner haben für den Bau der „Normandie" 7000 Pläne gezeichnet, die zusammen eine Papierfläche von 50 000 Quadratmeter ein nehmen. Der Ozeanriese soll die Strecke Le Havre—Reu- hork in 100 Stunden zurücklegen können.
Die Revue.
Don Karl Eittinger, München.
,KarIchen, möchtest du Millionär werden?" fragte mich mein Berufskollege Kasimir Konjunkturmeier.
„Nein!" erwiderte ich wahrheitsgemäß. Weiß der Himmel, ich möchte kein Millionär werden und in ewiger Sorge um mein (Seib leben. Nicht für eine Million möchte ich Millionär sein.
„Unsinn!" sagte Kasimir, .wieder Mensch will Millionär sein, und ich weiß sogar, wie du es werden kannst. Ich habe nämlich eine glänzende Idee."
Mir blieb vor Schreck die Zigarre im Munde stecken. So oft ich diesen Kasimir treffe, hat er eine glänzende Idee. Es ist zwar nicht alles Idee, was glänzt, aber dieser Kasimir, der wimmelt nur so von glänzenden Ideen, bloß auf die glänzende Idee, mich mit seinen glänzenden Ideen zu verschonen, ist er noch nicht gekommen.
„Auch ich habe eine glänzende Idee, wie ich reich werden könnte", sprach ich. „Du kaufst dir ein Los, machst den Haupttreffer, dich trifft vor Freuds der Schlag, und du setzt mich zum Alleinerben ein!"
„Bitte, bleibe ernst, wenn ich mit dir rede!"
,^jch werde es versuchen-, obwohl es nicht leicht ist. — Und worin besteht deine glänzende Idee?"
„Wir schreiben eine Revue zusammen. Du brauchst gar nicht so blaß zu werden, sondern es ist eine glänzende Idee. Revue ist Trumpf, das Geld liegt auf der Straße!"
„Gib acht, daß du nicht gleich ebendort liegst!
Er redete hin, ich redete her, er schlug mich breit wie ein Kottlett, und schließlich seufzte ich: „Also tbas soll der Inhalt von der Revue sein?"
Maßlos erstaunt sah er mich an: „Wieso Inhalt? Ich höre immer „Inhalt"? Inhalt braucht sie überhaupt keinen, Handlung hält bloß die Handlung auf! Sondern im ersten Akt, da kommen fünfzig Girls und singen irgendwas und tanzen dazu, damit man den Gesang nicht so hört. Weißt du nicht irgendwas, was leicht ins Ohr geht?"
„Watte!"
„Nicht doch, ich meine einen Schlagerrefrain, so etwa „Was macht der Meier am Himalaya"?"
„Wie gefiele dir „Wer bläst in Kuba — so schön die Tuba?^ Oder „Wer bläst in China — die Okarina"?"
„Glänzend! Ich wußte ja, daß du ein Dichter bist! Also, den ersten Akt hätten wir!"
„Und was geschieht im zwoten Mk?" fragte ich entgeistert.
„3m zweiten Akt? Also, da habe ich eine glän
zende Idee! Im zweiten Akt, da kommen fünfzig Girls und, singen und tanzen irgendwas!"
„Du bist ein Meister im Steigern der Handlung! Aber waren die Girls nicht schon im ersten Akt da?"
„Natürlich! Aber jetzt kommen sie doch in einem anderen Kostüm! Eine Revue muß etwas fürs Auge sein!"
„Dann solltest du die Revue mit Schmeling zusammen schreiben: der hat in seiner Faust Dinger fürs Auge, — da können wir zwei gar nicht mit!"
„Aso, mit dem zweiten Akt sind wir auch im Reinen! Der dritte Akt muß natürlich eine Ueber- raschung bringen. Da habe ich eine glänzende Idee. Nämlich da kommen die fünfzig Girls in einem ganz anderen Kostüm und singen und tanzen irgendwas!"
Es gab einen Plumps, ich war vom Stuhl gefallen. „Kasimir", ächzte ich, indem ich mich erhob, „ich habe eine glänzende Idee: geh nachhaus und laß' dich nie mehr blicken!"
„Aber die Revue wird ja fabelhaft!" ereiferte er sich. „Das Gerippe haben wir schon —"
„Meinst du mit dem Gerippe die Girls? — Nein, Schluß! Für mich kommt nur eine Revue mit einer richtigen Handlung in Frage! Man hat das „Weiße Rüßsi', also ein gut gebautes Theaterstück, zur Revue umgestaltet, den „Walzertraum", den „Lieben Augustin", also —
,Lch hab's!" schrie Kasimir. „Eine glänzende Idee hab ich! Wozu leben wir im Goethejahr? Wir machen aus dem „Faust" eine Revue!"
Ich sage selten zu einem Mitmenschen Idiot, aber wenn ich's sage, dann meine ich es aufrichtig.
„Aber wieso denn? Das gibt tausend Aufführungen hintereinander! Die zehn Komponisten für die Musik habe ich schon —
„Also Bandendiebstahl!"
„Mach keine Witze, die improvisieren in einer Revue Die Komiker". Er war FeuSr und Flamme. „Also im Anfang sitzt Faust im Studierzimmer. Er hat zwar Philosophie, Juristerei, Medizin, Theologie studiert, aber mit seiner Steuererklärung wird er doch nicht fertig. — Unterbrich mich nicht, solche Aktualitäten gehören in eine Revue! — Er singt ein Lied, daß er gerade von der Lausanner Konferenz zurückkommt. —
„Darf ich dich schonend darauf aufmerksam machen, daß der „Faust" im Mittelalter spielt?"
„Aber das ist doch ganz wurscht! Dafür ist es eine Revue! Sei doch nicht so kleinlich! Und dann erscheinen ihm fünfzig Mephistos!"
„Fünfzig? Ach so, ich verstehe: die Girls!"
„Jawohl, die singen und tanzen irgendwas. Und
auf einmal werfen sie ihr Höllenkostüm ab und stehen im Badeanzug da!"
Und dann ruft Faust: „Nie wieder Hölle!"
„Nein, sondern dann kommt der zweite Akt. Gretchen — sie ist natürlich eine Wienerin — wind von Faust auf dem Wege zur Reichstagswahl angefpro- chen. Immer aktuell, mein Lieber! Plötzlich kommt ein Berliner —
„Was für ein Berliner?"
„Das weiß ich noch nicht, aber ein Berliner wirkt immer! Der geht wieder ab —"
„Gott sei Dank, ich dachte schon, der kriegt fünfzig Kinder, die fingen oder tanzen irgendwas!"
„Du hast aber auch gar keine Phantasie! Sondern die Girls, die kommen jetzt als Wiener Damenkapelle."
Wieder gab es einen Plumps. Aber das war nicht ein zweiter Fall vom Stuhl, sondern nur die Geduld, die mir .gerissen war. „Ich weih alles", schrie ich, „im dritten Akt, da reitet Valentin auf einem Elefanten über die Bühne, Gretchen liegt nicht im Gefängnis, sondern kriegt Bewährungsfrist, auf einmal kommt ein Sachse, der stottert, und wie niemand mehr weih, was eigentlich los ist, kommen die Girls als fünfzig Kaiser Franz Josephe und renken die Sache ein!“ liebertoältigt fiel Kasimir mir um den Hals. „Wir sind Millionäre!" schluchzte er. „Kärtchen, das wird der schönste Vorschuß meines Lebens!"
Falls dem Finanzamt dieser Artikel zu Gesicht kommen sollte, bemerke ich vorsichtshalber: „3ch bin kein Millionär geworden!" Es .ging dieser glänzenden Idee Kasimirs wie allen fei ten glänzenden Ideen. Die Revue „Faust" biieb unauf" geführt. Nämlich der Elefant für den Valentin wurde nicht bewilligt, Valentin sollte als Wellenreiter auf die Bühne kommen, und zu dieser Aenderung fand ich mich nicht bereit. Ich bin ein seriöser Künstler, und wenn ich Elefant schreibe, bann muh es vier Beine haben.
Wieder einmal habe ich mein Glück mit Fühen getreten ...
Schlafwandler.
llnglückssälle, die durch Schlafwandeln hervorgerufen werden, gehören nicht gerade zu den Sel- tenheitem So wird jetzt aus London berichtet, dah ein Somnambuler, der schon öfters im Schlaf Spaziergänge unternommen hatte, kürzlich träumte, er habe einen Kraftwagenunfall erlitten; er sprang in seiner Erregung aus dem Bett, stürzte ans Fenster und fiel heraus, wobei er sich Verletzun
gen zuzog. 3n einem solchen Zustand haben sich schon Personen vergiftet, sind von Dächern her- untergestürzt, zum Fenster herausgefallen usw. Eine Frau verließ in schlafendem Zustand ihr Haus und fiel in einen benachbarten Teich, in dem sie erkrank. Andere Schlafwandler sind auf merkwürdige Weise drohenden Gefahren entgangen. So wird in einer englischen psychologischen Zeitschrift von einem Mädchen berichtet, das unter Schwindelanfällen litt und sich besonders vor dem Gehen in großen Höhen fürchtete. Man beobachtete, wie sie am hellerlichten Tage am Rande eines Daches eines hohen Londoner Gebäudes hin- und herwandelte. Jedes Erwecken hätte den Tod zur Folge gehabt. Man brachte sie unter großen Schwierigkeiten in schlafendem Zustand von dem Dach herunter. Als sie wenige Minuten danach auswachte, erinnerte sie sich nicht daran, daß sie soeben ein so gefährliches Abenteuer bestanden hatte. Der Somnambule ist gewöhnlich im Besitz des Tastsinns, kann auch bisweilen hören, aber die Fähigkeit des Sehens besitzt er nur in den allerseltensten Fällen. Obwohl der Schlafe Wandler mit weit offenen Augen dahinfchreitet, erblickt er weder Personen noch ®egenftänbe. Die moderne Psychologie erklärt den Somnambulismus als „einen Traum, der in Bewegung übergeht". Sprechen im Schlaf ist ja nichts Ungewöhnliches, und im Schlafwandel mag man nun eine weitere Entwicklung erblicken, die zu unbewußten Bewegungen führt. Der geistige Zustand des Schlafwandlers ist dem hypnotischen verwandt. Wie die nächtlichen Schreckzustände, die in der Kindheit öfters auftreten, kann man auch den Somnambulismus mit organischen Unregelmäßigkeiten in Zusammenhang bringen. Verdauungsstörungen, allzu langer Aufenthalt in überhitzten Räumen, Ermüdung des Gehirns sind als Ursache für die Antriebe aufgeführt worden, die das schlafende Gehirn empfängt und die von ihm mißverstanden werden. Die Fähigkeit eines nor- malen Denkens ist ausgeschaltet. Das Bewußtsein schlummert, aber das Unbewußte, das von allen Hemmungen befreit ist, ruft eine getoiffc Tätigkeit hervor, die nicht nur wie im Traum zu Vorstellungen, sondern zu richtigen Bewegungen führt. Irgend ein starker Eindruck, ein aufwühlendes Erlebnis während des Tages ist häufig die Ursache für den Traum des Schlafwandlers, und dieser Traum selbst dürste rächt sehr verschieden von jenem „Albdruck" sein, den wir alle schon irgendeinmal während des Schlafes verspürt haben.


