Ausgabe 
31.1.1931
 
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Samstag, 31. Zanuar 1931

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)

Nr. 26 Drittes Blatt

Oderheffen.

Gemeinderat in Büdingen.

11 Büdingen, 30. San. 3n der jüngsten GemeinderatSfihung ersuchte das ®c- meinderatsmitglied G lc nz den Bürgermeister um Aufklärung über die in der S.adt um­gehenden Gerüchte, die von erheblichen Ver­fehlungen bei der Stadtkafse wissen wollen. Der Borsitzende teilte hierauf dem Ge­meinderat mit, daß sich die bei der Stadt- taffe veruntreuten Gelder auf 3400 Mark belauf e n. Der Betrag fei zum Teil durch Bürgschaft gedeckt, man hoffe aber, dah der ganze Betrag erseht werde. Der ungetreue Kassenbeamte versuchte bekanntlich, sich zu er- schieheu: er verletzte sich jedoch nur leicht und wurde bereits als geheilt aus dem Krankenhaus entlassen. Als Auskunftsperfon war der Stadt- rechner Berges geladen, der dem Gemeinderat über die Derfehlungen des betretenden Beamten Aufklärung gab. Wit Rücksicht auf die gegen­wärtige Revision Der Stadtkasse durch Beamte der Oberrechnungskammer, deren Ergebnis zu­nächst noch abgewartet werden soll, wurde die Angelegenheit zurückgestellt.

Gemeinderatsmitglied Glenz ersuchte weiter den Gemeinderat um den Beschluß, die von der Gaswerksdeputation beschlossene abermalige Ein­stellung des früheren Gasmeisters Hummel außer Kraft zu setzen. Diesen Antrag lehnte der Gemeinderat ab. Ein Antrag des Gemeinderat­mitglieds K n a f, die Angelegenheit nochmals der Gaswerksdeputation zur Nachprüfung zu überweisen, wurde vom Gemeinderatangenommen.

Der Vorsitzende gab sodann ein Schreiben des Ministers für Kultus und Bildungswesen bekannt, nach dem der Staatszuschuh zur hiesi­gen Gewerbeschule gesperrt werden soll. Der Gemeinderat billigte die von der Bürgermeisterei getroffenen Maßnahmen zur Er­haltung der Schule. Beigeordneter Diem er erstattete Bericht über die in Darmstadt ge­pflogenen Verhandlungen, die die Abwendung dieser Gefahr zum Zwecke hatten. Der Ge­meinderat ist gewillt, alles zu tun, daß die nun­mehr bereits 100 Sahre bestehende Gewerbe­schule erhalten bleibt.

Landkreis Gietzen.

* Wieseck, 30. San. Dieser Tage hielt der hiesige Dürgerverein seine diesjährige 3ahreSversammlung ab. Rach der Rechnungs­abloge wurde dem Rechner Entlastung erteilt. Die Dorstandswahl ergab einstimmige Wieder­wahl des seitherigen Vorstandes, wobei die leb­hafte, ersolgreick^r Tätigkeit des Vorstandes im letzten 3ahre hervorgehoben wurde. Nachdem mehrere Neuaufnahmen vollzogen waren, ent­spann sich eine sehr lebhafte Aussprache über die kommunalpolitischen Dinge der letzten 3ahre. SnSbesondere wurde dabei betont, daß der von der Dürgerverfammlung vom 11. Sar.uar erhobene Einspruch gegen den Nachtragsvoranschlag ent­gegen den Auffassungen des Bürgermeisters, weder in seiner Form, noch in seiner Begründung zu beanstanden ist, so dah berechtigte Hoffnung auf Erfolg im Derwaltungsstreitverfahren bestehe.

1. Trohe, 31. 3an. Bürgermeister Schmidt, der am 1. Dezember 38 3ahre der Gemeinde vor- gestanden hat, legt aus gesundheitlichen Gründen am 1. Mai d. 3. fein Amt nieder. Die Bürger­meisterei geschäfte werden ab 1. Februar vom Bei­geordneten Rau geführt.

gck. G r o h e n - B u s e ck, 30. 3an. Am Letzten dieses Monats verläßt biti Schulverwalterin Ernestine Frey ihre hiesige Stelle, um we­gen Verheiratung aus dem Schuldienste auszu- scheiden. Durch ihr allzeit freundliches Wesen und ihre gewissenhafte Pflichterfüllung hat sie sich in den 8 3ahren ihrer Tätigkeit in unserer Gemeinde die Zuneigung der Schulkinder und die Weob- schähung der Gemeindeglieder erworben. 3hr Weggang von hier wird allgemein bedauert. Zur Nachfolgerin ist Schulverwalterin Hoch er­nannt worden. Am hiesigen Bahnhof sind in der Nähe des Fahrkartenschalters und auf dem Bahnsteig zwei elektrisch betrie­bene Uhren angebracht worden.

# Lich, 30. Jan. Infolge der ungünstigen Wirt­schaftslage sah der hiesige Kriegerverein von der Abhaltung eines Konzertes der Gießener Reichswehrkapelle ab, und hatte dafür seine Mit­glieder zu einem Familienabend eingeladen. Hier­zu wurde der ehemalige Fliegerleutnant Keller (Worms) gewonnen, der an Hand von guten Lichtbildern von seinen Erlebnissen während des Weltkrieges erzählte. 3m Anschluß an den bei­fällig aufgenommenen Vortrag gedachte der Vor­sitzende des Vereins, Stadtrechner Ludwig Häu- s e r , der 60. Wiederkehr des Reichsgründungs- tages. Gesangsvorträge des Rothschen Männer­chores unter der Leitung von Lehrer Stein und Konzertstücke der Kapelle Topp (Gießen) um­rahmten die Veranstaltung.

D L i ch, 29. San. Der Gesangverein' Qx vthscher Männerchor", früher Gesang­verein »Märmerquartett" dahier, kann in diesem Sahre auf sein 40jähriges Bestehen zu» rücDIicken. Aus diesem Anlaß plant er eine 3ubi- läumsfeier am 20. und 21. Suni, und er will da­bei gleichzeitig die Weihe einer zweiten Fahne vornehmen Für die Veranstaltung sind umfang­reiche Vorarbeiten zu leisten. Der Verein hat sämtliche hiesigen Vereine zur Mitarbeit aufge­rufen und aus ihren Reihen Arbeitsausschüsse ge­bildet. Dieser Tage fand in Steins Saalbau die erste konstituierende Versammlung statt. Der Vor­sitzende gedachte nach Begrühungswvrten an die Versammelten des verstorbenen Gründers und Ehrendirigenten des Vereins Rektor Roth. So­dann sprach er Über die Art und den ilmfana des in Aussicht genommenen Festes. Der Sohn^des Ehrendirigenten. Pfarrer Fritz Roth in Neu- Ssenburg. habe die Festrede am Sonntag und

Gießener Saushalts-Mwendigkeien.

Die Stadtverwaltung ist gegenwärtig mit der Ausarbeitung des Gießener Haushalt s - voranschlags für das Rechnungsjahr 19 31 beschäftigt. Durch die gewaltige Ungunst der Wirtschaftslage ist die Haushaltsvorberei­tung diesmal weit schwieriger, als in den bis­herigen Sahren. Gelegent.cch der Begründung des zweiten Nach ragskcedits in Höhe von 127 000 Marl zur laufenden Haushaltsrechnung, der be­kanntlich das unerwünschte Diktat eines Staats- kommissars mit sich brachte, betonte Oberbürger­meister Dr. Keller, dah nach den derzeitigen Verhältnissen, besonders auf dem Gebiete des Wohlsahrtswesens, im nächsten Sahr mit einer Mehrauswendung von rund 750 000 Mk. gerechnet werden müsse. Das würde ein Anwachsen der Haushaltssumme von rund 73/< Mill. Mk. im lausenden Rechnungsjahre auf rund 8' ; Mill. Mark für das neue Ctatsjahr bedeuten. Die Stadwerwaltung und mit ihr alle mit ernstem Derantwortungsbewuhtfein für bic Geschicke un­seres Gemeinwesens tätigen Personen sind er­freulicherweise der Ansicht, dah alle Mittel an­gewandt werden müssen, die zu einer Minderung bar Ausgaben wobei man jetzt sogar vor schmerzhaften Eingri.fen nicht zurückschrecken bars führen können. Hm die Wege zu diesem Ziele sorgsam zu prüfen, sind gegenwärtig Beratungen der Stadtverwaltung mit dem Finanzausschuh des Stadtratcs über Crsparnismöglich- feiten auf den verschiedensten Ge­bieten der städtischen Haushalts­führung im Gange. Es werden dabei sowohl von der Stadwerwaltung, wie auch von der Ver­tretung des Stadtrats mit vollem Verständnis für die Erfordernisse dieser schweren Zeit alle Wege geprüft, denn man will wirksame Arbeit leisten. Man würde sich in der Bürgerschaft irren, wenn man diese scharfe Ersparnisaktion etwa als ein Produkt bet allerjüngsten Zeit an­sehen würde: es besteht Pelmehr schon seit Mo­naten bei den verantwortlichen Stellen beider städtischer Körperschaften der Wille, die Last der Steuerzahler soweit wie möglich leichter zu machen, nur scheute man sich bisher vor Ein­griffen, bei denen zwangsläufig auch manche an­genehm empfundene Einrichtung der Stadt und manches an sich begrüßenswerte Projekt in den Bereich der Streichung einbezogen werden muh. Die immer mehr wachsende Not der Zeit mit ihren außerordentlich vermehrten steuerlichen La­sten zwingt jetzt aber zu solchen Maßnahmen. Welches Ergebnis bei den Sparkonferenzen der Stadwerwaltung und des Finanzausschusses her­auskommen wird, läßt sich heute noch nicht über­setzen.

Gs darf als selbstverständlich gelten, dah für die Gestaltung des neuen Haushaltsplanes die steuerliche Snanspruchnahme der Bürgerschaft auf das möglichst geringste Ausmah beschränkt werden muh. Snwieweit dabei die gegenwärtig gültigen Steuerausschlagssätze abzuändern oder zu belassen sind, kann sich erst im Verlause der nächsten Wochen ergeben. Sehr wesentlich wird aber der Gesichtspunkt sein, dah die Endsumme der Aus­gaben nach besten Kräften und natürlich unter Wahrung der unabweisbaren sachlichen Notwen­digkeiten mit der steuerlichen Leistungsmöglich- keit in Einklang gebracht wird. Wenn man sich dabei von dem Bemühen leiten läht, die Haus- Halts-Auswendungen und damit die Steuerver- pslichtung soweit wie möglich hera^udrücken, so muh man sich aber auch vor der Gefahr hüten, über die sachlich vertretbare Grenze hinauszu- geben, weil sonst der Schaden für die Gesamt- Wirtschaft größer fein wird, als der Nutzen für den einzelnen Steuerzahler. Man wird sich immer vor Augen halten müffen, daß größte Sparsamkeit im städtischen Haushalt eine gute und dringend wünschenswerte Sache ist, auf der anderen Seite aber die unverrückbare Tatsache besteht, daß eine leistungsstarke städtische Finanzwirtschaft unter den heutigen Verhältnissen sehr befruchtend für die heimische Gesamtwirtschaft, insbesondere für Handwerk und Gewerbe aller Art fein wird. Wir denken nicht daran, uns der berechtigten Forde­rung nach bestmöglichster Sparsamkeit über die sich zweifellos alle einsichtigen Personen völlig einig sind entgegen zu stemmen, aber wir möch­ten auch nicht die Tatsache übersehen wissen, dah der Auftrags- und Arbeitsmangel in unserer hei­mischen Wirtschast doch eigentlich erst von dem Zeitpunkt an sehr empfindlich und einschneidend wurde, als die Stadtverwaltung wegen Mangels an ausreichenden Mitteln als Auftraggeber immer mehr aussiel: eine Lage, die durch die unvorher­sehbare Entwicklung in der Wohlfahrtspflege na­türlich noch verschärft wurde, obwohl der Stadt­rat alle Anstrengungen machte, die bei diesem Notstand geboten waren. Bedauerlicherweise ist die Lage jetzt so, dah von der schwer ringenden und steuerlich überlasteten Privatwirtschaft nicht das Mah von Arbeitsaufträgen gegeben wer­den kann, auf das Handwerk und Gewerbe für die Fortführung ihrer Betriebe rechnen, und dah für beide seit mehreren Sahren in fteigenbem

Mähe nur die Stadt noch als wesentlicher Aus- tragge&er in Betracht kommt. Eine Durch icht der städt. Haushaltsp.äne der letzten 6 Sahre zeigt, dah von dcr Stadt lehr e.heoliche Aufwendungen für Arbeiten gemacht wurden, von denen für unser Handwerk und Gewerbe umfangreiche wirtschaft­liche Förderung ausgegangen ist. Wenn man be­achtet. dah nach überschlägigen Berechnungen von 1924 bis 1930 über 6 Millionen Mark für Woh­nungsbauten und Baudarlehen, etwa 2 Millio­nen für Strahenbauten, ebenfalls etwa 2 Mil­lionen Mk. für die Errichtung von Schulen und an­deren städtischen Sebäuden, etwa >/s Million Mk. für verschiedenartigste Vetrieos- und andere Bau- tewdes Elektrizitätswerkes, ebenso etwa' .-Million Mark für die Erbauung von Kanälen, ferner etwa 200 000 Mark für Arbeiten des Gas- und Wasser­werks usw. ausgewendet wurden und unter Te- rücksichtigung noch mancher anderer kommunaler Bauunternehmungen eine Gesamtsumme von rund 11' 3 Millionen Mark im Laufe dieser sechs Sahre für bauwirtschaftliche Unternehmungen der Stadt in Zirkulation kam, sv kann man sich Wohl einen Begriff davon machen, in welch erheb­lichem Ausmaße die heimische Wirtschaft bisher durch die Stadt wirtschaftlich. befruchtet wurde. Dah diesen Aufwendungen, die ja nicht allein aus Steuermitteln zu decken waren, sondern auch An­leiheaufnahmen erforderlich machten, natürlich finanzielle Verpflichtungen in Gestalt von Zinsen und Tilgungen gegenüberstehen, die selbstverständ­lich auf der Ausgabenseite des Haushalts als drückend qnpfnnben werden, liegt klar auf bet Hand. Man schätzt Wohl nicht zu hoch, wenn man diese Zahlungsverpflichtungen an Hand der vor­erwähnten Gesamtausgaoe auf gut und gern eine Million Mark jährlich angibt. Es ist ohne wei­teres begreiflich, dah die Stadt bei allem Willen zu weitmöglichster Förderung der heimischen Wirt- fchaft für die nächsten Sahre das bisherige Tempo der Bauarbeiten nicht sortsehen kann, und es hätte gar keinen Zweck, wegen einer Beschränkung dieser Arbeiten auf em gewisses Ausmah Vorwürfe ge­gen den Stadtrat und die Stadtverwaltung zu er­heben. Auf der anderen Seite wird man aber an den verantwortlichen Stellen unserer Kommunal­politik auch nicht so weit gehen können, nun ledig­lich nach rein finanzpolitischen Gesichtspunkten alle Dauarbeiten radikal einzustellen, weil dann die Auftrags- und Arbeitsnot unseres Hand­werks und Gewerbes und aller damit verbundenen Dürgerschichten überhaupt nicht gemildert oder behoben werden könnte. Man wird zweckmähiger- weise die mittlere Linie einhalten müssen, auf der wenn auch unter gewissen steuerlichen Opfern der Dürgergesamtheit wenigstens einigermaßen wieder eine Belebung der heimischen Wirtschaft in Gang gebracht werden kann, von der bann ein neuer Smpuls auf den Arbeitsmarkt und auf die Kaufkraft der Bevölkerung zu erwarten sein wird. Eine derart orientierte Haustzaltspolitik für das neue Rechnungsjahr wird sich zweifellos zum Nutzen der Gesamtheit auswirken.

Unbedingtes Erfordernis ist ferner, dah die Herrschaft des Staatskomimissars, die nach dem jetzigen Stande der Dinge bis zum 31. März als dem Ablauf des Rechnungsjahres 1930 begrenzt ist, unter keinen Umständen für das neue Haus­haltsjahr wieder Geltung erlangt. Die Stadtrats- mehrheit hat bisher durch ihre Entscheidungen da­für gesorgt, dah Der Verwaltung die zum nor­malen Haushalts betriebe erforderlichen Mittel zur Verfügung standen, und sie hätte sicherlich auch Ende Dezember vorigen Sahres einen Aus­weg aus dem Dilemma gefunden, wenn damals zur Beratung der schwierigen Lage mehr Zeit zur Verfügung gestanden hätte. Man muh bei dieser Gelegenheit erneut klar betonen, dah unser Gießener Haushalt nicht etwa durch ein Versagen der Stadtratsmehrheit, oder durch ein Verschulden der Stadtverwaltung, sondern ledig­lich durch das in dem vorliegenden Ausmaße unvorhersehbare Anschwellen der Wohlfahrts­lasten wiederholt mit Fehlbeträgen belastet wurde. Wie im vorigen Sahre z. Z. der Entscheidung über den Haushaltsplan, so wird man auch bei der Beschlußfassung über den nächsten Haushalt eine verständnisvolle Poli tik des Aus­gleichs in geircinfamen Bemühungen des Stadt- rates und der Stadtverwaltung als unerläßlichen Faktor des kommunalpolitifchen Wirkens im Stadthause ansehen müssen. Dabei darf man auch auf beiden Seiten, im wohlverstaitdenen Sn» teresse des Ganzen, unter Umständen die Ein­räumung gewisser Konzessionen nicht von sich weisen. Eine solche Politik des Ausgleichs und des gegenseitigen Nachgebens wird sicherlich nütz­licher sein, als eine Politik der Versteifung, bei dcr bann die Selbstverwaltungsrechte unter die Räder kommen und wichtige steuerliche Sntereffen der Bürgerschaft mehr getro fen werden, als im entgegengesetzten Falle. Man muß darum hoffen und wünschen, daß für das neue Haushaltsjahr keinem Staatskommissar wieder Gelegenheit ge­boten wird, mit seinem diktatorischen Regiment in unser Gemeinwesen hineinzuregieren.

Bürgermeister ©eil die Festrede am Kvmmers- abend übernommen. Sodann verlas der Fest­schriftführer die für die Ausschüsse in Aussicht genommenen Mitglieder. Alle Anwesenden stimm­ten widerspruchslos dieser Eintellung zu. Die Ausschüsse bestehen aus dem Finanz-, Presse-, Wohnungs-, Wirtschafts-, Empfangs-, Bau« und Schmückungs--, Dergnügungs- und Ordnungsaus- schuh. Shnen obliegt nunmehr die Vorbereitung und Durchführung des Festes. Bürgermeister Geil wurde unter allseitiger Zustimmung zum Festpräsidenten berufen. Der Dor itzende des sest- gebenden Vereins gab zum Schluß dem Wunsche Ausdruck, daß das geplante Fest einen vollen Er­folg bringen möge.

Streio Biivrngcn

Ortenberg, 31. San. Der bisherige P o ft» meister des hiesigen Postamts, der bekanntlich wegen Unregelmäßigkeiten im Dienst unter Haftbefehl gestellt wurde und nach seinem Selbstmordversuch zur Zeit noch schwer verletzt im Bübinger Krankenhaus barnieberliegt, hat seine unlauteren Manipulationen auch zum Nach­teil eines anderen hiesigen Postbeamten ausge­führt. Dieser Postbeamte richtete, wie man hier allgemein hört, ein Gesuch um Gewährung eines verbilligten Baubarlehens in Höhe von 9000 Mark an bie Oberpostdirektion Darmstadt. Diesem Gesuch wurde stattgegeben und der Betrag hierher überwiesen. Der Post­

Eine besondere Gelegenheit:

Pelzmäntel

In guter Ausführung:

55.00 00.00

135.00 108.00

meister erklärte jedoch dem Gesuchsteller, sein Ge­such sei' abschlägig beschickten worden, und er steckte die Summe von 9000 211 a r t in bic eigene Tasche Darüber hinaus soll der Verhaftete weitere Unregelmäßigkeiten be­gangen haben, über Deren Höhe bis jetzt noch nichts Bestimmtes festgestellt werden konnte, da bic ganzen Vorgänge reichlich undurchfich.ig sind.

Großfeuer auf der Grube Messel.

WSN. Darmstadt, 30. San. Heute vor­mittag gegen 5 Uhr kam von der Grube Messel der AlarmrusGroßfeuer". Die Darm­städter Feuerwehr rückte sofort an bic Brand­stätte ab. Dert war ein großer Oelbehäl" ter in Brand geraten. Die Feuerwehr lo-l kalisicrtc Den Brand, der auf die umliegenden! Oelbehä.'ter und auf die Grube sich auszudehnew drohte. Der Brand ist durch eine Stichflamme- entstanden, bie aus einer verstopften Oelmotors pumpe hcrausbrach. Cs gerieten z w c i Hall e n von 2 5 Meter Länge in Branb , in denen 8 0 Sonnen O e l lagerten. Das Ocl brennt noch. Die Keller, in denen llch iwch Oel» tanks befinden, wurden wegen Erplofionsgefahr, unter Waffer gesetzt. Hine Explosionsgefahr be­steht aber nicht mehr, zumal nur noch mit: Schaumlöschern gearbeitet wird. Menschen sind erfreulicherweise nicht zu Schaden gekommen.

W.lddiebereien im Hinterland.

][ Marburg, 30. San. Sn den umfangreichen Bergwäldem des südlichen Teiles des Kreises Viedenkops. besonders in den Gc» marcungen Günterod, Endbach, Nicder-Weidbach, Ober-Weidbach, Uebernthal und Bischoffen, machte sich in den letzten Sahren eine enorme Ab­nahme des Rehbestandes bemerkbar, die darauf schließen lieh, daß hier Wildereram Werke waren. Diese Vermutung wurde dadurch bestätigt, bah man öfters in den Wäldern Schasse hörte, ohne daß Sagdberechtigte in Frage tarnen. Fer­ner fand man auch oft Rehe, die in Schlingen qualvoll verendet waren. Ende September v. 3. fand man im Walde bei Günterod ein Reh, das im Dickicht aufgebrochen an einem Daum hing. Zwei Forstbeamte stellten sich daraufhin abeirds in der Nähe der Fundstelle auf die Lauer. Am anderen Morgen gegen 6 Uhr erschien ein junger Mann, um das Tier abzuholen. AIS ec sich entdeckt sah, ergriff er trotz nachgesandlcr Schüsse bie Flucht unb entkam. Die Beamten hatten aber ben Wilderer als einen der Gebrüder 3u ng aus Günterod erkannt und hielten anschließend in deren elterlichem Hause eine Haussuchung ab, bie für die Gebrüder Sung so belastend aussicl, daß beide zur Anzeige ge­bracht wurden. Das Amtsgericht Gladenbach ver­urteilte den älteren Bruder, Adolf, zu einem 3 ahr Gefängnis und Polizeiaufsicht, den jüngeren Bruder, Fritz, zu zwei Monaten Gefängnis. Letzterer nahm das Urteil an, während dem älteren Bruder Adolf die Strafe zu hoch erschien. Heute beschäftigte sich bie hiesige Strafkammer mit ber eingelegten Beru­fung. Sntercffant war bas Geständnis des An­geklagten, daß er in den letzten Sahren 1 5 R e h e geschossen hätte, mit Schlingenstellerei habe er sich indessen nicht abgegeben. Demgegenüber. betonte bet Sachverständige, Geheimrat Professor Dr. Olt aus Gießen, daß man bei den Vorge­fundenen Fellen Strangulationsmerkmale Erkennen könne, so daß Schlingenstellerei in Frage komme. Das Gericht erkannte auf Verwerfung ber Be­rufung, doch soll von Polizeiaufsicht Abstand ge­nommen und nach Verbüßung von drei Monaten geprüft werden, ob Strafaussetzung in Betracht: kommt. Ein anderes gerichtliches Nachspiel in der Schlingenstellcraffäre dürfte sich demnächst an» schließen, da durch die Vernehmungen in der nunmehr erledigten Sttafsache tociterefieben Günterodcr Einwohner in den Verdacht der Wilddieberei gekommen sind.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Sonntag, den 1. Februar. Septuagesimae.

Staötfirdjc. 9.30 Uhr: Pfarrer Becker: 11: Kinder» kirche für die Markusgemeinde, Pfarrer Becker: 17t Pfarrass. Seemann. Iohanneskirche. 9.30: Pfar­rer Bechtolsheirner: 11: Kinderkirche für die Lukas- gemeinde, Pfarrer Bechtolsheirner: 17: Pfarrer Ausfeld: 20: Bibelbesprechung im Iobannessaal, Pfarrassistent Seemann. Kapelle des Alten Fried- Hofs. 9.30: Pfarrer Lenz: 11: Äinderkirche für bie Luthergemeinde, Pfarrer Lenz. Elisabeth-Klein- kinderschule. 9.45: Pfarrer Lic. Waas: 18: Pfarrer Lenz. Gemeindesaal, Liebigstroße 56. 14: Taub­stummen Gottesdienst, Pfarrer Bechtolsheirner. Klein-Linden. 11: Kinbergottesdiensl: 13.30: Haupt­gottesdienst. Wieseck. 14: (Frauenchor) Direktor Pfarrer Schneider, Niederramstabt. Kollekte. Allen-Vuseck. 10: Kollekte. Kirchberg. 10: Kirch­berg: 13.30: Mainzlar. Haufen-Garbenteich. 10: Hausen: 13: Garbenteich. waßenborn-Steinberg. 13: hauptgottesbienst: 14: Kinberkirche. Lich. 9.45: Beichte: 10: Stiftspfarrer Draubt, heiliges Abenbmahl: 12.45: Kindergottesdienst: 14: Stifts« dechant Kahn.

katholische Gemeinden. Samstag, den 31. Januar.

Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte.

Sonntag, den 1. Februar, eeptuagefima.

Gießen. 6.30 Uhr: Beichte: 7: Messe: Kommunion der Männer: 8: Kommunion: 9: Hochamt mit Pre­digt: 11: Messe mit Predigt: 17.30: Christenlehre und Andacht. Grünberq. 9.45: Messe mit Pre­digt. Hungen. 17.30: Christenlehre und Andacht, Laubach. 10: Hochamt mit Predigt. Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt. Nidda 8.30: Hochamt mit Predigt. Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. ' Montag, den 2. Februar.

Gießen. 6.45 Uhr: Wachsweihe.

Soninaga ieii.1 d. L»er^' u .it -oiürtcn am 1.2. 1. Frl. Dr. Gürtler. Dr. Steinreich. Engelapotheke.

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