Ausgabe 
1.7.1932 Erstes Blatt
 
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Baut Brücken

-K M

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Die Staatsmänner aller Länder tagen, beraten, verhandeln, um die erlösende Formel zu finden. Die Welt schwimmt im Ueberfluß an Rohstoffen und Waren, aber die Uneinigkeit der Völker verhindert, einen Nutzen daraus zu ziehen. Immer weiter steigt vielmehr die große Not, die vor keinem der Länder halt macht. Die darbende Menschheit verzzweifelt und ein Ruf schallt zu den großen Konfe­renzen hinüber:Einigt euch, baut gemeinsam Brücken, damit wir gemeinsam zu einer besseren Zukunft gelangen.

(Nach einer Idee derDaily Expreß".)

ab^elehnt, weil er als amtlicher Ver­treter nicht die'genügende Objekti­vität besitze. Die Angeklagten hatten im Vor­verfahren stack belastende Angaben gemacht, strit­ten aber jetzt alles ab, teilweise mit solcher Ain- verfrorenheit, daß der Vorsitzende mit energischen Rügen eingreifen mußte. Würde man der Dar­stellung der Angeklagten folgen, dann mühte man annehmen, daß bei dem Brande alles völlig ordnungsmäßig zugegangen ist.

Schwere Gewitterschäden im Hunsrück.

Lieber dem Hunsrück ging ein schweres Ge­witter nieder, das über zwei Stunden dauert« und von wolkenbruchartigem Regen und Hagelschlag begleitet war. Be­sonders Braunshorn wurde schwer betroffen, wo die Dorfstrahen bis zu 50 Zentimetern von den Wassermassen überflutet wurden, die alles, was sich ihnen in den Weg stellte, mitrissen. Die Straßen sind tief aufgewühlt. Sehr stark hat auch die Frucht auf dem Feld gelitten, so daß kaum noch mit einer Ernte zu rechnen sein kann. In Rödern wurde durch Blitzschlag ein landwirtschaftliches Anwesen vernichtet. Der Be­sitzer und sein Personal konnten nur das Vieh retten, während alles andere ein Raub der Flammen wurde.

Hindenburg fährt nach Reudeck.

Reichspräsident von Hindenburg wird, wie die ,DAZ." erfährt, am Samstag Ber­lin verlassen, um für längere Zeit nach Reudeck überzusiedeln.

Die Beisetzung Dr. Nordens in Genf.

Auf dem Friedhof St. Georges erfolgte die Bei­setzung des durch Ueberfahren durch ein Motorrad auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Mitgliedes der deutschen Delegation Dr. Fritz Norden. Die deutsche Delegation auf der Abrüstungskonferenz war vollzählig unter Führung Botschafter Nadolnys anwesend, während die deutsche Delegation in Lausanne eine Abordnung entsandt hatte. Botschafter Nadolny nahm am Sarge mit herzlichen und bewegten Worten von dem Entschlafenen Abschied.

Beisetzung von Reichsminisler Scholz.

In dem an der Havel liegenden Dörfchen Sacrow, in dem er ein kleines Sommerhaus besaß, wurde der Ehrenvorsitzende der Deutschen Volkspartei, Reichsminister a. D. Dr. Ernst Scholz zur Ruhe bestattet. Zu Seiten des Sarges standen die Fahnen des Corps Suevia Freiburg i. Br. und des Hindenburg-Bundes der Iugendgruppen der Deutschen Volkspartei. Unter der Trauergemeinde bemerkte man den Staatssekretär Dr. Planck als

Vertreter der Reichsregierung, den Reichsbankpräsi­denten Dr. Luther, den Oberbürgermeister Sa hm, sowie den Präsidenten des Städtetages Dr. M u l e r t. Besonders zahlreich waren die Ver­treter der Deutschen Dolkspartei mit dem Partei­führer D i n g e l d e y an der Spitze. Superintendent Görnandt'Potsdam schilderte das Leben des Ver­storbenen als erfolgreichen Kommunalpolitiker und vaterländischen Mann. Im Auftrage des Reichskanzlers legte Staatssekretär Planck einen Kranz am Sarge nieder, dessen schwarzrot­goldene Schleife die Inschrift trägt:Der Reichs­kanzler und die Reichsregierung".

Mysteriöse Brandstiftungen in Berliner Schulen.

Berlins Volksschulen werden seit einigen Tagen von mysteriösen Brandstiftern heimgesucht. Nachdem in den letzten beiden Tagen die Feuerwehr ungefähr si e b e n m a I in verschiedenen Schulen Großberlins umgreifen mußte, wurde sie am Donnerstag w i e- herum zweimal, nach Friedenau und Steglitz, gerufen. Der Steglitzer Brand mußte mit zwei. Zügen bekämpft werden. Der Befund hat einwand­frei ergeben, daß es sich wieder um Brand- stiftungen handelt. Auf die Wandtafel in der einen Schule hatten die ^Brandstifter die Worte geschrieben:Rotfront, alles muß bren« n e n". Vorläufig liegt über den Hintergründen die­ser geheimnisvollen Brandstiftungen völliges Dun­kel, vielleicht handelt es sich um einen Geistes» kranken.

Selbstmord des JUmfdjaufpielers Bruno Kastner.

In einem Hotel in Bad Kreuznach hat sich der bekannte Filmschauspieler Bruno Kastner erhängt, lieber die Gründe zu diesem Selbstmord ist noch nichts näheres bekannt. Kastner weilte seit einigen Wochen zur Erholung in Bad Kreuznach.

16,3 Millionen Defizit im Münchener Etat.

Der Haushalt der Stadt München für das Rech­nungsjahr 1932 schließt mit einem Fehlbetrag von 16,3 Millionen Mark ab. Gegenüber dem Vor­jahre beträgt der Rückgang der Ausga­ben 14,5 Proz., der Rückgang der Einnahmen 15,9 Prozent. Das Finanzreferat empfiehlt zur Beseitigung dieses Fehlbetrages, von Reich und Land ausreichende Hilfe zu verlangen.

300.Jahrfeier der Universität Dorpat.

Am Mittwoch begannen die Feiern anläß­lich des 300jährigen Jubiläums der Universität Dorpat, die am Donnerstag durch einen großen Festakt in der Universitätsaula ihren Höhepunkt erreichten. Da die Universität Dorpat eine Gründung G u st a v Adolfs ist, ist die Beteiligung aus Schweden besonders rege. Auch von den übrigen europäischen und

außereuropäischen Universitäten sind zahlreiche Vertreter eingetroffen, darunter drei Ver­treter der Hochschulen Deutschlands. Unter den fremden Gästen befindet sich auch der Kronprinz von Schweden, der Mitt­woch in Reval eintraf. Der Kronprinz besuchte u. a. das Haus der Revaler Schwarzen Häupter, einer mittelalterlichen deutschen Kaufmannsgilde, deren Ehrenmitgliedschast dem Kronprinzen unter dem üblichen althergebrachten Zeremoniell ver­liehen wurde. Die heute estnische, früher vorüber­gehend russische Universität war das ganze 19. Jahrhundert hindurch eine Universität mit deutscher Lehrsprache. Während dieser deutschen Zeit erlebte Dorpat in der Mitt« des vorigen Jahrhunderts seine höchste Blüte­zeit. Dieser Hochschule entstammen eine große Anzahl hervorragender deutscher Gelehrter, die dort lernten und lehrten, u. a. Karl Ernst von Baer, der Chirurg v. Bergmann, Gebrüder H a r n a ck, Wilhelm O st w a l d, der Rational­ökonom Stieda, der Kunsthistoriker Georg D e - hi o u. a. Die Universität Dorpat hat also eine bedeutende Rolle im deutschen Geistesleben ge­spielt.

Der englische Sonntag bedroht.

Der Gesetzentwurf über die Zulassung von Sonntagsvorstellungen in Ki­nos wurde vom Unterhaus nach neunstündiger Debatte mit 146 gegen 56 Stimmen in dritter Lesung angenommen und darauf an das Oberhaus weitergeleitet. Der Kampf um die Vorlage, die ein Kompromiß dar stellt, war sehr leidenschaftlich geführt worden. Die Gesellschaft für Heilighaltung des Sonntags hatte an sämt­liche Unterhausmitglieder und an alle Parla- mentsbericht?rstatter der Presse Protestbriefe ge­richtet.

Eine Gedenktafel für Goethes Dater.

Anläßlich der deutsch.italienischen Woche wird in Frankfurt am Sonntag, 3. Juli, eine Gedenktafel zur Erinnerung an Goethes Dater feierlich enthüllt werden. Die Tafel ist an der Stelle des Geburtshauses von Goethes Vater an der Zeil, wo jetzt das Gebäude des Wa­renhauses Tietz steht, angebracht worden. Die von dem Bildhauer R. Seile/ geschaffene Tafel hat fol­gende Inschrift:Hier stand das G a st h a u s zum Weidenhof, in dem Goethes Vater, der spätere kaiserliche Rat Johann Kaspar Goethe, am 29. Juli 1710 geboren wurde."

Fabrikbrand in Weinheim.

In dem Filialbetrieb der Gummifabrik W « ihbrod & Seifert, der sich in der oberen Hildebrandschcn Mühle im Birkenauer Tal befindet, entstand infolge Selbstentzündung ein Großfeuer. Das Feuer entwickelte sich derart rasch, daß sich die Feuerwehr nur noch darauf beschränken mußte, die Rebengebäude zu retten. Durch die groß« Hitze wurden noch der über der Dirkenauer Talstraße liegende Wald und

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Estnische Briefmarke zum 300jährigen Bestehen der Universität Dorpat.

di« Telegraphenstangen in Brand gesetzt. Glück-* licherweise stand infolge Instandsehungsarbeiten der Betrieb still. Von der anwesenden Be­legschaft wurden vier Personen verletzt und mußten ins Krankenhaus verbracht werden. Der Schaden steht noch nicht fest, jedoch ist er sehr erheblich. Infolge Explosions» und Ein­sturzgefahr mußte der Verkehr umgeleitet wer­den. Gegen 19 Uhr war die größte Gefahr be­seitigt.

Wettervoraussage.

Der Kern der Atlantikstörung, dessen Ausläufer bereits über Deutschland zu Barometerfall führten, näherte sich heute morgen der Westküste Schottlands und hat dabei ein Lustdruckgesalle bis zu 735 mm erreicht. Durch die Ausläufer ist bei uns mit Nie­derschlägen und Gewitterstörungen zu rechnen, wo­bei zunächst die Temperaturen noch weiter ansteigen werden. Etwas kühlere maritime Luft, deren Vor­dringen im Westen zu erkennen ist, hält dann die Neigung zu Gewitterstörungen aufrecht.

Aussichten für Samstag: Bewölkt, wärmer, Gewitterstörungen und geteilter artige Riederschläge.

Aussichten für Sonntag: Roch Ge­witterstörungen oder gctoittcrartige Schauer, wechselnd bewölkt mit Aufheiterung, leichte Ab­kühlung.

Lufttemperaturen. Am 30. Juni: mittags 24,6 Grad, abends 20,0 Grad: am 1. Juli: morgens 19,9 Grad Celsius. Maximum 24,6 Grad, Minimum 12,8 Grad. Sonnenscheindauer 9% Stunden. Erd­temperaturen in 10 cm Tiefe. Am 30. Juni: abends 21,9 Grad: am 1. Juli: morgens 18,0 Grad Celsius.

Mit der Herzogs-Krone durch die City.

U.

,/V

Der englische Abgeordnete 21. L. Blackham, der mit einem Kollegen gewettet hatte, daß er mit einet Herzogskrone auf dem Kopfe die belebte Bondstreet heruntergehen werde. Unbekümmert um die ver­wunderten Passanten führte er sein Versprechen durch und konnte so eine beträchtliche Summe, die der Verlierer bezahlen mußte, für wohltätige Zwecke stiften.______________________

im 80. Lebensjahre für immer

und zwar:

50

Gießen, Nordanlage 35, den 1. Juli 1932.

J398S

Haus der

ahdarbeit

Alten-Buseck, den 30. Juni 1932.

4953D

Sellersweg 73

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Wir betrauern den Tod unseres Heben A. H. des Sanitätsrats

Geschäftsdrucksacheo

Rechnungen Briefblätter Briefumschlag« Postkarten

Geschäftskarten lei Brühl, Schulstraße I

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Ent­schlafenen sagen wir allen herzlichen Dank.

Frau Marie Stiehl Wtw.

Der Gießener Wingolf.

I. N. u. A.

Ludwig Heymann XX jur.

____________________________________-34Z D

Dr. Otto Budihold

(GL 72)

gestorben am 25. Juni 1932 zu Darmstadt

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Familie Gustav Müller.

ist Donnerstagmittag

von uns gegangen.

In tiefer Trauer:

Die Beerdigung findet Montag, den 4. Juli, nachmittags

3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt

Unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater und

Urgroßvater

Christian Schönhals