Wirtschaftspolitische Forderungen des Industrie- und Handelstages.
De rlin, 30. Sunt (WTD.) *Sx>r Vorstand des Deutschen Industrie- und Handelstages, die Ge- samtvcrtretung der deutschen Industrie- und Handelskammern hat zu den wichtigsten wirtschaftspolitischen Fragen Stellung genommen. Die fortschreitende Zerrüttung der deutschen Volkswirtschaft wie der Weltwirtschaft verlangt von den verantwortlichen Staatsmännern den klaren Entschluß. endlich die Reparationszah- lung en als eine der Hauptursachen der Wirtschaftskrise aus der Welt zu schaffen. Für Deutschland ist eine auf Erhaltung und Steigerung der deutschen Fertigwarenausfuhr und in diesem Rahmen auf weltwirtschaftlichen Güteraustausch gerichtete Handelspolitik notwendig. Zu einer solchen Handelspolitik zwängen bei aller Rücksicht auf die Erhaltung der deutschen Landwirtschaft insbesondere arbeitsmarktpolitische Gründe. Reben dieser Rotwendigkeit steht die der Förderung der Arbeitsbelebung im In- lande. Hierfür bleibt es das Wichtigste, der Privatwirtschaft durch die Wahrung der innerpolitischen Ruhe und Ordnung, durch eine die Lebensnotwendigkeiten der Privatwirtschaft beachtende Wirtschafts-, besonders Lohnpolitik und durch eine unter voller Sicherung der Währung auf Erleichterung der Kreditbeschaffung abzielenden Bankpolitik, die unerläßlichen Unterlagen produktiver Arbeit zu gewährleisten Angesichts der Dölligen Erschöpfung der Steuerkraft des deutschen Volkes ist es um so dringender notwendig, endlich die läng st reifen produktiven Re
formen auf dem Gebiete der Staatsverwaltung wie der Sozialversicherung durchzufuhren. Eine planmäßige staatliche Beeinflussung der Wirtschaft muß auf wichtigste Ziele und auf die Mittel staatlicher Wirtschaftspolitik beschränkt bleiben, wenn nicht die gerade jetzt dringend notwendige Entfaltung der persönlichen Kräfte in verhängnisvoller Weise unterbunden werden soll.
Reichsverband des deutschen Handwerks zu den Wahlen.
Hannover, 29. Juni. (TU.) Der Reichsverband des deutschen Handwerks veröffentlicht einen Aufruf zu den Wahlen in dem es u. a. heißt: Das deutsche Handwerk ruft zur Sammlung aller willigen nationalen Kräfte: seine Sendung ist es, die deutsche Volksgemeinschaft an ihren gefährdeten Stellen zu tragen und zu stützen, obwohl es sich selbst dem härtesten wirtschaftlichen Druck ausgesetzt sieht. Der Reichsverband warnt ernstlich, eine Berufsstandsordnung zu zerschlagen, die in der Arbeit von Jahrhunderten aufgebaut ist, die sich bewußt von Parteieinflüssen ferngehalten und auch in Zukunft fernzuhalten hat. Innungen, Fachverbände und Handwerkskammern müssen in ihrem Aufbau und in ihrer gemeinschaftlichen Zusammenarbeit als anerkannte Formen der Selbstverwaltung und Berufsvertretung erhalten bleiben und in ihnen ein Maß verantwortlicher Mitarbeit aller Handwerker, wie es dem Rechtsempfinden eines politisch freien Volkes entspricht.
NGOAp.
und neue Notverordnung.
München, 30. Juni. (ERB. Funkspruch.) Unter der Ueberschrift „Reichsrecht bricht Länderfronde" schreibt die nationalsozialistische Parteikorrespondenz u. a.: Durch die zweite politische Notverordnung ist der reichsrechtlichen Regelung bezüglich des Uniformtragens und der Demonstrationsfreiheit i m ganzen Reichsgebiet Geltung oer- schafft worden. Damit ist einemrechts-und verfassungswidrigen Zu st and e, der von gewissen Länderregierungen noch mit Polizeigewalt aufrechterhalten wurde, ein Ende bereitet. Die NSDAP, erwartet, daß die Reichsregierung nunmehr auch über die Durchführung dieser Reichs- notoerordnung allen schwarzroten SabotagLversu- chen gegenüber mit aller Entschiedenheit wacht.
Der „Völkische Beobachter" schreibt zu der neuen Notverordnung: Es dürfte sich in Bälde zeigen, ob der den obstruierrenden Ländern in der Handhabung der Polizeigewalt gewährte Spielraum nicht zum Ausgangspunkt neuer Willkür und Sabotage werde. Es müsse auffallen, daß die Reichsregierung sich zwar ausdrücklich Vorbehalten habe, unberechtigte örtliche Verbote außer Kraft zu setzen, daß in diesem Vorbehalt aber das örtlicheUniformverbotnichtausdrück- lich mit einbezogen werde. Es gebe nur zwei Möglichkeiten der kommenden innerpolitischen Entwicklung. Entweder die verantwortlichen Polizei- Minister der Länderregierungen tun ihre Pflicht oder aber sie erfüllen ihre Pflicht nicht. Dann wäre es Sache der Reichsregierung den einzigmöglichen Schluß zu ziehen, daß ein Teil der Länder vorübergehend unfähig geworden sei, seine polizeilichen Aufgaben in ausreichender Weise zu erfüllen. In einer Bemerkung der „Bayerischen Staatszeitung" von der „Separation der Ordnungsliebenden" erblickt der „Völkische Beobachter" nichts anderes als die Ankündi- gung neuer U n t e r d r ü ck u n g s m a ß n a h- men.
Krawalle an der Berliner Llniversiiäi.
Berlin, 30. Juni. (TU.) In der 11-Uhr- Paufe kam es heute wieder im Vestibül der Universität zu Zusammen ft ößen zwi- I schen rechts- und linksstehenden Studenten. Rufe |
wie „Deutschland erwache", „Juden raus", „Hitler verrecke" und andere ertönten. Lieder wurden gesungen. Während der Verhandlungen des Rektors, die fünfviertel Stunden dauerten, kam es zu Schlägereien mit Spazierstöcken, Riemen, Koppelschlössern, wodurch mehrere Anwesende verletzt wurden. Die rechtsstehenden Studenten verlangten, daß die Juden das Gebäude vor ihnen verlassen mühten. Schließlich verfügte der Rektor die Schließung der Universi- t ä t. Mit Hilfe von Professoren gelang es schließlich zunächst, die linksstehenden Studenten zu veranlassen, die Vorhalle zu verlassen. Darauf zogen die rechtsstehenden Studenten aus dem entgegengesetzten Ausgang ab. Rach der Schließung der Universität und dem Auszug der beiden Gruppen kam es vor der Universität und in den Rebenstraßen zu starken Ansammlungen, in deren Verlauf sich weitere Zusammenstöße ereigneten. Die Polizei sah sich genötigt, einzugreifen und mehrere Bereitschaften einzusetzen, die zunächst die Universitätsstraße räumten und dann Unter den Linden die Ansammlungen zerstreuten. Die Schließung der Universität ist bis Samstag angeordnet.
polnischer Offizier erschießt deutschen Sportler. Kattowitz, 30. Juni. (TU.) Im Stadion-
bad zu Myslowitz wurde am Mittwochnachmittag ein deutscher Sportler von einempolnischen Offizier erschossen. In den Restaurationsräumen saßen polnische Offiziere, die jedoch nicht als solche zu erfennen waren, da sie, wie die übrigen Gäste, Badeanzüge trugen. 2lls sie ihre Zeche nicht bezahlen wollten, kam es zu Meinungsverschiedenheiten mit einigen am Rebentisch sitzenden deutschen Sportsleuten. Don diesem Tisch soll dabei die Aeußerung gefallen fein, daß man diese Gesellschaft, wenn sie nicht bezahlen wolle, hinauswerfen möge. Die Sportler gingen dann wieder ins Bad zurück. Einer der Offiziere namens Kucharzki holte aus seiner Kabine seinen Revolver und streckte einen der Sportler, den 26jährigen Fleischergesellen Emil W i n t e r st e i n aus Myslowitz, den Sohn eines angesehenen Fleischermeisters, nieder. Der Schuß drang dem Win
terstein in die Schläfe. Um 21 Uhr ist er dann im Krankenhaus gestorben. Rach dem Mord flüchtete der Offizier in seine Kabine. Rur durch das Eingreifen der Polizei und des Besitzers der Badeanstalt konnte der polnische Offizier vor der erregten Menge, die ihn lynchen wollte, geschützt werden. Er wurde später der Militärgendarmerie übergeben. Die Eltern des Ermordeten trifft das Schicksal um so schwerer, da es sich um den zweiten Svhn handelt, der durch eine Kugel einer polnischen Militärpersvn getötet wurde.
Deutschlands Forderung nach Gleichberechtigung.
Die Beseitigung der Diskriminierungen Deutschlands durch den Versailler Vertrag.
Berlin, 30. Juni. (ERB.) Zu der von Reichskanzler v. Papen in Lausanne ergangenen Aufforderung auf Beseitigung der Diskriminierungen Deutschlands durch den Versailler Vertrag wird amtlich darauf hingewiesen, daß es sich um dieBestimmungenderTeile V und VIII des Vertrages handelt, die die Ent- waffnungs- und R e p a r a ti o n s k la u- sein einschließlich^!) es Kriegsschuldartikels enthalten und die uns vor allem i n eine Position minderen Rechts hinein- geörängt haben. Rur durch die Beseitigung dieser Diskriminierungen kann die Gleichberechtigung Deutschlands hergestellt werden.
Wenn in der deutschen Erklärung auch von der Sicherheit gesprochen wird, so handelt es sich dabei keineswegs etwa um die Sicherheit irgendeines einzelnen Staats, sondern um die Herstellung der allgemeinen politischen Sicherheit in Europa. Rur unter diesen Voraussetzungen, so wird ausdrücklich betont, hat Reichskanzler v. Papen die Bereitwilligkeit erklärt, einen Beitrag zum Wiederaufbau Europas zu leisten. Es handelt sich bei diesem Angebot keineswegs um eine Leistung in irgendeiner Form an Frankreich, sondern um einen Beitrag, der dem Wiederaufbau des darniederliegenden Europas dienen soll und für den ausdrücklich als Voraussetzung die Gesundung der deutschen Wirtschaft genannt worden ist. Lieber die Höhe dieses Beitrages ist noch nicht gesprochen worden. Unerwarteter Besuch Herriots beim Kanzler.
Lausanne, 30. Juni. (TA.) Die Sitzung des Bureaus der Lausanner Konferenz unter Vorsitz von Macdonald wurde kurz vor 18 Ahr für eine Stunde unterbrochen. Während der Unterbrechung der Sitzung begab sich H e r r i t> t überraschend in Begleitung seines Kabinettschefs in das Hotel Savoh zu einer Unterredung mit dem Reichskanzler und den deutschen Ministern. Der Besuch dauerte 40 Minuten. Rach Abschluß brachte der Reichskanzler den französischen Ministerpräsidenten an seinen Wagen und verabschiedete sich freundlich von ihm. Ueber den Verlauf der Unterredung wird von den Beteiligten absolutes Stillschweigen bewahrt. Gleich, nachdem Herriot das Hotel verlassen hatte, fand eine Besprechung der maßgebenden Mitglieder der deutschen Abordnung statt. Herriot reist nach Paris. Er beabsichtigt, Samstagfrüh wieder in Lausanne einzutreffen und am Samstagnacht wieder nach Paris zurückzureisen, um am Sonntag an den Deisetzungsfeier- lichkeiten für Driand teilzunehmen. Am Sonntagabend kehrt er dann wieder zurück. Der Kanzler hat seine ursprünglich auf Donnerstagabend festgesetzte Abreise nach Berlin vorläufig aufgegeben.
125 Millionen - tleberbrücküngskredit für das jRcid?.
'Berlin, 30. Juni. (ERB.) Wie wir erfahren, hat das Reich in den letzten Tagen über einen Ueberbrückungskredit verhandelt, der den Zweck hat, über den Juni-Ultimo hinweg- zuhelfen. Die Verhandlungen sind auch bereits zum Abschluß gekommen. In
Dolle Sachen aus der Sommerfrische.
Don Hanü Riebau, Vegesack.
Der Reroenchok.
Man braucht nicht in fremde Länder zu fahren, um Abenteuer zu erleben. Auw die Lünebur- ger Heide hat ihre Tücken. Jedenfalls, als Herr Schonnemann und Frau mit Herrn Masnich und Frau nebst Sohn, Tochter und Schwägerin nach einer kaum zweitägigen Erholungsfahrt aus der Steppenwildnis um Lüneburg herum zurückkamen, war Herrn Schonnemanns Leibesgewicht um acht- zehn Pfund vermindert, und seine Stirnhaut bewegte sich in rhythmischen Zuckungen von solchem Ausmaß, daß Herr Schonnemann nur noch von seinem „Nervenchok" sprach.
Die Sache selbst aber hat sich so zugetragen: Herr Schonnemann (und Frau) war mit Herrn Masnich (und Familie) in die Heide gewandert. Vor einem dichten Erlengebüsch hatten sie sich gelagert, hatten ihre Zelte aufgeschlagen, gegessen, getrunken und geschlafen. Dann aber hatte Herr Schonnemann seiner Frau gewinkt. „Komm," sagte er, „wir wollen einen kleinen Spaziergang machen."
Und bann machten sie einen kleinen Spaziergang. Einmal links, einmal rechts. Ueber Stock und Stein, ohne Weg und Steg.
Als zwei Stunden herum waren, blieb Frau Schonnemann stehen, wischte sich den Schweiß von der Stirn und sagte: „Kaffeetrinken!"
„Jawohl," nickte Herr Schonnemann, „wir wollen zurück gehen." Und sie gingen zurück. Einmal links, einmal rechts. Ueber Stock und Stein. Ohne Wea und Steg.
Als sie zwei Stunden gegangen waren, bsteb ^rr Schonnemann stehen. „Mein Gott," sagte er . W<? sich auf einen großen Findling, der vor ^rlengebüsch lag, „wir haben uns verirrt." , Auch Schonnemann setzte sich auf den gro-
\mh f^TlbHn9, Hönde in den
™ -hm M w-inen.
i mit Schonnemann nach einer
Wir müs'sen ein Hau^e Zähne zusammenbeißen. Sr Sn SB™.« °d°r <m° Eisenbahn.
Aber sie fanden kein H. .
keinen Weg. Stunde um S. fehl« ®lfenbabn und durch te W H-id-'mut. 'S wl°pp °n ft- ftH 7 ^al links, etntnai
rechts. Bis sie — vor einem dichten Erlengebüfch auf einen großen Findling stießen.
„Um Gottes willen —I" schrie Frau Schonnemann auf.
Herr Schonnemann senkte den Kopf. „Du haft recht," flüsterte er, „wir sind im Kreise herumgelaufen."
„Ich kann nicht mehr," ächzte Frau Schonne- mann, „Wasser!" Und sie legte sich in das knospende Heidekraut. Auch Herr Schonnemann legte sich in das knospende Heidekraut.
Die Schatten des Abends senkten sich hernieder. Stechmücken begannen ihr Spiel. Ein Fuchs f^rie. Ein Igel grunzte. Irgend etwas dingliches (es konnte auch eine Kreuzotter sein) raschelte durch das Kraut. Herr und Frau Schonnemann fingen an, leise zu wimmern.
Acht Stunden lagen sie, mit ausgedörrter Kehle, in tieffter Finsternis, in der Heide und warteten teils auf den Tod, teils auf die ersten Strahlen des neuen Morgens. Der neue Morgen enttäuschte sie nicht: er kam. Und mit ihm ein leises, halb- nahes, halbfernes Guitarrenspiel. Frau Schonnemann sprang auf. „Du," sagte sie und stteß ihren Mann in die Seite. „Musik! Wandervögel! Wandervögel haben Feldflaschen bei sich. Mit Wasser — oder Tee!"
Herr Schonnemann erhob sich langsam. Seine Zunge war festgeklebt. Die Musik — das fühlte er dumpf — war der erste Bote aus dem Jenseits. Aber Frau Schonnemanns Lebensgefühl war mächtig erwacht. Sie nahm den Mann bei der Hand und ging vorwärts, den Guitarrenklängen entgegen, vier Meter an dem großen grauen Findling vorbei und achtzehn Meter um das Erlengebüfch herum. Da lag vor ihnen das Zeltlager, das sie vor sech- zehn Stunden verlassen hatten. Auf einem Feldstuhl aber saß Herr Masnich und spielte Guitarre.
„Hallo!" rief er. „Wo seid Ihr denn die ganze Nacht gewesen? Habt Ihr wenigstens was zu trinken mitgebracht? Es ist nämlich nichts mehr da."
In diesem Augenblick fühlte Herr Schonnemann ßum erstenmal, wie sich seine Stirnhaut in eben jenem Rhythmus zusammen- und auseinanderzog, den man von Stund an „Schonnemanns Nerven- chok" nannte.
Der gefährliche weg.
Koggebusch ist in der Sommerfrische. Er fitzt mit Felssiröm zusammen und trinkt einen Schnaps, denn es ist kurz vor dem Mittagessen.
„Wo bleibt Deine Frau?" fragt Felsström.
Koggebusch zuckt die Achseln, ,/ie ist schon [eit zwei Stunden fort."
„3ft sie nicht den Erlsteg hinaufgegangen?"
„Ja," nickt Koggebusch.
„Allein?"
„Jawohl."
Felsström schweigt. „Du, hör' mal," sagt er schließlich, „das ist ein gefährlicher Weg, der Erl- steg, führt scharf am Kröstenabgrund vorbei. Der Weg ist dreißig Zentimeter breit, der Abgrund sechzig Meter tief und es hat heute geregnet, der Boden ist schlüpfrig und---"
Koggebusch setzt sein Glas hin und blickt gerade- aus.
„Nun, nun," legt ihm Felsström die Hand auf die Schulter.
Aber Koggebusch blickt weiter starr vor sich hin.
Inzwischen kommen die Gäste zum Essen. Die ersten Teller klappern, Stimmengeschwirr tönt durch die Tür. Koggebusch fährt mit der Hand über die Stirn, steht auf, setzt sich wieder.
„Wollen wir nicht--?" fragt Felsström.
„Zehn Minuten warten wir noch," unterbricht da Kogaebusch und schlägt mit der Faust auf den Tisch.
„Und dann?" fragt Felsström.
„Dann," flüstert Koggebusch und horcht auf das Klappern der Teller, „bann fangen wir an zu essen.
Liebesopfer.
In Swinemünde. Eine junge Frau. Ein nicht mehr ganz junger Mann.
„Ich bete Sie an."
„Das sagen Sie heute."
„Ich liebe Sie."
„Wie oft haben Sie das schon anderen Frauen gesagt?"
„Ich habe es nie gefühlt wie jetzt."
„Eine Behauptung, die nicht zu beweisen ist."
„Sie ist zu beweisen."
„Und wie?"
„Stellen Sie mich auf die Probe! Irgendwie.
Ich bin bereit, jedes Opfer zu bringen."
„Sie würden opfern? Was?"
„Alles."
„Gut also. Sie haben schöne, gesunde, weiße Zähne. Gehen Sie zum Zahnarzt, lassen Sie die Zähne ziehen und sich ein künstliches Gebiß machen."
„Meine gesunden Zähne ziehen lassen? Das ist beinahe — ein Verbrechen."
„Nur ein Opfer."
„Ich werde zum Zahnarzt gehen."
unterrichteten Kreisen verlautet, daß der Kredit sich auf 125 Millionen beläuft. Dieser Betrag reicht vollkommen aus, um alle Zahlungen für den Monat Juli sicherzustellen. Die Rückzahlung erfolgt bis Ende des Rechnungsjahres. Der Kredit wird von dem Bankenkonsortium bereitgestellt, mit dem das Reich auch in früheren gleichen Fällen zusammengearbeitet hat. Die Verhandlungen sind auch dieses Mal durch Vermittlung der Reichsbank geführt worden.
Die Demokraten nominieren Roosevelt. Für Lockerung der Prohibition.
C h i k a g o, 29. Juni. (WTD.) Das vom Reso- lutiovscmsschuß der Vollversammlung des demo- krattschen Parteikonvents unterbreitete Programm für den Präsident s ch afts- w ahlkampf setzt sich kritisch mit der Wirtschaftspolitik der amerikanischen Rachkriegsregierungen auseinander. Vor allem sei auf die seit dem Weltkrieg von den Regierungen verfolgte verhängnisvolle Politik wirtschaftlicher Isolierung und auf die Förderung zu verweisen, die die staatlichen Stellen der Verschmelzung großer konkurrierender Geschäftsunternehmungen zu Monopolen hätten zuteil werden lassen. Die einzige Hoffnung auf eine Besserung der gegenwärtigen Verhältnisse liege in einer raschen und grundsätzlichen Aenderung der Wirtschaftspolitik. Das Parteiprogramm empfiehlt u. a. eine drastische Senkung der Verwaltungskosten. Das Staatsdepartement habe die von den internationalen Bankiers aufzu- legenden Anleihen gutgeheißen. Die Anmaßung dieser Machtbefugnis müsse man entschieden verurteilen. Denn viele Milliarden fragwürdiger Bonds seien auf Grund der Tatsache auf dem amerikanischen Markt untergebracht worden, da die Anleihe von der Bundesregierung gutgeheihen wurde.
Der Ausschuß des Parteitages nahm eine Entschließung an, in der die sofortige Aenderung des Prohibitionsgesetzes dahin befürwortet wird, daß der Verkauf von leichten Weinen und leichtem Bier gestatte t werden soll. Die Entschließung tritt für eine öffentliche Aeberwachung des Handels mit alkoholischen Getränken und für das Verbot der Wiedereröffnung der Schankwirtschaften ein.
Der Parteitag nahm die Wahlplattform an, um sich dann mit der Kandidatenfrage zu beschäftigen. Als erster wurde Gouverneur Roosevelt zum Präsidentschaftskandidaten vorgeschlagen, was ungeheuren, ewa 40 Minuten dauernden Beifallssturm seiner Anhänger auslöste. Die Aussichten Roosevelts, vom Parteitag nominiert zu werden, werden außerordentlich günstig beurteilt, da Vertreter von mehr als 30 Staaten sich für seine Kandidatur ausgesprochen haben.
Roosevelt hat der Entschließung, die sich für die Lockerung der Prohibition ausspricht, zugestimmt.
Aus aller Welt.
Aus 8000 Meter höhe abgesprungen.
Der junge französische Fallschirmabspringer Mach e n a u d stellte einen neuen Höhen-Weltrekord im Fallschirmabsprung auf, in dem er aus 8000 Meter Höhe absprang. Der Versuch war von Erfolg gekrönt. Der junge Fallschirmabspringer gelangte nach 25 Minuten glatt a u f den Boden.
Tödlicher Absturz in den Alpen.
An der Kreuz spitze bei Döllach in Kärnten ist gestern der Tourist Tibor Bach aus Budapest tödlich abge stürzt. Seine Leiche wurde geborgen.
Große Aeberschwemmungen in Rumänien.
Seit drei Tagen treten in ganz Rumänien große Aeberschwemmungen auf, die ungeheuren Schaden, namentlich im Moldau-Gebiet, anrichten. Die Stadt Jassy tft gegenwärtig vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten. Viele Leichen sollen im Wasser treiben. Allein im Bezirk von Jassy wird die Zahl der Obdachlosen auf 15 000 geschäht.
„Unb wenn wir uns in Berlin wie-dertreffen—?" „Werden Sie sich überzeugen können, daß ich das Opfer gebracht und die Prüfung bestanden habe.'
„Nun?"
„Es ist vollbracht."
„Die Zähne?"
„Sehen Sie selbst ..."
„So haben Sie also meine Forderung erfüllt?" „Ich habe."
„Ich hätte es nicht gedacht. Es war doch eine Laune von mir, eine Laune--"
„Es sollte eine Prüfung sein. Ich habe sie bestanden."
„Bestanden hätten Sie vor meinen Augen, wenn Sie mich damals ausgelacht hätten, anstatt ja zu sagen. So aber sind Sie — ein Pantoffelheld."
Als sie fort war, ging er in ben Klub. Erzählte, was er erlebt.
„Fatale Geschichte," meinten die Freunde, „um die Frau ist es nicht schade, aber Deine Zähne —"
„Ach," sagte er, „was meine Zähne betrifft: ich habe schon seit Jahren ein künstliches Gebiß."
Lürmanns verreisen.
Lürmanns verreisen. Frau Lürmann packt die Koffer und legt Schutzdecken über die Polstermöbel. Herr Lürmann räumt seinen Schreibtisch auf. „Müllers wollen nach den Blumen sehen/ sagt Frau Lürmann.
Da steht Herr Lürmann auf und geht in den Keller. „Da will ich lieber den Wein wegschließen," murmelt er.
„Wenn Müllers einmal keine Zeit haben," fährt Frau Lürmann fort, „will Fräulein Scharkow sie vertreten."
Herr Lürmann brummt etwas, nimmt die Schalldose vom Grammophon und schließt den Plattenschrank ab.
„Und wenn Fräulein Scharkow auch einmal nicht kann," sagt Frau Lürmann, „dann hat sich Doktor Blohm erboten, die Blattgewächse vor dem Verdursten zu bewahren."
Da stößt Herr Lürmann einen ächzenden Ton aus, steht von neuem auf und schließt seinen Bücherschrank zu.
„Nanu?" fragt Frau Lürmann, „glaubst Du, daß Doktor Blohm Deine Bücher wegnimmt?"
„Das nicht," sagt Herr Lürmann, „aber «r mir) sie wiedererkennen."


