Wenn Menschen ausrinandeegehn
Vornan von J. Schneider.Foerfil.
llrheberrechtsschutz Verlag O. Mei st er, Werdau.
21. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Er fuhr auf, sah Ianos' warnenden Mick und den angstvoll weit geöffneten des Knaben und Atoang sich Aur Ruhe. „Du hast das schon einmal behauptet, Raja. Aber das Gesicht des Kindes straft dich Lügen! Es ist das meine. Kein Richter würde dir glauben, wenn du anders sagtest."
„Guido!"
„Kein Mensch kann darüber hinweg, zu bejahen, daß wir uns ähnlich sehen, lind wie ähnlich! Gib mir das Kind!"
Die vergrub das Gesicht am Hals des Kleinen, der mit einem Lächeln zu Horvath emporsah.
„Rur jetzt kein Erinnern", schrie es in ihm. 3n dieser Minute mutzte alles ousgeschaltet werden, was der Vergangenheit angehörte. „Gib mir das Kindl Oder werde meine Frau, dann kannst du es immer haben."
Die starrte halb geöffneten Mundes zu ihm auf. „Deine Frau?"
„3a/
„Trotz allem?"
„Trotz allem."
„Und mein Vater?"
„Latz deinen Vater aus dem Dpiel."
„3ch kann nicht."
Die vergrub das Antlitz in den Händen und schluchzte so unbeherrscht auf, dah der Knabe eilig von ihr weg zu Horvath flüchtete, der ihn rasch auf den Arm hob und geduldig wartete, bis sie sich beruhigt hatte.
„Deine Liebe, Raja", er suchte vergeblich den Dpott in feinem Ton fernzuhalten, „ich rasch Der» lodert! Ein Steppenfrühling! Richts weiter! Sie fei über alle Matzen, wolltest du mich einmal glauben machen! Aber das war gelogen."
„Guido!" Sie klammerte ihre Hände um seine Knie.
„Quäl sie nicht so zwecklos", mahnte der Hirte. „Macht ein Ende zusammen — so oder so!"
„Willst du also, dah alles zu Ende ist, Raja?" Er fühlte, wie ihre Finger ihn umklammerten und festhielten.
„Uebermorgen reise ich. Kannst du mir bis morgen abend Bescheid sagen? Du hast nichts zu fürchten. Wenn du mir den Fungen überläßt, wirst du immer von uns beiden hören. 3mmer, Raja. Wenn du meine Frau werden willst, schaffe ich uns irgendwo ein Heim. Lehnst du beides ab, bin ich tot für dich und das Kind. 3ch werde nie wieder nach der Steppe kommen. Rie wieder!
Auch nicht, wenn du mich rufen solltest. Für den Kleinen will ich dann eine größere Summe auf einer Dank Hinterleger:, die du nach ‘Belieben verwenden kannst. Wenn er groß ist, magst du ihm sagen, wer fein Vater ist, du kannst auch einen andern nennen. Vielleicht führen seine und meine Wege im Leben wieder einmal zusammen, wenn deine und meine sich längst getrennt haben."
„Guido!"
Er hatte sich von ihren Händen freigemacht, ließ sich von dem Knaben küssen und stellte chn dann zu Doden.
„Gute Rächt! 3anos, vielleicht bist du so lieb und begleitest Raja ein Stück nach der Tanja hin, oder du gibst ihr einen der Hunde mit. Es dunkelt schon."
Sein helles Beinkleid und das weiße Hemd leuchtete noch eine Strecke Weges, dann verschwand er hinter einem Acker.
Zwei Tage später fuhr er ab. Ohne Frau! ohne Kind! Raja hatte es nicht über sich gebracht, sich von dem Knaben zu trennen und sich auch nicht entschließen können, aus den; Hause des Vaters zu flöchten.
Als der Mann ihrer Liebe über die Steppe nach der Station ritt, stand sie mit dem Kinde weit draußen an einem der Raine und hielt es ihm entgegen. Er warf dem Kleinen eine Kußhand zu. Für sie selbst aber hatte er keinen Blick gehabt, für sie, die ihm den Knaben geboren hatte und zugrunde ging an der Maßlosigkeit ihrer Liebe.
3anos fand sie in Weinkrämpfen auf dem Doden kauern, das Gesicht in die schwarzen Schollen gedrückt. Als sie es hob, sah der Alte, daß sie vom Leid gezeichnet war. vom Leid, für das es kein Wort und nimmermehr ein Ende gab.
Den Herbst und die ersten Wintermonate verbrachte Rosmarie in Wien. Als die Bälle begannen, auf die sie sich mit der 3ugenö ihrer zwanzig 3ahre und der Würde ihres jungen Frauentums so sehr gefreut hatte, ging sie auf Reisen.
„Allein?" hatte Aga gesagt und keinen Ton mehr laut werden lassen, als Rosmarie fragte, ob sie besser täte, sich von jemand begleiten zu lassen.
Gott, dieser Szengeryi! Wenn der wüßte, waS aus Rosmarie geworden ist. Kamen Briefe von ihm, blieben sie meist tagelang ungeöffnet auf dem Schreibtisch liegen, um dann flüchtig gelesen und nicht weiter mehr beachtet zu werden. Rur selten wurde einer erwidert. Unb dann waren es dünne Hüllen, die nur wenige Zeilen enthielten, während die seinen nie unter sechzehn Seiten zählten und gespickten Brieftaschen glichen.
Er bat so dringend um ein Bild. Das seine sei vergilbt und unkenntlich geworden unter seinen Küssen.
Rosmarie zuckte die Achseln: „3ch habe feinS.“ „Es gibt so viele Lichtbildner in Wien", erinnerte Aga und ließ ihr Lachen schon im ersten Laut ersterben, denn Rosmarie trat an Szengerhis Schreibtisch, nahm dort ihr Bild, das in einem kostbaren Rahmen stand, heraus und riß es in zwei Teile, die sie in die Glut des Kamins warf.
„Rosmarie!" Die Alte starrte entsetzt nach der Flamme, die gierig aufzüngelte. „Wenn es fehlt, wenn er nach Haufe kommt!"
„Es wird manches fehlen, wenn er zurückkehrt."
Mit einem Kopfschütteln ging Aga aus dem Zimmer. Rosmarie überkam eine fiebernde Hast, alle Schubladen und AlbumS zu durchsuchen. ob nicht irgendwo ein Bild von ihr steckte. Wo sich ein solches fand, nahm fie es heraus und warf es in die Glut zu den anderen. Sin ganzes Dutzend verschiedenster Ausnahmen war schon dahin gewandert. Zum Schlüsse fand sich kein einziges mehr, so sehr fie auch Umschau hielt.
bn einem tiefen Stuhl vor dem Kachelofen des Eßzimmers fitzend, träumte fie vor sich hin und hielt einen Brief des Gatten im Schoße. 3mmer wieder lasen ihre Augen die eine Stelle: „Meine Sage sind ein einziges Sehnen — meine Rächte ein einziges Begehren nach dir!"
Sie legte den Kopf zurück und lächelte. „Wenn er zurückkommt —"
Tags daraus reifte sie ab. Aga sollte immer Rachricht von ihr haben, versprach fie. „Unö die Briefe von deinem Mann?" fragte die Alte und hielt die jungen zitternden Hände fest.
„Die schickst du mir nach." Rosmarie sah Agas Aufatmen und strich ihr über die Wangen, „xüfj mich nochmals, du Gute! 3ch muß mich nicht sorgen um dich? Rein ? Don dem Gehalte Delas nimmst du monatlich, was du für dich und für sonstige Ausgaben brauchst. Das andere deponierst du alles auf seinen Barnen, nicht auf den meinen, Aga. Du hast mich doch verstanden?"
Aga nickte. Ach Gott, wie das Sprechen für den Augenblick doch über die Maßen schwer war!
„Was ich benötige, habe ich von meinem Vermögen abgehoben", sprach Rosmarie weiter.
„Warum willst du nichts vom Gelde deines Mannes?" Run schossen der Alten Tränen über die Wangen.
„Du wußt das verstehen", beruhigte die junge Frau. „Er wird sehr froh fein, wenn sein Gehalt zurückgelegt ist. Menschen, die berühmt werden und rasch emporsteigen wollen, müssen Kapital in der Hand haben. Rur deswegen, Aga. Begreifst du auch?"
Die Alte nickte. Sie war doch gut, ihre Rosmarie I
Zwei Stunden später stand sie allein in der großen Wohnung und wurde ein Gefühl unsäglicher Verlassenheit nicht los, das sich wie ein unbestimmtes Ahnen von etwas Gräßlichem, das sich ereignen würde, in ihre Seele einbohrte.
Sie träumte nacht- von Eisbären und wilden Männern, die Törok^ und Szengeryi zerfleischten und fand erst nach Tagen ihr Gleichgewicht wieder, als sowohl von Barben als auch von Süden her, wo Rosmarie jetzt weilte, gute Bachricht eintraf.
Horvath hatte einen Abend in Venedig konzertiert und rekelte sich am andern Morgen schlaftrunken auf dem unbequemen Killen zurecht.
Gr hatte gestern abend dem Boy zehn Lire in die Hand gedrückt, damit er ihm ein anderes Kissen verschaffe. Der 3unge hatte das ganze Hotel auf die Füße gestellt und war bis in die letzte Dachluke geklettert, aber der Wunsch des deutschen Künstlers war nicht erfüllbar.
„Etwas Weicheres gibt es in ganz Venedig nicht", berichtete er mitleidig.
Es war eine Tortur für Horvath gewesen, darauf zu liegen. Seine Koffer waren nicht rechtzeitig eingetroffen. Heute würde er hoffentlich auf feinen eigenen Kiffen schlafen können.
Auf ein diskretes Klopfen gab er keine Antwort und drehte sich wieder nach der anderen Seite. Was follte er jetzt schon? Er sah nach der Ufor auf dem Bachttisch. Halb zehn! Wenn jemand etwa- von ihm wünschte, dann konnte er warten.
Eine Hand drückte auf die Klinke. „Fatal!" Er hatte nicht versperrt. Bur gut, daß der kleine Salon dazwischen lag, so konnte er wenigstens aus den Laken kommen, ohne gesehen zu werden.
„Bitte, Signora!" horte er eine Stimme sprechen. „Vergessen Sie nicht Herrn Horvath zu bestätigen, daß Sie nicht gemeldet sein wollten. 3ch möcbte für keinen Fall die Ungnade Signor Horvaths auf mich laden."
Eine Erwiderung unterblieb. Bur die Säte draußen klappte inS Schloß, und ein leiser Schritt glitt über den Teppich.
Guido sprang aus dem Bett und schlüpfte in fein Beinkleid. „Signora", hatte der Etagenkell- net gesagt. Zum Teufe! auch! Was hatte eine Frau vormittags halb zehn Ubr in feinem Zimmer zu suchen? Er drehte nervös an den Hähnen des eingebauten Waschtisches und lieh warmes und kalte- Wasser über die Hände strömen. Ein prallgefüllter Schwamm fuhr über Gesicht und Hals. Duft von Lawendelwasser stieg aus Dosen und Flacons.
„Signora!" Er fluchte innerlich. „Die Frauen von heute find ohne jede Moral!"
Das Raffinement der Perlenvorhänge, die dio Türe zum Salon ersetzten, gestattete ein flüchtiges Spähen. Drauhen im Lederftuhl, der an den Diplomatenschreibtisch gerückt war, faß eine Dame und blätterte in dem Stapel von Briefen und Zeitungen, der dort aufgetürmt lag. Er vermochte nichts von ihr zu sehen als eine tadellose Rücken- linie und den leicht geneigten Kopf.
(Fortsetzung folgt.)
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Im Alter von 1 Jahr 4 Monaten zu sich zu nehmen.
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Die Beerdigung findet Dienstag, den 27. Oktober,
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Die
Ordentliche
Vertreterversammlung
H == findet Sonntag. 1. November 1931, vorm. 9 Uhr. im = ==== Gcwerkschattshaus, Gießen, Schanzenstr. 18. statt
Tagesordnung:
= - 1- Geschäftsbericht. Vorlage der Bilanz. Entlastung
E =■ dcr Gesamtverwaltung t. d. Geschäftsjahr 1930 31
= z=___ 2. Beschlußfass über die Verwendung der Erübrigung = i-----■ 3. Ersatzwahl für Vorstand und Aufsichtsrat
E - Beratung elngelaufener Anträge
= — - Anträge, die zur Beratung kommen sollen, müssen | = bis spätestens 27. Oktober 1931 im Büro. Schanzen- = ■ »trabe 16. eingereicht sein (§ 33. Absatz 3. derVerelns-
= —- Satzungen)
H ■ Aus demVorstand scheidet aus.- Jakob Moutarde Aus dem Aufsichtsrat scheiden aus. Friedrich Vetters. Heinrich Schneider. Georg Fischer
= ------- Ausscheidenden sind wieder wählbar
= 1 ; Der Aufsichtsrat. I. A.: Vetters
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der Hausfrauenberatung
im Caft Leib, Donnerstag, den 19. Oktober, 8 Uhr: Der Moden und seine sachgemälie Fliege Vortrag von Frau M. Händel, Dresden
läuft in
W.- Steinberg: Dienstag, den 27. Okt Lieh: Mittwoch, den 28. Oktober Ober-Bessingen : Donnerstag, 29. Okt Eberstadt: Freitag, den 30. Oktober Großen-Llnden: Samstag, den 31. Okt. Londorf: Montag, den 2. November Grünberg : Dienstag, den 3. November Großen-Buseck: Mittwoch, den 4. Nov.
Beginn: 8% Uhr 06230
Eintritt 30 PI., Erwerbslose 20 Pf.
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