Hr. 49 Erstes Statt
181. Jahrgang
Zreilag, 2Z. Februar |93j
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr Friedr Wich Lange. Derantwortlich für‘Pohtiii Dr Fr Wich. Gange; für Feuilleton Dr H THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filler, fämtlich in Gießen
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©er belgisch-flämische Konflikt
Lon G. Arendonck-Brüssel
Die Gewerkschaftsführer beim Reichspräsidenten.
Heber drei Jahre hält sich in Belgien das Ministerium 3 a f p a r am Staatsruder. Cs steuert wie seine Vorgänger in Frankreichs Kielwasser. Kennzeichnend für seinen außenpolitischen Kurs ist Herr Hymans, der sich zuweilen französischer als die Franzosen gebärdet, obwohl er seiner "Abstammung nach nicht einmal Belgier, geschweige denn Franzose ist; sein Raine ist mit der Erhöhung der belgischen Gesandten zu Botschaftern verbunden, ebenso mit den Annektionsabsichten aus Holländisch-Limburg und Seeländisch-Flandern, die man dem nördlichen "Nachbarn anfangs durch Konferenzen, dann durch Drohungen abzunehmen versuchte Angesichts dieses Außenministers bedars es fast keiner Erklärung, warum Belgien am Erbteil einer einseitigen Kriegs- und Aachkriegspolitik, a m gebe t m e n Militärbündnis mit Frankreich, noch immer festhält
3n der Innenpolitik haben die Zeitläufe diese Regierung allmählich an eine Rückkehr zur Vernunft gewöhnt. Gestützt aus die beiden belgisch- bürgerlichen Parteien, auf Katholiken und Liberale, tonnte sie sich die restlose Gefolgschaft der Katholischen Partei nur sichern, indem sie die volkspolitischen Wünsche des flämisch-demokratischen Flügels der Katholikenpartei berücksichtigte. So gab sie, wenn auch nachträglich, drei Portefeuilles an Vertreter dieser flämischen Gruppe, von denen freilich nur ein gemäßigtes Eintreten für die flämischen Forderungen zu erwarten war Durch die idyllische Flamenbewegung der Vorkriegszeit verwöhnt, glaubte Herr Iaspar sich und die Seinen auf solche Weise gegen Lieberrasch ungen gefeit; man hatte keine Ahnung von den tiefgehenden Wandlungen, die das flämische Kriegserlebnis und die deutsche Besetzung hervorgerusen hatte.
So wirkte es denn aus diese Regierung wie ein Blitz aus heiterem Himmel, als plötzlich dem «Boche und Zuchthäusler" August Börms, dem Märtyrer des Aktivismus, bei der Antwerpener Wahl vom 9. Dezember 1928 d ie Mehrheit der Stimmen, 83 000, zufiel. Mit gelindem Schreck erkannte man, daß der bisherige Weg blinder Gewalt und der Unterschätzung der flämischen Bestrebungen nicht der richtige war, und suchte sich mit Halbheiten herauszuhelfen. Man brachte schleunigst ein Amneft iegeseh heraus, durch das Dorms zwar in Freiheit gesetzt wurde, aber derpolitischenRechteverlustigblieb, also nicht in die Kammer einziehen konnte. Es half nicht viel. Durch die Wahlen von 1929 kam Ward Hermans dafür hinein, der im selben Jahre den französisch-belgischen Geheimvertrag im Utrechter Dagblad veröffentlicht hatte und der Regierung Iaspar nun auch als Parlamentsredner bittere Stunden bereitete.
Um sich während des Jubeljahres an der Regierung zu halten und dem Ausland gegenüber während der Jahrhundertfeier den Anschein belgischer Einigkeit zu bieten, muhte das Ministerium Iaspar 1930 den Flamen ein Zugeständnis nach dem anderen machen' Cs muhte die ©enter französische Universität in eine niederländische verwandeln; es muhte — im Anschluß an den Fall Joris de Leeuw und die anderen Gehorsamsverweigerungen im Heer — wenigstens für die Kompanien, Schwadronen und Batterien der flämischen Kontingente die französische Kommandosprache durch die niederländische ersetzen. Cs wird auch im Fall Hui in de Loo nachgeben müssen, dem französisch gesinnten Professor, den die flämischen Genter Studenten mit sanfter Gewalt aus Hörsaal und Hochschule entfernten, und es muhte erleben, daß hier die flämische Universität 1600 Studenten zählte und die daneben errichtete, vom Staate besonders geförderte französische Haute Ceole nur - vierzehn!
Rach allen diesen innerbelgischen Miherfolgen hat das Kabinett jetzt auch gegen seine Außenpolitik einen derartigen Angrifss- sturm zu gewärtigen, dah in einem anderen Staate sein Sturz längst vollendete Tatsache wäre. Stets haben die flämischen Rationalisten die Flamenpolitik als eine europäische, nicht als eine innerbelgische Angelegenheit betrachtet und demgemäß den belgisch-französischen Ge- heimvertrog bereits vor Ward Hermans Utrechter Veröffentlichungen heftig bekämpft. Mit der Zeit ist es in den Reden von Borms, Ward Hermans und Leuridan ein „Ceterum censeo“ geworden, dah die Flamen, wenn der Geheimvertrag mit Frankreich zu cincm_ Kriege gegen Deutschland ober gar Holland führen sollte, sich weigern würden, noch einmal gegen ihre germanischen Stammverwandten zu kämpfen. Sie fordern immer wieder die Kündigung dieses Militärabkommens. Seit einigen Wochen mehren sich ihre Bundesgenossen. Die Sozialdemokraten, die mit ihnen die Opposition gegen das katholischliberale Kabinett Iaspar bilden, sind schon im -Fall Joris de Leeuw, wenn auch aus anderen Grundsätzen, mit ihnen Hand in Hand gegangen und haben durch ihren Druck zur Einteilung des Heeres in flämische, französische und deutsche Ausbildungseinheiten mitgeholfen. Ihr Führer D a n- dervelde, der vormals selbst das französisch- belgische Geheimabkommen mit seiner Verantwortung als Außenminister gedeckt hatte, hat jetzt an verschiedenen Stellen ernstlich seine Stimme dagegen erhoben. Vielleicht hält er die Zeit für gekommen, die katholisch,- liberale Koalition zu stürzen und sich selbst wieder mit ftämischcn Demokraten ans Ruder zu setzen oder Neuwahlen herbeizuführen. Zugleich zieht er die
Berlin. 26. Febr. (WTB. Amtlich.) Reichs- Präsident v. Hindenburg empfing heute in Gegenwart des Reichskanzlers Dr. Brüning und des Reichsarbeitsministers Dr. S t e g c r - Wald Vertreter der verschiedenen gewerkschaftlichen Richtungen, und zwar vom Allgemeinen Deutschen Gewertsa-astsbund L e i p a r t und Grahmann, vom Allgemeinen Freien Angestelltenbund S t ä h r. vom Deutschen Gewerkschaftsbund I m b u s ch und B e ch l i und vom Gewerkschaftsring deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbände Schneider. Die Gewerkschaftsführer berichteten tem Herrn Reichspräsidenten über Zweck und Ziele der gewerkschaftlichen Organisationen und über die zur Zeit die arbeitende Bevölkerung bedrückenden schweren Sorgen. Die Besprechung berührte die Fragen der Arbeitslosigkeit, bet wirtschaftlichen Rot der Arbeitslosen, insbesonbere bet langfristig Erwerbslosen, Verkürzung der Arbeitszeit, Lohnabbau, soziale Versicherungen und Schlichtungswesen, sowie die agrarpolitischen Pläne der Reichsregierung. Am Schlüsse der Besprechung überreichten die erschienenen Vertreter dem Herrn Reichspräsidenten eine die Wünsche und Vor- sch.äge der Gewerkschaften enthaltende gemeinsame Denkschrift.
In der Unterredung erklärte
der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes
Theodor Leipart:
Bei aller Würdigung der schwierigen Lage anderer Berufsschichlen bleibt unbestreitbar, daß Not und Elend nirgends so groß sind, wie bei den fünf Millionen Erwerbslosen und deren Familien. Unsere Hauptsorge ist die um das Schicksal der unfreiwillig Arbeitslosen. Nicht zuletzt in Auswirkung der die Kaufkraft verringernden Löhne ist die Zahl der Arbeitslosen gestiegen. Die E i n st e l l u n g der von den deutschen Unternehmern und amtlicherseits getriebenen Lohnsenkungspolitik ist eine der ersten Voraussetzungen zur Gesundung der Wirtschaft und zur Beruhigung der deutschen Ar- beitnehiner. Soweit der Abbau der Preise in Frage kommt, vollzieht er sich langsamer als die Senkung der Löhne und Gehälter. Auf weiten Gebieten ist ein Zurückgehen der Preise noch kaum sichtbar. Die Erhöhung des Inlandverbrauches bedingt eine kaufkräftige Landwirtschaft, deren Schutz aber innerhalb der Grenzen zu bleiben hat, die von der Rücksicht auf unseren inbu- ftriellcn Export und auf die Lebenshal- tung der breiten Massen gezogen werden müssen. Wir müssen aber darauf Hinweisen, daß die gegenwärtig vorliegenden agrarpolitischen Pläne über diese Grenzen teilweise weit hinaus- gehen und abgelehnt werden müssen. Bis zur vollen Beschäftigung des deutschen Produktions- apparates muß die Arbeitszeit wesentlich verkürzt, möglichst auf regelmäßig 40 Stunden wöchentlich gesenkt werden. Als eine unbedingte Notwendigkeit sehen wir die Erhaltung eines rechtlich gesicherten Anspruches auf ein. Existenz- Minimum für die arbeitslosen Volksgenossen an. Mit besonderem Nachdruck erlauben wir uns, die Aufmerksamkeit auf die Angriffe zu lenken, die gegen die tarifvertragliche Regelung der Arbeitsverhältnisse, das Schlichtungswesen, einschließ- sich der Verbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen, und gegen die Sozialversicherung geführt werden. Die deutsche Arbeitnehmerschaft kann und darf nicht dulden, daß ihr Mitbestimmungsrecht bei der Gestaltung der Arbeitsverhältnisse und das Anrecht auf gesetzlich gewährleisteten Schutz im Falle unverschuldeter Leistungsunfähigkeit ange- tastet wird. Die deutschen Arbeitnehmer haben seit- her stärkste Opfer gebracht. Sie müssen es aber als dcm Gesamtwohl widersprechend ablehnen, im Mißverhältnis zu anderen Volksschichten über ihre Kraft hinaus mit den Folgen der Wirtschaftskrise belastet zu werden
Reichsarbeitetminister Stegerwald erklärte, er würde an dem Kern der Tarifverträge, an dem Kern des Schlichtungswesens und an dem Kern der Sozialversicherung während seiner Amtszeit nicht rütteln lassen. Aber es gebe auf diesem Gebiete noch eine Anzahl I n f l a t i o n s • erfdje Inungen und eine Anzahl Unausgeglichenheiten, die noch beseitigt werden müßten und wo die Gewerkschaften auch noch Konzessionen machen könnten. Den Vertretern der Arbeitgeber, die in den letzten Tagen von ihm verlangt hätten, das staatliche Schlichtungswesen wenigstens vorübergehend zu suspendieren, habe er geantwortet, daß er das entschieden ablehne.
Reichskanzler Dr. Brüning
führte aus, daß die Regierung die heutigen Verhandlungen mit den Gewerkschaftsvertretern von sich aus weiter fortsetzen werde. Er wolle aber heute schon gegenüber irreführenden Mitteilungen in der Oesfentlichkeit sagen, daß die Er- m ä ch t i g u n g . die die Regierung in dem neuen
agrarpolitischen Gesetzentwurf vom Reichstag verlange, nicht so gedacht fei, daß die Regierung nun sofort Zollerhöhungen durchzuführen beabsichtige; vielmehr solle jede eventuelle Zollerhöhung davon abhängig sein, daß die Landwirtschaft zuvor gewisse Bedingungen auf dem Gebiete der Selbsthilfe erfülle, z. B. auf dem Gebiet der Rationalisierung, der Standardisierung, der Aerkaufsorganisation durch Ausbau des Kenostenfchaftswesens usw. Der Reichs- ernährungsminister habe erklärt, daß er der Landwirtschaft für die Durchführung dieser Sclbhilfc- maßnahmen bestimmte Termine setzen werde, und erst nach Erfüllung dieser Bedingun- gen werde die Regierung sich bereit erklären, von der Ermächtigung eventuell Gebrauch zu machen.
Der Reichspräsident schloß die Unterredung mit dem Bemerken, daß er die Sorge der Gewerkschaften teile, daß er gewiß tun wolle, was tn seinen Kräften stehe, zu helfen und daß er glaube, daß auch die Regierung ihrerseits das Notwendige und Mögliche gleichfalls tun werde Man dürfe aber den Mut nicht verlieren.
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Vor dem Reichspräsidentenpalais. Don links nach rechts: Letpart und Graßtnann (ADGB), B e ch l i (Deutscher Gewerkschaftsbund) Schneider (GDA.), I m b u s ch (Deutscher Gewerkschaftsbund), dahinter Stähr (Asa-Bund), Reichsarbeitsminister Stegerwald.
Oer innerpolitische Kurs.
Hugenberg
an den Reichskanzler.
Hannover, 26. Febr. (ERB) Auf einer Kundgebung der Deutschnationalen Volkspartei erklärte der Parteiführer Dr. H u g e n b e r g u. a., der Glaube an einen Mittelweg wird Brünings Verhängnis fein, falls er ihn wirklich haben sollte. Daß mit diesem Mittelkurse, weil er in Wahrheit ein Kurs zur Rettung der Sozialdemokratie ist, weder die Rettung der Landwirtschaft, noch Wehrpolitik, noch auswärtige Politik, noch irgendeine andere erfolgreiche Politik möglich ist, haben wir Tausende von Malen immer wieder gesagt. Um mit der Sozialdemokratie regieren zu können, verlangt man, daß die Rechte gehorsam zur Hilfe kommt, wenn man selbst mit der Sozialdemokratie nicht mehr fertig werden kann und zweifelt die politische Moral und das Verantwortungsbewußtsein derjenigen an, die sich dazu nicht hergeben. Dies falsche
Spiel ist nun vorbei. Die Wahlen vom 14. September 1930 haben dies Spiel in Deutschland endgültig abgeschlossen. Der Auszug der nationalen Opposition aus dem Reichstage hat die neue Sachlage klar vor aller Augen gestellt. Ich habe um der Sache, um des politischen Zieles willen in einem kritischen Augenblick meine ganze Partei aufs Spiel gesetzt. Und sie ist innerlich dadurch stärker geworden und wird es auch äußerlich wieder werden. Wenn Herr Brüning notfalls in ähnlicher Weise seine Partei aufs Spiel setzen wollte, so könnten wir das ihm angeblich vor- schwebende Ziel einer wirklichen Rechts» regicrung innerhalb weniger Wochen erreichen, so würde das deutsche Schicksal innerhalb weniger Wochen eine entscheidende Wendung nehmen. Wir haben keine Sehnsucht nach Ministersesseln. Ein Vergnügen wird das nicht sein. Rettende Arbeit ist das, worauf cs ankommt. Es wäre eine Verleumdung, wenn jemand dem Reichspräsidenten erzähst haben sollte, daß wir sie nicht leisten wollten.
logische Folgerung aus bet beginnenden Spaltung des Heeres.
Rn Vanderveldes, des Politikers Seite, ist neuerdings noch eine andere Autorität getreten, eine militärische, der General Hellebaut. Sei es, daß ihn die Rivalität mit dem Kriegsminister de Brvgueville dazu veranlaßte, sei es, daß er als ehemaliger Befehlshaber der „Division boche' , der Antwerpener Truppen, fein flämisches Herz entdeckt hat - in Aussatz und Rede hat er an der Kriegs- und Bündnispolitik der Regierung Iaspar schärfste Kritik geübt. Er tritt für eine «Ergänzung" des französisch-belgischen Bündnisses durch Svnderabmachungen mit England und Holland ein und fordert die Volksvertreter geradezu auf, in der Kammer die Milttärlredite — 300 Millionen Franken — ab» zulehnen.
Dabei handelt es sich zunächst nur um die erste Rate, der noch weitere folgen werden, insgesamt um eine Ausgabe von 1250 Millionen Franken (etwa 140 Millionen Mark), das bedeutet auf den Kopf des belgischen Staatsbürgers 150 Franken! Cs ist klar, dah sich jeder einfache Steuerzahler dagegen sträuben und aus sehr handgreiflichen Gründen den Oppositionsparteien zuneigen wird. Lind so wird es denn — wenn auch das Kabinett Iaspar bei der Qlbftimmung über die Genter Hochschulkonflitte eine knappe Mehrheit (10 Stimmen) für sich gerettet hat— in der Frage der Landesverteidigung
und des Militärbündnisses au neuen, weit ernsteren Kämpfen kommen. Denen die Regierung in ihrer jetzigen Zusammensetzung nur schwer gewachsen fein Dürfte.
Oie Jlottenverhandlungen in Rom.
Rom, 26. Febr. (WTB.) Heule um 11 Uhr begannen im Palazzo Ehigi Verhandlungen zwischen dem britischen Staatsfekretär des Äußern, Henderson und dem Ersten Lord der Admiralität, Alexander, mit dem italienischen Außenminister Gran di und dem italienischen Marineminister Sirianni, sowie den italienischen Sachverständigen.
Ministerpräsident Mussolini empfing heute nachmittag im Beisein der Minister Grandi und Sirianni Henderson und Alexander. Die einstün- dige Unterredung betraf das geplante Flottenabkommen
In englischen Kreisen ist das Gerücht im Umlauf, daß sich zwischen dem Flottensachoerständigen des Foreign Office Craigie und den übrigen Mitgliedern der englischen Delegation gewiße M e i • nungsverfchiedenheiten ergeben hätten. Die Delegation soll festgestellt haben, daß Craigie bei der Berechnung der Ziffern der Tonnage, die Frankreich gegenwärtig besitze und in Bau habe.
allzu entgegenkommend gewesen sei. Die Frage sei nun, ob man unter diesen Umständen eine neue Prüfung der Ziffern vornehmen müsse.
Oie französische Kammer fühlt sich übergangen.
Paris, 26. Febr. (TU.) Die Mitglieder deS Auswärtigen Ausschusses brr Kammer haben am Mittwoch ihr Befremben herüber zum Ausdruck gebracht, daß ber Ausschuß bei den englisch - französischen Flottenverhandlungen übergangen worben sei. Es würbe ferner untersttichen, bah bas vorläufige Abkommen f ü r England unb Italien nur "23 erteile bringe, währenb Frankreich nur Zuge- stänbnisse habe machen müssen. Es war zunächst beabsichtigt, ben Außenminister unb ben Marineminister aufjuforbem, vor dem vereinigten Auswärtigen- unb Marine-Ausschuß der Kammer zu erscheinen unb sich über ben Stand der Verhandlungen zu äußern. Briand teilte aber mit, dah es ihm nicht möglich sei. vor einem Ausschuß zu erscheinen, folange 31 a » Ile n seinen Standpunkt noch nicht bekanntgegeben habe. Der Auswärtige Ausschuß beauftragte deshalb seinen Präsidenten Paul Boncour, sich am Donnerstag im Außenministerium die nötigen Aufklärungen von Briand geben zu lassen.


