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1.9.1932 Frühausgabe
 
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Nhenve veS Ausschusses 2lbg. Heimann (5m.). Eine längere Geschästsordnunqsaussprache ent. spann sich über die ^rage der Besetzung der Unterausschüsse des Haushaltsausschusses, sur die die Rationalsozialisten nach ihrer Stärke ie vier Sitze verlangten. Der Ausschuß beschloß aber, es bei der bisherigen Regelung zu belassen, wonach Fraktionen mit mehr als 100 Mitglieder in den Unterausschüssen nur durch zwei Abge­ordnete vertreten find.

Am Ende des politischen Burgfriedens

Berlin, 1. Sept. (ERD.) Es verdient re­gistriert zu werden, daß um Mitternacht der po­litische Burgfriede ablief. Die Reichsregierung hat ihn nicht verlängert. Eine Berlängerung war für den Eventualfall in Aussicht genommen, daß die innerpolitische Situation sie notwendig mache. Es ist aber zweifellos eine starke Beruhigung in der Richtung zu verzeichnen, daß die politischen Terrorakte, Zusammenstöße und sonstigen Zwi­schenfälle bis zu einem Grade abgenommen haben, der mit dem Zustand zu Anfang des Mo­nats August gar nicht zu vergleichen ist. Das wird in politischen Kreisen als ein Erfolg der Rcichs- regierung gewertet, der freilich kaum zu ver­zeichnen wäre, wenn mit der Tatsache des Burg­friedens nicht auch die sehr energischen Maßnahmen verbunden gewesen wären, mit denen die Regierung gegen alle Störungen der öffentlichen Ruhe und Sicherheit vorgegangen ist.

3m ganzen hat der Burgfriede während des ganzen Monats August gedauert. Das Reichskabinett hatte ihn gleich nach der Wahl vom 31. Juli zunächst b i s zum 10. August beschlossen, damit der Unruhe des Wahlkampfes zunächst einmal eine Periode der Befriedung folge. Die Entwicklung der Ereig­nisse zwang aber dann zu der Verlängerung, von der nur der Derfassungstag ausgenommen wurde.

Llebrigens wird sich die preußische Regierung wahrscheinlich am Freitag mit der Frage der D e- gnadigung der fünf Verurteilten von Beuthen befassen. Ohne daß der sach­lichen Entscheidung vorgegriffen werden kann, er- wartet man in amtlichen Kreisen, daß die in­nere Beruhigung und Befriedung weitere Fort­schritte machen wird, wenn auch diese Frage ge­regelt worden ist. Gleich am ersten Tage nach dem Ende des Burgfriedens werden die R a - tionalsozialisten in Berlin im Sport­palast eine große Kundgebung veranstal­ten, auf der auch Hitler sprechen soll.

Gondergerichtsurteile.

Das Sondcrgericht Berlin beschäftigte sich mit einem von Kommunisten inszenierten Feuer- überfall auf ein nationalsozialisti­sches Lokal in Treptow am 18. 3unt Ange­klagt waren sechs Kommunisten. Einer wurde zu drei Jahren sechs Monaten Zucht­haus verurteilt, zwei erhielten je neun Mo­nate. attei weitere je zwei Jahre Gefängnis. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Das Sonder­gericht verurteilte ferner den 24jährigen Dau- klempner Max Rothe wegen schweren Land­friedensbruches in Tateinheit mit versuch, tem Totschlag und unbefugten Waffenbesitzes zu fünf Jahren Zuchthaus und den gleich­altrigen Chauffeur Caro wegen schweren Landfrie- densbruches und unbefugten Waffenbesitzes zu drei Jähren Gefängnis. Das Sondergericht nahm als erwiesen an, daß R. bei dem politischen Zusam­menstoß am 16. Juli d. 3. in der Alten 3akobs- straße geschossen hat, wenn auch nicht er­wiesen wurde, daß er den tödlichen Schuß auf den Rationalsozialisten Schröder ab. gegeben hat. Auch bei C. sah das Gericht als erwiesen an, daß er sich im Besitze einer Schuß. Waffe befunden und an der Zusammenrottung teil, genommen hatte.

- ..s Soiwergericht Altona verhandelte gegen eine Gruppe von Kommunisten, die am Abend des 29. April d. 3. auf dieWohnung eines Q.' a l i o n a I f o 3 i a l i ft e n in der Kleinen Müh-

Hai die Weliwirischastskonjunkiur das Krisentief erreicht?

In Deutschland noch keine Anzeichen für einen Wirtschastsumschwung.

Berlin, 31. August. (CNB.) Das Institut für Konjunkturforschung faßt auf Grund seiner Unter­suchungen sein Urteil über die Weltkonjunktur Ende August 1932 folgendermaßen zusammen:

Obgleich Produktion und Beschäftigung noch wei­ter schrumpfen, treten auf der Geldseite der Wirtschaft erstmalig in breiter Front Ansätze zu einem Tendenzumschwung hervor. Die Welthandelspreise ziehen fast allgemein an. Auch die Großhandelsindexziffern der Vereinigten Staa­ten und Großbritanniens haben seit Jahresmitte steigende Tendenz. Die Rohstoffvorräte neh­men im Ganzen nicht mehr zu. Der Rückgang des I Welthandels hat sich verlangsamt: der Mengen­umsatz dürfte sogar stabil geblieben sein. Die Mil­derung der Vertrauenskrise und der fortschreitende Entschuldungsprozeß der Banken hat die Flüssigkeit der Geldmärkte so­weit erhöht, daß jetzt Mittel auch auf den Kapitalmarkt überfließen. Ausdruck hier­für ist die S) a u f f e an den Renten- und Aktienmärkten.

3n den beiden angelsächsischen Ländern ist der Entspannungsprozeß bereits soweit vorge­schritten, daß gewisse Rückwirkungen auf die bisher noch stark schrumpfende Produktions- Wirtschaft in absehbarer Zeit wahrscheinlich sind. In den von ständigen Zahlungsbilanzschwierigkeiten und Staatsfinanzkrisen niedergehaltenen Schuld­nerländern Europas ist die Entlastung noch so gering, daß entscheidende Besserungstendenzen nicht zu erwarten sind. Dennoch dürfte die Welt­

wirtschaft als Ganzes sich nunmehr anschicken, das Krisentief zu überwinden.

Unter «bem Einfluß der internationalen Vor. gänge hat sich das Bild der Effekten- und Warenmärkte auch in Deutschland grund­sätzlich gewandelt: Effektenumsätze und Effekten­kurse sind gestiegen, die rcagiblen Warenpreise haben ihren Rückgang unterbrochen. An der re­striktiven Wirkung der Kredit» und Preissituat'.on ist wenig geändert. Auf der Güterseite der Wirt­schaft blieben denn auch die Rückgangstendenzen vorherrschend. Produktion, B schäft igung und Warenumsätze verharrten in ihrer konjunk- :urellen Abwärtsbewegung Das Tempo des Rück­ganges war aber teilweise merklich verlang­samt Die Voraussetzungen für den durchgreifen­den Wirtschaftsaufschwung nach den Regeln der alten Konjunkturautomatik sind, zwar in Teilen der Weltwirtschaft in greifbare Rähe gerückt, für Deutschland noch immer nicht ge­geben. Denn eine Erhöhung der (Investitions­tätigkeit aus privater 3nitiative kann unter den derzeitigen Umständen nicht erwartet werden und der Absatz an Verbrauchsgütern und Export­waren wird wegen schrumpfenden Volks­einkommens und verminderter inter­nationaler Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands eher abnehmen. Wenn die Wirtschaft sich selbst überlassen bleibt, kann vor­erst nicht mehr als günstigstenfalls ein all» mäh licher Auslauf der Rückgänge in Ab­satz, Produktion und Beschäftigung erwartet wer­den.

Das neue Reichstagspräsidium.

rite

Von links nach rechts: Walther Gr a ef (DNVP-), zweiter Vizepräsident: Hauptmann a. D. Hermann Wilhelm G 0 e r i n g (NSDAP.), Reichstagspräsident: Thomas E f f e r (Zentrum), erster Vizepräsident; Hans Rauch (Bayerische Volkspartei), dritter Vizepräsident.

lenstraße einen Ueberfall verübt hatte. Die Beweisaufnahme ergab, daß dieser lleberfall eine vorbereitete Aktion war, die von einem Arbeiter namens Mecklenburg inszeniert wurde. Das Urteil lautete bei dem Anstifter wegen versuchten Mordes auf sechs 3ahre

Zuchthaus und fünf 3ahre Ehrverlust und bei zwei anderen Angeklagten wegen des gleichen De­liktes auf je vier 3ahre Zuchthaus.

Vor dem Sondergericht Beuthen standen 14 Personen, darunter mehrere Frauen, die we­gen schweren Landfriedensbruches,

Sufammenrothmg, Körperverletzung unt> versuch­ter Gefangenenbefreiung angeklagt waren. Der Verhandlung lagen die Vorgänge in Miku11 - schütz am 10.3uni zugrunde, wo es anläßlich der Llnterstühungskürzungen vor dem Rathaus zu Demonstrationen gekommen war. Dabei wurde die Polizei mit Steinwürfen angegriffen. Das Gericht erkannte gegen den Hauptangeklag­ten auf zwei 3ahre Zuchthaus, in einem Falle auf ein (Jahr sechs Monate Zuchthaus und im übrigen, besonders gegen die weiblichen An­geklagten, die sich an der Zusammenrottung be­teiligt hatten, auf Gefängnisstrafen von sechs bis neun Monaten.

Schlußfolgerungen derTimes.

London, 31. Aug. (WTD.) Times sagt in einem Leitartikel u. a.: Herr v. Papen hat die erste Runde in seinem Kampf mit den politi­schen Parteien Deutschlands gewonnen. Die gestrige Reichstagssihung hat den Rationalso­zialisten und überhaupt allen Parteien gezeigt, daß der Reichspräsident Herr der Lage ist. Ein grimmiger Humor liegt darin, daß die Rationalsozialisten jetzt die Rolle von Verteidigern der Verfassung und des parlamen­tarischen Regimes übernommen haben. Das Blatt spricht dann die Meinung aus, daß Zentrum und Rationalsozialisten bei einer erneuten Besprechung mit Herrn v. Papen sich vielleicht zugäng­licher erweisen dürsten als bisher, und fährt fort: Unter allen Rationen sind gerade die Deut­schen ganz besonders bereit, einer festen Füh­rung zu folgen, und so unwahrscheinlich es auch aussieht, es ist doch nicht ausgeschlossen, daß Herrn v. Papens Regierung weiter im Amte bleibt mit Zustimmung und vielleicht sogar m i t Unterstützung beider Parteien. Es ist kaum zweifelhaft, daß die große Masse des deutschen Volkes in erster Linie die Beendi­gung der inneren Unruhen und Strei­tigkeiten der politischen Parteien und Arbeit am wirtschaftlichen Wiederaufbau wünscht.

Anstatt zum Katholikentag.

Großstadt und Christentum.

Essen, 31. Aug. (TU.) Der Katholikentag nahm am Mittwoch mit einer Sitzung des Hauptausschusses (Zentralkomitee), einer Reihe von Einzelveranstaltungen, Kinder-Kund­gebungen und einer großen Elternversammlung der katholischen Schulorganisationen seinen An­fang. Die Stadt Essen trägt reichen Flaggen­schmuck. Schon heute weilen zahlreiche Teil­nehmer aus allen Teilen des Reiches und des Auslandes in Essen. Von den hohen Geistlichen seien genannt: Der apostolische Runtius Or­ient g 0, der Erzbischof von Köln, Kardinal Schulte, Erzbischof Gröber, Freiburg, Weih­bischof Dr. Hammels, Köln, Bischof R 0 b u (Rumänien) u. a. m. Der Bischof von Berlin, Dr. Schreiber, hat aus gesundheitlichen Grün­den absagen müssen. Von den weltlichen Persön­lichkeiten seien genannt: Alois Fürst z u C ne­tte n ft e i n, Reichskanzler a. D. Dr. Marx, Reichskanzler a. D. Dr. Brüning, die frühe­ren Reichsminister Stegerttald und Hirt- s i e f e r. Der stellvertretende Reichskomm'ssar Dr. Bracht nimmt dringender Dienstgeschäfte wegen nur an der Eröffnungsversarnrnlung teil, während Reichskanzler v. P a p e n durch drin­gende Arntsgelchäfte an der beabsichtigten Teil­nahme überhaupt verhindert ist.

Aus dem Boden der Stadt Essen, der Metropole des Ruhrgebietes, mit ihren rauchenden Schloten, ihren industriellen Anlagen und zusammen­geballten Bevölkerung ist das Gesamtthema des Katholikentages erwachsen:Christus in der G r 0 ß st a d t. Es will das religiöse Leben des modernen Großstadtmenschen bertiefen und die Frage klären, ob und wie christlicher Lebensmut und christliche Lebensgestaltung mit den Er- rungenschaften moderner Kulturentwicklung ver­einbart werden können.

W.edersehen unterm Dach.

23on Earl Christian Bock

Cs fängt damit an, daß du ein Stück graue Pappe brauchst. Woher nimmt man graue Pappe? 3a, woher nimmt ... vielleicht ist b er ... im Schreibtisch? Nichts.

Also was tut man? Man saugt sich erstmal an den Lippen. Manchmal kommt dabei wirklich etwas heraus, bo! oben in der alten Bücher­kiste!

Du läufst nach oben. Die Bücherkiste steht auf dem Boden in einer Ecke unterm Dach und ist richt.g zugenagelt. Du hast nach ungefähr 14 Mi­nuten harter Arbeit mit Hilfe eines längeren Ragcls den Deckel ab. Du hättest ja bequemer ein Werkzeug holen können, aber was ein kluger Kopf ist, das schlägt sich lieber 14 Minuten mit einer Kiste herum, als von unten ein Brech­eisen zu holen.

Also, graue Pappe. So einfach scheint das nicht, obenauf liegt nichts von grauer Pappe, unten drin vielleicht, aber dazu muß erst der Stapel Bücher heraus.

Um) da passiert es: ehe du willst, sitzt du mit einem Buch in der Hand und liest und läßt die graue Pappe graue Pappe sein.

3a, dies hat man also in der Schule ehedem als Eselsbrücke gebraucht.Platon, Gorgias. Lieberseht von Friedrich Schleiermacher." Und bann lieft man sich ein Stück heraus:

Sokrates. 3ch denke, Gorgias, auch du hast schon vielen Unterredungen beigewohnt und wirst dies dabei bemerkt haben, daß nicht leicht die Menschen es dahin bringen, das, worüber sie zu sprechen unternommen haben, gerne nschastlich zu bestimmen, und nachdem sie so untereinander sich belehrt und gelernt haben, ihre Zusammenkunft aufzuheben, sondern wenn sie über etwas uneinig sind, und einer den anderen beschuldigt, er rede nicht richtig oder nicht bestimmt, so erzürnen sie sich und meinen, der andere rede so etwas aus Mißgunst gegen sie, weil er nämlich nur um seine Ehre sich beim Gespräch ereifere, nicht aber den vor­liegenden Gegenstand suche. 3a, einige gehen zuletzt auf die unanständigste Art auseinander mit Schimpfreden, und indem sie solche Dinge einander anzuhören geben, daß es sogar den Anwesenden um ihrer selbst willen leid tut, auch nur solcher Leute Zuhörer gewesen zu sein." Lind das ist so geblieben bis auf den heutigen Tag. Rur manchmal geht es ja wirtlich um den vorliegenden Gegenstand. Lind nicht bloß

mit Schimpfreden, sogar mit Gegenständen. Es ist ganz hübsch, so ein Stück Fortschritt fest­zustellen.

Ein Schulbuch beim andern.Lateinische Schul­grammatik von Prof. Dr. Paul Harre" Rich­tig, Harre! Finger hoch:Herr Studienrat, ich habe meinen Harre vergessen." Huh, was wird er sagen?3a, Bock, was soll das mit (Ihnen werden! Das ist das drittemal, ich muß (Ihnen einen Tadel ins Klassenbuch schreiben; das, jetzt vor der Versetzung, kann (Ihnen das Genick brechen, Sie nehmen sich nicht zusammen. Wenn Sie das Ziel der Klasse erreichen wollen es ist noch nicht einmal sehr lange her, da waren das Sorgen, heute hat man bessere.

Der gute Harre:Rebensähe, deren Hand­lung in die Gegenwart fällt oder vom Standpunkt der Gegenwart aus betrachtet werden, haben auch nach Vergangenheits­formen den Konjunktiv des Präsenz und des Perfekts. Dies gilt hauptsächlich für die Folgesätze, die die Geltung eines selb­ständigen Aussagesatzes haben (§ 214 A. 1)." Dies gilt hauptsächlich für die Schulzeit, nach­her gilt es nicht mehr so. Aber das waren einmal sehr wichtige Dinge. Wenn man da flattert aus dem Harre ein Zettel heraus. Was mag da gewesen sein, auf dem Zettel steht zu lesenSchräger halten. Mensch!" Was waren das nun wieder für Sorgen: Schräger halten? Lind mit einemmal hat man es, ganz deutlich. Klassenarbeit, Liebersetzung aus dem Lateinischen. Paul, Rebenmann, bringt nichts heraus und sitzt in großer Rot: die Arbeit hier darf er nicht verhauen. Die Hand hat er großartig an der Stirn, weil er doch so angestrengt Nach­denken muß, und unter dem Dach der Hand schielt er auf dein Heft, ist aber so nicht zu lesen, auffälliger darf er den Kopf nicht drehen und da schreibt er wütend diesen Zettel Schrä­ger halten, Mensch! Rämlich das Heft, und schiebt dir den Zettel, rups!, herüber. Du drehst dein Heft um kleine zehn Grad, und Paule ist gerettet. Der Zettel kam dann irgendwie in den ollen ehrlichen Harre und hat da bis heute ge­legen. Man kann ruhig, weil das nie ganz und immer etwas stimmt, dazu sagen: So ist das Leben.

Also, graue Pappe. Herunter mit den Büchern und nicht verführen lassen, weg. weg, Mathema­tisches Lehrbuch Physik Homer, (Ilias. Graue Pappe? So liegt nichts da, man müßte allenfalls von so einem Heft den Deckel ab­reiften. Heft in grauer Pappe: Aufsätze.

Da muß man nun wirklich einmal hineinsehen, einen Augenblick Haltung erst, ja so, auf alles gefaßt.

Der Deckel geht ganz leicht abzureißen, wozu soll man auch so ein Heft aufbewahren. Ah so, was im Heft darinstand? 3a, es ist etwas peinlich, nicht wahr, man möchte schnell vom Deckel sprechen, über den (Inhalt muß nun wirk­lich geschwiegen werden. Den Anfang sollen Sie haben:Schon die alten Griechen ..." danke, wir schon längst!

So kommt man zu einem Stück grauer Pappe.

Der Aff' ist los . . .

Ein amüsantes Gratis-Vergnügen, das eine große Zuschauermenge herbeilockte, wurde den Besuchern eines Pariser Restaurants in der Rue Lafayette dieser Tage bereitet. Die Haupthelden bei diesem luftigen Schauspiel waren ein Äffe namens Kiki und ein Kellner namens Louis. Ein Stammgast hatte dem Besitzer des Restaurants Kiki zur Aufbewahrung übergeben, während er sich auf seiner Serienreife befand. Der vierfüßige Gast benahm sich zunächst aanz manierlich und hielt sich ruhig in seinem Käsig. Aber an einem Vormittag zerbrach er die schwachen Stäbe des Gitters und begann sich heftig zu betäti­gen. Während auf der Straße dichte Scharen zur Untergrundbahn strömten, um sich zur Arbeit zu begeben, feuerte er die Flaschen hinter der Bar mit starkem Schwung zur Türe hinaus, und bald war der Boden dicht bedeckt mit zerbrochenem Glas, wäh­rend der köstliche Inhalt in trüben Rinnsalen auf die Straße floß. Natürlich erregte das nicht nur die Aufmerksamkeit der Vorübereilenden, die ihren Zug versäumten, um der weiteren Entwicklung dieses Dramas beizuwohnen, sondern auch die des Kellners Louis, der ebenso angestrengt wie vergeblich auf den ausgebrochenen Kiki Jagd machte. Der Affe küm­merte sich nicht um den Inhalt der Likörflaschen, als er aber dann auf einem anderen Regal Fla­schen mit Portwein und Malaga sand, kostete er von diesen Getränken und fand daran soviel Ge­schmack, daß er immer längere Züge nahm. Da­zwischen grinste er schlau zu dem atemlosen Kellner hinüber, dessen vergebliche Sprünge das Gelächter der immer mehr anwachsenden Masse erregten. Schließlich telephonierte Louis nach der Polizei, und diese rückte acht Mann hoch an, einer mit einer Lei­ter bewaffnet Doch auch die vereinten Bemühungen der Gesetzes-Macht wären vergeblich gewesen, wenn nicht am Ende der Malaga seine Wirkung ausgeübt hätte. Als Kiki gefangen und in den Käsig zurück­gebracht wurde, befand er sich in einem jammer­vollen Zustande...

Tonfilm:Schanghai-Expreß".

Wir haben bereits im Frühling d. I. an­läßlich der Berliner Uraufführung einen Bericht über diesen Film gebracht über seinen Inhalt, seine Vorzüge und seine Schwächen. Für die Mehr­zahl der hiesigen Besucher wird er vermutlich we­niger seines aktuellen Schauplatzes wegen interessant fein als deshalb, weil er eine abermalige Begegnung mit Marlene Dietrich vermittelt. Ihre neue Lei­stung kann den Vergleich mit der älteren (im Blauen Engel", die viel populärer wurde) durch­aus bestehen: weil sie eine große, bis zu gewissem Grade unvergleichbare schauspielerische Begabung be­stätigt. und weil diese Leistung mit viel stilleren und echteren Mitteln erzielt wird. Die Dietrich verzichtet diesmal darauf, ihre Beine zu zeigen und ihre Singstimme hören zu lassen, die inzwischen längst Schule gemacht hat. Sie spricht nur und spielt, sie setzt ihre unverwechselbare Persönlichkeit ein, die Intensität ihres Ausdrucks und sonst gar nichts. Ihr Partner ist Clive Brook; guter, männlicher, angelsächsischer Typ, wenn auchHeld" im Sinne einer alten, oft belächelten, aber immer wieder erprobten Film-Tradition. Dann sieht man die Chi- nesin Anna May Wong: leider hat sie nicht sehr viel zu spielen. Außerdem eine Reihe ausländischer Schauspieler: recht anständiger Durchschnitt. Die In- szenierung stammt von Josef von Sternberg ; man weiß von früheren Filmen längst, was er Fann, und man spürt auch hier, wo er die Vorgänge optisch und akustisch mit gleicher Eindringlichkeit an den Zuschauer heranbringt, die sichere Hand eines erfahrenen und phantasievollen Regisseurs. Er schil­dert eine Fahrt im Schanghai-Expreß durch das im Bürgerkrieg brodelnde China: er schildert die Passa­giere, die sich aus der Jnternationalität des fernöst­lichen Völkergemisches herauslösen und zusammen- sinden zu einer kurzen aber bedeutsamen Gemein- schuft im rasenden Zug. Eine Handvoll Menschen; eine Handvoll Schicksale, teils nur gestreift und angedeutet, teils zugefpitzt, gesteigert und zu Ende geführt. Ein ganz altmodischer, aber hübscher Einfall macht den Schluß dieser Film-Episode, in der die

d?-en Beziehungen und Begegnungen schließ­lich doch über die aktuelle Ausmachung triumphieren, von der wir sprachen, und die schon Die Überschrift andeutet. Produktion: Paramount: der Dialog, auf ben hier auffallend Gewicht gelegt wurde, ist englisch und durch deutsche Zwischentitel übersetzt; man be­kommt also unter anderem eine sehr lebendige Unterrichtsstunde: tausend Worte Englisch (ohne Akzent) für Fortgeschrittene. Bis zum Sonntag im Lichtspielhaus.r