alten
tvuhtsein, eine gute Tat vollbracht zu haben.
Freilich, heimliche Sorgen drückten ihn schon
guten Firmen. o.
Fritz Lohgarten wandte sich wieder ins Zimmer zurück. Er hatte noch dringend zu arbeiten. Heute abend muhte er mit seinen Damen in die Oper. Sic hatten Karten, und zudem sang Heinz Altendorf, der berühmte Sänger, der seit kurzem hier engagiert war. Ihn muhte man doch unbedingt gehört haben. Die ersten beiden Male seines Austretens war man verhindert gelesen. Run aber hatten ihm die Damen keine Ruhe mehr gelassen.
Es klopfte.
Etwas ungehalten über die Storung, oa er jetzt wirklich wieder ernsthaft arbeiten wollte, sagte Lohgarten:
»Ditte?"
Der alte Dureaudiener Reumann erschien.
^Herr Lohgarten, Werkmeister Dolscher möchte mit Herrn Lohgarten sprechen", meldete er.
Lohgarten dachte einen Augenblick nach: dann ^Führen Sie Dolscher herein, lieber ReumannI" „Jawohl, Herr Lohgarten."
Kurz darauf erschien der Werkmeister.
„Ra, Dolscher? Sie wollen mir etwas sagen!? Ditte, sehen Sie sich!"
„Guten Tag, Herr Lohgarten! Ja, wenn Herr Lohgarten ein bihchen Zeit für mich hätten. Es handelt sich nämlich um die Traute Hellbach."
„Hellbach — Hellbach — wer ist denn das?" „Der Hellbach war doch der geschickte Monteur, der bei uns durch die Fahrlässigkeit des Fritzsche ums Leben kam und dessen Frau am Herzschlag verstarb, als man ihr damals, vor drei Jahren, den toten Mann brachte. Run handelt es sich um seine Tochter."
Lohgarten sagte:
„Natürlich weih ich das alles noch. Es war sehr traurig. Ja, um die Tochter handelt es sich? Haben wir damals nicht eine kleine Rente ausgesetzt, solange die Waise noch nicht einundzwanzig Jahre alt ist?"
„Gewiß, Herr Lohgarten! Aber — es handelt sich jetzt um Wichtigeres. Die Kleine ist doch damals zu entfernten Verwandten gekommen. Liederliche Leute. Der Mann trinkt und — und die Frau — na — kurz und gut, es ist dort kein
ta^ü3 jeht hatte man in seinen Werken noch Arbeit genug gehabt sür die Leute. Wenn (wer das drohende Elend der wegfallenden großen Aufträge sich auch bis zu ihm erstreckte?
Furchtbar! _ . _
Run ec wollte nicht schwarz sehen. Sein Kundenkreis bestand Gott sei Dank aus lauter alten
905 W ftnb öen leg
Roman von Gert Rothberg.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)
Nachdruck verboten.
Er st es Kapitel.
Fritz Lohgarten sah durch das Fenster seines Arbeitszimmers hinaus auf die vielen kleinen, schmucken Häuser, deren rote Ziegeldächer von der Herbstsonne warm beschienen wurden.
Die Arbeiterhäuser!
Diese kleinen Schmuckkästen, die er ihnen ge- schasfen, nachdem sie jahrelang in dumpfen, modernden Stuben zugebracht!
Jetzt hatten sie Luft und Sonne, schone wenn auch kleine, saubere Zimmer, und ihre Kinder tummelten sich in den Gärten.
War es wirklich so schwer gewesen auch ein- mol darüber nachzudenken, daß auch der Arme Sonne und Licht und Lebensfreude zu beanspruchen hat? , . n ,
Unb wie zufrieden sie nun waren, seine Leute! In ihre Politischen Ansichten redete er ihnen nicht hinein: er verlangte nur, daß sie sich von Aufruhr und Radau auf den Straßen fernhielten. Sie taten es! Sie respektierten seinen Willen. Vielleicht hatten sie auch selber keine Lust dazu. Genug — es war Frieden, älnd er freute sich, wenn ihm diese oder jene der Frauen sagte, nun seien sie alle ganz gesund geworden, hier in der sonnigen, freien Umgebung. _
Dabei waren die Unkosten für diese Häuschen nicht einmal allzu groß für ihn gewesen. Das ganze große Gelände hatte brach gelegen. Eigent- lich hatte man nie so recht gewußt, was man damit anfangen sollte. Run hatte es noch seinen Zweck gefunden. Und er verlangte eine ganz nieö- rige Miete. Wer es wollte, der konnte das Häuschen auch ganz für sich erwerben. Und es «ab tatsächlich ältere Leute, die ihre Sparpfennige dazu verwandten, das Haus abzuzahlen. Dann' gehörte es ihnen! Und etwas Eigenes, das war bei manchen ein Lebenswunsch gewesen.
Wie die bunten Herbstblumen leuchteten! Astern Georginen, blauer Fedl und rosa Zust. Dabei 'zogen die Leute noch eine Menge Obst und sonstiges Rühliches für ihre Küche.
Fabelhaft, was so ein Menschenkind mit Fleiß und gutem Willen aus so einem Stück Garten herausholte! Er, Lohgarten, bewunderte die Leute heimlich immer wieder aufs neue.
Run, er freute sich jedenfalls immer, wenn er da binunterfab. denn er hatte das frohe De-
guter Aufenthalt für die Kleine. Ihre Eltern waren ordentliche Menschen, und da dachte -ch nun, wenn ich das Mädelchen zu mir nehmen dürste. Wir haben keine Kinder und — und meine gute Frau hat sich immer so was gewünscht. Wir würden ihr die Rente zur Ausstattung sparen, keinen Pfennig würden wir davon anrühren. Wir brauchen es nicht. Rur das Mädelchen hätten wir gern. Dei uns wäre sie in guten Händen."
„Daran ist nicht zu zweifeln, mein lieber Dolscher. Rur was ich bei der ganzes Geschichte tun soll, ist mir noch nicht klar..."
„Der Mann, wo das Mädel untergebracht ist, trinkt. Er ist ihr Vormund. Diese Vormundschaft muh ihm weggenommen werden. Irgendein vornehmer, anständiger Mann in geordneten Verhältnissen muh diese Vormundschaft übernehmen, dann wird das Gericht ohne weiteres einverstanden sein mit allem,“ sagte der alte Mann entschlossen.
„Ach so! Ich verstehe! Aber Dolscher, ich habe so schon genug za tun. Ich kann mich wirklich nicht noch mit kleinen Kindern befassen."
Jetzt lächelte Werkmeister Dolscher.
„Ach nein, Herr Lohgarten, die Kleine ist doch schon zwölf Jahre alt."
„Ra, dann um so besser. Aber ich weih wirklich nicht, was hat man denn da so alles zu tun als Vormund?"
„Richt allzuviel, Herr Lohgarten. Eie brauchten dann nur darüber zu wachen, daß es die Kleine gut bei uns hat, daß wir sie zu einem tüchtigen Menschenkind erziehen. Ra, und wenn sie später mal heiratet, dann müssen Sie Ihre Einwilligung dazu geben, wenn sie noch nicht mündig fein sollte. Und ab und zu sind bei Gericht einige Fragen zu beantworten — sonst wüßte ich nichts weiter."
„Ich bin einverstanden! Wenn es sich darum handelt, ein junges Menschenkind aus irgendeinem Sumpf zu retten, bin ich immer dabei. Also tun Sie mal die nötigen Schritte, Dolscher, und verständigen Sie mich, wenn ich in Aktion zu treten habe."
„Vielen Dank, Herr Lohgarten — vielen Dank! Der Kielven, der Trunkenbold, wird die Kleine nicht herausgeben, bevor er nicht vom Gericht dazu gezwungen wird. Ich werde also gleich einmal zu Kielven gehen. — Guten Tag, Herr Lohgarten!"
„Guten Tag, Dolscher — und grüßen Sie mir Ihre Frau!"
„Dielen Dank, Herr Lohgarten — vielen Dank!"
Dolscher war längst gegangen, unb der junge Chef der Lohgarten-Werke sah noch immer nachdenklich vor seinem Arbeitstisch.
„Aber Fritz, du kommst recht spät!? Run werden wir uns beeilen müssen, wenn wir die Vorstellung nicht stören wollen," sagte Frau Lohgarten etwas ungehalten, obgleich sie sich bemühte, ein freundliches Gesicht zu machen.
Fritz Lohgarten lächelte sorglos.
„Ach nee — zu spät? Kaum! älnd ich liebe es auch nicht, wenn man schon eine halbe Stunde vorher in der Loge Parade sitzt." '
Das war ein wunder Punkt für die Damen, denn sie setzten sich sehr gern geraume Zeit vor der Vorstellung in ihre Loge und musterten und liehen sich sehr gern mustern, denn dank der Freigebigkeit des Stiefsohns und Stiefbruders konnten sie immer sehr elegante Toiletten zeigen.
Hilma, eine schöne, aber doch schon ein bißchen verblühte Drünette, lachte hell auf.
.Wozu streiten? Jeder tut, was ihm gefällt. Mama und ich sitzen nun einmal gern vorher dorr. Es ist auch zu reizend, alles in Ruhe betrachten au können. Da du der Herr bist, muht du eben deine eigenen Wünsche in dieser Teziehung hintanstellen und uns begleiten,“ sagte sie.
Früher mochte ihr der Echelmenton gut zu Gesicht gestanden haben: aber jetzt war er dach nicht mehr so recht angebracht. Wenigstens meinte Fritz Lohgarten das im stillen. Da er Zänkereien nicht liebte, am wenigsten in feinem Heim, so unterliefe er jedoch jede Bemerkung und sagte nur launig:
„Ra, ich denke, dah ihr eurer Leidenschaft schon noch frönen könnt. Es ist wirklich noch nicht allzu spät, und die gute Mama hat ein bifechen übertrieben."
Er lachte gutmütig und griff dann nach dem Frohen weißen Fuchs, um ihn Hilma um die weihen Schultern zu legen.
„Gar nicht ein bißchen geschickt," tadelte sie ihn. „Ich muh doch erst den Abendmantel haben. Dort liegt er."
Ein Gebilde von buntem, geprehtem Samt und vielen Spitzen war dieses Kleidungsstück, das er jetzt aus nahm und ihr umhing. Sie waren alle recht guter Laune jetzt, und Mutter und Tochter wechselten einen zufriedenen Dlick. Er schien sich ihren Wünschen gegenüber nicht mehr so ablehnend zu verhalten, der blonde, hübsche Kerl. Der noch dazu so reich war.
Es wäre ja eine Sünde gewesen, ihn irgenb# einer anderen zu überlassen, die dann gewiß dafür gesorgt haben würde, dah Stiefmutter und Stiefschwester des Hausherrn aus dem Hause kamen. Mit einer knappen Rente aufs Dergessenen- teil gesetzt.
Das durfte nicht fein. Riemals durste dasein.
(Fortsetzung folgt.)
Kaffee Hag allerfeinster Bohnenkaffee unschädlich
Berta Möller
Staat!.geprüfte Musiklehrerin, erteilt nach moderner, erprobter Methode Klavierunterricht
Theorie u. Gehörbildung. Honorar zeitgemäß. Näh. Ludwigstraße 70 I.
05667
Zementla Portland
ganz erstklassige Qualität, zu ermäßigten, gam# billigen Frei M76D «en, weit unter Synflikat-Preis
Muburfi-L. Dr.MflllersPritallehraDslallen Schnlou.Schülerheimi.ges. Waldlage.Indiv. Erziehungu.SchulungVI-OI.Prüfungslos. Übergang a.3hess.öff.Lehranst, dadurch risikofreieOII-Rel!eu.Abitnr.Daneben:alle Handelsschulfächer f. kaufm. u. gewerbL Berufe.BesteEmpf.Prosp.u.Erfolgverz.fr.
Herbst-Stoffe
Stoffspezialhaus
Am Sonntag ist das Geschäft geöffnet
6909 A
für Kleider, Mäntel, Blusen, Komplets usw. kaufen Sie am vorteilhaftesten in meinem
Dadurch, daß ich nur Stoffe führe, bin ich in der Lage, eine unübertreffliche, große Auswahl zu bieten. — Und noch etwas sehr wesentliches: Ich habe gleich zu Beginn der Saison die denkbar niedrigsten Preise!
LBERNARD
Plockstr. 16 Gießen Plockstr. 16
C. Rübsamen Fernsprecher 3659
Kanimann »dl WW
Imit 10 000 Mark an gesundem ren- ■ tlwlen Unternehmen. Suchender ist ■ lauginbrigcr Reisender. Schriftliche I Angebote unt. 05661 a. d. Gieß. Anz. ■
3k Siebener Messe
ist
Stand 2<3d
mit den bekannten
Ravnrev Spitze«
wieder eingetroffen. Was
Stand 2C<3
bietet, übertrifft alles bis jetzt dagewesene
Stand <2CO
bringt große Auswahl, nur prima Qualitäten zu den denkbar billigsten Preisen Wer wirklich gute
Bavnrev Spitze«
billig kaufen will, kommt zu
Stand 200
Derselbe befindet sich Oswaldsgarten— Kirchstraße und ist erkenntlich an der Aushangfahne
Jeder Käufer, der dieses Inserat mitbringt, erhält nochmals einen Rabatt von 5 Prozent. Der weiteste Weg lohnt.
Schuhsohlen! la Meder
Herren-Sohlen.................2.20
Tamen-Sohlcn.................1.60
Herren-Absätze Gummi ob. Leder 0.90
Damen-Absätze Gummi ob. Leber 0.60
SdwhmadiBrei SctimnlM
Telephon 2733 Gießen Friedrichstr. 5
iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiD
EINGESTELLT- und schon getrennt! Sie brauchen keinen Finger zu rühren t Der TELEFUNKEN 343 stellt sich selber mit dem Selbst-Trenner trennscharf auf den Sender ein, auf den Sie den Zeiger der Auto-Skala drehen.
L v> v>
Btl
TELE FUN KEN
Er kostet einschl. Röhren von RM 248.— an aufwärts I
Der TELEFUNKEN 343 ist ein Dreikreis- Vier- Röhren - Empfänger mit Selbst-Trenner und dreifachem Störungsschutz. Mit oder ohne eingebauten Lautsprecher.
August Ruhl jr., Plockstraße 12 Carl Mecke, Schulstraße 5 6889v
A.Bergen
Schneider- Meisterin
Gießen • Löberstraße 7
Anfertigung sämtlicher eleganten Damen-Kleidung oseos Garantie für tadellosen Sitz und Verarbeitung!
Gelegenheitskauf
Horch-8-lnnensteuer-limousine 4-5sitzig, fabrikneu, noch nicht zugelassen, wegen geschäftlicher Umstellung billigst abzugeben. 6efl. schriftl. Anfragen unter 69300 an den Gießener Anzeiger erbeten
Das Frankfurter Spezialhaus für Mäntel, Kostüme u. Kleider
Aparte Neuheiten zu zeitgemäßen Preisen finden Sie bei uns in unübertroffener Auswahl
Hauptpreislagen: 19.- 29.- 39.- 49.- 58.- 69.- 78.- 89.- usw.
Wagener & Schlöte!
Frankfurt a. M., Goeft«tr«^e 9—11


