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na.
wohl nach
Nachdruck verboten.
36 Fortsetzung
Vorerst keine Auflösung des Danziger Volkstages.
Vornan von Hertha Fricke
Urheberrechtöfchutz: Verlag Oskar Meister, Werdau
sich Eva-Marie. Sehr bläh n-och, aber ihre Augen schauten ihn an, fragend, wundernd, aber ganz auf gewacht.
„Sind Sie wirklich hier, Herr Dr. Andresen? Ich kann mich gar nicht besinnen, wie ich hierhergekommen bin. War ich so krank, dah ich es nicht gemerkt habe? Schwester Margot sagt mir. ich sei im Sanatorium."
Herzlich reichte er ihr die Hand und sah erfreut in die aufgewachten Augen, die wieder etwas von ihrem früheren lebhaften Ausdruck hat^n. Er nahm «inen Stuhl und setzte sich an den Tisch. Ähre kleine, blasse Hand behielt er in der seinen. ,
„Sie waren sehr krank, Fräulein Eva-Mariei Ihre Mutter hat Sie selbst mit hierher gebracht. Aber nun geht es doch schon viel besser, nicht wahr."
„Ich glaube. Aber ich weiß nichts davon, dah meine Mutter mich hierhergebracht hat. Mir fehlt ein Stück in meinem Erinnern." Sie fwhte an ihre Stirn.
„Das geht jedem Kranken so, der eine Zeitlang bewußtlos war", tröstete Dr. Andresen. „Wissen Sie, woran ich gerade dachte, Fräulein Eva- Marie? An unseren Spaziergang in Potsdam. An Sanssouci, an den Säulenheiligen, auf dessen Kopf der kleine Vogel sah, wissen Sie noch?"
Sie lächelte verloren: „Ich weih es noch. Es war schön."
„3a, es war schön, liebe Eva-Marie. Denken Sie an all das Schöne, das wir dimals zusammen erlebten, ja, wollen Sie das? ünb wenn irgendein trüber Gedanke Sie quälen will, dann soll Schwester Margot mich rufen, dann haben Sie Vertrauen zu mir."
„3a“, sagte Eva-Marie ganz wach. „3ch will es. Es können Wohl leicht wieder trübe Gedanken kommen, denn es sind viele dunkle Träume in mir!“
Er streichelte ihre Hand. „Die wollen wir verjagen, die dunklen Träume. Wir werden über alles klar werden, und dann werden sie nicht wiederkonrrnen."
„3ch weih eS nicht“, antwortete daS Mädchen. „Aber ich bin froh, dah Sie hier find, Herr Doktor. Mir ist, als wäre ich verloren und verlassen ohne Sie." Dann erschrak sie plötzlich. „3ch bin doch nicht in 3hrem 3rrenhaus in Hamburg?"
„O nein“, sagte Heinrich Andresen, „da bin ich längst nicht mehr. Das war nur ein Lleber- gang. Dies ist nur ein Sanatorium für leichte Äervenkranke. Hnb nervös, Eva-Marie, daS sind Sie noch nach all dem, was Sie durchmachten.“
Da fing Eva-Marie still an zu weinen, laut-
Friedensverhandlungen in Brasilien.
London, 30.Sept. (TU.) Die brasilianischen Aufständischen haben die Regierung um die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten gebeten, und sich zur U eb ergäbe bereiterklärt. Sie wollen Vorschläge zur Beilegung der Streitigkeiten machen. Die bra- siilianische Regierung hat die Aufständischen an den Oberbefehlshaber verwiesen und sich im übrigen die Entscheidung vorbehalten. In Rio de Janeiro kündigten die Zeitungen an, dah die Friedensver- händlungen zwischen den streitenden Parteien
für9 alle mit Ausnahme der Anstifter ^p^mna^n bewegung: 2. Schaffung einer neuen Regierung m Sao Paulo; 3. Organisierung des Heeres, in Zukunft die Einmischung von Militarperso- N-N in die Politik zu verhindern; 4. prooisoniche Inkraftsetzung ber abgeänderten Verfassung von 1891 bis auf den 31. Mai 1933 eine verfassungs- gebende Versammlung einberufen werdenwird; 5- Schaffung einer Regierung der nattona- l *Da^ Waffenstillstandsangebot J)es Befehlshabers der aufständischen Truppen von «ao ^ulci oU. oon den revolutionären Führern nicht gebill i g werden Man glaubt, daß die Aufständischen von Ao Paulo den Befehlshaber seines Amtes enthoben haben und die F o r t s e tz u n g d e s K a m p- fe s gegen die Bundesregierung ins Auge fasten.
Das neue ungarische Kabinett.
Budapest, 30. Sept. (WTB.) Der designierte Ministerpräsident Gömbös teilte ben Mitgliedern der Einheitsoartei mit, daß sich die neue Regie r u na folgendermaßen zusammensetze Mmi- fterpräsident und Honoedminister G o m b o s; M,. nister des Aeußern Puky, bisher D^eprasident des Abgeordnetenhauses; Finanzminister ^m r e d y, Kultus, und Unterrichtsminlster H o in a n; Iustiz- minisier Lazar; Minister des Innern Kereiz- tes-Fi scher; Ackerbauminstter Kalla y; Handelsminister F a b i n y i.
Ausständigen zur sofortigen Wiederaufnahme der Arbeit ausgetordert und fur den Fall der Fortdauer des Ausstandes die Gesamtaussperrung in der gesamten Weißenfelser Schuhindustrie mit 14tagiger Kündigungsfrist ausgesprochen.
Auch Anhalt flaggt.
Ein neuer Beschluß deoMinfterpräfidenten
Dessau, 30.Sept. (WTB.) Nachdem das an- ' attische Staatsmini st erium gestern mit- 'geteilt hatte, daß der Anregung des Reichsinnen- Ministers, am Geburtstage des Reichspräsidenten zu flaggen und Schulfeiern zu veranstalten, keine Folge gegeben werde, wird heute vom anhaltischen Staatsministerium erklärt::
,Es trifft nicht zu, daß die anhaltische Staatsregierung das Beflaggen von Dienftgebau- Üen oder das Abhalten oon Feiern anläßlich des 85. Geburtstages des Herrn Reichspräsidenten o e r - boten hätte, wie es in der Presse verbreitet wird. Die Reichsregierung hat den Länderregierungen mitgeteilt, daß der Herr Reichspräsident oon ter Abhaltung besonderer amtlicher Feiern abzusehen bittet. Gleichwohl hat die Reichsregierung den Länderregierungen die Abhaltung von Schulfeiern und die Beflaggung der Dienstgebäude vorgeschlagen. In Ueter- einstimmung mit dem Wunsche des H"rn Reichspräsidenten hat der Herr anhaltische MlNisterprasi dent geglaubt, nichts veranlassen ZU sollen. Da jedoch die Möglichkeit besteht, daß diese Stellunanahme zu Weiterungen ge- genüber Anhalt führen konnte, hat der Herr anhaltische Ministerpräsident, um Auswirkungen zu Ungun st en des Lande 5 ju verhüten, sich entschlossen, dem Wunsche der Reichsregie- rung Rechn ung zu tragen."
Zu der Begründung dieses abanternten -Be schlusses des anhaltischen Ministerpräsidenten Frey- bcrq teilt der Reichsminister des Innern mit, daß die 'Reichsregierung keiner lei 3 man g s Maßnahmen gegen Anhalt beabsichtigt habe, da es sich lediglich um eine Anregung der Reichs- regiert!nfl gehandelt fyabe.
Danzig, 30. Sept. (TU.) Auf der Tagesordnung der Vollsitzung des Danziger Volkstags stand der nationalsozialistisch - kommunistische Antrag auf Auflösung des Dolkstag es. Die Einberufung der Sitzung war auf nationalsozialistisch-kommunistischen Antrag durch den natio- -lsozialistischen Bolkstagspräsidenten erfolgt, ob- zhl nach einem Beschluß des Volkstages der Präsident nur im Einvernehmen mit Dem Aeltestenausschuß die nächste Sitzung ein- berufen sollte Wegen dieser Meinungsverschiedenheiten über die Berechtigung der Einberufung wurde ein bürgerlicher Antrag auf Vertagung des Dolkstags bis zum 12. Oktober angenommen. Dagegen stimmten die Nationalsozia- listen, die Kommunisten und die Polen. Die Frage der Auflösung des Danziger Volkstags ist durch diesen Vertagungsbeschluß bis Mitte Oktober hinausgeschoben worden.
Ein Mann tarn ihm entgegen und grüßte sehr höflich. „Guten Morgen, Herr Doktor."
„Outen Morgen, Herr Wöllermann. Wie geht es Ihnen? Das ist recht, daß Sie sich ein bißchen Bewegung machen."
Der Mann bohrte mit seinem Stock Löcher in den Schnee. „Cs geht mir so gut, Herr Doktor^ so gut. 3ch weiß nicht, warum ich nicht nach Hause fahren soll. Ich will nicht mehr hier bleiben."
„Warum denn nicht, Herr Wöllermann? Haben Eie etwas zu klagen?"
„3a, über die Männer, die mich bedienen. Erst sind sie ganz freundlich und bringen mir Frühstück. Dann soll ich exerzieren, exerzieren, — — immer exerzieren, Herr Doktor. So, eins, zwei, eins, zwei. And schießen soll ich, immer schießen, so buff, puff —" Er legt den Stock wie ein Ge» wehr an: „So, Herr Doktor."
„Sie brauchen nicht schießen und exerzieren, Herr Wöllermann. Sie bekömmen kalte Füße, gehen Sie ruhig hinein." Er rief einen Pfleger an: „Dringen Sie Herrn Wöllermann ins Zimmer und ziehen ihm trockene Schuhe an, der Schnee schmilzt. Auf Wiedersehen. Sobald Sie ganz gesund sind, sollen Sie nach Hause reisen. Es wird bald sein, Herr Wöllermann."
Beruhigt ging der irre Mann mit dem Wärter.
„Armer Kerl", dachte Heinrich Andresen, „wieviel barmherzige Lügen muß man hier tagsüber machen. Wir werden ihn bald nach Schleswig schicken müssen. Da wird es wohl auch nicht wieder Licht. Lieber ewigen Schlaf, als ewige Dacht--ja, es war wohl richtig. Aber kann
man den Gedanken ertragen, wenn man jemanden so lieb hat? Wenn ein so reicher, schöner Deist wie Eva-Maries sich verwirrt?
Rasche Schritte tarnen hinter ihm her. Schwester Margot war es, ohne Mantel, in ihrem schlichten, blauen Kleide, die Schürze über dem Arm.
„Herr Doktor, Herr Doktor! Kommen Sie schnell. Unser Sorgenkind im Rosenhaus hat eine lichte Stunde. Sie spricht ganz vernünftig und fragt nach Ihnen und Exzellenz."
Heinrich Andresen konnte nicht rasch genug die verschlungenen Wege deS Parkes zurücklegen, er sprang über Beede, wie ein Junge. Am Tisch
Skuptschina. Don den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur. Die Untersuchung über den Bombenanschlag ergab, daß ein noch unbekannter eleganter Herr einen Gepäckträger beauftragt hatte, einen tiante koffer im Offizierskasino abzugeben. Der Trager hatte den Koffer in der Kasinohalle k°um Nieter- gestellt, als der Koffer explodierte Dem Tra aer wurden beide Arme a b g e ri s s e n wahrend einer Garterobenfrau mehrere «prengstucke in den Leib drangen. Beite wurden ins Krankenhaus überführt, wo der Träger wenige Stunden nach der Operation starb. Dor seinem Tode konnte er noch einige Angaben über seinen Auftraggeber machen. Das Abendblatt der „Prawda' weist darauf hin, daß General Peter R a d i v o i e v 11, ch nur durch Zufall dem Tode entgangen ist. Kurz, nachdem er die Kasinohalle verlassen hatte, war die Hollen- maschine explodiert.
jleue Erdstöße in Griechenland.
In den letzten Tagen haben, wie aus Athen gemeldet wird, 11 Erdstöße Saloniki heimgesucht. 3m Stadtteil Anelvhori sind vier Häuser eingestürzt. In einigen anderen Stadtbezirken, in denen vor allem Arbeiter wohnen, sind mehrere Häuser schwer beschädigt worden. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen, da die gesamte Bevölkerung die Rächt im Freien verbrachte. Die Kaufleute ganz Griechenlands haben zur Llnterstützung der durch die Erdbebenkatastrophe Geschädigten eine Sammlung ausgeschrieben. Ferner sind vom Erzbischof von Athen und den Metropoliten von Saloniki zwei Hilfskomitees ins Leben gerufen worden. Zahlreiche Geschäfte blieben geschlossen, da unter der Arbeiterbevölkerung eine Panik aus^ebrochen war. Die Einwohner von Saloniki verliehen nach dem Erdbeben im hellen Scharen die Stadt. Sie stürmten in panischem Schrecken jedes Beförderungsmittel, das sich ihnen bot, und suchten zu Lande, zu Wasser und auf dem Luftwege nach Athen zu gelangen. Auch in Sparta (Peloponnes) ist die Bevölkerung durch mehrere Erdstöße erschreckt worden. Allerdings waren sie nur leichter Natur.
Die schweren Unwetter an der französischen Riviera.
Die schweren Unwetter, die in den letzten Tagen und Nächten an ter französischen Riviera ge- wütet haben, haben in einigen Ortschaften unermeßlichen Schaden angevichtet. Arn schlimmsten wurde Saint Maxime heimgesucht, wo über 10 0 0 Personen ihre Häuser verlassen mußten und o b • dacklos geworden sind. Die große Landstraße, die durch die Ortschaft fuhrt, wurde an mehreren Stellen oon den Wassermassen zerstört und für den Verkehr unbrauchbar gemacht. Die Eisenbahnbrücke wurde fortgeschwemmt und die Strandpromenade völlig vernichtet. Der kleine Fluß Preconil trat aus den Ufern und überschwemmte die niedrig gelegenen Stadtviertel, wo das Wasser bis zu zwei Metern hoch in den Häusern stand. Unter dem Druck des Wassers wurden Türen und Fenster zertrümmert. Die Bevölkerung konnte sich nur notdürftig bekleidet in Sicherheit bringen, intern sie ihre Zuflucht auf die Dächer der Häu- s e r nahm. Die Weinernte ist vollkommen vernichtet. In Juan les Pins stand das Wasser in verschiedenen Stadtteilen zwei Meter hoch. Das ab fließende Regenwasser, das sich unaufhörlich ins Meer walzte, hat sich über einen Kilometer breit <n eine graue schlammige Masse verwandelt. In verschiedenen Ortschaften ist ter Verkehr vollkommen unterbrochen.
Turbinenstörung
auf dem italienischen Riefendampfer „Rex“.
Der neue italienische 5 1000-T onn e n - Dampfer »Rex" traf am Freitag im Hafen von Gibraltar mit dreistündiger Verspätung ein. Er hatte eine Störung an den Turbinen erlitten. Gegenwärttg sind Dockarbeiter an Bord beschäftigt. Gerüchte sind im Umlauf, dah die Reparatur mehrere Tage in Anspruch nehmen dürfte. Der Eindruck, daß der Schaden ernster Ratur ist. wird durch das offizielle Stillschweigen noch verstärkt. An Bord des Riesenschiffes, von dem die Erbauer gehofft haben.
angenehm, so als betrogener Ehemann vor den Leuten dazuftehen, obwohl man genau weiß, daß das einstige Liebespaar sich gar nicht wieder gesehen hat. Urteile nicht zu hart über mich, lieber Bruder, ich war der Ansicht, daß im Kriege und in der Liebe jede List erlaubt ist. Vielleicht ist es eine Genugtuung für jenen Mann, der mir bei der reizenden Renate stets im Wege stand, da-ß er mir immer im Wege blieb, und daß es mir nie gelungen ist, meine Frau über ihn hinweg zu mir gelangen zu lassen. Ich bin stets der arme Teufel gewesen, dem alles nichts half. Ware Renate gesund geworden, weih Gott, ich hätte es nicht mehr getragen und eines Tages gebeichtet und sie freigegeben für jenen Mann, den ich gehaßt habe, weil er ihr Herz besah. So begriff ich auch, daß Schwester Elisabeth dieses kleine, bildhübsche Mädchen haßte, die so lächelnd von Dir Besitz nahm und alle letzten Hoffnungen dieser alternden Iungfernseele über den Haufen warf. Es ist alles menschlich, lieber Bruder, und die Liebe ist die tollste Hexe in der Welt. Da werden Weiber zu Hyänen wie Schwester Elisabeth, und Männer zu Schuften wie ich. Einmal im Leben macht sie jeden Menschen verrückt. Beurteile mich allo etwas milder, wenn Du kannst. Schreibe mir über das Befinden der jungen Dame, und wenn du kannst, komm einmal wieder zu mir. Gerti sehnt sich so nach ihrem Onkel Heinrich; sie fragt auch oft nach der Tante Eva. Kann > ich der Dame also irgendwelche Genugtuung geben, so bin ich bereit.
Dein vereinsamter Bruder Start“ Die Antwort des Doktors war kürzer.
„Ich bin weder. Dein Priester noch Dein Richter, lieber Bruder. Das sind nur die. welche durch deinen damaligen Betrug so unglücklich wurden, Renate und Klaus Behrens, ein ganz famoser, anständiger Kerl übrigens, der mir in der Seele leid tut.
An Eva-Maries Unglück bist Du ja nur indirekt schuld. Die Hauptschuld trägt dieses Fräulein Guntermann, die vorzüglich geschulte Pflegerin, der das Beste fehlte, was eine Frau haben muh, das Herz! Und wenn Du Wert darauf legst, daß ich Dich wieder einmal besuche, so sorge dafür, daß dieses Weib nicht mehr in Deinem Hause ist- ®&€C_ hU)tt lnich mein Weg nicht über Deine Schwelle. Fräulein von Diemen geht es ein wenig besser, aber wir sind noch nicht über den Berg. Grüße Dein» kleine Tochter, und sage chr auch viele Gruße von Fräulein von Diemen.
Dein Bruder Heinrich.
(Fortsetzung folgt)
dah es bei seiner ersten Fahrt einen neu eil atlantischen Rekord aufstellen würde, befinden sich u. a. der amerikanische Botschafter in Rom und der vormalige Reuyorker Bürgermeister Walker. Wie jetzt bekannt wird, sind 80 v. H. der elektrischen Antriebseinrichtungen des Dampfers, der wegen Dynamoschaden im Hafen von Gibraltar liegt außer Betrieb. Die Wiederherstellungsarbeiten werden Tag und Rächt mit größter Eile durchgeführt. Trotzdem glaubt man nicht dah der Dampfer vor Ablauf mehrerer Tage seine Fahrt nach Amerika fortfetzen kann, da das Eintreffen von Ersatzteilen aus Italien abgewartet wird. Die Enttäuschung unter den 2000 Fahrgästen ist außerordentlich. Für den an Bord befindlichen ehemaligen Oberbürgermeister von Aeuyork, Walker, ist es wichtig, am 6. Oktober wieder in Reuhork zu fein, um sich an dem Wahlkampf um den Oberbürgermeisterposten beteiligen zu können.
Schiffbruch eines amerikanischen Frachtdampfers. —
33 Personen ertrunken.
In der Nähe einer Insel vor der Küste von Alaska fft am Freitag der amerikanische Frachtdampfer „Nevada" auf Grund gelaufen. Durch den außerordentlich starken Seegang brach das Schiff in drei Stücke auseinander. Der zu Hilfe eilende Dampfer „President Madison“ fischte drei Ueberlebende in vollständig erschöpftem Zustande auf. Man befürchtet dah ter aus 33 Personen bestehende Rest der Besatzung ertrunken ist.
Grohfeuer in Spanien.
Die Feuerwehr wurde am Freitag nach der Chemischen- und Kerzenfabrik von A. Motard & Co. AG. in Spandau-Stemfeld gerufen, wo ein Großfeuer entstanden toax Auf fünfmaligen Alarm rückte sofort der Oberbranddirektor Genpd mit den Feuerwachen auS Charlottenburg, Spandau, S:emensstadt usw., insgesamt elf Zugen, nach der Brandstelle. Dort hatten die Flammen, genährt durch Stearin, Paraffin, Oele usw. eine solche Ausdehnung erlangt, daß von allen Seiten vorgegangen werden muhte. Erst nach längerer Löschtätigkeit, -. T. mit Schaumlöschern, gelang es. das Feuer einzukreisen, fo daß die größte Gefahr überwunden zu sein scheint Der Brand ist aus bisher ungeklärter Ursache in einem vierstöckigen 3X20 Meter messenden Fachwerk gebaute entstanden, in dem große Kessel zum Erhitzen von Oel ausgestellt waren. Da das flüssige Oel sofort in ungeheurer Flamme brannte und mehrere ter „ Kessel explodierten, konnte sich die Feuerwehr lediglich darauf beschränken, dieRach- bargebäute zu retten. Das Kesselhaus ist vollständig verloren und die Feuerwehr ist zur Zeit damit beschäftigt das brennende Oel mit Hilfe von Schaumlöschern zu löschen. Personen wurden glücklicherweise bei dem Brande nicht verletzt
Ein sechsjähriger Knabe als Lebensretter.
Das Preußische Staatsministerium hat bestimmt, daß die Verleihung der Rettungsmedaille am Bande an den Schüler Walter Helm- berg in Süderdeich (Kreis Kehdingen) solange ausgesetzt wird, bis er das 18. Lebensjahr vollendet haben wird. Vorläufig ist der Schüler, ter im Alter von sechs Iahren am 18. März unter erheblicher Lebensgefahr seinen Spielgefährten vom Tode des Ertrinkens gerettet hat, für seine Rettungstat im Rainen des preußischen Staatsministeriums belobt worden.
Raubüberfall auf einen Geldtransport. —
39 000 Mark erbeutet.
*Zwei Kassenboten der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt mit einem Geldtransportwagen wurden in Schwarzenberg i. S. von zwei Personen, die aus einem Auto sprangen, mit vorgehaltenen Revolvern angehalten. Während die beiden mit Masken versehenen Räuber die Kaffenboten in Schach hielten, kam noch ein dritter unmaskierter Mann mit Hammer und Meißel an den Geldwagen, schlug das Schloß auf und raubte die beiden Geldsäcke die insgesamt 39000 Mark enthielten. Die Räuber sind unerkannt mit dem Gelte entkommen.
los, unaufhaltsam und ohne das Gesicht zu verziehen.
Dr. Andresen stand auf und trat an ihren Stuhl, sanft drückte er ihren Kops an seine Brust und streichelte sie. „Weinen Sie nur, Eva-Marie, weinen Sie nur recht von Herzen, das tut Ihnen gut."
Lange stand er so und streichelte sie wie mit Mutterhänden. Mit einem Male war das Mädchen still, nahm seine Hand von ihrer Stirn und legte ihren kleinen, zuckenden Mund darauf.
„Doktor, lieber guter Doktor, was wäre aus mir geworden ohne Sie. Wenn ich doch wüßte, wie ich Ihnen danken soll.“
„Später, Eva-Marie, später“, lächelte Andresen. „Dann sage ich es."
„Ich weiß noch nicht, was Sie alles für mich getan haben, aber ich fühle, daß es viel ist. Viel mehr, als ich heute fassen kann. Ich mag aber nicht mehr denken, ich möchte schlafen.“
„Schlafen Sie nur, kleines Mädchen."
Da lächelte sie ganz schelmisch. „Kleines Mädchen, großer Bub."
Er nickte ihr glücklich zu und rief dann Schwester Margot, sie solle Fräulein von Diemen, zu Bett bringen. ,
„2lch, Herr Doktor!" Schwester Margots häßliches Gesicht verschönte eine warme, leuchtende Freute. „Sie kann reden, sie kann lächeln, fragen, weinen — so fängt es immer an.“
„Was fängt so an?", fragte er interessiert. „Das Gesundwerten, Herr Doktor.'
27.
„Es ist entsetzlich peinlich für mich", schrieb Karl Andresen an seinen Bruder Heinrich, „daß meine Hausdame, Fräulein ©Untermann, diese greuliche Sache angerichtet hat, und das arme Fräulein von Diemen so unschuldig in freien Verdacht gekommen ist. Ich muh freilich sagen, daß die Hmftänte fo lagen, daß ich selbst an alles glauben mußte. Mir ist die Mitteilung von der Staatsanwaltschaft zugegangen, ebenso ist mir ter beschlagnahmte Brillantrlng zu- gestellt worden, den ich beifolgend Dir übersende, um ihn ter Dame als Eigcnttun zu übergeben. Wie sehr befreundet die beiden Damen gewesen sind, Renate und das junge Mädchen, war mir immer bekannt, öbenfo bitte ich Dich, beifolgende Summe für des Fräuleins Genesung zu verwenden, auch ohne ihr Wissen, wenn es nicht anders geht, es beruhigt mich. Peinlicher als alles ist mir fre Tatsache, daß es nun in jeder Zeitung steht, daß Fräulein von Diemen dadurch in diese Lage gekommen ist, daß sie einen Auftrag meiner Frau an deren Iugendgeliebten, jenen Marineoffizier, zu bestellen hatte. ES ist. nicht
Ungarns neuer Ministerpräsident, General von Görnbös, ter im 46. Lebensjahre steht, wurde als Sohn eines evangelischen Dolksschullehrers ge- boren und trat mit 14 Jahren in die Katettenansialt ein Als Offizier leistete er wahrend tes Krieges Dienst an der Front. Nach einer Derwundung wurde er im Honvedministerlurn verwendet. 3m 3uli 191ö lenkte er mit seiner „Was ist zu tun? betitelten Denkschrift die Aufmerksamkeit der leitenden Kreise auf die drohende Revolution. Nach dem Zusammenbruch bemühte er sich um tue D r g a n i - ation der gegen r ev o1u t i o n a r e n B e - trebungen und wurde wahrend der bolfchewi- tischen Herrschaft Staatssekretär für Kriegswesen im Szegeder gegenrevolutionären Kabinett. Nachdem dann in Ungarn die Gegenrevolution die Oberhand gewonnen hatte, wurde er 1920 in die Nationalversammlung gewählt, wo er insbesondere agrarpolitische Forderungen vertrat. Bei der Verhinderung der Rückkehr König Karls fiel ihm eine führende Rolle zu. 1923 verließ er die Bethlensche Einheitspartei, weil er mit den Ergebnissen ter Bodenreform nicht einverstanden mar. Er gründete damals die sogenannte rasse n s ch ü tz l e r i s ch e Partei mit einem Programm, in -em abermals die agrarischen F o r- berungen eine große Rolle spielten. Nach fünfjähriger Opposition verband er seine Partei mit der Einheitspartei, um einen Zusammenschluß der nationalen Kräfte herbeizuführen. Er wurde zunächst Staatssekretär und im Oktober 1928 Honvedminister. Während seiner dreijährigen Ministerschaft hielt er sich abseits der Parteipolitik und widmete sich ganz der Weiterentwicklung ter ungarischen Wehrmacht.
Aus aller Wett.
Bombenanschlag auf das Belgrader Offijierstafino. — Ein Toter, mehrere Verletzte.
Am Freitagmorgen wurde auf das Offizierskasino in Belgrad ein Bombenanschlag verübt. Die Bombe oder Höllenmaschine — die nähere Untersuchung ist noch im Gange —, explodierte vor dem Eingangstor des von mehreren Posten ständig be- wachten Gebäudes. Das Eingangstor wurde zer- trümmert. Durch den Luftdruck wurden in ter Straßenfront des Kasinos auch mehrere Fenster- scheiben eingedrückt. Eine Frau, die in der Nähe der Explosionsstelle vorüberging, wurde ,s ch w e r, mehrere andere Passanten wurden leicht verletzt. Das Osfizierskasino liegt knapp neben ter neuen


