Line Anmaßung i h r nicht zu st ehender A u fs i ch t s r e chte über Behörden oder Beamte wird n i d>t geduldet werden. Eine Schließung der Republikanischen Beschwerdestelle ist aus rechtlichen Gründen jedoch unzulässig.
Aus aller Well.
Das Großfeuer bei Stettin. — 1,5 Millionen Mack .Schaden.
Zu dem Großfeuer in der Mahlmühle der Pommerschen Hauptgenossenschaft in Züllchow bei Stettin wird noch ergänzend berichtet, daß in der Mühle etwa 1 0 0 0 0 Zentner Getreide eingelagert waren, die durch das Feuer restlos vernichtet worden sind. Der Ge- samtschaden, den die Stettiner Dampfmühle QI®, bzw. die Pommersche Landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft, deren Tochtergesellschaft das Mühlenwerk ist, erlitten haben, wird vorläufig auf 1,5 M i l l. M k. geschätzt. Den Hauptteil des Schadens wird die Versicherungsgesellschaft der deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaften zu tragen haben. Die Pommersche Feuer-Sozietät ist ebenfalls an der Versicherung beteiligt.
Unwetter in Hinterpommern.
In den letzten Tagen wurden die Kreise Stolp, Bütow und Rummelsburg von außerordentlich schweren Wolkenbrüchen heimgesucht, die großen Schaden auf den Feldern anrichteten. Besonders heftig wütete das Unwetter im Kreise Bummelsburg, wo während zweier Stunden ungeheure Wassermengen niedergingen. Oluf der Bahnstrecke Bütow—Zollbrück wurde die acht Meter hohe Böschung des Bahndammes tief aus- gchöhlt und die Erdmassen auf die Dahn- strecke geschüttet, wo sie sich meterhoch auftürmten. Der fahrplanmäßige Triebwagenzug fuhr mit voller Geschwindigkeit in die Erdmassen hinein und blieb stecken. Vach dreiviertelstündiger Tätigkeit konnte der Zug ausgeschaufelt werden und dann die Fahrt fortsetzen. Felder und Wiesen gleichen ungeheuren Seen. Der Schaden ist sehr bedeutend.
Die amerikanische Sonnenfinsternis.
Millionen von Menschen hatten die Plattformen der Wolkenkratzer, die Hausdächer, Olnhöhen und Drücken von Veuyork besetzt, um die am Mittwoch um 3,23 Ahr örtlicher Sommerzeit beginnende Sonnenfinsternis beobachten zu können, die in Veuyork deutlich sichtbar war. Freilich muhten sich die Veuyorker mit einer Verfinsterung von 95 v. H begnügen, während di« Vollständige Verfinsterung nur in Vcu-England beobachtet werden konnte, wohin sich bereits in den letzten Tagen zahlreiche Zuschauer mit Sonderzügen, Autos und Flugzeugen auf den Weg gemacht hatten. Hier hatten auch 5 2 wissenschaftliche Expeditionen ihre Zelte aufgeschlagen und Vorbereitungen getroffen, um die Totalfinsternis im Bereich der 100 Meilen breiten Mondschattenbahn zwischen Parent-Quebec und Frheburg-Maine eingehend zu studieren. Die Beobachtungen sollen jedoch unter der teilweise sehr starken Bewölkung gelitten haben.
Schwedisches Vachtpostflugzeug abgestürzt. Zwei Tote.
Das schwedische Vachtflugzeug Amsterdam- Malmö, das den Flughafen Schiphol bei Amsterdam flugplanmäßig verlassen hatte, ist etwa eine Stunde später bei Tubbergen in der Vähe der holländisch-deutschen Grenze verunglückt. Dabei wurde der Führer des Flugzeuges, Lilje - berg, auf der Stelle getötet. Der Mechaniker Attergard ist kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus gestorben. Die Arsache soll in einem Motorschaden zu suchen sein. Der Führer dürfte versucht haben, im Vebel zu landen. Dabei streifte das Flugzeug die Dächer zweier Häuser, einige Bäume und Telephonmasten und stürzte dann ab. Don einem der Häuser wurde das Dach abgerissen. Drei darunter schlafende Kinder blieben unverletzt.
Zwei Segelflugzeuge verbrannt.
Der Segelflugverein Paderborn befand sich dieser Tage mit zwei Segelflugzeugen auf dem Wege nach Warstein (Kreis Arnsberg, Westf.). In Belecke fingen die Flugzeuge, die auf einem dem Auto angehäng-
Appori!
Lehrjahre eines Hundes.
Von Heinrich Hauser.
' Dei den Mexikanern heißt das Tier „Vaualli", das heißt „öer verkleidete Mensch". Sein Gesicht ist klug. In der Ruhe ernst. Wenn man ihn ansieht, freundlich. Dreit ist sein Kopf, an der gewölbten Schädeldecke liegt die Knochennaht. Vachdenklich sieht das aus. Glatt und braun sind seine Lefzen, wie Schokolade. Tief fallen sie über die Anterlippen; ihre Ränder sind gezackt. Wenn er die Zunge hechelnd hängen läßt, scheint er zu lachen. Flach sind seine Schultern, schräggestellt und muskulös. Gerade sind seine Vorderläufe, stark und trocken. Das Gelenk ist hart wie Horn. Seine Füße sind rund gewölbt, die Zehen dicht geschlossen, die Dalien derbkörnig, die Vägel nach innen gekrümmt. Zwischen den Zehen wachsen weiche Haare. Seine Drust ist tief, die Rippen seitlich flachgedrückt. Straff hochgezogen ist der Dauch zwischen den Schenkeln. Seme Haut ist locker, das Fell glänzt seidig. Zottig ist die Drust. Seine Augen sind wie heller Bernstein, seine Vase ist feucht.
In der Jugend lebte er frei im Haus und auf dem Hof.
Eines Ta^es wird er angeleint. Fest sitzt das Halsband mit dem Würgring. In seinem Racken fühlt er die Stacheln der Korallen. Er ist unruhig und ungestüm. Er ahnt sein Schicksal über sich.
Anheimlich ist ihm die Dressierstube. Anheimlich ist ihm der Ernst seines Herrn. Seine Lederhandschuhe, die bis über die Gelenke reichen, die Lederleine mit dem Karabinerhaken. Vertraut nur der Geruch des alten Iagdrocks.
Die linke Hand in die Hüfte gestemmt, gehe ich jetzt vorwärts mit der Leine. Der Hund merkt, daß die Korallen stechen. Mit allen Vieren stemmt er sich gegen die Bewegung an. Jetzt stechen ihn die Stacheln schärfer. Er weiß nicht, wie das kommt, was es bedeuten soll. Angst überwältigt ihn und Schmerz, und heulend wirft er sich zu Boden. Freundlich rede ich ihn an, und er beruhigt sich. Er lernt, daß die Korallen ihn nicht stechen, wenn er dem Herrn nur nachfolgt, dicht an seinem Fuß.
So lernt er gehen.
®r lernt gehorchen: der Pfiff des Herrn schlägt scharf und gellend in seine Vervenbahnen wie ein Blitz. Vagelt ihn fest am Boden, reiht ihn zurück. Die Stimme des Herrn durchglüht ihn mit Feuer,
ten Fahrgestell lagen, plötzlich durch eine große Stichflamme Feuer und waren in wenigen Minuten vernichtet. Gepäck, Anzüge und sonstiges Gerät der Segelflieger verbrannten ebenfalls. Der Brand soll durch Heißlaufen der Achse entstanden sein.
Gronau unterwegs.
Der deutsche Flieger Wolfgang von Gronau ist, wie aus Dutch charbor (Alaska) gemeldet wird, nach Attu, der Kamtschatka am nächsten liegenden Insel der Aleutengruppe, gestartet und dort programmgemäß gelandet. Von Attu will Gronau nach chormuschiro weiterfliegen.
Hutchinson mit Familie in Labrador gelandet.
Die „fliegende Familie" Hutchinson ist in hopedale (Labrador) gelandet.
Weltrekord gebrochen und doch fein Weltrekord
Der bekannte französische Kriegsflieger Hage l e n hat vom Flugplatz von Etampes aus den Versuch gemacht, den Weltschnelligkeitsrekord über 500 Kilometer mit 500 Kilo Nutzlast zu brechen. Obgleich ihm der Versuch mit einem erzielten Durchschnitt von 285 Stundenkilometer praktisch gelang, bleibt ihm die Anerkennung des neuen Weltrekords infolge eines Anfalles versagt. Außerordentlich dichter Vebel machte Hagelen nach vollendetem Flug die Landung in Etampes unmöglich. Da sich gleichzeitig roh Motorschwierigkciten einstelltm uid d?r Flieger es nicht wagen konnte, mit einer Belastung von 500 Kilo Vuhlast blind zu landen, sah er sich genötigt, die Maschine preiszugeben und mit dem Fallschirm abzuspringen. Der Rekordflieger kam unverletzt zu Boden.
Mollison kehrt mit dem Schiff zurück.
Wie aus Sidney (Neuschottland) gemeldet wird, hat der Transozeanflieger M o l l i s o n auf Bitten seiner Frau und auf den Rat des Arztes hin auf seinen zweiten Transozeanflug Amerika— England verzichtet. Er wird vielmehr mit dem Schiff zurückkehren.
..Graf Zeppelin" auf der Südamerikafahrt.
Wie die Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, befand sich das Luftschiff „Graf Zeppelin" am Mittwoch früh um 4.20 Uhr Greenwicher Zeit auf 11 Grad 20 Minuten Nord und 28 Grad 40 Minuten West, das ist südwestlich der Kap-Devdischen Inseln. Um 14 Uhr MEZ. war der Standort des Luftschiffs auf 4.15 Grad Nord und 32.10 Grad West, das ist ungefähr 200 Seemeilen nordwestlich von St. Pauls Rock.
Schmugglerbande ausgehoben.
Die Polizeibehörden von Deutschland, Oesterreich, der Tschechoslowakei und Polen verfolgten schon seit längerer Zeit die Spur einer Bande, die sich mit dem Schmuggel von Seidenwaren aus Wien über die Tschechoslowakei und Deutschland nach Polen befaßte. Der Kattowitzer Kriminalpolizei ist es jetzt gelungen, eine Anzahl von Mitgliedern dieser Schmugglerbande zu verhaften. Inzwischen ist es auch geglückt, die Schlupfwinkel der Bande auszuheben. So konnten in Kattowitz, Warschau, Czen- stochau und anderen Orten Polens mehrere ZentnergeschmuggelterSeidenwaren beschlagnahmt werden. Der Wert der beschlagnahmten Waren beträgt mehrere hunderttausend Zloty.
Schiffszusammenstoß in Japan. — 17 Personen ertrunken.
An der Küste der nordjapanischen Insel Hokkaido sind zwei japanische Dampfer z u s a m - menge st oßen. Der Dampfer „Kumia Maru" sank innerhalb weniger Minuten. 17 Mitglieder der Besatzung ertranken, sieben wurden gerettet. >
Schweres Unwetter im Elsaß.
Orkanartiger Sturm und h a g e l s ch l a g hoben in der Gegend von Brumath (Unterelsaß) in kurzer Zeit an den Kulturen ungeheuren Schaden angerichtet, der in die Millionen Franks geht. Die Tabakfelder sind fast gänzlich z e r st ö r t.
Mord aus Mitleid.
Ein furchtbares Drama hat sich in Hüttblek bei Kaltenkirchen (Holstein) zugetragen. Dort erdrosselte die Ehefrau des Arbeiters Blunk ihren dreizehnjährigen Sohn auf dem Boden des Hauses und begab sich dann zum Gemeindevorsteher, um die Tat zu melden. Der junge Blunk ist g e i st i g
wirft ihn in Abgründe tiefster Zerknirschung, nimmt ihn in Gnaden wieder auf.
Glücklich ist er, wenn er merkt, daß er das Dechte tut. Er lernt sich zu bezwingen, sich zu überwinden gegen die eigene Vatur.
Anter einer Schicht von unerbittlicher Härte spürt er die Liebe seines Herrn. Geheime Zeichen, Flüsterworte, Augenwinke erfüllen ihn mit dem Stolz des Verstehens.
Einsam bleibt er nach dem Anterricht im Zimmer angebunden. Qlllein mit sich durchlebt er alles noch einmal, unruhig im Gemüt, sehnsüchtig nach Befreiung, hungrig.
Amgang mit dem jungen Hund ist Umgang mit einer Persönlichkeit. Der Mensch mutz fühlen, wie seine Gaben sind, ob er weich ist oder hart, wie er begreift, wie man ihn anleiten mutz. Blick und Stimme sind Werkzeuge und die führende, fühlende, deutende Hand. Er mutz verstehen, das Feuer der Passion zu dämmen und doch zugleich zu schüren, damit Leidenschaft sich anstaut, immer bereit zum Einsatz, eine starke, unauslöschbare Glut.
Kaltblütig, besonnen, schnell entschlossen, Herr seiner Leidenschaften mutz der Führer sein.
Eines Tages nehme ich den Kopf des Hundes zwischen die Knie. Mit der Rechten greife ich hinter die Fangzähne, öffne ihm den Fang. Gleichzeitig schiebe ich die Linke zwischen die Lef- .zen: rufe „Apport". Der Hund blickt ganz erstaunt. Zaghaft und zart hält er die Hand in seinen Zähnen.
So lernt er Vögel und kleines Mild aufzunehmen ohne sie zu quetschen. Wenn er etwas begriffen hat, lobt man ihn sehr: der Anfang ist immer am schwersten.
Wenn die Kraft des Befehls ihm bis in die Knochen eingegangen ist, nimmt man ihn ins Revier.
Oft sieht er Hasen dicht an seiner Vase vorbeijagen. Begierde durchzuckt ihn bis in alle Verven: jetzt loszujagen, wie schön wäre das!
Ein ungeheurer Kampf spielt sich in seiner Seele ab. Leise winselnd blickt er immerfort nach seinem Herrn. Er zittert, aber rührt sich nicht vom Platz.
Eines Tages darf er einen Hasen hetzen. Im Zickzack über Hügel entschwindet er wie ein Komet in unbekannte Fernen.
Lächelnd sieht der Herr ihm nach. Dann wendet er sich um; mit weitem Satz überspringt er einen Graben, drückt sich in die nächste Kiefernschonung und legt sich nieder.
nicht normal. In der letzten Zeit war er aus einer Anstalt auf Ferien nach Hause gekommen. Hier bekam der Sohn einen Anfall, lief die Treppe zum Boden hinauf und begann dort zu toben. Die Mutter eilte ihm nach, nahm eine Schlinge und erdrosselte damit das Kind, um es von seinen Qualen zu befreien. Die Staatsanwaltschaft hat die Frau bereits vernommen. Sie ist ruhig und gefaßt und erklärt nur, sie habe es nicht länger mit ansehen können, wie ihr Kind leide.
Nervenzusammenbruch Jimmy Walkers.
Der Neuyorker Bürgermeister Jimmy Walker, dessen P r o z eß außerordentlich ungün» stig steht, hat nach einer Meldung Berliner Blätter aus Neuyork einen Nervenzusammenbruch erlitten, der die Unterbrechung des Verhörs notwendig machte. Die Aerzte erklärten Walker für verhandlungsunfähig und fordern die Aussetzung des Disziplinarverfahrens auf unbestimmte Zeit.
Aus der provinzialhaupistadt.
Gießen, den 1. September 1932.
Der Krastradfahrer.
Der Kraftradfahrer entstand durch Abspaltung von den Kraftwagenfahrern, die im Gegensatz zu ihm durch vier Räder kenntlich sind.
Er ist eines der am meisten beachteten Lebewesen und bildet eine Klasse für sich. Sein Nervensystem ist ganz besonders entwickelt. Während die Bewegungsnerven außerordentlich stark ausgebildet sind, fehlen andere wichtige Nervenstränge vollkommen. So ist er z. B. gegen Lärm, Geruch, Luftdruck usw. völlig unempfindlich.
Seine Bewegungen sind verschieden: Im dicksten Straßenverkehr gleichen sie denen eines Aales. Er windet sich durch jegliches Gewühl, wobei er vielfach rote oder grüne Lichter übersieht oder mißachtet. Auf den Landstraßen jedoch nehmen seine Bewegungen eine schnurgerade Richtung ein, die nur in allernotwendigsten Fällen, und dann auch erst im letzten Augenblick, geändert wird.
Seine Geschwindigkeit geht meistens sofort nach der Abfahrt in die beschleunigte Bewegung über. Sein Sehnsuchtsziel ist, die Mündungsgeschwindigkeit einer Gewehrkugel zu erreichen.
Er nimmt ständig unglaubliche Gefahren auf sich. Weil er stets in größter Eile zu fein scheint, das Horn bläst und in seiner Rüstung gefährlich aussieht, erregt er überall Aufmerksamkeit und Furcht.
Hat er das für ihn lästige, aber unbedeutende Getriebe einer Stadt hinter sich, so kommt er allmählich in das ihm von der Natur zugewiesene Element. Bei der Erfüllung seines Daseinszweckes, möglichst lange Strecken in möglichst kurzer Zeit zurückzulegen, schaut er weder rechts, noch links.
Irgendwo sich aufzuhalten, scheint ihm unmännlich; es sei denn, daß eine Panne ihn zu kürzerem, ober längerem Derweilen zwingt.
Wenn er durch Zufall seine Frau, oder ein Mädchen seiner oft sehr ausgedehnten Bekanntschaft in einem der kornisch geformten Behälter neben sich mitführt, wird man höchst selten bemerken, daß er diesem Lebewesen irgend welche Beachtung schenkt. Es sei denn, daß seine Begleiterin bei einer Kurve in sanftem Bogen das Fahrzeug verläßt, um auf einer weichen Wiese zu landen. Aber auch hier hat es sich schon ereignet, daß der Kraftradfahrer, ganz erfüllt von seiner Aufgabe, von diesem Vorgang keine Kenntnis genommen hat und erft am Ziel der Fahrt den leeren Behälter bemerkte.
So sitzt die Begleiterin meistens in ängstlicher Einsamkeit neben ihm, mit großen Augen in die oorbeislitzende Gegend schauend und von Zeit zu Zeit den im knallenden Lärm verhallenden Bittschrei ausstoßend, nicht so zu rasen. Er hört es indessen nicht, denn sie ist aus seinem Gedanken- gang ausgeschaltet.
Der Kraftradfahrer trägt stets einen unveränderlichen Ausdruck der Entschlossenheit zur Schau, vorausgesetzt, daß er uns Zeit läßt, ihn kurz zu betrachten.
Man hat immer den Eindruck, daß er ein seltsames und einsames Wesen ist, das eine ganz wichtige Aufgabe zu erfüllen hat. Vielleicht muß er eine Kriegserklärung an Bolivien überbringen! Vielleicht auch eine Botschaft an irgendeinen Marsbewohner! Wer kann es wissen! Jedenfalls scheint er immer im Dienst zu sein. In einem Dienst, von dessen Verrichtung Glück und Lebensmöglichkeiten ganzer Erdteile abhängen.
Je mehr Erde er an sein schattenhaftes Dasein heftet, desto glücklicher ist er. Er ist der Herr der Welt. Nur eine Macht bezwingt ihn:
Die Kraftradpolizei. M. A.
Zeit vergeht, wohl eine halbe Pfeife lang. Da erscheint der Hund, ein kleiner Punkt, eilig antrabend, etwas schief, mit hechelnder Zunge und beschämt. Er kommt an die Stelle, wo fein Herr gewesen ist. Aber da ist er nicht mehr.
Der junge Hund ist ganz verwirrt: wo ist er bloh geblieben? Aeberall äugt er umher. Da sieht er weit hinten auf dem Feldweg einen Menschen: Da ist ja der Herr, freudig jagt er auf ihn zu. — Aber nein, das ist er nicht.
Der Hund ist sehr enttäuscht. Er kommt zurück. Sein Ausdruck ist besorgt. Er schwärmt umher und sucht und sucht mit den Augen. Dann fetzt er sich hin und winselt leise. Schlimm ift'd, so ganz verlassen auf der Welt zu sein. Man streckt die Vase in die Luft und beult.
Er ist so matt von seiner langen Hetze, so entnervt von Angst. Wieder fängt er an zu suchen. Ein Hase, von ihm herauSgestotzen, geht dicht vor seinen Vase ab. Aber das kümmert ihn nicht mehr. Er denkt jetzt nur an seinen Herrn. Der Jäger beobachtet ihn lächelnd aus dem Vorhang der Kiefernzweige.
Jetzt ist der Hund wieder an der Stelle angekommen, wo der Herr zuletzt gestanden hat. Gr beschnüffelt die Stelle. Mit einmal durchzuckt es ihn wie eine Eingebung: die Spur! Seine Rute wippt vor Erregung hin und her. Er überfällt den Graben, er folgt der Spur mit tiefer Olafe, er bohrt sich in die Büsche. Da ist der Herr! And in unendlichem Glück springt er ihn an, schüttelt alle Schauer der Angst aus sich heraus. Ich bin zufrieden: der Hund zeigt Olafe.
Mensch und Hund lernen gegenseitig voneinander.
Der Hund heißt Hexe. In seiner harten Schule ist er ernst geworden. Im Wald war er wie ein Stück vom Wald. Ich schlafe mit ihm auf seiner Matte, den Kopf auf seine Rippen aufgelegt. Gr weckt mich in der Dämmerung mit einem warmen Strich feiner rauhen Zunge über mein Gesicht: Seit, auf die Jagd zu gehen.
Oie verräterische Kugel.
Die Feststellung der Waffe, mit her dem Opfer Die Wunde ober der Tob zugefügt wurde, spielt eine Hauptrolle bei der Aufklärung von Verbrechen. Wenn der Verbrecher sich einer Feuerwaffe bedient bat und das Projektil gefunden ist, hat man tech- nifdje Methoden ausgearbeitet, um mit Hilfe des Geschosses die Spur sowohl der Waffe als des Täters zu verfolgen. Charakteristische Merkmale an
I. Hessischer Grenadieriag.
Unser Gießener Bataillon bereitet zur Zeit in Gemeinschaft mit der Vereinigung ehemaliger hessischer Grenadiere eine große Veranstaltung vor, die am 1. und 2. Oktober als 1. Hessischer Grenadiertag stattfinden wird.
Als Auftakt zu dem Ereignis, das die guten Beziehungen zwischen unserer Garnison und der Bürgerschaft noch inniger als bisher gestalten, zugleich aber auch den Wehrgedanken in breitesten Bevölkerungsschichten ausbreiten und vertiefen soll, werden am 30. September abends die Fahnen der alten hessischen Regimenter aus Darm- stabt in Gießen eintreffen unb am Bahnhof von einer Fahnenkompanie in Empfang genommen werden.
Für den 1. Oktober sind bis jetzt folgende Veranstaltungen in Aussicht genommen: Preisschießen des Bataillons und der Grenadiervereinigung, Reitjagd des Bataillons und der ländlichen Reiteroer- eine, Preisschießen von Interessenten aus der Zivilbevölkerung, großes Biwack des Bataillons auf dem Trieb, anschließend Großer Zapfenstreich des Musik» korps des Gießener und des Ausbildungsbataillons von Marburg.
Der Sonntag, 2. Oktober, wird am Vormittag u. a. einen Feldgottesdienst auf dem Kasernenhof, ferner einen Parademarsch des Bataillons auf dem Trieb dringen. Am Nachmittag werden militärfport« liche Vorführungen und ein moderner Infanteriekampf auf dem Trieb gezeigt. Den Abschluß dieses Tages soll am Abend ein großer Festball in der Dolkshalle bilden.
Olcben diesen Hauptpunkten des bis jetzt vorgesehenen Programms werden noch eine Reihe weiterer Okranftaltungcn geplant, über die näheres noch mitgeteilt wird; u. a. will man auch der Zivilbevölkerung Gelegenheit geben, die Güte der militärischen Kost an den Feldküchen in ausgiebigem Maße selbst feststellen zu können.
Sämtliche Veranstaltungen, auch auf dem Ka- fernenhofe, werden der Zivilbevölkerung zugängli ch sein, da man, dem Charakter des Festes entsprechend, auf engste Fühlungnahme zwischen Militär und Zivil bei diesem ersten militärsportlichen Ereignis dieser Art größten Wert legt.
Die Bevölkerung in Stadt und Land, ganz besonders die Militärvereine und die alten Soldaten, seien schon heute auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht, und es sei ihnen angeraten, sich den 1. und 2. Oktober für den Besuch dieses Militärfestes freizuhalten.
Kriminalinspekior Magold.
Kriminalpolizeimeister M a g o l d wurde (wie gestern schon von uns gemeldet. — D. Red.) durch Verfügung des Justizministeriums mit Wirkung vom 1. September an zum Krimi- nalinspektor bei der Staatsanwaltschaft Gießen befördert.
M a g o l d wurde — so schreibt uns das Polizeiamt Gießen — am 1. August 1919 bei dem Polizeiamt Gießen als Polizeiwachtmeister an- gestellt. Vach vierjähriger vorzüglicher Dienstzeit bei der Vollzugspolizei wurde er am 1. Oktober 1923 zur Kriminalabteilung kommandiert, um dann vom 1. Dezember 1924 an zum etatmäßigen Kriminalwachtmeister ernannt zu werden. In den Jahren 1926 und 1930 hat Kriminalinspektor Magold die Polizeimeister- und Kommissarprüfungen mit Erfolg abgelegt. Am 1. Juli 1928 zum Kriminal-Polizeimeister ernannt, hat Magold namentlich auf dem Gebiete des
der Kugel sind nicht weniger auffallend als Fingerabdrücke, führt Alain de Täters im „Miroir du Monde" aus. Größe, Gewicht und Durchmesser des Geschosses bilden ebensooiele Kriterien zur Ausmusterung der fälschlich in Verdacht gekommenen Schußwaffen. Besondere Zeichen, die an der Kugel feftgefteUt werden, winzige Kratzer oder Erhöhungen, sind direkte Hinweise auf das verwendete Instrument. Die Kugeln aus zwei verschiedenen Pi- ftolen oder Gewehren sind niemals ganz gleich, wenn auch vom gleichen Kaliber. Schon wenn sie die Fabrik verlassen, weisen sie feine Unterschiede auf, in ihren Kerben, Aetzungen, winzigen Rillen, ja in der Struktur des Metalls selbst Mit der Zeit wirken sich diese feinen Unterschiede aber aus. Die durch die feinen Unebenheiten erzeugte Reibung er- zeugt wieder verschiedene Kratzer und Spuren, je nach der Art des Schießpulvers und der Kartuschen. Rostflecke und andere zufällige Veränderungen sind unvermeidlich. Die Untersuchung dieser Zeichen ist eine heikle Aufgabe, die besondere Kunstgriffe und eine große Hebung im „Ablesen" ihrer Bedeutung erfordert. Eines der dabei verwendeten Hilfsmittel ist ein langes dünnes Rohr, das in den Lauf der Feuerwaffe hineinpaßt. Zunächst wird ein op- tifcher Erfolg erzielt durch einen Spiegel, der das Innere des Laufes hell beleuchtet. Ein Okular am Ende des Rohres ermöglicht es dem Untersuchenden, den Zustand der Innenseite des Laufes zu untersuchen. Dann seht er einen Photoapparat in Tätigkeit. Die Negative werden stark vergrößert und lassen nun alle Einzelheiten im Inneren des Laufs deutlich erkennen. Diese Zeichen werden mit dem vorliegenden Geschoß verglichen. Um den daraus gezogenen Schlüssen größere Sicherheit zu geben, wißt man auch noch den Gasdruck im Augenblick der Entladung: die innerhalb der Patronenhülse entbundene Energie. Mit Hilfe eines besonderen 3eit« Registrierapparates, der mittels Funken-Entladungen arbeitet, kann sowohl die Anfangsgeschwindigkeit des Projektils festgestellt werden als auch die Geschwindigkeit an einem beliebigen Punkte seiner Saßn. In bestimmten Entfernungen werden Netze aus horizontalen leitenden Drähten aufgestellt. Das Aufleuchten eines Drahtes in einem dieser Siebe bedeutet jedesmal, daß eine Kugel einen elektrischen Stromkreis unterbrochen hat. Diese Unterbredjung wird von dem Registrierapparat verzeichnet zugleich mit dem Bruchteil der Sekunde, in dem er erfolgte. Die Entfernung der Schirme voneinander in 23er- binbung mit der Zeitspanne zwischen den einzelnen Funken gibt den nötigen Hinweis für die entsprechende Geschwindigkeit.


