neuesten englischen Zollmaßnahmen entstanden ist.
3n der deutschen Rote wird darauf hingewiesen, Dah die Einführung gewisser englischer Zölle f ü r den deutschen Handel besonder- abträglich sei. Die deutsche Regierung wolle von dem Recht Gebrauch machen da- ihr a u f GrunddeS Artikels 2 deS Protokolls zum deutsch-englischen Handelsvertrag gegeben wird, nämlich anzuregen, die deutschen Deschwerdepunkte in einer Konferenz zu erörtern. Die deutsche Regierung sei bereit, zu diesem Zweck eine Abordnung nach London zu schicken. Sehr erwünscht wäre es, wenn die Verhandlungen möglichst bald stattfinden könnten.
Die deutsche Anregung in London ist aa' die Tatsache zurückzuführen, dah die englische Regierung für 23 Warengruppen einen WertzollinHöhevonSov. H. eingesührt hat. Deutschland wird von dieser Zollerhöhung, die in den allermeisten Fällen einem Einfuhrverbot gleich kommt, nicht unwesentlich betroffen. Die deutsche Ausfuhr hat an etwa zehn Warengruppen ein wesentliche- Interesse. Der deutsche Anteil an diesen Warengrupven beläuft sich auf rund 3 0 v. H. Einzelne Warengruppen, wie beispielsweise Strumpfwaren werden bis zu 83 v. H. betroffen. Vei Tonwaren betrügt die Dee.n- trächtigu-a der deutschen Ausfuhr etwa 63 v. H Die deutsche Ausfuhr nach England erleidet durch die englischen Zollmaßnahmen insgesamt eine Einbuße von etwa 15 0 Millionen Mark, daS sind 12 v. H. der deutschen Gesamt- ausfuhr nach England überhaupt.
E'N guiig der Amerikaner in der Gtitthaliefrage.
Tic Bant achve»ständigen chisjcn sich nach Europa ein
N e u y o r k, 28. Noo. (TU.) Die Neuyorker Ban« kicrs haben sich mit der Stillhaltefrage beschäftigt und gelangten zu einer grundsätzlichen Einigung ü b <r d i e Verlängerung der kurzfristigen Kredite an Deutschland. 90 Tage-Wcchsel, die nach dem 1. Dezember ausgestellt werden, sollen zur Einlösung der Mediooerpflichtunaen dienen. Es wurde hervorge- hoben, daß Deutschland in den letzten drei Monaten bereits 2 5 0 Millionen Dollar, also mehr ats vorgesehen war, z u r ü ck gezahlt hat.
Wiggins reist heute (Samstag) auf dem Dampfer „Olympic" zur Teilnahme an der Stillhaltekonfe- renz nach Berlin ab. Hervorragende amerikanische Finanzsachverständige sind heute an Bord der
l y rn p i c" nach Europa abgereist, und zwar der Präsident der Ehase National Bank Albert Wiggins, der Präsident der BIZ., Mac Gar« rah, und der Finanzsachverständige Walter Stewart. Der letztgenannte wird amerikanischer Vertreter im beratenden Ausschuß der BIZ. fein, der dle Fähigkeit Deutschlands zu Reparationszahlungen prüfen soll. Wiggins ist amerikanischer Vertreter im Ausschuß der ausländischen Gläubiger Deutschlands, der die Frage der eingefrorenen Kredite behandeln wird.
Frankreich
und die Sachverständigen.
Franklin Ponti on) Rede
gegen die „Wiiöbcutcr des Siege-".
Paris, 27. Rov. (WTV. ) In der Rede, die d-'. Abg.ordnete Franklin-Bouillon in der Rachtsitzung der französischen Kammer hielt und die fehr oft Infolge des Lärms unverständlich aeblieoen Ist, hat sich, wie sich aus dem setzt erschienenen stenographischen Bericht ergibt, der Abgeordnete überaus scharfe Angriffe gegen die auSlündifchen Finanzsachverständigen geleistet. Gr sagte: .Die ganze Welt scheint seit zehn Jahren das Objekt einer zynischen Ausbeutung durch die Finanzleute und Bankiers zu sein, die sich verschworen zu haben scheinen, unseren Sieg zum Dorteil ihres eigenen Prosits und unter Hintansetzung der Interessen der Rationen auSzubeuten. Seit zehn Jahren gibt eS eine regelrechte Derschwörung der deutsch-amerikanischen Finanz, gegen unS. An diese Leute denke ich, wenn ich das Wort Wucher wiederhole. Wer ist der Mann, vor dessen Autorität Frankreich sich beugen soll? Wer ist der Mann, vor dem Herr Moreau, der Vertreter Frankreichs, nachzugeben hat? Das ist Herr WigginS, der amerikanische Delegiertei Wer ist Herr WigginS? Ich werde es Ihnen saaenl Weil er ein ausgezeichneter Deutschenfreund ist, ist er der Mann, der das meiste dazu getan hat, Amerika (unter Deutschland au stellen. An der Spitze der größten amerikanischen Bank, als Vertreter der Interessen Rockesellers, hat er sich gesagt: Da ich nicht genug Geld in Amerika verdiene, werde ich nach Deutschland gehen, um dort Geld Au verdienen. Mehr als irgendein anderer ist er der Verantwortliche für die gegenwärtige Lage, indem er Deutschland zum Borgen gedrängt hat. Gr ist eS, den wir jetzt als Schiedsrichter im Komitee der Experten an- nehmen Hm die unvorsichtige Politik wieder gutzumachen, die er bisher getrieben hat, wird er vor unS treten und versuchen, unS den Willen unserer ehemaligen Alliierten aufzuzwingen. Und Sie wollen da- zu- lassen? Sie wollen zugeben, daß unser großes Volk sich unter den Despotismus dieser Finanzleute begibt, deren Dummheit und Gier die wirklichen Ursachen deS Drama- sind, da- wir jetzt erleben? Genug von diesem Expertenkomitee, die der Rückhalt aller Urheber der Krise sind."
Die Reichsreform.
Geiler sucht eineBcieinvarung (wischen den Landern.
Im Iungakademischen Klub in München sprach Reichsminister a. D. Dr. G e h l e r über das Thema „Reichsresorm und innere Politik". Da» Ziel der ganzen Reichsresorm müffe sein, die Brücke zu schla. gen zwischen Volk und Staat. Heute könnten wir nur durch eine verständige Vereinbarung unter den Ländern zu einer Reichsreform kommen. Eine Lösung sieht Dr. Gehler darin, daß der Süden anerkennt, daß da v Z u st a i >. f .
in en de» norddeutschen Blocks nicht gehindert werden kann, Jbft wenn man et wollte, daß man aber anderseits auch ba»(Eigen«
leben der Länder vor Eingriffen der Reichsgewalt geschützt wissen will. Die Reichsregierung müffe die Kräfte freibekommen und ft a b 11 e r werden. Nötig sei, daß sich auch das Reich in seinem eigenen Interesse auf die Gebiete beschränkt, die vital des Reiches sind. Wir müßten uns darüber klar sein, daß ein Teil der Nöte, unter Denen wir heute leben, durch das unorganische Nebeneinanderleben von Reich und Ländern verursacht ist und daß nur durch eine grundsätzliche Neuordnung eine Besserung möglich ist.
Oie Volkspariei und Brüning.
Tingeldcy spricht in Königsberg.
Königsberg, 29. Rov. (XU.) Der Führer der Deutschen Dolkspartei, Abg. Dinge l d ey, erläuterte in einer Vertreterversammlung des Wahlkreises Ostpreußen die Gründe, die die Deutsche Volkspartei zur Trennung von der Reichsregierung veranlaßt hätten. Gr betonte Dabei, dah ein Aufstieg nur möglich fei, wenn die Kräfte der sittlich gebundenen, aber selbst verantwortlichen Persönlichkeit sich frei entfalten könnten. Die DVP. lehne den Kollektivismus von rechts und links ab. Die Regierung verfolge weiter die seit Jahren ge
übte Praxis, wirtschaftliche Entscheidungen, die mit einem politischen Risiko verbunden seien, immer wieder hinau-zuschie- 6 e tl Der Äaniler sei in d i e Abhängigkeit der Sozialdemokratie geraten- D.es beweise besonders die beabsichtigte Erhöhung der Umsatzsteuer, die man aI- allerletzte Reserve für schwere Tage auß npollti djer EntscheidungSkämpfc gedacht habe, um bei den Reparationsv?rhandlungen da- nötige Rückgrat zu haben. Jetzt solle mit der Umsatzsteuer ein Fehlbetrag imHauShalt abgedeckt werden.
Die Deutsche Volk-Partei denke gar nicht daran, sich in die Abhängigkeit von Parteien der Rationalen Opposition zu begeben. Sie glaube vielmehr, dah es zu einer Zusammenfassung der Kräfte deS Bürgertum- kommen werde. Rotwendige Voraussetzung für den Erfolg der außenpolitischen Verhandlungen sei eine starke nationale Front Wenn sich die Regierung auf die allzu verständigung-bereite, pazifistisch eingestellte Sozialdemokratie stütze, so sei mit einem einigermaßen befriedigenden Ergebnis der Verhandlungen nicht zu rechnen. Es wäre cklso Pflicht des Kanzlers gewesen, die Rationale Front zu stärken.
Glaube au Deutschland.
Eine Rundfunkrede des Reichsministers Groener.
D erli n, 29. November. (WTB.) Reichsminister Giocner sprach im Rundfunk über das Thema „Vom Glauben an Deulfd^anb”. Das deutsche Volk befindet sich in ercr schweren wirtschaftlichen und politischen Krise, deren Ursachen teils außerhalb Deutschlands, teils im eigenen Hause zu suchen sind. Es gibt kein Allheilmittel zur SBefeitigungJDer Rot- stände, wie sie von dieser oder jener Seite mit großem Aufwand an Propaganda angeboten werden. Mit Protesten aus allen Ecken unseres Vaterlandes ist nichts gewonnen, weil sie meist aus Irr- tum geboren sind. Mit heißem Bemühen möchte ich allen Deutschen in Kopf und Seele giehen den unerschütterlichen Glauben an die Zulunst Deutschlands. Das ist der gesunde Optimismus, der zu einem tätigen Leben führt und den wir alle gebrauchen, wenn wir als Volk und Nation einem reuen Aufstieg entgegengefjen wollen. Der feste Grund, auf den dieser Optimismus sich aufbauen muß, soll unser Staat sein, die deutsche Republik. Wche denen, tie,glauben, durch ein Unter« hühlen dieses Staates und durch seinen Zusammenbruch eine günstigere staatliche Grundlage für den Wiederaufstieg zu schaffen. Diese Träumer sehen nicht die Wirtlichkeit. Aber sie bilden keine Gefahr:
denn die staatliche Macht steht fest und entschlossen. Die Regierung ist wachsam, um alle Versuche gewaltsamer Auflehnung mit äußer- fier Tatkraft niederzuschlagen. Vor solchen Vorkommnissen bewahre uns der Himmel und vor allem das deutsche Volk selbst: denn jeder solcher Spuk ist zersto.en, wenn das Volk in Geschlossenheit die verrückten Ideen terroristischer Regierungsmethoden ab lehnt.
Warum verzagen? Vertrauen zum Staate muh sich vermählen mit dem Vertrauen zu den eigenen Kräften. Die deutsche Geschichte zeigt in den vergangenen Jahrhunderten ragende Höhe und donnernden Fall. Immer wieder hat sich Deutschland aus der Tiefe zum Licht empor- geru.'.gen trotz dem uralten Erbübel der Deutschen, der Zwietracht. Es gibt keinen Propheten, der das Schicksal des deutschen Volkes voraus- sehen konnte. Aber eins kann jeder Deutsche klar erkennen: dah ein Emporsteigen unserer Ration wirtschaftliH und politisch nur m g ich ist. wenn wir einig sind und treu: einig in dem Willen, uns aus der Rot mit gemeinsamer Kra't her- auLzuarbeiten, treu dem Reiche und Staat Dazu rufe ich alle auf, die guten Willens sind.
Der Oberreichsanwalt beantragt d e Voruntersuchung im Fall Best.
WSN. Darmstadt, 28. Nov. Auf Grund der bekannten Vorfälle hat der hessische Justiz- Minister den Gerichtsassessor Dr. Werner Best mit sofortiger Wirkung außer Verwendung gesetzt Best kehrt in den hessischen Iustizdier.st nicht mehr zurück. Nach einem bei der hessischen Negierung aus Leivzig eingegangenen Telegramm hat der Oberreichsanwalt den Antrag auf Eröffnung der gerichtlichen Borunter- lu ch u n g gegen Dr. Best und Genossen wegen Vorbereitung zum Hochverrat gestellt. Untersuchungsrichter ist Reichsgerichtsrat Feller. Mit der Durchführung des Ermittlungsverfahrens soll sofort begonnen werden. Die an der Boxheimer Konferenz Beteiligten, die das Dokument mitberaten haben, werden schon in diesen Tagen in Leipzig vernommen werden.
Der Entschluß des Oberreichsanwalts, die Voruntersuchung zu beantragen, muß, der „Montags- poft" zufolge, als ein Erfolg der Aktion gewertet werden, die die heffifche Staatsregierung unter Führung des Staatspräsidenten Adelung bei der Reichsregierung unternommen hatte.
Der „Montag" nimmt Bezug auf die Ankündi- gung der Nationasczialiftifchen Partei, selbst eine Untersuchung der Angelegenheit vorzunehmen, und hält es für wahrscheinlich, daß auch mit bestimmten Folgerungen innerhalb der Parteiorganisation der Nationalsozialisten zu rechnen ist.
GeUungnahme
der hessischen Regierung.
Eine Tarstcliuni Der amtlichen Pressestelle.
Darmstadt, 28. Nov. (WSN) Die Hessische Regierung teilt durch ihre Pressestelle u. a. mit: Gegenüber den Erklärungen des nationalsozialisti- schen Landtagsabgeordneten Dr. PSerner B e st ist folgendes festzustellen: Die in Frage kommenden Dokumente sind nach dem Ergebnis der Ermittlungen ganz zweifellos nicht nur eine Privatarbeit des nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten Dr. Best. Sie sind das Ergebnis von Besprechungen, die sich auf einen längeren Zeitraum erstreckten und die zwischen allen matzgeblichen Füh- rem der NSDAP stattgefunden Haden. U. a. haben an der Schlußbesprechung auf dem Boxheimer Hof allein vier Abgeordnete teilgenommen, darunter Der stellvertretende (Bauleiter für Hessen, Hauptmann a. D. Raffung (der bemale anstelle des verstorbenen Gauleiters die Geschäfte der (Bauleitung führte und Der außerdem auch noch das wichtige Amt des Organisationsleiters bekleidet). Sämtliche Teilnehmer an den Besprechungen sind innerhalb der (Bauleitung an maßgeblichen stellen tätig. In feinem Geständnis in der Press« tag# zuvor tut Dr. Best selbst mitgetcilt. dah er die Entwürfe u. a. mit dem Leiter des Gauwirt- schastsbeirats der NSDAP., Gau Hesien, „öfters Durchgesprochen habe".
Schon heraus ergibt sich. Daß es ein Ver« schleierungsversuch ist, wenn der Pressechef der RSDAP. behauptet: ..Die Darlegung Dr. Best- ist weder den Parteiinstanzen noch den verantwortlichen Führern der RSDAP. vorher bekannt gewesen." Dr. Best ist al- Leiter der Rechts- abtctlunq deS Gaue« Helfen Mitglied der Gau- Ifi'tax0J’e2 ®au? und al« solches selbst- I vernandlich an der Führung der Partei mafj- gtbenb betdligf Wie 'Dr Best mitteilt, hat er | Fertigstellung der hochverräterischen Ent- würfe .das Programm der künftigen hessifchen
Politik der RSDAP. auSgcarbcitct“. Aus alledem ergibt sich, daß es den Tatsachen widerspricht, wenn Dr. Best jetzt den Versuch macht, nachzuweisen, daß „der fragliche Entwurf mit der RSDAP. oder irgendwelchen Stellen dieser Organisation nie etwas zu tun gehabt hat".
Oie Harzburger Front und die Vorgänge in Hessen.
Tatz Problem der Führerauclejc.
Berlin, 28. Rov. (TU.) Der Leiter der Deutschnationalen Pressestelle HanS BrosiuS, veröfsentlicht im Hugenbergscyen ,T a g" einen Artikel, in dem er zu den Vorgängen in Hessen grundhäßlich Stellung nimmt. Er führt u. a. aus: Der Vorgang habe aber noch eine andere Seite, die nicht nur die RationalsoAialisten, sondern d i e gemeinsame Sache der nationalen Front angehe. Erstens sei das Dokument des Dr. Best nicht von irgenbjemanb, sondern von einem Führer verfaßt worden, der gerade eben zum Abgeordneten gewählt worden sei. Zweites fei der Denunziant ein Mann, der führend in der nationalsozialistischen Partei tätig gewesen und jetzt zum Abgeordneten gewählt worden fei, a l s UrkunDensälscher entlarvt worden. DaS ist es, so führt BrosiuS auS, waS die gesamte nationale Front angebt, nicht nur die Partei, die es unmittelbar betrifft, daS Problem der Führerauslese. Sine so gewaltig angewachsene Bewegung, wie die nationalsozialistische, kann sich nicht davor schützen, daß Minderwertige- sich anhängt. Sie kann und muß aber dafür sorgen, daß sie vor Führern bewahrt wird, die mit ihr die ganze nationale Bewegung diskreditieren. Auch nach einer anderen Richtung sei das gemeint Die vielen Entgleisungen rednerischer und journalistischer Art, die von den nationalsozialistischen Führern zwci'ellos rnihbil.igt werden, kommen ebenfalls auf das Konto unzulänglicher FührerauSlese. Diiziplir.losigkcit und polit.sche Unreife schädigen nur eine Bewegung, ebenso wie Minderwertigkeit Im Zeichen der Harzburaer Front glauben wir, ein Recht zu haben, diese Gedanken, die nicht von heute sind, gelegentlich eine- Falles auszu- sprechen, der un- Deutschnationale nicht unmittelbar angeht
pariser Echo.
ter Fall Best wird aucgeschlachlet.
Pari», 28. Nov. (TU.) Die Pariser Presse, be- sonders die nationalistischer Färbung, widmet den Vorgängen bei der Nationalsozialistischen Partei in Hessen größte Aufmerksamkeit. Der Chefredakteur der „fi l b c r t schreibt u. a., daß es den National- soziallsten nur an der Gelegenheit und den nötigen Vorwänden gefehlt habe, um loszuschlagen. Die oar- lamentarische Lage des Reichskanzler» Brüning fei in der Tot f o ft verzweifelt Wenn sich die Sozialdemokraten zurückziehen sollten, dann sei dem Kabinett da» Urteil gesprochen. Man verstehe, daß der Reichskanzler ein Interesse daran habe, ein ..Polizeimanöoer" gegen die Hitlerleute zu entfesseln, um auf diese Weise die gemäßigten Gruppen und die Anhänger de» republikanischen Gedankens an sich zu fesseln. Man komme zu dieser Vermutung, weil es eine unbegreifliche Torheit Hitlers I gewesen wäre, feine Zukunst auf» Spiel zu setzen, und zwar gerade in dem Augenblick, in dem jeder mann erkennen müsse, daß die Stunde der Jlational. soziallsten geschlagen habe. So ober so sei b i e
Diktatur von jetzt ab das Schicksal Deutschland». — Der „Dem p s* hebt hervor, daß die Entdeckung der Dokumente in Darmstadt die Aufmerksamkeit der internationalen öffentlichen Meinung auf die Drohungen der Hitleranhanger und die Au »sich« t e n eines Staatsstreiche» lenke. Man habe schon oft die sonderbare Aehnlichkeit zwischen den. kommunistischen und faschistischen Methoden feststellen können. Die nationalsozialistische Agitation sei e», die in der Welt jeden Glauben an den deutschen Friedenswillen getötet habe. Da» Vertrauen und mit ihm der deutsche Kredit könnten erst bann wiederhergestellt werden, wenn die HiUer- bewegung endgültig zusammengebrochen sei.
Das Mandat des Abg. Or. Schäfer.
WSN. Darmstadt, 28. Noo. Der Landeswahlausschuß bat Das endgültige Ergebnis der Landtagswahl vom 15. November fcstgestellt. Der Landeswahlleiter teilte dabei mit, daß mit Ausnahme eines Falles in Tiittelgrünbau (Kreis Büdingen), der noch Gegenstand einer Unter- suchung ist, da» gesamte Wahlgeschäft vollkommen reibungslos verlaufen ist. Der Landeswahlausschuß erkannte noch einige von den örtlichen WahloorstänDen für ungültig bezeichnete Stimm- zettel als gültig an, wodurch jedoch die Mandats- Verteilung sich nicht ändert. Am Schluß teilte der nationalsozial.ftische Ausschußoertretcr Rechtsanwalt Dr. Klein mit, dah sich in feinen Händen eine Mandatsoerzichterklärung des 21 b g. Dr. Schäfer befinde, worauf der LanDeswahlltiter, Tlmifterialrat Bornemann, erklärte, daß ihm. Dem Landeswahlleiter, der Abg. Schäfer die Annahme feines Landtags- Mandats bereits angezeigt habe.
E.ne Mischte „schwarze iifte*.
Poltze bericht über Haussuchung tm Münchener „Braunen Hau«''.
München, 23.2ov. (TU.) lieber eine polizeiliche Durchsuchung Dc3 ..Braunen Hauses" in München teilt Der Polizeibericht folgende- mit: „In Rümmer 293 vom 25. Rovembcr 1931 der ,.M ünchener P o st" ist unter der Heber,cbrtft „Vorbereitungen zur Razi-Dar tho- lomäusnacht" eine angeblich im ..Braunen Haus" angefertigte Liste über mißliebig» Personen veröffentlicht. Del den pollAei- l.chcn Erhebungen hat ein ehemalige- Mitglied der RSDAP. zugestanden. Die Liste willkürlich ohnetun und Wissen der Rationasozialistischcn Deutschen Arbeiterpartei selb st angefertigt und der „W ünche - ner P o st" zur Verfügung gestellt zu haben. Zur GiaubZa.tmacdung der Echtheit der Liste hat der Verfertiger bei Der Ucbcrgabe an die „Münchener Post'' ein als vertraulich bezeichnetes Schreiben, unterzeichnet „Du Wollin* vorgelegt. Dieses Schreiben samt Unterschrift ist nach dem Zugeständnis de» UeberbringerS, wie auch nach dem Ergebnis der polizeilichen Erhebungen und Durchsuchungen gefälscht. Di» polizeilichen Crfccbun.ien werden der Staatsanwaltschaft übermittelt.“
Reichsbannerlundgebungen in Berlin.
Berlin, 29. Rov. (E^B.) In Berlin fanden Reichsbannerkundgebungen in zwölf Versammlungslokalen statt, in denen zu den Vorgängen in Hessen eine Entschließung angenommen wurde, in der gesagt wird, die. Geduld und Rachsichk der Republikaner gegenüber Dem Treiben Der Rakionalfozialisten habe so weit geführt, daß alle-, was im Lause von 13 Jahren schwerer unermüdlicher Arbeit geschossen worden sei. vor der Vernietung stehe. Die breite Masse de- VolkeS verlang, daß die Führung in Reich und Ländern o,,^.c Den Mut Aur Tat beweise, um Freiheit, Demokratie und Republik zu erhalten. Das Reichsbanner übernehme die Führung der republikanischen Alt.on.
Oer Deutsche Veamtenbund.
Berlin, 27. Nov. (TU.) Der Deutsche Be- amtenbunb gibt eine Mitteilung heraus, in der es u. a. heißt, Daß ihn Das Ergebnis Der Verhandlungen Des Wirtschaftsbeirat», Da» Die Grundlagen einer neuen Notverordnung bilden soll, auf» Schwerste enttäuscht hat. Wiederum klingt die Ab- sicht weiterer Lohn- und Gehaltskürzungen aus dem Ergebnis der Verhandlungen Des Wirtschaftsbeirat» heraus, während ander« Möglichkeiten $ur Beseitigung Der Wirtschaftskrise, insbesondere Die Frage einer wirksamen Preissenkung nur sehr problematisch behandelt wurde. Allgemein sind die Beamtenbezüge unter Den Stand gesunken. Den sie 1927 vor Der Neuregelung hallen. Dazu kommt, daß wesentliche und unumgänglich notwendige Ausgaben de» Beamtenhaushalt» gegenüber dem Stand vor Der Besoldungsneuregelung erheblich verteuert sind. Der gefchäftsführende Vorstand ist Der Auffassung, daß Die vom Wirtschaftsbeirat empfohlene weitere Einschränkung Der Lebenshaltung und Der Kaufkraft Der Beamten und Der übrigen Arbeitnehmerschichten Die allgemeine N o t verschärft, wie Die bisherigen Erfahrungen beweisen. Demgegenüber forDert er Durchgreifende gesetzgeberische Maßnahmen zur Senkung der Preise, Mieten, Zinsen und öffentlichen Tarife. Insbesondere ver- langt er Die Beseitigung Der wirtschaftlich underech« tigten PreisbinDungen, Der preieftelgernben Zollpolitik und Der übertriebenen Handels» spannen, Damit endlich die Preissenkung di« Einkommenssenkung unterschreitet.
Oer Allgemeine Oeuische Beamtenbund.
Berlin, 28. Noo. (TU.) Der Vorstand des All- gemeinen Deutschen Beamtenbunde» hat a n Den Reichskanzler und den Reichsfinanzminifter folgende» Telegramm gesandt: „Gegenüber offizieller Regierungsoersicherung am letzten Donnerstag im Haushaltsausschuß des Reichstages erhält sich hartnäckig das Gerücht, daß schon in den nächsten Tagen eine erneute lOprozenttge Kürzung der Beamtengehälter Durch Rotver- orDnung erfolgen wird. Sollte die Reichsregierung Derartige Pläne verfolgen, fo erheben wir Dagegen allerschärf ft en Proteft. Sine Kürzung Der Beamtengehälter würde eine neue Lohn- adbauwelle einleiten. Sie würde durch Schwächung der Massenkaufkraft die Wirtschaftskrise ungeheuer verschärfen. Sie würde insbesondere die unteren und mittleren Beamten der allernotwen» Digften Eristenzmittel berauben und sie zur Verzweiflung treiben. Bereit» durch die bisherigen (Be- hu!t»fürjungen sind Die Durchschnittsbezüge großer Teile Der Beamtenschaft unter Den Stand von 1927 hcrabgedrückt worden. Eine erneute Kürzung um 1 10 o. H. würde die Lebenshaltung Der großen Masse


