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Wie dieDAZ." berichtet, hat zwischen der deutschnationalenReichstagsfraktion undderReichsregierung eine F ühlung- nähme über die Möglichkeit einer Rückkehrdcr Fraktion in den Reichstag stattgefunden. Hierbei soll der Vorschlag gemacht worden sein, daß die Reichsregierung dafür sorge, daß der Reichstag fein? Beratungen a u f eine Woche unter­breche. Dieser Vorschlag soll ober auf beiden Seiten wenig Gegenliebe gefunden haben.

Kriiikam Nationalsozialismus Der württcmbcrgische Staatspräsident über den Kurs der Mitte.

(Stuttgart, 26. Sehr. (WTB.) Dor katholi­schen Akademikern sprach der württembergische Staatspräsident Dr. Bolz, anj Nationalsozialis­mus rühme er, daß er das Nationalgefühl ftärfen wolle, daß er aber an 'ihm tadeln müsse, daß er dieses Nationalgefühl in falsche Bahnen lenke. Jeder anständige Mensch in Deutschland wolle die Beseitigung des Ber- sailler Bertrages und der Tributlasten, aber noch kein Nationalsozialist habe den Weg ge­wiesen, wie dieses Ziel zu e-rreichen sei. Da eine gewaltsame Aufhebung der Tribut­leistungen unbedingt den Krieg zur Folge hätte, den Hitler selbst nicht wünsche, bleibe nur der Verhandlungsweg. Um eine ähnliche Situation wie bei den Verhandlungen um den Voungplan künftig zu vermeiden, wolle die Reichs- regierung Br n'.ng zuerst dieNeichsfinan- zen sanieren und dann erst die Neparations- verhandlungen einleiten. Erst nach der Sanie­rung der deutschen Finanzen, erst dann, wenn das deutsche Volk erst auch einmal nein sagen könne, sei der Weg zu Verhandlungen offen, ohne daß im Inland alles zusammenbreche.

In der Innenpolitik seien die Ziele der Nationalsozialisten gleich verhängnisvoll. Das Dritte Neich Hitlers, eine Kopie Mussolinis, be­deute bestimmt den Bürgerkrieg. Die in den freien Gewerkschaften wohl organisierten Arbeiterrnasfcn, die Hitler nicht habe spalten kön­nen, würden nicht ruhig zusehen, wie Hitler, ge­stützt auf die Wahlerfolge eines blinden Volkes, sich auf den Thron setze. In diesem Bürgerkrieg werde nicht Hitler, sondern diegeeinteLinke Sieger sein. Aufgabe einer besonnenen Politik der Mitte sei es, das Aneinandergeraten der bei­den radikalen Massen rechts und links zu ver­hindern. Wenn der nationalsozialistische Sturm noch ein Iahr andouere, dann habe er die feste Lieberzeugung, daß die Bewegung sich überschla­gen inerte. Daher gelte es, Zeit zu gewin­nen, noch ein paar Monate den Reichstag zu- sammen^uhalten und Neuwahlen zu vermeiden.

Auf eine Anfrage, ob die Mittelparteien, die heute neue Wege wiesen, auch im Ernstfall die nötige Macht hinter sich hätten, antwor­tete Staatspräsident Dr. Bolz, daß die Mitte den organisierten Massenbewegungen rechts und links leider nicht eine solche Masse gegenüberstellen könne. Eine Ausnahme bilde nur das Zentrum und der neuaufkommende christliche Volks- dienst. Der letzteren Partei gehöre die Zukunft. Mit ihr könne das Zentrum auch gut zusammen­arbeiten. Das Reichsbanner, das er nie ge­schäht habe, sei zur Abwehr auch nicht geeig­net. Die Kraft der Mitte beruhe vielmehr dar­auf, daß sie am Ruder sei und die Machtmittel des Staates, die Reichswehr und die Polizei fest in den Händen habe.

Hitlers Antwort an Erhardt.

Auf den Aufsatz Kapitän Erhardts Selbstmord der nationalen Opposition" ant­wortet derVölkische Beobachter" u. a.:

. Erhardt sieht die Pflicht der Opposition gegen eine national einwandfreie Regierung" darin, innerpoli- l tilr'' das Abgleiten dieser Regierung nach links zu verhindern, außenpolitisch der Regierung das Riick- 5' grat zu stärken, damit sie im Namen eines traft» , vollen Volkes verhandeln könne.

r Diese Tonart kennen wir sehr gut. Sie entspricht durchaus dem naiven politischen Denken des Nur­soldaten, der sich als Werkzeug der herrschenden Mächte fühlt, ohne die innere Kraft zu besitzen, aus eigenem das politische Schicksal neu zu gestalten. Zu­nächst ist es ein grauenhafter Irrtum, das heutige Kabinett alsnational einwandfrei" zu charakteri­sieren. Eine Tributregierung, die erst jahrelang das sterbende Volksanieren" will, bevor sie sich zu

Hier Nom - wer nörgelt dort?

Äon Dr. Gustav W. Ebenem, :Rom.

Rom, im Februar.

Ich sage Ihnen bloß: norge!"

. Das sagt mein italienischer Freund jedesmal, wenn er von Berlin anfängt zu schwärmen. Alles ist dort, wenn man ihm glauben darf, magnifico, bellissimo, splendido, semplicemente norgel Vor Begeisterung wirft er mir seinen gesamten, mit beachtenswerter Leichtigkeit gesammelten deutschen Sprachschatz an den Kopf: norgel norgel Besonders des Nachts! (Denn in Rom gibt es kein Nachtleben.) Nur eines gefällt ihm nicht: der Fernsprecher. Er behauptet, wenn man eine Tare haben wolle, so müsse man dazu atavistische Unternehmungen täti­gen, wie Rufen, Winken oder gar Hingehen. Tele­phonisch ließe sich so etwas nicht machen. Da sei Berlin weit zurück, da lobe er sich seine Vaterstadt Rom.

Und hier kann ihm niemand wiedersprechen. Hier muß jeder mit ihm übercinftimmen: einfach groß­artig!

Gewiß, aud) in der schlimmsten vormussolinischen Zeit ging es im römischen Fernsprechernetz nicht so gemütlich zu wie heute noch in Paris, aber noch vor einigen Jahren war es doch sehr angebracht, der Signorina vom Amt zu versichern, sie sei ja so sd)üöön, da werde es ihr sicher auch gelingen, die dringende Verbindung binnen einer halben Stunde herzustellen, man würde sich gewiß auch erfenntlid) zeigen, liebe sie Blumen, ja, oder Pralinen? Bitte, bitte, Signorina bella, machen Sie mir das Vergnü­gen! Darf ich hoffen, ja? Grazie, grazie, tausend Dank! Und tatsächlich, nach einer halben Stunde, zuweilen 'sogar früher begab sich ein technisches Wunder: A konnte mit B über einen Draht stellen Sie sich vor! sprechen. Wie gesagt, in Paris soll man noch jetzt darüber erstaunt sein. .

Dann wurde es dem Duce zu dumm. Er ist nicht für Techtelmechtel im Geschäftsleben. Wo die Leute nicht einigermaßen am Verdienst interessiert seien, da klappe es nicht, und Beamtinnen seien da nicht anders als Beamte. Also machte er aus dem ver­staubten Netz eine moderne, halbstaatliche Gesell-

entschlossener Nevisionspolitik aufrafft, kann gar nicht national fein, wenn man darunter mehr versteht als einige patriotische Reden und Gesten. Herr Kapitän Erhardt hat natürlich ohne es zu wollen mit seiner These ein groteskes Bild neudeutscher Herr- schaftskunst gezeichnet. Man stelle sich vor: Eine Regierung", die g e st ü tz t werden muß, damit sie nicht nad) links" abgleitet! Eine schallendere mora­lische Ohrfeige hätte Lehrmeister Erhardt seiner Re­gierung gar nicht versetzen können als mit dieser Entblößung ihres politischen Hin- und Herschwan- kens. Wir Nationalsozialisten sind trotz der weisen Ratschläge des Kapitäns Erhardt ganz im Gegenteil der Auffassung, daß eine Regierung, die cs nicht ver­

steht, die Kräfte der Nation zu mobilisieren, sondern selber einen Schutzengel braucht, um nicht ins Joch der volkszerstörenden Mächte zurückzufallen, daß eine solche Regierung eben abzutreten hat, und, wenn sie dies nicht tut, bis aufs Messer bekämpft gehört. Aber es ist vielleicht kein Zufall, daß Erhardt mit seiner in typisch liberalistischen Denken befangenen Ver­kennung des Kampfes um die Macht fick in ganz ähnlichen Irrgänger, bewegt wie gewisse Kreise, die der jungen Regierung Brüning seinerzeiteine Chance" geben wollten. Und die heute offenbar diese Chance noch ins Endlose verlängern möchten. Be­scheidene Leute.

Äau- und Derkchrsstagen im Finanzausschuß.

Oie Baubeanüen. Oie Butzbach-Licher Eisenbahn.

Darmstadt, 26. Febr. Im Finanzausschuß er­widerte auf eine Anfrage des Landbundvertreters bei KapitelH a u p t f p a r k a f f c", ob sich die Zahl der Beamten nicht auch jetzt noch herabfetzen lasse, Ministerialdirektor Dr. Schäfer, daß bereits ein radikaler Abbau erfolgt sei. Die Hilfskräfte wur­den von 106 auf 33 herabgesetzt. Der Reichssparkom­missar habe der hessisd)en Kafsenverwaltung ein un­eingeschränktes Lob gespendet.

Kapitel 111L a n d e s v e r m e s s u n g s w e - s e n" wird zurückgestellt. Der Finanzminister er­klärt, daß in der nächsten Zeit eine Verordnung vorgelegt werden soll, durch die die Feldbereinigung und das Landesvermessungswesen zusammen- gelegt werden sollen.

Zu Kapitel 112B a u w e s e n" fragt ein sozial- demokratischer Vertreter, ob nicht der Abbau der Baubeamten zu sehr auf Kosten der mittleren Be­amten geschehe. Dazu wird sestgeftellt, daß sowohl bei den Akademikern wie bei den mittleren Beam­ten je 10 v.H. der Stellen aus den In­haber gesetzt worden seien, der weiteraehende Abbau der Strommeister hänge mit Organisations- änberungen zusammen.

Der Landbund beantragt, die Becuntenstellen u m 20 Prozent zu vermindern und die Ausgaben für Anwärter und Hilfskräfte zu streichen. Die Deutsche Volkspartei wendet sich gegen den Antrag, weil auf den Nachwuchs Rück­sicht genommen werden müsse. Don der Regie­rung wird nochmals betont, daß gegenüber dem Friedensstand keine Vermehrung derDe-

amtenstellen eingetreten ist trotz erheblicher Vermehrung der Aufgaben der öffentlichen Dau- vcrwaltung. Der wechselnde .Umfang der Bau­tätigkeit drücke sich in der Zahl der unständigen Hilfskräfte aus, die entsprechend vermindert worden sind. Die Neubautätigkeit allein sei kein Maßstab für die Zahl der Beamten, deren Tätig­keit u. a. durch die Ausübung der Baupolizei und die Ausarbeitung der Ortsbaupläne erheblich vermehrt worden fei.

Ein Antrag des Zentrums zu Kapitel 115Ber­ke h r s w e f e n", die Staatszufchüffe für denFlu g- verkehr um 10000 Mark zu kürzen, wird zurückgestellt.

Das Zentrum fragt bann an, ob der Regierung bekannt ist, daß die Butzbach-Licher Eisen­bahn sich mit dem Gedanken trage, ihren B e - trieb st i l l z u l e g e n. Der Rückgang des Verkehrs sei außerordentlich groß, und der Güterverkehr spiele so gut wie gar keine Rolle. Auch der Landbund bittet um Prüfung ob der Betrieb nicht ohne öffent­liche Mittel aufrechterhalten werden könne. Von Re­gierungsseite wird mitgeteilt, daß der Bahn große Erleichterungen zuteil werden könnten, daß es aber nicht recht fei, den Betrieb künstlich aufrecht­zuerhalten. Die Post sei bereit, den Personenver­kehr zu übernehmen, den Güterverkehr könnte entweder die Butzbach-Licher Eisenbahn weiter durch­führen, vielleicht sei aud) die Reichsbahn in der Lage, ihn zu übernehmen. Die Regierung werde ge­meinsam mit dem Kreise und den Gemeinden die Frage weiter behandeln.

Abschluß Der Agrardebatte im Reichstag.

Berlin, 26. Febr. (VDZ.) Im Reichstag wird die zweite Beratung des Haushaltes des Reichs- ernährungsministeriums fortgesetzt.

Abg Or. Weber (Stp.)

betont, daß die Rettung der Landwirtschaft auch möglich sei, ohne daß die bewährten Dahnen der bisherigen Handelsvertragspolittk verlassen werden. Der Schuh der Bauernwirtschaft muß Hand in Hand gehen mit einer viel stärkeren Selbsthilfe, einer besseren Standardisie­rung der Produkte und einer Derbilli» gungundDerbefferungdes Absatzes. Genossenschaften und Handel müssen auf diesem Wege gemeinschaftlich arbeiten. Besserung kann nur durch Abwendung vom Getreide­bau zur Deredelungsproduktion er­folgen. Eine derarttge Llmstellung bedürfe natür­lich eines gewissen Schu;>e8, der aber nur vorüber­gehend sein könne. Wichtig für die Landwirtschaft sei vor allem eine Verbilligung der Kredite, Hebung des landwirtschaftlichen Bildungswesens und Herabsetzung der hohen Frachten für Dünge­mittel.

Abg. Schlange (£t>.)

begrüßt die Ausführungen von Dr. Weber, die die Möglichkeit böten zu einer sachlichen Ausein­andersetzung über die Agrarproblcme. Der Red­ner wendet sich dann an den Minister Schiele mit den Worten: Sie sind derjenige Mann, der von der sogenannten Grünen Front auf diesen Platz gestellt worden ist. Ich bedauere aufs tiefste, daß Sie vielfach von den­jenigen Menschen, die Sie auf diesen Platz vor nicht allzu langer Zeit gestellt haben, ange­

griffen werden mit einem geradezu erbar­mungswürdigen Dilettantismus. (Sehr wahr!) Man hilft der Landwirtschaft nicht dadurch, daß man sich, statt in diesem Saal, auf die Tri­büne seht und womöglich ein leises Stoß- gebet spricht, daß die Hilfsmaßnahmen des Mi­nisters mit einem Mißerfolg enden möchten.

Letzten Endes wird doch die Sachlichkeit über das Schlagwort siegen. (Beifall.! Die Agrar­frage ist heute bis weit in die Kreise der Linken hinein anerkannt als die Staatsfrage schlechthin. Meine früheren Freunde, die jetzt im Lande agi­tieren, müßte ich an das Wort unseres verstorbe­nen Helfserich erinnern:Sagen Sie dem Volke d i e Wahrheit, bas ist die beste Politik!" Auch wenn es meinen früheren Freunden gelingt, bas geltenbe System zehnmal zu änbern, so werben bie Land­wirte doch dauernd weiter im Kampf um die Er­haltung ihres Berufsstandes stehen müssen. Man kann Verständnis haben für diejenigen, die hinter den schwarzen Fahnen herziehen, denn bie Ver­zweiflung ist ein schlimmer Berater: aber ben Men­schen, bie bas Hissen ber schwarzen Fahnen forbern, denen möchte ich sagen, baß mir nicht bekannt ift, daß es jemals in ber Welt eine Staatskatastropye ober eine volkswirtschaftliche Katastrophe gegeben hätte, bei der nicht der Bauer'der erste und der größte Leidtragende gewesen ist. (Leb­hafte Zustimmung.) Meinen bedrohten Berufsgenos- fen ist es gleichgültig, von wem die Hilfe kommt, wenn nur überhaupt die Hilfe kommt. (Beifall.)

Reichsernährungsminister Schiele erklärt, bie Wiedereinführung des zollfreien Ge- frierfleischkontingents lasse sich angesichts der Lieberproduktion an deutschem Vieh aller Art

heute nicht verantworten. Zwangsmittel wolle bte Regierung keineswegs zur Durchführung des Ge- neralbestellungsplans anwenden. Sie verlasse sich da auf die landwirtschaftlichen Organisationen. Zur Senkung der Zinslasten fintf bereits unter der Führung der Reichsbank in den einzelnen Landesteilen Verhandlungen teils durchgeführt, teils noch im Gange. In Ostpreußen ist schon der Höchstsatz der Zinsen auf 10 Prozent fest­gesetzt worden. Darüber hinaus will die Regie­rung eine Erhebung über die Spanne zwischen den Zinsen herbeiführen. Damit soll der Lieber- sehung der Zinsspanne entgegengetreten werden. Der Einheitsverband der landwirtschaftlichen Ge­nossenschaften hat sich zur Llnterftühung dieses Vorgehens bereiterklärt. Die Bestimmung des Drotgesetzes, daß in Gastwirtschaften nur Rog­genbrot gehalten werden darf, sei praktisch schon durch die vielen Ausnahmen abgehoben. Zu war­nen sei aber vor einer Aufhebung des Roggen- beimischungszwanges für Weizengroßbrot.

Der Minister wendet sich bann gegen die gegen ihn gerichteten Angriffe von deutsch na-- tionalcrSeite und erklärt dazu: Die Deutsch- nationalen haben durch ihr Ausscheiden aus der Regierung wegen des Locarno- Vertrages sich der Möglichkeit beraubt, die gegen die landwirtschaftlichen Interessen verstoßenden Handelsverträge rechtzeitig an­ders zu g est alten. Nun werde ich angegrif­fen, weil ich diese Dertragspolitik natürlich nicht mit einem Schlage ändern kann. Wenn man der Landwirtschaft helfen will, dann darf man sich nicht von dem Kampfplatz entfernen, auf dem um das Schicksal der Landwirtschaft gerungen wird. Den Herren, die aus dem Sitzungssaal auf die Tribüne gestiegen sind, möchte ich zurufen: Laßt es jetzt gut sein, kommt herab, Wort und Kamps regiert die Stunde der deutschen Land­wirtschaft.

Abg. Dr. Prütz (Dolksnattonal) verlangt daß es dem Arbeiter besser ermöglicht werde, sich anzusiedeln, um so die menschenüber­füllte Industrie zu entlasten und dafür den menschenarmen Osten mit einem neuen Stamm freier Bauern zu bevölkern.

Abg. Huth (Bayer. Dp.) wendet sich weiter gegen die große Einfuhr von ausländischem Obst und Gemüse. Wenn jetzt im Reichstag manches nicht erreicht wird, was sonst für die Land­wirtschaft erreicht werden könnte, so tragen die Schuld daran die Deutschnationalen und die Nationalsozialisten, die sich aus der Kampffront in die Etappe begeben haben. Sie werden von den Bauern die Quittung dafür erhalten.

Abg. Frau Dr. Weber (Z.) bedauert, daß beim Etat des Ernährungsministers zu wenig von den Konsumenten gesprochen werde. Der Minister sitze hier nicht als Beauf­tragter der Grünen Front, sondern des gan­zen Volkes. Das Schicksal der deutschen Land­wirtschaft sei zum großen Teil davon abhängig, tote die deutsche Hausfrau einkauft. (Sehr richtig!) Es sollte viel mehr Aufklärungs­arbeit geleistet werden im Sinne einer Bevor­zugung deutscher Produkte.

Reichsernährungsminister Schiele antwortet, er nehme die Anregungen von Frau Dr. Weber gern auf. Er habe schon die Einrich­tung eines Ernährungsausschusses in seinem Mi­nisterium vorbereitet.

Damit ist die Beratung beendet. Die Abstim­mungen werden auf Dienstag vertagt.

Zollfreie Gefrierflecscheinfuhr.

Annahme des sozialdemokratischen Antrags im Ausschuß

Berlin, 26. Febr. (TU.) 3r.i handelspolitischen Ausschuß des Reichstages wurde der sozial­demokratische Gesehentwurf über die Einfuhr von Gefrierfleisch mit 11 Stim­men der Sozialdemokraten und Kommunisten gegen 8 Stimmen bei zwei Enthaltungen zweier Zentrums- abgeordneter angenommen. Die Regierung hatte sich gegen die Annahme dieses Gesetzent­wurfes erklärt. Rach dem Gesetzentwurf soll zur Versorgung der minderbemittelten Bevölkerung mit billigem Fleisch vom 1. Mär; ab jährlich ein Kon­tingent von 50000 Tonnen Gefrier­fleisch zollfrei zur Einführung zuge­lassen werden, wenn dieser Beschluß Gesetz werden sollte, so würde das ein schwerer Schlag gegen die Agrarpolitik der Re­gierung sein.

schäft, bie Societä Telefonica Tirrena, unb siehe, bie Unterhaltungsromane am Fernsprecher ver- schwanben mit einem Schlag. Man setzt jetzt einfach ben Finger in die Scheibe unb ber Staat Hilst einem aus ber Patsche, wenn bas Auto weit brausten in ber verlassenen Campagna streikt. Es ift so: man geht zum nächsten Posten, sei es nun ein Häuschen am Bahnkörper ober bei einem Wegwart, ruft 55 055, unb schon setzt sich brinnen in Rom ein Hilfswagen in Marsch, ausgestattet mit Ersatzteilen, Hebevorrichtungen, Mechanikern unb allem, was man halt brauchen könnte. Für Mitglieber bes Automobilklubs, für Kunben großer Autofabriken geschieht bie Hilfeleistung bis zu einem Umkreis von 50 Kilometer kostenlos, aber auch ber ärmste Wanberer- ober Lastwagenführer braucht niemals mehr zu bezahlen, als bie Tarife vorsehen. Die Ge­bühr für bie Telefongesellschaft beträgt nur 2 Lire, die ohne Förmlichkeiten ber Reparaturgesellschaft belastet werben. Mit einem Wort: ein Anruf genügt, um abgeschleppt zu werben.

Sie wollen wissen, wieviel Uhr cs ist? Das Amt sagt es Ihnen sofort auf die Sekunde. Wann Ihr Zug abgeht? Das Flugzeug, ber Autobus in Monte- rotonbo, bas Schiff in Tripolis? Wann biefes ober jenes Museum offen ist, was ber Eintritt kostet, wie man am besten hinkornmt? Die Signorina gibt prompt unb schnell Auskunft.

Sie kennen sich in Rom nicht aus? Wo jene Straße wohl fein mag unb in welche sie münbet? Fragen Sie bas Amt!

In welchem Theater, was, von wem unb wie gespielt wirb? Bitte sehr, ba dieses, da jenes. Ge­wiß, auch über Sportereignisse im Ausland geben wir Auskunft! Soll ich Ihnen eine Karte besorgen, einen Platz belegen? Ja, Superkino, welche Reihe? Aber natürlich können Sie auch nach Palermo eine Platzkarte haben, ich habe schon notiert, grazie.

Das alles geschieht umsonst. Nur wer bas Amt als Reiseagentur benützen und sich Pläne zusam- menstellen lassen will oder dergleichen, zahlt 2 Lire.

Irn Rundfunk hören Sie heute: das Amt sagt an.

Sie trauen Ihrem Wecker nicht? Das Amt weckt Sie mit Herauswurfsicherheit für 30 Centesimi. An- gerufen worden, während Sie nickst zu Hause waren?

Peinliche Versäumnisse infolgedessen? Gibt cs nicht mehr! Die TETI überwacht Ihren Apparat, sie bleibt ihren gesuchten Abonnenten unermüdlich auf der Spur, sie nimmt Nachrichten entgegen und erwischt Sie damit totsicher, sowie Sie zu Hause ankommen oder anderswo zu erreichen sind!

Natürlich gibt man auch seine Telegramme tele­phonisch auf ober läßt bie einlaufenben gleichfern- münblichen". Wer ein Taxi haben will, sagt es einfach dem Amt. Eine Sekunbe, höchstens eine Minute später wirb ihm mitgeteilt, welche Nummer ber Wagen hat, der unterwegs ist. Umsonst, alles umsonst! Polizei, Rotes Kreuz, Feuerwehr stehen auf Abruf bereit. Pronti!

Mittels des Amtes kann man mit feinen Freun­den auch in Abwesenheit verkehren, das Amt macht gefck)äftliche Besorgungen, selbst dringende, die wie dringende Gespräck)e allerdings mit dreifacher Ge­bühr geahndet werden, nämlich mit ber unerhörten Summe von 11 Lire.

Um Gepäck unb Hotel, um Zug und Verbindun­gen zu Land und See kümmert sich Ihr Amt, das das Amt aller ist. Und dabei brauckst man mit An­rufen unb Gesprächen nicht zu sparen, denn sie werben nickst besonders berechnet. Wer seine Diertel- jahrsrate gezahlt hat, die je nach der Kategorie der Abonnenten 60 bis 400 Lire beträgt, wobei die oberste Stufe nur für besondere Anlagen in An­rechnung kommt, während derNormalabonnent" in Großstädten jährlich auf nur 575 Lire kommt, kann dafür Tag und Nacht seinen Apparat und die Engelsgeduld ber Damen vom Amt in Anspruch nehmen. Für eine Summe von Leistungen also zahlt man täglich noch keine 2 Lire.

Und alles klappt mit automatischer Regelmäßig­keit. Mit London ober Berlin zu sprechen, bas ist so einfach wie ein Stabtgespräch.

Norge!

Machen Sie jetzt einmal einen Versuch, rufen Sie gleichviel von welcher Stabt nörblich ber Alpen Rom an: Nummer 05, fragen Sie, was morgen in der Oper gegeben wird und wie man am besten noch hinkommt.

Einfach großartig.

Zeitschriften.

Das Februarheft vomK u n st w a r t" (Call- wey, München) bringt u. a. zum 200. Geburtstage der Frau Aja einen schönen, lebendig unb einbringend geschriebenen Leitaufsatz von Hans Böhm nebst dem wohlbekannten Porträt ber Goethemutter. Ferner: Aus meinen Kinbertagen" von ber ßagerlöf;lieber, fahrt" von Julius Green, bem Erich Brock einen aus- jährlichen Kommentar roibmet; zehn sehr interessante Reproduktionen nad) Silbern von Otto Pankok, bie halb an Kubin, bald an Dix, bald an bie Modersohn merkwürbig erinnern; sehr lesenswert enblich: Petzets aktuelle Bemerkungen zur beutschen Filmzensur.

Berliner Monatsheft e", heraus- gegeben von der Zentralstelle für Erforsch ung der Kriegsursachen, Berlin NW 6. (Quaderverlag G. m. b. H.) Preis 1.50 Mk. Hat Deutschland zielbewuht einen kriegerischen Angriff auf seine Nachbarn vorbereitet? Theobald von Schäfer zeigt, daß es Deutschland sogar unterlassen hat. militärische und wirtschaftliche Maßnahmen zu treffen, wie sie wegen feiner bedrohten Lage zwischen Frankreich und Rußland mit ihren an Zahl weit überlegenen Heeren dringend geboten gewesen wären. Paul Herre hält den Darstellun­gen des 2. Bandes der Denkwürdigkeiten des Fürsten Bülow die deutschen und österreichischen Akten entgegen und macht auf die sich ergebenden Widersprüche aufmerksam. Der Herausgeber der Zeitschrift, Alfred von Wegerer, stellt die aus den Veröffentlichungen des 3. Bandes bekannt­gewordenen zahlreichen Irrtümer über den Kriegsausbruch richtig. Auszüge aus dem Tage­buch des ehemaligen russischen Außenministers, Grafen Lambsdorff, erweitern die geschichttiche Kenntnis der Gründe, die zur Nichterneuerung des Rückversicherungsvertrages nach Bismarcks Entlassung geführt haben.

Oodifcbulnacbricbfen

Professor Dr. Willy Vorkastner in Frank­furt hat den an ihn ergangenen Rus auf ben Lehr- stuhl ber gerichtlichen Medizin an ber Universität Halle als Nachfolger von Professor Pietrusky an­genommen. Dr. Vorkastner lehrte früher in Greifs­wald tls Nachfolger M. Nippes. Den Frankfurter Lehrstuhl hat er feit 1927 inne.