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Nr. 502 Erster Blatt

181. Jahrgang

Montag, 28. Dezember 1951

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Das Wettecho des Basler Gutachtens.

* Das Gebot der Gtunde.

Nichts wäre törichter als diesen uns wegen seiner Unvollständigkeit enttäuschenden Baseler Be­richt in den Mittelpunkt des innerpolitischen Ha­ders zu rücken. Leichte Ansätze dazu sind leider schon vorhanden. Würden wir derartige Unklug­heiten der Vergangenheit wiederholen, dann brauchte sich die französische Regierung über die weitere Ent­wicklung der Ereignisse den Kopf nicht zu zerbrechen, dann würden wir aber auch diejenigen von uns stoßen, die heute unter dem Banner der Vernunft mit uns Seite an Seite gegen die Front der Unver­nünftigen Sturm laufen, deren stärkstes Bollwerk Frankreich allerdings auch schon bedenkliche Risse zeigt. Der Hinweis darauf, daß der Baseler Bericht diese Bundesgenossenschaft keineswegs schwarz auf weiß bescheinige, ist fehl am Platz. Bei sorgfältiger Abwägung eines jeden Wortes gibt uns dieses Gut­achten mehr als einen Hebel zur Auflockerung des Tributsystems, aber das, was vorherging und im wesentlichen auch der Oeffentlichkeit bekannt wurde, ist für die Beurteilung der Haltung der Sachverständigen viel wichtiger als diese alle Kennzeichen eines Kompromisses tragenden vier Kapitel.

In den Debatten hat sich gezeigt, daß aus Grün­den der Vernunft die Mehrzahl der Nationen unse­ren Standpunkt teilt, wonach die Tribute die Hauptschuld an der Weltwirtschafts­krise tragen und daher als wichtiges liebel b e ° fertigt werden müssen. Dieser Völkerblock kann und wird sich nur dann durchsetzen, wenn das deutsche Volk die Gefahren der Stunde voll und ganz erkennt und die in Zeiten nationalen Unglücks oft bewährte Einigkeit findet, was schließlich nicht so schwer sein sollte, da bei uns nur Wirrköpfe und Kreaturen der französischen Propaganda das Reparationssystem verteidigen. Nationale Einigkeit erheischt aber auch eiserne Nerven, die not­wendiger denn je sind, da bereits ein Trommelfeuer der französischen Presse auf uns herniederprasselt, das sehr leicht weiche und nachgiebige Gemüter er­schrecken und dahin bringen könnte, sich mit gewissen, das Grundübel nicht ausmerzenden Erleichterungen zufrieden zu geben. Das würde ein Perkennen unserer und auch der französischen Kampfstellung bedeuten.

Wir stehen nicht mehr allein, wir haben im Gegensatz zu 1918 die halbe Welt neben, wenn nicht gar hinter uns. Um Frankreich herum wird es einsam und einsamer, ja die Franzosen müssen trotz ihres Reichtums die deutschen Methoden auf­nehmen und öffentliche Gelder auswerfen, um die wachsende Zahl der Erwerbslosen von der Straße und damit von Gewaltakten fernzuhalten. Mag es auch noch seine Trabanten aufputschen. Widerstand zu leisten, der aufmerksame Beobachter hat längst erkannt, daß sich Brüssel in seiner derzeitigen Rolle nicht wohl fühlt, daß Jugoslawien, die Tschechen, Rumänen und Polen ebenfalls sehnsüchtig nach dem silbernen Streifen am Wirtschaftshorizont Ausschau halten. Stehen wir jetzt Schulter an Schulter, dann kann und wird das nicht öyne Eindruck auf diejeni­gen bleiben, die mit uns an der Beseitigung der Tribute interessiert sind, vor allem aber auch nicht auf die Masse unserer Prioatgläubiger, die alles zu verlieren haben und die berufen sind, ihre Beschlüsse sie wollen noch Ende des Jahres ihre Berliner Konferenz fortsetzen so zu formulieren, daß sie eine wirkungsvolle Unter st reich ung unseres bisherigen Kampfes gegen den Versailler Irrsinn der Milliardentribute darstellen.

Wird Amerika an derAegiermigs- konserenz teilnehmen?

Paris, 28. Dez. (WTB. Funkspruch.) Wie dieNew Vork Herald" aus Washington berichtet, glaubt man, daß die Entscheidung über die Teil­nahme Amerikas an der Regiernngskonferenz über die Schulden- und die 'Reparationsfrage von der Fassung der Einladung abhän­gen wird, die an die Vereinigten Staaten ge­richtet würde. 2m Laufe der gestrigen Unter­redungen zwischen Hoover und den Mitgliedern des Kabinetts habe sich eine Opposition gegen d i e Beteiligung der Vereinigten Staaten geltend gemacht. Dagegen wären Staats­sekretär Mellon und die Finanzsachverstän­digen für eineBeteilt gu n g der Vereinig­ten Staaten.New York Times" hört aus Finanzkreisen, man hoffe, daß die beteiligten Negierungen die toe; ->re Behandlung der Re- paratinns- und Kriegsschuldenprobleme wenig­stens beschleunigen würden, nachdem der Wunsch der englisch-amerikanischen Finanzwelt, den Voung-Plan durch eine neue Verständigung zu ersehen, infolge des Widerspruchs Frankreichs gescheitert sei. 3n den gleichen Gedankengängen bewegen sich die Leitartikel. Es wird darin be­tont dem Grundübel, das in den Statistiken des Baseler Berichts wie in der Weltdepression zum Ausdruck komme, nämlich das schwindende Vertrauen, das sich in der Kapitalflucht äußere, könne nur durch rasches Handeln be­gegnet werden, anderenfalls könnten sich die Ver­einigten Staaten einer allgemeinen Schul» denablehnung gegenübersehen. Allerdings sei es fraglich, ob die Schuldenrevision gerade im Augenblick des tiefsten Standes der Depres­sion versucht werden sollte. Als Ausweg bleibe indessen die Moratoriumsverlänge­rung, die immer noch besser als völlige Schul­

denverwerfung wäre, denn deren Folge wäre der völlige Zusammenbruch allen Vertrauens.

Borah bestreitet Frankreichs Recht auf Reparationen.

Deutschland hat die Kriestsschädcn wieder gutgemacht.

Washington, 25.Dez. 3n einer Bespre­chung des Berichts des Baseler Beratenden Sonderausschusses erklärte Senator B o r a h, er könne keine Erholung Europas sehen, solang. dieReparationen nicht gänz­lich gestrichen seien. Seit zwölf Jahren seien Verhandlungen geführt und Berichtigungen bei den Reparationen angebracht worden, ohne daß jedoch Abhilfe habe geschaffen werden können. Der wirtschaftliche Rückgang sei inzwischen fast fortgesetzt weitergegangen. Wenn sich Europa nicht entschließen könne, die Reparationen abzu­schaffen und die st ungen drastisch ein-

London, 28. Dez. (WTB. Funkspruch.) Zum Baseler Sachverständigenbericht sagtTime s", der Bericht sei vielleicht etwas mager, wirke aber durch seine strenge Sachlichkeit äußerst eindrucks­voll. Als die wichtigsten Schlußfolgerungen des Berichtes erscheint dem Blatt, daß der Voung- Plan die Möglichkeit einer schweren Krise nicht in Rechnung gestellt habe. Wenn Deutschland keine ausreichende Atempause erhalte, um wieder zahlungsfähig zu werden, würde es nicht im­stande sein, irgend etwas zu bezahlen. Die Wiederherstellung des deutschen Kredits er­fordere mehr als ein loses Moratorium von zwei, drei oder auch fünf Jahren. Wenn die Reparationsschuld Deutschlands nicht auf eine Summe festgesetzt werde, die dem Ausländer er­mögliche, Deutschland weiterhin vertrauensvoll Geld zu leihen, dann werde Deutschland außer­stande sein, Reparationen zu bezahlen. Ein bloßes Moratorium, sagtTimes" mit Nachdruck, das Deutschlands endgültige Ver­bindlichkeit unberührt läßt, würde ledig­lich die Krise verlängern und zu einer neuen, gefährlicheren Krise führen. Aus diesem Grunde habe die britische Regierung in ihrer neulichen Antwort energisch auf eine dauerhafte Lösung dieser grase gedrungen.

Financial Jleros schreibt: 2Han braucht nicht von vornherein anzunehmen, daß Frankreich zu einer vernünftigen Auffassung unfähig sein wird. Wenn es jedoch nicht zu wirklich erleichternden Maßnah- men bereit ist, dann wird es nötig sein, der französischen Politik offen Wider­stand entgegenzusehen und Deutschlands Partei zu ergreifen. Das Blatt sagt weiter, daß der Bericht infolge der Haltung des französischen Dele­gierten wiederholt von demvorübergehenden" Cha­rakter der deutschen Schwierigkeiten spreche und nicht deutlich genug hervorhebe, daß diese vorübergehen­den Schwierigkeiten vor einer endgültigen Regelung der Reparationsfrage nicht a u f h ö r e n würden. Die City sei über den Bericht nicht begeistert, weit er darauf hindeutet, irgend­ein unbefriedigendes Kompromiß zu

Berlin, 27. Dez. (CNB.) Reichsfinanzminister Dietrich würdigte am Heiligabend vor Vertretern der Presse die Bedeutung des Basler Gutachtens. Schon beim deutschen Antrag auf Einberufung des Sonderausschusses sei zum Ausdruck gekommen, daß nach Auffassung der deutschen Regierung die Mit­tel des Noüngplanes nicht ausreichen würden. Der Basler Ausschuß habe festgestellt, daß eine unvorhergesehene Krise eingetreten sei, deren Ausmaß zweifellos über die vom Poung- plan ins Auge gefaßteverhältnismäßig kurze De­pression" hinausgehe. Deutlich sei ausgesprochen worden, daß diese Krise eine Entwicklung genommen habe, die im A o u n g p l a n überhaupt nicht berücksichtigt sei.

Die Doraussehungen der deutschen Zah­lungen, die der Zoung-Plan von der wirtschaft­lichen Seite her ausdrücklich unterstrich, sind in entscheidenden Punkten von den Staaten, mit denen Deutschland handel treibt, zu denen auch vornehmlich die vertragschließenden gehören, dadurch beseitigt worden, daß sie in ihrer Handelspolitik das Gegenteil von dem tun, was sie sinngemäß nach dem Plan hätten tun müssen. Statt Deutschland die Zahlungen durch waren import zu gestatten, haben sie diese Zahlungen durch Zollerhöhungen, Kontingente und Einfuhrsperren unmöglich gemacht. Diese ganze wirtschaftliche Entwicklung hat einen Zustand herbeigeführt, der Maßnahmen not­wendig macht, die außerhalb der Mög­lichkeiten'der Poungplane» stehen.

zu schränken, sei es für Amerika besser, sich v ö'n Europa zurückzuziehen und ihm fortab fernzubleiben. Es gebe eine Grenze für die Hilfeleistungen, die anderen gewährt würden, wenn sie eine Politik und ein Programm verfolgten, die die Hilfe vergebens und unwirksam machten. Wenn gesagt werde, daß Frankreich ein Recht auf die ungeschützten Reparationszahlun­gen habe, um die Kriegsschäden zu decken, so könne geantwortet werden, daß die von Deutschland geleisteten Zahlungen verschiede­ner Art etwa 9,5 Milliarden Dollar be­trögen hätten, wovon 52 Prozent Frankreich zugefallen seien, also ebensoviel, wenn nicht mehr, als Frankreichs eigene Schätzungen der Kriegsschäden be­trügen. Auf die Frage, was er unter drasti­schen Rüstungseinschränkungen verstehe, erklärte Borah: eine dreißig- bis vierzigprozentige Ein­schränkung.

erzielen, was dem Gefühl der Unsicherheit kein Ende machen würde. Eine zeitweilige Vereinbarung würde die Krise nur verlängern. 3n finanziellen Kreisen würde immer stärker die Ansicht vertreten, daß die Dinge sobald wie möglich auf die Spitze getrieben werden sollten. Wenn eine befrie­digende Regelung nicht zu erreichen sei, dann sollte Deutschland sich zu weiteren Zahlungen unfähig erklären und die Regierungen, die Kriegsschulden haben, sollten Deutschlands Beispiel folgen.

Der liberaleNews Chronicle" erklärt, es handele sich jetzt nicht mehr um eine deutsche Frage, sondern um ein Weltproblem. Ohne eine befriedigende Regelung der deutschen Finanz­lage werde der Handel völlig ins Stocken kommen und die finanzielle Läh­mung der Welt werde andauern und sich ver­schlimmern.Financial Times" schreibt, der Bericht gebe einen deutlichen Wink, daß die Gläubiger Deutschlands nach einem Verzicht auf alle Reparationszahlungen nicht imstande sein werden, die Last ihrer Zahlungen an die Vereinigten Staaten weiter zu er­tragen und fügt hinzu: Wenn die Vereinigten Staaten nicht Zugeständnisse machen, die über das Hooverjahr hinausgehen, sieht sich Europa gezwungen, die Initiative zu ergreifen.Observer" sagt mit rück­sichtsloser Offenheit, daß die Nachkriegspolitik in ihrem wilden Reparationstraum die Welt von einem ilnglüd zum anderen geführt habe. Es sei gänzlich zwecklos, jetzt wieder eine neue Art von Voungplan ausarbeiten zu wollen. Die Welt habe lange genug unter den Reparations­und Kriegsschulden gelitten. Sie könne diese Bürde nicht mehr länger mit sich Herumschleppen. Sunday Times" sagt, alle Voraussagen der Haager Konferenzen hätten sich trügerisch er­wiesen. Der eine Mann, der jede optimistische Auffassung abgelehnt habe, sei Schacht gewesen. Einige der Konferenzteilnehmer im Haag hätten geglaubt, er sei ein schlauer Schauspieler. Heute mühten sie ihn jedoch als den wahren Pro­pheten anjehen.

und die nur von den Regierungen ergriffen werden können.

Der Sachverständigenbericht selbst unter­streicht die D r i n g l i ch k e i t solcher Maßnahmen. Die Folgen für alle Wirtschaftsvölker Europas, aber auch der überseeischen Länder, müssen kata­strophal sein, wenn das Vertrauen nicht wieder­hergestellt und nicht die Voraussetzung eines ge­ordneten weltwirtschaftlichen Verkehrs neu ge­schaffen werde.

Auch Reichskanzler Dr. Brüning nahm dann das Wort und hob besonders zwei Punkte hervor: Das ist erstens, daß der Bericht in der Schärfe der Präzisierung einen Rückschritt gegen­über dem Wiggins-Bericht darstellt. Das war zu erwarten, weil es sich bei dem Basier Ausschuß um ein juristisches Instru­ment des Voung- Plans handelt. Für unsere Sachverständigen war es schwer, innerhalb dieses Rahmens ihre Aufgabe so zu erfüllen, daß die wahre Lage ertennbar wird. Das ist ge­lungen, und das ist der entscheidende Gesichts­punkt. In Abschnitt 4 des Berichtes wird der ur­sprünglich vom Voung-Plan vorgesehene Rahmen gesprengt.

von französischer Seile ist versucht worden, die gegenwärtige Krise als vorübergehend hinzustellen, auf die wieder eine normale Pro­sperität folgen werde. 3m Bericht kommt zum Ausdruck, daß Deutschland dann kraft seines industriellen Apparates in eine besonders günstige Lage kommen werde. Die Auffassung aber, als brauche deshalb

keineswegs großzügig an die Probleme heran­gegangen zu werden, wird ausgehoben durch die sofort folgende Feststellung, daß die Besserung der Lage mit hilfeder Empfehlungen des Ausschusses herbeigeführt wer­den muß. Die enge Begrenzung, die in der Konstruktion des Sonderausschusses liegt, und die dem Bericht verschiedentlich anzumerken ist, wird zweifellos in den Ländern, in denen man sich über die Zusammenhänge der großen Krise inzwischen klar geworden ist, eine starke

Enttäuschung Hervorrufen.

Ruhigeres Urteil in Paris.

Paris, 27. Dez. (TU.) DerTemps", der noch am Samstag gegen die Auffassung Dr. Brünings Stellung nahm, und noch einmal hervarhab, daß eine Herabsetzung der Reparationen ohne einen Ausgleich auf der amerikanischen Seite undenk­bar sei, zeigt sich am Sonntag wesentlich verträg­licher. Das Blatt zieht die Bilanz Deutschlands und kommt dabei zu dem Schluß, daß das Reich nicht in der Lage sei, seinen Verpflich­tungen nachzukommen. Auf der bevorstehen­den Konferenz werde man sich angesichts der ameri­kanischen Haltung nur der Reparationsfrage gegen- übersehen, die im Rahmen des Joungplanes auf­gerollt werden müsse. Bei der Lösung dieses Pro­blems müsse man den Rechten der interessierten Regierungen Rechnung tragen, die ihnen aus den Verträgen zustünden. Neue Formeln zu improvisie­ren, wurde dazu führen, die Krise nur noch zu ver­schärfen und die zivilisierte Welt vor gefährliche politische und wirtschaftliche Auswirkungen zu stellen. Theoretisch sei Deutschland wohl in der Lage, sowohl den Reparationsoerpflichtungen nachzukommen, als auch den größten Teil feiner sich auf zwölf Milliarden Reichsmark belaufenden kurz­fristigen Kredite zurückzuzahlen. Praktisch sei dies jedoch nicht möglich, da die deutschen Gut­haben im Auslande und im Inland im Augenblick zu mindest nicht hereingebracht werden könnten. Die deutsche Bilanz sei in Wahrheit eine Konkurs­bilanz. Die Frage, vor die man nunmehr gestellt sei, sei die, ob eine Möglichkeit bestehe, dos Reich vor dem vollständigen Zusammen­bruch zu retten, dessen Auswirkungen für die ganze Welt unübersehbar wären. Aufgabe der in­teressierten Regierungen sei es, die ihnen zufallende Verantwortung auf der kommenden Konferenz auf sich zu nehmen, ohne sich dabei von egoistischen Ge­dankengängen leiten zu lassen.

Crnste Lage in Indien.

London über die Entwicklung der kommunistischen Organisationen beunruhigt.

London, 27. Dez. (TU.) In Zusammenhang mit neuen, von der englischen Regierung er­lassenen Notstandsverfügungen sind fett Freitag in den fünf Distrikten der indischen Nord­westprovinz 188 Personen verhaftet wor­den. Unter den Verhafteten befinden sich zwei Zeitungsverleger und mehrere führende Persön­lichkeiten der roten Organisation. Nachdem es am Samstag in Peschawar zu schweren Zu­sammenstößen gekommen war, ereigneten sich in den verschiedenen Orten neue Zusammenstöße zwischen Polizei und Rothemden. An einer ©teile wurde eine Polizeiabteilung, die einen Mann wegen unbefugten Waffentragens verhaftet hatte, angegriffen und mußte sich in ein Haus ein* schließen. Die Polizisten wurden gezwungen, den Gefangenen und die beschlagnahmten Waffen wieder herauszugeben.

Der Präsident des Allindischen Kongresses, Pandit Iahwarlal Nehm wurde auf der Reise von Allahabad nach Bombay von der britischen Polizei verhaftet. Pandit Nehm war im Be­griff, in Bombay eine Versammlung des Arbeits­komitees des Indischen Kongresses zu besuchen. Gleichzeitig mit Nehm wurde ein anderes be­deutendes Kongreßmitglied verhaftet.

In der gesamten Londoner Presse kommt be­trächtliche Beunruhigung über die Ent­wicklung in Indien zum Ausdruck. Der Bericht einer Agentur aus Peschawar» wonach bri­tische Truppen auf Rothemden ge­feuert und ihnen Verluste von acht Toten und 50 Verwundeten beibrachten, ist bisher von Reuter nicht bestätigt worden. Die indische Re­gierung. beunruhigt durch die Drohung der Gesetz­losigkeit. die nach Gandhis Rückkehr mor­gen in Indien eintreten soll, hat alle Kräfte der Ordnung mobilisiert, um die Rothemdengefahr an der Nordwestgrenze zu bekämpfen. Der Führer der Rothemden ist verhaftet und hinter Drahtverhau in einem entfernten Konzentrations­lager untergebracht worden. Stündlich finden Ver­haftungen prominenter Agitatoren statt.

Ein seltsamer Zwischenfall in Moskau.

Moskau (über Kowno>. 27. Dez. (TU.) Der Sekretär der Diplomatischen Vertretung der Tschechoslowakei in Moskau. Vannjek. hat auf Grund einer Aufforderung des Außenkom- mifsariats der Sowjetunion das Gebiet der Sowjetunion innerhalb 24 Stunden verlassen müssen. Nach den bisherigen Fest­stellungen soll Vannjek einen Beamten des Ver- kehrskommifsariats namens Gorin aufgefordert

England fordert eine Oanerlösnng.

Oie Aufnahme in Berlin.

Reichskanzler und Zinanzminister über den Bericht der Sachverständigen.