Ausgabe 
30.10.1931
 
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Nr. 254 Drittes Blatt

Aeitag, 30. Oktober (951

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesseni

Wirtschaft.

* Frankfurter Maschinenbau - AG., vormalsPokornyLWittekind. 3m Be­richt der Gesellschaft über das Geschäftsjahr 1930 wird auf die Einwirkungen der allgemeinen Krise auf die deutsche Maschinenindustrie hingewiesen, unter denen auch die Gesellschaft stark zu leiden hotte. Der 2luftragseingang ist weiter zurück­gegangen, unter dem Druck der Konkurrenz konn­ten die Aufträge nur zu äußerst "herabgesetzten Preisen untergebracht werden. Da sich auch im Auslande die Verhältnisse verschlechtert hatten, blieben von dieser Seite die Aufträge ebenfalls aus. Zur Anpassung an die veränderte Lage wur­den größere Abschreibungen vorgenommen. 3n der Bilanz erscheint ein Verlust von 3 301 230 Mark, der zum größten Teile durch die Sonderabschrei­bungen und Rückstellungen von etwa 2 3.0 000 Mk. entstanden ist (i. V. 489 967 Mk. Verlust, der aus dem Reservefonds gedeckt wurde). Zur Abdeckung dieses Verlustes wird vorgeschlagen, das Kapital von 6,6 Millionen Mark im Verhältnis 5:1 auf 1,32 Millionen Mk. zusammenzulegen. Hierdurch entsteht ein Buchgewinn von 5,28 Mill. Mk.. so daß nach Heranziehung des Reservefonds in Höhe von 346 154 Mark und Bildung eines neuen Re­servefonds in Höhe von 163 800 Mark nach Ab­deckung des ausgewiesenen Verlustes noch ein Be­trag von 2 161 123 Mk. zur Verfügung steht.

Franksurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. Mi, 29. Okt. Auftrieb: 135 Rin. der. 1053 Kälber, 515 Schafe, 656 Schweine. Es

wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saug­kälber 40 bis 44 Mark, mittlere Mast- und Saug­kälber 35 bis 39, geringe Kälber 30 bis 34, Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 27 bis 30, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 22 bis 26, fleischiges Schaf- vieh 17 bis 21; S ch w e i n e : oollfleischige von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 47 bis 50, von etwa 200 bis 240 Pfund 46 bis 49, von etwa 160 bis 200 Pfund 45 bis 49, fleischige von etwa 120 bis 160 Pfund 42 bis 47 Mark. Marktverkauf: Kälber sehr schleppend, geräumt; Schafe ruhig, geräumt; Schweine ruhig, ausverkauft.

Schweinemarkt in Butzbach.

pb. Butzbach, 29. Oktober. Der heutige Schweinemarkt war mit 349 Ferkeln und 15 Läufern befahren. Es wurden gezahlt für Ferkel bis sechs Wochen 812, von sechs bis acht Wochen 1215, von acht bis dreizehn Wo­chen 1520 Mark, für Läufer bis zu 30 Mark. Der Handel war mäßig bis gut, es blieb Heber- stand.

Schweinemarkt in Wetzlar.

# Wetzlar, 29. Okt. Der gestrige Schweine- markt war mit 541 Ferkeln und 12 Läufern be­schickt. Es wurde bezahlt für 5 bis 6 Wochen alte Ferkel 9 bis 12 Mark, für 7 bis 9 Wochen alte 13 bis 16 Mark je Stück. Läufer kosteten 20 bis 30 Mark je Stuck. Der Handel war flott. Es ver­blieb nur geringer Ueberstand.

Die deutschen Börsen.

Große Geschästsstille in Frankfurt.

Frankfurt a.M., 29. Okt. Auch der heutige telephonische Effektenfreiverkehr zwischen den Bureaus kennzeichnete sich durch außeror­dentlich große Geschäfts stille. Die Tendenz neigte infolge der gestrigen schwachen Auslandbörsen weiter eher etwas zur Schwäche, kursmähig waren jedoch nur geringfügige Ver­änderungen zu verzeichnen. Die Kurse blieben auf der gestrigen Basis ziemlich ge­halten, mit Ausnahme der Montanwerte, die leicht nachgaben. Die allgemein unklare Situa­tion läßt keine Unternehmungslust aufkommen, so daß Umsätze nur in ganz geringem Umfange zustande kamen. Ein verstimmendes Moment waren ferner die deutsch-schweizerischen Wirtschaftsverhandlungen. Am Pfandbrief­markt herrschte eher Abgabeneigung vor, doch konnten sich die Kurse auf der gestrigen Basis ziemlich behaupten.

Erwartungen der Berliner Börse.

Berlin, 30. Okt. (WTB. Funkspr.) Noch den in den heutigen Vormitagsstunden vorliegenden Meldungen scheint jetzt auch das Ausland immer mehr- der Ansicht zuzuneigen, daß eine Aenderung des Reparationsabkommens zugunsten D c u t sch la n d s erfolgen müsse. Bekanntlich er­wartet man auch in hiesigen diplomatischen Kreisen sofort nach der Rückkehr Lavals aus Amerika eine Fühlungnahme in dieser Hinsicht. Auch daß das Stillhalteabkommen eine Verlänge­rung erfahren muß, wird bei den beteiligten Stel­len anerkannt, ebenso wie die Besprechungen zur Frage der Prolongation der Ausland­kredite von Ländern und Gemeinden, die nicht im Baseler Stillhalteabkommen enthalten sind, bereits ausgenommen wurden.AUe diese Tat­sachen können aber nicht verhindern, daß die Stim­mung des heutigen Freioerkehrs weiter zur Schwäche neigte. Besonders unanaenehm empfun­den wurde das .anhaltende Angebot in Montanwerten (speziell Phönix und Stahloer- ein), die schon gestern abend neue Tiefkurse erreicht hatten und heute weiter abgeschwächt waren. Auch die schwache Haltung der deutschen Mark an der gestrigen Neuyorker Börse, trug zur Zurückhaltung bei und hatte bei der Spekulation eher Abgabe­neigung zur Folge. Bemerkenswert widerstandsfähig logen wieder Bankaktien, auch für Schultheiß und Dessauer Gas bestand weiter eher Deckungsneigung,

während IG.-Farben etwa 1 Prozent schwächer waren. Im allgemeinen war die Umsatztätigkeit sehr gering, und die Kurse der meisten Nebenwerte konn­ten sich auf gestriger Abendbasis behaupten. Am Pfandbriefmarkt traten keine größeren Veränderun­gen ein, die Tendenz neigte aber auch hier eher zur Schwäche. Es ist nicht zu ersehen, woher das an die Märkte kommende Material stammen könnte. Viel­leicht handelt es sich um durch das niedrige Kurs­niveau schwach gewordene Effekten auf Lombardie­rungen, vielleicht handelt es sich aber auch um Auf­sichtsratspakete, die durch die letzte Notverordnung uninteressant geworden sind und daher von ihren Besitzern abgestoßen werden.

Devisenmarkt Berlin Frankfurt a. M.

Banknoten

Reichsbankdiskont 8 v. H.

Lombordzinsfuß 10 v. h.

29 Ok ober

30 Oktober

Amtliche Jlotierung

Amtliche

Dotierung

weil'

Brief

Geld

Srief

Helsingfor» .

8.54

8.56

8.49

8.51

Stilen. , .

58.94

59.06

58,94

59,06

Prag . . .

12.47

12,49

12,47

12,49

Budapeft . .

73.28

73.42

73,28

73,42

Gofia . . .

3.072

3,078

3,072

3,078

Holland . .

170.68

171.02

170,58

170,92

Oslo . . . .

91.41

91,59

90,91

91,09

Kopenhagen.

92,01

92.19

91,91

92,09

Stockholm

93,91

94,09

93.81

93,99

London. . .

16.29

16.33

16.20

16,24

Buenos Aires

0,978

0,982

0.978

0,982

Neunori

4.209

4.217

4.209

4.217

Brüftel.

58,74

58.86

58.74

58.86

Italien. . .

21,73

21.77

21.68

21.72

Paris . . .

16,59

16,63

16.59

16,63

Schweiz . .

82.32

82,48

82.12

82,28

Spanien . .

37.36

37,44

37,31 .

37,39

Danzig . .

82.77

82,93

82.62

82,78

Japan . .

2.058

2,062

2,058

2,062

Rio ve Jan..

0,259

0,261

0,259

0,261

Jugoslawien.

7,473

7,487

7,473

7,487

Liliabon . .

14.94

14.96

14,84

14,86

3er1in, 29.Of ober

Geld

SrleJ

Amerikanilche Noten.......

4,20

4,22

Belgische Noten.........

58,58

58,82

Dänilche Noten.........

91,82

92,18

Englische Noten.........

16,25

16,31

Französische Noten........

16,58

16,64

Holländische Noten........

170,31

170,99

Italienische Noten........

21,71

21,79

Norwegische Sloten........

91,22

91,58

Deutsch-Oesterreich, * 1OO Schilling

58,68

58,92

Rumänische Noten........

2,52

2,54

Schwedische Noten........

93,71

94.09

Schweizer Noten.........

82,14

82,46

Spanische Noten. . .......

37,22

37,38

Ungarische Noten .......

72,75

73.15

Das Pfund andauernd unter Druck.

Oie Reichsmark weiter fest.

An den internationalen Devisen­märkten hat sich das Pfund gestern vormittag weiter abgeschwächt. Gegen den Dollar ging es auf 3,8725 zurück, später konnte es sich wieder leicht erholen auf 3,8840. In Amsterdam ging das Pfund auf 9,5850 zurück, konnte sich aber auch dort später etwas erholen. In Zürich nannte man Pfunde mit 19,95 und in Paris mit 98,50. Der Dollar liegt international fest, so zog er besonders in Amsterdam auf 246,80 an, in Zürich auf 513,50 und in Paris auf 25,3925. Die Reichsmark hat sich weiter gebessert, gegen Pfunde stellte sie fid) auf 16,40 gegen den Gulden auf 58,25, gegen Zürich auf 121,25, und gegen Paris auf 598, nach­dem sie dort vorgestern noch mit 591 notiert wurde. Der franzosi scye Frank ist gut gehalten, die Norddevisen liegen eher wieder eine Kleinigkeit leichter, die Devise Madrid hat sich gut behauptet.

Am Nachmittag Hot das Pfund seine A b - roärtsbemegung fortgesetzt und ging bis auf 3,8640 gegen den Dollar zurück, um sich dann leicht, nämlich auf 3.8690, zu erholen. Gegen den Gulden ging es auf 9,5750 zurück, gegen Zürich auf 19,8250, gegen Paris auf 98,18, gegen Madrid aus 43,50 und gegen Mailand auf 75. Der Dollar hat sich nach weiterer Befestigung am Nachmittag wieder leicht abgeschwächt, doch liegt er durchweg über den vorgestrigen Schluhkursen. Ge­gen den Gulden stellte er sich auf 247,65, gegen Zürich auf 512,90 und gegen Paris auf 25,4025. Die Reichsmark blieb weiter fest, in Am­sterdam konnte sie auf 58,55 anziehen, doch hat sie sich in Zürich nach der Befestigung am Vormittag wieder leicht abgeschwächt und ging auf 120,80, während sie in London mit 16,3650 fest tendierte. Die Norddevisen biteben weiter schwach.

Erklärungen für die Pfundschwäche.

Der Rückgang des Pfundes dürfte sich zum Teil daraus erklären, daß man annimmt,

die Regierung werde, um einen zu starken Zu­strom ausländischer Gelder zu vermeiden, evtl, ihren Einfluß geltend machen, eine ® e l b d e r » billigung herbeizuführen. Man erörtert leb­haft die Möglichkeit einer Herabsetzung des Diskantes. Der Rückfluß von Geldern aus dem Auslande durch umfangreichere Kauftätig­keit von Sterling-Wechsel für ausländische Rech­nung hat bereits eingesetzt, so daß die Tendenz am Wechselmarkt entschieden schwächer ist. Ein anderer Umstand, der das Pfund unter Druck hält, liegt in den fortgesetzten französischen Dollar-Stühungskäu- f e n. Eine der Clearingbanken hat anscheinend den offiziellen Auftrag, am Londoner Dollarmarkt sich lebhaft zu betätigen. Man ist sich über den Zweck dieser Transaktion nicht klar; einerseits bringt man sie in Zusammenhang mit den Vor­bereitungen zur Rückzahlung der Stühungskredite, andererseits mit dem Bestreben, das Pfund im Interesse der Beibehaltung der Exportprämien nicht zu stark anziehen zu lassen.

Oie gestrigen Auslandbörsen.

Im Verlaufe der gestrigen Londoner Börse war die Stimmung, hauptsächlich infolge anhaltender Realisationen, schwächer, die Kurse gaben bis zum Schluß weiter nach, besonders britische Staatspapiere und führende Industrie- werte. Die Pariser und die Brüsseler Börse waren unregelmäßig und auf das schwache Reuyork bei beträchtlichem Angebot schwächer, doch konnte sich kurz vor Schluß an beiden Plätzen eine beachtliche Erholung durchsetzen. Die Wiener Börse war ruhig und eher etwas fester. Gleich den anderen kontinentalen Plätzen konnte sich auch an der Amsterdamer Börse im Verlaufe eine Befestigung durchsetzen, wobei das Geschäft ziemlich lebhaft war. Auch die Reuyorker Börse eröffnete in schwächerer Haltung.

Vom Reitsport in Oberhessen.

Hubertus-Reitjagd des Reitervereins Rabenau.

Wenn man am Vortag der Huburtusjagd das Iagdgelände unter wolkenbruchartigem Regen ab­geritten hat, so galt am Iagdtag der erste Blick dem Himmel. Und Petrus war wider alles Er­warten gnädig die Sonne blinzelte durch dichten Frühnebel. Das gab ein erwartungsfrohes Reiten über die Felder zum Stelldichein. Der Fuchs, Heinrich S ch u d t (Londorf), durch ein am Rücken befestigtes Fuchsfellungetüm kenntlich, erregte all­gemeine Heiterkeit. Ländliche Reiter in großer Zahl mit ihren treuen Arbeitskameraden, städtische Reiter und Reiterinnen vom Reit - undFahr- k 1 u b Gießen und eine berittene Abordnung der MGK. des 15. Inf.-Regts Gießen mit fast allen Offizieren des Bataillons war versammelt, um den Fuchs unter der Führung des Masters, Rittmeister a. D. Frhr. Roeder von Diers­burg auf seinem weitleuchtenden Schimmel durch ausgedehnte Waldstrecken zu verfolgen.

Inzwischen hat sich am Halaliplatz eine Menge interessierter Zuschauer aus Stadt und Land ein­gefunden. Am letzten Hindernis, einigen Baum­stämmen, hört man bereits mehr oder minder fachmännische Mutmaßungen über den Sieger des Fuchsaushebens. Verschiedene Autos kommen zur Jagdhütte, wo bereits ein gastliches Feuer die Frierenden erwärmte. Rege Vorbereitungen wer­den noch von der aufgeschlagenen Wirtschaft ge­troffen. Auch eine Musikkapelle hat sich aufgebaut und gab etwas zum Besten. Ein Vierergug der Reichswehr kam über die große Wiese, plötzlich tauchte am Waldrand der Fuchs auf! Man sah chn eine Strecke galoppieren, hinter ihm der Schimmel des Masters, die beiden Felder der Iagdreiter hinterher. Sie verschwanden um eine Biegung, um gleich darauf drüben am Waldrand in vollem Galopp angeritten zu kommen. Voran die städtischen Reiter mit der Reichswehr, im Abstand dahinter die ländlichen Reiter mit ihren schwereren Pferden. Dann verschwanden sie mit einem Sprung im Wald, einige Rachzügler wur­den mit Hallo angefeuert von den atemlosen Zu­schauern, die zum größten Teil an den Dachauf­stieg liefen, um zu sehen, wie dieser von den Reitern genommen wurde. Das Diäserkorps stellte sich an den Iagdauslauf, um im richtigen Augen­blick sein Halali zu schmettern, da brausten sie auch fchon heran, Fuchs und Master, die beiden Rotröcke voran, und hinterher in geräumigem Sprung das Feld. Zuerst wurde die Jagd für städtische Reiter und Reiterinnen und für die Reichswehr freigegeben und der Fuchs, hart be­drängt, flüchtete in eine Tannendickung, wo er sich seines Wahrzeichens entledigte, das denn auch bald Universitätsreitlehrer L. S ch ö m b s trimphierend schwenkt. Halali-Halali-Halali!

Dann legten die ländlichen Reiter los. Wieder stürmte der Fuchs voraus, nachdem der Master das KommandoJagd frei gegeben hat, nahe hinterdrein die Verfolger. Kaum flog der Fuchs­schwanz, da hatte ihn auch schon ein flinker Rei­tersmann, Adolf L o t h (Weitershain) ergriffen und wieder seht die Musik schmetternd mit dem Halali ein. Dann saß alles ab. Der Komman­deur der Reichswehr Gießen, Oberstleutnant K l e p k e, der durch einen Reitjagdunfall an der Teilnahme zu Pferde verhindert war, verteilte die 56 Brüche, die beiden Fuchssieger erhielten zwei mit grün-roter Schleife (Rabenauer Vereins- farben) gebundene kupferne Eichenblätter, mit gravierter Widmung zur Erinnerung. Trotz des oft schwierigen und tiefen Geländes mit zahl­reichen Gräben, war kein Sturz zu verzeichnen, nur ein ländlicher Reiter kam beim Fuchsaus­heben etwas plötzlich aus dem Sattel. Man blieb noch eine Stunde gemütlich zusammen, dann wurde zum Ausbruch gerüstet. Von fernher klang noch das Deutschlandlied durch den Wald, die Herbst­sonne strahlte noch einmal freundlich durch die Däume und herbstlich gelbe Blätter wirbelten um die Pferde. Halali! I. v. H.

Oer CRuherer im Winter.

Wenn die Herbstwinde über den Fluß dahinfegen und die Tage kürzer werden, stellt der Ruderer notgedrungen Riemen und Skulls in die Ecke. Rur einige Unentwegte trifft man an den Sonn­tagen hier und da auf dem Wasser, bis auch ihnen der strenge Frost das Rudern verbietet. Diese erzwungene Ruhe in seinem Sport läßt aber den Ruderer nicht rasten, und er sucht kör­perliche Bewegung in anderen Sportarten, sofern

er nicht im Ruderbecken seine sommerliche De« tätigung fortzusehen Gelegenheit hat. Die Ge­bundenheit an den Raum läßt den erprobten Ru­derer aber gern aus diese Art der Ausübung seines Sports verzichten. Waldlauf, Hand­ball, Turnen, Schwimmen und besonders den Skilauf begrüßt er als eine willkommenere Abwechslung. Dieser Ergänzungssport hält den Ruderer körperlich auf der Höhe. Er bringt chm Ablenkung, die gerade der Rennruderer nach der Einförmigkeit des harten, sommerlichen Trainings braucht, wenn er im nächsten Jahr in alter Frische wieder zum Riemen greifen sott, um sich für neue Kämpfe vorzubereiten.

Daß eine solche Methode auch wirklich den Erfolg für sich hat, beweist z. B. die Meistermann­schaft der MannheimerAmicitia", die im letzten Winter nur das Turnen und Schwimmen pflegte, vereinzelt wohl auch den Skilauf.

Besonderer Beliebtheit erfreut sich das Hand­ballspiel. Viele Rudervereine haben Mannschaf­ten zusammengestettt, die gegen Spieler befreun­deter Vereine antreten und sich häufig sehr in­teressante und spannende Kämpfe liefern. In glei­cher Weise wird der Waldlauf gesiegt, der dann im Frühjahr ebenfalls die Austragung größerer Wettkämpfe zeitigt.

Der beste und beliebteste Ergänzungssport für den Ruderer aber ist der Ausflug mit den Skiern in die Berge. Hier atmet er wieder wie im Som­mer auf dem Wasser die reine staubfreie Luft, hier fühlt er sich wieder der Ratur verbunden, und in der daraus entspringenden Steigerung des Lebensgefühls liegt die Quelle neuer Kräfte, die er für die künftigen Kämpfe auf der Regattabahn nicht entbehren kann.

Handball im Gau Hessen (O T )

In Großen-Linden gelangen am kommenden Sonn­tag zwei Verbandsspiele zum Austrag. Die 1. Mann­schaft des To. Großen-Linden empfängt die 1. Elf des To. Niedermörlen. Die Platzbesitzer müssen allerdings mit Ersatz antreten. Wenn auch die Großen-Lindener im Vorspiel mit 5:2 siegten, so ist der Kampf doch durchaus offen. Vorher spielt die 1. Jugend des To. Großen-Linden gegen die 1. Jugend der Turn­gemeinde Friedberg.

Handball im Lahn Oünsbera-Gau

Die Spiele des vergangenen Sonntags brachten noch folgende Ergebnisse: Im 2. Bezirk der De- zirksklasse blieb Tv. Lollar I über Tv. Rutters­hausen I mit 3:0 (2:0) Toren Sieger. Das Treffen Lollar H gegen Londorf II endete mit einen, Ergebnis von 1:2 (1:2) Toren für Lon­dorf und das dritte Spiel der 2. Dezirksklasse Tv. Allertshausen I gegen Tv. Rordeck I brachte einen Sieg der Rordecker; 2:5 lautete das Er­gebnis. 2m 3. Bezirk standen sich Hausen I und Hausen ll gegenüber; mit einem Ergebnis von 9:7 (5:0) Toren blieb die 1. Mannschaft siegreich.

Arbeiter-Turn- und Gvortbund.

In den Kreisklassenspielen stehen sich am kom­menden Sonntag auf dem Wiesecker Platz Wie- seck I. Gießen I. gegenüber. Im Vorspiel konnte Gießen knapp Sieger werden. Ob es den Gästen gelingt, auch das kommende Spiel, für sich zu entscheiden, dürste sehr fraglich fein.

Heuchelheim 1. ist in Rieder-Wöllstadt zu Gast und wird dort auf einen Gegner treffen, der die Eigenheiten seines Platzes voll auszunützen ver­steht und alles daransehen wird, um das Spiel für sich zu entscheiden.

Raunheim i. empfängt Erbstadt l. Wenn die Platzbesitzer die Lehre aus der 5:l°Riederlage von Dorheim gezogen haben, dürste man ihnen einen sicheren Sieg gegen Erbstadt zusprechen.

Zum rückständigen Serienspiel hat Großen- Linden I. Raunheims U. zu Gast. In diesem Spiel sollten die Plahbesitzer Sieger bleiben. Lol­lar I. hat Marburg I. im Freundschaftsspiel zum Gegner. Die Lollarer werden schon alles berge* ben müssen, wenn sie sich gegen die aufstreben­den Marburger behaupten wollen. Gießen ttl hat Saasen I zum Gegner und wird wohl gegen die flinken Gäste unterliegen. Watzenborn 11 hat Hausen! zu Gast und wird die Punkte wohl den Gästen überladen müssen. Klein-Linden l spielt in Leun gegen die dortige zweite Mann­schaft. Launsbach 1 weilt in Vetzberg und dürfte den Sieger stellen.

Sichertshausen I und Allendorf I stehen sich in Sichertshausen gegenüber. Wiesecks zweite Jugend hat vor dem Spiel der Kreisklassenmannfchaft die Jugend von Großen-Linden zum Gegner.

Berliner Prodnktcnmarkt.

Berlin, 29. Okt. Am Produktenmarkt setzte sich die Aufwärtsbewegung der Preise auch heute fort, allerdings waren die Mühlen auf dem er­höhten Preisniveau merklich vorsichtiger, zumal man zunächst die Besprechungen in dem neu ge­bildeten Wirtschaftsbeirat abwarten will. Da qber das inländische Angebot gering bleibt, und nach dem lebhafteren Mehlgeschäft der letzten beiden Tage einige Deckungsnachfrage besteht, mußten für Weizen wiederum 1 Mark höhere Preise bewilligt werden; am Lieferungsmarkt war März- Weizen auf Meinungskäufe sogar um 3 Mark befestigt. Roggen lag stetig, höhere Preise waren trotz der bestehenden Rachfrage und des geringen ersthändigen Offertenmaterials nur schwer durch­zuholen, zumal man im handelsrechtlichen Liefe­rungsgeschäft für morgen Andienungen in Höhe von 1100 Tonnen erwartet. In Weizenmehl ist das Geschäft nach der gestrigen Belebung bei 25 Pfennig höheren Forderungen wieder ruhiger geworden, Roggenmehl bleibt noch angeboten, insbesondere in Provinzfabrikaten, und liegt wei­ter fest. Am Hafer- und Gerstenmarkt verhalten sich die Käufer gegenüber erhöhten Forderungen abwartend; das Angebot hat allerdings nicht zugenommen. Für Weizenexportscheine nennt man etwa gestrige Preise, Roggenexportscheine werden etwa 1 Mark höher bewertet. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märkischer, 218 bis 221, Oktober 234 bis 232,50, Dezember 236,50 bis 235, März 247 bis 244,50 (fester); Roggen, märkischer, 193 bis 195, Oktober 201, Dezember 201,50 bis 201, März 209 bis 207,50 (fest); Braugerste 166 bis 174 (ruhig); Futter- und Industriegerste 162 bis 166 (ruhig); Hafer, märkischer, 145 bis 151, Oktober 162,50, Dezember 160 bis 158,50, März 169,50 bis 167,50 (schwächer, Brief); für je 100 Kilo: Weizenmehl 28 bis 32,25 (behauptet); Rog­

genmehl 27,40 bis 29,50 (fest); Weizenkleie 10,25 bis 10,50 (behauptet); Roggenkleie 9,50 bis 10 (behauptet); Diktoriaerbsen 21 bis 28; Leinkuchen 13,60 bis 13,80; Erdnuhkuchen 12,50; Erdnuß* kuchenmehl 12,60; Trockenschnitzel 6,10 bis 6,20; Extrahiertes Sojabohnenschrot ab Hamburg 12. ab Stettin 12,40; für je 50 Kilo: weiße Speise­kartoffeln 1,45 bis 1,55, rote 1,70 bis 1,90, blaue Odenwälder 1,80 bis 2,10, andere, gelbfleischige 2 bis 2,30 Mark; Fabrikkartoffeln 6,5 bis 7.5 Pf. per Kilo. Allgemeine Tendenz: uneinheitlich.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter diejer Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Ein Appell an die Polizei.

Es ist für die augenblicklich herrschenden Ver- hättnisse zwar typisch, aber dennoch niehr als hanebüchen, in kurzer Zeit nicht weniger als dreimal von Jugendlichen auf offener Straße in mehr als unverschämter Art angepöbelt zu wer­den. Ich frage an: Was gedenkt die zuständige Stelle zu tun, um anständige Menschen in Zu­kunft vor derartigen Vorfällen zu sichern, die keineswegs geeignet sind, den Ruf Gießens in günstigen! Sinne zu beeinflussen? Mit hundert­prozentiger Wahrscheinlichkeit ist arzunehmen, daß es sich bei den Tätern um bei Polizei und Ju­gendgericht nicht unbekannte Größen handelt.

K.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 U»jr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen

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