Ausgabe 
1.10.1932 Erstes Blatt
 
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Oie Landwirtschaft an Hindenburgs Geburtstag.

(Glückwunsch

des Teulschen Landwirischaftsrats.

Dr. h.c. Bxandes. Präsident des Deutschen Landwirtschastsrats, hat an den Reichspräsiden­ten folgendes Glückwunschtelegramm gerichtet'

Unserem verehrten Herrn Reichspräsidenten und Generalfeldmarschall v. Hindenburg entbietet die deutsche Landwirtschaft zu seinem 65 Geburts­tag die ehrfurchtsvoll st en Glück­wünsche. Wissen wir doch, daß d a s W o h I des deutschen Bauern bei ihm nicht nur Sache des Verstandes, sondern des Herzens ist. Haben wir doch oft genug erfahren, mit wie bangen Sorgen er die Geschicke der deutschen Landwirtschaft verfolgt hat und wie sein un­ablässiges und unbeirrbares Stre­ben auf Besserung Server zweifelten Lage gerichtet war. in die die deutsche Landwirtschaft gekommen ist. Mögen manch­mal Unterschiede in den Anschauungen über Art, Methode und Mittel zur Abhilfe bestanden haben, in den Grundanschauungen des Lebens und den Sruidtendenzen einer christ­lichen, deutschen und konservativen Staatsführung, in der es ohne den Heimat­treuen Bauern nicht geht, sind wir immer mit ihm einig gewesen. Möge Gott der Herr, der ihn im Leben so sichtbarlich gesegnet hat. der ihn von Königgräh über Sedan und Tannenberg bis Aum Amt des Reichspräsidenten als ruhenden Pol in der Flucht der Erscheinungen des heutigen hastenden Lebens gesührt hat, ihm vergönnen, daß er noch den Beginn eines, wenn auch mühevollen, so doch sichtbaren und klaren Wiederaufstiegs seines geliebten deutschen Vater­landes erleben möge! Gott schütze den Herrn Reichspräsidenten!

NGOAp. und Außenpolitik.

(tzöring empfängt die -lusiandcprefsc.

München, 30. Sept. (TU.) DieRSK." bringt folgende, aus Berlin datierte Meldung: Reichstagspräsident Göring empfing am Don­nerstag um 12 Uhr eine Anzahl aus­ländischer Pressetorrespondenten. Rach kurzem Hinweis auf die E r g e b n i s s e d e s Reichstags -Untersuchungsausschus- s e s und nach Richtigstellung der auch im Aus­land von gewissen deutschen Blättern verbreiteten Dehauptunaen, wonach die RSDAP. nunmehr vorhabe, bei den kommenden Wahlen klassen­kämpferische Propaganda zu treiben, streifte er drei Hauptfragen der gegenwärtigen deutschen Außenpolitik: die Schuldfrage, die Rü­stungsfrage und die Frage der deutschen Sicherheit. Diese Forderungen seien älte­stes politisches Gedankengut der RSDAP. Es sei daher schon aus diesem Grunde eine unsinnige Behauptung, daß die RSDAP. bei der Verfechtung dieser Belange der Regie­rung Papen in den Rücken falle, wie dies von gewissen Stellen aus insinuiert werde. Die RSDAP. stehe hier selbstverständlich h i n t e r j e- der Regierung, soweit sie diese Punkte ver­fechte. Daß nur die RSDAP. und ihr Führer imstande feien, Deutschland auch erfolgreich nach außenhin zu vertreten, sei eine Tatsache für sich. Die kom­mende Entwicklung werde die nationalsozialistische Einstellung gegen Papen in nicht allzulanger Zeit rechtfertigen.

Oer Gauparteiiag der NGOAP. in Wien.

Schwere Zusammenstöße. Handgemenge im Gemcinderat.

Wien, 30. Sept. (SU.) 3m Zusammenhang mit dem nationalsozialistischen Gau­parteitag in Wien kam es am Freitagnach­mittag verschiedentlich zu Zusammenstößen, von denen einer gegen 17 Uhr in der Gegend des Braunen Hauses einen ernsten Ver­lauf nahm. Angeblich ist er durch Schüsse aus dein sozialdemokratischen Verbandsheim einge­leitet worden. 12 SA. - und SS. - Leute wurden schwer verletzt, davon soll einer einen Bauch-, einer einen Lungenschuß und ein dritter einen Stich in den Unterleib erhalten haben. Als Protest gegen diese Vorfälle verlieh die nationalsozialistische Fraktion geschlossen die gerade im Gang befindliche Wie ner Ge- meinderatssihung. Rach nationalsozia­listischer Darstellung wurden die letzten drei oder vier nationalsozialistischen Abgeordneten von so- Aialdemokratischen Gemeinderäten mit schweren Tintenfässern, Schubladen, Aschenbechern usw. beworfen, worauf die ganze Fraktion in den Sitzungssaal zurückkebrte, um ihre Partei- genossen zu schützen. Es entspann sich ein wil­des Handgemenge, bei dem alle Mit­glieder der Rationalsozialisten mehr oder we­niger schwer verletzt wurden. Der Gauleiter Frauenfeld und der Gemeinderat Professor S u ch e n w i r t muhten ins Sophien-Hospital ge­bracht werden. Auch die anderen Mitglieder der Fraktion muhten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Nach dem Bericht der Polizei sind die Zusammenstöße vor dem sozialdemokratischen Ver- bandsheim darauf zurückzuführen, dah vier Na- tionalsozialisten ti# n politischen Geg­nern beschossen niirben. Daraufhin eilten mehrere hundert Na tiornnsozia listen in die Königs- eckgasse und versuchten, in das Heim einzudring'en, aus dem zwei Revolverschüsse fielen. Die Schützen sind als Sozialdemokraten sestgestellt wor­den. Sowohl das sozialdemokratische Berbandsheim als auch das Hitlerhaus wurden auf Grund von Anzeigen, die bei der Polizei erstattet worden waren, durchsucht. Die Durchsuchungen verliefen jedoch ergebnislos. Insgesamt wurden 57 Personen wegen öffentlicher Gewalttätigkeit und schwerer Körperverletzung z w a n g s g e st e l l t. Irgendwelche Berbotsmahnahmen sind von der Polizei vorläufig nicht geplant

Nach der Saalschlacht im Wiener Gemeinderat und nach dem Auszug der Nationalsozialisten wurde bic Stfeung unter b rodjen. Nach Wiederauf- ttobmc stellten die Christlich-Sozialen den Antrag. d,e Derhandlungen mit Rücksicht auf die Vorfälle u b e r h a u p t a b z u d r e ch e n. Der Antrag wurde ledocy durch die 'Sozialdemokraten n i e d e r g e . sllrnmt, worauf auch die Christlich.So­zialen den Saal verliehen. Die Sozial- dcmokraten wickelten dann die Tagesordnung n l lei n ab. °

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Aus der Provinzialhauptstadt

Freiherr v. Neurath wieder in Berlin.

Nach einer Aufstellung des Allgemeinen Gewerk­schaftsbundes betrug d i e Zahl der Arbeits­losen in den Bereinigten Staaten Ende August 11,5 Millionen.

Reichsaußenminister von Neurath (Mitte) wird bei seiner Rückkehr aus Genf in Berlin von den Vertretern des Auswärtigen Amts begrüht.

Geheimrat Louis Hagen gestorben.

Köln. 1. Oft (WTB. Funkspruch.) Geheim­rat Dr. h. c. Louis Hagen ist heute 7 Uhr im 78. Lebensjahre verschieden. Ser Verstorbene war seit 1873 Mitinhaber des von seinem Großvater gegründeten Kölner Bankhauses A. Levy. Er war Mitschöpfer des Generalkartells der Sprengstosf- und Pulverindustrie und eine Reihe weiterer Fu­sionen, die die Bereinigung der Rohstoff-Förde­rung und -Verarbeitung mit der Weiterverarbei­tung und Verfeinerung zum Ziele hatten. Er war Vorsitzender des Kölner Industrie- und Handels­tages. während der Besetzung der Rheinlande Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses für das besetzte Gebiet, dessen Interessen er bei den ver­schiedensten Verhandlungen vertreten hat. Als Vertreter der Zentrumspartei war er Mitglied des Preußischen Staatsrats und des Rheinischen Provinziallandtags. Für seine Förderung von Kunst und Wissenschaft wurde er von den Uni* Mrrfitäten Köln und Bonn und der Technischen Hochschule Aachen zum Ehrendoktor promoviert.

sie im nächsten Iahre Blatt wenn sie auch unscheinbar Frostnächte und kalte Tage Wer das nicht kennt, ahnt

der kann sagen, ob oder Blüte bringen, aussehen und viele überdauern werden.

Kleine politische Nachrichten.

Auf Grund der zweiten Verordnung über die Beilegung von Schlichtungsstreitig- keilen öffentlichen Interesses vom 30. September 1932 ist die Geltungsdauer der Verordnung der Reichsregierung über die Befreiung von der Beitragspflicht zur Arbeitslosenver­sicherung bis zum 31. März 1933 verlängert worden.

men leuchteten vor ihrem nahen Tod, die Früchte sind reif und duftschwer, die Blätter sterben. Aber überall sind neue Fruchtknospen. Wer um die Ratur weiß, kennt sie,

Gießen, den 1.Oktober 1932.

Sonnensinken.

Hinter dem Goldnetz, das sich über Herbstbunt­heit spinnt, und dem Tag, der ins Abendrot sinkt, lauern die Rebel- und Frostriesen, die Windsbräute und die wilde Jagd in Sturm und kältendem Regen. Goethe empfand als schön­stes Symbol eine im Meer versinkende Sonne. Aber wenn die Welt nach Blütenfreude und Reifeüberschwang müde geworden ifN leuchtet sie noch einmal auf in Ueberfülle, als sollten sich uns ihre Strahlen tief ins Herz brennen, damit wir in kaltdunklen Tagen noch ein Leuchten in uns haben und ein geruhsames Warten auf die Wiederkehr des Gleichen.

Ein sorgsamer Hausvater pflegt vor seiner letzten und tiefsten Ruhe seine Rachfassenschaft zu ordnen. Was er erwarb und erdacht, wie er mit Hirn und Hand pflügte, er weiß, daß dieses Werk auch nach seinem Erlöschen nicht verloren geht, sondern in seinen Kindern wieder lebendig ist, wenn sie es gleich nicht immer fühlen. Wenn du über den Acker gehst, empfindest du nicht immer, wieviel Jahresarbeit dazu gehörte, um den kargen deutschen Boden fruchtbar zu machen, wieviele Menschengeschlechter sich auf ihm müh­ten; aber wenn du ihn jetzt wieder bestellst, tust du das Gleiche, was sie getan; auch du bist ein lebendiges Glied dieser Kette. Und wenn abends dein Sinnen an einem alten und guten Buch haftet, fühlst du, wie der Geist der Mensch­heit wuchs und wurde durch die stille Arbeit vieler, sich ablösender Geschlechter.

Du standest im Bergland. Die letzte Rose schaukelte sich im Herbstwehen, die bunten Dlu*

Jn Brüssel begannen die Verhandlungen zwi­schen der deutschen Delegation und den zuständigen belgischen Stellen über Einfuhrbeschränkun­gen für landwirtschaftliche Erzeug­nisse. Der deutsche Delegationsführer Ministerial­rat Walther legte den deutschen Standpunkt dar. Die Verhandlungen werden fortgesetzt.

Berlin. 30. Sept. (TU.) Reichsverkehrs. Minister Freiherr v. Eltz-Rubenach ge­währte dem Vertreter des .Berliner Borsen-Eou- riers" ein Interview über die Grunde für ine bedeutende Entwicklung der deutschen Sportluftfahrt, wie sie auf der Deut­schen Luftsportausstellung in Ber­lin jetzt so deutlich zutage tritt. Der Minister bezeichnete diese Entwicklung als das Ergebnis eines elementar durchbrechen^n Do kswittens^ Deutschland habe vor 1918 ausschließlich Mili­tärluftfahrt betrieben. Das Iahr 1918 bedeute die Geburtsst unde der Derkehrsluft* fahrt. Erst von 1925 datieren die ersten An­fänge eines L u f t s p o r t s. Man habe hier also den jüngsten Sportzweig und zugleich die lungfte Form der Luftsahrt vor sich. Die heutige Entwick­lung sei das Ergebnis von nicht mehr als sieben Iahren. In diesen sieben Iahren sei es dazu gekommen, daß die motorgetriebenen Sportflugzeuge der Zahl nach ein ^et- faches der Verkehrsflugzeuge darstellten und daß ein besonderer Beweis für die volks­tümliche Grundlage der Luftfportbegelsterung wir in Deutschland an Segelflugzeugen ein Vielfaches der Zahl von Motorsportflugzeugen hätten.

Der deutsche Luftsport sei durch die Armut des deutschen Volkes und durch die Diskrimi­nierung der über den Versailler Vertrag sogar noch hinausgehenden Luftfahrtbeschränkungen des Pariser Abkommens von 1926 zum motor­losen Flug hingedrängt worden, und es sei ihm vergönnt gewesen, auf diesem Gebiet in der Welt führend dazustehen.

Der Minister gedachte bei dieser Gelegen­heit der schweren Opfer an Blut und Leben, die der Luftsport gerade in diesem Jahre gefordert habe und gab seiner Bewun­derung darüber Ausdruck, dah der Sportgeist

Der Siegeszu« der deutschen SporlMchrt

Deutschlands Kampf um Gleichberechtigung in der Lust.

empfangen.

Die Kündigung der Staatsangestellten in den Ministerien für Handel, Landwirtschaft und Volks­wohlfahrt geschah vorsorglich im Rahmen der Vorbe­reitungen für die Neuorganisation und Vereinfachung der preußischen Zentralinstanz. Es wird dabei mit allem Nachdruck dafür gesorgt werden, daß mög- lichst alle jetzt vorsorglich gekündigten Angestellten weiterhin im preußischen Staats­dienst verwendet werden.

Linser neuer Homan.

Wir beginnen heute, noch vor dem Abschluß des laufenden RomansRenates Vermächtnis", der eiwe begeisterte Ausnahme in unserem Leserkreise gefunden hat, mit der Veröffentlichung eines neuen Werkes, das sich zweifellos eines ebenso starken und ungeteilten Beifalls wird erfreuen dürfen. Erneuern wir doch mit dem Abdruck dieses Ro­mans die Bekanntschaft mit einer überaus belieb­ten Autorin, deren früher bereits im Gießener Anzeiger erschienene WerkeDer Mann, der das Lachen verlernt hat" undIch hole dich, Aenne" wir zu unseren stärksten und nachhal­tigsten Romanerfolgen zählen durften.

Das Glück fand den Weg" von Gert Gothberg

so heißt der neue Roman, die Geschichte zweier einsamen Menschen, die das Schicksal für einan­der bestimmt hat; ein ergreifender Liebes- und Lebensroman, den die geschätzte und vielgelesene Schriftstellerin mit zwingender Eindringlichkeit und unwiderstehlicher Spannung vor uns entrollt.

Wie der ernste, vornehme, innerlich einsame Fa­brikant, der sich heimlich nach Liebe sehnt, und das scheue, kleine Mädel, das den Anfechtungen und Lockungen der großen Welt tapfer widersteht, allen äußeren Widerständen und inneren Hem­mungen zum Trotz endlich zueinander finden das hat Gert Rothberg mit der ihr eigenen phan* tafievollen Crzählergabe überaus lebenswahr und fesselnd geschildert.

So sind wir gewiß, mit unserem heute einsehen­den, neuen Roman einen Haupttreffer gezogen und ein Werk erworben zu haben, mit dem wir bei allen unseren Leserinnen und Lesern ungeteilten Beifall finden werden.

Keine Unterschlagungen beim Städtischen Wohlfahrtsamt. Die Bürgermeisterei Gießen teilt uns mit: Das in der Stadt umlaufende Gerücht, daß beim Städtischen Wohlfahrtsamt Unterschlagungen vorgekommen seien, be­ruht auf Unwahrheit. Der Beamte, auf den sich das Gerücht bezieht, ist seit Anfang Juli l. I. infolge Nervenerkrankung arbeitsunfähig und daher seit dieser Zeit nicht im Dienst. Gr hat mit Geldgeschäften dienstlich überhaupt nichts zu tun. Trotzdem angestellte Untersuchungen und Rachprüfungen haben ergeben, daß überhaupt ir­gendwelche Dienstwidrigkeiten sowohl des erkrank­ten Beamten, wie auch von anderen nicht vorlie­gen. Gegen Urheber und Verbreiter des Gerüchts ist Strafanzeige erhoben worden.

Keine Teilnahme der SA. am 1. Hessischen Grenadiertag.

Don der SA.- Standarte 116 geht uns fol­gen be Erklärung mit der Bitte um Aufnahme zu:

Zum 1. Heisischen Grenadiertag in Gießen ist folgendes festzustellen:

1. Trotzdem keinerlei Aufforderung zur Teilnahme an die Hessische SA. ergangen ist, hatten wir eine Beteiligung an den vorgesehenen Veranstaltungen von uns aus vorgesehen, da wir selbstverständlich jede Kundgebung im Sinne deutscher Wehrhaftig­keit mit allen Kräften unterstützen. Wir haben der zuständigen Kommandostelle der Reichswehr von unserer Ansicht Kenntnis gegeben und an dieser

Oer Giudienausschuß für die europäische Union.

Genf, 30. Sept. (TU.) Der Studienausschuh für die europäische Union trat am Freitagnach­mittag nach eineinhalbjähriger Un­terbrechung vor überfüllten Tribünen un­ter Teilnahme sämtlichereuropä* ischen Staaten sowie der Türkei und Sowjetrußlands unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Motta zu einer Sitzung zusam­men, um den Bericht des Präsidenten der Kon­ferenz von Stresa, George Bonnet, ent­gegenzunehmen. An der Sitzung nahmen Ge­sandter v. Rosenberg, Herriot, Litwinow, der türkische Außenminister Baron Aloisi und die Außenminister der skandinavischen und südost* europäischen Staaten teil. Auf Vorschlag Mottas wurde Herriot einstimmig zum Präsiden­ten des Europaausschusses gewählt. Zu Beginn der Sitzung hielt Motta eine Gedächtnis­rede auf den Gründer und ersten Vorsitzenden dieses Ausschusses, Driand. Herriot dankte und hielt eine kurze Eröffnungsansprache. George Bonnet legte sodann die bekannten Ergebnisse der Konferenz von Stresa dar. Ponnet schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung an den Europaausschuh, die Vorschläge der Kon­ferenz von Stresa in die Tat umzusehen.

Rach diesen Ausführungen vertagte sich der Europaausschuh.

Die Verwaltung des Alexanderwerks in Remscheid teil' mit, daß sie d i e gesamte etwa 7 0 0 Mann ft arte Belegschaft wegen beharrlicher Arbeitsverweigerung mit sofortiger Wirkung srist - los entlassen habe. Die Restauszahlung der Löhne finde Samstag statt. Bei dieser Gelegenheit würden die Entlassungspapiere ausgehändigt werden.

Der Reichsminifter des Auswärtigen, Freiherr o o n N e u r a t h . hat Botschafter von Pri11witz vor der Rückkehr auf feinen Poften in Washington

Es ist Zeit zu feiern!

Es kommt die, große RuH!

Dort lenkt ein Zug von Reihern Dem ew'gen Lenze zu.

Sie wissen Pfad und Stege, Sie kennen ihre Wege---

Was, meine Seele, furchtest du?

, . nichts vom Lebens­trieb auch der kleinsten Dinge. Der Raturwissen­schaftler und Raturphilosoph Gustav Theodor Fechner, dessenBüchlein vom Leben nach dem Tode" vielen Deutschen Trost und Leid gebracht, hat gemeint, nicht nur geistig, auch materiell verkehre der Mensch mit der Natur:Wärme, Luft, Wasser und Erd« dringen von allen Seiten in ihn hinein und strömen wieder aus ihm zu­rück, schaffen und wechseln seinen Leib; aber in­dem sie, die a u h e r dem Menschen nur ne­beneinander hergehen, sich in ihm begeg­nen und kreuzen, knüpfen sie einen Knoten, der des Menschen leibliches Ziel und hiermit zugleich alles, was noch innerlicher ist als dieses Gefühl, abschlieht vom Gefühle der Auhenwelt." Und an Abenden mit sinkender Herbstsonne mag man so empfinden und nachfühlen, wie alles in uns eindringt und uns Gestaltung gibt.

Die Sonne sinkt, das lebendige Iahr löscht sich aus, die Natur feiert. Es ist, sagt Konrad Fer­dinand Meyer,

Amerika

und der Mandschureikonftikt.

Die amerikanische Kriegsflotte verbleibt im Pazifik.

Washington, 30. Sept. (TU.) Der Chef des Admiralstabes, Admiral P r a 11, begründet das Verbleiben der gesamten ameri- konischen Flotte im Stillen Ozean mit Sparmaßnahmen und weiteren Manövern zur gründlichen Mannschaftsausbildung. Dieser Entschluß der amerikanischen Regierung noch dazu unmittelbar vor der Veröffentlichung des Lyttonberichts ist um so bemerkenswerter, als I a p a n in den letzten sieben Tagen einen halb­amtlichen Schritt zwecks Zurückziehung eines Teiles der amerikanischen Flotte aus dem Stil­len Ozean beabsichtigte und dieserbalb den Admiral Bomura nach Washington senden wollte. Be­kanntlich hat die Zusammenziehung der gesamten amerikanischen Flotte im Pazifik in Iapan große Nervosität ausgelöst.

Krieg in Znnerasien.

Tokio, 29. Sept. (CNB.) Aus Pelina laufen hier Meldungen ein, daß in öie chinesische Pro­vinz Hsikang eine etwa 100 000 Mann starke tibetanische Armee eingedrungen sei und sich auf eine Begegnung mit den dort befind­lichen drei Divisionen der chinesischen Streitkräfte vorbereite. Die tibetanische Armee bestehe austin- geborenen unter Führung der Lama- P r i e ft e r. Ihre Verfassung soll eine ausgezeichnete [ein. Die Bewegung zur Errichtung eines selb­ständigen Groß-Tibet gewinne immer mehr on Boden und rücke ihrem Ziel stark näher.

in der deutschen Fliegerjugend dennoch ungebro­chen geblieben sei.

Die Frage, ob das Reich die große Ent - Wicklung des deutschen Luftsports finanziell unterstützt habe, verneinte der Minister. Er, wie wohl jeder seiner Vorgänger, würde gern einem so kräftig vorwärtsdrängerrden Sport­zweige auch feine finanzielle Unterstützung lei­hen. Toch bestehe hierfür von der Finanzlage des Reiches abgesehen keineMöglichkeit, da die erwähnten außenpolitischen Bin­dungen von 1926, die die deutsche Luftfahrt über die Bestimmungen des Derfailler Vertra­ges hinaus belaftcn, die staatliche Unterstützung des Luftsports untersagten. Dies sei auch der Grund gewesen, weshalb gelegentlich des Europarundfluges der Herr Reichspräsi­dent den von ihm gestifteten Preis nicht als einen internationalen zur Verfügung gestellt, sondern ihn für die deutschen Flieger Vorbehalten habe. Durch diesen Akt habe der Herr Reichspräsident den Vorhang weggezogen, dem die nationalistische Pro­paganda des Auslands vor die deutsche Luftfahrt- Diskrimination gebreitet hatte. Die ausländischen Flieger hätten gesehen, unter welch er­schwerten Bedingungen die deutschen Eportkameraden zu kämpfen haben. Sport sei aber eine Sache des gegenseitigen Anstandes, der Ehrenhafttgkeit und der Gleichheit der Bedingungen.

Der Minister gab der Erwartung Ausdruck, daß, wie schon der Europa-Rundflug, auch die deut- s ch e ßuftfportausfteHung die Welt dar­über aufklären möge daß eine Nation von der Lei­stungsfähigkeit der Deutschen sich nicht auf die Dauer unterdrücken lasse, und daß die per­sönliche Ehre aller luftfahrttreibenden Nationen dafür engagiert sei, daß Deutschland auch auf dem Gebiete I der Luftfahrt dieoolleGleichberechtigung I erlange.