Einzelbild herunterladen

Nr. 254 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Freitag, 30. Oktober 1951

Der Favag-Prozeß.

Dieübrig" gebliebenen 110 000 Reichsmark.

Oberheffen.

Landkreis Gietzcn.

00 Klein-Linden, 27. Oktober. Im blumen­geschmückten Kirchlein feierte am Sonntag die evan­gelische Kirchengemeinde ihr diesjähriges Kirch- w e i h f e st. Das Fest ist bis auf den heutigen Tag ein rein kirchliches geblieben und wird zur Erin­nerung an den Tag der Einweihung der im Jahre 1866 erbauten Kirche gefeiert. Das Fest wurde, wie üblich, mit Posaunenspiel vor der Kirche am frühen Sonntag eröff^t. Der Posaunenchor leitete auch den Fest^o^tesdienst ein und begleitete mit dem Orgelspiel die Gemeindegesänge. Pfarrer Brem­mer hielt die Festpredigt. Am Nachmittag gingen, alter Sitte gemäß, die Aeltesten des Dorfes zum Abendmahl.

$ Alten-Bufeck, 28. Okt. Am Sonntag wurde im vollbesetzten Gotteshause das Erntedankfest gefeiert. Eingeleitet wurde die Feier durch ein Lied des hiesigen Gemischten Chores. Der Ortspfarrer betonte in seiner Predigt, daß man bei dem reichen Erntesegen auch der Notleidenden gedenken solle. Die Konfirmanden legten am Altar unter sinnvollen Sprüchen Früchte des Feldes nieder und verschönten die Feier durch ein Lied. Der Ertrag der Kollekte soll für den Erweiterungsbau der Kleinkinderschule Ver­wendung finden.

-j- Großen-Buseck, 29.Oktober. Die reiche O b st e r nt e, die in unserer Gemeinde in diesem Herbst unter Dach zu bringen war, harrt noch zum großen Teil der Verwertung. 3n vielen Familien wurden die Aepfel zur Herstellung von Apfelwein verwendet. Auch die Apfelweinkelte­reien haben reichliche Apfelweinvorräte einge­keltert. Von Händlern werden gegenwärtig wie­der größere Mengen Obst in die Dahn verladen. Die Preise sind so niedrig, daß sich viele Leute noch nicht entschließen können, ihr Obst abzusehen. Es werden für gebrochene Aepfel geringerer Qualität 2,50 bis 3 Mk. pro Zentner bezahlt. Rur bessere Sorten, wie Boskoop und Gold­parmänen, werden mit über 3 Mk. bewertet. Auch aus dem benachbarten Rödgen werden größere Mengen Obst den Händlern am hiesigen Bahnhof zugeführt.

d. Hungen, 29. Okt. Die Lichtbild st eile des Kreises Gießen veranstaltete heute im Saale desDarmstädter Hofes" eine Kinovorfüh- rung für die Schüler der Schulen von Hungen und der umliegenden Gemeinden. Der reizende Film Mit dem Silberkondor über Feuerland" führte die Kinder in das Wunderland Südamerikas und bot ihnen einen Blick in die unwirtlichen Landschaften, Fjorde Und Gletschergebiete jener Gegend, zeigte ihnen die dortige Tierwelt und das Leben und Trei­ben der noch in geringer Zahl vorhandenen Urein­wohner des noch fast unbekannten Landes. Natur­aufnahmen von unbeschreiblicher Schönheit erschie­nen in reicher Abwechselung auf der Leinwand und erregten gespannte Aufmerksamkeit bei allen Zu­schauern. Lehrer Reinheimer, Großen-Linden, in dessen Händen die Vorführung ruhte, trug durch klare Erläuterungen zum Verständnis des Films bei. Der Film hat hohen Wert und kann auch Er­wachsenen zum Besuche empfohlen werden.

s. Aus der nördlichen Wetterau, 28. Okt. Llnsere Landwirte sind zur Zeit stark mit dem Ernten und Verfrachten der Zucker­rüben beschäftigt. Die AktienzuckerfabrikWet­terau" in Friedberg hat den Versand in der Weise organisiert, daß an vorgeschriebenen sog. Abnahmestellen, wie Berstadt, Echzell und Wöl­fersheim, die einzelnen Ortschaften ihre Rüben wagenweise direkt vom Acker aus an festgesetzten Wochentagen anfahren können. Daneben ist es aber auch zulässig, daß größere Landwirte ihre gesamte Rübenernte in einem besonderen Waggon an jeder beliebigen Station verladen, in welchem Falle die Fabrik ebenfalls die Frachtkosten trägt. Die Ortschaften der näheren Umgebung Fried­bergs fahren die Zuckerrüben per Achse in die Fabrik und erhalten in diesem Falle als Fähr­lohn die Frachtkosten vergütet. Durch genaue Ein­teilung wird einer Lieberfüllung des Betriebs vorgebeugt. Die in sonstigen Jahren wegen der Rässe oft sehr beschwerliche Zuckerrübenernte geht Heuer glatt vonstatten. Infolge der bisherigen Trockenheit sind auch die prozentualen Ge­wichtsabzüge für anhaftende Ackererde we­sentlich niedriger. Sie bewegen sich in diesem Herbst im allgemeinen zwischen 6 und 10 Pro­zent, während sie in manchen Jahren 10 bis 13 Prozent und darüber betrugen. In neuerer Zeit geht man vielfach dazu über, die Rüben aus- zuzackern, nachdem man mit einem neuen Gerät die Blätter an den stehenden Pflanzen abgestohen hat. Bei Rücklieferung von 40 Prozent Grün- schnihel werden am Rübenpreis 24 Pf. per Dop­pelzentner gekürzt. Bei Rücklieferung von 4 Pro­zent Trockenschniyel werden außerdem geringe Trockenkosten in Abzug gebracht. Wer trotz der Kontingentierung mehr Rüben anliefert, erhält dafür vergällten Zucker oder getrocknete Rüben zurück.

Kreis Friedberg.

* Butzbach, 29. Okt. Der hiesige Kaufmann Gg. Dinkel gab in einer Sitzung der Butzbacher Win­terhilfe bekannt, daß er die Summe von 3 0 0 0 M k. der Winterhilfe Butzbach zur Verfügung stelle. Der Betrag ist die Entschädigungssumme, die dem Stifter für den tödlichen Unfall seines Sohnes zugeführt wurde.

Kreis Schotten.

i Groß-Eichen, 27. Okt. Am Sonntag wurde in unserem Kirchspiel das Crntedank- f e st durch gutbesuchte Gottesdienste in Groß- und Klein-Eichen gefeiert. In beiden Kirchen war der Altar von den Konfirmanden mit Feld- und Gartenfrüchten aller Art geschmückt. In Groß- Eichen wirkte der Männergesangverein in dan­kenswerter Weise mit. Pfarrer König hielt die Predigt. Die Kollekten für das Elisabethenstift

WER. Frankfurt a. M., 29. Okt. In der Donnerstag-Verhandlung im Favag-Pro- zeh wurden zunächst drei Zeugen zu der Ange­legenheit Berlin-Frankfurter Versicherungsgesell­schaft vernommen. Bekanntlich hatte die Favag zur Abwicklung der Llebernahme des Dersiche- rungsbestandes der Berlin-Frankfurter Versiche­rung dem Dersicherungsdirektor Esser einen Betrag von 40 000 Mark zur Verfügung gestellt und dann nochmals 110 000 Mark für diesen Zweck reserviert. Diese 110 000 Mark wurden nicht be­nötigt und Direktor M ä d j e brachte sie persön­lich nach Frankfurt zurück, wo

die Summe unter den Favag-Direkloren verteilt.

wurde. Der als Zeuge vernommene Dersiche­rungsdirektor Esser erklärte, daß, als die Auf­teilung der von der Favag alsübrig" ge­bliebenen Summe von 110 000 Mark erfolgte, keineswegs zu übersehen gewesen sei, daß das Geschäft als solches gewinnbringend verlaufen war, so daß man damals auch keinen Betrag als überflüssig geworden hätte verteilen können. Auch der Versicherungsdirektor Schnell gab der Lieberzeugung Ausdruck, daß die Verteilung nicht hätte vorgenommen werden dürfen, da der Geschäftsverlauf damals noch nicht so sicher war, um die Verteilung zu recht­fertigen. Direktor G o e t j e s (Berlin), der Auf-

in Darmstadt und den hessischen Diakonieverein er­gaben ansehnliche Beträge.

^2 Sellnrod, 27. Okt. Unsere Gemeinde feierte am Sonntag das Erntedankfest. Im Gottesdienste predigte Dekan i. R. D o l p aus Laubach. Chöre der Schulkinder halfen die Feier verschönern. Der Altar war von den Konfirman­dinnen in üblicher Weise mit Erntegaben ge­schmückt worden.

Kreis Alsfeld.

* * Alsfeld, 27. Okt. Am vergangenen Sonn­tag fand in der Turnhalle die feierliche U e b e r - reichung der Gesellenbriefe anläßlich der diesjährigen Gesellenprüfung statt. Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses des Ortsgewerbevereins Alsfeld, Gewerbelehrer Rohrbach, wies in der Be­grüßungsansprache auf die schwierige Lage des Handwerkerstandes in der gegenwärtigen Wirt­schaftskrise hin und betonte die Notwendigkeit einer weiteren Ausbildung der jungen Handwerker, deren Ziel die Ablegung der Meisterprüfung sein müsse, auch heute noch brauche man trotz der Mechanisie­rung und Rationalisierung der Betriebe einen tüch­tigen Handwerkerstand. Er schloß mit der eindring­lichen Mahnung an die Prüflinge, eifrig weiter­zuarbeiten an ihrer gewerblichen Ausbildung. Die Glückwünsche der Behörden überbrachten für das Kreisamt Regierungsrat Strack, für das Kreis­schulamt Schulrat Rausch, für das Kuratorium der Gewerbeschule Bürgermeister Dr. Völsing, Syndikus Röhr- Gießen für die Handwerkskam­mer, Rektor Müller-Alsfeld für die Gewerbe­schule und Glasermeister Lenth für den Orts- gewerbeverein. Die Ueberreichung der Gesellenbriefe erfolgte durch den Vorsitzenden, Gewerbelehrer Rohrbach. Die Gesellenprüfung bestanden ins­gesamt 75 Prüflinge, darunter 42 vor dem Prü­fungsausschuß des Ortsgewerbeoereins: die übri­gen Prüflinge verteilten sich auf die Schmiede- und Schneiderinnung. Die stimmungsvolle Feier wurde umrahmt durch musikalische Darbietungen von Mit­gliedern des Alsfelder Jugendorchesters.

ss. Grebenau, 27. Okt. Am vorigen Sonn­tag konnte Pfarrer Schreiber nach segens­reichem Wirken in unserer Gemeinde sein 2 5. Dienstjubiläum feiern. Aus diesem Anlaß brachten ihm sämtliche Vereine unseres Städt­chens einen Fackelzug. Die Vorsitzenden der Ver­eine gedachten in kurzen Worten der Bedeutung des Tages, und der Gesangverein, sowie die Gesangsabteilung des Turnvereins trugen durch einige schöne Chöre zur Verschönerung der Feier bei. Pfarrer Schreiber dankte für die Ehrun­gen und sprach die Hoffnung aus, daß es ihm noch lange vergönnt fein möchte, in Grebenau zu wirken.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

Q Wetzlar, 29. Okt. Der Kreisverband Wetzlar der Evangelischen Jungmännerbünde hielt am Sonntag in Wetzlar seine Herbst- t o g u n g ab. Der Kreispräses Pfarrer Koch (Lützel­linden) eröffnete die Tagung. Inspektor C laß en von der Evangelischen Gesellschaft in Elberfeld hielt ein biblisches Referat. Den Jahresbericht erstattete der Kreispräses, ebenso den Bericht über die Bun­desversammlung in Barmen. Stadtmissionar H e n n - d) en (Wetzlar) berichtete über das Jungscharlager im Soonwald an der Nahe. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurden auch die Kreisveranstaltungen festgelegt. Der Kreisverband Wetzlar zählt insgesamt 18 Vereine: in fast allen Vereinen bestehen jetzt Jungschar- und Jungvolkgruppen, ebenso Posaunen­chöre.

I Groß-Rechtenbach, 28. Okt. Da die Ge- meindeoorstände der Gemeinden des Amtes Rechten­bach sich geweigert haben, die für eine Erhöhung der Kreisumlage aus Anlaß der Hilfsmaß­nahmen für die Landesbank der Rheinprovinz er­forderlichen Mittel aufzubringen, hat die Aufsichts­behörde bestimmt, daß die Gemeinden für das Rech­nungsjahr 1931 zu der bereits beschlossenen B ü r - gersteuer einen Zuschlag von 50 o.H. nach dem Landessatz zu erheben haben.

sichtsratsmitglied der Berlin-Frankfurter war, hat der Favag den Betrag von 110 000 Mark sofort nach Gründung der neuen Gesellschaft zur Verfügung gestellt und ihn zu diesem Zweck an Mädje abgeliefert. In der Tatsache, daß Mädje das Geld persönlich nach Frankfurt überbrachte, will er nichts Verfängliches erblicken. Er war der Meinung, daß der Vetrag in das Vermögen der Favag zurückfließen und nicht unter die Direk­toren verteilt werde. Im Hinblick darauf, daß Mädje vier Jahre umsonst seine Tätigkeit der Berlin-Frankfurter Versicherung zur Verfügung gestellt habe, hält der Zeuge eine Vergütung von 30 000 Mark an Mädje für angemessen, je 38 000 Mark für Dumcke und Becker schienen ihm da­gegen reichlich hoch. Sodann wurden der Buchhaltungschef Gent und der Bureaudiener Wolf vernommen. In der Hauptsache handelte es sich dabei um die Feststellung, welchen Gang die Post innerhalb der Favag zu machen hatte. Dabei erklärte Gent,

daß man mit ihm als Leiter der Versicherungs­buchhaltung Komödie gespielt habe, indem man ihm tagtäglich nur einen Teil der Post vor­gelegt habe.

Um eine völlige Klärung der Postfrage zu er­zielen, wurde die Vernehmung von vier weiteren Zeugen beschlossen. Die Aussagen des Dureau- dieners Wolf waren ohne Bedeutung.

Z H o ch e l h e i m, 28. Okt. Für die W i n t e r n o t- hi l s e wurden in unserer Gemeinde gesammelt: 64 Zentner Kartoffeln, 9 Zentner Obst, 18 Zentner Kraut und sechs Kisten Handkäse. Diese Sachen sollen der Stadt Wetzlar zur Verfügung gestellt werden. Die Sammlung brachte ferner fünf Laibe Brot und 11,50 Mark Bargeld ein, die an Bedürftige in der eigenen Gemeinde zur Verteilung kommen sollen. Für das Bargeld sollen Naturalien beschafft und ver­teilt werden. Eine zweite Sammlung von Fleisch, Wurst, Fett usw. soll später veranstaltet werden.

<> Dornholzhausen, 28. Okt. Bei der Sammlung für die Winternothilfe wur­den in der hiesigen Gemeinde gezeichnet: 29 Zentner Kartoffeln, 4 Zentner Weiß- und Rotkraut, 2 Pfund Fleisch, 4 Pfund Butter, 3 Zentner Aepfel und 7,50 Mark Bargeld. Kartoffeln, Kraut und Aepfel sollen dem Stadtwohlfahrtsamt in Wetzlar zur Verfügung gestellt und die übrigen Gegenstände an Bedürftige in der Gemeinde verteilt werden.

Kreis Biedenkopf.

T Waldgirmes, 24. Okt. Der Ausbau des Wegenetzes in unserer Gemar­kung ist in drei Losen vergeben worden. Mit der Ausführung der Arbeiten wurden die Firmen K l a s und Weimer von hier und die Firma Wagner von Krofdorf betraut. Die Herstellung des Sportplatzes mit über 5000 Kubikmeter Erd­bewegung ist der Firma H. W e i m e r (Gießen) übertragen worden. Bei den Arbeiten werden alle Wohlfahrts- und Krisenunterstühungsempfänger, sowie auch viele andere Arbeitslose auf einige Monate Beschäftigung finden können. Die Kosten sind mit etwa 30 000 Mk. veranschlagt und bereits aufgebracht. In diesem Herbst sollte mit dem Reubau einer sechs kl assigen Schule auf dem Gelände des alten Friedhofes begonnen werden. Die Regierung hat jedoch hierzu die Genehmigung versagt, da die letzten Gräber erst vor 27 Jahren geschlossen wurden.

Amtsgericht Gießen.

Eine hiesige Firma ließ ihre Ausstände in der Stadt durch einen Beauftragten eintreiben. Aus einer Wohnung An der Kläranlage brachte er aber statt Geld Schläge nach Hause. Der Schuld­ner wies ihm die Türe mit den Worten, er solle sich schleunigst fortmachen, sonst bekomme er draußen von den Weibern feine Haue. Dies traf insofern zu, als ihm die Angeklagte vor dem Hause eine Gießkanne auf den Kopf schlug. Der rabiate Schuldner und ein dritter Angeklagter ließen es sich dann nicht nehmen, auch mit Fäusten auf ihn einzuschlagen. Die Verletzungen waren ohne Be­deutung, die drei Angeklagten einschlägig noch nicht vorbestraft. Unter Annahme mildernder Um­stände erhielten sie .wegen gemeinschaftlicher Kör­perverletzung für sie immerhin erhebliche Geld­strafen.

Eine junge Ehefrau in Begleitung eines 15jäh- rigen Mädchens begegneten auf einem Spazier­gang in der Umgebung von Gießen einem Chine­sen, von Berus Kaufmann und veranlaßten diesen, sich ihnen anzuschließen. Sie lagerten zu öritt auf einer Wiese. Die Ehefrau ergriff die Hand des Chinesen, spielte damit, streifte ihm schließlich vom Finger einen Ring ab und lief davon. Daß ein Scherz vorlag, war ausgeschlossen. Rach dem Er­gebnis der Beweisaufnahme konnte das Gericht aber nur annehmen, daß es sich nicht etwa um die vorbedachte Plünderung eines Ausländers, sondern um einen Gelegenheitsdiebstahl handelte, indem die Angeklagte beim Anblick des Ringes einer an sie herangetretenen Versuchung erlag. Das Gericht erkannte, zumal die Angeklagte noch unbestraft war, auf Grund ihres Geständnisses, auf eine an Stelle der an sich verwirkten fünf­tägigen Gefängnisstrafe tretende entsprechende Geldstrafe. Ihr arbeitsloser Ehemann und ein anderer Erwerbsloser, die in ihrer Rähe eben­falls auf der Wiese gelagert hatten, waren der Mittäterschaft bezichtigt. Doch war ihnen eine Schuld nicht nachzuweisen, und sie wurden freige- sprochen. Beide sollen nach den Wahrnehmungen des Chinesen den gestohlenen Ring aus der Hand

der Angeklagten an sich gebracht haben und dann in den Wald geeilt sein. Die Angeklagte, die aller­dings mit dem Ring zu ihnen gelaufen war, be­stritt dies und entlastete beide, behauptete nament­lich, der Chinese habe die von ihm geschilderten Wahrnehmungen wegen der in Betracht kommen­den Entfernungen gar nicht machen können. Dieser war zwar im allgemeinen der deutschen Sprache mächtig, aber sein Ausdrucksvermögen ließ ihn doch manchmal bedenklich im Stich, so daß seiner Vernehmung eine ausschlaggebende Be­deutung nicht beigemessen werden konnte. So kam es, daß die weiteren Vorgänge sich nicht aufklären ließen. Auch ein unter Zuziehung der Beteiligten auf der Wiese vorgenommener gericht­licher Augenschein, der die damalige Situation wiedergab, konnte keine Klärung schaffen.

Erweitertes

Schöffengericht Gießen.

* Gießen, 28. Okt. Ein auswärtiger Kauf­mann ist der LIrkundenfälschung Fäl­schung eines Wechsels beschuldigt. Da er in einer früheren Verhandlung unentschuldigt aus­geblieben, wurde er heute vorgeführt. Der An­geklagte hatte früher geleugnet, heute ist er in vollem Umfange geständig, weshalb von einer Beweisaufnahme abgesehen werden kann. Das Gericht verurteilt ihn zu 3 Wochen Gesäng- n i s, bewilligte ihm aber bedingten Strafauf­schub unter Festsetzung einer Bewährungsfrist von 3 Jahren. Außerdem hat er zum Ausgleich der entstandenen unnötigen Kosten in zwei Raten den Betrag von 60 Mark an die Staatskasse zu zahlen.

Ein junger Arbeiter hat während seines Auf­enthalts in der Schweiz in mehreren Fällen par­kende Autos gestohlen. Er wurde gefaßt und an Deutschland zur Bestrafung ausgeliefert. Es werden ihm heute vier Autodiebstähle zur Last gelegt. Einen von ihnen gibt der Angeklagte zu, die übrigen bestreitet er. Das Gericht ver­urteilt ihn wegen dreier Fälle in eine Gesamt­strafe von 1 Jahr 6 Monaten Gefäng­nis, abzüglich 4 Monate 10 Tage Unter­suchungshaft: in einem Falle erfolgt Freispre­chung, der bei dem einen Diebstahl mitgeführte Revolver wird eingezogen.

Im Jahre 1926 hatte sich ein Schwindler- Paar in einem benachbarten Landstädtchen bei einer Familie als Sommergäste einlogiert. Durch die Vorspiegelung, sie brauchten eine größere Summe zum Ankauf von versteigerten Waren­lagern, gelang es dem Paar, von ihrem Gast­geber die Summe von 1650 Mk. herauszulocken. Alsdann verschwanden sie, der Mann unter Mit­nahme eines neuen Fahrrades. Die flüchtigen Angeklagten wurden später wegen weiterer Be­trügereien ergriffen. In der heutigen Haupt­verhandlung muhte hinsichtlich beider Angeklag­ten das Verfahren wegen Betrugs eingestellt werden, weil die Angeklagten bereits vom Land­gericht Hanau wegen fortgesetzter Betrügereien abgeurteilt sind und der hiesige Betrugsfall damic bereits miterledigt ist. Wegen des Dieb­stahls des Fahrrades, der im strafschärfenden Rückfall begangen wurde, erhielt der Angeklagte ein Jahr drei Monate Zuchthaus.

Kunst und Wissenschaft.

Medizinischer Aobelpreis für Professor Warburg.

Stockholm. 29.Okt. (TU.) Der medizi­nische Robelpreis für das Jahr 1931 wurde dem Berliner Professor Dr. Otto War­burg zuerteilt. Der deutsche Gelehrte erhielt die Auszeichnung für dieEntdeckung des At­mungsferments, feine Art und Wirkungsweise".

Professor Warburg, der am Kaiser-Wilhelm» Llnstitut in Berlin-Dahlem wirkt, ist schon früher bekannt geworden durch feine bahnbrechenden Forschungen über den Oxydationsprozeß lebender Zellen. Infolge des Falles der schwedischen Krone wird der Robelpreis in deutschem (Selbe diesmal nur etwa 160 000 bis 170 000 Mark wert fein.

Gottfried-Ketter-Preis für Hans Carossa.

Zürich, 30. Okt. (WTB. Funkspruch.) Don der Martin-Bodmer-Stistung ist der diesjährige Gottsried-Keller-Preis in Höhe von 6000 Franken dem Dichter Hans Carossa zu- erkannt worden. Die Verleihung des Preises an den Ausgezeichneten erfolgt am 5. Rovember durch den Pen-Club in Zürich. Der Gottfried-Keller- Preis wurde bereits vor zwei Jahren einem Deutschen, dem kürzlich nach Wien berufenen Literarhistoriker Josef Radler, verliehen.

»

Carossa wurde am 15. Dezember 1878 zu Tölz in Bayern geboren; er ist der Sohn eines Medi­ziners und ergriff zunächst den väterlichen Beruf, ließ sich 1903 als praktischer Arzt in Passau nieder und siedelte 1914 nach München über. Seine Werke:Gedichte" (1910);Doktor Bürgers Ende" (1913);Die Flucht" (1916);Ostern" (1920);Eine Kindheit" (1922);Rumänisches Tagebuch" (1924);Verwandlungen einer Ju­gend" (1928); ein neues Prosabuch wird demnächst unter dem TitelGivn. Eine Legende aus dem ärztlichen Leben" im Insel-Verlag erscheinen. Carossa wurde bereits 1928 durch die Verleihung des Münchener Dichterpreises ausgezeichnet.

&ne. gute- Ttcuckcix^t:

Jede Umhüllung eines MAGGkSuppen-Würfels gilt-auch wenn sie noch nicht mit Gutschein-Aufdruck versehen ist - als 1 Gutschein.

Polles Verständnis für individuelle Wünsche findet man stets im Bekleidungsbaus Köhler, Seltersweg 17. Gegenwärtig bat die Airma ihre Mäntel mit Slusnahmevreisen versehen, und man kann immerhin beim Einkauf eines guten Mantels soviel sparen, das; es noch für eine hübsche Hausjacke reicht, die man ebenfalls bei Köhler in einer so reichlichen Auswahl stndet. 7297 A