nr. 251 KvühauSsabe
182. Jahrgang
Samstag, 1. Moder 1932
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SietzenerAnzeiger
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Berlin-Moskau.
Don unserem D-Korrespondenten.
Moskau. 27. Sept. 1932.
Der nach unserer Ansicht sehr optimistische Bericht redet einem besseren Verhältnis zu Rußland das Wort in Gedankengängen, die bei der gegenwärtigen außenpolitischen Lage Deutschlands zumindest Beachtung verdienen.
Wenn man hier in Moskau deutsche Zeitungen liest, so ist man geradezu bestürzt darüber, wie wenig man Asien in seiner Gesamtheit beachtet und als politischen Zukunstsfaktor in Rechnung stellt. Es gibt ein sehr treffendes chinesisches Sprichwort, das da lautet: „Gewinne den Rachbarn deines Rachbarn dir zum Freundei" Deutschlands Rachbar im Osten ist Polen, und man muß hier in Moskau polnische Zeitungen lesen, um den geradezu infernalischen Haß Polens gegen Deutschland erkennen zu können. Polens Rachbar ist wiederum Rußland, was liegt also näher, als an eine einstige Verbindung Berlin- Moskau zu denken. Während die deutsche Presse fast nur über die kläglichen Vorgänge in Genf berichtet, schließt man offensichtlich in Deutschland gutgläubig oder leichtfertig die Augen vor dem . was im russischen Riesenreiche vor sich geht. Rur ein paar Zahlen, die die ungeheure Lebenskraft des russischen Volkes beweisen: In den 14 Jahren nach dem Kriege hat Rußland trotz Bürgerkrieg, trotz dem Wüten weißer und roter Armeen, trotz mehrfacher Hungersnöte, trotz Freigabe der Schwangerschaftsunterbrechung viele Millionen Menschen zugenommen. Rußland hat heute 100 Millionen Menschen unter 25 Iahren. Es ist eine Ration der Jugend, und diese jugendliche Ration ist militarisiert in einem Maße, den sich Westeuropa gar nicht vorstellen kann.
Bereits im vergangenen Herbst hat die Sowjetunion 2(a) 000 Mann ausgewählter Truppen a n die mandschurische Grenze entsandt. Diese Truppen, in der doppelten Stärke der deutschen Reichswehr, steht seit dieser Zeit kriegsbereit und vollkommen mobilifiert, um jeden Ueberflriff der Japaner auf russisches Gebiet zurückzuweisen. Es sind nicht mehr die Russen von 1905, es steht ganz außer Frage, daß die russische Armee sich heute zweifellos noch besser schlagen würde, wie sie sich im August 1915 gegen die Oesterreicher geschlagen hat. Die Armee umfaßt fast das gesamte Volk. Bereits die Schulkinder erhalten eine militärische Ausbildung, welche die eigentliche spätere Ausbildungszeit erheblich abkurzt. In den großen Städten find alle Arbeiter und Arbeiterinnen in den „Schutzbataillo- H€n" organisiert, oftmals begegnen einem in den Städten lange Züge heimkehrender Fabrikbeleg- fchaften, die zu Schulungszwecken in militärischen Formationen und die Gasmaske vor dem Gesicht, marschieren. Allerdings fällt immer wieder eines auf: der Ernährungszustand der breiten Volksschichten ist ein denkbar schlechter. Allzulange hat die Sowjetunion Lebensmittel ausgeführt, um Maschinen kaufen zu können. Jetzt sind alle Weltmarktpreise abgesunken, und Rußland muß das Mehrfache ausführen, um den Fünfjahresplan durchführen zu können, als es ursprünglich in Rechnung gestellt hatte. Dazu kommt, daß die Ernte nur ein recht mäßiges Ergebnis zeitigen wird. Und erschwert wird die Ernährungslage durch die Tatsache, daß die Bauernschaft in den großen Kollektivbewegungen eben doch nur russische Bauernschaft blieb, das heißt, daß sie zwar ohne böse Absicht, aber praktisch mit um so schlimmerem Erfolg den Fünfjahresplan dadurch sabotierte, indem sie nichts über den eigenen Bedarf hinaus produzierte.
Aber die Sowjetunion ist längst kein marxistisch-doktrinärer Parteistaat niehr. Sie ist heute eine Militär-Diktatur, deren Führung es außerordentlich geschickt versteht, sich der jeweiligen Lage anzupassen. So hat man die Dauern sofort ermächtigt, einen großen Teil ihrer Ernte ohne weiteres für den eigenen Gebrauch sicherzustellen. So hat man ihnen ferner gestattet, alle Tleberschüsse der bäuerlichen Produktion auf den Märkten zu unabhängig von jeder staatlichen Regelung zu bildenden Preisen abzusehen. Gleichzeitig wurde dem kleinen Gewerbe erlaubt, handwerkliche Erzeugnisse unmittelbar beim Bauern gegen Lebensmittel umzutauschen. Das Ergebnis ist zwar der Hohn und Spott der einfluhlosen Linksopposition, immer* hln ist die Augenblicksnot behoben.
Daneben läßt sich selbstverständlich auch durchaus günstiges berichten. Die großen Elektrizitätswerke sind so gut wie vollendet. Ueberall beginnen die neue entstandenen Fabriken mit ihrer Arbeit, die ersten Reibungen sind überwunden, und es ist gar keine Frage, daß Rußland sehr bald wirtschaftlich vollkommen unabhängig sein wird. In Deutschland sollte man Politik auf weite Sicht machen. Dies aber heißt, daß man jetzt schon mit Rußland, dessen Markt zur Zeit der bedeutendste Ausfuhrmarkt für die deutsche Wirtschaft darstellt, die politischen Beziehungen vertieft. Stalin hat in diesen Tagen ausdrücklich erklärt, daß der Kampf gegen das Versailler System auch zu den Aufgaben Rußlands gehöre. Deutschlands Westpolitik ist praktisch gescheitert. Von Moskau her gesehen kann Deutschland durchaus den Kampf gegen den Versailler Zustand Seite an Seite mit Rußland führen.
Deutschland wartet ab.
Oer Reichsaußenminister berichtet über seine Abrüstungsgespräche in Gens. — Bisher kein für Oeuischtand annehmbares Vermittlungsangebot.
Berlin, 30. Sept. (WTB.) Der Reichsauhen- minister berichtete vor der Presse über die Gespräch e, die er in Genf mit verschiedenen Delegationsführern über politische Fragen geführt hat, die an sich nicht auf der Tagesordnung der Bundesversammlung standen. Diese Gespräche bezogen sich natürlich in erster Linie auf die Abrüstung s f r a g e. Der Minister wies darauf hin, daß der Hergang des Kampfes um unsere Gleichberechtigung ja bekannt ist. Solange Aussicht bestand, daß die allgemeine Abrüstung sich nach dem Muster unserer eigenen vollziehen würde, war die Frage unserer Gleichberechtigung nicht akut. Sie wurde akut durch die bekannte Dertagungsresolution vom 23. Iuli, durch die eindeutig klar wurde, daß die anderen Mächte nicht daran dächten, so weitgehende Bindungen ihrer Wehrfreiheit zu übernehmen, wie wir sie tragen. Die Frage, um die es sich für uns handelt, heißt: Welche Anwendung finden die Ergebnisse der Abrüstungskonferenz a u f u n s ? Zur Klärung dieser Frage haben wir Frankreich Verhandlungen angeboten. Die französische Regierung hat aber die von uns vorgeschlagene Derhandlungsform der vertraulichen Vorbesprechung zu Zweien abgelehnt und hat auch unsere klargestellte Frage nicht beantwortet. Sie ist dieser Frage vielmehr ausgewichen und hat uns gleichzeitig des Willens zur Aufrüstung bezichtigt.
Herrn Simon habe ich in Genf meine Meinung über seine Antwortnote auf unser Memorandum vom 29. August nicht verhehlt und ihm klar gesagt, daß wir feine juristische Deduktion nicht anerkennen können. Ich habe ferner ihm und den anderen Vertretern keinen Zweifel darüber gelassen, daß ohne eine einwandfreie 6 larstel- lung der Frage unserer Gleichberechtigung von unserer Wiederbeteiligung an den Arbeiten der Abrüstungskonferenz nicht die Rede sein kann. Die Unterhaltungen mit dem italienischen Vertreter A l o i f i haben gezeigt, daß Italien großes verständ- nisfürunferejoröerungen hat. Herr Henderson bemüht sich in sehr anerkennenswerter Weise darum, eine Verständigung herbeizuführen. Ls ist jedoch kaum anzunehmen, daß er damit (Erfolg haben wird. Ich bin einem Gespräch mH Herrn herriat selbstverständlich nicht aus dem Wege gegangen. Wenn Herr herriot mir etwas zu sagen gehabt hätte, so wußte er, daß ich ihm zur Verfügung stand. In seiner gestrigen Rede in der Völkerbundsoersammlung hat Herr herriot erneut zum Ausdruck gebracht, daß Frankreich diplomatische Verhandlungen ablehnt. Ls liegt nun an den anderen, uns Angebote zu machen. Ltwas Neues haben wir nicht zu sagen. Was wir wollen, ist in unserem Memorandum vom
29. August mit aller Deutlichkeit gesagt.
Inzwischen wird der Versuch gemacht, uns in der Welt anzuschwärzen. In Amerika werden aus französischen Kanälen Enthüllungen über unsere angeblichen Geheimrüstungen veröffentlicht. Man sagt, sie stammten aus dem früher schon von Tardieu und neuerdings von Herriot erwähnten Dossier, mit dessen Veröffentlichung man uns bange zu machen sucht. Mit keinerlei Verdächtigung kann die Lat» fache der erfolgten deutsche en Abrüstung irgendwie in Zweifel gesetzt werden. Mit keinerlei angeblichen Verfehlungen Deutschlands gegen die Entwafsnungsbestimmun- gen von Versailles kann die Tatsache verdeckt werden, daß die allgemeine Abrüstungskonferenz ohne nennenswerte positive Resultat e nach sechsmonatigen Verhandlungen auseinandergegangen ist. Mit nichts kann die Tatsache der einseitigen deutschen Entwaffnung und die Lieberrüstung anderer Staaten wegdiskutiert werden, ebenso wenig die Verpflichtung der anderen Staaten, ihrerseits abzurüsten. Wer mit angeblichen Verfehlungen Deutschlands gegen die Versailler Entwaffnungsbestimmungen operiert, vergiftet die Atmosphäre. Die Haltung der deutschen Regierung in der Gleichberechtigungsfrage kann durch solche Manöver in keiner Weise beeinflußt werden. Wir verlangen im Rahmen der Abmachungen über allgemeine Abrüstung, die die Abrüstungskonserenz treffen soll, die gleiche Freiheit in der Wehrfrage wie die anderen Staaten. Mit der einseitigen Diskriminierung Deutschlands muß es ein Ende haben. Keine deutsche Regierung wird auf das Lebensrecht der deutschen Ration, auf Landesverteidigung und Sicherheit verzichten.
Geringe Aussichten für Hendersons Kompromiß.
Berlin, 30.Sept. (ERB.) Die Genfer Rachrichten über die Hendersonsche Kom- promißformel in der Abrüstungsfrage wer
den in Berliner politischen Kreisen sehr skeptisch beurteilt. Sollte es richtig sein, daß die Formel auch den Vorschlag enthält, T e i l 5 des Versailler Vertrages in revidierter Form in die alllgemeine internationale Abrüstungskonvention aufzunehmen, so läßt sich nur feststellen, daß er vom deutschen Standpunkt aus gar nicht akzeptabel wäre. Die Aussichten einer Verständigung sind übrigens auchdurch biegest- rige Rede Herriots nicht besser geworden. Ihren realpolitischen Hintergrund sieht man in der starken Betonung der allgemeinen Plattform des Völkerbundes, die nach Herriot an die Stelle der früheren Geheimdiplomatie und Einzelbündnisse getreten ist. Lleb- rigens ist es selbstverständlich, daß die Reichsregierung für den Fall eines Scheiterns der Kompromißbemühungen ihreEntschlüsje bereits gefaßt hat, und man kann annehmen, daß den Franzosen davon auch Kenntnis gegeben worden ist.
Auch der Völkerbund soll sparen.
Scharfe Kritik an der Finanzverwaltung des Völkerbundes.
Genf, 30. Sept. (TU.) Im vierten Ausschuß der Dölkerbundsversammlung für die Finanzlage des' Völkerbundes und die Reorganisation
des Völkerbundssekretariats übte am Freitag der Vertreter Deutschlands, Staatssekretär z. D. Frhr. v. Rheinbaben scharfe Kritik an der Finanzgebarung des Völkerbundes. Er forderte weitgehende Einschränkung des Tätigkeitsgebietes, Reorganisation des gesamten Derwaltungsappa- rates, Abbau überflüssiger Beamter und der Beamtengehälter. Der deutsche Vertreter wies ausdrücklich darauf hin, daß er zu der auf der Tagesordnung stehenden Frage der Reubildung der politischen Leitung des Döl- kerbundssekretariats in den weiteren Aussprachen besonders Stellung nehmen werde. Rheinbaben übte scharfe Kritik an der Tätigkeit der Informationsabteilung und wies aus die Erklärung des Vertreters Finnlands hin, daß nach Ansicht vieler Journalisten, die von der Informationsabteilung herausgegebenen Mitteilungen einer Weitergabe nicht wert seien.
Der Vorstoß des deutschen Vertreters hat allgemeine Aufmerksamkeit erregt. Es ist besonders zu begrüßen, daß Rheinbaben auf die Rotwendigkeit der Reorganisation der Informationsabteilung des Völkerbundes hingewiesen hat, die gegenwärtig mit einem Stab von 54 Beamten im wesentlichen lediglich den Propaganda zielen der französischen Kreise dient.
Der GesetzaebmigsaMuß nimm! den Antrag ans Auslosung des Hessischen Landtags an.
Darmstadt, 30. Sept. (WHP.) Der Gesetzgebungsausschuß des Hessischen Landtages befaßte sich zu Beginn seiner heutigen Sitzung mit einer Regierungsvorlage, die ein vorbereitendes Verfahren gegen den kommunistischen Abgeordneten Mauer vorsah. Die Aufhebung der Immunität des Abgeordneten wurde abgelehnt.
Der sozialdemokratische Antrag auf Auslösung des 6. hessischen Landtags wurde mit den Stimmen der Sozialdemokraten und kommuni st en gegen die Stimmen des Zentrums bei Stimmenthaltung der Rational so ziali st en angenommen. Die Rationalsozialisten gaben die Erklärung ab, daß sie sich i h r e e n d g ü l t i g e Stellungnahmen im Plenum vorbehielten, während die beiden Zentrumsverlreter zu erkennen gaben, daß ihre Abstimmung ihre persönliche Meinung fei, da die Fraktion in der ganzen Angelegenheit noch nicht Stellung genommen habe.
Ein nationalsozialistischer Antrag, der schon wiederholt den Ausschuß beschäftigt hat, auf Dienstentlassung des Polizei Hauptmanns Bellos und Bestrafung von Schutzpolizeimannschaften wurde durch die Regierungs
antwort für erledigt erklärt. Die Erklärung wies darauf hin, daß die bis jetzt angestellten Erhebungen keinerlei Anlaß zum Einschreiten gegen die Polizeibeamtenschaft ergeben hätten.
Ein kommunistischer Antrag auf Verbot der S A.- und SS. »Formationen wurde ab - gelehnt. — Ebenso abgelehnt wurde ein kommunistischer Antrag auf Richtdurchführung der Reichsnotverordnung vom 9. August 1932 betr. die Sondergerichte. — Dagegen wurde ein nationalsozialistischer Antrag, der gleichfalls die Aufhebung der Reichsnotverordnung über die Sondergerichte betrifft, angenommen.
Der Ausschuß erledigte dann noch einige Eingaben, u. a. eine Eingabe des Hessischen Volksbundes, Arbeitsausschuß zu Grohen- Linden bei Gießen, betr. die künftige Gliederung der Länder. Diese Eingabe wurde durch die Regierungsantwort für erledig t erklärt. Rach der Antwort der Regierung ist an ein Aufgehen der Provinz Oberhessen in Preußen nicht zu denken.
Der Antrag der Deutschen Volkspartei auf Aenderung des Art. 38 der Hessischen Verfassung wurde zurückgestellt.
Der Kamps um die Ankurbelung der Mrtschast.
Das Wirischastsprogramm -er RSOAP.
Berlin, 30. Sept. (ERB.) In der „Deutschen Wochenschau" veröffentlicht der Wirtschaftsprogrammatiker der RSDAP. Gottfried Feder seine Forderungen. Besonders hervorgehoben werden dabei im einzelnen folgende grundsätzliche Forderungen: Wiederherstellung der Reichshoheit über die Reichsbank, Abkehr von der schematischen Golddeckung, Befreiung der Reichsbank von dem illiquiden Finanzwechsel, Ersah durch Produktionswechsel und Regierungssicherheiten, Verstaatlichung des gesamten Geldverkehrs einschließlich des Giralgeldes, Ausbau des staatlichen Verrrech- nungsverkehrs und Staatsaufsicht über das Bankwesen. Die Arbeitsbeschaffung wird als technische und wirtschaftliche Aufgabe des deutschen nationalen und sozialen Lebens bezeichnet. Scharf werden die Aufgabenkreise abgegrenzt, die in Staatshand zu erhalten und überzuleiten seien (Eisenbahn, Post, Rundfunk, Elektrizitätsversorgung, Kraftstosfversorgung und Geld- und Kreditwesen) von den Ausgaben, die der schöpferischen Initiative der selbstverantwortlichen freien Persönlichkeit im Wirtschaftsleben überlassen bleiben soll. Die Staatsaufträge hätten sich im besonderen zu erstrecken auf Straßenbau, Hochwasserschutz, Wasserkraftnutzung, landwirtschaftliche Bauernsiedlung und Heimstättenbewegung, Ausbau der Landesverteidigung und große Einzelausgaben wie Hansa-Kanal, Wiedergewinnung von Rord- friesland u. a. in. In einem Sofortprogramm für Arbejt werden als zusätzlich
aufzuwendende Mittel genannt: für Strahen- baulen 500 Millionen Mark, für Hochwasserschuh und Staffelflrchbau 500 Millionen Mark, für Siedlungen und Meliorationen 500 Millionen Mark, für Einzelaufgaben 200 Millionen Mark, zusammen also rund 2 Milliarden Mark. Zum Schluß wird ein auskömmlicher Schutz für den schaffenden Menschen gefordert, der der Verlagerung zugunsten der Großbetriebe Einhalt gebieten soll.
Oer Ausstand in der WeißenseSser Schuhindustrie. Die einstweilige Verfügung vom Arbeitsgericht auf-ehoben.
Halle, 30.Sept. (TU.) Das Arbeitsgericht Weißenfels hob die einstweilige Verfügung des Amtsgerichts wieder auf, die es den Gewerkschaften verbot, den Streik der Weißenfelser Schuharbeiter zu führen oder auch nur zu unterstützen. Die Aufhebung ist jedoch nicht aus sachlichen, sondern nur aus formalen Gründen erfolgt. Der Zweigverband Weißenfels im Reichsverband der Deutschen Schuhindustrie, der die einstweilige Verfügung gegen die Gewerkschaften erwirkt hatte, besitzt nach Auffassung des Arbeitsgerichts nicht die Aktivlegitimation hierzu, da er nichtTarifkontrahent ist. Der Streik der Weißenfelser Schuharbeiter, 'bet etwa die Hälfte der Gesamtbelegschaft der Weißenfelser Schuhindustrie erfaßt, wendet sich k«kanntlich gegen die Tarifkürzungen auf Grund der Rotverordnung vom 6. September. Auf die einstweilige Verfügung des Amtsgerichts hin hatten die Arbeitgeber die


