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Nr. 176 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Donnerstag, 50. Juli 1951

Prinzessin Ileana von Rumänien und Erzherzog Anton von Habsburg in der Brautkutsch« , »ach der Trauung in Sinata. e

1 l W

österreichischer Politiker, denen man sich bemühte, den Gedanken einer Personalunion mit Ungarn schonung-voll nahezubringen, beweist die Extratour deS Prinzen Sixtus von Parma, der zwei Wochen nach Dekanntwerden der Zollunion nn Flugzeug aus dem Wiener Flugplatz Aspern eintras und dort ausgerechnet von dem französi­schen Gesandten Elauzel begrüßt wurde, beweist der vielbesprochene Aufenthalt des ungarischen Kardinals und Furstenprimas Seredy in Pa­ris, wo er angeblich nur die Kolonialausstellung in Augenschein nehmen wollte, in Wirklichkeit aber die Stimmung in der Königssrage sondierte. Man kann sich also für die nächste Zeit auf Lieber­raschungen gefaßt machen, wenngleich eS noch eine offene Frage bleibt, wie die Kleine Entente und insbesondere die Tschechoslowakei, die bisher jede Habsburgerrestauration als casus belli erklärt hat, sich zu einer erfolgreichen Legitimisten- aktion in Ungarn stellen wird. Begeistert werden die Tschechen gewiß nicht sein, aber im übrigen ist anzunehmen, daß die Kleine Entente einer solchen Belastungsprobe nicht standhält.

Sv wenig sich aber in Ungarn selbst eine Oppo­sition gegen die Uebernahme der königlichen Be­fugnisse durch einen Habsburger bemerkbar macht, so groß ist sie in Oesterreich, das, von einem kleinen, schwarzgelben Häuschen abgesehen, nur in dem Zusammengehen imb in der Bereinigung mit dem Deutschen Reiche eine bessere Zukunst er­blickt und sich durch keinerlei Machinationen in dieser Ueberzeugung beirren lassen wird. Dessen­ungeachtet bleibt das neue Austauchen des habs­burgischen SternS eine höchst interessante, ge­schichtliche Tatsache. Wieder scheint der alte Leit­spruch dieses Fürstengeschlechtes sich dnrchzu- setzen:Tu felix Austria nube! Hochzeit in Bu­karest - DerlobungSpräliminarien in Pianore wer hätte vor zehn Jahren an eine solche Morgen­röte des Hauses Habsburg zu glauben gefragt? Aber die Erde steht nicht still, sie dreht sich. Manche Rachkriegspolittkel:. die das noch immer nicht einsehen wollen und von der Unantastbar­keit des durch die Versailler Verträge gegebenen Status quo faseln, werden sich bald eines besseren belehren lassen müssen.

(Gießener Qlnj

wechslung mit dem Erzherzog Albrecht unter­laufen. Der junge Ehegatte ist der 1901 geborene Sohn des Erzherzogs Leopold Salvator und der Prinzessin Dlanka von (Bourbon.________________

Morgenröte des Hauses Habsburg

Hochzeit in Bukarest. - Verlobung in pianore.

Oberheffen.

Gemeinderat in Grünberg.

-s- Grünberg. 29. Juli. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde zunächst als Tag für die Wahl eines Beigeord­neten ber 30. August bestimmt. Die Steuer­sätze für die Real steuern und S on d e r- gebäudesteuer für 1931 wurden in glei­cher Höhe wie im Vorjahre festgesetzt: bei der Grundsteuer und der Gewerbesteuer treten die gesetzlich vorgeschriebenen Ermäßigungen von 6 bzw. 12 Prozent in Kraft. Im Interesse der Wiederbelebung der Bauwirtschaft durch steuer­liche Vergünstigungen schloß sich der Gemeinderat dem Vorgehen des hessischen Finanzministers an. nach dem vor dem 1. April 1931 bezugsfertige Wohnungen bis Ende 1938 von der Grundsteuer befreit sind. Die seinerzeit bei der Dorschlags- beratung beschlossene Verdoppelung der Di er steuer ist vom Ministerium insofern be­anstandet worden, als es die Erhöhung nur für dieses Rechnungsjahr gelten lassen will. Der

Bridge.

Don JRotfa Roda.

In der Zeit vor dem Krieg verlangte man vom Diplomaten: guten Adel, sicheres Französisch und vorzügliche Kenntnis im Bridge. Tennis mar er­wünscht, aber nicht vorgeschrieben. Wer etwas von Bolkswirtschast verstand, galt zwar für einen Neuerer doch wenn er sonst Manieren hatte, sah man über den Mangel gern weg.

Ein Legationssekretär Süddeutscher, dafür aber Rittmeister d R hat erstaunliche Karriere gemacht dank seiner Gabe: schon aus Ton und Mienen der Partner genau die Zusammensetzung ihrer Blätter zu lesen. Man sagte sich mit Recht: solch ein Mann muß auch politisch.psychologiiche Fähigkeiten haben und schickte ihn vom Fleck weg als Rat nach Paris. ..

Da lese ich nun mit Freude, daß die Tradition auch durch den Krieg nicht abgerisien ist, ja, daß der Bridgetisch nun erst recht dort gebaut wird, wo man die breiteste Brücke braucht von Nation zu Nation: im Völkerbund. Sir Eric Drummond, der (9e- neralsekrelar, spielt täglich einen Robber mit seiner Bureauleiterin und zwei Herren des Sekretariats. Den Point um ein Zehntelpenny. Keine geringe Auszeichnung das für die jungen Herren, mit dem Chef dreschen zu dürfen und sie werden gewiß ihren Weg machen, wenn sie sich am grünen Tisch, Kartentisch, bewähren.

Leider ist einem sehr ehrgeizigen angehenden Diplomaten einmal das Glück davongewischt und er hatte es doch fast schon am Schlafittchen gehabt.

Das war an Bord eines Ozeandampfers, ich

schwanden. Der Zug ruckt an, rollt. Ich suche ihn, kann ihn aber nirgends entdecken.

Da plötzlich steht er neben mir, den Koffer in der Hand:Weißt du, ich fahre doch lieber an die Nord­see, bei dieser Hitze ..." stottert er verlegen.

Du bist wohl verrückt! Und die Fahrkarte?"

Auf alle Fälle hatte ich nur eine Bahn- ft e i g f a r t e genommen," erklärt mein Vetter ge> heimnisvoll:weißt du, ich habe ja auch gar kein Geld, um zu verreisen. Bei den schlechten Zeiten .. Aber diese Sensation, in einem kD-Zug zu stehen, ist doch herrlich! Und das Vergnügen jo billig'. Jeden lag reise ich irgendwohin. Morgen fahr ich an die Nordsee. Willst du mich wieder begleiten?"

Ich schüttle energisch den Kopf.

Dann hilf mir wenigstens den Koffer heim- tragen", meint mein Detter gekränkt:ein Auto ist für mich zu teuer!"

Beiter Leopold reift nach Spanien

Don Siegfried von Vegesack

Nach langer Zeit treffe ich wieder einmal meinen Detter Leopold. Diesmal in einem Reisebureau. Eine Menge Prospekte liegen vor ihm ausgebreitet, er blättert hier und dort, macht Notizen und ist. so eifrig beschäftigt, daß ich ihn kräftig am Arm fasten muß, bis er aufblickt.

Großartig", ruft er begeistert wie immer,du wirst mir sicher raten können, wohin ich reisen soll! Alles ist so verlockend, daß ich mich zu nichts ent­scheiden kann. Sieh mal her, eine Millelmeer-Reise: Tunis, Palermo, Korfu, Athen, Kairo ... Aber dann denke ich mir, da unten wird es wohl zu heiß sein. Wie wäre es mit einer Nordlandfahrt? Die nor­wegischen Fjorde, Spitzbergen. Da wollte ich schon lange hin. Muß großartig sein: Nordlicht, (fisbaren. Aber weißt du: Schiffahrt ist eigentlich nichts für mich. Und seit der letzten Katastrophe . . Man kann nie wissen. Vielleicht ist es doch am klügsten, wenn ich ins Hochgebirge gehe. Ins Engadin oder nach Savoyen. Vielleicht auch in die Hohe Tatra. Stety mal, ist das nicht eine fabelhafte Landschaft?

Ich wundere mich, daß mein Vetter so ausschwei­fende Reisepläne hot. Denn bisher ift'es ihm immer schlecht ergangen. Er muß wohl irgendein gutes Geschäft gemacht haben, denke ich mir, vielleicht eine Erbschaft, von der ich nichts weiß? Ich gebe ihm diesen und jenen Rat merke aber, daß er nur ganz flüchtig auf meine Worte hört.

Ja, ich muß mich nach den Zügen erkundigen", erklärte er mir schließlich, rafft die Prospekte zu sammen und stellt sich bei der Auskunft an. Hier läßt er sich die Abfahrtzeiten färntlicher 0 Zuge, sämtliche Anschlußmöglichkeiten im mitteleuropäischen Eisenbahnnetz sagen. der Beamte blättert wie ein Irrsinniger im Kursbuch die hinten Anstehenden werden schon ungeduldig. Aber mein Vetter läßt sich durch nichts stören. Erst als er alles notiert hat, verlaßt er freundlich lächelnd den Schalter und-er- klärt mir strahlend:

Dein, ich fahre nach Spanien, nach Granada und Sevilla!' Die Verbindung ist großartig, sieh mal her ..."

, Und wann fährst du denn?" frage ich etwas nervös denn ich habe noch vieles zu erledigen.

..Morgen früh. Weißt du was? Du holst mich ab und begleitest mich zum Bahnhof! Wir frühstücken .tufammen. wer weiß, wann wir uns Wiedersehen. Bei einer so weiten Reise ..."

Ich verspreche es ihm, denn ich habe morgen so­

wieso in der Stadt zu tun. Punkt neun stehe ich vor seiner Tür, mein Detter öffnet, im Schlafrock.

,Ia. weißt du. ich habe es mir überlegt", kommt es noch ganz verschlafen aus ihm heraus:ich fahre doch lieber heute mittag nach Lugano Spanten scheint mir nicht ganz sicher zu sein: Revolution, Unruhen. Weiß Gott, was die Leute da noch alles anfteUcn. Im Tessin dagegen braucht man nichts zu befürchten. Da passiert nichts. Lugano ist gerade das Richtige: blauer See, grüne Berge, roter Wein. Stell dir nur vor: eine Dftcria, ein elektrisches Kia- vier und ein Fiasko Chianti! Gibt es etwas Schone- res? Da habe ich mir gestern abend eine Flasche gekauft als Dorfreude. Wir müssen Sie jetzt aus- trinken' Und dann hilfst du mir beim Packen."

Ich bleibe, wir trinken, wir packen. Mein Vetter packt mit wahrem Feuereifer. Alles, was ihm in die Hände kommt, schleudert er in den Koffer. Ich ver- suche, die Sachen etwas zu ordnen, muß es aber aufgeben, da er immer wieder alles durcheinander wirft. Mit großer Mühe gelingt es uns endlich, den Koffer zu schließen. Wir leeren die Flasche, wir stoßen auf die Reise an. Zuletzt malt mein Vetter auf einen großen Karton das Wort:Verreist?" und befestigt das Plakat an der Tür über dem Brief- kästen.

Wir schleppen den Koffer die Treppe hinunter, sehen uns nach einem Auto um. Aber nirgends ist eins zu entdecken.

Ach was", meint mein Vetter, ,^um Bahnhof ist es nicht weit, wir gehen einfach zu Fuß!"

Der Koffer ist schwer, der Wein bat uns müde gemacht, immer wieder müssen wir stehen bleiben, uns verschnaufen. Und es ist glühend heiß.

Weißt du", meint mein Vetter nachdenklich, indem er sich die feuchte Stirn abwischt,vielleicht ist es im Süden noch heißer. Soll ich wirklich ..

Aber wir sind schon beim Bahnhof, mein Vetter [oft die Karte. Es ist ein furchtbares Gedränge, der Zug überfüllt. Mein Baler läuft aufgeregt von Wagen zu Wagen. Nirgends ein Platz Schließlich stellt er den Koffer in den Gang und lehnt sich zum Fenster heraus. Er winkt einem Zeitungsmann, kaust außerdem Zigaretten, eine Banane. Auf dem Wagen­schild unter ihm steht:MailandRom". Mein Vetter ist glücklich.

Weißt du", meint er,dieses Gefühl kurz vor der Abfahrt des Zuges ist doch das Herrlichste, was es gibt, schöner als die ganze Reise! Ich habe nur eine Angst: wenn es in Lugano noch heißer ist

Ich versuche ihn zu beruhigen, aber sein Gesicht wird immer besorgter. Jetzt werden schon die Wagen, türen zugeknallt, alles drängt an die Fenster, um Abschied zu nehmen. Mein Detter ist plötzlich ver-

) In unserer Meldung über die Eheschließung

*' ixeigcr vom 28. Juli) ist eine Der­bem Erzherzog Albrecht unter-

Von unserem Dr. O.

(Nachdruck auch mit Quellenangabe, verboten!) Wien. 3ufi 1931.

Die Hochzeitsglocken, die am letzten Iulisonntag in Bukarest zur Feier der Eheschließung zwi­schen der Prinzessin 3 leana. der rumänischen Königsschwester, und dem Erzherzog Anton von Habsburg') ertönten, haben da- ursprüng­liche Programm der Kleinen Entente zu Grabe geläutet. Wan erinnert sich, daß die Kleine Entente vor mehr als einem Jahrzehnt sich zulammenfand, um den Aspirationen der Habsburger auf den ungarischen Königsthron und den damit verbundenen magyarischen Re- visivnsansprüchenein für alle Male" einen Damm entgegenzusetzen. Aber unterdessen ist viel Walser die Donau hinabgeflossen, die politischen Konstellationen haben sich bedeutend verschoben und von den drei Staaten Tschechoslowakei, S ü d s l a w i e n und Rumänien, die sich fev* nerzeit zur Kleinen Entente zusammenschloffen, tanzt seit der Rückkehr König Carols aus dem Exil Rumänien immer offensichtlicher aus der Reihe. Aus der Todfeindschaft zwischen Bukarest und Budapest hat sich in den letzten Monaten ein leidlich gutes, fast freundschaftliches VerhälttiiS entwickelt, das für die Staatskunst Wussolims cm beredtes Zeugnis ablegt Eingeleitet tourt* die neue Aera durch einen offiziellen Besuch, den Prinz Ri ko laus. CarolS jüngerer Bruder, im April diese- IahreS dem ungarischen Reichs- verweser H o r t h y in Budapest abstattete. Aino nun geschah etwa-, was 'Man noch vor fünf Jahren für undenkbar gehalten hätte: die ru­mänische Dynastie, verschwägert mit der jugoslawischen, verbindet sich mit dem Hause Habsburg.

Lind während die ßegitimiften sowohl tn Zis- als auch in Transleithanien. gegen deren Restau­rationspläne sich ein Jahrzehnt lang das Waffen- starrende Bündnis der Kleinen Entente gerichtet hatte, plötzlich eine auffallende Untätigkeit an den Tag legen, seit die maßgebenden Stellen in Budapest, wie es vor kurzem geschah, die Königs­frage in Lingam alsdurchaus nicht aktuell" bezeichneten, beginnt man auf einmal in Paris und Rom freundlichere Töne anzuschlagen. Die Ursache dieser seltsamen Gesinnungsänderung ist im deutsch - österreichischen Zoll­unionsentwurf zu suchen, der bekanntlich sowohl von Frankreich wie auch von Italien aus machtpolitischen Gründen alS unannehmbar be­zeichnet wurde. In diesem Punkte trafen sich ausnahmsweise die Interessen der zwei großen europäischen Gegenspieler. Beide befürchten näm­lich auS einer Erweiterung des deutschen Wirt- schaft-raumes, die für das deutsche Volk von eminentem, lebenswichtigem Interesse ist. eine Minderung ihre« Einflüsse« in Mitteleuropa, bzw. auf dem Balkan. Während Frankreich vor allem au« Rücksicht für die verbündete Tschechoslowakei, dann auS gefühlsmäßigen Im­pulsen heraus den Gedanken einer deutsch-öster­reichischen Zollunion bekämpft, herrscht in Ita­lien die Besorgnis, ein bis an den Brenner reichendes Großdeutschland mit dem Wirtschafts­drang nach dem Südosten könnte die italienischen Dorherrfchaftspläne auf dem Balkan empfindlich stören. Darum gab zur gleichen Zeit, da in der römischenTribuna" eine Aufsatzreihe erschien, die sür eine Wiederherstellung der

8tr.-Berichterstatter

Habsburgermonarchie als leidlich voll­kommene Lösung der mitteleuropäischen Wirt- fchaftssragen cintrat. der Leibjournalist des Herrn Briand. Jules Sauerwein, in Ofenpest klar und deutlich zu verstehen, man sei am Quai d'Orsay bereit, zur Königsfrage in Ungarn und zu der eventuellen Wiedereinsetzung eineS Habsburgers eine freundlichere Haltung als bis­her anzunehmen Richt lange darauf veröffent­lichte der italienische Senator Errrnoni im ..Pester Lloyd" einen Artikel, in dem er betonte, Italien müsse gegen die deutsch-österreichisch« Zollunion schon deshalb Stellung nehmen, weil diese für die neuitalienischen Häfen Triest und Fiume eine schwere Bedrohung darstelle. wobei Herr Eirmoni verschwieg, daß diese beiden Hafen­städte. die in der österreichischen Zeit mächtig emporblühten, seit dem Weltkrieg säst um ihre ganze Bedeutung gekommen sind. Lind nun emp­fahl in der allerletzten Zeit der frühere ilalie- nifche Rativnalistenführer Francesco Coppola, Mitglied der königlichen Akademie, in einer maß­gebenden italienischen politischen Revue unter dem bezeichnenden TitelAnschluß oder Habsburg" als einzigen Ausweg aus der gegenwärtigen Lage die monarchische Lösung, weil nur dadurch der Anschluß Oesterreichs an Deutsch­land vereitelt werden konnte. Das ist natür­lich ein Irrtum Denn gegen eine Klärung der ungarischen Königsfrage und gegen einen Habs­burger als Träger der hl. Stefanskrvne wird man auch in Deuftchland gewiß nichts einwenden, sofern die Restauration der Habsburger eine rein ungarische Angelegenheit bleibt Die Anschlußfrage braucht also durch eine Thron­besteigung Ottos nicht berührt zu werden.

Die Anschauungen des Herrn Coppola, den per­sönliche Beziehungen mit dem Prinzen Sixtus von Parma, Bruders der Kaiserin Zita, verbinden, werden aber erst verständlich, wenn man sich vor Augen hält, daß in der letzten Zeit eine über das gewöhnliche Maß hinausgehende Annähe­rung der Kaiserin Zita an das italienische Kö­nigshaus Savoyen erfolgt ist. Bekanntlich wur­den die Gerüchte über eine geplante Verlobung ber jüngsten Tochter des italienischen Konigspaa- res Maria mit dem jungen Otto von Habs­burg von Rom aus nicht dementiert Die Annahe- rung erfolgte nach eingehenden vertraulichen Be­sprechungen zwischen dem ungarischen Minister­präsidenten und einem Beauftragten Mussolinis im vorigen Jahre, als sich der italienische Kron­prinz mit der belgischen Königstochter verlobte und bei dieser Gelegenheit einen Besuch in Stee- nooaerzeel abstattete. Diese offizielle Visite, die, wie es heißt, von Mussolini entriert wurde, führte zu einer Einladung Zitas nach Piano­re, wo die Exkaiserin zur Zeit mit ihrem ältesten Sohne Otto den Sommer verbringt und wo in diesen Wochen eine eingehende Aussprache mit dem italienischen Königspaare stattgefunden hat. Vor Pianore hatte sich Zita, was hervorgehoben zu werden verdient, nach Rom begeben, um sich vom Papst mit souveränen Ehren empfangen zu lassen, obgleich sie ihren Besuch nur als Privat­person angekündigt hatte. Da man nun weiß, daß der Papst in den letzten Jahren aus diplo- mattschen Rücksichten die Erledigung der Kor­respondenz mit der früheren österreichischen Kaise- rin seinem Kardinalstaatssekretär überlassen hatte und sie durch diesen ermahnen ließ, noch eine Zeitlang in christlicher Geduld zu verharren, so gebt man gewiß nicht fehl, wenn man dem feierlichen Empfang im Dattkan eine ganz beson­dere Bedeutung beimißt.

Daß man im Lager Habsburgs zur größten Aktivität entschlossen ist, beweisen die immer häu­figer werdenden Pariser Besuche maßgebender

Gemeinderat beschloß daher die Verdoppelung nur bis 31. März 1932.

Länger beschäftigte man sich mit der Aende - rung des Ort-bau st a tut« das aus dem Jahre 1900 stammt. DaS Statut hatte im Jahre 1925 einen Nachtrag erhalten, nach dem die Kosten der Fahrbahn und Gossenherstellung auf Stadt und beiderseitige Anlieger zu je einem Drittel auSgeschlagen werden sollten. AlS nun auf Grund dieser Regelung den Anliegern der Theo-Koch- Straße ihre ötraßenlDftenBeiträge angefordert wurden, wandten sie sich mit einer Eingabe an den Gemeinderat und baten um deren Erlaß, da seither außer den Kosten für 2,50 Meter Breite des Fußsteige- die Straßenanlieger noch niemals weitere Kosten.getragen hätten Man war allge­mein der Meinung, dqß das Tragen der Straßen- herstellungskosten die Daulust nicht fördere und die Kosten der Fahrbahn und Gosse von der All­gemeinheit zu tragen seien, während die Anlieger nur für die Kosten des Fußsteiges aufzukommen hätten ES wurde daher beschlossen, diesen Para­graphen des Rachtragstatuts vom Jahre 1925 wie-

glaube, auf derMauretania", Strecke Neuyork Hamburg. Es fuhren der Admiral von Hintze mit, Gesandter in Norwegen Rudolf Kammer aus Czernowitz, Max Reinhardts Gesandter in Amerika dann der Bankmann Otto Etsch Kahn--diese

drei Herren mit dem Ersten Offizier des Dampfers bildeten ein Bridgequartett. Man muß wissen, daß Rudols Kammer a. Cz. anerkannt ist als bester Spieler beider Welten: man hat ihm darum schon eine hohe Stelle im auswärtigen Dienst von Hon­duras angeboten; doch er bleibt Reinhardt treu.

Nun gab es auf derMauretania" einen Baron - wie hieß er nur gleich? Schüben oder ähnlich. Schü­ben war jener ehrgeizige Schlemiehl, von dem die Rede fein soll.

Er lag Herrn Kammer in den Ohren: Kammer möchte dach vermitteln, daß Schüben einmal, nur einmal zu der erlauchten Partie zugezogen werde, und Kammer verhieß Gewährung für den Fall, daß etwa einer der Bier seekrank würde.

Nun, die Aussichten darauf standen nicht gut: der Offizier des Dampfers wird schwerlich seekrank wer­den. Der Admiral erst recht nicht. Und Mister Kahn und Kammer? Haben die Fahri über den Ozean wohl schon fünfzigmal ohne Beschwer vollbracht.

Richtig passierte man das Feuerschisf von Non- tuckett kein Zwischenfall: das Teufelsloch bei Neu­fundland nichts Im Golfstrom aber pflegt bas Meer glatt zu sein.

Endlich, am Eingang in den Kanal, erhebt sich ein Sturm; und wächst von acht auf Windstärke zehn auf zwölf.

Die Damen unter den Passagieren verflüchtigen sich allmählich auch die Herren die Stewar­dessen rennen mit geheimnisvollen Gefäßen ... Mauretania" stampft gleich einem Walroß. Ber- gebenbs lauert ber Baron im Hintergrunb auf seine Chance; bie Bier sitzen fröhlich unb spielen.

Da aber geschieht etwas Unerwartetes: ber Erste Offizier wirb abberufen. Gefahr. Muß sofort auf bie Kommanbobrücke.

Unb von Kammer als Ersatzmann herangewinkt, mit grünglasigem Lächeln naht Baron Schüben ber heißersehnten Diplomatenrunde.

Er hat den Weg quer durch den Rauchsalon nicht heil vollenden können.

Ist auf diesem Höhepunkt seines jungen Lebens so schrecklich seekrank geworden so krank, daß .

Muß ich weitererzählen? Man ersinne die aller­ärgste Möglichkeit, die aus der Sachlage entspringe» kann, und hat immer noch zu niedrig geraten.

Man mußte den Tisch wechseln und die Starten.

Der Admiral spricht von Schüben nur mit Wider­willen, Otto Etsch Kahn nur mit Ekel.