Ausgabe 
26.11.1931
 
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Donnerstag, 2b. November 1951

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Nr. 217 Zweites Blatt

StaaiMrgerliche MmgMgung

ÖS

Am Samstag, 28. November, werden wir im Feuilleton mit der Veröffent­lichung einer neuen Artikelserie

Abenteuer einer Forschungsreisenden.

Auf meinen Reisen in fernen Gegenden haben eine Anzahl von Männern versucht, mich zu töten, und zwar auf die verschiedenste Weise: mit Mes­sern und Aexten, mit Gewehren und Stöcken, mit ihren bloßen Händen, mit Gift und durchZau­ber": und zwar aus den verschiedensten Gründen:

Dauer also jetzt? Statt ein ganzes Jahr nicht nur umsonst, sondern mit sehr erheblichen Verlusten zu schuften, läßt er jetzt den größten Teil seines Landes brach liegen und baut nur das an, was er im nächsten Jahre für sich allein benötigt, ein Verfahren, das ihm infolge der entsprechenden Verringerung der Selbstkosten nur noch einen Verlust von 7,50 Mark einbringt!

Die Folgen für das Land? Da der Staat von 85 Prozent seiner Dürger kein Vargeld bekom­men kann, das er dringender denn je braucht, zwingt er sie, den Ertrag ihrer Arbeit, die Ernte, zu einem Spottpreis loszuschlagen und forciert zwecks Devisenbeschaffung den Export dieser Ernte in einer Art, die für das nächste Jahr allerlei Lieberraschungen erwarten läßt. Ange­spornt durch die neueingesührteExportprämie" von 10 000 Lei pro Waggon, die auf dem Pa­pier dem Dauern, in der Praxis aber dem Händler, bei dem der Dauer ständig in der Kreide steckt, zugute kommt, wird das Getreide in einem Ausmaße auf den Markt geworfen, daß zur Zeit bereits 6200 Waggons von jenen Vor­räten verkauft sind, die für den Inland- ko n s u m des nächsten Jahres bestimmt sind. Der so entstehende Ausfall an Vorräten wird im Jahre 1932 nun noch um den Minderertrag der diesjährigen verringerten Herbstbestellung ver­größert, so daß Rumänien als ausgesprochenes Agrarland, das bisher fast die Hälfte seiner Ernten nach Deutschland ausführte, gezwungen sein wird, 1932 Getreide für den eigenen Dedarf wieder e in z u f üh renil

die Kaufkraft, besonders in Europa und Deutsch- land, so sehr geschwächt wäre. Der deutschen Landwirtschaft sei nur dann zu helfen wenn sie sich umstelle zur landwirtschaftlichen Edelproduk­tion und den Roggenanbau einschränke. Eine wer­tere Forderung sei die Standardisierung. Die Llm- stellung der Landwirtschaft könne nur langsam vor sich gehen, und es bedürfe dazu großer Opfer des ganzen Volkes. Der verschuldeten Land­wirtschaft müsse eine Stillhalteaktion zu Sine kommen, damit sie wieder auf eigene Fuße zu stehen komme. Die Landwirtschaft könne nicht ewig durch Subventionen aufrechterhalfen wer­den, sondern müsse sich durch die Llmstellung auf rentablere Wirtschaft selbst erhalten. (Beifall.)

Sodann referierte Privatdozent Dr. F. R e u - mark (Frankfurt a. M.) über

Stillhalteve.rlängerung und Reparationsreform".

Der Redner beschäftigte sich zunächst mit dem Pro­blem des Transfers, kam auf das Wesen und die Höhe der deutschen Auslandverschuldung zu spre­chen und erklärte in chronologischer Folge wie sie zustande gekommen sei und sich insbesondere aus den Reparationszahlungen durch Anleiheaufnah­men ergeben habe. Dei der Betrachtung der pri­vaten Verschuldung betonte er, daß Anleihen auf-

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) ; Bukarest, November 1931.

Lim jedermann den Wahnsinn der 3eit, in der wir leben, einmal in leicht verständlicher Form ad oculos zu demonstrieren, erlaube ich mir, meine Leser und Leserinnen auf dem Papier zu einer Autoreise nach irgendeiner rumänischen Provinz meinetwegen nach Moldau, nach Bessarabien oder der Dobrudscha ergebenst ein­zuladen, um dort irgendeinen jener unglückseligen Männer, die das zweifelhafte Vergnügen haben, sich heute alsGutsbesitzer in Rumänien" durchs Leben schlagen zu müssen, einen Besuch zu machen. Das was wir dort von einem Fachmann über die wirklichen Zustände imSchlaraffen- lande" Südosteuropas zu hören bekommen wer­den, wird hundertmal lehrreicher sein als das tiefschürfendste Expose, das die Männer in Genf von Zeit zu Zeit am grünen Tisch über die Wirtschaftskrise und die Möglichkeit ihrer Be­hebung" terminmähig, aber nutzlos zu verzapfen pflegen...

Alsdann: Zunächst Benzin in den Tank und los! Wir nehmen selbstverständlich das gute ru­mänische, frisch vom Faß für 25 Pfennig den Liter, wovon der Staat 23 für sich einkassiert, während der arme, aber sauber gekleidete Er­zeuger sich mit deren 2 in Worten: zwei be­gnügen muß. Warum? das weiß im Heimat­lande des Benzins kein Mensch, das ist in Rumä­nien so und verwunderlich bleibt nur, warum die Raffinerien unter diesen Llmständen ihre Duden nicht schon lange zugemacht haben.---

300 Kilometer Fahrt auf scheußlichen Stra­ßen! Kein Wunder: das Budget des Staates ist soeben von 38 auf 25 Milliarden Lei herabgesetzt worden, weshalb sämtliche Reu­anlagen, Reparaturen und Investitionen^ jeder Art bis aus weiteres unterbleiben sollen. 25 Mil­liarden Lei sind übrigens rund 600 Millionen Mark fürGroß-Rumänien" wenig, wenn man bedenkt, daß der Etat der Stadt Berlin genau so hoch war. damals, als Herr Böß die Metro­pole herrlichen Zeiten entgegenzuführen ge­dachte ...

Auch mit den anderen, meist traurigen, teils tragikomischen Beobachtungen und Erlebnissen Lieser Fahrt fassen wir uns kurz und platzen da­für- gleich mitten in den besagtenB o j a r e n"- Sih hinein. Erster Eindruck: altes Familien­gut, wundervolle Inneneinrichtung, herrliche an­tike Teppiche, schweres Silber, unzählige Räume alles großzügig und weitläufig angelegt, ... kurzum genau so, wie man sich eben einenBo- jarensih" oder ein Rittergut in Ostpreußen oder dem Baltikum vorzustellen pflegt. Was man sich jedoch nicht vorstellen kann, das sind d i e ä u ß e - ren Lim stände, unter denen heute diese, nach unseren Begriffen sehr wohlhabenden Leutchen, im fruchtbarsten Agrarlande Südosteuropas zu leben gezwungen sind. Rein äußerlich gesehen fehlt ihnen in der Tat nichts: zwar hat der Staat anläßlich der Agrarreform den größten Teil Les Landes fortgenommen und die ehemaligen Besitzer mit Staatsbons zu 2000 Lei (50 Marl) pro Hektar entschädigt, aber diese Papiere sind mittler­weile um die Hälfte gefallen und kein Mensch will sie mehr in Zahlung nehmen. Im­merhin, von dem reichlich bemessenen Dest-Grund- besitz könnte oder müßte auch heute noch die zahl­reichste Familie sorgenlos, heiter und froh wie ein hoch- und festbesoldeter, pensionsberechtigter Staatsbeamter der deutschen Vorkriegszeit leben können, ohne auf irgendetwas Verzicht zu lei­sten, was das Leben lebenswert macht. Dem ist aber leider nicht so: diese äußerlich reichen Man­schen besitzen in phantastischer Fülle zwar alles,

was der inneren Rotdurft des Leibes und des Magens dient ihnen fehlt jedoch restlos das, was der Städter und sei er der Aermsten einer immerhin noch ab und zu einmal zu sehen bekommt ... nämlich Geld, das harte, bare oder knisternde Geld.

Zur Zeit funktioniert allerdings die rumänische Landwirtschaft noch mit Ach und Krach, aber nur, weil sie zu Methoden zurückgekehrt ist, die mal vor der Sintflut modern waren. Ein Beispiel aus Tausenden: Der Gutsbesitzer braucht irgend ein paar Bretter, um einen Stall neu zu decken. Da er die paar Pfennige dazu nicht hat, be­zahlt er den Holzhändler mit einigen Sack Mais aus seiner Rekordernte, und da er selbstver­ständlich auch seine Handwerker-Landarbeiter, die bei zehnstündiger Arbeitszeit täglich 50 Pfennig bekommen, am Schluß der Woche nicht bar ent­lohnen kann, so bezahlt er sie eben mit den Bret­tern und Rägeln, die übrig geblieben sind! Lind diese Arbeiter sind heilsroh, überhaupt etwas Positives zu erhalten, sie sind noch froher, wenn der Gutsbesitzer einmal in der glücklichen Lage sein sollte, vom Wochenlohn, der drei Mark be­trägt, 25 Pfennig in Hartgeld bar anzuzahlen!

Zustände wie bei den alten Sumerern? Gewiß! Aber woher soll der Agrarier Bargeld nehmen? Er hat z. B. wundervolle, unter ihrer Last zu­sammenbrechende Kirschbäume im Garten und bekommt für das gepflückte Kilo 2,5 Pfennig. Eine einfache Berechnung ergibt aber, daß der Pflückelohn teurer kommt als die Früchte, also läßt er die Kirschen hängen und verfaulen und ißt den Rest selber. Mit den anderen Obstsorten ist es genau so, und das Wenige, was durch zwanzig Zwischenhändler schließlich in die Stadt kommt, ist mitlerweile genau zwanzigmal teurer und damit für die breite Masse unerschwinglich geworden.

Lind mit dem Getreide, dem eigentlichen Rückhalt und Rückgrat der rumänischen Land­wirtschaft, sieht es heute noch schlimmer aus. Diese einst so reichen Bojaren haben von jeher sehr großzügiggewirtschaftet" und stecken in­folgedessen heute, genau wie der simple Bauer, seit Jahren bis an den Hals in Schul­den. Diese Schulden sind nun aber infolge der ständig fallenden Grundstijckspreise, rückständiger Steuern und der immer wieder gestundeten, aber exorbitant hohen Dankzinsen bis 40 Prozent des Leihkapitals!! ins Phantastische angewach- son und man hat berechnet, daß auf jedem Hektar 32 000 Lei oder 800 Mark Schulden jeder Art liegen. Das bedeutet gemessen an den Grund- stückspreisen daß kein rumänischer Landwirt heute mehr Herr auf sei­ner Scholle ist! Run braucht aber der Staat, um seinen inneren und vor allem seinen äußeren Verpflichtungen nachkommen zu können, zur Zeit dringend Geld, und da Rumänien zu 85 Prozent aus Landwirten besteht, muß er sich im wesent­lichen an diese Leute halten, die siehe oben! dieses Geld nicht haben! Infolgedessen bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Steuern in na­tura einzutreiben, wobei für je 250 Mark Außenstände ein Waggon Weizen oder 10 000 Kilogramm Getreide in Rechnung gesetzt wer­den, ein Betrag, den auch der Bauer vom Auf­käufer bekommt, der also den Zentner Weizen mit 1 Mark 25 Pfennig ersteht. Run wird jeder ohne weiteres zugeben müssen, daß man 125 Reichs- Pfennigen keinen Zentner Weizen erzeugen kann, weil der Bauer unbedingtzusehen" muh. Das tut er auch in Rumänien: an der Ernte jedes ' Hektars verliert er nicht weniger als 45 Mark. IWie er darüber hinaus von diesem Defizit sein

Leben, seine restlichen Steuern und Bankzinsen bezahlen soll, ist ein Kunststück. Was macht der

Zeitschriften.

Hessenlan d." Monatsschrift für Lan­des- und Volkskunde, Kunst und Literatur Hessens, in Verbindung mit Fachberatern herausgegeben von Dr. C. H i h e r o t h. Verlag R. G. Elwert in Marburg (Lahn). Das neue Heft bringt u. a. den Vortrag, den Professor Walter Kürschner, Marburg, in verschiedenen Städten über die Lei­den Hessens im 30iährigen Krieg, besonders im Kroatenjahr" 1637 gehalten hat. Er weist nach, daß, wenn man auch von der bisher geltenden Anschauung über die Greuel im 30jährigen Kriege manche starke Abstriche machen muß, doch die Leiden Hessens so furchtbar gewesen sind, daß alle unsere Kriegs- und Rachkriegsleiden in der Heimat nicht damit verglichen werden können. Eschwege, Allen- dorf und andere Orte sind z. B. damals fast völlig vom Erdboden vernichtet worden. Sinngemäß schließt sich an diesen Vortrag ein Bericht von Bürgermeister a. D. Grün über zwei Episoden aus dem Dreißigjährigen Krieg an, die sich in Kirch­hain abgespielt haben. In Oberhessen wird wei­tere Kreise die Beschreibung einer Superintcnden- tenwahl im Jahre 1789 interessieren. Ausführ­liche Berichte von Zweigvereinen des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, in denen viel geschichtliche Einzelheiten enthalten sind, bilden den Abschluß.

Daraus ergibt sich folgende groteske Tatsache: Lim seiner momentanen Kassenschwierigkeiten Herr zu werden, die aus der blutigen Arniut seiner Bauern resultieren, wirft der Staat die Rekordernte dieses Jahres zu Dumpingpreisen auf den Weltmarkt. Damit ist weder dem Dauern noch dem Staate gedient, der im nächsten Jahre falls bis dahin die Welt nicht endgültig aus Len Fugen gegangen sein sollte mit teuren De­visen, teures Getreide zurückkaufen muh. Geholfen ist also niemandem, nicht einmal dem Händler, der zwar grohe Zwischengewinne einsteckt, der aber einen erheblichen Teil seines Verdienstes über Rächt wieder eingebüht hat, weil die lang­fristigen Lieferungsverträge--auf englische

Pfund lauten und es diesem Pfunde bekanntlich zur Zeit gar nicht gut geht.

Also was bleibt? Es bleibt als einzigster posi­tiver Wert spottbillig erzeugtes Getreide, das jetzt auf Schleppern, Dampfern und in Waggons in der Welt herumreist, Getreide, das fast nichts kostet und das in solchen Mengen vorhanden ist, daß man damit nicht nur ein halbes Dutzend hungernder chinesischer Provinzen, sondern ganz Europa satt niachen könnte.

Aber dieses Europa hungert weiter und muh weiter hungern, weil risum teneatis amici! billiges Brot in überreichlichem Mähe voryanven ist!

Wer begreift diesen Wahnsinn?

Ich nicht! Lind der Hungernde wohl erst recht nicht ...

Linier starker Beteiligung der Bürgermeister i und Lehrer des Kreises Giehen fand gestern vor­mittag im Cafe Leib, veranstaltet von der Reichs- ! zentrale für Heimatdienst, eine staatsbürger­liche Dildungstagung statt. Provinzial- direktor Graes eröffnete die Tagung und wies auf die Bedeutung der zur Behandlung stehen­den Themen hin.

Als erster Redner sprach Syndikus Dr. Eh­lers-Frankfurt a.M. über das Thema

Die Rot der Landwirtschaft, eine Schicksals­frage des deutschen Volkes".

Er führte u. a. aus: Die Rot der deutschen Land­wirtschaft sei keine spezifisch deutsche Rot. Im Ausland sei die Rot zum Teil noch gröher, als bei uns. Auch seien nicht alle deutschen Land­striche gleich schwer betroffen. Die Krise sei schon vor dem Kriege latent vorhanden gewesen, wäh­rend des Krieges seien die Böden ausgelaugt worden, da die Düngemittel fehlten und schlechte Ernten nach dem Kriege waren die Folgen. LInter großen Kosten habe der Boden wieder angerei­chert werden müssen. Heute sei die Landwirtschaft tief verschuldet, die Steuer- und die Soziallasten drückten schwer. Die Soziallasten seien aber eine Rotwendigkeit, da das Schicksal der Erwerbslosen für den Bestand des Staates von ausschlag­gebender Bedeutung sei. Zur Zeit trage man sich mit den Gedanken der Lohnsenkungen. Dadurch werde die deutsche Landwirtschaft in eine immer schwierigere Lage gebracht, da sie ja gezwungen- sei, den gröhten Teil ihrer Produkte in dem wenig kaufkräftigen Inland abzusehen. Außer­dem stehe der Landwirt noch unter dem Drucke der Einfuhr. 2m Getreidebau sei Deutschland nicht konkurrenzfähig, und es könne Getreide billiger beziehen, als selbst bauen. Es wäre des­halb zu erwägen, ob sich die deutsche Landwirt­schaft nicht mehr der Edelproduktion zuwenden solle. In weiteren Ausführungen wandte sich der Redner dann dem Problem von Ein- und Aus­fuhr, der innerdeutschen Getreidepolitik, der Zoll­politik, der Darlegung des Verhältnisses zwischen Wcltmarktangebot und Weltmarkt-Getreidepreis zu. Allenthalben sei aus der Welt Lleberproduk- tion, die aber nicht zu sein brauchte, wenn nicht

Geheimnisse des Zell-Lebens.

Zur Berleihunq des Nobelpreises an £tto Warburg

Durch die kürzlich erfolgte Verlobung des Ro- belpreises für Medizin an Otto Warburg ist zugleich die weitreichende Bedeutung eines Wissenschaftszweiges gewürdigt worden, demdas Wirken des von Warburg geleiteten Kaiser^lSit- Helm-Jnstituts für Zellphysiologie gewidmet ist. Warburg ist weiteren Kreisen un Zusammenhang mit bestimmten Krebsforschungen bekannt gewor­den, doch greifen seine Arbeiten weit über tnele hinaus. Sie gelten viel zentraleren biologisch- physiologischen Problemen; Ne befaßten sich von Anfang an vor allem mit der Rolle der Fermente in der lebenden Substanz.

Fermente sind äußerst komplizierte Verbindun­gen die in sehr kleinen Mengen auch schon dura) ihre bloße Gegenwart den Ablauf chemischer Vor­gänge in Zellen und Geweben gewährleisten. Ob­wohl ihre Erforschung sehr schwierig ist, gelang es Warburg, die Ratur gerade jenes Ferments zu ergründen, von dem mit Recht gesagt wurde, daß es die organische Welt regiert. Alles, was in der lebendigen Substanz geschieht, wird allem Lurch die von der Atmung gelieferten Kräfte er­möglicht. Warburg bestimmte Len Aufb au des Atmungsferments und schuf damit eine neue Grundlage für die Erforschung der physikali­schen Chemie der ^tmung. Die hierdurch vermit­telten Kenntnisse üoer diesen e ementaren Lebens­vorgang sollten sich nach verschiedenen Richtun­gen hin fruchtbar auswirken. Warburg fand, daß Las Atmungsserment dem Grundstoff des roten Blutfarbstoffes, Hämin, nahesteht und m ihm das Eisen im aktiven Zustand eine besondere Rolle svielt. Dieses Ergebnis trug dazu bei, den Auf­bau des roten Hämins imBlut der Tiere und des grünen Hämins im Chlorophyll der Pflan- zen zu ergründen, bzw. das Hämin synchetlsch darzustellen. (Arbeiten des voriahngen Nobel­preisträgers Hans F i scher München.) War­burgs Forschungen klärten auchdle Llnterschiede im Atmungstypus der Zellen. Manche Zellen ak­tivieren nicht genügend Sauerstoff und decken ihren Energiebedarf durch Vergärung von Korperzucker^ Glykogen, zu Milchsäure. Diese Vergärung ist auch die Energiequelle bei der Muskelarbeit m der Phase der Zusammenziehung.

Hier mündet das Problem der Zellatmung m das Krebsproblem ein. Die Krebszelle ist eine Zelle mit Atmungsstörung; Warburg sagt

unheimlichen Attentaten zu entziehen. Während einer Reise durch das Hinterland der Guinea- Küste, auf der ich Götzenbilder und Fetisch-Masken sammelte, hatte einer meiner Träger ein Amu­lett, das man mir nicht verkaufen wollte, ge­stohlen. Dieses gestohlene Zauberding brachte mir überall Llnglück. Ein Llnwetter zerstörte mein Zelt, und in derselben Rächt kam ein Leopard dicht an unser Lagerfeuer. Eine Giftschlange züngelte aus dem trockenen Laub hervor, als ich mich setzen wollte. Ich fühlte mich furchtbar krank, und mir ging es erst besser, als wir den Talisman zurück­gebracht hatten; ich hörte hier, daß der Medizin­mann einen Zauber auf mich gelegt hatte, durch den mein Tod vor dem nächsten Vollmond eintre­ten sollte. Als ich in den Sümpfen von Fran­zösisch-Guinea allein vom Fischen in mein Lager zurückging, warf sich mir plötzlich eine seltsame Erscheinung vor die Füße, und als ich erschrocken zurückwich, sprang der Mensch auf und suchte mich in den Llrwald zu schleppen. Rur mit größter An­strengung befreite ich mich und erfuhr später, daß es ein entflohener Sträfling war, der in der Wildnis als Einsiedler lebte . . .

aus Liebe und aus Haß, um Geldes und um der Rahrung willen, aus Eifersucht und aus Aber­glauben." So beginnt die englische Forschungs­reisende Lady Dorothy Mills eine Plauderei, in der sie auf diese gefährlichen Erlebnisse zurück- blickt.Von diesen verschiedenen Mordversuchen hat mir der kalte Stahl den unangenehmsten Ein­druck hinterlassen. Dor nicht langer Zeit fand ich mich in einem maurischen Cafe zu Biskra in der Gesellschaft von einigen jungen Arabern und Mischlingen, die augenscheinlich zu viel getrunken hatten. Einer dieser Kerle trat mit einem frechen Lachen vor mich hin und suchte mich zu küssen, indem er mich fest in seine Arme schloß. Ohne zu bedenken, wie unklug ich handelte, gab ich chm einen starken Schlag auf die Rase, so daß das Blut herausspritzte. Linker braunen Mor schen blitzt das Messer oft schneller auf, als man denkt, und so war es auch hier: der kalte Stahl fuhr wenige Zoll an meinem Hals vorbei. Glücklicherweise hatte ich die Geistesgegenwart, mich nicht zu be­wegen. Diese ruhige Haltung wurde durch ein fröhliches Gelächter der Burschen belohnt; die Hand, die das Messer erhoben hatte, fiel schlaff zurück und mein Gegner verkroch sich, von den andern verhöhnt, in eine Ecke des Cafes. Richt lange danach wurde ich in einem Gäßchen von Tunis von einem unheimlichen Gesellen, der es augenscheinlich auf meine Handtasche abgesehen hatte, angegriffen, aber ein kräftiger Stoß vor den Magen setzte ihn rasch außer Gefecht. Schwie­riger als gegen solche offenen Angriffe kann man sich im afrikanischen Llrwald gegen die geheimnis­vollen Maßnahmen der Medizinmänner schützen. Der schwarze Zauberer ist nicht nur ein hervor­ragender Giftmischer, sondern er übt auch auf das abergläubische Volk durch Suggestion eine furcht­bare Fernwirkung aus. Ein afrikanischer Medizin­mann wollte mich im Riger-Gebiet nur deswegen vergiften, weil er auf mich eifersüchtig war. Ich hatte mit Hilfe von etwas Riechsalz einen jungen Eingeborenen von einer nicht vorhandenen Krank­heit befreit, die in einem Fluch bestand, den der Zauberer des Ortes auf ihn geworfen. Der Mann wäre wahrscheinlich durch diesen Zauber gestorben; aber ich erweckte in ihm den Glauben, daß mein Zauber größer fei. Der Medizinmann hatte es auf seine Frau und sein Geld abgesehen. Als der Mann gesund wurde, legte er es darauf an, mich zu vergiften. Ich fand nicht nur vergiftete Amu­lette über meinem Zelt und an meiner Lager­stätte, sondern auch Gift in meiner Rahrung, ja in meinem Tabak, und ich war nur froh, mög­lichst rasch das Dorf zu verlassen und mich Liesen

Besuch beim rumänischen Bojaren.

Ein Kapitel Getreidepolitik aus Rumänien.

Von unserem H. I'.-Berichterstatter.

Unterwegs

beginnen, in welcher der Dichter

ALBERT H. RAUSCH

eine Anzahl von amüsanten und nach­denklichen Erlebnissen auf seinen Rei­sen in aller Welt niedergelegt hat

von ihr, Laß wir von keiner Zelle soviel wissen: wie von der Krebszelle. Sie hat eine kürzere Le­bensdauer als normale Zellen, sie ist Schädigun­gen gegenüber weniger widerstandsfähig als an­dere; eben deswegen reagiert sie mit stärkerem Wachstum und mit einem bösartigen Drang zur Vermehrung, was ihr durch ihre Anspruchslosig­keit der Rahrung gegenüber und durch ihre Fähig­keit, Lurch Zuckervergärung Energien zu gewinnen, möglich wird. Die Kenntnisse von den Bedingun­gen des Krebswachstums in den Dienst der Krebs­bekämpfung zu stellen, ist bisher leider noch nicht gelungen und bleibt eine der dringlichsten Auf­gaben der praktischen Medizin, der Warburgs biologische Arbeiten überaus wertvolle Bau­steine geliefert haben.

Seine zellphysiologischen Forschungen wären zu­mindest zu einem Teil nicht möglich gewesen ohne die Verfeinerung der Verfahren der Gewebezuch- tung, wie sie Rhoda Erdmann, A. Fischer, H. Laser u. a. betreiben. So konnten z. V. wichtige Vergleiche zwischen Len embryonalen und bösartigen Krebszellen angestellt, auch Lie Strah­lenempfindlichkeit der in Glas gezüchteten Krebs­zellen geprüft werden usw. Die Zellforschung hat Wechselbeziehungen zwischen den normalen und anormalen Lebenserscheinungen in der Zelle auf­gedeckt und darüber hinaus ganz neue Tatbe­stände sichergestellt, beispielsweise die Strahlen­natur teilungsanregender Faktoren (mitogenetische Strahlen nach A.Gurwitsch, neueste Lleber- prüfungen von Fr. Dessauer). Die Forschun­gen zur Zellstimulation (M. P o p o f f und W. Gleis berg) wollen Möglichkeiten künstlicher Hemmung und Beschleunigung zellphysiologischer Abläufe ergründen und die von T. P e t e r f i durchgebildete Mikrochirurgie erlaubt das Stu­dium der Lebenserscheinungen bei verletzten Zellen. , _

Lieber die deutschen zellphysiologischen For­schungen der letzten Zeit geben u. a. auch die Jahresberichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften und die Be­richte der Rotgemeinschast der Deutschen Wissen­schaft weiteren Aufschluß.