1919 den Wahlkampf noch gegen links geführt hatte, sich für eine Koalition mit der Sozialdemokratie entschieden. Es bleibt abzuwarten, ob diese dogmatisch - theologische Beschwörung auch diesmal wieder verfängt.
Sollte sich das Zentrum für eine stillschweigende Tolerierung der Regierung durch einstweilige Stimmenthaltung entschließen, so wird es selbstverständlich bestimmte politische Forderungen stellen. Die Reichsregierung hat in der N e u b e - setzung der preußischen Minister- p o ste n die Möglichkeit, sowohl dem Zentrum als auch den Nationalsozialisten Posten von stärkster politischer Bedeutung anzubieten. Schwieriger wird es für beide Parteien schon sein, die geeigneten Kandidaten namhaft zu machen. Das Zentrum hatte so ziemlich alle prominenten Bertreter in das Kabinett Brüning und die Preußen-Regierung Braun-Hirtsiefer entsandt. Die Nationalsozialisten dürften Gregor Straßer für ein Ministeramt im Reich oder in Preußen Vorschlägen. Gregor Straßer gilt jedoch als Anhänger eines ertremen Sozialismus und dürfte von den Deutschnationalen abgelehnt werden. Durch sein katholisches Glaubensbekenntnis und seine Querverbindungen zu den christlichen Gewerkschaften könnte jedoch gerade er der Mittelsmann für eine Zusammenarbeit zwischen Zentrum und Nationalsozialisten werden. Auch in Kreisen, die dem Zentrum nahe stehen, wird es übrigens bedauert, daß sich der ehemalige Reichskanzler Dr. Brüning im Wahlkampf allzu stark in die Arena der Massenversammlungen begeben und festgelegt hat. Der ursprünglich von der Reichsregierung geplante Wiedereinsah Brünings auf einem führenden Posten des Reiches oder in Preußen wird sich daher kaum verwirklichen lassen.
Die ASDAp. zum Wahlergebnis
München, 1. August. (TU. Drahtmeldung.) Das Ergebnis der Reichstogswahl wird, wie die Prefse- siclle der NSDAP, mitkeilt, von der NSDAP, m i t großer Befriedigung ausgenommen. Der unaufhaltsame Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung findet seinen Ausdruck in der gewaltigen Slimmenzahl, die die Partei erreichte. Damit ist auch die Stellung der NSDAP, gegenüber den anderenparteien gekennzeichnet. Das Recht aufdie StaatsführungimReich kann ihr nicht mehr streitig gemocht werden. Die NSDAP, ist um so mehr entschlossen, dieses Recht für sich in Anspruch zu nehmen, als die allernüchkernslen außen- und innenpolitischen Erwägungen insbeson- ders auch die bei dieser Dahl wieder deutlich gewordene bolschewistische Gefahr eine starke, im Bolk verankerte Reichsregierung gebieterisch erfordern.
Oie Landtagswahlen in Thüringen.
Das amtliche Gesamtergebnis.
Weimar,!. Aug. (TU. Funkspruch.) Die Wahlen zum Thüringer Landtag hatten folgendes Ergebnis:
SPD.
225 637
15
(18)
Mandate
Thüringer Landbund
77 645
5
(9)
Nationalsozialisten
395 895
26
(6)
Kommunisten
149 939
10
(6)
Dirtschaftspartei
10 542
0
(6)
DDP.
16 732
1
(5)
DNVP.
29 664
2
(2)
Staatspartei u. Zentrum
17 313
1
(1)
SAP.
2 062
0
(0)
Ehrifttich-Soz. Volksdienst
5 321
0
(0)
>>
Weitere Stimmen aus England.
Abgesehen von News Chronicle beschränken sich die Blätter auf die Wiedergabe der Berichte ihrer Vertreter in Deutschland, von denen mehrere der Ansicht sind, daß die nationalsozialistische Bewegung ihren Höhepunkt erreicht bzw. bereits überschritten habe. So sagt der Berliner Korrespon- dent des „N e w s Chronicle": Hitler hat einen
Sie Verwallungsreform in Preußen.
Zusammenlegung von 105 Landkreisen und Aufhebung von 60 Amtsgerichten.
Berlin, 31. Juli. (END.) Das Wolfbureau ist in der Lage, einen genauen und vollständigen Lieberblick über die Spar- und Reformmahnahmen zu geben, die das preußische Staatsministerium am Mittwoch auf Grund der Zweiten Sparverordnung vom 23. Dezember 1931 beschlossen hat. Der Beschluß umfaßt:
1. Die Angliederung der Regierung in Stralsund an die Regierung in Stettin mit Wirkung vom 1. Oktober 1932.
2. Die Zusammenlegung von 105 Landkreisen. Das geschieht in der Form, daß immer zwei der in die Reform einbezogenen Landkreise zu einem neuen zusammengelegt werden mit Ausnahme eines Falles, in dem die Zusammenfassung drei Kreise umfaßt. Dazu kommt noch die Aufteilung von vier Landkreisen auf mehrer« andere und schließlich die Eingliederung der Insel Helgoland in den Landkreis Pinneberg. Auf dies« Weise vermindert sich die Zahl der insgesamt 408 preußischen Landkreise auf 351.
3. Vier Provinzgrenzänderungen.
4. Die Aufhebung von 60 Amtsgerichten.
5. Weitere Maßnahmen in der Ze n t ra linst a n z , über die Einzelheiten noch nicht vorliegen, sondern zum Teil auch von den bereits angekündigten Verhandlungen zwischen Preußen und dem Reich über eine N e u -
großen Kampf gekämpft, seine Partei wird die stärkste Deutschlands sein. Aber die Stimmabgabe zeigt deutlich, daß die Bewegung ihren Höhepunkt erreicht hat und daß sie in vielen Bezirken bereits zurückzugehen beginnt. Der Berliner Korrespondent der Daily Mail glaubt, daß die Regierung jetzt danach streben werde, die Idee un-d die Begeiste. rung der Nationalsozialisten mit der konservativen Haltung des Zentrums und die Ira- ditionstreue der Deutschnationalen zu vereinen. Der Bertreter des Daily Herold führt aus, Hitlers Traum, Deutschland allein mit einer parlamentarischen Mehrheit zu beherrschen, ist für immer dahin. Das Wahlergebnis zeigt, daß der Zauber der nationalsozialistischen Propaganda endlich gebrochen ist.
Kleine politische Nachrichten.
Das Reichsgericht hat die Beschwerde der sozialdemokratischen „B o l k s st i m m e" in Frankfurt a. M. gegen das Verbot wegen Beschimpfung und böswilliger Verächtlichmachung des Reichskanzlers und der Deichsregierung a l s unbegründet ko st en fällig verworfen. Das Verbot gründete sich auf einen Artikel mit der Lieberschrift: „Nationale Würdelosigkeit in Genf" und auf eine in derselben Ausgabe veröffentlichte Karikatur.
•
Die Frankfurter nationalsozialistische Tageszeitung „Frankfurter Volksblatt" ist vom 1. b i s 7. QI u g u ft verboten worden. Als Grund des Verbotes wird der maßlose Kampf des Blattes gegen die hessische Regierung angegeben.
Der Polizeipräsident hat die kommunistische „Rote Fahne" einschließlich aller Kopfblätter bis zum 10-August einschließlich verboten wegen eines Aufrufs des Zentralkomitees der KPD., in dem zum gewaltsamen Sturz der Verfassung zwecks Errichtung einer Arbelterdiktatur aufgefordert wird.
•
Vor dem polnischen Ausnahmegericht in ©hingen wurde her deutsche Reichsangehörige R e •
auf teilung der Aufgabenkreise abhängen.
In den Beschlüssen sind folgende Reformen
in -er Provinz Hessen-Nassau.
Die bisher zur Provinz Hessen-Nassau gehörende Herrschaft Schmalkalden wird der Provinz Sachsen zugeteilt, ebenso die Grafschaft Schaumburg der Provinz Hannover. Der bisher zur Rheinprovinz gehörende Kreis Wetzlar kommt zum Regierungsbezirk Wiesbaden.
Folgende Kreise werden zusammengelegl:
Fulda und Gersfeld, Kreissih Fulda. Fritzlar und Homberg, Kreissitz Fritzlar. Kassel und W o l f h a g e n, Kreissitz Kassel. Marburg u. Kirchhain, Kreissih Marburg. Obertaunuskreis und Llsingen, Kreissih Bad Homburg. Westerburg und Ober- westerwaldkreis, Kreissih Westerburg. D i l l k r e i s und Biedenkopf, Kreissitz Dillenburg.
Folgende Amtsgerichte werden aufgehoben:
Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt a. M.: Braubach, Gammertingen (Regierungsbezirk Sigmaringen), Wald und Katzenelnbogen.
Oberlandesgerichtsbezirk Kassel: Olbterode, Amöneburg, Bieber, Dir ft ein, Bischhaufen, Burghaun, Meerholz, Nentershausen. Tletra, Niederaula, Rauschenberg, Rosenthal, Schwarzenfels. Veckerhagen, Vöhl, Wanfried und Zierenberg.
schot kow sky weaen Spionage zugunsten Deutschlands zu sieben Jahren schweren Kerkers verurteilt. Reschotkowsky wurde kürzlich auf Danziger Gebiet von polnischen Spitzeln feftgenommen und nach Polen verschleppt.
Aus aller Welt.
„Graf Zeppelin" in Danzig.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist in
Danzig eingetroffen. An Bord befanden sich 22 Passagiere, darunter Gräfin Brandenstein, sowie drei Danziger Senatoren. Senator Dumont sprach dem Führer des Luftschiffes, Kapitän Lehmann, den Dank der Danziger Regierung aus und betonte, daß der Flug des Zeppelin nach Danzig eine besondere Ehrung für Danzig sei. ^Auf dem Flugplatz Langfuhr hatten sich bei schönstem Sommerwetter Zehntausend« von Zuschauern eingefunden, die bei der Landung des Zeppelins in begeisterte Hochrufe ausbrachen und das Deutschlandlied anstimmten. | Später stieg „Graf Zeppelin" mit greihig Passagieren zu einer Fahrt über die Ostsee nach Südschweden auf.
Aljechin Sieger im Internationalen Schachturnier in Bern.
Sieger im internationalen Schachturnier in Bern wurde Aljechin mit 12Vs Punkten vor Euwe und Flohr mit je 11»/,. Sul- tan Khan mit 11 und Bernstein und Bo- goljubow mit je 10 Punkten. Als 7. folgt der schweizerische Meister Hans 2 ohne r mit 7 Punkten.
Hamburger Hebedampfer auf dem Wege zur „Niobe".
Die Hebeleichter „Berger I" und „Hiev" der Hamburger Bugsier- und Bergungs-AG., der die Hebung des Wracks der „Niobe" übertragen ist, trafen in Holtenau bei Kiel ein. Nach der Kohlenübernahme sind die Schiffe zur Unglücksstelle ausgelaufen. Die Nachforschungen nach den Toten der „Niobe" an der deutschen und dänischen Küste, sowie auf See, sind bis jetzt ergebnislos verlausen.
Gefährliche Verträge.
Außenpolitische Umschau.
Von Or. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Äerlin.
Nach fast sechs Monaten hat die A b r ü st u n g s - konferenz nicht mehr als ein Arbeitsprogramm zustande gebracht. Man braucht über den Inhalt der Entschließung nicht viele Worte zu verlieren. Sie ist ohne Inhalt, und knüpft auch das, was etwas wäre, an Vorbehalte und Bedingungen der Beteiligten: nichts über die Wehrpflicht, nichts über direkte Beschränkung des Kriegsmaterials, nichts über die Gleichberechtigung. Mit Recht hat zu dem Punkte: ständige Kontrolle der Abrüstung, der _us- fische Vertreter gesagt, daß dies vollends keinen Zweck hätte, weil — überhaupt nichts zu kontrollieren ist. Nach dem immerhin nicht bedeutungslosen Anlauf der ersten Phase ist das ein völliger F e h l s ch l a g. Die Folgen dieses Rückschlags müs- len psychologisch sehr groß sein: wer soll denn nach diesem Ausgang für die Abrüstungsbewegung überhaupt noch mit Begeisterung tätig 'ein? Henderson hat selbst erklärt, er werde das Präsidium nicht wieder übernehmen, wenn nicht bis zum Wicder- ZU'ammentritt der Konferenz Voraussetzungen ge- Ichaffen wären, daß die großen Mächte bereit seien, aon Worten zu Taten überzugehen. So wie die Dinge heute ausseh. n, ist es durchaus nicht wahrscheinlich, daß Anfang des nächsten Jahres, bis wo- h'.n sich doch in der Weltpol'tik auch allerlei ändern w'rd, die Abrüstungskonferenz wieder Zusammentritt.
Deutschland hat gegen dis Ents hließung gestimmt. Dieses Nein auch in der ultimativen Fassung war absolut richt g, hinter dieses Nein kann und wird Deutschland nicht zurückgehen. Und wie die heute maßgebende Kre "e der Regierung das auf- sasstn hat General v Schleicher .n Hiner Rund- fjiifrebe sehr beffmmt gesagt. So wird ohne wei- tcns klar, daß dieser Ausgang der zweiten Phase der Abrüstnngskonfer >z einen neuen, ganz neuen Abschnitt d e r Weltpo.litik einlei« tet, was sich die Drahtzieher dieser Resolution vielleicht selbst nicht ganz klargemacht haben.
Wie in Lausanne hat Deutschland auch in Genf der Front von England und Frankreich gemeinsam gegenüber gestanden. Immer näher sind die beiden einander gekommen. In den letzten Wochen wurde die Konferenz ja einfach zu Gehe i m v e r h a n d l u n g e n der Franzosen und Engländer, zu denen nur der Amerikaner und der Tscheche zugezogen wurde, während die anderen, namentlich die Deutschen, die Russen und die Italiener draußen standen. Lausanne wie Genf haben eine Wiederherstellung der englisch.französischen „entente c o r d i a 1 e" gebracht — das ist das Weitere von Bedeutung für die WeltpolitikI
Für die Olbrüstungsentschliehung hat Amerika gestimmt. Diese amerikanische Taktik in Genf ist unverständlich. Hoover hat keinen Zweifel daran gelassen, daß er ein wirkliches Ergebnis der Konferenz wünsche, und er hat schließlich für diese nichtssagende Entschließung stimmen lassen, die d a s Fiasko bescheinigt. Er hat sich damit selbst in eine Sackgasse manöveriert. Man halte das nun mit Lausanne zusammen: dort schlossen sich die europäischen Schuldner Amerikas zu einer Front gegen das letztere zusammen, und hier stimmte Amerika m i t ihnen, so daß, wenn im weiteren Verlauf der Schuldendebatte Amerika mit der Rüstungsfrage kommen will, es sich ent- gegenen lassen muß, dah es in Genf ja selber für die Entschließung gestimmt habe, daß also zunächst einmal in der Abrüstung auch nach deiner Auffassung das Nötige geschehen sei! Diese amerikanische Politik ist in sich unklar, unverständlich gewesen, muß Amerikas Stellung und die Hoovers im besonderen schwächen und das ist für das Ganze der Weltpolitik nur bedauerlich.
Aber auch die deutsche Taktik haben wir nicht verstanden. Nach der ersten Phase wies ich darauf hin, daß nach diesem Start nun alles darauf ankomme, zum Punkt Gleichberechtigung bestimmt zu sagen, was wir damit wollen, und taktisch den Boden auf das äußerste vorzubereiten, indem man zugleich nach Bundesgenossen suche. Davon war nichts zu sehen. Wochenlang schwieg die deutsche Vertretung einfach. Die anderen verhandelten im
Oie Windhose.
Oder: Wie ich Friedrich Haase kennen lernte.
Von Hans von Zedlih.
Friedrich Haase, der berühmte Charakterdarsteller und Gastspielvirtuose, verbrachte die letzten Sommer seines Ledens regelmäßig in Bad Harz, bürg. Das dortige Kurtheater mußte es sich gefallen lassen, mich als blutjungen Anfänger den Ferdinand in „Kabale und Liebe" agieren zu sehen.
Mein Lehrer Basil (heute noch Oberspielleiter am Staatstheater München) war zu meinem ersten Auftreten nach Harzburg gekommen. Am nächsten Tage schlenderten wir gemütlich durch die Straßen. Plötzlich sagte Basil, auf einen Balkon in der ersten Etage deutend: „Da sitzt Friedrich Haase!" Und rich- tig, im Lehnstuhl, die Beine in eine Decke gewickelt, saß „er",Jo wie ich ihn von unzähligen Bildern her kannte. Mein Herz begann gewaltig zu schlagen: Hier saß ein König der Schauspielkunst, und ich konnte „ihn" womöglich persönlich kennen lernen! Basil rief ihn an: „Guten Morgen, Herr Haase!" (Haase war damals schon hoch in den Achtzig und etwas schwerhörig.) Es entwickelte sich folgender Dialog.
Haase: „Wer ist da?"
Basil: „Hier Basil. Kennen Sie mich nicht mehr?"
Haase (steht auf und lehnt sich über die Brüstung): Herrjeh, Fritze! Beinahe hätte ich Sie nicht erkannt. Sie haben sich ja die ganzen Haare roegamüfiertl"
Basil: „Ja, man wird älter — wir haben uns immerhin einige Jährchen nicht gesehen."
Ich (leise zitternd vor Aufregung): „Stellen Sie mich doch bitte vor!"
Basil: „Lieber Haase, darf ich Ihnen hier meinen Schüler, Herrn von Zedlitz, vorstellen?"
Ich: Tiefe Verbeugung.
Haase (ohne mich zu beachten): „Haben Sie gelesen, daß gestern in Braunschweig eine Windhose war?"
Basil: „Nein, aber gestatten Sie, daß ich Ihnen meinen Schüler —"
Ich (tiefe Verbeugung).
.Haase: „So eine Windhose muß was furchtbares fein. Von vierundzwanzig Häusern sind die Dächer zum Teil weggerissen worden."
. ?°Ül:e,L,2)a5 schrecklich, aber Sie erlauben, daß ich Ihnen Herrn von Zedlitz —"
. Ich: (Verbeugung).
Haase: „3n Amerika sind die Windhosen noch viel schlimmer. Da werden nicht nur die Dächer, sondern ganze Häuser umgerissen."
Basil: „Das habe Ich auch schon gehört. Aber ver- zeihen, Sie, mein Schüler, Herr von Zedlitz, will Ihnen so gern vorgestellt werden."
Ich: (Tiefe Verbeugung).
Haase: „Haben Sie eigentlich schon einmal eine Windhose erlebt?"
Basil: „Nein, aber mein Schüler würde sich freuen, wenn er —"
Basil: „Wenn eine Windhose kommt, und man geht auf der Straße, kann man so durcheinander gewirbelt werden, daß man sich alle Knochen bricht."
Basil: „Na, in Braunschweig wird's wohl nicht so schlimm gewesen sein. Hier mein Schüler —"
Haase: „Sagen Sie das nicht. Ein paar Leute haben Dachziegel auf den Kopf bekommen."
Basil: ,p, das tut mir leid. Mein Schüler, Herr von Zedlitz, hat gestern hier am Kurtheater den Ferdinand —
Haase: „Es ist sehr schwül heute — es ist möglich, daß hierher auch mal eine Windhose —"
SBtr gaben’s enbgültia auf, grüßten und wollten gehen, da rief uns Haase nach: „Sagen Sie, Fritze uRan'b ^Utcn^' roer 'st denn eigentlich der junge
Nun war's doch so weit.'! Ich wurde „ihm" vor- gestellt!!!!
Haaie (süßsauer lächelnd): „Schauspieler sind Sie?? Auch so einer von den „Modernen , was? Lernt ja feiner mehr sprechen heutzutage!! Da sitzt man im Theater, versteht kein Wort, und nach jedem Satz m?4‘eoo^a?i WT:. "Wie bitte?? Was haben Sie Und dafür muß das Publikum Eintritt bezahlen?? — No- imponiert mir gar nicht, das „Moderne — noü Sprach's, wandte sich um und verschwand hoheitsvoll in den inneren Gemächern.
Ich habe ihn nicht mehr gesehen. Wenige Monate später starb er. •
Ein großer Walfisch und eine kleine Sehnsucht.
Seitdem die Bilder des Zöllners Rousseau entdeckt wurden und Weltruf erlangten, haben sich findige Leute stets immer wieder auf die Suche begeben, um neue Naturtalente, wie jener Zöllner es war, ans Tageslicht zu fördern. Dazu muß man wissen, daß das Interesse an Malerei in Frankreich noch in weitesten Kreisen fest verankert ist, daß es
hierzulande vielleicht ebenso viel „Sonntagsmaler" gibt wie anderswo Sonntagsjäger. Kleine Rentner, Handwerker, Postbeamte, Gemüsehändler setzen sich oft in ihrer freien Zeit an die Staffelei; was bei dieser Arbeit herauskommt, ist wohl in den seltensten Fällen vollgültige Kunst wie die Kunst Rousseaus, aber immer aufschlußreich, rührend uni nicht ohne Reiz für Kenner.
In diesem Sinne ist kürzlich in Paris eine neue Ausstellung eines Malers eröffnet worden, der nie im Leben eine einzige Malstunde erhalten hat. Es handelt sich um Monsieur Eugöne, einen kleinen, runden Mann von siebzig Jahren, der wohl früher etwas mit der Eisenbahn zu tun gehabt hat. Er malt grundsätzlich nichts als Fische, von den kleinsten Sardinen bis zum dicksten Hecht im Karpfenteich, von der winzigsten Krabbe bis zum trockensten Stockfisch, der auf dem Erdenrunde zu finden ist. Man glaubt sich in ein Marinemuseum versetzt, oder in ein naturwissenschaftliches Kabinett, denn von allen Seiten glotzen einen Fische an, „Brustbilder von Fischen", „Gesamtporträts", tote oder lebendige Stilleben, in den Tiefen des Meeres, tot am Strande, sterbend auf dem Markt, abgehäutet im Kochtopf, in Soße auf dem Teller— es ist eine wahre Schreckenskammer. Wer aber meint, diese Bilder ließen den Schluß zu, daß Monsieur EugSne ein alter, unver- besserlicher lierquäler sei, der irrt sich gewaltig. Er malt diese Fische, weil ihn Fische ganz besonders interessieren, und weil er Fische liebt. Jahrelang, so erzählt er, hat er mit Hilfe verschiedener Lehrbücher die Anatomie des kleinsten Herings und des größten Delphins eingehend studiert. Er weiß so viel über Fische wie kaum ein anderer lebendiger Mensch. Und bann sollte er nicht das Recht haben, seine Lieblingshaustiere, mit den Augen der Liebe gesehen, auf die Leinwand zu bringen?
Kürzlich hat ein französischer Schriftsteller Monsieur Eugene interviewt. Diskret hat er ihn gefragt, er sei doch nun nicht mehr der Jüngste, also — was denn noch sein letzter großer Wunsch im Leben wäre? Darauf blickte der alte Mann nachdenklich zu Boden. Plötzlich leuchteten seine Augen. Und mit verlegenem Lächeln, mit verhaltener Begeisterung kam es ihm über die Lippen: „Ja ... wenn ich einmal einen Walfisch malen könnte ...I" Es wäre wirklich hübsch, wenn man unter einigen reichen Leuten der Pariser Gesellschaft eine Sammlung veranstalten würde, daß man dem alten Mann zu feinem 71. Geburtstag einen ausgeftopften Walfi ch schenken kann ...
Gouverneurin und Köchin.
„Eine Frau kann eine ebenfogute Gouverneurin wie Köchin fein.“ Das ist die stolze Dehaup- tung, mit der „Ma“ Ferguson bei ihrem neuem Wahlfeldzug um den Posten des Gouverneurs von Texas sich empfahl. „Ma" Ferguson, die gegenwärtig 57 Jahre und Großmutter ist, hat schon einmal diese hohe Staatsstellung im Jahre 1924 bekleidet. Sie hat auch die besten Aussichten, wieder an die Spitze des Staates Texas zu treten, denn sie hat bei der Bestimmung des demokratischen Kandidaten, für den Posten durch die Partei über den Gouverneur Sterling mit 73 000 Stimmen gesiegt. Da die Demokraten in Texas überwiegen, so dürfte Frau Ferguson im nächsten Monat zum Gouverneur gewählt werden. Ihr Gatte „Jim stand auch schon einmal an der Spitze von Texas, wurde aber wegen schlechter Amtsführung angeklagt und von seinem Posten entfernt. Dieser dunkle Punkt in feiner Vergangenheit hält ihn aber nicht ab, für feine Frau bei der diesjährigen Wahl die Propaganda zu leiten. Er reift mit ihr zusammen von Stadt zu Stadt, hält die Wahlreden, mit einem Zylinder und einem bunten Schlips angetan, und singt in Hellen Tönen das Lob feiner Gattin, die neben ihm fitzt und die Wähler mit ihrem freundlichsten Lächeln ansieht. Die Gegner werfen „Ma" vor, daß sie während ihrer Amtsführung von ihrem Begnadigungsrecht allzu reichlich Gebrauch gemacht habe, aber ihr Gatte versichert, daß die 3600 Degnaöigungs- anträge, die seine Frau als Gouverneurin bewilligte, ein Beweis ihres guten Herzens sind und daher zu ihren Gunsten angerechnet werden müssen. Frau Ferguson selbst legt besonderes Gewicht auf ihre hausfraulichen Fähigkeiten. Sie behaup- tet, daß eine tüchtige Hausfrau, die ihren Haus- halt m Ordnung halte, am besten geeignet sei. auch einem Staatswesen vorzustehen. Während sie in dem Regierungsgebäude von Texas die Gouverneursgeschäfte leitete, hat sie zu gleicher Zeit zu Hause die wichtigsten Angelegenheiten erledigt, eigenhändig Obst und Gemüse eingemacht und Marmelade hergestellt. Diese Tüchtigkeit imponiert den Wählern. Als man sie fragte, ob sie auf dem Rat ihres Gatten hören würde, wenn sie wieder gewählt würde, erwiderte sie: „Aber selbstverständlich. Welche ^rau würde das nicht tun?" „Jim" hält das sogar für einen großen Vorteil und ruft den Wählern zu: „Wir bieten dem Volk von Texas ein vortreffliches Geschäft an: zwei Gouverneure für den Preis von einem. Kann man mehr bieten?"


