llr.178 Erstes Blatt
182. Jahrgang
Montag, 1. August 1952
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Llnabhängige Giaaisführung.
Der Aufruf des Reichspräsidenten und der Reichsregierung in der letzten Stunde vor der Wahl konnte und wollte dem Wähler nicht mehr Ratgeber sein. Cr zielte über den g e st r i - gen Sonntag hinaus auf die Dinge, die nun kommen sollen. Diejenigen, die es in erster Linie angeht, dürften sich dessen schon bewußt geworden sein. Die Triumphgesänge und die Klagelieder und die Dertuschungsmanöver werden nur noch eine kurze Weile das Feld behaupten dürfen. Dann werden sich die Parteien, auf die es jetzt ankommt, vor sehr ernste Lebensfragen gestellt sehen. Die Wahrscheinlichkeitsberechnung, von der die Regierung ausgegangen ist, daß nämlich die Dcufschnationalen und die Rationalsozialisten die absolute Mehrheit nicht erreichen würden, hat gestimmt. Die Machtverteilung im neuen Reichstag entspricht derjenigen des Preußischen Landtags seit dem 24. April. 3n Preußen hat sich gezeigt, daß diese Mehrheitsverhältnisse das Parlament zunächst zur völligen Ohnmacht verurteilt haben. Cs war nicht möglich, eine Regierung zu bilden, die annähernd mit dem zum Ausdruck gekommenen Willen der Volksmehrheit im Einklang gestanden hätte. Das eben haben oer Reichspräsident und seine Ratgeber verhindern wollen, daß die preußische Groteske nach dem 31. Juli im Reiche eine traurige Wiederholung fände. Wenn sich nun auch gezeigt hat, daß die beiden Parteien der Rechten zusammen noch nicht über die Mehrheit verfügen, so ist doch der Schwerpunkt im politischen Meinungsausdruck und in den neuen parlamentarischen Machtverhältnissen sehr stark nach rechts gerückt worden. Die vorausschauende Politik des Reichspräsidenten hat in der Bestellung einer neuen Regierung Tatsachen geschaffen, die diesen Veränderungen Rechnung tragen. Wir haben also im Reiche bereits eine Regierung, die wesentliche Forderungen und Gedanken der machtvollen neuen Volksbewegung in ihre politische Willens- und Zielrichtung ausgenommen hat, die aber anderseits wegen ihres überparteilichen Charakters die Möglichkeiten in sich trägt, das wertvolle Reue an bewährtes Altes anzuknüpfcn.
Darüber kann sich ja nach allen Erfahrungen des letzten Jahrzehnts kein Mensch mehr im Zweifel sein, daß bei solchen Mehrheitsverhältnissen aus dem parlamentarischen Kuhhandel heraus keine starke Regierung entstehen könnte, die den angedeuteten Brückenschlag in sich zu vollziehen vermöchte. Das Zentrum würde es nicht über sich bringen, einem Nationalsozialisten die Führung zu überlassen. Umgekehrt kann man es der stärksten Partei des Reichstags nicht zumuten, diesen Anspruch gutwillig aufzugeben. Was wäre das wohl für ein Hängen und Würgen zwischen Zentrum und Nationalsozialisten geworden, bis man sich nach langen Wochen auf einen neuen Kanzler geeinigt hätte. Einen besonders starken Mann würde man da kaum ausgesucht haben, weil es das natürliche Bestreben aller Koalitionspartner gewesen wäre, den neuen Führer nicht aus der Abhängigkeit von den Parteien zu entlassen, ihn vielmehr diese Abhängigkeit dauernd fühlen zu lassen. Da ist es schon besser, wenn sich die Parteien irgendwie mit Führerper- fönlichkeiten abfinden müssen, die über u n d z w i - sch en ihnen stehen, die aber unabhängig sind, weil sie von oben eingesetzt und nicht von unten emporgetrapen wurden.
Die Dinge liegen doch jetzt sc^'daß die Regierung Papen auch nach einem möglichAi Mißtrauensvotum so lange geschäftsführend im Amte zu bleiben hat, bis die positive Einigung über die Zusammensetzung einer neuen Regierung zustande gekommen ist. Und wenn sich die Parteien die Dinge richtig überlegen, so können sie zu keinem anderen Ergebnis gelangen als dem, daß die Bestätigung des gegenwärtigen Zustandes immer noch jedem Kompromiß oorzuziehen ist, aus dem doch nur wieder eine parteigebundene und darum in ihren Handlungen erheblich geschwächte Regierung heroorgehen könnte.
Reichspräsident und Reichsregierung haben in ihrem Wahlaufruf deutlich zu erkennen gegeben, daß sie den Reichstag wieder in seine wesentlichen Aufgaben der ordentlichen Gesetzgebung einschalten wollen. Aber an einem Satz dieser Kundgebung werden die Parteien nicht vorübergehen können, an der Forderung Hindenburgs nämlich, der von dem neuen Reichstag die Fähigkeit und Bereitwilligkeit verlangt, „mit einer starken Regierung Hand in Hand zu arbei- t e n“. Auch an anderer Stelle hat der Reichspräsident den überparteilichen und unabhängigen Charakter der gegenwärtigen Staatsführung hervorgehoben. Cs ist das erstemal, daß sich das Staatsoberhaupt am Wahltage für eine Regierung einseht. Der Wille Hindenburgs ist unverkennbar, daß sich das Parlament im wesentlichen auf die gesetzgeberische Arbeit beschrä nken und die Führung Männern überlassen soll, die eben aus der Loslösung von den Parteien eine Vermehrung ihrer Kraft und ihrer Autorität erfahren haben.
Das Echo der Reichsiagswahl.
DerEindruckinderWilhelmstraße
Ruhige Beurteilung der Laste.
Berlin, 1. August. (TU.) In den Kreisen der Reichsregierung beurteilt man das Ergebnis der Reichstagswahlen sehr ruhig. Dies zeigt sich schon daran, daß fast alle Kabinettsmitglieder den Burg- trieben benutzen wollen, um einen kürze r,c n lrlaub anzutreten. Am Verfassungstage wird das Kabinett wieder vollzählig in Berlin v e r s a m m e l t'sein. Man erklärt, daß die Wahl gewissermaßen die Reichsregierung i n ihrer Existenz bestätigt habe, da weder eine Rechts- noch eine Linksmehrheit möglich sei. Es sei noch vollkommen offen, ob die Regierung beabsichtige, mit irgendwelchen parlamentarischen Gruppen wegen einer engeren Zusammenarbeit in Verbindung zu treten. Die einzige Möglichkeit, eine arbeitsfähige Mehrheit im Reichstag zustande zu bringen, wäre die, daß d a s Z e n - trum mit den Nationalsozialisten zusammenginge. In politischen Kreisen spricht man auch davon, daß die Bayerische Volkspartei bereit sei, eine Koalition mit den Rechten zu bilden, aber auch bann würbe noch keine Rechtsmehrheit zustanbekommen. Das Zentrum hat nunmehr ben Schlüssel in ber Hanb, um ben Reichstag arbeitsfähig ober arbeitsunfähig zu machen.
Die Berliner preffe zum Wahlergebnis.
Der deutschnationale „M o n t a g" stellt im Zusammenhang mit dem Anwachsen der KPD. fest, daß der bisher noch bei jeder Wahl festzustellende Einbruch in die marxisti- sche Front sich nicht fortgesetzt habe. Statt dessen sei eine weitereVerschie- bung der Wähler rechts vom Zentrum eingetreten mit einem in vollem Amfange getätigten Widerstand der Kommunisten. Die gesamte Mitte, auf der sich die sogenannte Gleichgewichtslage des Zentrums aufbaut, ist verschwunden. Es ergibt sich daraus, daß das Zentrum seine Schlüsselstellung nicht mehr in der Hand hat. Cs kann sich nur entscheiden, ob es auf Grund eines Ermächtigungsgesetzes oder in anderer Form eine Regierung der nationalen Bewegung unterstützt.
Die D A Z. meint, dem Zentrum, das sich ja nicht von den Kommunisten abhängig machen könne, werde nun nichts übrig bleiben, als sich mitdemGedankeneine rRechtsregie- rung vertraut zu mache n. Wahrscheinlich dürfte das aber nicht in Form einer festen Koalition, sondern in der Form der „Tolerie. r u n g“ geschehen. Der Wille der Wähler hat sich eindeutig dafür ausgesprochen, daß die R a - tionalsozialistenanderRegierungs- verantwortung beteiligt werden sollen. Aber auch ihre Bäume sind nicht in den Himmel gewachsen, da sie die absolute Mehrheit bei weitem nicht erreicht haben. Die Lösung dürfte also an der Richtung gesucht werden müssen, daß e i - nige nationalsozialistische Führer verschiedene Ministerien im Kabinett Papen übernehmen, und zwar in organischer Verbindung mit einer verfassungsmäßigen Reuordnung des R e g i e r u n g s p r o b le m s in Preußen. Das Wahlergebnis hat gewiß nicht alle । Hoffnungen erfüllt, aber es hat immerhin die Grundlage gelegt für eine Regierung, die | weit von revolutionären Erschütterungen und radi- > taten Experimenten ist.
Zum Wahlergebnis schreibt ber „V o r w ä r t s": Die nationalsozialistische Welle ist zum Stehen gekommen, ja sie befindet sich schon in beutlichem Rückgang. Zwar hat bie NSDAP, weitere Reste ber Mittelparteien aufgeschluckt, sie hat aber auf ber anderen Seite auch wieder Wähler abgeben müssen — zum großen Teil an die Kommunisten! Niemand konnte erwarten, daß die erst seit xroei Monaten zurückgewonnene Oppositionsstellung für die Sozialdemokratie in sehr kurzer Zeit schon einen entscheidenden Umschwung des Volkes bewirken würde. Nun treibt das Wahlergebnis dieSozialbemo- kratie auch weiter in die Rolle ber
Opposition. Von hier wird der Vormarsch, ber gestern im Reiche schon roieber begonnen hat, weiter fortgesetzt werben. Das entscheibenbe Ereignis bleibt: Stillqang unb Rückgang ber Nationalsozialisten. Die Regierung hat mit ber Reichstagsauf- lösung nichts erreicht, als daß bie verfassungstreue Mehrheit, bie Brüning zur Not noch zur Verfügung staub, erschlagen ist. Der neue Reichstag wirb keine verfassungstreue Mehrheit haben. Aber noch weniger wirb er eine Mehrheit haben, bie Verfassungsbruche ober gewaltsame Verfassungsänberungen zu bulden geneigt ist.
(Stimmen aus dem Reiche.
Die „Hamburger Nachrichten" (beutsch- natl.) sagen, baß bie parlamentarischen Verhältnisse bie Regierung von Papen gerabezu zwingen, w i e bisher weiter z u regieren. Das Blatt hält bies nicht für einen Fehler, ba bie Regierung von Papen sich bisher als Vollstrecker bes nationalen Willens bewährt habe, unb nach biesem Wahlausgang erst recht bemüht sein werde, auf dem eingeschlagenen Wege weiterzugehen. — Der „Hamburger Anzeiger" (liberal) erklärt, es sei der NSDAP, klar gemacht worden, daß das deutsche Volk sie als politischer Machtfaktor gelten lassen werde, daß es aber ablehne, sich dem Diktaturgebot zu fügen. Die einzige diskutierbare Parlamentsmehrheit wäre eine Mehrheit aus der NSDAP., Deutschnationalen und Zentrum. Das Blatt glaubt, daß eine solche Koalition in der nächsten Zeit im Mittelpunkt der politischen Erörterungen stehen werde — wenn man Überhaupt versuchen wolle, bie beutsche Staats- und Regierungskrise auf parlamentarischem Wege zu lösen.
Die „Münchener Telegrammzeitung
(M. R. R.) sagt: Die Rationalsozialisten werden ihre Hoffnung, auf legalem Wege die Mehrheit im Reichsparlament zu erreichen, begraben und sich zu K o a 1 i t i o n e n mit anderen Parteien bereit finden müssen, wenn sie einen Anteil an der Reichsführung erreichen wollen. — Der „Frän- k i s ch e K u r i e r" kommt zu dem Schluß, daß das Kabinett Papen auch weiterhin am Ruder bleiben werde und in der Weise, wie es bisher die Gesundung der innerpolitischen Verhältnisse in Angriff nahm, auch auf absehbare Zeit hin die deutschen Geschicke weiterführen werde.
Die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" schreibt, daß sich die Gegensätze so verschärft hätten, daß einstweilen nicht zu erkennen sei. wie nach den parlamentarischen Stilregeln mit diesem Reichstag regiert werden könne. Eine Koalitionsregierung alten Stils sei ausgeschlossen. Es bleibe also nichts anderes übrig, als eine nicht so sehr parlamentarische als autoritäre Minderheitsregierung.
Ringen um das Zentrum.
Möglichkeiten einer Tolerierungspolitik.
Don unserer Berliner Redaktion.
Berlin, den 1.August. Die Mandate der Rechten reichen nicht aus, um eine tragfähige Regierungsbildung auf rein parlamentarischem Wege zu ermöglichen. Reichspräsident und Reichskanzler haben jedoch in allen Kundgebungen, Reden und Interviews der letzten Zeit ihren Willen verkündet, die verfassungsmäßige Kontrolle des Parlamentes wieder einzuschalten. Es liegt im Willen der Regierung, eine möglichst breite Mehrheit auf möglichst lange Zeit hinter sich zu bekommen, um in voller Ruhe und Unbekümmertheit vor plötzlichen Ueberraschungen den „konstruktiven Aufbauplan" durchzuführen. Wer zwischen den Zeilen der Aufrufe und den Sätzen der Reden zu lesen verstand, hat bereits von den ersten Wochen des neuen Kabinetts an ein immer wieder erneutes heimliches Liebeswerben um das Zentrum feststellen- können. Es ist bekannt, daß der Reichskanzler von Papen vor Uebernahme des Kanzleramtes in Rom weilte und dort sich von dem Kardinalstaatssekretär P a c e 11 i, dem früheren Berliner Nuntius, politisch beraten ließ. Zumindest der westfälische Adel steht Papen persönlich nahe. Gerade der westfälische Adel aber spielt in der Zentrumspartei eine erhebliche Rolle. Die vierzehn Tage des jetzt beginnenden „Burgftiedens" werden also hauptsächlich der Kulissenarbeit dienen,
das Zentrum aus der ßinfsfront her- auszulösen, um zumindest eine Stimmenthaltung der Zentrumsfraktion im Reichstag zu erreichen.
Der Reichskanzler hat in seinem Brief an den Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonferenz, den Fürsterzbischof in Breslau, Kardinal Bertram, noch einmal in stärkster Weise an das christ - liche Solidaritätsgefühl appelliert. Er hat sogar einen kleinen Abweg in die Theologie nicht gescheut, indem er feststellte: „Euer Eminenz haben in Ihrem Schreiben vom 16. Juli mit Recht betont, daß allen treu christlich gesinnten Kreisen das Gebot des göttlichen Meisters heilig sei, Achtung und Gehorsam der obrigkeitlichen Gewalt zu leisten. Die Reichsregierung vertraut darauf, daß dieser christliche Fundamentalsatz auch bei den christlichen Kreisen Beachtung findet, die einzelnen politischen Maßnahmen einer Regierung ablehnend gegenüber stehen, deren vordringliches Wollen es ist, die ch r i st 1 i ch e Weltanschauung wieder zur Achse aller Staatsgesinnung zu machen." Wer die Geschichte der deutschen Rachkriegszeit kennt, wird den Wink des Reichskanzlers verstehen. Unter Berufung auf die Obrigkeit, die Gewalt über uns hat, hat sich nämlich das Zentrum, das
Mit anderen Worten: Hindenburg erwartet vom neuen Reichstag, daß er seine Regierung, d. h. das Kabinett Papen, b e st ä t i g t. Dem werden sich die Rationalsozialisten und das Zentrum auf die Dauer nicht entziehen können, wenn sie nicht als Parteien Selbstmord begehen und sich aus dem wichtigen parlamentarischen Recht der Gesetzgebung auch noch ausschalten wollen. Es mag noch einige personelle Veränderungen geben. Man wird sich nicht allen Wünschen der entscheidenden Parteien versagen. Aber die Prognose darf man doch wohl schon mit ziemlicher Sicherheit stellen, daß nach diesem Ausgang der Wahl die von Hindenburg eingesetzte Regierung auf lange Zeit im Reich und auch in Preußen an der Macht bleiben wird. Wie die Folgen einer Personalunion verfassungsrechtlich im einzelnen zu lösen sind, das wird eine spätere Sorge sein. Entscheidend aber für Ruhe und Ordnung, entscheidend auch als Ausgangspunkt für eine großzügige Reichs- und Verwaltungsreform ist, daß der gleiche politische Wille im Reich und im größten Lande regiert. ilnb hinter diesem Willen steht Hindenburg.
Brandbomben und Feuer- überfalle in Königsberg.
Königsberg, 1. August. (WTB. Funkspruch.) Gegen den Eingang des Otto-Braunhauses, in dem auch die „K ö n i g s b e r g e r Volkszeitung" untergebracht ist, wurden heute früh sechs Brandbomben geworfen. Die Bomben explodierten und verursachten ein Feuer,
das indessen durch die Wachthabenden sofort gelöscht werden tonnte. In der gleichen Zeit wurde der Chefredaktur der „Königsberger Volkszeitung", W y r g a t s ch , in seiner in einer einsamen Stadtgegend gelegenen Wohnung von zwei Personen überfallen und beschossen. Whrgatsch erhielt einen Oberschenkelschuh. Ferner wurde gegen 6 Ahr früh auf die „Königsberger Hartungsche Zeitung" eine Brandbombe geworfen, die so fiel, daß der entstehende Brand schnell gelöscht werden konnte.
Heute morgen gegen 6 Ahr drangen vier Personen in die Wohnung des kommunistischen Stadtverordneten Sauff ein und gaben auf den im Bett liegenden Kommunistenführer drei Pistolenschüsse ab, durch die Sauff schwer verletzt wurde. Die Täter sind unerkannt entkommen. Am dieselbe Zeit waren unbekannte Personen in die Wohnung des früheren Regierungspräsidenten von Dahrfeldt eingedrungen und hatten auch auf ihn zwei Schüsse abgegeben, durch die er an der Hand und am Arm verletzt wurde. Ebenfalls gegen 6 Ahr morgens erschienen zwei unbekannte Personen in ber Wohnung bes Lagerverwalters Zirpins und verlangten ihn zu sprechen. Die Ehefrau rief ihn herbei, worauf die beiden Personen auf Zirpins drei Schüsse abgaben. Zirpins erhielt zwei Kopfschüsse und eine Schuhverlehung am linken Oberarm. Die Täter ergriffen bie Flucht. — Unbekannte Personen waren in der Wohnung des kommunistischen Abgeordneten Schütz erschienen und wollten ihn sprechen. Schütz erschien jedoch nicht. Darauf gaben die Personen mehrere Schüsse ab. durch die die Hausangestellte von Schütz dreifach getroffen und schwer verletzt wurde.
Der kommunistische Führer Stadtverordneter S a u f f ist am Vormittag seinen schweren Verletzungen erlegen. Schütz und Herrmann seien nur durch Zufall dem Tode entronnen. Im Ramen der Eisernen Front und alter angeschlossenen Organisationen hat der sozialdemokratische Abgeordnete L a r s s e n an den Reichspräsidenten und den Reichskanzler Telegramme gerichtet, in denen schärf st e Maßnahmen erbeten werden.
Letzte Warnung Dr. Brachts zum inneren Frieden.
Berlin, 1. August. (2DIB. Funkspruch.) Der mit der Wahrnehmung der Geschäfte des preußischen Innenministers beauftragte Reichskommif- f a r Dr. Bracht, erläßt folgenden Aufruf:
Die Dahl ist vorbei, das Volk hat gesprochen. Die völlige Herstellung des inneren Friedens ist jetzt oberstes Gebot. Gewalt und Terror müssen endlich vor dem Gesetz weichen. Die Heiligkeit des Menschenlebens soll nicht weiter an- getastet werden. I ch warne zum letzten Male! Die Slaafsregierung wird se 1 bst drakonische Maßnahmen nicht scheuen, um ihre Pflicht gegenüber den friedlichen Staatsbürgern restlos zu erfüllen und den Burgfrieden zu wah- ren, den unser Land braucht. Ich warne auch alle Organisationen, wie jeden einzelnen, weiter zum Blutterror zu Hetzen. Die presse hat sich jeder Aufreizung der Leidenschaft, auch durch unrichtige Berichterstattung zu enthalten. Andernfalls hat sie schwerste Einbrüche in ihre Freiheit zu gewärtigen.


