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h b:n. e:nen "Anschlag auf den japani­schen Botschafter i n MvSkau. Hirvta, auLZufuhren, um -am t die Llrfache für einen rufillch-japanischen Krieg zu schaffen. Gorin machte der OGPU. in Moskau von dieser Aus- fcr-erung Mitteilung. Vannjek hat bereits am Samstagabend Moskau verlassen und ist zunächst nach Aiga gereist. Wie weiter berichtet

wir- hat der tschechoslowakische Außenminister Denesch die Gesandtschaft in Moskau angewiesen, sofort eine Untersuchung einzuleiten, um fest« zustellen. inwieweit die rusifchen Beschuldigungen -en Tatsachen entsprechen. Der Angestellte deS DerkehrskommissariatS. Gorin, befindet sich noch in Gewahrsam der OGPU.

Mussolini sorderl wirWastlicheAbrüstung.

Befreiung des Wellhandels von der Zwangsjacke der Schutzzölle.

Berlin, 24. Dez. 3n einer Weihnachtsbetrach, tung imBerliner Börfen-Courier" tritt der italie- Nische Ministerpräsident Mussolini für den Wirt schaflsfricdcn und den Abbau der Zollmauern ein. Mussolini erklärt, daß der Welthandel in einer Zwangsjacke stecke. Alle wollen vcr» kaufen, und niemand wolle kaufen. Durch die Anti-Dumpingzölle Englands seien die neuesten Barrikaden auf dem Wege des inter­nationalen Handels errichtet worden. Der britische Schritt sei nicht nur mit der Propaganda der anderen Lander, in der Heimat zu kaufen, sondern auch wiederum mit erhöhten Zöllen be­antwortet worden. Die Welt befinde sich feit mehreren Monaten in einem wirtschaft­lichen .Firtegszu stand". Ganz ähnlich, wie Staatsoerträge aufgehoben und politische Bündnisse geschlossen oder gebrochen werden, wenn ein Krieg ausbricht, so sehe man heute die Völker ihre Han­delsverträge zerreiben.

Mussolini erklärt schließlich: Habe ich angesichts der ungeheuren militärischen Rüstungen nach Ab­rüstung gerufen, so muß ich jetzt noch einen zweiten Ruf, den nach wirtschaftlicher Abrüstung

ertönen lassen, damit der Handel die gesperrten Grenzen wieder überschreiten kann. Verlangte ich eine Friedensperiode durch Begrenzung der Rüstun- gen, so ersehne ich jetzt auch eine Verständigung auf dem Gebiete der Wirtschaft. Auch im Wirtschafts­krieg hat das Maß der ertragbaren Leiden seine G r e n z e n wie im militärischen Krieg, und die Zeit für Erörterungen über die Einstellung der Feind­seligkeiten ist jetzt gekommen. Die Zollmauern müssen gesenkt werden, damit die Völker wie­der miteinander Handel treiben und sich die Mittel zur Bezahlung ihrer Schulden verschaffen können. Sie können nicht in Gold zahlen, wenn sie kein Gold haben. Sie müssen daher i n Naturalien zahlen, und das ist nur möglich durch die Wiederaufnahme des internationalen Han­dels und durch den leichteren Zufluß der Güter von einem Land ins andere. Das ansteckende Fieber des Hochschutzzolls muß überwunden werden durch die Rückkehr zu kühleren und ruhigeren Ueberlegungen, damit die Beweglichkeit des Handels auf den großen Verkehrsstraßen der Welt wieder hergestellt werden kann.

IieaMordmtlicheMdigungvonMelmlrägeii

Durchführungsbestimmungen zur letzten Notverordnung.

Berlin, 27. Dez. (TU. Amtlich.) Zu den Dorschriften der Notverordnung über die Miel­kündigung sind vom Reichsjustizminister Durch­führungsbestimmungen erlassen worden, die im ,Aeichsanzeiger" veröffentlicht werden. Die wichtigsten Dorschriften sind folgende:

1. Aach der Notverordnung ist die Kündi­gung ausgeschlossen, wenn der Vermieter auf Wunsch des Mieters in den Miet­räumen besondere kostspielige bau­liche Arbeiten vorgenommen hat. Dem wer­den nunmehr die Fälle gleichgestellt, wo der Vermieter daS Haus oder die Räume nach den Wünschen des Mieters mit außergewöhnlich kost­spieligen Einrichtungen versehen hat. Der Mieter kann also nicht kündigen, wenn das ganze Miet­haus nach seinen speziellen Wünschen erbaut ist oder wenn der Vermieter Anbauten (z. B. Erker) vorgenommen hat, Dachgeschosse ausgeoaut hat, eine Garage auf dem Grundstück errichtet hat und dergleichen. Ferner wenn er z. B. auf Verlangen des Mieters eine Zentralheizung ein­gebaut hat usw.

2. Hat der kündigende Mieter in den Näumen bauliche Veränderungen vorgenommen, oder das Gebäude oder die Näume mit besonderen Ein­richtungen versehen, z. D. mehrere Ladenräume zu einem Lichtspieltheater umgebaut und der­gleichen. so kann er zwar kündigen, er muß aber auf Verlangen des Vermieters den früheren Zu st and wieder Herstellen. Diese Vorschrift kann unter Umständen Mieter hart treffen, die bereit« gekündigt haben und sich außerstande sehen, die Umbauten auf ihre Kosten vorzunehmen. Mit Rücksicht hierauf sehen die Durchführungsbestimmungen für solche Fälle ein Widerrussrecht für die Mie- t c r vor. Der Widerruf muß schriftlich erfolgen und dem Vermieter b i s zum 5. Januar zu­gehen. DaS WiderrufSrecht besteht nur dann nicht, wenn die Gebäude oder Räume zwischen Kün­

digung und Widerruf bereits anderweitig ver­mietet sind.

3. Besondere Vorschriften werden für Miet­verträge getroffen, bei denen der M i e t e r Baukostenzuschüsse, Baudarlehen, Miet­vorauszahlungen il dgl. gegeben hat. Hier ist zu unterscheiden, ob diese Leistungen nach dem Vertragabgewohnt" oder ganz oder teilweise bar zurückgezahlt werden sollten. Soweit sie ab­gewohnt werden sollten, findet eine Rück­gewähr nicht statt. Soweit sie zurück gezahlt werden sollten, sind sie, wenn nicht vertraglich feste Rückzahlungstermine vorgesehen waren, erst in dem Zeitpunkt zurückzuzahlen, zu dem das Mietverhältnis nach dem Vertrage gekündigt wer- den könnte oder anderweitig beendet werden würde. Kautionen, die zu hinterlegen waren, sind dem Mieter schon am 1. April 1932 zurück- zugeben. Auch hier werden manche Mieter bgi der Kündigung davon ausgegangen fein, daß sie diese Beträge alsbald nach dem Verlassen der Miet­räume zurückerhalten. Soweit dies nach dem Ge­sagten nicht der Fall ist, sollen sie befugt sein, bis zum 5. Ianuar 1932 ihre Kündigung schrift­lich zu widerrufen.

4. Bekanntlich ist - i e Kündigung aus­geschlossen, wenn Vermieter und Mieter sich im Laufe des Jahres 1931 auf minbe* stens 20 v. H. Ermäßigung geeinigt haben oder noch einigen. Es genügt also nicht, daß der Vermieter jetzt einseitig diese Ermäßi­gung von sich aus an bietet. Eine Ermäßigung, die einem früheren Mieter gewährt ist, schließt das Kündigungsrecht nur aus, wenn der Mieter als Erbe oder im Zusammenhang mit der Heber* nähme eines Vermögens oder dem Erwerb eines Handelsgeschäfts in den Mietvertrag eingetreten ist. Besondere Vorschriften sind darüber getrof­fen, wie bei sogenannten Staffelmieten, d. h. für den Fall, daß für die einzelnen Ver­tragszeiten eine verschiedene Miethöhe verein­

bart war, die 20prozentige Ermäßigung zu be­rechnen ist.

5. Rach den Durchführungsoorschriften ist die Kündigung ausgeschlossen, wenn der Mieter nach dem Vertrage nicht nur berechtigt, sondern auch ver­pflichte! war, die Mieträume zu benutzen, zum Beispiel in einem Messegebäude während der AusstcUunaszeit auszustellen.

6. Die Kündigungsoorschristen gelten auch für Untermieter, Pächter und Unterpachter, sie werden jedoch ausgeschlossen, wenn ein ganzes wirt­schaftliches Unternehmen verpachtet und dabei auch der Gebrauch von Gebäuden oder Räumen über­laßen ist und wenn sich hierbei die Ueberlassung des Unternehmens als die Hauptleistung des Verpäch- tcrs darstellt. Letzteres soll regelmäßig angenommen werden, wenn der Pächter befugt ist, die Firma des Verpächters fortzuführen.

7. Zur Behebung von Zweifeln fei darauf hin- gewiesen, daß das Kündigungsrecht dem Mieter nicht zustehk, wenn er seit dem 15. Zull 1931 ohnedies die Möglichkeit gehabt hätte, zu kündigen, z. B. wenn der Vertrag oorsieht, daß am 1. Okto­ber zum 31. Dezember gekündigt werden

kann und er von diesem Kündigungsrecht t e l n e N Gebrauch gemacht hatte.

Das Programm der Pofigebührensentung.

Berlin, 27. Dez. (ENB.) Dem .Cof al artiger zufolge ist in dem Programm für die Senkung Der Postgebühren u. a. vorgesehen, -ah bei Pa­keten -ie Zustellungsgebühr von 20Pf. in allen Zonen auf 15 Pf. herabgesetzt wird. Ferner können Empfänger die Pakete selbst abholen und damit die Zustellungs­gebühr sparen 3m Fernsprechwesen bleibt die Grundgebühr unangetastet, während die Ge­sprächsgebühr von 10 auf S Pf. her­abgesetzt nur-. 3m Telegrammverkehr wird die Gebühr für ein Wort von 15 auf 12 Pf. herabgesetzt. Die Druck­sachengebühr. die für 20 Gramm blSher 4 Pf betrug, wird auf 3 Pf. herabgesetzt. Bei den Wurfsendungen, die bisher 2 Pf. kosteten, tritt eine gestaffelte Herabset­zung ein.

Die Ruinen des Stuttgarter Schlosses.

Noch Feuer während der Weihnachtstage. - Einsturz der Humen im Innern des Schlosses.

Eine Lylvcsteranfprachc Hindenburgs im Alun-funk

6t steht nunmehr fest, daß Reichspräsident von Hindenburg am 31. Dezember über sämtliche deutschen Sender eine Neujahrs, ansprache halten wird. Die Ansprache beginnt um 21.30 Uhr.

ein unheimliches Getöse: es trat jedoch bald wieder Ruhe ein. Sämtliche Umfassungsmauern standen noch. Rur im S ü d ost t ei l des östlichen Flügels war die untere Decke durchyebrochen. Ent­gegen allen Erwartungen waren die Umfassungs­mauern stark genug, dem ungeheuren Druck de» nachstürzenden Gebälks den nötigen Widerstand entgegenzusetzen. Der Reitaufgang, der bis­her unversehri geblieben war, wurde teilweise auf­gerissen. Besonders stark wurden dabei die Decken im oberen Teil des Reitaufgang» mitgenommen. Sie stürzten z. T. ein, teils zeigten sich beträchtlicha Sprunge, so daß es notwendig wurde, die Lösch­mannschaften auf die unteren Stockwerke zurück- zuziehen.

Der Uebcrblick, den jetzt die Brandstätte zulaßt, offenbart die katastrophale Gewalt de» Feuers, da­hier gehaust hat. Die Löschmannschafien darunter Leute, die schon über 20 Jahre im Dienste der Stuttgarter Feuerwehren stehen sind sich darin einig, daß der Brand auch unter Hinzuziehung aller verfügbaren Wehren keinen anderen Verlauf ge­nommen hätte. Bemerkenswert ist auch d i e ßeiftung einer Motorspritze, die seit Montagoormittag ununterbrochen in Tätig­keit ist, ohne ein einziges Mal auszusetzen.

Stuttgart, 27. Dez. (WTB.) Rach dem Bild, das sich am Mittwoch an der Brandstätte des Alten Schlosses ergab, war anzunehmen, daß nunmehr jegliche Gefahr für den vom Brand noch nicht heim- gesuchten Schloßteil beseitigt fei. Entgegen allen Erwartungen tarn aber bas 3 e u e r über d i e Weihnachtsfeiertage noch einmal auf. In der Nacht vom Freitag auf Samstag stieg am südöstlichen Teil des Ostflügels direkt neben dem Reitaufgang verdächtiger Rauch auf, der in kurzer Zeit das ganze Schloß einhüllte und die Löschmann­schaften erneut in Anspruch nahm. Der Brandherd saß in den unteren Stockwerken und_war für die Löschmannschaften unzugänglich, da nur mit äußer st er Vorsicht an die Brand­ruine herangegongen werden kann. Aus sechs Strahlrohren wurde Wasser in den lodernden Trüm­merhaufen geworfen. Der allgemein erwartete große Einsturz der Brandruinen wirkte sich glücklicherweise nicht so schlimm aus, wie man ur­sprünglich befürchtet hatte. Er beschränkte sich auf einen Zusammen st urz im Innern, wöh- rend die Umfassungsmauern stehen- blieben. Zwischen 5 und 6 Uhr am Sonntag früh wurden die Löschmannschaften durch ein verdächti­ges Knistern aufmerksam. Kurz darauf hörte man

Deutschland und der russisch-polnische Pakt.

Ein Interview mit Ltalin.

Berlin, 24. Dez. (END.) Das .Berliner Tageblatt" veröffentlicht eine Unterredung, die Emil Ludwig kürzlich mit Stalin hatte. Auf die Frage Emil Ludwig-, ob nicht durch die rus­sisch - polnischen Verhandlungen btc Politik einer traditionellen Freund­schaft zwischen der S o w j e t u n i o n u n b Deutschland in den Hintergrund aedränat werden könnte, und ob dies nicht eine Ausgabe des Kampfes der Sowjetunion gegen das Versailler System bedeute, erklärte Stalin u. a.:

Ich weih, daß man in Deutschland teilweise älnzufriedenheit und Befürchtungen hegt. Meiner Meinung nach sind diese Befürchtungen unrichtig. Als die Polen erklärten, daß sie bereit seien, die Verhandlungen über einen Nichtangriffspakt zu führen, haben wir wie gegenüber anderen Staa­ten selbstverständlich zugestimmt. Solche Be­fürchtungen, dies bedeute eine Aenderung oder eine Verschlechterung der Beziehungen, sin- grundlos. 3n dem Pakt werden beide Teile sich das Versprechen geben, daß sie nicht beab-

sichtigen, einen Krieg zu führen, um die Alnab- bängigfeit oder Integrität ihrer Länder an*u- tasten. Ist da- eine Anerkennung des Versailler System-7 Nein! Oder ist da- eine Garan­tierung der Grenzen? Nein! Wir haben da- niemals garantiert und werden es nicmale tun. Unsere freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland werden nach wie vor bie gleichen bleiben. .

DaS .Berliner Tageblatt" bemerkt zu diesen Er­klärungen Stalin-, ^Deutschland habe selbstver­ständlich kein Interesse sich einer Normalisierung -er russisch-polnischen Beziehungen zu wide.sctzen. Anders läge es aber, wenn -er Pakt etwa dazu führen sollte, Polen zu einer aggressi­ven Haltung nach Westen zu ermu­tigen oder die polnischen Grenzen für alle Zeiten für sakrosankt zu erklären.

das verlorene Boot des Retters von einem Dämon ans Land getrieben wird. Kieloben heißt der Dämon. Kieloben treibt das Boot zu Lande, und sicher fahrt die Brigg vorbei." Ja, da hackte man, von Geistern umgeben. Sie waren unheimlich ober anhaben tonn, ten sie einem doch nichts. Ein Aesthet war man, ein reiner Genießer, hatte eine angenehme Art, mit Tod und Teufel zu verkehren ...

Wie schön war die Zeit, als man noch las, ohne zu verstehn!

Srauen erobern die Welt.

Tapfere moderne Frauen erzählen von ihren mannigfachen Fahrten und Abenteuern in fernen Ländern in einer Reihe kurzer Aufsätze, die im Novemberheft von .Scherls Magazin" veröffent­licht werden. Friedel Spada hat eine Asien- Erpc-ition auf dem Brahmaputra unternommen, bei der fie auf dem Weg nach der Grenze von Tibet den wilden Stamm der Abor aufsuchte. .Mit Flinte und Lippenstift" lautet der bezeichnende Titel ihres Buches. Die Abor, die sie nach lan­gen Dschungelmärschen erreichte, hatten noch nie eine weihe Frau gesehen. Zuerst hielten sie sie für einen .Doktor-Sahb", bann für einen weißen Zauberer, schließlich für die alle Queen von England, aber sie benahmen sich durchaus nicht feindselig gegen sie. Der Rückweg zu Fuß von Assam nach Birma führte die kühne Reisende in das Gebiet von Kopfjägern. Auch Isa Berger erschien als erste weihe Frau in der afrikani­schen Wildni- bei den Masai, und die Negerin­nen kamen in Scharen, um sie und ihr langes Haar, namentlich aber ihre weihe Haut, zu be­trachten und zu befühlen. Al- treue Helferin be­gleitet die Wienerin Emmy B e r n a tz i k ihren Mann auf seinen Srpeditionen in Portugiesisch- Westafrika. Sie hebt hervor, dah bei dieser Zu­sammenarbeit -er Deschlechtsunterschied wenig be­tont werden dürfe, wenn es daraus ankomme, viele Monate hindurch in weltentrückten Gegen­den im Zelt zu Hausen, die Nacht oft mitten im Busch zu verbringen und alle Arbeit, alle iln- bcquemlid)fciten und Gefahren als einzige Frau mit den Männern zu teilen. Sie führt die Er- pedition-tagebücher, kriecht in den Hütten der eingeborenen herum und sucht nach Zeichnungen, Malereien und 'Verzierungen, um sie in ihrem Skizzenbuch festzuhalten: sie stellt auch die Dvrf- und Hausplanc her. Da sie in praktischen Män­nerkleidern einhergeht, wurde sie selten als Frau erkannt: oft war es aber gerade gut, sie als Frau vorzustellen, da sie nur auf diese Weise das Der­

Schüre unterm Weihnachtsbaum

23cm Franz Hessel.

(Alle Rechte im Rowohlt-Verlag.)

Wie schön war die Zeit, als man nach las, ohne zu verstehen!

Da hat man z. B. zu Weihnachten den Tell ge­schenkt bekommen, Schillers Wilhelm Tell. Man war erst acht Jahre alt. In der Schule wird dieser Tell erst in zwei Jahren gelesen werden. Neugierig hat man sich den Tell gewünscht, des Namens wegen. Am Heiligen Abend hat das Kind das kleine blaue Buch eigentlich nur gestreichelt und bisweilen, Marzipan kostend, hineingeschaut. Nun ober ist Feiertogsmorgen. Dos Kind ist ganz allein in der guten etube, in welcher der Weihnachtsbaum steht. Es (keift an der Seite der Tisches, wo feine Ge- schenke liegen, die für die Nacht übergeschlagene Decke zurück, nimmt das Buch heraus, setzt sich aus den Schaukelstuhl. Aber das ist noch nicht der richtige Leseolatz. Es wechselt hinüber zum Sessel, vor dem die Fußbank ist. Es kniet auf die Fußbank, legt das Buch auf das blaue Eierdaunenkiffen, das in den Seffel gefchmtegt liegt schlägt auf, lieft.

Erst kommen die Verse vom Fischerknoben, vom Hirten und vom Alpenjäger. Die liest es noch nicht so genau. Die schaukeln schnell von Zeile zu Zeile und gehn sonst ein. Aber bann kommt Ruodi der Fischer aus der Hütte und beginnt:

Mach hurtig, yennf. Zieh die Naue ein!" Naue! Wie geheimnisvoll.

Der graue Talvogt kommt, dumpf brüllt der Firn." Das sind Sturmgeister. Sie brausen daher. Und was der Fischer ankündigt, bestätigt der Hirt:

Je kommt Regen, Fährmann. Meine >-chafe fressen Mit Begierde Gras. Und Wächter scharrt die Erde." Wo» tut da die Erde? Sie scharrt Wächter? Scharrt, weil sie sich fürchtet vor dem Sturm, vor all den bösen Wesen, dem Talvoat, dem Firn, dem Mythen­stein mit seiner kriegerischen Haube. Wachtposten empor. Wächter scharrt die Erde!

Später, wenn man dann den Tell in der Schule ,ßat". kommt heraus: Die Naue ist ein 'Boot, der Mythenstein ist ein Berg. Und nicht die Erde scharrt Wachter, jonbern der Hund, der Wachter heißt, scharrt die Erde. Ist auch ganz schön, aber eigentlich war es noch schöner, al» man noch nicht verstand .. al» sie selbst, die Göttin, die Erde scharrte mitten im Weihnachtszimmer, durch besten Tannen- und Marzipanduft ferner Sturm brauste, als noch die Zeit war, da man Mytben schuf rings um do, schmal behütete Kinderreich, die Zeil, da in dem schonen Lied von derBrigg dort auf den Wellen" zuletzt

trauen -er eingeborenen Frauen un- Kinder er­wecken und Diel Wissenswertes von ihnen erfah­ren konnte. Auch Ifot Steinhardt hat seit 1929 mit ihrem Mann, -em bekannten Forscher und Afrika-Iäger, -en Schwarzen Erdteil auf vielen Fahrten durchzogen. .Lange Monate." er­zählt fie, .sind wir kreuz und quer durch Afrika- Weiten gezogen, durch feine Steppen, feine ilr- Wälder, hoben uns mit -em Auto durch dichtestcs Pori gekämpft, mit Trägerkolonnen unbekannte Bergketten durchforscht und mit dem Einbaum Flüsse überquert, in deren trüben Wassern Kroko­dil und Flußpferd lauerten. Mensch und Tier -er Wildnis haben wir mit der Kamera gejagt, und in Abenteuern mit afrikanischem Großwild sprach die Büchse das letzte Wort. Glutheiße Tage und eiskalte Nächte brachten manche Stra­pazen. manche kritische Situation, aber die un­faßbare Fülle -es Erleben-, die Schönheiten und Seltsamkeiten der sremden Welt ließen uns alle Anstrengungen und Gefahren vergellen." Al- erste weihe Frau bi- zum französischen Sudan, und zwar im Dienste de- Film-, ist Meg Gehrts-Schomburgk gekommen. Schon 1913 war sie mit Hans Schomburgk nach Togo gereift, um Kulturfilme zu drehen und auch Spiel­filme mit Schwarzen al- Darstellern. 1924 un­ternahm sie eine -weite Film-Erpedition nach Li­beria. Eine Pilgerfahrt nach -er verbotenen Stadt -e- Dalai Lama unternahm als erste weihe Frau Alexandra David-Neel, die lange Iahre in Tibet lebte, um Glauben und Mystik der Bewohner zu erforschen. Bon ihrer bewun­dernswerten Leistung legen zwei Bücher .Ar- jopa" und .Heilige und feier' beredte- Zeugnis ab. Ein Bild aus dem ersten Buche zeigt die kühne Forscherin in ihrer tibetanischen Einsiede­lei in 4000 Meter Höhe.

Hochschulnachnchlen.

Im Alter von 76 Iahren verschied in Breslau der bekannte Literarhistoriker Geh. Regierung-rot Prof. Dr. Mar Koch. Koch wurde 1853 in München geboren. Seine Lehrer waren Michael Bemays. Konrad Hofmann. Wilhelm Christ. 1879 habilitierte sich Koch in Marburg für neuere Literatur, siedelte später al- Eftra- or-inariu- nach Breslau über und erhielt dort 1895 die Ernennung zum Ordinarius. Seit 1924 lebte -er Gelehrte in dem Ruhestand. Geheimrat Koch ist besonders als Mitverfasser der mit Fried­rich Bogt herausgegedenen .Geschichte der deut­schen Literatur" bekannt geworden. Ferner war

er Herausgeber der von ihm gegründeten ,3eit» schrist für vergleichende Literaturgeschichte' und dann an deren Stelle -er .Studien zur verglei­chenden Literaturgeschichte".

Zeiischnften.

..He s len land". Monat-.Zeitschrift für Landes- und Volkskunde. Kunst und Literatur Hellens, in Verbindung mit Fachberatern her­ausgegeben von Dr. C. Hitzeroth. Verlag R. G. Elwert in Marburg (Lahn). In Heft 12 führt Dr. Israel seine Untersuchungen über die Kasseler Lanbesbibliochek al- Quelle hc.matkundlicher For­schung zu Ende. Das neu geschossene Kupserstich- fabinett und die neue Kunstbibliothek in Kassel schildert Dr. Struck Lustige Kasseler Redens- arten hat G. Wentzell, einer der besten Kenner Kasseler Mundart, zusammengetragen. Dr. Fell­ner schildert die Iugendzeit eine- hessischen Für­sten des 17. Iahrhunder!-. eines Sohnes des Landgrasen Moritz deS Gelehrten, und b.eltt da­mit einen wertvollen Beitrag zur hessischen Kul­turgeschichte. Das Heft ist mit einem Holzschnitt der Universität Marburg von G. Tyroller ge­schmückt

.Philosophie und Leben". Heraus­gegeben von Pros. Dr. Aug. Messer: Verlag Felir Meiner. Leipzig. 7. Iahrg. 1931. Viertelt. 3 Hefte 2 Mark. Einzelheit 83 Pfennig. Das Dezemberheft ist Fragen der Erkenntnislehre ge­widmet. LS bringt sehr beachtenswerte Ausfüh­rungen aus hinterlassenen Tagebüchern -es aus­gezeichneten Neukantianers Ernst Marcus (Ellen). Ein Aufsatz -es Herausgebers und der Hauptteil der .T^iSsprache" ist der Auseinandersetzung mit dem Positivismus gewidmet.

Die Sanuarnummer von We stermann » Monatsheften bringt Bilder de» bulgarischen Maler» Boris Georgiev. Da» Entzücken aller Ski- freunde wird der mit vielen farbenfreudigen Sport- btlbern ausgestattete Aussatz de» Maler» Ernst KretschmannBolt auf Brettern" sein. Man folgt interessiert seinen Skisport-Erlebnissen und Beob­achtungen in Norwegen auf Hütten im Gebirge, auf Skiwanderungen, beim Training, bei Sportfesten. Von der Not der Zeit handett ein Artikel von Frank MaraunSie Straßen rufen*. Zn diesem wird von den 60 000 Männern berichtet, die als Vagabunden auf den deutschen Straßen leben, nicht weil sie durch Arbeitslosigkeit und Zeitzwang dazu genötigt wur­den, sondern weil die bürgerliche Welt sie al» Glie­der nicht aufgenommen hat und sie der Freiheit der Landstraße verfallen sind.

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