Ausgabe 
1.7.1932 Erstes Blatt
 
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werde. Die wichtigsten Aenderungen sind sol­lende: Die Zinsen werden vom 1. Dezember 1932 3,5 v. H. im Jahve betragen. Weiter wird die Regierung die Anleihe jederzeit nach dem 1. Dezember 1932 zurückzcchlbar machen und fer­ner wird der Rcnne in3,5prozentige Kriegs­anleihe" umgeändert. Die Zinsen werden nach wie vor ohne Einkommensteuerabzug gezahlt werden. Auch die weiteren Steuervor­teile für die Anleihe werden bestehen bleiben. Anleihebesiher, die die Absicht haben, weiter die Anleihe beizubehalten, werden einen Bonus von einem Pfund auf 100 Pfund aus gezahlt er­halten.

Oer englisch-irische Streit.

Wird Irland zahlen? Sonst Einfuhrzölle auf irische Waren.

London, 30. 3uni. (DU.) In der Mittwoch- sihung des Kabinetts wurde beschlossen, i m Falle der Richtbezahlung der am heu­tigen 30. Juni fälligen irischen Entschädi- gungszahlungen sofort ein Gesetz einzu- bringen, das der englischen Regierung Voll­machten zur Beitreibung der ausfallen­den Summe durch sofortige Erhebung der Zölle auf aewissc irische Einfuhren erteilt. Da bestimmt mit der Zahlungsverweige­rung durch de Valero zu rechnen ist, sind bereits alle Vorbereitungen zur Ausarbeitung der not­wendigen Zollmahnahmen in die Wege geleitet worden. Um die Zölle sofort erheben zu können, wird die Regierung Vollmachten erhalten, die bis zum 15. Rovembcr in Kraft befindliche Ein­fuhrfreiheit für irische Waren außer K r a f t zu sehen. Da sich der volle IahreSbetrag der irischen Entschädigungszahlungen auf drei Millionen Pfund beläuft und außerdem mit der Zahlungsverweigerung de Valeros für andere iri­sche Zahlungen an England im Betrag von zwei Millionen Pfund gerechnet wird, sollen die Ein­fuhrzölle insgesamt die Summe von fünf Millionen Pfund einbringen, das un­gefähr einem Sechstel der irischen Gesamtjah­reseinfuhr nach England gleichkommt. Der irische Ausfuhrhandel, der in der Hauptsache i n D i e h - und Landwirtschafts - Erzeugnissen besteht, wird durch die Erhebung englischer Zölle sehr stark betroffen werden, da rund 60 v. H. alle»r irischen Ausfuhren nach England gehen.

Aus aller Welt.

Das Urteil gegen Vomhard aufgehoben.

Das Metzer Gericht hatte in der vergangenen Woche den deutschen Oberforstmeister v. Bomhard wegen angeblicher Zuwiderhandlung gegen einen Ausweisunysbefehl zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. In zweiter Instanz wurde dieses Urteil, gegen das von Bomhard Berufung eingelegt hatte, aufgehoben.

Tagung des VerbandesDeutsche Jcaucnrullur in kiel.

Der VerbandDeutsche Frauenkultur", zu dessen diesjähriger Hauptversammlung weit mehr als 100 Delegierte aus dem ganzen Reich noch Kiel gekommen waren, hatte den Lübecker Pastor Axel Werner Kühl für den einleitenden Vor­trag in der Aula der Universität gebeten, die zugleich als eine öffentliche Kundgebung für Sinn und Zielsetzung des Verbandes gedacht war. Pastor Kühl führte u. a. aus: Wir fühlen alle, daß wir mitten im Wandel eines Zeitgeschehens stehen, den schon im 19. Jahrhundert deutsche Männer wie Lagarde und Langbehn, den Sturm­möwen gleich, angekündet haben. Vor uns liegt noch ein Dunkel. Ob es den Untergang für uns birgt oder eine innere Umkehr, in uns selbst vollzogen, das war die Frage, die der Redner stellte. Der Kraft unseres Willens und der be­wußten Erkenntnis, wo wir stehen, kann es an­heimgestellt sein, für Volk und Land die Ent­scheidung herbeizuführen, denn zuende gedacht sind die großen Triebfedern, die noch unsere eigene Lebensform mitbestimmten: der Rausch der Technik, das enge Lebensziel eines Winkel- glücks und die Bindungsfreiheit, die den ein-

Mhrlägige Schließim der tlniverW Berlin.

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Das geschlossene Portal der Berliner Friedrich-Wilhelm-Unioersität. Oben links: Der Rektor Prof. Dr. Lüders.

Oer Wahlkampf beginnt.

Stegerwald vor den Zentrumsarbeitern.

Essen, 30. Juni. (TU.) Auf der Tagung des Reichsarbeiterbeirats der Deutschen Zentrumspartei am Mittwoch in Essen legte der frühere Reichs- arbeitsminister Stegerwald zunächst dar, was das Ka b i n e t t Brüning in den zwei Jahren einer Regierung verhindert und was es erreicht )abe. Das Kabinett Brüning habe ein weitgrei- e n d e s Programm vor sich gehabt, das meiste ei bereits in Durchführung begriffen gewesen. Was üe neue Regierung jedoch wolle, sei in mehrfacher Hinsicht sehr wenig klar und durchsichtig. Voraus- setzung für die staatspolitische Entfaltung des Christ­lich-deutschen Volkstums, so erklärte Stegerwald wei­ter, ist ein geistiger Staat, der nicht wieder Kasten- und Klassen st aat sein darf, son­dern nur ein Volksstaat sein kann. Gegenwär­tig wird ein großes politisches Spiel gespielt. Die breitesten Kreise des deutschen Volkes wissen gar nicht, wo wir zur Stunde stehen. Wir befinden uns mit einem Wort inmitten einer großen Revolution. Das, wag wir 1918 erlebt haben, mar in der Hauptsache der Zusammenbruch eines überlebten Regierungssystems.

Jetzt erst zeigen sich allmählich die Auswirkun­gen einer verfehlten Geisteshaltung und Politik von vielen Jahrzehnten. Das Wesen der gegen­wärtigen Weltkrise besteht einmal in den un­möglichen Friedensverträgen, ferner darin, daß die Technik den Gestaltungsmög­lichkeiten im Staat, Wirtschaft und Gesellschaft vorausgeeilt ist. Die Deutschen haben in den nächsten Wochen darüber zu entscheiden, ob sie einer weiteren großen Unruhe und damit einer

andauernden Verarmungsperiode überantwortet werden wollen oder ähnlich wie die Engländer und Franzosen - e i n Volk werden wollen. Eine sachlich ungerechte und psychologisch falsche Handlung der Arbeiter führt in kurzer Zeit zu neuen großen sozialen Spannungen und Erschütterungen, die lediglich zur Verelen­dung aller führen wird. Mit Diktatur und mit Herrenmenschentum ist Deutschland bestimmt nicht zur Gesundung zu bringen. Eine Diktatur von rechts würde in kurzer Zeit zu einer Diktatur von links, sie würde uns in den Bürgerkrieg führen. Das muß unter allen Umständen ver­hindert werden. Das Kabinett Brüning hat eine parlamentarische Mehrheit hinter sich. Das Kabinett v. Popen hat im deutschen Volk nichts hinter sich. Das Kabinett v. Popen ist eine Regierung Michaelis in zweiter Auflage. Es muß wie Michaelis so schnell wie möglich verschwinden. Der Reichsarbeiterbeirat des Zentrums erließ dann einen Aufruf an das christliche Arbeitervolk Deutschlands, in dem es u. a. heißt: Unsere Parole lautet kurz und bündig: Gegen jede Diktatur, Partei-, Klassen- und Kastenherrschaft, für den christlichen, für den nationalen, für den freiheitlichen Dolksstaat, für die Freiheit und Gleichberechtigung unseres Vol­kes in der Welt.

LIstenverbin-ungenfürbleAeichstagswahI

Berlin, 1. Juli. (ERB.) Wie die DAZ. »berichtet, soll in Kreisen der Staatspartei die Absicht bestehen, mit dem Zentrum Listenverbindung einzugehen. Die Deutsche Volkspartei soll, wie in po­litischen Kreisen verlautet, in ein gleichartiges Verhältnis z u den Deutschnationalen treten.

zelnen Menschen aus der Gemeinschaft löste. Sie sind bis an ihr Ende vorgestoßen, und nur ein neuer Menschentyp, der wie der Krieger willig ist, eine höhere Macht über sich zu fühlen, kann von der Schwelle, auf der wir uns befinden, zu einem neuen Lebensanstieg führen. Rach einem Referat von Frau Elisabeth V o r m e y e r , Kiel, überFrau und Gemeinschaft", sprach Frau Ilse Burckhardt, Mülheim-Ruhr, vom Ab­tun alles Unwesentlichen, vom freiwilligen Ver- zicht auf persönliche Wünsche, von dem Willen,

sich nicht mit dem Schicksal abzufinden, sondern frei geworden und bewußt die klaren Wege der Armut zu beschreiten, auf denen die Frau heute allein für Kinder und Mann den wahren Sinn des Lebens bewahren kann. Frau Ilse Dieck­mann, Direktorin der Obst- und Gartenbau­schule der Diakonissenanstalt Kaiserswerth, be­handelte das ThemaDie Frau als verantwort­liche Vermittlerin von Stadt und Land". Die Zahlen, mit denen die Rednerin die Lage der ländlichen Betriebe Deutschlands umrih, stellten

Wolken im Bild.

Winke für den photofreund.

Die Reise- und Wanderzeit gibt den Lcmd- schoftsaufnahmen wieder erhöhte Bedeutung. Aber auch hier muß zwischen Knipsern und wirklich Photographierenden unterschieden werden. Sind einige markante Einzelheiten auf den ersten Blick zu erkennen, so ist mancher schon mit der Aus­nahme dufrieben, während es eigentlich schade um die Platte, um die darauf verwendete Arbeit und um die daran geknüpfte Hoffnung ist. Der Land­schaft des anspruchslosen Amateurs fehlt so oft das Wesentlichste: der Charakter. Ihrebeson­deren Kennzeichen" sind da, aber von der inneren Struktur, von ihrem Geiste ist keine Spur zu ent­decken. Dazu fehlen die Stimmungswerte, die sie erst herausheben aus dem Langweiligen ins Bild­hafte und photographisch Lohnende. Wohl am ge­eignetsten, um eine Landschaft lebendig zu machen, ist die Wolke im Bild.

Viele Landschaftsbilder ohne Wolken sind über­haupt nicht zu genießen. Man merkt sofort, daß etwas Wichtiges fehlt. Die übliche Photoplatte neigt eben doAu, den Himmel ausdruckslos und eintönig erscheinen zu lassen. Hierher gehören die meisten Fernsichten, zumal wenn der Horizont ver­hältnismäßig tief liegt. Aber auch in den andern Fällen, wenn also der Horizont vielleicht gar über der Mitte läuft, soll der Himmel durch aufragende Bäume oder dergl. unterbrochen fein, wenn er wolkenlos ist. Auszunehmen sind hiervon beson­dere Stimmungen, die aus der Wolkenlosigkeit kommen (z. D. die drückende Hitze eines Sommer­tages, die Weite einer Ebene, die Endlosigkeit des Meeres). Aber für die Mehrzahl von Land- schaftsbildern sind Wolken das, was eine ver­nünftige Staffage für Straßen- oder andere Dor- dergrundbilder ist. Hier kann der Einwand ge­macht werden, daß doch kein Photographierender es in der Hand habe, eine Landschaft mit oder vhne Wolken sein zu lassen. Run, es ist richtig, daß ein wenig Glück dazugehört, wie zu allem Finden von Motiven. Das nachträgliche Einko- Pieren von Wolken nach einem gekauften oder bei besserer Gelegenheit selber hergestellten Regativ bleibt immer Rotbehelf. Allzu Eifrige können rr m ^berben als bessern, wenn sie nicht maßvolle Vorsicht walten lassen. Rur dort, wo er auf das ^rA^nen von Wolken tagelang war­ten kann, Hot es der Photo-Sportler in der Hand,

feine Landschaften direkt in der Aufnahme mit den gewünschten Wolken zu bekommen» Das gilt also für feinen Wohnort ober Ferienaufenthalt. Macht er bann Aufnahmen in verschiedenen Stimmungen, Jo kann er sehen, daß gar nicht für jedes Bild eme eigene, d. h. dazu passende Wolkenstimmung notig ist. Alles in der Ratur kann uns Schönheit offenbaren. Gewiß mag eine Ruine mit hin stür­menden Wetterwolken ein doppelt romantisches ~ aber dieselbe Ruine mit zarten Fruhlingswolken muß aus dem versöhnenden Ge­gensatz fast noch bildkräftiger wirken. Ein wogen­des Kornfeld unter den beliebten, malerisch wei­ßen Haufenwolken wird die Sommerschwere des Reifens gut ausdrücken - ein Heideblick mit gleichsam verloren hinsegelnden Wolkenschiffen wird lyrisch fesseln - ein Tal mit toaage- red)t gelagerten Schichtwolken wird idyllische Ruhe atmen . aber auch jede beliebige andere Wolkenart kann im Zusammenklang mit irgendeinem Landschaftstyp schön sein. Denn immer wird sie ihren Reiz und ihren Sinn haben. Das sei namentlich dem Wanderer gesagt, der im Vorübergehen seine Motive nehmen und Photographieren muß, wie sie eben sind. Zu for­dern bleibt jedoch, daß ein harmonischer Einklang im Bilde herrscht, daß also Wolken nicht die Ge­schlossenheit zerreißen oder den Blick von andern wesentlichen Bildelementen ablenken. Bei ziehen­den Wolken wird daher, nachdem alles zur Auf­nahme und zur sofortigen Erfassung des gün­stigsten Moments bereit ist, auf diesen gewartet werden. Stehende oder langsam bewegte Wolken können durch geringe Veränderung des Auf­nahme-Standpunktes in überraschend verschieden­artige Stellungen zu den Blickfängern im Vorder­grund gebracht werden.

Run das Photographische. Wolken sind manch- mal nicht leicht au photographieren, ohne Gelb- Nlter nur ganz selten. Am ehesten erhalten wir noch beim hochempfindlichen, ortochromatischen (Peruh, Agfa) kopierfähige Wolken, auch ohne Hilfsmittel. Sonst gilt die Erfahrung, daß auch der bewölkte Himmel so viel Helligkeitswerte hat und der Photo-Platte mitteilt. Eine nach der Landschaft sich richtende Belichtung ergibt käst stets einen stark überdeckten Himmel ohne Einzel­heiten im eintönigen Schwarz des Regativs. Ein verlaufendes Filter, das je nach seiner Stellung nur den Himmel filtriert, aber die Strahlen des Vordergriindes durch blankes Glas vor der Linse gehen läßt, ist trotz einiger Bedenken für viele Ausnahmen zu empfehlen. Die andern, bei denen

der Himmel überbelichtet ist, müssen in der Stand­ader Ausgleichsentwicklung die Einheitlichkeit be­kommen die ihnen die Aufnahme nicht geben konnte. Auch teilweise Abdeckung des Regativs in den unterbelichteten Partien kann empfohlen werden, um dort den Kopierprozeß zu verlang­samen und dem der andern Stellen (Himmel und Wolken) anzugleichen. Reucoccin hat sich dazu gut bewahrt. Dieses Verfahren wird auch dann oft notwendig fein, wenn mit normalem, also nicht verlaufendem Gelbfilter gearbeitet wird, damit die Wolken Durchzeichnung und Abstufung in den Schatten zeigen. Ein einfaches und ein doppeltes oilter wird auch der Liebhaber-Photograph bald brauchen. Als Regel läßt sich die Anwendung des mittleren Filters (Dichte 2) anempfehlen. Siebte 1 kommt in Frage für Aufnahmen, bei de­nen wegen minderen Lichtes kürzer exponiert wer­den muß, oder für Motive, die keine gar zu grellen Unterschiede aufweifen (trübe Witterung, Dämmerstunden). Regeln für die Delichtungs- dauer lassen sich schwer aufstellen, da es auf wenig Gebieten so große Unterschiede in den Helligkeits­werten gibt wie hier. Aber als Anhalt sei ge­sagt, daß die ganz kurzen Zeiten in den Delich- tungstafeln für ausschließliche Wolkenaufnahmen nur selten in der Praxis in Betracht kommen wer- den. Ein reines Wolkenbild, höchstens mit einem schmalen Erdstreifen nahe beim unteren Rande wird nur ganz vereinzelt gemacht werden. Alle andern aber erfordern Belichtung, die der für Landschaftsteile des Bildes ermittelten nahekomrnt, wobei der Derlängerungsfäktor der Gelbscheibe nicht zu vergessen ist. Der Landschaftsteil des Dil- des muß als gleichberechtigt gelten, was allerdings bei rasch ziehenden Wolken oft Schwierigkeiten be­reitet Doch haben wir grundsätzlich davon aus­zugehen, daß Wolken zwar überaus wichtig aber normalerweise eben nur Teile des Ganzen sind dem sie sich einordnen sollen zum innerlich harmo^ nierenden Bild.

Oochschulnachnchten.

Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Paul G rawitz, Direktor des Pathologischen Instituts der Universität Greifswald, bis zu feiner Emeri­tierung im Jahre 1921, ist im Alter von 81 Iah- gestorben. Grawih war Assistent Virchows pabiliherte sich 1884 in Berlin und kam noch na$ Greifswald. Dort wurde er 1886 Ordinarius.

die Frauen vor die Forderung, keine übertriebe­nen Qualitätsforderungen, die den Schwierig­keiten der ländlichen Produktion unseres Volkes nicht Rechnung tragen, sondern das Leben der Armut zu gestalten und zu bejahen. DaS letzte Referat hatte Frau Eleonore S p ä i n g, Düsseldorf, über das ThemaDie Frau als Er­werberin und Gestalterin".

Attenlalsversuch auf den Rektor der Unioerfiäf Wien.

Während der Enthüllung einer Gedenktafel für Prof. Dr. W e t t st e i n dem vieltem auf dem Wiener Zentralfriedhof wurde auf den neuge­wählten Rektor der Wiener Universität Prof. Dr. QI bei ein Attentat verübt, bei dem der Rek­tor jedoch unverletzt blieb. Prof. Abel hielt gerade die Gedenkrede, als aus dem Zuhörerkreis er außerordentliche Professor der Zoologie Dr. Camillo Schneider vorsprang und einen Schuh a u f den Rektor abgab. Er wollte noch einen zweiten Schuß abfeuern, als der Bür­germeister von Wien Abg. Seitz, ihm die Hand niederfchlug. Dr. Schneider wurde sofort ver­haftet. Prof. Sch. wird als ein schrullenhafter Mensch geschildert Er hatte in der letzten Zeit Pamphlete gegen eine angeblich an der Universität herrschende Clique verfaßt und fühlte sich an­scheinend unterdrückt. Während des Schusses rief er: »Jetzt wollen wir endlich abrech­nen l" Prof. Dr. Sch. fühlte sich durch Professor Abel bzw. durch den verstorbenen Prof. Wett­stein zurückgesetzt und auch wissenschaftlich ge­schädigt. Prof. Dr. Schneider hatte sich um eine ordentliche Professur beworben und schob die Schuld daran, daß er sie nicht erlangt hatte, den vereinigten Bemühungen der Professoren Abel unb Wettstein zu. Sch. wurde 1867 in Pomssen bei Grimma in Sachsen geboren.

Politischer Mord in den Straßen Sofias.

Ein politischer Mord ist auf offener Straße in Sofia verübt worden. Auf dem Platz zwischen dem Rationaltheater und dem Kriegsministerium wurde der Lehrer Christofs von dem Mazedonier Tauischoff erschossen« Der Mörder wurde festgenommen und erklärte bei dem Verhör, daß er den Lehrer Christofs irrtümlich erschossen habe. Er sei vielmehr beauftragt gewesen, den mazedonischen Abgeordneten Peter Marmoff, ein ehemaliges Mitglied des mazedonischen Rational­komitees und früheren bekannten Revolutionär, zu erschießen. Man vermutet, daß es sich hierbei um einen neuen Schlag der Protogeroffgruppe gegen die legale mazedonische Bewegung han­delt, ähnlich wie es bei der kürzlich erfolgten Ermordung des Mazedonierführers Michailoff der Fall war.

Die Feuerwehr von Istha auf der Anklagebank.

In der Scheune des Landwirts und Schuh­machers Ludwig Ahlheidt in Istha (Kreis Wolfhagen) war am 14. Februar 1927 Feuer ausgekommen, das zu löschen die an der Brand­stelle erschienene Feuerwehr nicht den ge­ringsten Versuch machte, obwohl die Feuer­spritze und genügend Wasser vorhanden waren und obwohl der Orts- und Bezirksbrandmeister sowie der damalige Bürgermeister von Jstha^ zur Stelle waren. Als dann infolge Mangels an brennbarem Material das Feuer von s e l b st ausgegangen war, legten die Feuerwehrleute an fünf Stellen innerhalb des Wohnhauses und an den Außenwänden neue Brandherde an. Ganz besonders gefährlich war ein solcher in einer Schlafkammer, in der beim Betten des Vettes Heu auf den Boden gestreut und dann noch mit Petroleum begossen wurde. Dertatkräftigen Forderung" des Bran­des durch die Feuerwehrleute war es auch zuzu­schreiben, daß das ganze Anwesen des Ahlheidt bis auf den Grund niederbrannte. Rach langwierigen Ermittlungen war es schließ­lich der Staatsanwaltschaft Kassel gelungen, d i e Gründe des Brandes aufzudecken. Vor dem Kasseler Schwurgericht haben sich jetzt ^An­geklagte aus Istha zu verantworten, die fast ausnahmslos damals zur Feuerwehr ge­hörten. Zu Beginn der Verhandlung wurde auf Antrag der Verteidigung und gegen den Widerspruch des Staatsanwalts der Feuerlösch- direktor des Regierungsbezirks und Angestellte der Hessischen Feuerversicherungsanstalt Diplom- Ingenieur Goldbach als Sachverständiger

Der Professor für Chemie an der Technischen Hochschule in Brünn, Max Höhnisch, wurde in diesen Tagen 80 Jahre.

Die Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fa­kultät der Universität Köln hat den General­konsul Tietje, Amsterdam, zum Ehrendoktor ernannt.

Der Professor der Orthopädie an der Universi­tät Breslau GustavDrehmannist im Alter von 62 Jahren gestorben.

Die fünfte Fachtagung für klassische Altertums­wissenschaft in Raumburg wählte zum Vorsitzenden an Stelle Prof. Werner Jägers (Berlin) Prof. Otto Regenbogen in Heidelberg. Vorträge hielten Prof. Otto (Frankfurt), Prof. Malten (Breslau) und Prof. Harder (Kiel). Der Ent­wurf einer altertumswissenschaftlichen Prüfung wurde angenommen.

Eine forstliche Hochschulwoche veranstaltet in der ßeit vom 7. bis 9. Juli die forstliche Hochschule in Hannoversch-Gmünden.

Proß Dr. Carl Christ wurde zum Direktor der Handschriftenabteilung der preußischen Staats­bibliothek ernannt.

^Das 60. Professoren-Jubiläum feierte der Kieler Orientalist Georg Hoffmann.

Zeitschriften.

Die neueste Rümmer 4555 der 3 l l u st r i r- t e rt Zeitung (I. I. Weber, Leipzig) hat es sich zur Aufgabe gestellt, die Aufmerksamkeit auf das an kulturellen und wirtschaftlichen Kräften so reiche LandSachsen zu lenken. Ein einleitender Artikel von Ministerpräsident Schieck behandelt Land und Leute, Kultur und Wirtschaft im Grenzland Sachsen. Olls Bollwerk deutscher Ar­beit tritt uns Sachsen in einem Beitrag von Willy Wittke sowie in zahlreichen Bildern von Stätten sächsischer Industrie und sächsischen Haus­gewerbes entgegen. Das grüne Grenzland aber, das Landder grünen Raute", mit seinen Wäl­dern und Feldern, mit seinen Heen und Auen und Bergen, mit seinen Burgen und Domen und Schlössern, mit seinen Flüssen und Strömen, es ersteht vor uns in dem reich illustrierten Beitrag Die grüne Grenze" von Bruno Sydow. Und daß man überall bestrebt ist, die Raturschonhciten von Wald- und Wiesenflächen in ihrer Unberührtheit -u erhalten, das bezeugt der AufsatzSächsische Raturschutzgebiete im Grenzlande" von Werne« Schmidt.