müsse aber rationell arbeiten und wirtschaften lernen.
Und dieser Ruck hat nicht bei der Bahn Halt gemacht. Roch nie ist auch in der gesamten Industrie von der Notwendigkeit einer radikalen Senkung der Gestehungskosten so viel die Rede gewesen, wie in den lebten Wochen. Ihr gelten Konferenzen der führenden Wirtschaftsbehörden, Beratungen der praktischen Arbeiter, der leitenden Direktoren der Fabriken und Werke. Die Einsicht dämmert, daß die dauernde Vernachlässigung des Grundsatzes der Rentabilität zugunsten einer ungehemmten Quantitäts-These zu einer langsamen aber sicheren Erschöpfung der finanziellen Quellen führen muß. In der Tat ist auch das Problem der „Mobilisierung der Mittel der Bevölkerung" zur Finanzierung des Plans eines der wichtigsten Probleme aller Sowjetpolitik überhaupt geworden. Aber gerade weil dieses ein so unsicherer Faktor ist, sah man sich nun gezwungen, zur Buchführung überzugehen. Und dieser Uebergang zur „wirtschaftlichen Abrechnun g", wie man es in Moskau und heute schon überall, in jedem Werk, jeder Fabrik, in jeder Kohlengrube und auf jedem Schiff nennt, ist das charakteristische Kennzeichen der Epoche der neuen Wirtschaftspolitik, die so etwas wie eine neue NEP.- Politik zu werden verspricht. Wo bisher die Demonstration geherrscht hatte, der Erfolg nur nach Men- gen beurteilt wurde, nach äußeren Eindrücken und nicht nach innerem Wert, dort ist der Grundsatz der Rentabilität getreten. „Die wirtschaftliche Abrechnung", die von jetzt ab von jedem Werk und jeder Fabrik gefordert wird, ja, von jeder Abteilung und Unterabteilung innerhalb eines größeren Betriebes, ist der Ausdruck der endlichen Einsicht, daß der Aufbau einer Riesenindustrie aus Liebhaberei — vuch Liebhaberpreise an Material, Menschen, Maschinen und Geld erfordert Zwar ist die Art, wie man sich hier Abhilfe verspricht, vorläufig noch vielfach anfechtbar. So wird die Konsumkraft der Bevölkerung weiter geschwächt. Den Arbeitern, die unterernährt und schlecht gekleidet sind und miserabel wohnen müssen, wird schier Unmögliches zugemutet. Der Partei- und Jndustriebureaukratis- mus kennt keine Grenzen Mißwirtschaft und Nicht- können machen manche Anstrengungen der Regierung illusorisch, und nach wie vor ist das große Problem der Qualitätsarbeiter eine Frage, die den ganzen Plan bedroht. Die Schwierigkeiten bleiben
mannigfach und unübersehbar — aber man ist dazu übergegangen, dem Haben das Soll ö^genuberzu- stellen, man will die Entwicklung der Wirtschaft auch wirtschaftlich gestalten.
Das bringt auch eine vollkommene Umlagerung der Kräfte auf dem Dorfe mit sich. Dem Grundsatz der ungehemmten Kollektivierung, dem nur nach außen hin nicht das Muß anhaftet, wurde in keiner Weise entsagt. Im Gegenteil schreitet die Berge- sellschaftung der bäuerlichen (Betriebe in forciertem Tempo fort, und es wird in Deutschland besonders interessieren, daß neulich in einem amtlichen Bericht die deutsche Wolga- r e p u b l i k als zu 95 v. H., also fast hundertprozentig kollektiviert lobend hervorgehoben wurde. Für das gesamte Gebiet der Union betrug dieser Prozentsatz schon über 54 v. H., womit die im Plan vorgesehene Grenze weit überschritten ist. Aber auch hier ist das „Wie?" in der Wirtschaftsführung zu einem ausschlaggebenden Faktor in der bäuerlichen Politik geworden. Bis an die Jahreswende war es gang und gäbe, daß die Abrechnung in den Kollektivbetrieben nach der Kopfzahl vorgenommen wurde. Hatte ein Arbeiter insgesamt fünf Familienmitglieder, so bekam er aus dem Gesamtertrag für sich und seine Familie sechs Verdiensteinheiten in Geld ober Naturalien. Diese Abrechnungsart war nicht nur ungerecht, wie aus den Kreisen der Unverheirateten und der kleinen Familien unterstrichen wurde, sie machte auch die Gemeinschaftsbetriebe zu ständigen Kostgängern des Staates, der seine Lieblingsidee eben teuer bezahlen mußte. Schritt um Schritt ist man nun seit etwa Anfang des Jahres zu dem Leistungs - und Akkordsystem übergegangen. Und setzt wird dieser Grundsatz schon offiziell von allen Wirtschaftsorganen als der einzig mögliche und zulässige Gradmesser für die Entlohnung der landwirtschaftlichen Arbeiter in Kollektiv- und staatlicher Wirtschaft gepredigt. Die Abrechnung „je Esser" ist abgeschafft und verpönt, und es spricht für die Schnelligkeit und Skrupellosigkeit, mit der man in Moskau die Ueberzeugung über die richtigen Methoden des wirtschaftlichen Kommunismus wechselt, daß jeder heute als ein Ketzer und Widersacher der „Sache des Bolschewismus" angesehen wird, der sich etwa noch als kinderreicher Familien- vater die schönen Tage der Entlohnung nach Kovf- zahl zurückwünscht. Auf dem Dorfe aber hat dieses Prinzip eine völlige Umwälzung heroorgerufen.
Waren es früher die armen, meist sehr kinderreichen Bauern, die Knechte und landwirtschaftlichen Arbeiter, denen die Regierung schmeicheln und deren Sympathie sie sich erhalten wollte, so bedeutet das neue System eine offenkundige Bevorzugung des leistungsfähigen Mittelbauern. Denn dieser besitzt noch heute ein Pferd und eine Kuh, deren Besitz ja auch innerhalb der Gemeinschaftswirtschaft gestattet ist, er stellt also auch für den Gesamtbetrieb einen größeren Arbeitswert dar. Er wird privilegiert, um den Gesamtertrag zu erhöhen, während der ehemalige Kleinbauer, der die Kollektive als eine Der- sorgungsanstalt ansah und sich von seinem Eintritt eine Besserung seiner Lage versprach, sich um seine Hoffnung betrogen sieht.
Nimmt man hinzu, daß jede einzelne Wirtschaft in der Betriebsführung vollkommen verselbständigt wurde und auf ausgesprochene Verantwortung der Leiter hin periodische Abrechnungen vorzulegen hat, so geht auch hieraus der Sieg des Rentabilitätsprinzips hervor. Der Enderfolg bleibt ab- zuwarten. Aber der neue Geist bedeutet eine ent- chiedene Wendung nach der Seite der Wirt- chaftl ich feit hin, und der Oberste Volkswirt- chaftsrat hat bewiesen, daß er den Weg nach dem Staatskapitalismus eingeschlagen hat und mit Methoden arbeitet, die dem „im Sterben liegenden westlichen Kapitalismus" abgeguckt sind.
Kunst und Wissenschaft.
(Ein Teil der Slolbergschen Bibliothek für Deutschland gerettet.
Aus kirchlichen Kreisen wird uns geschrieben: Dor einigen Wochen ging die betrübliche Nachricht durch die Presse, daß die sehr wertvolle F ü r ft I i cf) Stoiber gische Bibliothek in Wernigerode dem Schicksal der Zerstreuung in alle Welt verfallen fei, da sie verkauft werden müsse. Erfreulicherweise kann nun berichtet werden, daß die Lutherhalle in Wittenberg durch anerkennenswertes Entgegenkommen der Kirche und des Staates in den Stand gesetzt wurde, wenigstens einen Teil der Bibliothek zu erwerben. Nach einer Mitteilung in der letzten Vorstandssitzung der Lutherhalle wurden Mittel zur Verfügung gestellt, die es ermöglichen, die für die Lutherforschung überaus wichtige theo- logische Literatur der Reformationszeit zu erwerben und vor dem Verkauf ins Ausland zu bewahren.
Jtunhfunfprogramm
des Frankfurter Senders.
(Aus der „Qtaöio-AlmTchau“.)
Freitag, 3. Inti.
7.30 bis 8.30: Dad Neuenahr: Frühkonzert. 11.50: Schallplattenkonzert. 16.30: Konzert. 18.15: Stunde des Tuches. 18.30: Eine Viertelstunde Deutsche Reichspost. 18.45: Mannheim: Aerzte- vortrag: „Heber Lebensmittelvergiftungen". 19.15: „Neuerungen auf dem Gebiet der Sozialfürsorge seit 1928: Die dritte Notverordnung", Vortrag von Oberreg.-Rat Kümmerten. 19.45: EinNund- gang durch Schloß Salem (das ehemalige Zisterzienser-Kloster). 20.30: Neue M<ik der Nationen. V. Abend. 21.30: Sim, Sack, Sohn und Mary von Willi Meisl. 22.50 bis 24: TanzmufiL.
Samstag, 4. Juli.
7.30: Dad Neuenahr: Frühkonzert des Kur- vvchesters. 10.20: Schulfunk. 11.50: Schallplattenkonzert. Puccini-Konzert. 15.20: Stunde der Sagend. 16.30: Freiburg: Feier zum 77. Geburtstag von Heinrich Zöllner. 17: Kursaal Cannstatt: Konzert des Philharmonischen Orchester Stuttgart. 18.15: „Der Himmel im Suli und August — Die geheimnisvolle Strahlung aus dem Kosmos" — Vortrag von Professor Edmund Giftig. 18.45: „Schmutz- und Schundliteratur", Vortrag von Dr. Wehn. 19.15: Spanischer Sprachunterricht. 19.45: Karlsruhe: Kirchenkonzert zugunsten der Wohlfahrtserwerbslosen Karlsruhes. 20.30: Mainz. 22: Unvollendete Symphonie in bi-Moll von Franz Schubert. 23 bis 24: Tanzmusik.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
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Die Zelten sind ernst,' die Not ist grob, — Jeder Haushalt wird mehr oder weniger davon betroffen.
Gerade deshalb wird sich die Auszahlung der Rückvergütung am Jabreaschlufa besonders segensreich erweisen.
Wir bitten deshalb unsere Mitglieder, auch in dem neuen Jahre den Bedarf restlos im eigenen Geschäft vorzunehmen.
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Konsumverein (sieben
Und Um^i Der Vorstand


