Stelle Vas größte Entgegenkommen feststellen können.
2. Auf ausdrückliche Anordnung des ijerrn van Baffhuifen vom Hessischen Staatsministerium ist uns jedoch polizeilich verboten worden, geschlossen zu marschieren, unsere Fahnen mitzuführen, Musik und Spielmannszug einzustellen. Wir erblicken in diesem Ergehen der hessischen Regierung eine bewußte Sabotage der geplanten ftunbgebung und damit einer mächtigen und umfassenden Demonstration des deutschen Wehrwillens.
3 Eine Geburtstagsfeier des Herrn Reichspräsidenten, für die die polizeilichen Anordnungen keine Gültigkeit hätten kommt für uns angesichts der gegen unseren Führer und gegen den deutschen Sozialismus gerichteten Politik des Herrn Reichspräsidenten nicht in Frage. .
Wir sind daher auf Grund der polizeilichen Anordnungen der hessischen Regierung über die an anderer Stelle noch das weitere veranlaßt wird, nicht in der Lage, am ersten Hessischen Grenadier- tag teilzunehmen. Selbstverständlich ist es jedem SA.-Mann freigestellt, sich in Zivil an den vorge- sehenen Veranstaltungen zu beteiligen. Die Sturm- bannführer sind angewiesen, gegebenenfalls Urlaub zu erteilen.
SA. der NSDAP. Standarte 116. Graf Solms, Standartenführer. ♦
Wie wir hierzu von gut unterrichteter Seite erfahren, entspricht die unter Ziffer 2 gegebene Darstellung nicht dem tatsächlichen Gang der Dinge. Es dürfte wohl mit einer amtlichen Richtigstellung in Kürze zu rechnen fein. D. Red.
Jubiläum im Hause 3- Pfeffer am Marktplatz.
Eine Sonderbeilage in der heutigen Nummer des Gießener Anzeigers kündigt den großzügig angelegten Iubiläumsverkauf an, den das Da- menbekleidungshaus 3. Pfeffer von Montag. 3. Oktober, an aus Anlaß seiner Gründung vor 50 Jahren veranstaltet. Der großen und treuen Kundschaft, die sich das Haus Pfeffer im Verlauf eines halben Jahrhunderts erworben hat, soll Außerordentliches geboten werden als Zeichen der Dankbarkeit für langjähriges Vertrauen.
Wer de-n 75jährigen Geschäftsinhaber kennt und seine große fachliche Erfahrung, seine Eigenschaften als Mensch und ehrenhaften Kaufmann schätzen gelernt hat, wird das Streben des Jubilars nach Ausdehnung seines Kundenkreises und nach Gewinnung weiterer Freunde gern unterstützen. Wie Herr Pfeffer in den fünfzig Jahren seines geschäftlichen Wirkens von ganz kleinen Anfängen an bis zur Entwicklung seines Llnternehmens zu einem neuzeitlichen Verkaufshaus den wirtschaftlichen Aufstieg unserer Stadt miterlebt hat, so darf er an seinem Iubiläums- tag mit Genugtuung feststellen, daß sich die Treue seiner Kundschaft übertragen hat auf Kind und Kindeskinder in zahlreichen Familien Oberhcs- sens und weit darüber hinaus in den preußischen Nachbargebieten. Hier wirken sich der unermüdliche Fleiß, die gewissenhafte Kundenpflege, die wertvolle fachliche Erfahrung und Beratung eines Kaufmanns aus, der aus eigener Kraft und Leistungsfähigkeit den Nuf seines Hauses begründet und auch durch schwere Zeiten hindurch erhalten hat. Es entspricht denn auch der Persönlichkeit des Jubilars, der in der Stille jederzeit^ eine offene Hand für Notleidende und Bedrängte hatte, daß er das 3ubiläum in seinem Hause zum. Anlaß nahm, der Bedürftigen zu gedenken durch großmütige Stiftung von 50 Frauenmänteln, 50 Frauenkleik^rn und 50 Kindermänteln und -kleidern für die Winternothilfe.
Vornottzcn.
— Tageskalender für Samstag: Grenadiertag: 17.45 älhr Friedensbiwak auf dem Exerzierplatz (Trieb): 23 Uhr, Serenade und Großer Zapfenstreich. — Saal der Christi. Dersamm-
Aufruf zur Winterhilfe.
Die Deutsche Liga der freien Wohlfahrtspflege hat auch in diesem 3ahr zur Winterhilfe aufgerufen. Reichspräsident und Reichsregierung haben sich der Ditte um werktätige Hilfe angeschlossen, die kommunalen Spitzenverbände Deutschlands haben den Aufruf mit einem Geleitwort versehen.
Auch in Hessen haben sich in diesem 3ahr wieder die unterzeichneten sieben Verbände zusammengeschlossen, um im ganzen Lande zu sammeln und in gemeinsamer Arbeit die Rot lindern zu helfen.
Hilfe ist noch mehr not als im Vorjahre, und.
niemand darf sich der Pflicht, zu helfen, entziehen.
Wir tuenden uns an alle, die irgend helfen können, ohne Unterschied der Konfession, der politischen Anschauung, des Standes oder Berufes, und bitten sie herzlich: Helft, seid bereit ein Opfer zu bringen für die, deren Not noch größer ist, als die Eure.
Die Durchführung der Sammlung erfolgt durch Ausschüsse, die für die einzelnen Kreise oder Ortschaften gebildet sind.
Landesverband der Inneren Mission in Hessen. Caritasverband für die Diözese Mainz.
Hessisches Rotes Kreuz (Landesverein und Alice-Frauenverein).
Landesverband für die Israelitische Wohlfahrtspflege in Hessen und Hessen-Nassau.
Deutscher Fünfter Wohlfahrtsverband, Bezirk Hessen.
Landesausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Iu- gendpflege in Hessen.
Christliche Arbeiterhilfe, Landesausschuß Hessen.
Begleiiworie der Hessischen Regierung
Wieder ruft die freie Wohlfahrtspflege durch ihre Reichs- und Landesverbände dazu auf, durch opferbereite Nächstenliebe die Not eines schweren Winters lindern zu helfen. Mit ihnen bitten Herr Reichspräsident von Hindenburg und die Reichsregierung alle Deutschen, einander helfend dem Vaterland zu dienen. Unser Volk hat im Laufe eine Reihe von schicksalsfchweren Jahren Not und Bedrängnis tragen lernen müssen. Niemand wird diese Not von heute auf morgen beseitigen können. Eines aber können wir alle tun:
Durch von herzen kommende Hilfsbereitschaft dem Darbenden die Bitterkeit und das Gefühl des verlaffenfeins nehmen.
Möchten die Verbände der freien Wohlfahrtspflege, die über alles Trennende hinweg denen zur Seite stehen wollen, die am schwersten entbehren, überall offene Herzen und willige Geber finden. Das ist der Wunsch, mit dem die Hössische Regierung das Liebeswerk des Hessischen Landesausschusses der freien Wohlfahrtspflege begleitet.
Hessisches Gesamtministerium:
Dr. Adelung Kirnberger Leufchner.
lung, 20.15 älhr, Edangelisationsversammlung. Thema: Das antichristliche Reich mit seinem Der- nichtungskampf. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gitta entdeckt ihr Herz".
— Tageskalender für Sonntag: Oberhessischer Kunstverein, 11 bis 13 Uhr, Turmhaus am Drandplatz, Ausstellung: Lebendiges Foto. — Grenadiertag: 10 Llhr, Feldgottesdienst auf dem Trieb: 11.15 Uhr, Parade: ab 14.30 Tlhr militärsportliche Vorführungen auf dem Trieb. — Saal der Christlichen Versammlung, 20.15 älhr, Cvangelisationsversammlung, Thema: Vollendung der Wege Gottes. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gitta entdeckt ihr Herz".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Das Stadttheater Gießen eröffnet seine diesjährige Winterfpielzeit, die Jubiläums- spielzeit des 25jährigen Bestehens, am Dienstag, 4. Oktober mit einer Aufführung des „Egmont" von Goethe. Die Aufführung gerade dieses Werkes unter der szenischen Leitung des Intendanten Dr. Rolf Prasch wird für die Jubiläumsspielzeit einen würdigen Auftakt bilden. Die dramatische Handlung wird eine künstlerische Bereicherung erfahren durch die Wiedergabe der gesamten Bühnenmusik Beethovens zu Goethes „Egmont", die der Gießener Orchesterverein unter der musikalischen Leitung des Universitätsmusikdirektors Dr. T e - mesoary zu Gehör bringen wird. Die Rolle des Egmont liegt bei Herrn Hauer. Die Eröffnungs- Vorstellung ist die erste Vorstellung im Dienstag- Abonnement und beginnt pünktlich um 19.30 Uhr. Die Intendanz macht darauf aufmerksam, daß laut Theaterdeputationsbeschluß von jetzt ab die Vorstellungen auf den Glockenschlag pünktlich beginnen und zu spät kommende Theaterbesucher, um unliebsame Störungen zu vermeiden, während der offenen Szene nicht mehr eingelassen werden dürfen. Auch soll durch den unbedingt pünktlichen Dorstellungs- beginn erreicht werden, daß die Vorstellungen stets pünktlich beendet sind. Vorbestellte Karten müssen ein« Viertelstunde vor Beginn der Vorstellungen an der Abendkasse ab geholt sein, da sonst anderweitig über die Karten verfügt werden muß und nur auf diese Weise der pünktliche Dorstel
lungsbeginn auch ordnungsmäßig eingehalten werden kann. Die neuen Abonnenmentskarten müssen spätestens bis 13 Uhr am Tage der ersten Abonne- mentsoorstellung abgeholt fein, da laut Theater- deputationsbeschluß eine Einlösung der Abonnementskarten an der Abendkasse nicht mehr erfolgen darf.
" Die Einholung der alten Regimentsfahnen im Bild. Im Dilderkasten am Geschäftshaus des Gießener Anzeigers haben wir einige charakteristische Photos über die gestrige Einholung der alten hessischen Regimentsfahnen durch Die Fahnenkompanie zur Besichtigung ausgehängt.
*• Ein glücklicher 100-Mark-Ge- w inner. Vom städtischen Wohlfahrtsamt wird uns mitgeteilt: Gestern nachmittag wurde beim Verkäufer Nr. 1 der Winterhilfe-Lotterie bereits der dritte Hundertmark-Gewinn gezogen. Der glückliche Gewinner zog zunächst zwei Freikugeln und dann den 100-Mark-Gewinn. Im Lokalverkauf wurden gestern abend beim Verkäufer Nr. 85 von einem Skat-Klub 25 Mark gewonnen. Es ist erfreulich, daß die Gießener Bürgerschaft so regen Anteil an dieser Lotterie der Winterhilfe nimmt, damit der Not des Winters gesteuert wird, denn groß ist die Not, jeder muß helfen.
" Vom Botanischen Garten. Bei gutem Wetter wird der Garten auch am 1. und 2. Oktober an den üblichen Stunden zugänglich gemacht werden.
* * Arbeitsjubiläum. Der Werkmeister der Firma Iulius Nattmann, G. m. b. H., Gießen, Herr Ernst Gries, ist heute 25 Iahre als Meister tätig. Herr Gries kann sich bei der gesamten Belegschaft großer Beliebtheit erfreuen. Die Arbeiter der Firma ehrten ihn in sinnvoller Weise.
" Geschäftsübernahme. Die Filiale der Firma Rest vormals Molz & Forbach (Spezialgeschäft für Schirme, Stöcke, Handschuhe, Hüte und Mützen), Kreuzplatz 6, geht mit dem 1. Ok
tober in andere Hände über. Die bisherige Leiterin der Filiale, Frau Marie Steil, übernahm das Geschäft in ihren Besitz und wird es unter der Firma „Schirm-Steil" weiterführen. Auf die Anzeige in unserer gestrigen Ausgabe sei besonders hingewiesen.
" Die Gewerbe- und Maschinenbauschule in Gießen beginnt ihr Winter- Semester am 1. November. In der Abteilung Maschinenbau, in welcher das Zeugnis der mittleren Reife verliehen wird, sind — so schreibt man uns — Abteilungen mit gut eingerichteten und erst in letzter Zeit ausgebauten Laboratorien für Spezialberufe, wie z. D. für das Elektro- Gewerbe, eingerichtet. Alle Einrichtungen in der Maschinenbauschule sind so getroffen, daß neben der Ausbildung zum Techniker auch die Vorbereitung für die Werkmeister- und die Meisterprüfung stattfindet, so daß neben der staatlichen Abgangsprüfung auch die Werkmeister- und Meisterprüfung an der Anstalt selbst abgelegt werden können. In den anderen Abteilungen, wie Baufachschule, Schreinerfachschule, Malerfachschule, Schuhmacherfachschule usw. wird das Handwerkliche in den Vordergrund gestellt, d. h. es wird die theoretische Ausbildung durch praktische Arbeit in den Werkstätten ergänzt und gefördert, so daß die Besucher dieser Abteilungen neben der technisch-theoretischen Ausbildung auch so vorbereitet werden, daß sie an der Anstalt die Meisterprüfung auf Grund besonderer staatlichen Privilegien ablegen können. (Siehe heutige Anzeige.)
* • Hauswirtschaftskurse in der Aliceschule. Man schreibt uns: Der Wert einer richtigen Ausbildung in der Hauswirtschaft und im Kochen wird gerade in der jetzigen Notzeit immer mehr erkannt. Mehr denn je muß die Hausfrau ihre Ausgaben für Ernährung und Kleidung dem geschmälerten Einkommen des Mannes anpassen. Sie muß verstehen, mit wenig Geld doch nahrhafte Mahlzeiten zu bereiten. Dazu bedarf es nicht nur praktischer Fertigkeiten, sondern auch bis zu einem gewissen Maße Kenntnisse in Nahrungsmittellehre, Stofflehre. Eine Ausbildung, die alle Seiten der heutigen Hauswirtschaft umfaßt, gibt di« Aliceschule in Gießen ihren Schülerinnen. Am 17. Oktober beginnen wieder Kurse und ein Haushaltskursus, der ein halbes Iahr dauert. Diese Haushaltsschule wird besonders den Mädchen vom Lande Rechnung tragen. Mädchen, die nicht täglich nach Gießen und zurück fahren können, finden zu sehr billigem Preise Aufnahme in dem Pensionat der Aliceschule. Die Pensionärinnen haben den Vorteil, daß sie auch gute Thea ter aufführungen, Konzerte usw. besuchen können. Interessenten werden von der Geschäftsstelle Prospekte zugesandt. (Siehe heutige Anzeige.)
* * Die Vogtschen Privat - Handelsschulen in Gießen und Herborn beginnen in diesem Winterhalbjahr am 17. Oktober mit ihren neuen Lehrgängen (Tages- und Abendkursen). Der Unterricht erstreckt sich, wie man uns mitteilt, auf folgende Fächer: Handelskunde mit Schriftverkehr, kaufmännisches Rechnen, Buchführung, Wirtschaftsgeschichte, Wirtschaftsgeographie, Volkswirtschaftslehre, Warenkunde und Technologie, Deutsch, Literatur, Englisch, englische Handelskorrespondenz, französische Handelskorrespondenz, Staatsbürgerkunde, Stenographie, Maschinenschreiben, Schönschreiben, Rund- und Plakatschrift. Interessenten feien auf die heutige Anzeige verwiesen.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.
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